Kultur erscheint zum einen als wenig greifbarer und allumfassender Begriff, zum anderen erscheint es als reichlich konkret im Bezug auf die sogenannte Kulturindustrie in Form der darstellenden Künste in Sprech- und Musiktheatern. Dennoch ist der Fokus auf die Ökonomie recht unterbelichtet. Hamburg gilt zwar weltweit als Musicalstandort nach New York und London auf Platz 3. Dennoch sind die Details und Hintergründe dazu recht unbekannt. Kultur gilt so als Side Show und Brückenfunktion, um den Standort Hamburg und die dazugehörige Metropolregion zu stärken. Dennoch hat eben diese Region zahlreiche Defizite, und schöpft ihr Potential nur unbefriedigend aus.
Inhaltsverzeichnis
Einführung: Das Lernen lernen und Fragen entdecken
1 Kultur als Ware
1.1 Kulturindustrie
1.2 Ökonomische Effekte
1.3 Musicals und Tourismus
1.4 Kulturpolitik vs. Stadtentwicklung
2 Standortpolitik
2.1 Ausgangslage und Entstehung
2.2 Reaktionen und Folgen
2.3 Neue Regionalpolitik
2.4 Die Kontroverse
2.5 Clusterpolitik
3 Kreative Stadt als Wachstumsmotor?
Fazit
Mögliche Fragestellungen zur weiteren Bearbeitung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis von Theorie und Praxis im Kontext der Hamburger Standortpolitik. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Kultur und kreative Angebote als strategische Instrumente der Stadtentwicklung genutzt werden, um Wettbewerbsvorteile zu generieren und externe Kaufkraft an den Standort zu binden.
- Analyse der ökonomischen Bedeutung von Kultur und Tourismus für den Standort Hamburg.
- Untersuchung des Paradigmenwechsels in der Regionalpolitik von nachfrage- zu angebotsorientierten Konzepten.
- Kritische Reflexion der "Kreativen Stadt" als Wachstumsmotor und die Rolle der Clusterpolitik.
- Erörterung der theoretischen Grundlagen von Standortvorteilen und räumlicher Konzentration.
Auszug aus dem Buch
1.1 Kulturindustrie
Der Turning Point findet mit dem statt, was Horkheimer und Adorno 1944 abschätzig als Kulturindustrie bezeichneten: eine veränderte Produktion und Funktion von Massen- und Populärkultur im Spätkapitalismus, die alles einförmig mache und sich fortan den Marktlogiken zum einen selbst unterwirft, und zum anderen solche Mechanismen erst nötig hervorbringt, wie sie zuvor eher unüblich waren (Horkheimer und Adorno 2015). Kunst und Kultur werden nun massentauglich, egalitär und damit schleichend zur Ware und zur Marke anstelle des bloßen Müßiggangs. Sie findet nicht mehr ausschließlich für, von und innerhalb von bestimmten Eliten statt, sondern aufgrund von steigender Produktivität sowie höherer Verfügbarkeit von Einkommen und Zeit nehmen sukzessive mehr Bürger solche Angebote in Anspruch. Die Nachfrage weitet sich aus, und damit weitet sich auch das Angebot aus.
Eine solche moralische Empörung über eine vermeintliche Entweihung oder Entzauberung (Max Weber) einst sakraler Begriffe übersieht dennoch den inhärenten Zwang zur Ökonomisierung einer entwickelten Gesellschaft und ihrer Mitglieder, die permanent in Austauschbeziehungen mit anderen stehen. Und das gilt seit der Antike, besonders für Städte und deren Machtpolitik und ihre entsprechenden Haushalte im Sinne eines Oikos (Weber 2005, 298f.).
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Das Lernen lernen und Fragen entdecken: Diese Einführung erläutert die Bedeutung von Theoriebildung und kritischem Denken für das Studium und verknüpft wissenschaftliche Grundlagen mit dem späteren Berufsleben in der Verwaltung.
1 Kultur als Ware: Dieses Kapitel definiert Kultur in einem ökonomischen Kontext und analysiert ihren Wandel hin zu einer vermarktbaren Größe, die zur Identitätsbildung und Standortstärkung beiträgt.
1.1 Kulturindustrie: Hier wird der Einfluss von Marktlogiken auf die Produktion von Kunst und Kultur diskutiert und die Entstehung massentauglicher Kulturangebote beleuchtet.
1.2 Ökonomische Effekte: Dieser Abschnitt befasst sich mit der messbaren ökonomischen Bedeutung von Kultur, insbesondere innerhalb der Musikwirtschaft und deren Beitrag zur Wertschöpfung.
1.3 Musicals und Tourismus: Das Kapitel untersucht Hamburg als Musical-Standort und dessen Funktion als Tourismusmagnet sowie als Bindeglied für weitere Wirtschaftszweige.
