Zweck der vorliegenden Erhebung ist es zu prüfen, ob bei den an der Erhebung teilnehmenden AltenpflegerInnen ein Zusammenhang zwischen Burnout und den Variablen Zeitdruck und emotionaler Dissonanz nachgewiesen werden kann. Der dazu verwendete Fragebogen setzt sich aus Teilen des Copenhagen Psychosocial Questionnaire, den Frankfurt Emotion Work Scales und dem Maslach Burnout Inventory zusammen. Wenn ein Zusammenhang erkennbar ist, soll außerdem geprüft werden, ob die Variablen Zeitdruck und emotionale Dissonanz miteinander in einem Zusammenhang stehen.
Mithilfe dieser Ergebnisse soll untersucht werden, ob erhöhter Zeitdruck dazu führen könnte, dass die emotionale Arbeit der AltenpflegerInnen mit ihren KlientInnen beeinträchtigt wird und dies wiederum in erhöhten Werten emotionaler Dissonanz resultiert. Daraufhin soll theoretisch erörtert werden, weshalb Zeitdruck sich negativ auf die Emotionsarbeit auswirken könnte und weshalb es zu einer Steigerung des Burnout-Risikos der AltenpflegerInnen beitragen kann. Diese Implikation könnte Organisationen und den Mitarbeitenden Handlungsoptionen und -strategien aufzeigen, um Stressoren und ungünstige Bedingungen am Arbeitsplatz zu minimieren und somit das Burnout-Risiko ihrer MitarbeiterInnen in Zukunft zu verringern.
Der Beruf des/der AltenpflegerIn steht mit 290,8 Arbeitsunfähigkeitstagen je 1.000 AOK-Mitgliedern mit der Zusatzdiagnose Burnout an dritter Stelle. In einer Vielzahl von empirischen Untersuchungen konnten mittlerweile zahlreiche Arbeitsbelastungen des Altenpflegeberufs identifiziert werden, die sich begünstigend auf eine Burnout-Entwicklung auswirken können. Häufig in diesem Kontext werden Personalmangel, Rollenkonflikte, mangelnde soziale Unterstützung durch KollegInnen und Vorgesetzte oder mangelhafte Belohnungsstrukturen benannt. Auch hoher Zeitdruck und die emotionale Arbeit im Kontakt mit KlientInnen zählen u.a. zu dauerhaften und chronischen Belastungen am Arbeitsplatz, die mit Burnout in einem Zusammenhang stehen. Diese emotionale Arbeit kann unter Umständen emotionale Dissonanz begünstigen und eine Belastung für die AltenpflegerInnen darstellen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Burnout
1.1.1 Grundlagen
1.1.2 Symptome und Folgen
1.1.3 Entstehungsmodelle
1.2 Emotionsarbeit
1.2.1 Das Konzept der Emotionsarbeit
1.2.2 Formen der Emotionsarbeit
1.2.3 Folgen der Emotionsarbeit
1.3 Zeitdruck
1.4 Fragestellungen und Hypothesen
2. Methode
2.1 Stichprobe
2.2 Fragebogen
2.2.1 Burnout
2.2.2 Zeitdruck
2.2.3 Emotionale Dissonanz
2.3 Versuchsablauf
2.4 Auswertung
3. Ergebnisse
4. Diskussion
4.1 Zentrale Ergebnisse
4.2 Ergebnisinterpretation
4.2.1 Zeitdruck
4.2.2 Emotionsarbeit
4.2.3 Zeitdruck und emotionale Dissonanz
4.2.4 Praktische Implikationen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Zeitdruck, emotionaler Arbeit und dem Burnout-Risiko bei Pflegekräften in der stationären Altenpflege. Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob Zeitdruck zu einer Steigerung emotionaler Dissonanz führt und inwiefern diese Faktoren zur Entstehung von Burnout-Symptomen beitragen, um daraus Handlungsstrategien für Einrichtungen abzuleiten.
- Burnout-Prävention in der stationären Altenpflege
- Einfluss von Zeitdruck auf die Arbeitsbelastung
- Mechanismen der emotionalen Arbeit und emotionalen Dissonanz
- Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und psychischer Gesundheit
- Praktische Implikationen zur Reduktion von Stressfaktoren
Auszug aus dem Buch
1.2.2 Formen der Emotionsarbeit
Die Emotionsregulation wird von Gross (1998b) definiert als „processes by which individuals influence which emotions they have, when they have them, and how they experience and express these emotions“ (S. 275). Neben der automatischen Emotionsregulation, bei der die erwünschte Emotion ohne bewusste Regulation erscheint, gibt es laut Hochschild zwei zentrale Emotionsregulationsstrategien, die dem Individuum dazu verhelfen, die eigenen Emotionen beeinflussen zu können: das Tiefenhandeln (deep acting) und das Oberflächenhandeln (surface acting) (vgl. Hochschild 2006: 55f.; Schmedes 2021: 53).
