Moderne Technik für die Entlastung der Pflege


Hausarbeit, 2020

13 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Teil A Konspekt zu dem Fachartikel „Akzeptanz von Technikeinsatz in der Pflege“ Zwischenergebnisse einer Befragung unter professionell Pflegenden

Teil B

1 Einleitung

2 Dilemma Pflegenotstand und demografischer Wandel

3 Technikeinsatz in der Pflege – Eine Kosten-Nutzen-Analyse
3.1 Die Kosten
3.2 Der Nutzen

4 Akzeptanz von Pflegetechnik
4.1 Haltung der Bevölkerung
4.2 Haltung von professionell Pflegenden
4.3 Akzeptanz bei den Pflegebedürftigen

5 Fazit

6 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Technische Assistenzsysteme in der Pflege

Teil A Konspekt zu dem Fachartikel „Akzeptanz von Technikeinsatz in der Pflege“ Zwischenergebnisse einer Befragung unter professionell Pflegenden

Das Thema Technikeinsatz in der Pflege ist sehr aktuell und wird derzeit kontrovers diskutiert. Während die Industrie die Potenziale moderner Technologien in der Pflege hervorhebt und hierzu bereits konkrete Einsatzmöglichkeiten skizziert, veröffentlichte der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung des Deutschen Bundestages im Jahr 2018 einen Bericht über Robotik und Assistenzsysteme in der Pflege und deren gesellschaftlichen Herausforderungen. Es fehlt an gut fachlich ausgebildeten Pflegefachkräften. Zudem steigt der Pflegebedarf infolge der demografischen Entwicklung kontinuierlich an. Der Einsatz von Technik in der Pflege soll die Pflegenden bei ihrer Tätigkeit entlasten, ohne jedoch bei den zu Pflegenden einen negativen Einfluss auf deren Autonomie und Würde zu nehmen. Eine repräsentative Befragung des Zentrums für Pflege im Jahre 2018 ergab, dass sich die Bevölkerung zum Technikeinsatz in der Pflege tendenziell positiv äußerte. Der Pflege-Report 2017 gliederte technische Assistenzsysteme in drei Generationen (vgl. Abbildung 1). Eine Zuordnung von Pflegetechnologien kann auch nach deren Funktion erfolgen. Es gibt Systeme zur körperlichen Entlastung und Mobilisation, zur sozialen und emotionalen Unterstützung und welche, die der Kontrolle des Gesundheitszustandes dienen. Als Beispiele lassen sich hier die vom Frauenhofer Institut entwickelten Systeme wie der „Care-O-bot“ oder die Streichelrobbe „Paro“ aufführen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Technische Assistenzsysteme in der Pflege

Eine erste Befragung im Pflege-Report 2019 ergab, dass bei professionellen Pflegekräften (n = 127), der Einsatz von Technik dann als entlastend betrachtet wird, wenn diese sie körperlich bei ihrer Tätigkeit unterstützt. Eine Auswertung von Savela et al. im Jahr 2017 ergab ferner, dass Pflegende unterschiedliche Meinungen zu Pflegerobotern haben. Als Ersatz für menschliche Arbeitskräfte wurden sie aus Angst vor Arbeitsplatzverlust abgelehnt. Technologie zur medizinischen Kontrolle wurde dagegen positiver bewertet, als solche zur emotionalen Unterstützung. Pflegende haben jedoch auch noch zu wenig Zugang zu solchen Systemen, da sie am Arbeitsplatz derzeit oft noch fehlt. Dies ist auch das wesentliche Forschungsergebnis des Pflege-Reports 2019. Starke Vorbehalte entstanden, wenn ein solcher technischer Einsatz zum Verlust menschlicher Wärme beim zu Pflegenden führen würde. Diese stünden dann im Widerspruch zum beruflichen Selbstbild in der Pflege. Aus ethischer Perspektive wurde daher dringend eine stärkere Fokussierung solcher Risiken geäußert. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, einen adäquaten gesetzlichen Rahmen zu definieren.

Zöllick, J. C., Kuhlmey, A., Suhr, R., Eggert, S., Nordheim, J., Blüher, S. (2019). Akzeptanz von Technikeinsatz in der Pflege. Zwischenergebnisse einer Befragung unter professionell Pflegenden. In K. Jacobs, A. Kuhlmey, S. Greß, J. Klauber & A. Schwinger (Hrsg.). Pflege-Report 2019. Mehr Personal in der Langzeitpflege – aber woher? Berlin: Springer. (S. 211-217).

