Es wird bei einer Vielzahl von Herstellern bereits mit vollautomatisierten Fahrsystemen experimentiert. Nehmen wir einmal an, dass es diese Systeme sowie die dazugehörige Sicherheitsgarantie der Hersteller geben wird und die automatisierten Kraftfahrzeuge erwerblich sind. Dann stellt sich die Frage: Wer übernimmt die Verantwortung, wenn doch etwas passiert? Können die Hersteller vollkommen garantieren, dass keines ihrer Systeme einmal ausfallen oder fehlerhaft sein würde? Es geht an dieser Stelle um die moralische Verantwortung und vor allem darum, wer sie zu tragen hat. Kann man ein solches System moralisch vertreten, wenn es in eine Situation kommt, in der nur ein Bruchteil eines Prozentes der Wahrscheinlichkeit besteht, dass Menschenleben zu Schaden kommen könnten? Sind autonome Fahrsysteme nach moralischen Vorstellungen überhaupt realisierbar?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Technische Grundlagen der Automatisierung
3. Das Dilemma autonomer Fahrsysteme
4. Vergleich der Leistungsfähigkeit: Mensch vs. Maschine
5. Verantwortung und Haftung bei Kollisionsvermeidesystemen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit und praktische Realisierbarkeit vollautonomer Fahrsysteme, insbesondere unter Berücksichtigung von moralischen Dilemmata in kritischen Gefahrensituationen sowie der Frage nach der Zuweisung von Verantwortung bei Systemversagen.
- Technische Klassifizierung von Automatisierungsstufen (nach Misselhorn)
- Ethische Bewertung von Dilemma-Situationen im Straßenverkehr
- Vergleichende Analyse der Reaktions- und Leistungsfähigkeit von Mensch und Bordcomputer
- Rechtliche und moralische Aspekte der Herstellerverantwortung
Auszug aus dem Buch
Das Dilemma autonomer Fahrsysteme
Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, der ebenfalls an der Ethik-Kommission des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur teilnahm, hat ein anschauliches Szenario vorgestellt, an dem sich verdeutlichen lässt, welche Gefahren ein solch automatisiertes System birgt und in welches Dilemma es führen könnte:
„Drei Schwerverletzte A, B und C liegen bewusstlos auf der Straße, D hingegen hat sich an den Fahrbahnrand schleppen können und umklammert den Straßenpfosten. Das Fahrzeug bewegt sich zu schnell, um noch anhalten zu können. Auch ein Ausweichmanöver, das weder A, B noch C gefährden würde, ist unmöglich. In welche Richtung soll der Bordcomputer den Wagen lenken?“5
Es muss die Entscheidung getroffen werden, ob die drei Schwerverletzten Personen auf der Straße getötet werden oder die Person, die sich zum Straßenrand schleppen konnte. Sicher ist an dieser Stelle anzumerken, dass bei manueller Steuerung des Fahrzeuges durch einen Menschen ebenso wenig die Möglichkeit besteht, alle drei Personen unversehrt zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die digitale Transformation der Mobilität und die daraus resultierenden neuen Herausforderungen für Gesetzgebung und Ethik.
2. Technische Grundlagen der Automatisierung: Definition der sechs Stufen der Fahrzeugautomatisierung nach Catrin Misselhorn, von der manuellen Steuerung bis zum vollautonomen Fahren.
3. Das Dilemma autonomer Fahrsysteme: Analyse moralischer Zwangslagen am Beispiel von Unfall-Szenarien und die kritische Auseinandersetzung mit der Programmierbarkeit ethischer Entscheidungen.
4. Vergleich der Leistungsfähigkeit: Mensch vs. Maschine: Wissenschaftliche Gegenüberstellung von Reaktionszeiten, sensorischer Wahrnehmung und Entscheidungslogik zwischen menschlichen Fahrern und Bordcomputern.
5. Verantwortung und Haftung bei Kollisionsvermeidesystemen: Untersuchung der moralischen und rechtlichen Verantwortung der Hersteller sowie die Bewertung des Konzepts des „erlaubten Risikos“.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, die den Nutzen teilautomatisierter Assistenzsysteme hervorhebt, während die Realisierung vollautonomer Systeme aufgrund unlösbarer ethischer Dilemmata als unrealistisch eingestuft wird.
Schlüsselwörter
Autonomes Fahren, Maschinenethik, Kollisionsvermeidung, Moralische Verantwortung, Ethik-Kommission, Assistenzsysteme, Künstliche Intelligenz, Unfallvermeidung, Haftung, Automatisierungsstufen, Sensortechnologie, Dilemma-Situation, Verkehrssicherheit, Rechtliche Rahmenbedingungen, Mensch-Maschine-Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und praktischen Auseinandersetzung mit autonomen Fahrsystemen, wobei der Schwerpunkt auf der Verantwortung für Entscheidungen in lebensbedrohlichen Gefahrensituationen liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernpunkten zählen die technischen Stufen der Automatisierung, die moralische Problematik von „Trolley-ähnlichen“ Dilemma-Situationen im Straßenverkehr sowie die Frage nach der Haftung des Herstellers.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob vollautonome Fahrsysteme unter moralischen Vorstellungen überhaupt realisierbar sind oder ob die ethische Komplexität menschliche Urteilskraft weiterhin unersetzbar macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Argumentation genutzt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse ethischer Diskurse, die Auswertung von Berichten der Ethik-Kommission für automatisiertes Fahren sowie den Vergleich empirischer Daten zur Leistungsfähigkeit von Assistenzsystemen.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die technische Einordnung der Automatisierungsstufen, eine detaillierte Dilemma-Diskussion anhand des „Weichensteller-Falls“ und eine Gegenüberstellung menschlicher und maschineller Reaktions- und Entscheidungskompetenzen.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch eine kritische Distanz gegenüber vollautonomen Systemen aus, befürwortet jedoch den Einsatz von Fahrerassistenzsystemen als sinnvolle Sicherheitsergänzung.
Warum hält der Autor die Programmierung ethischer Entscheidungen für unrealistisch?
Aufgrund der Unvorhersehbarkeit und Einzigartigkeit kritischer Verkehrssituationen sowie der Unmöglichkeit, menschliche Instinkte und moralische Intuitionen in einen starren Softwarecode zu übersetzen.
Welche Rolle spielen die Hersteller bei der Haftungsfrage?
Hersteller tragen die Verantwortung für die Sicherheit und Funktionstüchtigkeit der verbauten Systeme; bei Systemversagen aufgrund fehlerhafter Software ist die rechtliche Verantwortung klar beim Produzenten zu suchen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Die Frage nach der Verantwortung sowie Realisierbarkeit autonomer Fahrsysteme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140899