Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Gewaltdarstellung der Juden im Donaueschinger Passionsspiel. Ziel ist es, eine detaillierte Ausdifferenzierung der Gewalt vorzunehmen, um den durch die Passionsspiele verstärkten Judenhass im Mittelalter verstehen zu können. Folgender These wird nachgegangen: „Im Donaueschinger Passionsspiel durchläuft Jesus eine ganze Serie unterschiedlicher Gewalthandlungen, sowohl auf narrativer als auch auf performativer Ebene.“ Die Arbeit beginnt mit einer thematischen Einführung der Gewalt in die Passionsspiele des Spätmittelalters. Die Analyse der Gewaltdarstellung im Donaueschinger Passionsspiel orientiert sich an Jutta Emings Beitrag zur Gewalt und ihrer Klassifizierung im geistlichen Spiel.
Sie beginnt mit einer Untersuchung der Gewalt auf verbaler Ebene, daran anschließend, wird die performative Gewaltdarstellung untersucht. Im Fazit wird die Wirkung der Spiele vom Mittelalter bis heute diskutiert, die Arbeit endet mit einem Ausblick. Judenfeindschaft existiert seit Jahrhunderten. Die starke Abneigung gegen Juden findet ihren Ursprung in der Bibel, in der judenfeindliche Tendenzen durch die Gewalthandlungen der Juden an Jesus Christus hervorgerufen wurden. Das jüdische Volk war besonders im Mittelalter einer Vielzahl von Anschuldigungen, Vorwürfen und Erniedrigungen durch die Christen ausgesetzt. Einen wesentlichen Anteil daran hatte die Inszenierung der Juden in den geistlichen Passionsspielen des Spätmittelalters.
In diesen fand eine Vermittlung der Heilsgeschichte im Zusammenhang mit der Erlösungsgeschichte statt. Bibel Passagen wurden besonders brutal und detailreich ausformuliert, es wurden Szenen dazu erfunden und gestalterische Möglichkeiten des Theaters genutzt, um die Juden als Täter zu präsentieren. In der germanistischen Mittelalterforschung fand sehr spät ein Interesse an geistlichen Spielen statt. Jutta Eming verweist auf die komplexen, vielschichtigen Funktionszusammenhänge von Gewalt, die es zu differenzieren gilt. Als exzessivstes Beispiel führt sie das Donaueschinger Passionsspiel an.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Thematische Einführung: Gewalt in mittelalterlichen Passionsspielen.
- Gewaltdarstellung im Donaueschinger Passionsspiel (1470-1500)
- Verbale Gewaltentfaltung.
- performative Gewaltentfaltung
- Zusammenfassung der Analyseergebnisse
- Funktionen der Gewaltdarstellung
- Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Gewaltdarstellung der Juden im Donaueschinger Passionsspiel (im Weiteren: D. P.). Ziel ist es, eine detaillierte Ausdifferenzierung der Gewalt vorzunehmen, um den durch die Passionsspiele verstärkten Judenhass im Mittelalter verstehen zu können. Es wird der These nachgegangen, dass Jesus im Donaueschinger Passionsspiel eine ganze Serie unterschiedlicher Gewalthandlungen, sowohl auf narrativer als auch auf performativer Ebene, durchläuft.
- Die Gewaltdarstellung im D. P. im Kontext von Judenfeindschaft im Mittelalter
- Differenzierung von Gewaltformen im D. P.: Verbale und performative Gewalt
- Analyse der Beziehung zwischen der Gewaltdarstellung im Spiel und den biblischen Quellen
- Die Funktionen der Gewaltdarstellung im D. P.
- Die Wirkung der Spiele vom Mittelalter bis heute
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer thematischen Einführung in die Gewaltdarstellung in mittelalterlichen Passionsspielen, die sich auf Franziska Hammers Analyse der Begriffe "Gewalt" und "Grausamkeit" stützt. Im Anschluss daran wird die Gewaltdarstellung im D. P. anhand von Jutta Emings Klassifizierung von Gewalt im geistlichen Spiel untersucht, wobei sowohl die verbale als auch die performative Gewaltentfaltung analysiert werden. Die Kapitel umfassen auch eine Gegenüberstellung des Spieltextes mit den entsprechenden Bibelstellen, um die Übereinstimmung und Abweichung der Gewaltdarstellung im Spiel mit den biblischen Quellen zu verdeutlichen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Schlüsselwörter Gewaltdarstellung, Passionsspiel, Donaueschinger Passionsspiel, Judenfeindschaft, Mittelalter, Grausamkeit, Verbale Gewalt, Performative Gewalt, Bibel, Lutherbibel.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Donaueschinger Passionsspiel?
Ein geistliches Spiel aus dem Spätmittelalter (ca. 1470–1500), das für seine besonders detailreiche und exzessive Darstellung der Passion Christi bekannt ist.
Wie wird Gewalt gegen Juden im Spiel thematisiert?
Die Juden werden als Täter inszeniert, wobei Szenen oft brutaler und detailreicher als in der Bibel dargestellt werden, um den Judenhass beim Publikum zu verstärken.
Was ist der Unterschied zwischen verbaler und performativer Gewalt?
Verbale Gewalt umfasst Beschimpfungen und Drohungen im Text, während performative Gewalt die tatsächliche körperliche Darstellung der Grausamkeiten auf der Bühne bezeichnet.
Welche Rolle spielt die Bibel als Quelle für das Spiel?
Die Arbeit vergleicht den Spieltext mit Bibelstellen und zeigt auf, wo das Spiel von den Quellen abweicht, um die Juden negativer darzustellen.
Was war die Funktion der Gewaltdarstellung im Mittelalter?
Sie diente der Vermittlung der Heilsgeschichte, emotionalisierte die Zuschauer und legitimierte gleichzeitig die bestehende Judenfeindschaft in der Gesellschaft.
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- Anonym (Author), 2021, Die Gewaltdarstellung der Juden im Donaueschinger Passionsspiel. Analyse zum Judenhass im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141136