Nutzungswandel im Regenwald Ghanas - Rahmenbedingungen und Folgen


Examensarbeit, 2007

96 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Problemstellung
1.1 Einführung
1.2 Zielsetzung und Fragestellung
1.3 Konzeptioneller Aufbau

2 Das Ökosystem Regenwald
2.1 Großklimatische Rahmenbedingungen
2.2 Die allgemeine Struktur des tropischen Regenwaldes
2.3 Die Funktionsweise des Ökosystems (Nährstoffkreislauf)
2.4 (Zer)Störung des Ökosystems Regenwald

3 Das Untersuchungsgebiet: Ghana
3.1 Lage und Verwaltung
3.2 Der Naturraum
3.3 Die Waldzone Ghanas
3.3.1 Der immergrüne Regenwald
3.3.2 Der regengrüne Feuchtwald

4 Die ursprüngliche Nutzung des Regenwaldes
4.1 Der Wald als Lebensraum
4.2 Der traditionelle Wanderfeldbau
4.3 Waldzerstörung vor der Kolonialzeit
4.4 Die vorkolonialen Kontakte zu Europa
4.5 Zwischenfazit I

5 Der Wandel der Regenwaldnutzung während der Kolonialzeit
5.1 Die Goldküste wird Kolonie
5.2 Der Beginn der kommerziellen Nutzung
5.3 Der Siegeszug des Kakao
5.4 Die Entwicklung des Bodenrechts und seine Folgen
5.5 Versuche staatlicher Reglementierung
5.6 Gründe für die Kakaofavorisierung
5.7 Zwischenfazit

6 Der Wandel der Regenwaldnutzung von 1957 bis 1990
6.1 Entwicklungsstrategien im Wandel
6.2 Die Entwicklung des Kakaosektors
6.3 Die zerstörerische Wirkung der „neuen Nutzung“
6.4 Ursachen der Regenwaldvernichtung
6.5 Forstwirtschaft in Ghana
6.5.1 Forest Reserves
6.5.2 Waldbaumethoden
6.5.2.1 Tropical Shelterwood System
6.5.2.2 Umwandlung zu Holzplantagen
6.5.2.3 Taungya-System
6.5.3 Aufforstungsmaßnahmen
6.5.4 Subri river forest reserve
6.6 Die Holzwirtschaft in Ghana
6.6.1 Die Strukturen der Schlagrechte
6.6.2 Die Methode des selektiven Holzeinschlags
6.6.3 Holzeinschlag und Holzexport als Indikatoren für Waldzerstörung
6.7 Ökologische Folgen der Regenwaldvernichtung in Ghana
6.8 Soziale und sozioökonomische Folgen der Regenwaldvernichtung in Ghana
6.9 Zwischenfazit

7 Von der Zerstörung zur nachhaltigen Nutzung? Entwicklungen seit 1990
7.1 Der Nachhaltigkeitsbegriff
7.2 Alternative Formen der Landnutzung in Gebieten des tropischen Regenwalds
7.2.1 Alley-Cropping
7.2.2 Das neue Taungya-System
7.3 Zusammenfassende Darstellung der Wirtschaftsund Umweltsituation Ghanas
7.4 Globale und/oder lokale Lösungsansätze
7.5 Alternative: Ökotourismus?

8 Fazit

Literaturverzeichnis

V Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die tropische Passatzirkulation

Abbildung 2: Störung des Nährstoffkreislaufs im Regenwald Abbildung 3: Durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge Ghanas Abbildung 4: Die natürliche Vegetation Ghanas

Abbildung 5: Entwicklung der Kakaoproduktion Ghanas 1893 - 1955 Abbildung 6: Die traditionellen Flurformen des Huza-Systems

Abbildung 7: Idealtypische Sequenz einer Binnenkolonisation im Waldgürtel Ghanas Abbildung 8: Waldvernichtung nach Ländern bezüglich Fläche und Entwaldungsrate Abbildung 9: Der Wandel der Vegetation im Laufe des letzten Jahrhunderts Abbildung 10: Gewichtung der Ursachen der Regenwaldvernichtung in Ghana Abbildung 11: Forstreserven im Hinblick auf Naturschutz und Holzeinschlag Abbildung 12: Exporterlöse aus Tropenholz / Ghana 1972 –

Abbildung 13: Die Armutsspirale Abbildung 14: Alley-Cropping

Abbildung 15: Durchschnittliche Waldvernichtungsrate in Afrika 2000 - 2005 Abbildung 16: Systematischer Ansatz zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung und für Naturschutz in den Tropenwäldern

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verwaltungsregionen Ghanas mit den zugehörigen Regionshauptstädten Tabelle 2: Plantagen von industriellem Nutzholz in km²

Tabelle 3: Vergleich der Anteile am Ertrag zwischen dem alten und neuen Taungya- System in Prozent

Tabelle 4: Entwicklung der Waldfläche je nach Waldtyp in km² Tabelle 5: Ghana: International Tourist Arrivals and Receipts

1 Problemstellung

1.1 Einführung

Die tropischen Regenwälder erfüllen global und lokal eine Vielzahl von unterschiedlichen Funktionen und können somit als ein Raum auf der Erde angesehen werden, dem eine erhöhte Priorität zugesprochen werden muss. Herausragend ist die Funktion des Ökosystems Regenwald, welches durch seine Komplexität als einzigartig zu bezeichnen ist. Die Wälder dienen als Lebensraum für eine immer größer werdende Anzahl von Menschen und stellen eine existentielle Naturressource für die einheimische Bevölkerung dar. Jedoch gehört der tropische Regenwald trotz oder gerade wegen seiner positiven Eigenschaften zu einem der bedrohtesten Lebensräume der Erde. Die anthropogene Nutzung hat ihre Spuren hinterlassen, welche das System in seiner Gesamtheit erheblich verändert haben. Unangebrachte landwirtschaftliche Nutzungsweisen und die fortschreitende Rodung der Edelhölzer stehen im Fokus der Kritik.