Teil B

1 Einleitung

Wie ist die Einstellung professioneller Pflegekräfte zu den Chancen und Risiken beim Einsatz neuer Techniken in der Pflege? Zöllick et al. befasste sich in einer Studie im Jahr 2019 mit der Akzeptanz von Technik bei professionell Pflegenden und ging dieser Frage nach. Eine Stichprobe unter professionell Pflegenden (n = 127) ergab, dass sie den Einsatz von Technik u. a. bei körperlicher Belastung als Entlastung betrachten würden (Zöllick/Kuhlmey/Suhr et al., 2019, S. 274). Vor dem Hintergrund steigender Nachfrage nach Pflegeleistungen und gleichzeitig knapper Versorgungsressourcen, sollte daher hinterfragt werden, ob Technologie eine Antwort auf den derzeitigen Pflegenotstand liefern kann. Zudem ist Pflege ein körperlich und psychisch belastender Beruf. Die Bindung und Gesunderhaltung von den Pflegekräften hat in vielen Einrichtungen inzwischen eine hohe Priorität erlangt. Können an dieser Stelle Technik unterstützende Systeme Hilfe leisten (Evans/Hielscher/Voss, 2018, S. 6)?

2 Dilemma Pflegenotstand und demografischer Wandel

Der unter dem politischen und berufspolitischen Schlagwort „Pflegenotstand“ bekannt gewordene Fachkräftemangel macht deutlich, dass der Beruf der Pflegefachkräfte in Deutschland zu den Mangelberufen gehört (Statistisches Bundesamt, 2020a). Mit Blickpunkt auf den Arbeitsmarkt, Stand Mai 2020, sind Stellenangebote von Krankenpflegefachkräften im Bundesdurchschnitt 174 Tage nicht besetzt und bei den Altenpflegefachkräften sind es sogar 205 Tage. Das ist mehr als ein halbes Jahr. Auf 100 vakanten Stellen kommen rechnerisch nur 19 arbeitslose Altenpflegefachkräfte und 39 arbeitslose Krankenpflegefachkräfte (Bundesagentur für Arbeit, 2020, S. 15). Und das in Deutschland die Zahl der älteren Menschen steigt, ist ebenfalls kein Geheimnis und auch nicht, dass sich dieser Prozess in naher Zukunft weiter beschleunigen wird. Diese Ansicht vertritt auch das Statistische Bundesamt. „Mitten im demografischen Wandel“ – so lautete die Überschrift einer Veröffentlichung. Aus dieser geht hervor, dass die Anzahl der Bevölkerung ab 80 Jahren beständig zunimmt (Statistisches Bundesamt, 2020b). Im zunehmenden Alter steigt die Wahrscheinlichkeit der Pflegebedürftigkeit. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist davon auszugehen, dass die Zahl der gesetzlich versicherten zu Pflegenden von 3,3 Millionen (2017) auf 3,9 Millionen (2030), dann auf 4,4 Millionen im Jahr 2040 steigen und im Jahr 2050 den Peak erreichen wird (Schwinger/Klauber/Tsiasioti, 2019, S. 10).

3 Technikeinsatz in der Pflege – Eine Kosten-Nutzen-Analyse

3.1 Die Kosten

Neben der Technikakzeptanz gibt es weitere Faktoren, die für die Implementierung und Dissemination solcher Techniken verbunden sind. Neben der Bedienerfreundlichkeit, der Frage nach der Wirksamkeit und der Erfüllung von Rahmenbedingungen, müssen solche Techniken auch wirtschaftlich, d. h. im Verhältnis von Kosten und Nutzen angemessen sein (Meißner, 2019, S. 32). Als wirksames Instrument gegen den Mangel an Pflegepersonal, könnten vor allem Pflegeroboter eine sinnvolle Lösung darstellen. Pflegeroboter werden anfangs jedoch hohe Anschaffungs- und Investitionskosten verursachen. So kann der Anschaffungspreis durchaus im sechsstelligen Bereich liegen (Fioranelli, 2019, S. 8). Alleine bei der Kuschelrobbe „Paro“ beträgt der Anschaffungspreis aktuell rund 5.000 Euro (Sönnichsen, 2020). Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Grundlage werden Pflegeroboter derzeit nicht von der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung übernommen. Im Vergleich zu den Personalkosten einer Pflegefachkraft kann der positive Effekt nur langfristig zu Einsparungen führen, d. h. im Gehalt und bei den Personalzusatzkosten, wie Urlaub, Krankheit oder Sozialabgaben. Analog zu den Personalzusatzkosten entstehen jedoch Nebenkosten, wie Wartung, Instandhaltung, Updates, Energie und Schulung von Personal. Diese sind als höherer Verbrauch mit einzukalkulieren. Auch die rechtliche Absicherung in Punkto Datenschutz oder auch ein Pflichtversicherungsschutz für Roboter, welcher derzeit auf EU-Ebene geprüft wird, könnten Realität werden und somit zu noch weiteren Kosten führen. Derzeit lassen sich Indikatoren zum Nutzen, wie z. B. Verringerung der Arbeitsunfähigkeitstage bei Pflegkräften, noch nicht belegen (Fioranelli, 2019, S. 8f).

