Neue Versorgungskonzepte bei Altersdepression im Pflegeheim. Erhaltung der Lebensqualität älterer Menschen mit Depression


Hausarbeit, 2020

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Theoretischer Hintergrund

2 Methodisches Vorgehen

3 Darstellung der Ergebnisse
3.1 Ergebnisse der Sekundärliteratur
3.2 Ergebnisse zur Forschungsfrage
3.2.1 Forschungsprojekt DAVOS – ein neues Versorgungsmodell zur Verbesserung der Altersdepression bei Pflegeheimbewohnern

4 Diskussion

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Suchhilfe, Suchbegriffe und Treffer

Einleitung

Neben den Demenzen sind Altersdepressionen eine der häufigsten psychischen Störungen bei älteren Menschen. Infolge des demografischen Wandels werden Altersdepressionen zunehmend zur zentralen und drängenden Versorgungsherausforderung1. Krankenkassendaten weisen eine deutliche Zunahme der Diagnosestellung Altersdepression auf, insbesondere bei Menschen, die in Pflegeheimen leben2. Alleine die Krankheitskosten liegen bei den depressiven über 75-Jährigen um ein Drittel höher als bei den nicht depressiven Allgemeinpatienten3,4. Je nach Studie variieren die Angaben zur Prävalenz von Altersdepressionen ab den ≥ 75-Jährigen von 4,4 % bis 10,6 % für eine schwere Depression5. Aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes ist zu entnehmen, dass die Prävalenz im Bereich zwischen 8 % bis 10 % liegt, wobei Frauen offenbar häufiger betroffen sind als Männer. Dies soll aber eher mortalitätsbedingte Gründe haben6.

Die Hausarbeit befasst sich mit dem Thema der Altersdepression bei Menschen, die in Pflegeheimen leben und hinterfragt, ob es bereits Konzepte, z. B. bei Versorgungsmodellen gibt, die Depression behandeln und somit zu einer Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen in Pflegeheimen beitragen können. Im Hinblick auf den vorgeschriebenen Umfang der Hausarbeit, beschränkt sich die Verfasserin jedoch allein auf Altersdepressionen und nicht auf Multimorbidität, wie z. B. Schlaganfall, Diabetes mellitus, Parkinson-Krankheit, etc., deren Auswirkungen ebenfalls eine Depression auslösen könnten7.

1 Theoretischer Hintergrund

Der Begriff „Depression“ leitet sich aus dem Lateinischen „depressus“ ab und heißt „niedergedrückt“ oder „herabgezogen“. Es wird damit die Stimmung beschrieben, die mit einer unendlichen Leere, Ärger, Feindseligkeit, Angst, Scham und Schuld einhergeht und eng verbunden mit dem Zweifel am Sinn des Lebens zu verstehen ist8. Ältere Menschen klagen über Störung der Konzentration und des Gedächtnisses mit zunehmendem Schwindel. Weitere Symptome für eine behandlungsbedingte Depression sind, u. a. kurze und intensive Gefühlsregungen, wie z. B. von Freude oder Wut, Tagesschwankungen, depressiver Wahn, Suizidalität oder ein phasenhafter Verlauf der Störung9.

Eine Altersdepression sollte ernst genommen werden, da sie mit dem Verlust der Lebensqualität und mit steigendem Suizidrisiko einhergeht10. 30 % der Pflegeheimbewohner leiden an einer leichten bis mittelschweren Depression11. Man geht davon aus, dass sogar 15 % bis 20 % der Pflegeheimbewohner an einer schweren Depression leiden. Die Prävalenz depressiver Symptome wird sogar auf bis zu 50 % geschätzt12. Diese Daten sind fast doppelt so hoch wie bei der älteren Allgemeinbevölkerung13. Gerade die multiplen psychischen und körperlichen Erkrankungen bei älteren Menschen erschweren die Diagnose Altersdepression erheblich14.

Bekannte Risikofaktoren für Depression im höheren Lebensalter sind, neben der Polypharmazie, auch im Alter zunehmende wesentliche Veränderungen und Umbrüche. Diese sind u. a. altersassoziierte kritische Lebensereignisse. Hierzu gehören der Verlust von Familienangehörigen und Freunden sowie zunehmende gesundheitliche Beschwerden mit einhergehender Gebrechlichkeit und Multimorbidität. Dies alles kann zu einer stärker werdenden negativen Einstellung bzw. Wahrnehmung und in der Folge zu einer Negativ-Bewältigungsstrategie führen, deren Prägnanz am Ende dann Hilflosigkeit, Sinnlosigkeit und Autonomieverlust ist15.

