Soziale und kulturelle Milieus älterer Menschen in der Pflege


Hausarbeit, 2019

7 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kurze biographische Darstellung der Bewohnerin Fr. K.
2.1 Ihr Verständnis zu Religion und Werten
2.2 Ihr Verständnis zum Essen und Trinken
2.3 Ihr Umgang mit Leid / Schmerz und Sorgen
2.4 Ihr Umgang mit Hygiene und Pflege

3 Kultursensible Maßnahmen im Pflegeprozess bei Fr. K. praktisch umsetzen
3.1 Pflege mit Humor verbinden
3.2 Alltagsangebote unterbreiten
3.3 Auf Bedürfnisse eingehen

4 Reflexion der Lernerfahrungen

5 Zusammenfassung

1 Einleitung

Was bedeutet würdevolle und kultursensible Pflege? Es berücksichtigt die Selbstbestimmung, Freiheit, Privatheit und das Individuelle einer jeden pflegebedürftigen Person. Auch hat jeder das Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft, auf Wertschätzung, Kommunikation und auf Beratung und Information. Auch in Artikel 1 Abs. 1 Grundgesetz steht geschrieben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dies stellt die Basis für eine würdevolle und kultursensible Pflege und Betreuung. Die Hausarbeit zeigt die Lebenssituation von Fr. K., Bewohnerin in einem Pflegeheim, auf, der insbesondere die Freiheit sehr wichtig ist. Es stellt für sie einen hohen Wert dar, leben zu dürfen. Dies ergibt sich aus ihrer persönlichen Lebensgeschichte, Erziehung, Religion und Kultur.

2 Kurze biographische Darstellung der Bewohnerin Fr. K.

Fr. K. ist 91 Jahre alt und in Pflegegrad 2 eingestuft. Kognitiv ist sie sehr klar. Sie ist sehr kommunikationsfreudig. Nach einem Autounfall im Dezember 2018 traf sie eigenständig die Entscheidung, in ein Pflegeheim zu ziehen. Hierfür löste sie selbst ihre Wohnung in Frankfurt am Main auf. Fr. K. war nie verheiratet und hat auch keine Kinder. Sie ist sehr selbstbestimmt. Autonomie und Selbstständigkeit haben für sie einen hohen Stellenwert, u. a. entscheidet sie auch über die Wahl und Einnahme ihrer Medikamente. Sie ist sehr direkt zu den Pflegern. Wenn ihr etwas nicht gefällt, weist sie sehr bestimmend und sachlich darauf hin. Fr. K. ist eine von neun Geschwistern in einer Großfamilie und ist auf dem Land aufgewachsen. Beide Elternteile waren Religionslehrer. Später zog die Familie nach Frankfurt am Main. Fr. K. war in der Hitlerjugend sehr aktiv. Später lernte sie den Beruf als Technische Zeichnerin und arbeitete für Degussa und für ein Architekturbüro in Frankfurt. In den Jahren 1957-1958 ging sie nach Ontario nach Kanada und war dort als Nurseaid (Schwesternhelferin) tätig. Diese Zeit war für sie sehr prägend. Mit 38 Jahren kam sie zurück nach Deutschland. „Ihre große Liebe war ja hier“, betonte sie mehrmals im Rahmen des biografischen Gespräches. Sie entschied sich, eine Ausbildung zur Altenpflegerin in Frankfurt am Main zu absolvieren. In dieser Zeit erlitt sie eine Lungen-Tbc, die auskuriert werden konnte. Sie las ein Buch über Anna Katharina Emmerick, in der auch das Leiden von Jesus Christi am Kreuz beschrieben wird, der durch seinen Tod die Menschen erlöst hat. Sie sagte; „Jesus schrie in der Dunkelheit des Leidens am Kreuze nach seinem Vater.“ Dies hat Fr. K. sehr tief bewegt: „Ich habe die ganze Nacht geweint“, ergänzte sie. „Ich wurde bekehrt, und ich sah dies als ein Zeichen der Erlösung.“ Seitdem ist sie fromm geworden und sie entschied sich für ein Leben für und mit Gott.

2.1 Ihr Verständnis zu Religion und Werten

Fr. K. fühlt sich der katholischen Kirche eng verbunden und auch mit „Jesus Christus“. Aus ihrer Sichtweise ist die „katholische Kirche“ die wahre Kirche. Jesus Christus wird von Fr. K. über alles verehrt. Mehrere Bilder von ihm schmücken ihr Zimmer. Regelmäßige Gebete öffnen ihr die Lehre zu Christus und zu Gott. Das Morgengebet ist ihr dabei besonders wichtig. Sie glaubt fest an die Auferstehung nach dem Tod, also an das Jüngste Gericht. „Gott hat uns einen reichhaltigen Tisch gedeckt. Es ist wie im Paradies. Es wird uns nach dem Tod nur Gutes geschehen“, sagte sie. Wer die Lehren Christi befolgt, folgt auch dem Prinzip der Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Für sie ist das Osterfest das Allerheiligste, da hiermit die Auferstehung Christi gefeiert wird. Wenn es ihr Gesundheitszustand zulässt, nimmt sie regelmäßig freitags am Gottesdienst der Ortsgemeinde teil. Zudem verfolgt sie den wöchentlichen Gottesdienst, der im Fernsehen jeden Sonntag früh ausgestrahlt wird.