3.2 Der Nutzen

Die Bekanntmachung solcher Technologien über Werbung und Öffentlichkeitsarbeit kann Wettbewerbsvorteile bringen und dabei auch dazu betragen, das Ansehen für das eigene Haus zu verbessern. Ein weiteres, wesentliches Nutzungsmerkmal, das die Pflegeroboter haben, besteht in der Entlastung von Pflegekräften. Pflegeroboter können z. B. für Hol- und Bringdienste für Pflegeutensilien oder Medikamente eingesetzt werden. In der Folge würden Pflegekräfte zeitaufwändige Wege sparen und damit mehr Zeit für ihre eigentliche Tätigkeit, der Pflege am Menschen, zur Verfügung haben. Solche Vorteile würden aber auch in Bereichen der Schnittstelle zwischen Pflege- und Hauswirtschaftskraft entstehen, wenn es darum geht, Speisen und Getränke zu bringen und wieder abzuräumen. Vor allem aber die körperlich belastenden Tätigkeiten beim Heben und Tragen, auch die Transfers oder das Aufheben von zu Pflegenden nach einem Sturz, könnten zu den größten Entlastungseffekten führen. Bei der direkten pflegerischen Versorgung können die derzeitigen Pflegeroboter ohne menschliches Zutun jedoch noch nicht autonom agieren. Einen direkter Nutzeneffekt für die zu Pflegenden durch Pflegeroboter lässt sich derzeit ebenfalls noch nicht darlegen. Wirkungsvoll zeigten sich u. a. die in Kapitel 4.3 erwähnten sozial-integrierenden Roboter, für z. B. Unterhaltungsangebote, Geschichten erzählen, Gedächtnistraining oder aber auch für Servicedienste, wie beispielsweise dem Bereitstellen von Speisen und Getränken (Fioranelli, 2019, S. 8f).

4 Akzeptanz von Pflegetechnik

4.1 Haltung der Bevölkerung

„Angenommen, Sie wären alt oder pflegebedürftig. Wie angenehm wäre es für Sie, einen Roboter zu haben, der Sie bedient und Ihnen „Gesellschaft leistet?“ Mit dieser Forschungsfrage untersuchte die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften zusammen mit der Körber-Stiftung für den „TechnikRadar 2019“, welche Haltung die Deutschen zum Technikeinsatz in der Pflege haben (acatech/Körber-Stiftung, 2019, S. 8). 64,0 % der Befragten sehen in der Nutzung eher eine Chance, als ein Problem (Eggert/Sulmann/Teuber, 2018, S. 13). Ein Ergebnis aus dem „TechnikRadar 2019“ legte dar, dass die Deutschen bei der Frage gespalten sind und den Einsatz von Robotern zur Entlastung in der Pflege eher kritisch sehen. 40,0 % schätzten den Einsatz technischer Hilfen als positiv ein. 36,9 % der Befragten bejahten den Einsatz von Pflegerobotern damit, dass sie die Selbstständigkeit älterer Menschen verbessern könnten. Jedoch lehnten 32,0 % technische Hilfen und 31,9 % Pflegeroboter grundsätzlich ab. Die Deutschen liegen mit ihrer Beurteilung zu technischen Hilfen mit 27,0 % somit im europäischen Durchschnitt (26,0 %). Das Ergebnis zeigt deutlich, dass die Bewertung von Pflegerobotern wesentlich von ihrem Einsatzzweck abhängig gemacht wurde. Bewertet man diese unter soziotechnischen Aspekten, lehnen 80,8 % deren Einsatz ab. Befürchtet wurde vor allem, dass Pflegebedürftige weniger menschliche Zuwendung erhalten und die Pflege hierdurch stärker enthumanisiert werden könnte. Gefordert werden Roboter, die zur Unterstützung der Pflegekräfte beitragen, damit diese sich besser um die Bedürfnisse von den zu Pflegenden kümmern können (acatech/Körber-Stiftung, 2019, S. 7, 18). Eine Forsa-Umfrage ergab, dass die Bundesbürger, wenn sie sich zwischen Pflegeheim und ihrem eigenen Zuhause entscheiden müssten, sie sich dann doch vorstellen könnten, einen Service-Roboter zu nutzen (83,0 %). 76,0 % der Befragten sehen Service-Roboter als Zukunft für die Bewältigung von Aufgaben ihres Alltags (BMBF, 2016). Über die Hälfte (52,9 %) der Befragten gehen davon aus, dass der Einsatz solcher Maschinen in Zukunft dazu führen könnte, dass nur noch Wohlhabende sich die Pflege leisten können (acatech/Körber-Stiftung, 2018, S. 7).