Eines der Länder, welches sich der Problematik stellen muss den Regenwald zu nutzen, aber nicht zu zerstören, ist Ghana. Das westafrikanische Land gilt in vielerlei Hinsicht als Vorreiter der Staaten südlich der Sahara. So errang die damalige Goldküste als erstes schwarzafrikanisches Land die Unabhängigkeit im Jahr 1957 und galt seither als schwarzer (Leit-)Stern Afrikas. Jedoch blieb auch Ghana nicht von den Schwierigkeiten der eigenen Autonomie hinsichtlich des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Drucks verschont und verstärkte daher die (Aus)Nutzung der eigenen Ressourcen. Heute lässt sich nur noch in rudimentären Bruchstücken die einstige Vegetationsfülle im Regenwaldgürtel erahnen.

1.2 Zielsetzung und Fragestellung

Die vorliegende Arbeit beschreibt und analysiert den Nutzungswandel, welcher sich im Laufe der Zeit im Regenwald Ghanas vollzogen hat. Neben der Untersuchung verschiedener Nutzungsformen werden vor allem die jeweils der Epoche entsprechenden Rahmenbedingungen erläutert. Ferner gilt es die Folgen dieses Prozesses bezüglich der ökologischen, ökonomischen und sozialen Struktur aufzuzeigen und zu analysieren.

Zur Schaffung einer wissenschaftlichen Basis gilt es zunächst, die Frage nach der Funktionsweise des Ökosystems hinsichtlich der möglichen Auswirkungen anthropogener Einflüsse zu klären. Wie verhält sich der tropische Regenwald nach einer Störung des natürlichen Nährstoffkreislaufs? Mit Hilfe dieser Grundlage können folgend die verschiedenen Arten von Belastungen der einzelnen Epochen eruiert werden. Welche Rolle spielten die Interessen der britischen Kolonialmacht? Inwiefern veränderte sich die Form der Regenwaldnutzung in Ghana bezüglich des steigenden Bevölkerungsdrucks? Auf welche Art und Weise können alternative Nutzungsformen des tropischen Regenwalds dessen Reduzierung verhindern?

Ghanas Wirtschaft stützt sich auf die drei großen Exportgüter: Kakao, Gold und Holz. Insbesondere die Kakaound Holzwirtschaft hatten durch strukturelle Entwicklungen im vergangenen Jahrhundert einen enormen Anteil am Wandel der Regenwaldnutzung. Besteht zwischen der Kommerzialisierung dieser Güter und der Genese des Kulturwaldes ein direkter Zusammenhang? Im Unterschied zu den beiden genannten Wirtschaftsformen trägt der Goldabbau, aufgrund der reinen Holzverwertung zur Energiegewinnung und Baumaterialherstellung, im Endeffekt nur zur Zerstörung des Regenwaldareals bei. Aufgrund der geringen Auswirkungen in Bezug auf den Wandel der Regenwaldnutzung wird der Beitrag der Goldwirtschaft in der vorliegenden Arbeit vernachlässigt.

Ziel dieser Arbeit ist es, mit Kenntnis des Entwicklungsprozesses bezüglich des Nutzungswandels im tropischen Regenwald Ghanas Aussagen zu treffen, welche die Grenzen zwischen sinnvoller Nutzung, Umgestaltung und Zerstörung eindeutig beschreiben.

Des Weiteren gilt es, die bisherigen Maßnahmen und Methoden der Regierung sowie der lokalen Bevölkerung zu bewerten und einen Ausblick zu wagen, wie Ghana mit den vorherrschenden Problemen in Zukunft umgehen könnte.

1.3 Konzeptioneller Aufbau

Die methodologische Struktur der Arbeit wird durch den Aspekt der Chronologie von Ereignissen festgesetzt. Nach den einführenden Kapiteln zur Funktionsweise des Ökosystems Regenwald und der Vorstellung des Untersuchungsgebietes Ghana folgen vier

Kapitel, welche den Nutzungswandel des Regenwaldes von der ursprünglichen bis zur aktuellen Situation charakterisieren und analysieren. Diese abgesteckten Epochen schließen jeweils mit einer Art Wasserstandsmeldung ab, welche als Zwischenfazits gekennzeichnet sind. Der Sinn dieser Methodik besteht darin, jeweils eine Basis für den folgenden Zeitabschnitt zu schaffen und die bisherigen Entwicklungen bezüglich des Nutzungswandels aufzugreifen. Außerdem zielt diese Maßnahme darauf ab, angesichts der Komplexität der Einflussfaktoren, stets einen Überblick zu geben, um somit ein erhöhtes Verständnis für die ablaufenden Mechanismen zu garantieren.

2 Das Ökosystem Regenwald

Das Wissen um die Eigenschaften des Ökosystems Regenwald ist äußerst relevant zur Beantwortung der in der Einleitung gestellten Fragen: Welche Auswirkungen haben anthropogene Eingriffe, beispielsweise in Form von Rodung, auf das Ökosystem? Und mit welchen lokalen und globalen Folgen ist zu rechnen? Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick der entscheidenden Charakteristika des tropischen Regenwalds. Dabei sei darauf verwiesen, dass es sich nicht um eine Ausarbeitung des Gesamtkenntnisstandes der allgemeinen Tropenökologie, sondern vielmehr um eine prägnante Darstellung der wichtigsten Aspekte, hinsichtlich der zu bearbeitenden Thematik, handelt.

