In Deutschland ist bislang wenig zu dem Thema bekannt, ob und wie häufig Sozialarbeitende Opfer von Gewalt durch KlientInnen werden. Aufgrund dessen gilt mein Interesse der Frage, wie stark die Bedrohung tatsächlich durch KlientInnen im Arbeitsalltag von pädagogischen Fachkräften ist und wie in den verschiedenen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit mit dem Aspekt Gewalt umgegangen wird.
In der Sozialen Arbeit gibt es viele Bereiche, in denen Gewalt und Aggressionen beinahe zur Tagesordnung gehören. Pädagogische Fachkräfte wie ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen beraten und unterstützen KlientInnen in schwierigen Lebenslagen. Oftmals haben diese schon Gewalterfahrungen im Kindes- oder Jugendalter machen müssen oder sind erst kürzlich Opfer von psychischer und/oder körperlicher Gewalt geworden. Aber auch andere Belastungen können zu dieser Situation führen. Diese Erlebnisse spiegeln sich schlussendlich oft in aggressiven oder gewalttätigen Verhalten wider. Ein bislang totgeschwiegenes Thema ist, dass auch jene pädagogischen Fachkräfte, die ihren KlientInnen zur Seite stehen, in ihrer Arbeit Opfer von Gewalt durch eben diese werden können.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Definitionen
2.1.1 Aggression
2.1.2 Gewalt
2.2 Gewalttheorien
2.2.1 Psychologische Theorien
2.2.2 Biologische Theorien
2.2.3 Soziologische Theorien
3. Forschungsstand
3.1 Studien
3.2 Gewaltprävention
4. Hypothesenbildung
5. Die Empirische Untersuchung
5.1 Darstellung der empirischen Methode
5.2 Aufbau und Durchführung der Umfrage
5.3 Ergebnisdarstellung
5.3.1 Die Stichprobe
5.3.2 Häufigkeiten von Drohung und Gewalt
5.3.3 Häufigkeiten in den verschiedenen Arbeitsfeldern
5.3.4 Gewaltprävention
5.4 Interpretation der Auswertung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das bisher wenig erforschte Ausmaß von Gewalt durch KlientInnen gegenüber pädagogischen Fachkräften in verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit und analysiert bestehende Präventionsmaßnahmen.
- Erforschung der Häufigkeit von verbalen, psychischen und physischen Übergriffen auf pädagogische Fachkräfte.
- Analyse von Zusammenhängen zwischen spezifischen Arbeitsfeldern und dem Gewaltaufkommen.
- Bewertung der Wirksamkeit von Unterstützungsstrukturen und Präventionsangeboten durch Arbeitgeber.
- Reflexion der persönlichen und beruflichen Auswirkungen von Gewalterfahrungen auf die pädagogische Arbeit.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Aggression
Der Begriff „Aggression“ bezieht sich auf das lateinische Wort „aggredior – aggredi“, welches angreifen/herangehen bedeutet, und welches das charakteristisch feindselige und herausfordernde Verhalten in den Vordergrund stellt. Nach Kilb gilt die Aggression als „eine Person oder einen Gegenstand schädigende/s Angriffsverhalten/Tat“. Aggressivität gilt „als der Verhaltensimpuls und/oder das Gefühl, das der Aggression vorangeht“ (Kilb 2012, S. 13). In den meisten Fällen tritt aggressives Verhalten als negative Emotion in Folge von andauernden Spannungsverhältnissen auf, wie zum Beispiel bei Provokation oder Frust. Jedoch wird der Begriff nicht in allen Ansätzen als feindselig betrachtet. Demnach werden Aggressionen nicht nur genutzt, um andere zu schädigen, sondern können ebenfalls zur Erlangung von Ressourcen dienen, oder aber der Vermeidung bzw. Beendigung bestimmter Situationen und der Durchsetzung des eigenen Willens.
