Die Bedeutung der Persönlichkeit in der heutigen Arbeitswelt


Hausarbeit, 2021

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wie lässt sich Persönlichkeit definieren?

3. Theorien von Persönlichkeit
3.1 Psychodynamische Theorie
3.2 Behaviorismus
3.3 Humanistische Theorie

4. Relevanz von Persönlichkeitsmerkmalen in der Arbeitswelt
4.1 DISG Persönlichkeitsprofil
4.2 Persönlichkeit und Erfolg
4.3 Einfluss Beruf auf Persönlichkeit

5. Verwendung von Persönlichkeitsmodellen in der Arbeitswelt
5.1 Chancen
5.2 Risiken

6. Fazit

I Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wer sich für ein Stellenangebot bewirbt und zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, hat bereits die erste Hürde geschafft: seine oder ihre Fähigkeiten entsprechen dem Anforde­rungsprofil aus der Stellenbeschreibung und der mögliche zukünftige Arbeitgeber, beziehungs­weise dessen Personalmanagement, wünscht daraufhin ein persönliches Gespräch. Zur Ent­scheidung der Personalauswahl werden zwei Faktoren herangezogen: die hard skills („harte Kompetenzen“) und die soft skills („weiche Kompetenzen“).

Als hard skills bezeichnet man alle Fähigkeiten und Kenntnisse, die eine Person erlernt hat, auch vorweisen kann und die nachprüfbar ist, z.B. Abschlüsse, Ausbildungen und Sprach­kenntnisse. Diese lassen sich leicht dem Lebenslauf entnehmen. Unter soft skills werden Fä­higkeiten verstanden, die nicht messbar und überprüfbar sind, wie die Persönlichkeit, Cha­raktereigenschaften sowie Stärken und Schwächen. (Lies 2018, S.1.) Wie aber können Ar- beitgeber*innen und Personaler*innen diese Persönlichkeitseigenschaften dann überhaupt untersuchen? Und welche Bedeutung hat die Persönlichkeit für die Arbeitswelt?

Die folgende Arbeit soll sich dieser Frage annehmen. Dazu wird zunächst überlegt, ob und wie Persönlichkeit definiert werden kann. Im Anschluss werden drei Theorien von Persönlichkeit, die psychodynamische, der Behaviorismus und insbesondere die humanistische Theorie be­leuchtet. Neben den Theorien sollen außerdem die Modelle von Persönlichkeit dargestellt werden und anhand des DISG - Persönlichkeitsprofils diejenigen Merkmale herausgearbeitet werden, die in der heutigen Arbeitswelt als besonders wichtig gelten. Zuletzt wird diskutiert, welche Chancen, aber auch Risiken, sich aus der Verwendung von Persönlichkeitsmodellen in der Arbeitswelt ergeben. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf dem Einsatz von Persönlich­keitstests.

2. Wie lässt sich Persönlichkeit definieren?

Prof. em. Jens Asendorpf, Forschungsschwerpunkt Persönlichkeit im Fachbereich Psycholo­gie, entwickelte eine Definition von Persönlichkeit, indem er in drei vorläufigen Definitionen schrittweise jede um einen Aspekt erweitert, sodass am Ende alle wichtigen Gesichtspunkte in seiner Definition von Persönlichkeit enthalten sind.

In der empirischen Psychologie gilt es, individuelle Merkmale zu untersuchen und beschrei­ben, durch die sich Menschen voneinander unterscheiden. Für Asendorpf bedeutet dies als erste vorläufige Definition der Persönlichkeit, dass „Persönlichkeit ist die Gesamtheit aller in­dividuellen Besonderheiten, in denen sich jemand von anderen unterscheidet.“

Dann stellt sich allerdings die Frage, wer denn „die Anderen“, in der Psychologie als Bezugs­gruppe bezeichnet, seien, mit denen sich der Mensch vergleicht.

Daraus ergibt sich die zweite vorläufige Definition der Persönlichkeit: „Persönlichkeit ist die Gesamtheit aller individuellen Besonderheiten, in denen sich jemand von Gleichaltrigen der­selben Kultur unterscheidet.“

Mit dieser Definition ist Asendorpf noch nicht zufrieden, denn sie schließt auch die pathologi­schen Merkmale mit ein, welche keine Bedeutung für die Persönlichkeitsmerkmale haben. Die dritte vorläufige Definition der Persönlichkeit lautet also: „Persönlichkeit ist die Gesamtheit aller nichtpathologischen individuellen Besonderheiten, in denen sich jemand von Gleichaltrigen derselben Kultur unterscheidet.“

Zuletzt gilt es noch zu klären, was mit individuellen Besonderheiten gemeint ist. Asendorpf versteht darunter das Aussehen (Körperbau, Schönheit, u. ä.) und charakteristische Verhal­tensmuster, die regelmäßig in verschiedenen Situationen auftreten (stabile Eigenschaften).