2.1 Großklimatische Rahmenbedingungen

Die Regenwälder der Erde befinden sich fast ausschließlich im ökozonalen Bereich der Tropen. Also auf beiden Seiten des Äquators in etwa 10° nördlicher und südlicher Breite. Dieses Gebiet unterliegt einer erhöhten Intensität der Sonneneinstrahlung, welche das Klima tiefgreifend beeinflusst. Aufgrund der Schiefelage der Ekliptik ist der Bereich der Tropen bezüglich der Strahlungsverhältnisse der Sonne im Gegensatz zu den außertropischen Gebieten begünstigt. Die Sonne steht hier vorwiegend in nahezu zenitaler Stellung und die Tagesund Nachtlängen betragen ganzjährig jeweils zwölf

Stunden.1 Dem Lambertschen Gesetz zu Folge bewirkt ein hoher Grad des Einfalls- winkel der Sonnenstrahlen eine Zunahme des Strahlungsstroms der angestrahlten Fläche.2 Durch die Uniformität der Tagesund Nachtzeiten erklärt sich die gleichförmige Temperaturentwicklung über das Jahr hinweg. Da die Temperaturamplitude an einem Tag in den Tropen größer ist als die Amplitude der Jahrestemperatur, spricht man hier von einem Tageszeitenklima. Die Temperaturen belaufen sich durchschnittlich auf Werte von 27° - 28°C im Tiefland mit einer Jahresamplitude von 3° - 4°C in den inneren Tropen. Je weiter man sich vom Äquator entfernt, um so größer werden die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede.3

Die vorherigen Ausführungen beinhalten die Tatsache, dass in den Tropen keine jahreszeitlichen Verschiebungen, wie Sommer und Winter, vorliegen. Jedoch übernehmen in gewissem Maße die Regenbzw. Trockenzeiten diese Funktion. Der Niederschlag zeichnet sich mehrheitlich als sehr kurz (10 - 120 Min.) und durch seine extreme Intensität aus. Abweichend hiervon gelten Gebiete, die unter Einfluss des Monsun stehen oder die durch lokale Höhenunterschiede einen hohen Luftaufstieg vorweisen. Hier kann es gelegentlich zu einem länger währenden feinen Niederschlag kommen. Abgesehen von diesen Ausnahmeerscheinungen ist eine erhöhte Niederschlagsquote in den späten Nachmittagsstunden festzustellen. Diese Erscheinung lässt sich erklären: Die intensive Sonneneinstrahlung, vor allem in äquatornähe, bedingt eine enorme Konvektion. Die aufsteigende warme Luft kondensiert und es entstehen Wolken. Diese Wolken können sich im Extremfall bis zu einer Höhe von 10 km auftürmen und verursachen die angesprochenen Niederschlagsereignisse.4

Abbildung 1: Die tropische Passatzirkulation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Behr (u.a.) 1996, S.124

Die Konvektion ist allerdings nur ein Teil des komplexen Systems, welches die Niederschlagsereignisse reguliert. Tropische Windsysteme haben entscheidenden Einfluss auf die Ausbildung von Regenund Trockenzeiten. Die Passatzirkulation ist in Abbildung 1 dargestellt. Die Passat-Grundschicht weist neben dem richtungsbeständigen Nordostpassat (Nordhalbkugel) und Südostpassat (Südhalbkugel) die eben beschriebenen vertikalen Luftbewegungen auf.5

Die Passatinversion ist eine Temperaturumkehrschicht in einer Höhe von 1 – 2,5 km. Hier trifft die absinkende Kaltluft der Passat-Oberschicht auf die vertikal aufsteigende Luft der Grundschicht und verhindert somit eine größere Ausbildung der Konvektionsbewölkung.6

Aufgrund des entstehenden Drucks der nachströmenden vertikalen Luftmassen fließt aus der stark ausgeprägten Konvektionsbewölkung trockene Luft in der Passat-Oberschicht polwärts. Als Resultat dieser Luftmassenkonvergenz entsteht eine äquatoriale Tiefdruckrinne. Die sogenannte Innertropische Konvergenzzone steuert entscheidend die Ausbildung von Regenund Trockenzeiten. Infolge ihrer jahreszeitlichen Ver- lagerung wird die Passatzirkulation beeinflusst und reguliert somit den Zufluss von feuchten oder trockenen Luftmassen.7

2.2 Die allgemeine Struktur des tropischen Regenwaldes

Die im vorherigen Kapitel beschriebenen großklimatischen Rahmenbedingungen schaffen die optimalen Verhältnisse zur Entstehung eines tropischen Regenwaldes. Hohe Temperaturen, ohne jahreszeitliche Schwankungen, und Niederschläge, welche fortdauernd die Evapotranspiration (Summe aus Evaporation und Transpiration) übertreffen, sind die entscheidenden Faktoren zur Ausbildung eines solch komplexen Ökosystems.8

Im Unterschied zu den Wäldern der mittleren Breiten stechen im tropischen Regenwald die gesteigerte Pflanzenproduktion und die enorme Artenvielfalt heraus. Die hohe Heterogenität der Pflanzenarten führt nicht zu Ausbildung von Dominanz. Jede Pflanze überlebt in der ihr am besten angepassten ökologischen Nische. Die Diversität wird bei folgender Gegenüberstellung deutlich: Während in Mitteleuropa etwa 30 Baumarten heimisch sind, können im tropischen Regenwald auf einer Fläche von einem Hektar 500 verschiedene Baumarten wachsen.9

