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Hooliganismus im Fußballsport - Entstehung, Merkmale und Lösungsansätze

Title: Hooliganismus im Fußballsport - Entstehung, Merkmale und Lösungsansätze

Examination Thesis , 2007 , 179 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Tristan Lange (Author)

Sport - Sport Sociology
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Spätestens seit den Ereignissen von Lens 1998, während der Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich, dürfte ein Großteil der deutschen Bevölkerung wissen, dass es Hooligans gibt. Die Ereignisse rund um Daniel Nivel, einen französischen Gendarmen und die folgenden Prozesse in der Bundesrepublik und Frankreich waren in den Medien stark vertreten und lösten Betroffenheit in der Öffentlichkeit aus. Sie werden von der Öffentlichkeit als brutale Schläger, zurückgebliebene Jugendliche mit schlechter Kindheit, Neonazis und nur als vermeintliche Fußballfans angesehen. Hier sind sich die Offiziellen von den Vereinen, dem DFB und die Medien weitgehend einig. Hooligans wurden und werden gemeinhin als Gefahr für die Gesellschaft angesehen. Gerade die Gewaltdebatte ist in der Öffentlichkeit immer wieder zu einem zentralen Thema geworden, wobei die Frage nach den Ursachen nur selten gestellt und noch seltener beantwortet wird. Mit dieser Arbeit will ich die Hintergründe und die Motivation dieser gewaltbereiten Jugendlichen und jungen Männer darstellen und aufzeigen das man nicht einfach ein derart einfach gestricktes Raster über sie legen kann. Ich will die Subkultur der Hooligans gründlich analysieren, um dabei die Vorurteile von den wirklich empirisch nachgewiesenen Gegebenheiten zu trennen. Konzentrieren werde ich mich dabei auf die Beschreibung und Erklärung der Erscheinungsformen und Strukturen der jugendlichen Subkultur der Hooligans, die seit Mitte der achtziger Jahre die aktivste und aggressivste Gruppierung in deutschen Fußballstadien darstellt. Schwerpunkt der Darlegungen wird die Entwicklung der aktuellen Lage des Hooliganismus in der Bundesrepublik Deutschland sein. Dies geschieht natürlich unter Beachtung der Veränderungen, die sich in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung ergeben haben.
Um sowohl die historischen Wurzeln als auch die internationalen Dimensionen des Phänomens erkennen zu können, bleibt die Arbeit jedoch nicht auf die Situation in Deutschland beschränkt, sondern beschreibt vergleichend auch den Hooliganismus in Großbritannien.
Hooligans finden Spaß an körperlicher Auseinandersetzung, und sie treffen sich, um gegenseitig innersubkulturell körperlich gewalttätig zu werden. Sie nehmen aus diesem Grund eine Sonderstellung innerhalb der gewaltbereiten Subkulturen unserer Gesellschaft ein, die ihre gewalttätigen Handlungen nach außen richten.



Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte des Fußballs wie wir ihn kennen

2. 1. Die Geburtsstunde des Fußballs

2. 2. Der Fußball geht um die Welt

2. 3. Massenphänomen Fußball

2. 4. Idealisten oder Profis?