1.4 Kulturpolitik vs. Stadtentwicklung: Hier wird die Rolle der Kulturpolitik bei der strategischen Steuerung urbaner Räume und die Kontroverse um ihre Finanzierung und Zielsetzung beleuchtet.
2 Standortpolitik: Dieses Kapitel analysiert die historische Entwicklung der Standortpolitik in Hamburg seit den 1980er Jahren und den damit verbundenen Paradigmenwechsel.
2.1 Ausgangslage und Entstehung: Es wird der Übergang von der natürlichen Standortgebundenheit hin zu vom Menschen geschaffenen Standortvorteilen unter Bürgermeister von Dohnanyi beschrieben.
2.2 Reaktionen und Folgen: Dieses Kapitel diskutiert die Auswirkungen der keynesianischen Nachfragepolitik und die Notwendigkeit neuer, angebotsorientierter Ansätze.
2.3 Neue Regionalpolitik: Hier wird Standortpolitik als Instrument der Regionalpolitik dargestellt, um Kaufkraft durch gezielte Einkommensverwendung am Standort zu binden.
2.4 Die Kontroverse: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den Verdrängungseffekten der Standortpolitik und der Ideologie der Neoklassik auseinander.
2.5 Clusterpolitik: Der Abschnitt erläutert die Funktionsweise von Clustern als Wertschöpfungsnetzwerke und deren Bedeutung für die regionale Innovationskraft.
3 Kreative Stadt als Wachstumsmotor?: Hier werden die Konzepte der "Kreativen Klasse" und deren kritische Übertragbarkeit auf die Hamburger Stadtentwicklung hinterfragt.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und stellt die weiterführende Frage nach der Nachhaltigkeit und Zielsetzung der aktuellen Standort- und Clusterpolitik.
Mögliche Fragestellungen zur weiteren Bearbeitung: Dieser Abschnitt liefert Anregungen für vertiefende wissenschaftliche Arbeiten, etwa zu den direkten Effekten von Musicals auf den Staatshaushalt oder zur Rolle der Metropolregion.
Literaturverzeichnis: Dies ist das Quellenverzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Dokumente.
Schlüsselwörter
Standortpolitik, Kulturindustrie, Hamburg, Regionalpolitik, Clusterpolitik, Kreative Stadt, Wirtschaftswachstum, Tourismus, Musicals, Wertschöpfung, Ökonomisierung, Stadtentwicklung, Theorie-Praxis-Verhältnis, Kaufkraftbindung, Metropolregion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Hamburger Standortpolitik und der Rolle von Kultur und Kreativität als strategische Faktoren für das wirtschaftliche Wachstum der Stadt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit deckt die Bereiche ökonomische Bedeutung von Kultur, Tourismusentwicklung, moderne Regionalpolitik, Clusterbildung und die kritische Analyse von Stadtentwicklungskonzepten ab.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie politische Konzepte zur Standortstärkung entstehen, welche Rolle Kultur dabei einnimmt und inwieweit diese Maßnahmen zu ökonomischem Erfolg führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine sozialökonomische Perspektive, die theoretische Modelle (wie die Neue Ökonomische Geografie oder Keynessche Ansätze) mit empirischen Beobachtungen der Hamburger Stadtentwicklung verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Wandel der Standortpolitik, die Bedeutung der Kulturindustrie, die Rolle von Musicals für den Tourismus sowie die Vor- und Nachteile von Clusterstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Standortpolitik, Kulturindustrie, Clusterpolitik, Kreative Stadt, Wirtschaftswachstum und Stadtentwicklung.
Warum gilt Hamburg als Musical-Hauptstadt?
Durch die Ansiedlung großer Theaterbetriebe und die erfolgreiche Etablierung von En-suite-Produktionen hat Hamburg eine internationale Anziehungskraft entwickelt, die als wesentlicher Faktor für den Tourismus gilt.
Was ist die Kritik am Konzept der „Kreativen Stadt“?
Kritiker bemängeln die mangelnde Operationalisierbarkeit der Daten, die Fokussierung auf eine konsumorientierte Stadtentwicklung und das Fehlen einer fundierten Begründung für den kausalen Zusammenhang zwischen Kreativität und Wachstum.
Was bedeutet der „Zirkelschluss“ in der Arbeit?
Der Autor verwendet den Begriff, um eine Beweisführung zu kritisieren, bei der Annahmen ohne empirische Überprüfung als Voraussetzung für das zu beweisende Ergebnis verwendet werden.
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- Dr. Uwe Lammers (Author), 2021, Kultur als Ware und Standortfaktor. Kultur- und Standortpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141098