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Bedeutung, Perspektiven und Probleme der Orofazialen Regulationstherapie zur Förderung bei Menschen mit Down-Syndrom

Title: Bedeutung, Perspektiven und Probleme der Orofazialen Regulationstherapie zur Förderung bei Menschen mit Down-Syndrom

Examination Thesis , 2007 , 115 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Moritz Kaschewski (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Das Erscheinungsbild des Down-Syndroms bzw. der Trisomie 21 ist mit einer Häufigkeit von zirka 1:700 bei Föten die am weitesten verbreitete Behinderungsform weltweit (Borlinghaus 2002: 5). Sie ist wahrscheinlich nicht nur die häufigste, sondern auch eine der in der Öffentlichkeit bekanntesten Formen. Allerdings musste ich häufig die Erfahrung machen, dass bezüglich des Down-Syndroms in der Öffentlichkeit eine ganz bestimmte Vorstellung vorherrscht. Den betroffenen Menschen wird untereinander nicht selten eine sehr große Ähnlichkeit unterstellt, die sich entweder auf ihr Äußeres oder sogar auf die Persönlichkeit bezieht. Ich bemühe mich in meiner Arbeit deshalb darum, dieser immer noch weit verbreiteten Pauschalisierung, einer gewissen Homogenität aller Menschen mit Down-Syndrom, zu widersprechen. Ich bin davon überzeugt, dass der Personenkreis mit Trisomie 21 eine ebenso große, wenn nicht größere Heterogenität aufweist wie derjenige ohne Trisomie 21. Kinder mit Down-Syndrom brauchen aufgrund ihrer Einschränkungen, die bei jedem anders sein können, natürlich andere Förderungen als Kinder ohne Down-Syndrom, aber mit deren Hilfe sind sie oft dazu in der Lage, ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen und manchmal auch im kognitiven Bereich über andere Personen ohne jegliche Einschränkung hinauszuwachsen (siehe Kapitel 2: Praxisbeispiel). „Es ist daher nötig, sowohl die besonders leistungsfähigen Kinder mit Down-Syndrom ihren Möglichkeiten entsprechend zu fördern als auch die stärker beeinträchtigten Kinder angemessen zu berücksichtigen“ (vgl. Wilken 1996: 14). In meiner Arbeit werde ich daher das Therapiekonzept nach Rodolfo Castillo Morales vorstellen, das ich aufgrund meiner persönlichen Kontakte zu Argentinien kennen lernte und das gegebenenfalls eine gute Therapiemöglichkeit für Menschen mit Down-Syndrom darstellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Praxisbeispiel:

Gegen die weit verbreitete Fehleinschätzung der Homogenität von Menschen mit Down-Syndrom

3. Einführung: Trisomie 21 bzw. Down-Syndrom

3.1 Geschichte

3.2 Ursachen

3.3 Morphologisches Erscheinungsbild

3.4 Entwicklung

3.4.1 Intelligenz

3.4.2 Wahrnehmung

3.4.3 Gedächtnis

3.4.4 Sprache

3.4.4.1 Sprachförderung

4. Rodolfo Castillo Morales und der philosophische Ansatz in seinem Therapiekonzept

5. Das Therapiekonzept nach Rodolfo Castillo Morales

5.1 Einführung

5.2 Welche anderen Therapien sind eng mit dem Castillo-Morales-Konzept verbunden?

5.2.1 Die Botha-Therapie

5.2.2 Die Vojta-Therapie

5.2.3 Die Pörnbacher-Therapie

5.3 Die Orofaziale Regulationstherapie

5.3.1 Der orofaziale Komplex und seine Befundaufnahme

5.3.2 Pathologien im orofazialen Komplex bei Menschen mit Down-Syndrom

5.3.3 Grundlagen der Orofazialen Regulationstherapie

5.3.4 Die therapeutische Behandlung innerhalb der Orofazialen Regulationstherapie

5.3.4.1 Vorbereitende Maßnahmen und Basisübungen

5.3.4.2 Weitere zielgerichtete Übungen

5.3.4.3 Die Gaumenplatte - ein weiterer Baustein der ORT

5.3.4.4 Was lässt sich über die Behandlung des orofazialen Bereichs festhalten?

6. Das Interview

6.1 Einführung

6.2 Der Aufbau des Interviews

6.3 Der Interviewbogen

6.4 Die Auswertung des Interviews

7. Die Bedeutung, Perspektiven und Probleme der ORT zur Förderung bei Menschen mit Down-Syndrom – ein Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Relevanz und Entwicklung des Castillo-Morales-Konzeptes als Förderkonzept für Menschen mit Down-Syndrom unter Berücksichtigung von Erfolgen und Problematiken kritisch zu untersuchen und zu hinterfragen.

  • Differenzierte Betrachtung der Heterogenität von Menschen mit Down-Syndrom
  • Theoretische Grundlagen und Anwendungsbereiche der Orofazialen Regulationstherapie
  • Vergleichende Analyse des Castillo-Morales-Konzeptes mit anderen neurophysiologischen Therapieformen
  • Empirische Untersuchung der Praxis durch Experteninterviews mit Therapeuten
  • Herausforderungen in der therapeutischen Zusammenarbeit und Einbeziehung von Eltern

Auszug aus dem Buch

Die Zunge

Die Zunge ist eines der Organe, die bei Menschen mit Down-Syndrom relativ häufig betroffen sind. Wie bereits erwähnt, wird heute fälschlicherweise noch behauptet, dass die entsprechenden Patienten oft eine Makroglossie, also eine zu große Zunge, hätten. Nach Untersuchungen Limbrocks liegt jedoch nur bei etwa 5% der Säuglinge und Kinder mit Morbus Down eine wirkliche Makroglossie (laut Definition von Castillo Morales) vor (Limbrock 1996: 88). Allerdings ist die Zunge im Vergleich zur Mundhöhle häufig zu klobig, groß und breit. Hinzu kommt noch, dass sie sehr oft hypoton und nicht zuletzt dadurch nach vorne verlagert ist. Weiterhin ist die Erhebung auf der Mittellinie, die der Form des Gaumens entspricht, sehr auffällig. Castillo Morales bezeichnet diese Pathologie als Zungendiastase (Castillo Morales 1998: 67).