Die vollständige Definition der Persönlichkeit nach Prof. em. Jens Asendorpf lautet schließlich: „Persönlichkeit ist die Gesamtheit aller nichtpathologischen Persönlichkeitseigenschaften, nämlich individueller Besonderheiten in der körperlichen Erscheinung und in Regelmäßigkei­ten des Verhaltens und Erlebens, in denen sich jemand von Gleichaltrigen derselben Kultur unterscheidet.“ (Asendorpf 2018, S.4ff.) Kürzer gefasst: „Persönlichkeit ist die nichtpathologi­sche Individualität eines Menschen in körperlicher Erscheinung, Verhalten und Erleben im Ver­gleich zu einer Referenzpopulation von Menschen gleichen Alters und gleicher Kultur.“ (Neyer und Asendorpf 2018, S.20)

3. Theorien von Persönlichkeit

3.1 Psychodynamische Theorie

Psychodynamischen Theorien liegt die Grundannahme des Persönlichkeitsmodell Sigmund Freuds, die Idee intrapsychischer Konflikte zwischen Bewusstem und Unbewusstem, zu­grunde. Freud dreiteilt die menschliche Psyche in das Es, das Ich und das Über-Ich, die in einem dynamischen Verhältnis zueinanderstehen. (Möller et al. 2008, S.30) Die Dynamik re­sultiert aus dem „ständigen Konflikt zwischen dem Es und Über-Ich“. (Simon 2012, S.40) Nach Freud ist der Mensch von sexueller und aggressiver Natur. Im Es ist dieses sogenannte „Sys­tem der primären Motive und Triebe“ enthalten. Das Es ist frei von moralischen Wertvorstel­lungen, das heißt es fordert sofortige Befriedigung jedweder Triebe ohne Gedanken an dessen Konsequenzen. Es „handelt allein nach dem Lustprinzip“.

Das Über-Ich beinhaltet erlernte Normen und Werte sowie gesellschaftliche Ge- und Verbote und beurteilt Verhalten anhand dieser. Das Über-Ich kann lobenden und strafenden Einfluss auf das Ich haben.

Das Ich steht als „vermittelnde Instanz zwischen den Forderungen des Es, den Geboten des Über-Ichs und den Möglichkeiten der Motivbefriedigung in der Realität“. Das Ich sorgt für

„Triebregulierung, indem es einen Kompromiss durch Abblocken der bedrohlichen Impulse aus dem Es und Über-Ich findet“. (Simon 2012, S.40)

Welche Rückschlüsse lassen sich nun aber von psychodynamischen Theorien auf die Per­sönlichkeit ziehen? Psychodynamische Theorien liefern eine Beschreibung der Persönlich­keitsstruktur: die Persönlichkeit ist das Produkt „aus dem Konflikt zwischen den aggressiven und Lust suchenden biologischen Triebregungen und den internalisierten sozialen Zwängen“. (Myers et al. 2014, S. 554)

3.2 Behaviorismus

Behaviorismus (engl. behavior = Verhalten) hat, wie der Name bereits sagt, das Verhalten des Menschen zum Gegenstand. Das Verhalten soll hierbei so objektiv wie möglich untersucht werden. Wissenschaftlich betrachtet sollen nur diejenigen Aspekte werden, die objektiv wahr­nehmbar sind.

