Kants kritische Transzendentalphilosophie. Zentrale Grundaussagen in ,,Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik“


Hausarbeit, 2021

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Grundaussagen in Kants ,,Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik“

Fazit und Beantwortung der allgemeinen Hauptfrage

Literaturverzeichnis:

Einleitung

Immanuel Kant (1724-1804) gilt bis heute als einer der bedeutsamsten deutschen Philosophen, dessen Werke einen sehr großen Einfluss auf unser heutiges philosophisches Weltbild haben. Durch seine neuformulierte Transzendentalphilosophie, die das erste Mal in der Kritik der reinen Vernunft von 1781 formuliert wurde, konnte durch Kant ein Paradigmenwechsel der Philosophie eingeleitet werden. Dieses ist eines der bedeutsamsten Standardwerke in der modernen theoretischen Philosophie und kann auch als Grundlage der politischen Philosophie gesehen werden (vgl. Ottmann 2008: 144). In seinem Werk werden die Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Vernunft erörtert und neue Maßstäbe der philosophischen Reflexion ebenso wie normative Grundlagen unseres Erfahrungswissens und der wissenschaftlichen Erkenntnis entwickelt. (vgl. Baumgartner 1988: 241ff.) Die 1783 anschließend erschienenen Prolegomena zu einer künftigen Metaphysik sind lediglich einleitende Vorüberlegungen zur Kritik der reinen Vernunft, die jenes Werk verständlicher machen und einige Gedanken zusätzlich im Sinne seiner neu geschaffenen Transzendentalphilosophie konkretisieren sollen. In der Vorrede zu seinen Prolegomena spricht Kant davon, dass er die Absicht habe, dass sich alle grundlegend mit der Frage auseinandersetzten sollten, ob denn überhaupt Metaphysik – der Anfang und die vorausliegende Grundlage aller Wissenschaften - möglich sei (vgl. Kant 1783: 255). Kant räumt „Dunkelheit“ (Kant 1783: 264) beziehungsweise Unübersichtlichkeit in seinem Hauptwerk ein und möchte deswegen durch seine Prolegomena auch ein Format von Lehrbuch schaffen, das vor allem für ,,künftige Lehrer“ seiner Philosophie bestimmt ist (vgl. ebd.: 255). In folgender Hausarbeit soll daher zunächst Kants Prolegomena in ihren Grundaussagen zusammengefasst werden, sodass trotz der Komplexität seiner Aussagen die Grundaussagen seiner wichtigen Transzendentalphilosophie verstanden werden kann. Angesichts des Umfangs dieser Hausarbeit kann hierbei jedoch nicht auf jeden einzelnen Aspekt der Prolegomena eingegangen werde. Deswegen soll vor allem die Grundaussage der transzendentalen Hauptfrage, die er vierteilig aufgebaut hat, zum Schluss beantwortet werden. Denn durch jenes Grundverständnis Kants Transzendentalphilosophie ist es unter anderem auch verständlicher durch ihn beeinflusste Philosophen des ,,Deutschen Idealismus“ wie Hegel, Fichte oder Schelling zu verstehen (vgl. Ottmann 2008: 145).

Grundaussagen in Kants ,,Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik“

