Wie ist die Einstellung professioneller Pflegekräfte zu den Chancen und Risiken beim Einsatz neuer Techniken in der Pflege? Zöllick et al. befasste sich in einer Studie im Jahr 2019 mit der Akzeptanz von Technik bei professionell Pflegenden und ging dieser Frage nach. Eine Stichprobe unter professionell Pflegenden (n = 127) ergab, dass sie den Einsatz von Technik bei körperlicher Belastung als Entlastung betrachten würden. Vor dem Hintergrund steigender Nachfrage nach Pflegeleistungen und gleichzeitig knapper Versorgungsressourcen sollte daher hinterfragt werden, ob Technologie eine Antwort auf den derzeitigen Pflegenotstand liefern kann. Zudem ist Pflege ein körperlich und psychisch belastender Beruf. Die Bindung und Gesunderhaltung von den Pflegekräften hat in vielen Einrichtungen inzwischen eine hohe Priorität erlangt. Können an dieser Stelle Technik unterstützende Systeme Hilfe leisten?
Inhaltsverzeichnis
Teil A Konspekt zu dem Fachartikel „Akzeptanz von Technikeinsatz in der Pflege“
Zwischenergebnisse einer Befragung unter professionell Pflegenden
Teil B
1 Einleitung
2 Dilemma Pflegenotstand und demografischer Wandel
3 Technikeinsatz in der Pflege – Eine Kosten-Nutzen-Analyse
3.1 Die Kosten
3.2 Der Nutzen
4 Akzeptanz von Pflegetechnik
4.1 Haltung der Bevölkerung
4.2 Haltung von professionell Pflegenden
4.3 Akzeptanz bei den Pflegebedürftigen
5 Fazit
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale und Herausforderungen des Einsatzes moderner Technik in der pflegerischen Versorgung, insbesondere unter Berücksichtigung des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern technologische Lösungen die Pflegekräfte entlasten können, ohne die notwendige menschliche Zuwendung zu ersetzen oder die Autonomie der Pflegebedürftigen einzuschränken.
- Aktueller Stand der Pflegerobotik und Assistenzsysteme
- Kosten-Nutzen-Analyse technischer Implementierungen in der Pflege
- Einstellung der Bevölkerung gegenüber dem Technikeinsatz
- Perspektiven und Vorbehalte professioneller Pflegekräfte
- Soziotechnische Aspekte der Akzeptanz bei Pflegebedürftigen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Kosten
Neben der Technikakzeptanz gibt es weitere Faktoren, die für die Implementierung und Dissemination solcher Techniken verbunden sind. Neben der Bedienerfreundlichkeit, der Frage nach der Wirksamkeit und der Erfüllung von Rahmenbedingungen, müssen solche Techniken auch wirtschaftlich, d. h. im Verhältnis von Kosten und Nutzen angemessen sein (Meißner, 2019, S. 32). Als wirksames Instrument gegen den Mangel an Pflegepersonal, könnten vor allem Pflegeroboter eine sinnvolle Lösung darstellen. Pflegeroboter werden anfangs jedoch hohe Anschaffungs- und Investitionskosten verursachen. So kann der Anschaffungspreis durchaus im sechsstelligen Bereich liegen (Fioranelli, 2019, S. 8). Alleine bei der Kuschelrobbe „Paro“ beträgt der Anschaffungspreis aktuell rund 5.000 Euro (Sönnichsen, 2020). Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Grundlage werden Pflegeroboter derzeit nicht von der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung übernommen. Im Vergleich zu den Personalkosten einer Pflegefachkraft kann der positive Effekt nur langfristig zu Einsparungen führen, d. h. im Gehalt und bei den Personalzusatzkosten, wie Urlaub, Krankheit oder Sozialabgaben. Analog zu den Personalzusatzkosten entstehen jedoch Nebenkosten, wie Wartung, Instandhaltung, Updates, Energie und Schulung von Personal. Diese sind als höherer Verbrauch mit einzukalkulieren. Auch die rechtliche Absicherung in Punkto Datenschutz oder auch ein Pflichtversicherungsschutz für Roboter, welcher derzeit auf EU-Ebene geprüft wird, könnten Realität werden und somit zu noch weiteren Kosten führen. Derzeit lassen sich Indikatoren zum Nutzen, wie z. B. Verringerung der Arbeitsunfähigkeitstage bei Pflegkräften, noch nicht belegen (Fioranelli, 2019, S. 8f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz der Untersuchung im Kontext des Pflegenotstands und skizziert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Akzeptanz moderner Technik bei professionell Pflegenden.