Besonderes Kennzeichen des tropischen Regenwaldes ist der ausgeprägte Stockwerkbau. Da durch die großklimatischen Bedingungen genügend Wasser und Wärme vorhanden sind, ist Licht der primäre wachstumsfördernde Faktor. Die typische Stockwerkstruktur ist unter anderem eine Folge der Lichteinstrahlungsverhältnisse in den Regenwald. Die bis zu 80 m hohen Urwaldriesen bilden mit ihren weit ausladenden Kronen das oberste Stockwerk. Der Lichteinfall liegt hier selbstverständlich noch bei 100 %. Das sich darunter befindende Stockwerk in einer Höhe von 15 bis 40 m ist geprägt durch ein dichtes Kronendach (Canopy Layer). Unterhalb dieser Schicht verringert sich der Lichteinfall dramatisch auf einen Wert von maximal 25 %. Die weitere Lichtabsorption durch die Stockwerke der Einzelbäume (6 – 15 m) und der Strauchschicht (2,5 – 6 m) verursacht, dass der Lichteinfall in der untersten „Etage“, der Krautschicht, nur noch 1 – 3 % beträgt. Diese Tatsache erklärt die verkümmerte Vegetation im Unterwuchs eines tropischen Regenwaldes.10

2.3 Die Funktionsweise des Ökosystems (Nährstoffkreislauf)

Die Böden des tropischen Regenwaldes (z.B. Ferralite, Ferrisole, Fersilate) zeichnen sich, bis auf wenige Ausnahmen, durch eine erhebliche Nährstoffarmut aus. Der verminderte Restmineralgehalt, die niedrige Kationenaustauschkapazität und der Humusanteil im Oberboden sind die primären Faktoren, welche die Oligotrophie der Böden bedingen. Der Restmineralgehalt bezeichnet die noch vorhandene Zahl an Mineralbruchstücken des Ausgangsgesteins im Bodenskelett nach dessen Verwitterung und stellt somit den Bezugsort der mineralischen Pflanzennährstoff-Kationen (z.B. Calcium, Magnesium, Kalium usw.), die ein Pflanzenwachstum erst ermöglichen, dar. Die Humifizierung des durch die Vegetation angelieferten Materials bestimmt den Humusanteil im Oberboden. Hier lagernde mineralische Nährstoffe können durch Wiederaufnahme in den Kreislauf gelangen und so dem Pflanzenwachstum dienen. Des Weiteren ist die Humusschicht, mit den in ihr enthaltenden Huminsäuren, Träger der Kationenaustauschkapazität. Diese bezeichnet die Fähigkeit des Bodens Nährstoffe locker und pflanzenverfügbar zu binden. Neben den Humusstoffen sind insbesondere die Tonminerale im Boden entscheidend für die Speicherung der Nährstoffe. Aufgrund der starken hydrolytischen Verwitterung werden Kaolinite (zweischichtige Tonminerale) gebildet. Diese zeichnen sich zwar durch eine hohe Stabilität der Kristalle, aber auch eine geringe Wasseraufnahmefähigkeit und niedrige Kationen-austauschkapazität aus. Wegen der beschriebenen Eigenschaften besitzen die meisten tropischen

Böden nur eine stark verminderte Fähigkeit Nährstoffe zu speichern.11

Trotzdem bildet der tropische Regenwald mit seiner Fülle an Vegetation ein einzigartiges Ökosystem auf der Erde. Wie ist dieser scheinbare Widerspruch zu erklären? Die Lösung zeigt sich in der Funktion des Nährstoffkreislaufes tropischer Regenwälder. Die Nährstoffe der abgestorbenen Biomasse werden in einem geschlossenen und intensiven System den Pflanzen wieder zugeführt. Grundvoraussetzung dafür ist die ausgeprägte Ballung der Wurzelmasse in der obersten Bodenschicht. 70 – 80 % der Wurzeln sind in der Region zwischen 30 und 45 cm zu lokalisieren. Daher erklärt sich auch die Ausbildung von Planken-, Brettund Pfahlwurzeln der Urwaldriesen, die lebensnotwendig für ihre Stabilität sind. Aufgrund der vorherigen Ausführungen bezüglich der verminderten Fähigkeit von Nährstoffspeicherung des Bodens, erfolgte ein evolutionärer Anpassungsprozess des Nährstoffkreislaufs. Der Oberboden wirkt als Nährstofffalle (nutrient trap). Primär liegt die Begründung in einem Mutualismus zwischen den Wurzeln und dem Mykorrhiza-Pilz. Diese in Symbiose mit den Wurzeln lebenden Pilze besitzen die Fähigkeit Mineralstoffe aus dem Boden zu filtern, zu speichern und den Pflanzen nach und nach zuzuführen. Durch diese Funktion erhalten die Pflanzen die notwendigen Nährstoffe zum Wachstum. Im Gegenzug profitieren die Pilze wiederum von den ihrerseits lebensnotwendigen Photosyntheseprodukten der Bäume zur Ernährung. In einem intakten Ökosystem funktioniert dieser Nährstoffkreislauf aufgrund seiner speziellen Anpassung höchst effektiv und bringt als Resultat die schon angesprochene Üppigkeit an Vegetation hervor.12

2.4 (Zer)Störung des Ökosystems Regenwald

Die vorangegangen Erläuterungen zu der Funktionsweise des Ökosystems Regenwald zeigen, wie die Evolution die ungünstigen Grundvoraussetzungen überwunden hat. Offen bleibt bislang jedoch, auf welche Art und Weise dieses geschlossene System reagiert, wenn äußere Einflüsse es stören. Die autochthonen Anbauweisen, wie z.B. shifting cultivation, haben sich seit Jahrzehnten an das Ökosystem angepasst und verursachen nur eine zeitlich begrenzte Störung. Allerdings rufen unangepasste Eingriffe in den Naturraum irreversible Schäden hervor.