Zunächst erscheint es wichtig die zu jener frühen Neuzeit der Philosophie geltenden erkenntnistheoretischen Strömungen des Empirismus und Rationalismus zu unterscheiden. Die Empiristen sind auf der einen Seite der Ansicht, dass der Mensch nur zu neuen Wissen gelangen kann, wenn er zuvor eine Erfahrung in Form von Sinneswahrnehmungen wie Sehen, Fühlen oder Riechen gemacht hat (vgl. Schrenk 2017: 43). Die Rationalisten dagegen verorten den Ursprung menschlicher Erkenntnis in der Vernunft und Überlegen. Sie sind demnach im Gegensatz zu den Empiristen der Meinung, Erkenntnisgewinn und Wissen seien allein durch rationales Denken beziehungsweise reine Vernunft erschließbar und nicht durch reine sinnliche Wahrnehmung (vgl. ebd.: 33). Kant ist hierbei keiner der beiden Denkströmungen zuzuordnen und versucht durch seine Transzendentalphilosophie Aspekte beider Strömungen in einem neuen Denkansatz umzuformulieren. Ziel ist es, den empirischen Erkenntnisgewinn durch Sinneswahrnehmungen mit dem des rationalen reines Verstandes und auch der reinen Vernunft zu verknüpfen. Kant geht es nicht konkret um die Frage, auf welche Weise wir zu neuer Erkenntnis kommen können, sondern Kant hinterfragt im Sinne der Metaphysik in seiner Transzendentalphilosophie die sogenannten Bedingungen der Möglichkeit, ob und wie überhaupt beobachtet werden kann (vgl. Fischer 2010: 11). Er hinterfragt somit das bis dahin gängiges Weltverständnis der Philosophie, dass davon ausging, dass allein durch reine Vernunft jene Fragen der Metaphysik - also Fragen bezüglich der allgemeinsten Form des Seienden - stets auf diese Weise beantwortet werden können. Zugleich postuliert er und möchte mit seinem Denken einen Ansatz schaffen, der es ermöglicht zu zeigen, unter welchen Bedingungen menschliche Erkenntnis möglich ist. Kant kritisiert, dass sich der Mensch bis dato noch nie recht mit der Metaphysik auseinandergesetzt habe und es in jenen Bereich im Gegensatz zu anderen Wissenschaftsdisziplinen wenig Fortschritt gebe, was er nun revolutionär ändern möchte (vgl. Kant 1783: 256).

In seiner Vorrede kommt er auf David Hume (1711-1776) zu sprechen, dessen rein empiristische Erkenntnistheorie er zwar in den meisten Punkten negiert, dennoch aber für die Entwicklung der Metaphysik und Wissenschaft an sich als sehr wichtig erachtet.

Humes hatte in seiner Metaphysikkritik, in der er auf den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung eingegangen war, die These aufgestellt, dass kausalische Erkenntnis eine auf Erfahrung basierende Einbildung anstatt ein auf Vernunft gefußtes Konzept sei (vgl. ebd.: 260). Eine notwendige Verknüpfung von Ursache und Wirkung gebe es nicht und der Mensch könne lediglich durch Erfahrung Erkenntnisse schaffen, aber nicht durch seinen Verstand. Er spricht also damit ab, dass der Mensch eigene Gesetze schaffen könne, die eine bestimme Voraussage ermöglichen können. Wenn zum Beispiel Ereignis A und B eintritt, trete dies nicht automatisch in der Zukunft aus. Der Mensch könne lediglich sensorische Eindrücke der Welt sammeln, aber nicht darüber hinaus Gesetzmäßigkeiten erkennen (vgl. Lutz 2016: 335). Außerdem folgert Hume, dass wissenschaftliche Metaphysik daher unmöglich sei (vgl. Kant 1783: 260).

Da Kant bei der menschlichen Erkenntnis nicht von einer reinen Abhängigkeit von Erfahrung ausgeht, widerspricht er der Grundthese David Humes, spricht dem Ansatz und der Kritik Humes allerdings eben einen sehr wichtigen Denkimpuls für seine Werke zu. Denn Kant geht durchaus davon aus, dass es in einer bestimmten Weise Kausalität und eine metaphysische Gesetzesmäßigkeit geben könnte, die jedoch nicht nur durch die menschlichen Sinne erfahrbar sei. Man müsse also in Anwendung des Skeptizismus an der Kausalitätsthese weiterforschen und aufzeigen können, dass Wissenschaft und insbesondere Metaphysik an sich doch möglich sei (vgl. ebd.: 260). So schreibt Kant, dass er untersucht, ob er ,,endlich den ganzen Umfang der reinen Vernunft, in seinen Grenzen sowohl als in seinem Inhalt, vollständig und nach eigenen Prinzipien [zu] bestimmen, welches denn dasjenige war, was Metaphysik bedarf, um ihr System nach einem sicheren Plan auszuführen“ kann (vgl. ebd.: 261).