4.2 Haltung von professionell Pflegenden

Die Akzeptanz von Technik bei den professionell Pflegenden wird davon beeinflusst, ob Technik als sicher, vertrauenswürdig und als zuverlässig betrachtet werden kann (BMBF, 2020). Pflege bedeutet immer Arbeit am Menschen. Die soziale Interaktion, in Verbindung mit humanitären Kompetenzen, steht dabei im Mittelpunkt (Evans/Hielscher/Voss, 2018, S. 3). Soziale und emotionale Unterstützung der zu Pflegenden wird stark mit dem Berufsbild der Pflegekräfte verknüpft (Kuhlmey/Blüher/Nordheim et al., 2019, S. 31). Es ist daher anzunehmen, dass professionell Pflegende entsprechende Ansprüche an den Technikeinsatz in der Pflege stellen werden (Evans/Hielscher/Voss, 2018, S. 1,8). Das Ergebnis der Hans-Böckler-Stiftung zur Digitalisierung im Krankenhaus bestätigt, dass 61,0 % der befragten Pflegekräfte der Meinung sind, dass digitale Technik die Arbeit erleichtere. Auch Effektivität, Zeitersparnis und Qualität in der Versorgung lagen zwischen 41,0 % und 45,0 % (Bräutigam/Enste/Evans et al., 2017, S. 44). Hilfen bei der Dokumentation wurden positiv gesehen, nicht jedoch Hilfsmittel, die emotionale und soziale Aufgaben übernehmen sollen. Hier steht die Befürchtung im Vordergrund, dass Zuwendung und menschliche Wärme verloren gehen könnten (Kuhlmey/Blüher/Nordheim et al., 2019, S. 31). Es mangelt also nicht an der Technikaffinität bei den Pflegekräften. Die Nutzungsbereitschaft gegenüber digitaler Technik deckt sich weitestgehend mit den Aussagen vom „Pflege-Report 2019“, die bereits in den oberen Abschnitten dieser Hausarbeit beschrieben sind (Zöllick/Kuhlmey/Suhr et al., 2019, S. 215).

4.3 Akzeptanz bei den Pflegebedürftigen

Ob ein Roboter auch Akzeptanz bei den Pflegebedürftigen findet, hängt von vielen Faktoren ab, u. a. von der sozialen Erscheinung, dem Sprachstil, der Persönlichkeit, von der Kultur, dem Geschlecht sowie von der Art und Struktur der Aufgabe, wie man Roboter präsentieren lässt (Andrè, 2019, S. 16). Dabei spielen psychologische und soziale Aspekte bei der Interaktion mit den zu Pflegenden eine große Rolle. Akzeptanzfördernd sind Techniken, die sich der menschlichen Kommunikation annähern. Die sozial-integrierenden Roboter unterscheiden sich von den Service-Robotern insbesondere dahingehend, dass erstgenannte während der Ausführung ihrer Tätigkeit, Verhaltensweisen emulieren können und sich dabei der zwischenmenschlichen Kommunikation bedienen. Eine sozial-integrierende Hebehilfe würde dann den zu Pflegenden nicht nur im Bett positionieren, sondern auch nachfragen, ob dieser auch bequem liegt (Janowski/Ritschel/Lugrin et al. 2018, S. 64f). Es ist anzunehmen, dass mit fortschreitender Technik die Autonomie der zu Pflegenden steigen und dies einen positiven psychologischen Effekt zur Folge haben wird (Fioranelli, 2019, S. 54f). Es ist belegt, dass emotionales Verhalten von Robotern einen positiven Einfluss auf die soziale Beziehung zwischen Menschen und Robotern hat. Nutzer lassen sich von Emotionen eines Roboters anstecken und spiegeln das Verhalten von Robotern wider (Andrè, 2019, S. 16). Belegt ist ebenfalls, dass Roboter bei älteren Menschen das Gefühl der Einsamkeit lindern, soziale Interaktion mit anderen Menschen stimulieren und einen positiven Effekt auf die Lebensqualität haben (Janowski/Ritschel/Lugrin et al. 2018, S. 79). Beispielsweise führte die Kuschelrobbe „Paro“ zu einer Linderung bei Depression beim Menschen (Fioranelli, 2019, S. 9). Ihr Einsatz wirkte sich auch positiv bei an Demenz erkranken Menschen aus (Andrè, 2019, S. 16).