Die wirtschaftliche Nutzung des Regenwaldes, ob nun zu Anbauzwecken durch Brandrodung oder zur Vermarktung des begehrten Tropenholzes durch Kahlschlag, geht stets einher mit seiner Beseitigung. Durch den Verlust der schützenden Vegetationsschicht können Niederschlag und Sonnenstrahlung ungehindert auf den Boden treffen. Die Symbiose zwischen den Wurzeln und Bodenpilzen wird aufgelöst. Dadurch verfällt die Nährstofffallenfunktion des Oberbodens und der Kreislauf wird unterbrochen.

Abbildung 2: Störung des Nährstoffkreislaufs im Regenwald

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ertel 1995, S.34

Die Nährstoffe sind nicht mehr speicherbar und werden ungenutzt abtransportiert. Zwar können aufgrund der in der Asche vorhandenen Nährstoffe auf den brandgerodeten Flächen zeitnah hohe ackerwirtschaftliche Erträge erzielt werden, aber diese Bodenfruchtbarkeit hält höchstens ein bis zwei Ernten und sinkt danach dramatisch ab, bis der

Boden für irreversibel geschädigt und somit als unnutzbar für den Anbau von landwirtschaftlichen Produkten erklärt werden muss.13

Die weiteren lokalen ökologischen Folgen sind verheerend: Durch den Wegfall des schützenden Kronendaches bewirken starke Regenfälle einen Anstieg des oberflächlichen Abflusses und der Bodenerosion. Aufgrund des gestiegenen Abtransports von

Tonpartikeln verlieren die Böden weiterhin die Fähigkeit Wasser zu speichern, während die Auswaschung der Nährstoffe ansteigt.14

Ferner wird der Bodenwasserhaushalt gestört. Die zunehmende direkte Sonneneinstrahlung verstärkt die Bodenverhärtung und verursacht durch eine abgesenkte Infiltrationsrate ein Abnehmen der Bodenfeuchte. Mögliche Veränderungen sind die Senkung des Grundwasserspiegels und das Versiegen von Quellen.15

Die Abholzung der Vegetation bewirkt auch einen tiefgreifenden Einfluss auf den atmosphärischen Wasserkreislauf. Die Interceptionsspeicherung der Vegetation geht verloren und verursacht eine Reduktion der Evapotranspiration. Somit erreichen weniger feuchte Luftmassen die tropischen Randzonen.16

3 Das Untersuchungsgebiet: Ghana

3.1 Lage und Verwaltung

Der westafrikanische Staat Ghana verfügt über eine Fläche von 238 537 km². Das Staatsgebiet grenzt im Westen an die Côte d’Ivoire, im Norden an Burkina Faso, im Osten an Togo und im Süden an den atlantischen Ozean. Das ghanaische Territorium weist aufgrund der willkürlichen kolonialen Grenzziehung eine nahezu rechteckige Form auf. Während sich die am Golf von Guinea gelegene Küstenlinie von Westen nach Osten auf ungefähr 540 km erstreckt, misst die Nord-Süd Ausdehnung in etwa 700 km.17

Ghanas Bevölkerung beläuft sich Berechnungen für das Jahr 2007 zufolge auf 21,8 Millionen Menschen. Wobei die an der Küste gelegene Hauptstadt Accra mit ca. 2,1 Millionen Einwohnern die größte Stadt Ghanas darstellt.18 Die Verwaltung des Staates gliedert sich wiederum in zehn regionale Einheiten (vgl. Tabelle 1) mit 110 untergeordneten Distrikten. Diese Gemeinden handeln weitgehend subsidiär, wobei jedoch anzumerken bleibt, dass in manchen Bereichen neben den staatlichen Verwaltungsämtern wichtige Entscheidungen aus Traditionsgründen dem Stammesältesten oder Chief überlassen werden.19

Tabelle 1: Verwaltungsregionen Ghanas mit den zugehörigen Regionshauptstädten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Schmidt-Kallert 1994, S. 24

3.2 Der Naturraum

Der Naturraum Ghanas lässt sich auf zwei unterschiedliche Arten differenzieren. Die Gliederung entsprechend der vorherrschenden Vegetation erfolgt nur sehr grob. Allerdings gibt diese einen ersten näheren Einblick in die Landesnatur. So unterteilt man Ghana in die drei von Süden nach Norden nahezu breitenparallel verlaufenden Landschaftszonen: Küstensavanne, (Regen)Waldzone und offene Baumsavanne. Indes wird Ghana heute in fünf unterschiedliche naturgeographische Großregionen kategorisiert, die unter anderem stärker den geomorphologischen und klimageographischen Besonderheiten des Landes entsprechen und somit eine feinere Einteilung garantieren. Im Süden des Landes erstreckt sich die Küstenebene, der sich im Nordwesten das Ashanti- Hochland anschließt. An der östlichen Grenze des Landes ziehen sich die Berge der Akwapin–Togo–Kette in einem schmalen Streifen bis hinunter zur Hauptstadt Accra. Das Volta-Becken stellt flächenmäßig die größte Region, in dessen Zentrum der Voltastausee liegt, dar. Im Norden und Nordwesten Ghanas befinden sich schließlich die nördlichen Ebenen.20

Das Klima Ghanas wird vor allem durch die äquatornahe Lage beeinflusst. Doch auch hier stellt sich Ghana hinsichtlich der Temperatur und der Niederschläge äußerst heterogen dar. Die Temperaturen unterliegen nur im geringen Maße einer jahreszeitlichen Veränderung. Dies bedeutet, dass das Land ganzjährig hohe, stabile Temperaturen vorzuweisen hat. Die Folge sind Jahresdurchschnittstemperaturen von 26° bis 28° C. Abweichend hiervon sind allein spezielle Standorte in den Höhenlagen der Akwapim-Berge und das nördliche Drittel des Landes, in dem die Tageshöchsttemperaturen auf bis zu 40° C steigen.21