2 Dilemma Pflegenotstand und demografischer Wandel: Das Kapitel beleuchtet den massiven Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt und verknüpft diesen mit der prognostizierten Zunahme der Pflegebedürftigkeit aufgrund der demografischen Entwicklung.
3 Technikeinsatz in der Pflege – Eine Kosten-Nutzen-Analyse: Hier werden die ökonomischen Hürden wie Anschaffungskosten sowie der potenzielle Nutzen durch Prozessentlastung und Technikeinsatz differenziert betrachtet.
4 Akzeptanz von Pflegetechnik: Dieses Kapitel analysiert detailliert die unterschiedlichen Einstellungen der Bevölkerung, der professionellen Pflegekräfte und der Pflegebedürftigen gegenüber neuen Technologien.
5 Fazit: Das Fazit fasst die ethischen und ökonomischen Herausforderungen zusammen und betont, dass Technik als unterstützendes Instrument und nicht zur bloßen Effizienzsteigerung dienen darf.
6 Ausblick: Der Ausblick resümiert, dass Technik den Pflegenotstand nicht allein lösen kann, aber zukünftige Entwicklungen insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz zur qualitativen Verbesserung beitragen werden.
Schlüsselwörter
Pflegenotstand, Technikeinsatz, Pflegeroboter, Pflegefachkräfte, demografischer Wandel, Kosten-Nutzen-Analyse, Technikakzeptanz, Altenpflege, Krankenhaus, Assistenzsysteme, ethische Perspektive, Gesundheitsökonomie, Arbeitsentlastung, Mensch-Maschine-Interaktion, Pflegequalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern moderne Technik und Pflegeroboter eingesetzt werden können, um den aktuellen Pflegenotstand abzumildern und Pflegekräfte bei ihrer Arbeit zu entlasten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die ökonomische Analyse von Technikeinsätzen, die Akzeptanzstudien verschiedener Zielgruppen (Bevölkerung, Pflegekräfte, Pflegebedürftige) sowie ethische Aspekte der Digitalisierung in der Pflege.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin zu ermitteln, ob Technologie eine sinnvolle Antwort auf den Fachkräftemangel liefern kann, ohne dabei die Qualität der menschlichen Zuwendung zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Fachartikel, Studien (wie dem Pflege-Report und dem TechnikRadar) sowie ethischen Stellungnahmen zur Technisierung der Pflege.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ökonomische Betrachtung von Kosten und Nutzen, eine Analyse der Akzeptanz bei verschiedenen Stakeholdern und eine ethische Diskussion zur Rolle von Technik im pflegerischen Alltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Pflegenotstand, Technikeinsatz, Pflegequalität, Akzeptanz, Roboter und Arbeitsentlastung geprägt.
Wie bewerten professionelle Pflegekräfte den Einsatz von Technik?
Die Studienlage zeigt, dass Pflegekräfte Technik positiv bewerten, sofern sie eine körperliche Entlastung bietet; starke Vorbehalte bestehen jedoch, wenn soziale Interaktion durch Maschinen ersetzt werden soll.
Warum ist die Kosten-Nutzen-Analyse für Pflegeroboter so komplex?
Da derzeit hohe Investitionskosten auf fehlende gesetzliche Refinanzierungsmöglichkeiten treffen und der Nutzen, etwa durch weniger Krankheitstage, bisher statistisch schwer zu belegen ist, gestaltet sich die Wirtschaftlichkeitsrechnung schwierig.
Welche Rolle spielt die Ethik beim Einsatz von Pflegetechnik?
Der Deutsche Ethikrat und andere Experten fordern, dass Technik nicht der bloßen Effizienzmaximierung dienen darf, sondern immer die menschliche Beziehung zwischen Pflegekraft und Pflegebedürftigem unterstützen muss.
Was bedeutet die "3. Generation" technischer Assistenzsysteme?
Hierbei handelt es sich um vernetzte Systeme mit eigenständigen Aufgaben, wie beispielsweise soziale Roboter oder eigenständige Wohnsysteme, die weit über einfache Hebehilfen hinausgehen.
- Arbeit zitieren
- Anja Luther (Autor:in), 2020, Moderne Technik für die Entlastung der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141241