Der Begründer des Behaviorismus, der amerikanische Psychologe John Watson, formuliert diesen Grundgedanken in seinem Aufsatz „Psychologie wie sie der Behaviorist sieht“ folgen­dermaßen: „Warum machen wir nicht das, was wir beobachten können, zum eigentlichen Ge­biet der Psychologie?“ „Empfindungen, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Vorstellung, Wille usw.“ werden in den behavioristischen Beobachtungen somit ausgeklammert. Watson spricht zwar von einem „guten Klang“ dieser Worte, „aber [er] habe festgestellt, dass [er] auf sie ver­zichten kann.“ (Reuter 2008, S.5)

Der Behaviorismus ist eine klare Absage an die Bewusstseins- oder Introspektionspsycholo­gie, da „geistige Phänomene“ nicht wissenschaftlich erhoben werden können. Behavioristen betrachten den Menschen als Black-Box, Gefühle und Bewusstsein unberücksichtigt, in die man keinen Einblick hat. Wahrnehmbar sind lediglich Reiz (input) und Reaktion (output). An­hand dieser Umweltbeeinflussungen, also den Reizen, und dem daraus beobachtbaren Ver­halten, also den Reaktionen, konstruiert der Mensch aktiv seine Welt. (Lexikon der Psycholo­gie 2014, S.1.)

Was bedeutet die Lerntheorie des Behaviorismus nun für die Frage nach der Persönlichkeit? Schlussfolgerungen sind, dass Verhalten ausschließlich Ergebnis aus der individuellen Lern­geschichte jedes Individuums ist und somit allein die Umwelt die Persönlichkeitsentwicklung bedingt (Umweltdeterminismus). (Neyer und Asendorpf 2018, S.46)

3.3 Humanistische Theorie

Humanistische Theorien entstanden als Gegenströmung zu den Persönlichkeitstheorien des Behaviorismus und der Psychodynamik. Sie widersprachen deren Annahme, dass die Persön­lichkeitsentwicklung „durch die Lernumwelt determiniert sei“. (Asendorpf 2019) Der Mensch strebe nach humanistischer Theorie stets nach persönlichem Wachstum und positiver Ent- wicklung. Diese Annahme bedeutet, dass die menschliche Natur, anders als bei Freud, grund­legend gut sei. (Maltby et al. 2011, S.241)

Begründer der humanistischen Theorie waren Maslow und Rogers. Maslow entwickelte 1955 eine hierarchisch geordnete Bedürfnispyramide aus fünf Arten von Bedürfnissen: Physiologi­sche Bedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung. Die ersten vier dieser Bedürfnisse bezeichnet er als Mangelbedürfnisse, die Mangelzustände befriedigen sollen. Das hierarchisch höchste Bedürfnis stellt die Selbst­verwirklichung und das Streben nach Wachstum. Das bedeutet: individuelle Entwicklung, sprich das Wachstum, kann erst stattfinden, wenn die vorherigen vier Defizite beseitigt sind. Rogers baute 1959 auf Maslows Theorie auf. Statt dem Begriff der Selbstverwirklichung ver­wendete er den Begriff Selbstaktualisierungstendenz. Darunter verstand er die Bestrebung, nach positiven Selbsterfahrungen zu suchen und negative zu vermeiden. Als Ziel dieser zwei Bedürfnisse formulierte er einerseits die positive Wertschätzung durch andere Personen und andererseits die positive Selbstachtung. (Asendorpf 2019, S.1.)

Zur Beschreibung der aus diesem Konzept resultierenden Persönlichkeitsentwicklung be­schrieb er das Selbst und teilte es in Real-Selbst und Ideal-Selbst.

Das Selbst meint die subjektive Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit. Das Real-Selbst beinhaltet alle Persönlichkeitsmerkmale, die der Mensch tatsächlich innehat. Das Ideal-Selbst beschreibt die eigene erwünschte Persönlichkeit und die Erwartungen an sich selbst. Da, nach humanistischer Theorie, das Ziel des Menschen die Selbstaktualisierung ist, strebt jeder Mensch danach, „sein Selbst weiterzuentwickeln und das Real-Selbst dem Ideal-Selbst anzu­nähern“. (Schmithüsen 2015, S.293)

4. Relevanz von Persönlichkeitsmerkmalen in der Arbeitswelt

Bei der Personalauswahl werden sowohl die sogenannten hard skills („harte Fähigkeiten“) als auch die soft skills („weiche Fähigkeiten“) zur Entscheidungsfindung herangezogen. Zu den hard skills (im Deutschen auch Fachkompetenz) zählen diejenigen Fähigkeiten, die erlernt und nachweisbar sind, z. B. die Noten des Schulabschlusses oder des Studiums, Sprach- und Computerkenntnisse.