Aus der Kombination der verschiedenen Störungen der Zunge und anderen (wie der Mundatmung) entwickeln sich große Problematiken in verschiedenen Bereichen, wie bei der Artikulation, Infektionsgefahr, Nahrungsaufnahme (Kauen und Schlucken) und bei dem äußerlichen Erscheinungsbild.

Es lässt sich festhalten, dass die Zunge ein wichtiger Bestandteil des orofazialen Komplexes und des ganzen Körpers ist und daher auch in der Therapie eine bedeutende Rolle einnimmt.

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Einführung in die Thematik des Down-Syndroms unter Betonung der individuellen Heterogenität und Vorstellung des ganzheitlichen Ansatzes nach Rodolfo Castillo Morales.

Praxisbeispiel: Darstellung anhand von Pablo Pineda, um der weit verbreiteten Annahme einer Homogenität bei Menschen mit Down-Syndrom zu widersprechen.

Einführung: Trisomie 21 bzw. Down-Syndrom: Erläuterung der genetischen Grundlagen, der Entwicklung sowie spezifischer körperlicher und kognitiver Merkmale, einschließlich der Sprachförderung.

Rodolfo Castillo Morales und der philosophische Ansatz in seinem Therapiekonzept: Beschreibung der persönlichen und philosophischen Hintergründe des Gründers und dessen Einfluss auf den ganzheitlichen, respektvollen Therapieansatz.

Das Therapiekonzept nach Rodolfo Castillo Morales: Detaillierte Analyse der Teilkomponenten, der neurophysiologischen Grundlagen, der manuellen Techniken sowie der spezifischen Anwendung der Orofazialen Regulationstherapie.

Das Interview: Wissenschaftliche Begründung der Methodik zur Datenerhebung mittels Experteninterviews sowie Auswertung der Befragung von Castillo-Morales-Therapeuten.

Die Bedeutung, Perspektiven und Probleme der ORT zur Förderung bei Menschen mit Down-Syndrom – ein Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit der Therapie unter Berücksichtigung therapeutischer, struktureller und elternbezogener Voraussetzungen.

Schlüsselwörter

Castillo-Morales-Konzept, Orofaziale Regulationstherapie, Down-Syndrom, Trisomie 21, Muskelhypotonie, Sprachförderung, Ganzheitlichkeit, Physiotherapie, Logopädie, Elternarbeit, Frühförderung, Neurophysiologie, sensomotorische Entwicklung, Mundatmung, Gaumenplatte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung, Perspektiven und Probleme der Orofazialen Regulationstherapie (ORT) nach Rodolfo Castillo Morales speziell im Hinblick auf die Förderung von Menschen mit Down-Syndrom.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die theoretische Fundierung des Castillo-Morales-Konzeptes, die Einordnung in andere neurophysiologische Therapien, die spezifischen orofazialen Pathologien bei Trisomie 21 sowie die praktische Umsetzung und Evaluation durch Therapeuteninterviews.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Ziel ist es, den Stellenwert und die Relevanz des Castillo-Morales-Konzeptes als Förderform zu klären und dabei besonders auf die Heterogenität der betroffenen Personen einzugehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?

Neben einer ausführlichen theoretischen Literaturanalyse führte der Autor eine empirische Datenerhebung mittels strukturierter Interviews mit praktizierenden Castillo-Morales-Therapeuten durch.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Philosophie des Therapiekonzepts, der detaillierten Beschreibung der orofazialen Probleme bei Down-Syndrom sowie den konkreten Behandlungstechniken wie manuellen Stimulationen und dem Einsatz der Gaumenplatte.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Orofaziale Regulationstherapie, Trisomie 21, Muskelhypotonie, Ganzheitlichkeit und Interdisziplinarität geprägt.

Welche Rolle spielt der orofaziale Komplex bei Menschen mit Down-Syndrom laut der Arbeit?

Der orofaziale Bereich (Mund und Gesicht) ist bei diesen Menschen häufig durch Hypotonie und anatomische Besonderheiten belastet, was Funktionen wie Saugen, Kauen, Schlucken und Sprechen beeinträchtigen kann.

Warum betont die Arbeit die Einbindung der Eltern?

Die Arbeit stellt heraus, dass die oftmals zeitintensive Therapie zu Hause fortgeführt werden muss und die aktive Mitarbeit und Unterstützung durch die Eltern eine zwingende Voraussetzung für den Therapieerfolg ist.

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Details

Title
Bedeutung, Perspektiven und Probleme der Orofazialen Regulationstherapie zur Förderung bei Menschen mit Down-Syndrom
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Geistigbehindertenpädagogik)
Grade
2,0
Author
Moritz Kaschewski (Author)
Publication Year
2007
Pages
115
Catalog Number
V114053
ISBN (eBook)
9783640144860
ISBN (Book)
9783640146062
Language
German
Tags
Bedeutung Perspektiven Probleme Orofazialen Regulationstherapie Förderung Menschen Down-Syndrom
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Moritz Kaschewski (Author), 2007, Bedeutung, Perspektiven und Probleme der Orofazialen Regulationstherapie zur Förderung bei Menschen mit Down-Syndrom, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114053
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