Bezeichnender für die Ausbildung eines heterogenen klimatischen Profils ist der Wechsel zwischen Regenund Trockenzeiten. Diese Klimaindikatoren werden von den global vorherrschenden Windsystemen beeinflusst. Zum einen löst der Südwest- Monsun Niederschlag aus und zum anderen verursacht der Nordostpassat (Harmattan) Trockenheit. Die jahreszeitliche Verschiebung der Innertropischen Konvergenzzone ist entscheidend für die jeweilige Dominanz des Passats oder Monsuns. Durch die Verlagerung der ITC in Richtung Süden beeinflusst der Harmattan das Klimageschehen Ghanas von November bis März. Der Januar kann nahezu in ganz Ghana als der regen-

ärmste Monat angesehen werden. Die nachfolgende Regenzeit kann aber schon ab Februar ihre Vorboten schicken. Von März bis Juli herrscht die Hauptregenzeit, welcher nach einer niederschlagsärmeren Phase zwischen August und September ein weiterer niederschlagsreicher Abschnitt folgt.22

Abbildung 3: Durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge Ghanas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Atta-Quayson 1999, S. 10

Abbildung 3 zeigt die unterschiedliche Verteilung der Niederschläge in Ghana. Herausragend ist der süd-westliche Bereich mit Jahresniederschlagswerten von nahezu 2 200 mm. Diese resultieren aus dem freien Zugang des Südwestmonsuns auf diesen Teil der Küste. Die östlichere Küstenregion allerdings weist aufgrund der Lage im Windschatten des soeben beschriebenen Vorsprungs die geringsten Niederschlags- mengen auf. Exemplarisch dafür besitzt Accra mit nur ungefähr 700 mm pro Jahr die geringste Niederschlagsquote des gesamten Landes. Ferner ist hinter dem angesprochenen trockeneren Küstensaum ein breiter Gürtel zu erkennen, der von Westen nach Osten verläuft und vor allem dem Ashanti-Hochland und der Akwapim-Togo- Kette eine hohe Humidität beschert. Nördlich dieses Gürtels muss allerdings konstatiert werden, dass die Niederschlagsmenge immer weiter abnimmt. Insbesondere die Region nördlich von Tamale weist nur noch eine einzige echte Regenzeit auf. Die Trockenzeit ist indes auf eine Dauer von sechs Monaten angewachsen.23

Abbildung 4: Die natürliche Vegetation Ghanas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Atta-Quayson 1999, S.12

Da der Niederschlag für Ghana den dominantesten vegetationsbestimmenden Faktor darstellt, kann man bei der Abbildung zur natürlichen Vegetation (Abbildung 4) eine direkte Verbindung zur Abbildung der jährlich durchschnittlichen Niederschläge (Abbildung 3) feststellen. Der Bereich des immergrünen tropischen Regenwaldes ist identisch mit der Region, welche die höchsten Niederschläge aufweist. Der weiter östlich gelegene Bereich der Küstenebene wird beherrscht durch eine dichte Strauchsavanne (dense scrub). Das Ashanti-Hochland und die Akwapim-Togo-Kette sind geprägt von regengrünen laubabwerfenden Feuchtwäldern, wohingegen das Volta-Becken und die nördlichen Ebenen durch eine Baumbzw. Strauchsavanne bedeckt werden. Besteht im südlichen Bereich des Volta-Beckens noch eine lockere Walddecke, so nimmt diese in Richtung Norden immer weiter ab und wandelt sich in den nördlichen Ebenen zu einer Grassavanne. Während der Süden des Landes annähernd ganzjährig grün erscheint, sind im Norden jahreszeitliche Veränderungen klar zu erkennen. In der Regenzeit sind die Gräser und Gehölze von einem saftigen Grün. Jedoch verändert sich das Landschaftsbild im Zuge der Trockenzeit aufgrund des Harmattanwindes, welcher die Vegetation vertrocknen lässt.24

Der Titel dieser Examensarbeit stützt sich auf den Regenwaldbegriff, wie er nachstehend für Ghana charakterisiert wird. Die hier im Vorfeld analysierten Vegetationsformen weisen eine heterogene Waldstruktur auf, zum einen den immergrünen Regenwald und zum anderen den regengrünen Feuchtwald. Da sich der zu beschreibende Nutzungswandel auf beide Waldbereiche auswirkt, werden diese im Folgenden näher betrachtet und mit dem operationalisierten Begriff ‚Regenwald’ bezeichnet, auf den sich der Titel bezieht.

3.3 Die Waldzone Ghanas

3.3.1 Der immergrüne Regenwald

Diese Waldformation befindet sich, wie im vorangegangenen Kapitel bereits beschrieben, in der südwestlichen Küstenregion Ghanas. Erhöhte Niederschlagsmengen und die Lage außerhalb des Harmattaneinflusses ermöglichen die Ausbildung eines immergrünen Regenwaldes. Die hier verbreiteten Böden (Oxisole) sind vorwiegend stark ferralitisch und weisen somit einen sehr geringen Humusgehalt, eine niedrige Kationenaustauschkapazität sowie ein saures Millieu, das sich zwischen einem pH-Wert von 4 bis 5 schwankt, auf.25

Hier lässt sich die typische dreigeteilte Stockwerkstruktur eines Regenwaldes erkennen. Das untere (10 – 20 m) und mittlere (30 – 40 m) Stockwerk bilden gemeinsam ein nahezu lichtundurchdringliches Blätterdach, welches eine verkümmerte Vegetation in Bodennähe zur Folge hat. Das oberste Stockwerk ist gekennzeichnet von einzelnen bis zu 60 m hohen Baumriesen, an deren Stämmen Lianen und Epiphyten wachsen.