Das Tiefenhandeln bezeichnet die Regulation der Gefühle „in Richtung der (wahrgenommenen) Vorgaben“ (Schulz & Schöllgen 2017: 27). Durch die Veränderung des Gefühlslebens versucht das Individuum ein selbstinduziertes und authentisches Gefühl in sich selbst zu erzeugen (vgl. ebd.; Hochschild 2006: 53). Auf den gefühlsauslösenden Reiz wird eingewirkt oder die Wahrnehmung dessen wird verändert; diese Art der Emotionsregulation findet statt, bevor die Emotion ausgelöst wird (vgl. Gross 1998a: 226; Kruse 2016: 11f.). Verschiedene Techniken können zu einer Regulation oder Beeinflussung der Gefühle verhelfen: Körperliche Entspannung, die durch Meditation oder tiefes Durchatmen erreicht werden kann, oder die Stanislawski-Methode, bei der aktiv mentale Bilder, Erinnerungen und Vorstellungen im Individuum hervorgerufen werden, die mit einem bestimmten Gefühl verbunden sind (vgl. Rastetter 2008: 18; Unger 2014: 315f.). Hauptsächlich werden bei dem Tiefenhandeln kognitive Strategien verwendet, damit die eigenen Gefühle im Einklang mit den geforderten Gefühlen stehen (vgl. Nerdinger 2012: 10).
Das Oberflächenhandeln bezeichnet im Gegensatz zum Tiefenhandeln die Regulation der beobachtbaren Aspekte der Emotionen, den Gefühlsausdruck (vgl. Schulz & Schöllgen 2017: 27; Hülsheger, Lang & Maier 2010: 506). Hier entspricht der dargestellte Gefühlsausdruck demnach „nicht dem eigenen Gefühlszustand“ (Kauffeld 2019: 288; vgl. Unger 2014: 305). Mittels der Anpassung von Mimik, Gestik und der Stimme kann der gewünschte Ausdruck hergestellt werden, um mit den Darstellungsregeln im Einklang zu sein (vgl. Unger 2014: 305; Schulz & Schöllgen 2017: 27).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Berufsfeld Altenpflege, die Darstellung der hohen Arbeitsbelastung und die Relevanz der Untersuchung für die Mitarbeitergesundheit.
1. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der Burnout-Konzepte, der Emotionsarbeit inklusive ihrer Formen sowie die Rolle von Zeitdruck als Belastungsfaktor.
2. Methode: Beschreibung der Stichprobe, der verwendeten Messinstrumente (MBI, COPSOQ, FEWS) sowie des Versuchsablaufs und der statistischen Auswertungsverfahren.
3. Ergebnisse: Präsentation der statistischen Daten zu Burnout-Dimensionen, Zeitdruck und emotionaler Dissonanz inklusive der Korrelationsanalysen.
4. Diskussion: Interpretation der Ergebnisse im Hinblick auf die Hypothesen, Erörterung von Erklärungsansätzen für die Befunde und Ableitung von praktischen Implikationen für die Pflegepraxis.
Schlüsselwörter
Altenpflege, Burnout, Emotionsarbeit, Tiefenhandeln, Oberflächenhandeln, emotionale Dissonanz, Zeitdruck, psychische Belastung, Arbeitsbedingungen, Mitarbeitergesundheit, Pflegekräfte, Stressoren, Emotionsregulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen Zeitdruck, emotionaler Arbeit und dem Burnout-Risiko von Pflegekräften in der stationären Altenpflege.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Burnout-Prävention, Emotionsregulationstechniken (Tiefenhandeln vs. Oberflächenhandeln), die Auswirkungen von Zeitdruck und die psychische Belastung durch Darstellungsregeln am Arbeitsplatz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die empirische Prüfung, ob Zeitdruck die emotionale Dissonanz steigert und ob diese Faktoren signifikant mit Burnout-Symptomen korrelieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Erhebung bei N = 60 Altenpflegern mittels standardisierter Fragebögen (MBI, COPSOQ, FEWS) durchgeführt und mittels SPSS und Korrelationsanalysen ausgewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Burnout, Emotionsarbeit und Zeitdruck, eine detaillierte methodische Beschreibung sowie die Ergebnisanalyse und Diskussion der Befunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Altenpflege, Burnout, emotionale Dissonanz, Emotionsarbeit, Zeitdruck und Arbeitsbedingungen.
Warum spielt die Beziehung zum Klienten bei der Entstehung von Burnout eine Rolle?
Die emotionale Arbeit im Kontakt mit Klienten erfordert oft eine Regulation von Gefühlen, die im Widerspruch zum eigenen Befinden stehen können, was bei unzureichenden Ressourcen die emotionale Dissonanz und damit das Burnout-Risiko erhöht.
Welche praktischen Empfehlungen werden aus der Untersuchung abgeleitet?
Die Autorin empfiehlt die Bereitstellung ausreichender Personalressourcen, die Etablierung von Supervisionsangeboten und Schulungen zu Bewältigungsstrategien, um die Arbeitsbelastung und den emotionalen Druck zu mindern.
- Quote paper
- Pia Müller (Author), 2021, Burnout und emotionale Dissonanz in der Altenpflege. Eine Untersuchung des Zusammenhangs von Emotionsarbeit und Zeitdruck mit dem Maslach Burnout Inventory (MBI), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141108