Obwohl depressive Erkrankungen auch im höheren Lebensalter gut behandelbar sind, werden viele Depressionen bei Pflegeheimbewohnern nicht erkannt oder diagnostiziert. Fälschlicherweise werden depressive Symptome als normale Altersveränderungen abgetan16. Aus diesem Grund erhält nur eine Minderheit der Betroffenen eine adäquate Therapie17. Aufgrund struktureller Besonderheiten des deutschen Gesundheitswesens wird bei nur 42,9 % der erkrankten Pflegeheimbewohner überhaupt eine schwere Depression diagnostiziert und nur die Hälfte von ihnen erhält eine geeignete Therapie18. Dies offenbart ein eklatantes Versorgungsdefizit in der Gesundheitsversorgung. In der Folge führt dies nicht nur zu einer geringeren Lebensqualität, sondern auch zu einem schlechten gesundheitlichen Allgemeinzustand, einer früheren Mortalität und zu einem Anstieg von Krankenhausaufenthalten bei den Betroffenen19.

2 Methodisches Vorgehen

Für die vorliegende Hausarbeit wurden verschiedene Datenbanken, wie beispielsweise Texte der Gesundheitsberichterstattung des Bundes systematisch nach Publikationen zum Thema Versorgungsmodellen im Zusammenhang mit Altersdepression bei Menschen, die in Pflegeheimen leben, durchsucht. Hierzu wurden auch die englischsprachigen Literaturrechercheprogramme BioMed Central und Medline / PubMed verwendet. Um auch relevante Buchpublikationen in die Recherche mit einzubeziehen, wurde zudem im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek recherchiert. Als relevant erschien es auch, nach Informationen zu laufenden und abgeschlossenen klinischen Studien in Deutschland zu suchen. Vor diesem Hintergrund wurde das Deutsche Register Klinischer Studien in die Recherche mit einbezogen. Die Suche wurde auf deutsch- und englischsprachige Publikationen, die das deutsche Gesundheitssystem betreffen bzw. die seit dem Jahr 2010 veröffentlicht wurden, begrenzt. Tabelle 1 zeigt die deutschen und englischen Suchbegriffe und die Anzahl der angezeigten sowie relevanten Treffer auf.

Tabelle 1 : Suchhilfe, Suchbegriffe und Treffer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Darstellung der Ergebnisse

Insgesamt wurden 685 Fundstellen ausgewertet und von diesen zunächst 15 als relevant eingestuft. Nach der Bereinigung von redundanten Fundstellen blieben insgesamt sieben Publikationen übrig, die in Kapitel 3.2 näher erörtert werden. Diese skizzieren das Setting Pflegeheim explizit auf die dort lebenden Bewohner, die an einer Altersdepression leiden. Darauf aufbauend beziehen sich die Ergebnisse auf die Lebenswelt der Betroffenen und der damit für die Pflege relevanten Handlungsempfehlungen, mit dem Ziel, deren Lebensqualität und Wohlbefinden zu verbessern. Das Ergebnis der Literaturrecherche ergab ein sehr moderates Bild zu dem Thema „Versorgungsmodell von Altersdepression in Pflegeheime“. Zwar sind zum Thema Depression sehr viele Studien verfügbar, wie in Kapitel 3.1 beschrieben, aber es finden sich nur sehr wenige darunter, die sich direkt mit der Problematik von Depressionen bei älteren Pflegeheimbewohnern auseinandersetzen.