2.2 Ihr Verständnis zum Essen und Trinken

Der Zeitraum von Aschermittwoch bis Ostern ist für Fr. K. das Allerheiligste. Sie verzichtet in der Zeit auf sämtliche Fleischprodukte. Nach dem Osterfest folgt für sie 40 Tage lang die Buß- und Fastenzeit. Auch in dieser Zeit versucht Fr. K., je nach Gesundheitszustand, nicht nur auf Fleischprodukte zu verzichten, sondern auch auf Süßigkeiten, Kuchen und Kaffee. Für Fr. K. ist auch das wöchentliche Freitagsopfer sehr wichtig. An diesem Tag verzichtet sie ebenfalls auf Fleischprodukte und isst nur Käse und Fisch.

2.3 Ihr Umgang mit Leid / Schmerz und Sorgen

Es ist auffällig, dass bei Fr. K. die Tragweite und das Empfinden von Leid, Schmerz, etc. stark von religiösen, kulturellen und weltanschaulichen Ansichten beeinflusst wird. Dabei spielt auch ihre individuelle Lebenssituation eine große Rolle. Ihre Medikamenteneinnahme bestimmt sie selbst. Sie schwört auf homöopathische Medizin. „Ich bin doch auch Pflegerin, so wie sie“, sagte sie immer. Das Thema Leid, Schmerz, etc. ist bei ihr sehr komplex und vielschichtig. Fr. K. sieht in der „Religion“ eine Ressource und kann damit belastende Situationen (Coping) für sich klären und somit gut verarbeiten. Fr. K. erreicht damit eine positive Kontinenz und eine bejahende Lebenseinstellung. Dies gibt ihr den starken Halt und die Sicherheit, um ihr Leben in die richtige Richtung zu lenken, ein tieferes Verständnis über den Sinn des Lebens und prägt in hohem Maße auch ihre etische Orientierung. Leid, Schmerz etc. sieht sie als ein Mittel zu Besinnung bzw. als Folge moralischen Versagens. Dadurch betrachtet sie negative Krankheitszeichen als eine bestimmte Wahrheit. Sie glaubt fest daran, dass Leiden, Schmerzen etc. in enger Verbindung mit den Schmerzen von Jesus am Kreuz stehen und sie dadurch Erlösung erfährt.

2.4 Ihr Umgang mit Hygiene und Pflege

Fr. K. pflegt sich meist selbstständig. Sie ruft nicht die Pflege um Hilfe, auch nicht an Tagen, wenn es ihr nicht so gut geht. Unabhängig hiervon ist es ihr aber sehr wichtig, von einer Frau gepflegt zu werden. Sie wünscht sich, dass sie von einer gütigen und verständnisvollen Pflegerin versorgt wird. „Davon kennt sie nur eine hier“, meinte sie. Die Hilfestellung beim Duschen von Pflegekräften lässt sie sehr ungern zu und sagt regelmäßig vereinbarte Duschtermine mehrmals in der Woche ab. Die Pflegekräfte beobachteten bei Fr. K. eine sehr hohe Schamschwelle. Bei Nacktheit ist sie immer sehr aufgeregt, wenn eine Pflegekraft neben ihr steht. Sie bedeckt dann stets ihren Körper mit Tüchern oder Kleidung. Eine tägliche Hautbeobachtung wird dadurch erschwert.

3 Kultursensible Maßnahmen im Pflegeprozess bei Fr. K. praktisch umsetzen

3.1 Pflege mit Humor verbinden

Die Pflegekraft darf bei Fr. F. nicht mit Besserwisserei, Aggression, Machtgefühlen oder Feindseligkeit gegenübertreten. Dies ist sehr kontraproduktiv. Man kann Fr. K. vielmehr mit einer achtsamen Humorkultur gewinnen und begeistern. Hier benötigt die Pflegekraft eine gehörige Portion Selbstreflexionsfähigkeit. Dies ist auch Grundvoraussetzung für eine achtsame Humorkultur. Wenn die Pflegekraft mit Humor pflegen will, bedarf sie jedoch selbst einer „gehörigen Portion Humor“. Humor kann dabei sehr vieles sein, ein Lächeln, Augenzwinkern bis hin zum Witzeerzählen, allerdings nur solange dieses von Fr. K. auch als authentisch verstanden wird. Es darf daher nicht aufgelegt oder erzwungen sein. Bei Fr. K. ist ansonsten fast alles möglich. Ein kleiner Moment des Lachens baut eine Brücke zu Fr. K. auf. Es lässt Schmerzen, Leid und Sorgen bei Fr. K. vergessen und stimmt sie fröhlich. Die Pflegekraft erreicht damit, bei Fr. K. Spannungen abzubauen, Lösungen zu finden und ein Klima des Vertrauens zu schaffen. Mit Humor erreicht man bei Fr. K. ein menschliches und wertschätzendes Miteinander.