Charakteristische Baumarten sind unter anderem Mahagoni, Sapele, Niangon und Makore.26

3.3.2 Der regengrüne Feuchtwald

Der flächenmäßig weitaus größere Teil der Waldzone Ghanas ist von regengrünem Feuchtwald bedeckt. Dieses nördlich vom immergrünen Regenwald gelegene Gebiet zeichnet sich durch hohe Niederschlagswerte (ca. 1.200 - 1 800 mm/Jahr) und nur schwach ferralitischen Böden (Ochrosole) aus. Der Unterschied zum immergrünen Regenwald wird meist nur in den Trockenzeiten offenbar, während denen im regengrünen Feuchtwald einige Baumarten der oberen Stockwerke ihre Blätter abwerfen. Da die Vegetation des unteren Stockwerkes allerdings durchgehend immergrün bleibt, ist der Laubabwurf nicht als artenspezifisch zu erklären, sondern hängt explizit mit der höheren Trockenheit, resultierend aus dem Harmattaneinfluss, der oberen Stockwerke zusammen. Ferner unterscheidet sich der regengrüne Feuchtwald vom immergrünen Regenwald durch einen ausgeprägteren Unterwuchs, in dem vor allem Gräser, Büsche und Gestrüpp zu finden sind.27

4 Die ursprüngliche Nutzung des Regenwaldes

Die Aufzeichnungen zur Historie der Regenwaldnutzung sind spärlich. Zwar können ethnologische und archäologische Forschung einen Teil dazu beitragen einige Wissenslücken zu schließen, allerdings kann der Anspruch einer in sich geschlossenen Analyse nicht erbracht werden. Daher wird hier nur in geringem Umfang auf die frühhistorischen Aspekte eingegangen, welche als Grundlage dienen. Ausgehend von dieser Basis soll der sukzessive Wandel der Regenwaldnutzung in Ghana charakterisiert und analysiert werden.

4.1 Der Wald als Lebensraum

Der Regenwald Afrikas wird gemeinhin als die Wiege der Menschheit angesehen. Von hier aus soll der Mensch seine „Erfolgsstory“ zur globalen Eroberung gestartet haben. Trotz dieser weit verbreiteten Theorie muss allerdings festgehalten werden, dass der Regenwald in seiner steinzeitlichen Erscheinungsform nicht als bevorzugter Lebensraum zu betrachten war. Als Standort wurde die afrikanische Savannenzone von den Bewohnern bevorzugt, bis die sich ausdehnende Trockenheit zu Wanderungsbewegungen nach Süden führte. Es muss konstatiert werden, dass das Regenwaldgebiet des heutigen Ghana bis weit in das nachchristliche Zeitalter sehr dünn besiedelt war. Die Nutzung des Waldes beschränkte sich zum damaligen Zeitpunkt noch auf das Sammeln und Jagen zur subsistenziellen Lebenserhaltung. Bis auf vereinzelte Kultivierungsversuche von Yamswurzeln spielte die agrarische Nutzung noch eine untergeordnete Rolle. Der traditionelle Wanderfeldbau (siehe Kapitel 4.2) tritt erstmals in der Zeit von 500 – 1.000 n. Chr. in Erscheinung. Diese landwirtschaftlichen Tätigkeiten dienten jedoch eher zur Ergänzung der Jagd und Sammelprodukte.28

Eine höhere Besiedlungsdichte erfuhr der ghanaische Regenwald erst durch die drei großen Wanderungsbewegungen der Akan-Völker. In der ersten Phase besiedelte das Volk der Guang das Gebiet südlich des Volta-Tals bis hin zur heutigen Hauptstadt Accra. Entscheidender für die Regenwaldbesiedlung waren jedoch die Bewegungen der Vorfahren der Fante und Ashanti. Während die Fante den südwestlichen Bereich bis zur

Küste einnahmen, siedelten sich die Ashanti eher nördlich von dieser Region an, in der sie noch heute anzutreffen sind (Ashanti Region). 29

Die primäre Nutzung des Regenwaldes war auf die vorhandenen Verhältnisse hervorragend abgestimmt. Die Menschen lebten im Einklang mit der Natur und respektierten diese als zu schützenden Lebensraum. Sammelprodukte wurden vor allem von den Akan-Völkern vielfältig genutzt und unter Umständen auch lokal gegen Tauschware vertrieben. Beispielsweise verarbeiteten die Ashanti die Rinde des Kyenkyen-Baumes zu Stoffen, die zur Kleidungsherstellung genutzt wurden. Die Ausbildung der landwirtschaftlichen Erschließung durch den traditionellen Wanderfeldbau, der darauf bedach war keine Zerstörung des Anbaugebiets nach sich zu ziehen, folgte erst später.30

4.2 Der traditionelle Wanderfeldbau

Der Wanderfeldbau zählt zu den ältesten und ursprünglichsten Arten der Landnutzung und gilt als die einfachste Art Nahrungsmittel in tropischen Waldgebieten zu erwirtschaften. Die Grundprinzipien der sogenannten shifting cultivation wurden schon seit 500 n. Chr. von den einheimischen Bauern angewendet. Ein bestimmtes Regenwaldgebiet von nicht allzu großer Ausdehnung wird von dem Bauer gerodet. Dabei ist darauf zu achten, dass die Baumstümpfe größerer Arten stehen gelassen werden. Im zweiten Schritt werden das geschlagene Holz und die dazugehörige Biomasse am Ende der Trockenzeit verbrannt. Mit dem Start der Regenzeit beginnt auch die Aussaat der anzubauenden Kulturpflanzen, die nach ausreichender Reifezeit geerntet werden können.31

