„Niemand denkt so viel an Essen, wie der, der fastet oder hungert, klagt so viel über Essprobleme, wie der, der Diät hält, hat so viel Angst vor Gewichtszunahme, wie der, der hungert oder an Gewicht abgenommen hat, ist mehr gefährdet die Kontrolle über sein Essverhalten zu verlieren, wie der, der fastet oder hungert“ (Kienzel, 1999, zit. nach Aebischer, 2000). Prof. Kienzel, Leiter der Psychosomatischen Ambulanz, Innsbruck, gibt an, dass essgestörten PatientInnen „Gefühle wie unbeschwertes Genießen, gesunder Appetit oder wahre Hungergefühle“ in Zusammenhang mit Nahrungsaufnahme meistens fremd sind. Das Essen ist vielmehr mit Gefühlen wie Scham, Schuld, Angst vor Gewichtszunahme, Einsamkeit und Angst zu versagen verbunden, was wiederum einen erheblichen Einfluss auf den Selbstwert der Betroffenen haben kann (Aebischer, 2000, S.22).
Essstörungen sind heutzutage weit verbreitete und häufig vorkommende Erkrankungen, die mit erheblichen Problemen für Betroffene, Familie, Freunde, sowohl auf physiologischer, psychologischer und sozialer Ebene einhergehen.
Im Folgenden soll nun die Essstörung „Bulimie“ anhand des im Seminar gezeigten Filmbeispiels 4, sowie anhand verschiedenster Literatur näher beschrieben werden. Es werden unterschiedliche Schwerpunktthemen herausgearbeitet, die mir bei der Patientin 4 vordergründig erschienen sind. Zur Vereinfachung wird Patientin 4 „Hanna“ genannt (Name frei erfunden). Der Begriff „Bulimia“ setzt sich aus den griechischen Worten „Bous“- Ochse und „Limos“-Hunger zusammen. Es bedeutet also wörtlich genommen „Ochsenhunger“. Im übertragenen Sinn bezieht es sich aber ausschließlich auf die Heißhungerattacken und Essanfälle, die als primäres Merkmal dieser Essstörung gelten (Westenhöfer, 1992, zit. nach Rechberger 2002)...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bulimie: kurze Definition
3. „Das Kind in mir“
4. Bulimie und Bindungsstile
5. Bulimie und zwischenmenschliche Beziehungen
6. Persönliche Stellungnahme
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Essstörung Bulimie, verschiedenen Bindungsstilen sowie der Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen am Beispiel einer konkreten Patientin, um tiefergehende psychologische Hintergründe und Ursachen zu beleuchten.
- Analyse der Definition und klinischen Kriterien der Bulimie
- Psychologische Bedeutung von Bindungserfahrungen in der Kindheit
- Zusammenhang zwischen unsicher-ambivalenten Bindungsstilen und Essstörungen
- Einfluss familiärer Dynamiken und zwischenmenschlicher Beziehungen auf das Selbstwertgefühl
- Reflektion über gesellschaftliche Wahrnehmung und Präventionsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
Bulimie und Bindungsstile
Laut Steins, Albrecht und Stolzenburg (2002) gibt es Zusammenhänge zwischen bestimmten Bindungsstilen und Essstörungen. Laut ihrer Untersuchung soll es der unsicher-ambivalente Bindungsstil sein, der häufig bei Frauen mit Bulimie (und Anorexie) besteht und durch eine unzureichende Autonomieentwicklung entstehen kann.
Die Autoren geben an, dass die später Essgestörten eine unverlässliche elterliche Unterstützung erfahren haben. Wie oben bereits mehrfach erwähnt, kann Hanna genau dieses auch erlebt haben.
Konsequenzen dieser Art der Unterstützung sind, laut Steins und Kollegen, (a) ein Klammern und ständiges Beschäftigen der Kinder mit der Bindungsperson, um „präventiv Nähe herzustellen“ (S.267), sowie (b) geringeres Explorieren der Umgebung, um einen befürchteten Verlust der Bindungsperson zu verhindern. Beide Punkte können wiederum auf Hanna übertragen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Bulimie unter Einbeziehung von Fachzitaten und Vorstellung der Patientin „Hanna“.
2. Bulimie: kurze Definition: Erläuterung der etymologischen Herkunft des Begriffs sowie Darstellung der diagnostischen Kriterien gemäß DSM IV.
3. „Das Kind in mir“: Analyse der persönlichen Entwicklungsgeschichte der Patientin im Hinblick auf frühkindliche Bindungserfahrungen und deren Einfluss auf den Selbstwert.
4. Bulimie und Bindungsstile: Untersuchung der Korrelation zwischen unsicher-ambivalenten Bindungsmustern und der Entstehung von Essstörungen.
5. Bulimie und zwischenmenschliche Beziehungen: Diskussion dysfunktionaler Familienmerkmale und deren Auswirkungen auf die Beziehungsgestaltung der Betroffenen.
6. Persönliche Stellungnahme: Reflektion der Autorin über die Komplexität der Störung und Forderung nach mehr gesellschaftlicher Aufklärung.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Diplomarbeiten.
Schlüsselwörter
Bulimie, Essstörung, Bindungsstil, unsicher-ambivalent, Selbstwertgefühl, Psychologie, Patientin, Familienbeziehungen, Kindheit, Autonomieentwicklung, Anorexie, Bindungstheorie, Persönlichkeitsentwicklung, emotionale Bedürfnisse, gesellschaftliche Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Analyse der Bulimie bei einer Fallstudie (Patientin Hanna) und setzt diese in Bezug zu Bindungstheorien und Beziehungsdynamiken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind Bulimie als Essstörung, Bindungsstile, frühkindliche Entwicklung, familiäre Prägung und das Selbstwertgefühl bei betroffenen Frauen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Krankheitsbild Bulimie durch den Fokus auf Bindungserfahrungen und zwischenmenschliche Beziehungen besser zu verstehen und individuelle Hintergründe einer Betroffenen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zu Bindungsstilen und eine explorative Einzelfallanalyse (Fallbeispiel Patientin 4).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Einordnung von Bindungstypen bei Essgestörten, die Analyse der Kindheit der Patientin und deren Auswirkungen auf ihr heutiges Bindungsverhalten sowie soziale Fassaden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bulimie, Bindungsstil, Selbstwert, familiäre Dysfunktionalität, Essstörung und Bindungstheorie.
Wie spielt die Rolle des Vaters in Hannas Fall hinein?
Die Autorin beschreibt den Vater als eine schwache und angsteinflößende Figur, deren früher Weggang und sporadischer Kontakt die Bindungssicherheit der Patientin massiv beeinträchtigt haben.
Was bedeutet die "Fassade der starken Frau" im Kontext von Hanna?
Es bezeichnet einen Schutzmechanismus, bei dem die Patientin nach außen hin Stärke und Fröhlichkeit zeigt, um ihr wahres Bedürfnis nach Nähe und ihre Angst vor Ablehnung zu verbergen.
- Quote paper
- Magister Martine Bache (Author), 2007, Bulimie in Zusammenhang mit Bindungsstilen und Beziehungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114115