5 Fazit

Für ein adäquates Fazit zu Kosten und Nutzen von Robotik in der Pflege, sind die bisher veröffentlichten Studien noch nicht valide genug. Im Vergleich zu einer menschlichen Pflegekraft darf eine solche Technik keine zu hohen Kosten verursachen und muss langfristig ökonomisch sein (Fioranelli, 2019, S. 9). Der deutsche Ethikrat gab zum Technikeinsatz in der Pflege Anfang März 2020 eine Stellungnahme ab. Sein Urteil ist eindeutig, nämlich dass Roboter die Lebensqualität bei den zu Pflegenden fördert und auch zur Entlastung der Pflegekräfte beitragen kann. Robotik in der Pflege darf jedoch nicht der bloßen Effizienzmaximierung dienen. Sie darf nicht die zwischenmenschliche Beziehung vollständig ersetzen und gegen das Wohl des zu Pflegenden agieren (Deutscher Ethikrat, 2020, S. 7, 27, 30f, 44, 51). Tendenziell zeigt sich die deutsche Bevölkerung gegenüber den Technikeinsatz in der Pflege zunächst einmal nicht abgeneigt (Eggert/Sulmann/Teuber, 2018, S. 13). Auch die Ergebnisse der Befragung von Pflegekräften ergab, dass man einem Technikeinsatz in der Pflege sehr offen gegenübersteht (Evans/Hielscher/Voss, 2018, S. 1). Alle Befragten äußerten sich jedoch kritisch gegenüber einer Technik, die zur Enthumanisierung in der Pflege beitragen könnte. Eine solche Technik sollte daher vor allem zur Entlastung der Pflegekräfte beitragen, damit diese mehr Zeit für menschliche Zuwendung in der Pflege haben. Besonders die Pflegekräfte sahen technische Hilfsmittel im sozialen und emotionalen Bereich im starken Widerspruch zu ihren Berufsverständnis. Auch der Deutsche Ethikrat lehnt eine solche Robotik ab, die ausschließlich darauf ausgerichtet ist, um soziale und emotionale Bedürfnisse bei den zu Pflegenden zu stillen und dabei Gefühle aber nur zu simulieren (Deutscher Ethikrat, 2020, S. 51). Technik muss also zwischen der interaktiven Beziehung von Pflegekraft und dem zu Pflegenden hineinpassen und muss von diesem Ansatz aus gestaltet werden (Evans/Hielscher/Voss, 2018, S. 3). Technik, die diese Aspekte ausblendet und wegen der mangelnden Personalausstattung in der Pflege in diesem Bereich keine Abhilfe leisten kann, passt nicht in das Meinungsbild unserer Gesellschaft und wird von dieser kaum eine Akzeptanz finden. Jedoch zeigten gerade solche Technologien den derzeit größten positiven Effekt bei den zu Pflegenden, wenn es darum geht mit diesen zu kuscheln, sie zu beschäftigen, zu unterhalten oder gar zu beraten (Janowski/Ritschel/Lugrin et al. 2018, S. 79ff).

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Details

Titel
Moderne Technik für die Entlastung der Pflege
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule  (Hochschule)
Veranstaltung
Pflegemanagement (B. A.)
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V1141241
ISBN (eBook)
9783346519832
ISBN (Buch)
9783346519849
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsgestaltung der Pflege, Ethik in der Pflege, Akzeptanz neuer Technik in der Pflege, Einsatz von Technik / Technikeinsatz in der Pflege, Roboter in der Pflege
Arbeit zitieren
Anja Luther (Autor:in), 2020, Moderne Technik für die Entlastung der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141241

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