Nach seiner Vorrede und somit einer kurzen Einleitung seiner metaphysischen Gedankenintentionen kommt Kant zur ersten ,,allgemeinen Frage der Prolegomena“, nämlich der Frage: ,,Ist überall Metaphysik möglich?“ (vgl. ebd.: 271). ,,Dass Metaphysik als Wissenschaft wirklich sei“ (ebd.: 275) könne er zu Beginn noch nicht annehmen, aber er bringt seine Motivation zur Absicht, dass er ,,durch die Wichtigkeit der Erkenntnis, der wir bedürfen“ (ebd.: 274) angetrieben sei Gesetze und Prinzipien der reinen Vernunft zu bestimmen. Man könne lediglich davon ausgehen, dass synthetische Erkenntnis a priori möglich und gegeben sein (ebd.: 275).

Somit leitet er über zu der zweiten allgemeinen Frage über ,,Wie ist Erkenntnis aus reiner Vernunft möglich?“ (vgl. ebd.), wobei er hier konkret die Frage beantworten möchte ,,Wie sind synthetische Sätze a priori möglich?“ (vgl. ebd.: 276). An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass Kant zwischen verschiedenen analytischen und synthetischen Aussagetypen stark unterscheidet und diese auch wiederum in a priori und a posteriori unterteilt. Urteile a priori (= im Vorhinein) basieren auf dem Verstand und ihnen liegt keine empirische Erfahrung zugrunde, da keine Erkenntnis vor aller Anschauungen erfahren werden konnte. Urteile a posteriori (= im Nachhinein) hingegen greifen auf Erfahrung zurück und können eben nach allen Anschauungen ein Urteil abgeben. Als analytische Sätze bezeichnet man erläuternde Urteile, die im Grunde genommen einen Begriff erklären. Ein Beispiel wäre „Das Meer ist blau“. Dies ist ein analytisches Urteil a priori, da uns mit dem Begriff „Meer“ in der Regel bereits bewusst ist, dass dieses blau ist. Der jeweilige Zusatz „ist blau“ hat daher lediglich eine begriffserläuternde Funktion, es bedarf keiner Überprüfung durch Erfahrung. Analytische Urteile a posteriori, sprich begriffserläuternde Urteile auf Erfahrung basierend, existieren demnach laut Kant nicht (vgl. ebd: 267).

Synthetische Urteile hingegen sind als erweiternd zu verstehen. Sie verknüpfen ein Subjekt mit einem Prädikat, das nicht bereits im Begriff des Subjekts enthalten ist. Basieren sie auf empirischer Erfahrung, sind also synthetische Sätze a posteriori. Ein mögliches Beispiel hierfür wäre „das Meer ist sehr stürmisch“ (vgl. ebd.: 266f.). Man gewinnt hier also eine neue Erkenntnis, was apriorisch zuvor nicht gemacht werden konnte. Kant geht es jedoch vor allem darum, dass er überprüfen kann, ob und wie nur synthetische Urteile a priori möglich sind, denn ,,auf die Auflösung dieser Aufgabe nun kommt das Stehen oder Fallen der Metaphysik“ (ebd.: 276). Alle anderen Aussagentypen sieht er wegen obiger Erläuterungen als nicht erklärungs- und untersuchungsbedürftig mehr an (vgl. ebd.: 275). Die Frage, wie synthetische Urteile a priori möglich sind, ist auch für die gesamte Beantwortung der transzendentalen Hauptfrage wichtig, die er in die vierteilig unterteilt: ,,1. Wie ist reine Mathematik möglich? 2. Wie ist reine Naturwissenschaft möglich? 3. Wie ist die Metaphysik überhaupt möglich? 4. Wie ist Metaphysik als Wissenschaft möglich?“ (ebd.: 280). Kant ist der Ansicht, dass die Wissenschaften Mathematik wie auch Naturwissenschaften grundlegend auf Urteilen a priori beruhen und nicht ihren Ursprung in Urteilen a posteriori haben (vgl. ebd.: 279). Dass mathematische Urteile im Generellen synthetisch und nicht analytisch sind, zeigt Kant unter anderem am Beispiel der Rechnung 5+7=12. So legt er da, dass weder im Begriff der Zahl Fünf noch im Begriff der Zahl Sieben die Zahl Zwölf als Begriff enthalten ist. Kant beschreibt diese Anschauung folgendermaßen: „Der Begriff von Zwölf ist keineswegs dadurch schon gedacht, daß ich mir bloß jene Vereinigung von Sieben und Fünf denke, und, ich mag meinen Begriff von einer solchen möglichen Summe noch so lange zergliedern, so werde ich doch darin die Zwölf nicht antreffen“ (ebd.: B15). Somit legt er prinzipiell dar, dass in der Mathematik synthetische Urteile a priori möglich sind. Im Weiteren wird er noch genauer darlegen, wieso sie möglich sind.