Die Methode der Brandrodung liegt in der Nährstoffarmut der tropischen Böden begründet. Durch die verbrannte Biomasse wird der Boden mit der Asche gedüngt und überwindet seine Oligotrophie. Jedoch vergeht die Wirkung nach ungefähr ein bis zwei Jahren und die Ernten reduzieren sich merklich. Dies hat eine Störung des natürlichen Nährstoffkreislaufs (siehe Kapitel 2.4) zur Folge. Daher verlagern die Bauern ihren Standort nach dieser kurzen Anbauphase, bewirtschaften ein neues Feld und lassen das vorangegangene Pflanzungsgebiet sich regenerieren. Die nicht gerodeten Baumstümpfe dienen als Basis für die Regeneration und beugen durch ihre stabilisierende Wirkung

Erosionen vor. Die Waldbrache dauert 10 - 20 Jahre bis sich die verlorengegangene Biomasse wiederaufgebaut hat.32

4.3 Waldzerstörung vor der Kolonialzeit

Die vorangegangenen Ausführungen von der Lebensweise der ghanaischen Bevölkerung in und mit dem Regenwald stellen eine Art Symbiose dar. Der Wald diente als Lebensraum, wurde nur extensiv landwirtschaftlich genutzt und gleichsam als Ökosystem höherer Ordnung akzeptiert.

Andere Quellen belegen allerdings eine Zerstörung der Regenwaldflächen in früheren Zeiten. Exemplarisch dafür sind Nachweise aus dem 15. Jahrhundert: Am nördlichen Rand der Regenwaldzone Ghanas gelegene städtische Zentren, deren Wirtschafts-struktur auf die Metallverarbeitung ausgelegt waren, deckten den resultierenden Energiebedarf mittels der Ressource Holz.33

Weitere Zerstörungen der primären Regenwaldstruktur waren die Folge der wohl größten Eisenund Stahlproduktion Afrikas in der Region um Bassar (Nord-Togo). Die etwa 500 Hochöfen verschlangen binnen kürzester Zeit die umliegenden Waldressourcen, so dass sich ein transregionaler Holzhandel von Ghana nach Togo zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert entwickelte. Vor allem das Königreich der Ashanti stand in engen Verbindungen zu der Industrieregion Bassar. Während des 17. und 18. Jahrhundert entstanden rege Handelsbeziehungen zwischen diesen beiden Regionen. Die Ashanti lieferten Brennholz sowie Holzkohle für die Produktion und im Gegenzug flossen Eisen und Stahl zurück in das ghanaische Königreich. Dieser „Warenfluss“ endete erst im 19. Jahrhundert mit der Einfuhr von billigerem Stahl aus Europa, welche das Ende der westafrikanischen Eisenund Stahlindustrie einläutete.34

Aufgrund der lückenhaften Kenntnisse zu den Ausmaßen dieser Aktionen kann allerdings keine quantitative Bewertung stattfinden. Jedoch scheint es wichtig anzumerken, dass „es [...] stark vereinfachend [wäre], weiterhin anzunehmen, daß der Regenwald vor der Kolonialzeit von afrikanischer Technologie unberührt geblieben wäre.“35

[...]


1 vgl. Bremer 1999, S. 4f.

2 vgl. Häckel 1999, S. 146

3 vgl. Bremer 1999, S.6

4 vgl. Bremer 1999. S.8

5 vgl. Behr 1996, S.124

6 vgl. Leser 2001, S.605

7 vgl. Bremer 1999, S.11

8 vgl. Breckling 2000, S.179

9 vgl. Behr (u.a.) 1996, S.6

10 vgl. Kehl o.J.

11 vgl. Weischet 1977, S.19f.

12 vgl. Brauns/Scholz 2004, S.127f.

13 vgl. Brauns/ Scholz 2004, S.129

14 vg. Arnold 1994, S.20

15 vgl. ebd., S.21

16 vgl. ebd., S.21

17 vgl. Schmidt-Kallert 1994, S.30

18 vgl. Helders 2005

19 vgl. v. Gnielski 1986, S.9

20 vgl. Schmidt-Kallert 1994, S.30

21 vgl. ebd. S.32

22 vgl. Schmidt-Kallert 1994, S.32f.

23 vgl. Schmidt-Kallert 1994, S.34

24 vgl. Schmidt-Kallert 1994, S.38

25 vgl. Boateng 1962, S.14.

26 vgl. Arnold 1994, S.24f.

27 vgl. Ebd., S. 25f.

28 vgl. Martin 1989, S.159f

29 vgl. v. Gnielski 1986, S.71f

30 vgl. Martin 1989, S.160f

31 vgl. Brauns/Scholz 1997, S.4f

32 vgl. Brauns/Scholz 1997, S.5

33 vgl. Arnold 1995, S.28

34 vgl. ebd., S.29

35 Goucher 1988, S.58ff

Ende der Leseprobe aus 96 Seiten

Details

Titel
Nutzungswandel im Regenwald Ghanas - Rahmenbedingungen und Folgen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Geographisches Institut)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
96
Katalognummer
V114055
ISBN (eBook)
9783640143917
ISBN (Buch)
9783640144037
Dateigröße
4248 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nutzungswandel, Regenwald, Ghanas, Rahmenbedingungen, Folgen
Arbeit zitieren
Martin Töttger (Autor), 2007, Nutzungswandel im Regenwald Ghanas - Rahmenbedingungen und Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114055

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