In der Wissenschaft werden Aggressionsformen zudem als dualistisch bezeichnet; die dabei ausgemachten Gegensätze lauten wie folgt: offen und verdeckt, reaktiv und proaktiv, affektiv und raubtierhaft, defensiv und offensiv, sozialisiert und untersozialisiert, impulsiv und kontrolliert, feindselig und instrumentell sowie impulsiv und geplant. Bei Autoren wie Steiner werden diese als heiße (reaktiv, affektiv, defensiv, impulsiv) und kalte (proaktiv, instrumentell, planerische) Aggressionen bezeichnet. (vgl. Wahl 2010, S. 9)
Für Wahl selbst ist Aggression „ein Ensemble von aus der Naturgeschichte stammenden bio-psychosozialen Mechanismen, die der Selbstbehauptung oder Durchsetzung gegen andere mit schädigenden Mitteln dienen. Form und Stärke der Aggression werden durch die genetische Ausstattung des Individuums, seine Sozialisation und gesellschaftliche Umstände gestaltet, aktiviert oder gehemmt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Relevanz von Gewalt und Aggression in der Sozialen Arbeit und begründet die Forschungsfrage, wie häufig pädagogische Fachkräfte im Arbeitsalltag Übergriffen ausgesetzt sind.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Aggression und Gewalt und erläutert verschiedene psychologische, biologische und soziologische Gewalttheorien.
3. Forschungsstand: Hier werden internationale Studien zur Gewalt gegen pädagogische Fachkräfte zusammengefasst und Ansätze der Gewaltprävention in der Praxis diskutiert.
4. Hypothesenbildung: Es werden Annahmen zur Häufigkeit von Gewalterfahrungen in verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit formuliert.
5. Die Empirische Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert die Methodik der Online-Umfrage, präsentiert die Ergebnisse zur Stichprobe, zu Gewaltformen und deren Häufigkeit sowie zur Prävention und interpretiert diese Daten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung sowie die Bedeutung teaminterner Unterstützung für einen gewaltfreien Arbeitsplatz.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Gewalt gegen pädagogische Fachkräfte, Aggression, Gewaltprävention, quantitative Forschung, KlientInnen, verbale Gewalt, körperliche Gewalt, psychische Gewalt, Online-Umfrage, Arbeitsfelder, Deeskalationstraining, Belastung, Sicherheitsgefühl, Unterstützung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich der Thematik der Gewalt, die pädagogische Fachkräfte in der Sozialen Arbeit durch ihre KlientInnen erfahren, und untersucht, wie verbreitet dieses Problem in Deutschland ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Schwerpunkte sind die Definition von Aggression und Gewalt, die theoretischen Ursachenerklärungen, der Vergleich mit internationalen Studien sowie die Analyse von Präventionsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, wie häufig pädagogische Fachkräfte Opfer von Gewalt werden und inwieweit Unterschiede in verschiedenen Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasserin führt eine empirische, quantitative Untersuchung mittels einer Online-Umfrage (Fragebogen) bei 48 pädagogischen Fachkräften durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, den Forschungsstand, die Hypothesenbildung sowie die detaillierte Darstellung und Interpretation der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Soziale Arbeit, Gewaltprävention, pädagogische Fachkräfte, Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit und Gewalterfahrung.
Warum ist das Thema Gewaltprävention in der Arbeit so wichtig?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Prävention – wie Fortbildungen und Deeskalationstrainings – entscheidend ist, um Sicherheit am Arbeitsplatz zu gewährleisten, wobei in vielen Bereichen derzeit ein erheblicher Nachholbedarf besteht.
Welche Rolle spielt die teaminterne Unterstützung?
Laut der Auswertung ist die Unterstützung durch KollegInnen und Vorgesetzte einer der wichtigsten Faktoren, damit sich Fachkräfte trotz Gewalterfahrungen an ihrem Arbeitsplatz sicher und belastbar fühlen.
- Arbeit zitieren
- Aylin Hörsting (Autor:in), 2021, Gewalt gegen pädagogische Fachkräfte durch KlientInnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140904