Als soft skills werden nicht messbare Fähigkeiten, wie Persönlichkeitsmerkmale oder Charak­tereigenschaften, verstanden. Dazu gehören zum Beispiel Teamfähigkeit, Offenheit, Freund­lichkeit und vieles mehr. (Lies 2018)

Zur Erfassung der hard skills wird ein Anforderungsprofil erstellt. Ein Anforderungsprofil bein­haltet die für die zu besetzende Stelle vorausgesetzten Kompetenzen und Fähigkeiten, die Aufschluss darüber geben sollen, wie geeignet Bewerberinnen für den Job sind. Es geht also letztlich darum, die Stelle so gut wie möglich passend zu besetzen. Wichtig für den Arbeitgeber ist es folglich, das Anforderungsprofil möglichst ausführlich, präzise und detailliert zu formu­lieren. (Warkentin 2020, S.1.) Um die soft skills zu erfassen, entsteht analog zum Anforde­rungsprofil ein Persönlichkeitsprofil. Eine Methode, wie sich diese erheben lassen, soll im nachfolgenden Gliederungspunkt dargestellt werden.

Zur Entscheidung der Personalauswahl werden die beiden Profile miteinander verglichen. Der- oder diejenige, dessen/deren Profile am meisten übereinstimmen, sind die beste Wahl für den zu vergebenden Job. Je besser die beiden Profile übereinstimmen, desto eher ist der Bewer­berin für die zu besetzende Position geeignet. (Neyer und Asendorpf 2018, S.21)

4.1 DISG Persönlichkeitsprofil

DiSG-Persönlichkeitsprofil basiert auf der Grundannahme, dass „jeder Mensch im Verlauf seines Lebens gewisse Verhaltenspräferenzen entwickelt, in denen sich auch seine persönli­chen Werte sowie Einstellungen widerspiegeln“. Die vier Adjektive, die das Persönlichkeits­profil analysiert, geben ihm seinen Namen DISG:

D - dominant; I - initiativ; S - stetig; G - Gewissenhaft.

Jedes dieser Adjektive beschreibt einen Grundtypen von Persönlichkeit. Wichtig dabei zu wis­sen ist, dass kein Typ in Reinform vorliege, sondern dass jeder Typ in jedem Menschen unter­schiedlich stark ausgeprägt ist, aus denen sich das individuelle Persönlichkeitsprofil zusam­mensetzt (Voss 2010, S.1.). Die Typen sind durch die Herausgeber folgendermaßen definiert: Typ D: „Der dominante Persönlichkeitsstil mag Herausforderungen und schnelle Ergebnisse. Die Person ist sehr selbstbewusst und entscheidungsfreudig. Sie liebt Freiheit und eigene Ent­scheidungshoheit.

Typ-I: „Der initiative Persönlichkeitsstil arbeitet gerne in Teams und teilt mit anderen seine Ideen. Außerdem sind es Menschen, die neue Situationen und Menschen einbinden und un­terhalten. Die Person ist sehr offen und wirkt auf andere charmant.“

Typ-S: „Stetige Menschen sind sehr hilfsbereit und wirken gerne im Hintergrund. Sie arbeiten gerne im Team und sind sehr achtsam im Umgang mit Kollegen*innen und Kunden*innen. Sie mögen Kooperationen und lange loyale Geschäftsbeziehungen. Man erkennt Sie an Ihrer an­genehmen geduldigen Art.

Typ -G: „G“s haben eine Vorliebe für Zahlen, Daten und Fakten. Sie arbeiten gerne mit vorge­gebenen Prozessen und Normen. Sie handeln vorausplanend, systematisch und prüfen gerne die Dinge. Man erkennt Sie an Ihrer diplomatischen Art und ihrem Hunger nach Wissen.“ (www.disg-modell.de 2021.)

Das DISG-Persönlichkeitsprofil muss wie jedes andere Analyseinstrument die Gütekriterien wissenschaftlicher Forschung, Validität, Reliabilität und Objektivität, erfüllen, um verlässliche Aussagen über eine Person treffen zu können. Die Durchführung ist standardisiert, folgt also genauen Regeln. Die Auswertung kann der Computer übernehmen, sodass in das Ergebnis keine subjektiven Interpretationen einfließen. (Voss 2010, S.1.)

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Details

Titel
Die Bedeutung der Persönlichkeit in der heutigen Arbeitswelt
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1140835
ISBN (eBook)
9783346517135
ISBN (Buch)
9783346517142
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Persönlichkeitstests
Arbeit zitieren
Christina Bonfig (Autor:in), 2021, Die Bedeutung der Persönlichkeit in der heutigen Arbeitswelt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140835

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