3.1 Ergebnisse der Sekundärliteratur

Einige laufende Studien, wie z. B. das LoChro-Programm, zielen eher darauf ab, Auswirkungen eines systematischen sektorübergreifenden Versorgungs- und Pflegemanagements im Umfeld vom Krankenhaus bis zur Gemeindeversorgung zu erforschen. Das LoChro-Programm erfasst u. a. auch Daten zu depressiven Symptomen, der Zufriedenheit mit der Pflege, zur Ressourcennutzung und zu den Gesundheitskosten älterer Menschen mit Langzeiterkrankungen. Ziel dieser Studie ist es, die soziale und medizinische Versorgung für multimorbide Patienten mit chronischen Erkrankungen, die es zu verbessern gilt, näher zu untersuchen20. Eine weitere Studie, die GermanIMPACT-Studie, befasste sich mit der Primärversorgung bei der Behandlung von Depression im späteren Lebensalter im hausärztlichen Setting. Ziel dieser Studie war es herauszufinden, ob sich die Integration spezieller Care Manager (Depressionsmanager) positiv auf die Behandlung von Depression auswirken könnte21,22. Mit den psychosozialen Faktoren im hausärztlichen Setting befasste sich die Multicare cohort study und untersuchte dabei u. a. auch die Auswirkung von sozialer Unterstützung auf Depressionen. Die Studie hinterfragte, ob sich hierbei auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität von multimorbiden und älteren Patienten verändert. Ein Ergebnis der Studie war, dass soziale Unterstützung, insbesondere bei drohender Mehrfacherkrankung, entweder vor depressiver Stimmung schützt oder diese prädisponiert, was sich wiederum auf die gesundheitliche Lebensqualität positiv auswirkt23. Eine weitere Studie, die KORA-Age Studie, beschäftigte sich mit den Determinanten des subjektiven Wohlbefindens von Menschen im Alter von 65 bis 90 Jahren. Die Ergebnisse der Studie zeigten u. a., dass bei älteren Menschen ein stärkerer Fokus auf psychische Gesundheitsinterventionen gelegt werden sollte. Dabei stellen Depressionen eine der stärksten Risikofaktoren dar, die sich negativ auf das subjektive Wohlbefinden auswirken können24. Die Studie CBTlate untersuchte die Wirksamkeit von Verhaltenstherapien bei ambulanten Patienten im Alter von ≥ 60 Jahren mit mäßiger bis schwerer Depression25. Die Wirkung von Frühintervention von Psychotherapie, bei Patienten mit komorbider Depression, die in eine geriatrische Klinik aufgenommen wurden, wurde im Rahmen der Studie AIDE (Acute Illness and Depression in Elderly) erforscht26. Die Studie „Health and Quality of Life Outcomes“ setzte sich mit der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bzw. mit der Relevanz von sozialem Engagement bei Menschen im Alter von ≥ 75 Jahren auseinander. Es wurde hinterfragt, inwiefern soziales Engagement (z. B. in Kirche, Verein, etc.) Einfluss auf depressive Symptome im Alter nehmen kann. Die Ergebnisse der Studie zeigten dabei den positiven Effekt, dass sich hierdurch die depressive Symptomatik, zumindest bei Frauen, verbessern bzw. verringern ließ27.

[...]


1 Wittchen/Jacobi/Klose et al. (2010): S. 23

2 Stoppe/Bramesfeld/Schwartz (2006): S. 94

3 Riedel-Heller/Weyerer/König (2012): S. 2

4 DGPPN/BÄK/KBV/AWMF (2015): S. 23

5 Riedel-Heller/Weyerer/König (2012): S. 1

6 Wittchen/Jacobi/Klose et al. (2010): S. 23

7 Fellgiebel/Hautzinger (2017): S. 211, 220, 230

8 Brater (1998): S. 88

9 DGPPN/BÄK/KBV/AWMF (2015): S. 39

10 Fellgiebel/Hautzinger (2017): S. VII

11 Tesky/Schall/Schulze et al. (2019): S. 1

12 Wittchen/Jacobi/Klose et al. (2010): S. 23

13 DRKS (2018a): S. 6

14 Fellgiebel/Hautzinger (2017): S. VII

15 Wittchen/Jacobi/Klose et al. (2010): S. 23

16 Baumgartner/Kirstein/Möllmann (2003): S. 532

17 Fellgiebel/Hautzinger (2017): S. VII

18 Kramer/Allgaier/Fejtkova et al. (2009): S. 345

19 Tesky (2019): S. 2

20 Frank/Bjerregaard/Bengel et al. (2019): S. 1

21 Wernher/Bjerregaard/Tinse (2014): S. 2

22 DRKS (2018b)

23 Wicke/Güthlin/Mergenthal et al. (2014): S. 1, 9

24 Lukaschek/Vanajan/Johar et al. (2017): S. 1f, 9

25 DRKS (2018c)

26 DRKS (2018d)

27 Hajek/Brettschneider/Mallon et al. (2017): S. 1

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Neue Versorgungskonzepte bei Altersdepression im Pflegeheim. Erhaltung der Lebensqualität älterer Menschen mit Depression
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule  (Hochschule)
Veranstaltung
Pflegemanagement (B. A.)
Autor
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V1141244
ISBN (eBook)
9783346519818
ISBN (Buch)
9783346519825
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neue Versorgungskonzepte in der Pflege, Altersdepression, Depression im Alter, Depression alter Menschen im Pflegeheim, Prävalenz von Depression im Plfegeheim, DAVOS Studie Frankfurt am Main
Arbeit zitieren
Anja Luther (Autor:in), 2020, Neue Versorgungskonzepte bei Altersdepression im Pflegeheim. Erhaltung der Lebensqualität älterer Menschen mit Depression, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141244

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