Für diese Beantwortung ist es nun des Weiteren wichtig, die drei verschiedenen Arten der Erkenntnisvermögen nach Kant und ihre Abgrenzungen zu kennen. Er unterscheidet hier zum einen zwischen der sinnlichen Wahrnehmung, die vor allem durch unsere fünf menschlichen Sinne wie Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken und Hören gegeben ist. Des Weiteren gibt es für Kant Erkenntnisvermögen durch den Verstand und durch die Vernunft. Nur der Erkenntnisgewinn durch die sinnliche Wahrnehmung geschieht nach Kant a posteriori, da der Mensch eben erst nach der Erfahrung durch die menschlichen Sinne zu Erkenntnis gelangen kann. Allerdings sieht der Mensch bei der Sinnlichkeit nur das ,,Ding an sich“, womit gemeint ist, dass der Mensch die Dinge nur so erkennen kann, wie er sie wahrnimmt und interpretiert (vgl. Schnieder/Werner 2020: 89). Die anderen Erkenntnisvermögen wie Verstand und Vernunft hingegen sind jedoch nicht rein empirisch abhängig, sondern funktionieren hauptsächlich apriorisch und bedingen sich mit der Sinnlichkeit untereinander. Der Verstand kommt vor allem durch logisches Denken zu Erkenntnisgewinnen. Diese generiert er, indem er einen Gegenstand zu der gegebenen Anschauung betrachtet und durch seine verknüpfte Sinnlichkeit heraus Verstandesbegriffe zu der Anschauung zuordnen kann (vgl. Vorderobermeier 2012: 17). Aus diesen Verstandesbegriffen bildet der Mensch schließlich formale Urteile, die in Kategorien eingeteilt werden und somit Aussagen über die Welt machen können. Beispiele für diese Kategorien sind zum Beispiel die Einteilung in Qualität, Quantität, Relation oder Modalität (vgl. Kant 1783: 302f.). Diese Form der Erkenntnis ist allerdings nur möglich, wenn es apriorische und grundlegende Anschauungsformen gibt, die eine solche Einteilung in Kategorien ermöglichen. Somit kann Kant begründen, weshalb Mathematik und die Naturwissenschaften auf apriorischen synthetischen Urteilen basieren. Kant geht davon aus, dass der Mensch bei der reinen Mathematik lediglich a priori zwischen Raum und Zeit unterscheiden kann, ,,welche also reine Anschauungen sind, die jenen a priori zum Grunde liegen und daher niemals weggelassen werden können“ (ebd.: 283). Reine Mathematik ist also grundlegend von den Anschauungsformen Raum und Zeit abhängig. Diese können wir nicht empirisch begreifen, sondern sind a priori durch ein grundlegendes raum-zeitliches Verständnis im menschlichen Verstande bereits gegeben und Voraussetzung für das Erlangen jeder weiteren Erkenntnis in der Mathematik wie z.B. in der Geometrie. Deswegen muss es nach Kant synthetische Urteile a priori in der reinen Mathematik geben, damit reine Mathematik überhaupt möglich sei.

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Details

Titel
Kants kritische Transzendentalphilosophie. Zentrale Grundaussagen in ,,Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik“
Hochschule
Universität Passau  (Lehrprofessur für Philosophie)
Veranstaltung
Kants kritische Transzendentalphilosphie
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
11
Katalognummer
V1140733
ISBN (eBook)
9783346516015
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kants, transzendentalphilosophie, zentrale, grundaussagen, prolegomena, metaphysik
Arbeit zitieren
Niclas Spanel (Autor:in), 2021, Kants kritische Transzendentalphilosophie. Zentrale Grundaussagen in ,,Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140733

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