3.2 Alltagsangebote unterbreiten

Der Soziale Dienst des Pflegeheims bietet Fr. K. an, und dies unabhängig von ihrem Gesundheitszustand, mit einer Begleitung in die Kirche der Ortsgemeinde zu gehen. In letzter Zeit kommt es jedoch immer häufiger vor, dass dieses Angebot von Fr. K. abgelehnt wird. Sie nutzt jedoch gerne die regelmäßigen Gesprächsangebote des Pfarrers (Altenheimseelsorge). Sie hat beim Sozialen Dienst eine Bezugsperson mit dem Namen Doris, die ihr immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Sie sagt: „Diese Gespräche geben mir Kraft. „Wir können daran glauben, dass Gott zu allen Zeiten bei uns ist.“, führt Fr. K. fort.

3.3 Auf Bedürfnisse eingehen

Von der Pflege wird respektiert, dass Fr. K. an bestimmten Tagen auf Fleischprodukte und Genussmittel verzichtet. Es werden ihr dann Alternativen angeboten, wie z. B. Käseaufschnitt zum Abendbrot oder mittags diverse Fischangebote. Fr. K. weist die Pflegekräfte auch mit einem Schild an ihrer Zimmertür „Bitte heute keinen Kuchen und Kaffee“ darauf hin, dass sie auf diese Mahlzeit in der Nachmittagszeit verzichten möchte. Dies wird von den Pflegekräften respektiert. Fr. K. wird in ihrem Zimmer nicht gestört. Dem Team ist auch bewusst, dass Fr. K. nur von weiblichen Pflegekräften versorgt werden möchte, und berücksichtigt dies bei der Organisation der Pflege. Da Fr. K. sehr selbstbestimmt ist, kann es vorkommen, dass sie männliche Pflegekräfte der Türe verweist. Auch wünscht Fr. K. keine Sichtkontrollen von der Nachtwache. Dies wird ebenfalls respektiert. Wenn Fr. K. Duschtermine absagt, machen ihr die Pflegekräfte keine Vorwürfe. In solchen Fällen wird Fr. K. gebeten, dass sie direkt auf die Pflegekräfte zugehen möchte, wann sie geduscht werden möchte.

4 Reflexion der Lernerfahrungen

Um kultursensible Pflege sicherstellen zu können, benötigen Pflegekräfte vielseitige Kompetenzen, u. a. auch eine hohe persönliche Kompetenz. Zu dieser Kompetenz gehört die Fähigkeit der Selbstreflexion. Dies hilft der Pflegekraft, mit eigenen Vorurteilen bewusster umgehen zu können. Neben Vorurteilsbewusstsein zählt aber auch ein gewisses Maß an Empathie. Die Pflegekraft findet damit einen besseren Zugang, sich in Menschen mit anderen Werten und deren persönlichen Lebensgeschichte, Erziehung, Religion sowie Kultur hineinversetzen zu können. Auch benötigt die Pflegekraft eine sogenannte Ambiguitätstoleranz, das ist die Fähigkeit, Widersprüche aushalten zu können und somit den Bewohner so sein zu lassen, wie er eben ist. Die Pflegekraft benötigt auch hohe sozial-kommunikative Kompetenzen, wie z. B. Konfliktfähigkeit. Dies ist nötig, um unterschiedliche Haltungen zu verstehen, Konflikte auszuhalten und diese produktiv zu verarbeiten. Eine hohe Kommunikationsfähigkeit, also die Kenntnis darüber, unterschiedliche Kommunikationswege anwenden zu können, ist ebenfalls sehr hilfreich. Pflegekräfte benötigen ferner eine hohe fachliche Kompetenz, das Fachwissen (soziokulturelles Wissen) über die kultursensible Pflege im Kontext des Sozialen in kulturellen Milieus älterer Menschen fördernd pflegen zu können. Zu guter Letzt wird von Pflegekräften auch noch eine hohe methodische Kompetenz abverlangt. Hierzu gehört auch die Zusammenhänge und Wechselwirkungen der kultursensiblen Pflege erkennen zu können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Soziale und kulturelle Milieus älterer Menschen in der Pflege
Veranstaltung
Sozialwissenschaften in der Altenhilfe / Ausbildung zum Altenpfleger bzw. zur Pflegefachkraft
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
7
Katalognummer
V1140837
ISBN (eBook)
9783346519412
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kulturelle Pflege, ältere Menschen, Biografiearbeit, Fördernde Pflege, Kultursensible Maßnahmen im Pflegeprozess
Arbeit zitieren
Anja Luther (Autor:in), 2019, Soziale und kulturelle Milieus älterer Menschen in der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140837

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