2. 5. Der Fußball entwickelt sich weiter

2. 6. Die Fifa wird ein weltweites Unternehmen

2. 7. Entwicklung des Fußballs zum Volkssport Nummer eins in der BRD

3. Fußball und Medien

3. 1. Entwicklung der Fußballberichterstattung

3. 2. Vom Traditionsverein zum Wirtschaftsunternehmen

3. 3. Die moderne Berichterstattung

3. 4. Die heutige Berichterstattung

3. 5. Der Einfluss der Medien auf das Spiel

4. Ökonomische Aspekte des Fußballs

5. Die Zuschauer

5. 1. Konsumorientierte Fans – „Neckermänner“

5. 2. Fußballzentrierte Fans – „Kutten“

5. 3. Erlebnisorientierte Fans – „Hools“

5. 4. Eine neue Generation von Fans – Der „Ultra“

5. 5. Ultras sind keine Hooligans

6. Entstehung des Phänomen Hooliganismus

6. 1. Der Begriff Hooligan

6. 2. Die Subkultur der Hooligans

6. 2. 1. Chicagoer Schule

6. 2. 2. Subkulturmodell nach Schwendter

6. 2. 3. Subkulturforschung des CCCS

6. 2. 4. Jugendkultureller Ansatz nach Baacke

6. 2. 5. Subkulturforschung nach Ferchoff

6. 3. Geschichtliche Entstehung des Hooliganismus

6. 3. 1. Krawalle bei sportlichen Veranstaltungen in der Geschichte

6. 3. 2. Hooliganismus in Großbritannien

6. 3. 2. 1. Die Entwicklung Mitte der sechziger Jahre

6. 3. 2. 2. Hooliganismus in den siebziger Jahren

6. 3. 2. 3. Hooliganismus in den achtziger Jahren

6. 3. 2. 3. 1. Die Geschehnisse von Heysel 1985

6. 3. 2. 3. 2. Die Folgen von Heysel 1985

6. 3. 2. 4. Hooliganismus in den neunziger Jahren

6. 3. 3. Hooliganismus in Deutschland

6. 3. 3. 1. Hooliganismus in den siebziger Jahren

6. 3. 3. 2. Hooliganismus in den achtziger Jahren

6. 3. 3. 3. Hooliganismus in den neunziger Jahren

6. 3. 3. 3. 1. Das vereinigte Deutschland

6. 3. 3. 3. 2. Reaktionen

6. 3. 3. 3. 3. Der Fall Daniel Nivel

6. 3. 3. 4. Entwicklung in der ehemaligen DDR

6. 3. 3. 4. 1. Entwicklung in den Siebzigern

6. 3. 3. 4. 2. Entwicklung in den Achtzigern

6. 3. 3. 5. Ost – West Vergleich der heutigen Hooliganszene

6. 3. 3. 6. Neuere Entwicklungen

6. 3. 3. 6. 1. Die Entwicklungen

6. 3. 3. 6. 2. Ein Tag in Leipzig

7. Hooligans und Rassismus

7. 1. Organisationen

7. 2. Provokationen

7. 3. Rechtsextreme Fußballfans als Spiegel der Gesellschaft?

7. 4. Exkurs– Die politische Rechte und der Fußball

8. Ursachen

8. 1. Erklärungsansätze zur Zuschauergewalt

8. 1. 1. Die Aggressionstheorien

8. 1. 1. 1. Trieb- und Instinkttheoretische Ansätze mit Katharsismodell

8. 1. 1. 2. Die Frustrations-Aggressions-Hypothese

8. 1. 1. 3. Die Lerntheorie

8. 1. 2. Die Professionalisierungsthese

8. 1. 3. Massenpsychologische Ansätze

8. 1. 4. Die Subkulturtheorien

8. 1. 5. Sozialisationstheoretischer Ansatz

8. 1. 6. Zivilisationstheoretischer Ansatz

8. 2. Erklärungswert der Theorien zur Fußballzuschauergewalt für das Hooliganphänomen

8. 2. 1. Das Katharsismodell

8. 2. 2. Frustrations-Aggressions-Hypothese

8. 2. 3. Lerntheorie

8. 2. 4. Professionalisierungsthese

8. 2. 5. Massenpsychologische Ansätze

8. 2. 6. Subkulturtheorien

8. 2. 7. Sozialisationstheoretischer Ansatz

8. 2. 8. Zivilisationstheoretischer Ansatz

8. 3. Gewalt bei den Fußballspielern

8. 4. Hauptursachen für den modernen Hooliganismus

9. Bekämpfungsstrategien und Empfehlungen gegen Gewalt durch Zuschauer

9. 1. Reduzierung der Gewalt im Sport

9. 2. Angemessene gesellschaftliche Reaktionen auf den Hooliganismus

9. 3. Auswirkung der ordnungspolitischen Maßnahmen

9. 3. 1. Durch die Polizei

9. 3. 2. Durch die Vereine und Verbände

9. 3. 2. 1. Stadionordnung und –architektur

9. 3. 2. 2. Durch die Ordner

9. 3. 2. 3. Durch die Vereine / Den DFB

9. 3. 3. Auswirkung der jugendpolitischen Maßnahmen

9. 4. 1. Sozialarbeit

9. 4. 1. 1. Fan-Projekte

9. 4. 1. 2. Sportsozialarbeit

10. Ausblick

11. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Hooliganismus im Fußballsport mit dem Ziel, die Hintergründe, Entstehungsursachen und Erscheinungsformen dieser gewaltbereiten Subkultur zu analysieren, dabei gängige Vorurteile kritisch zu hinterfragen und effektive Präventions- sowie Lösungsstrategien für die Praxis zu identifizieren.

  • Historische Entwicklung und soziologische Einordnung des Hooliganismus
  • Differenzierung zwischen verschiedenen Fangruppen (Konsumorientierte, Ultras, Hooligans)
  • Kritische Analyse wissenschaftlicher Erklärungsmodelle zur Zuschauergewalt
  • Bedeutung der Medienberichterstattung und Kommerzialisierung für die Gewaltentwicklung
  • Bewertung von ordnungspolitischen und sozialpädagogischen Bekämpfungsstrategien

Auszug aus dem Buch

6. 3. 2. 1. Die Entwicklung Mitte der sechziger Jahre

Eine neue Dimension bekamen die Zuschauerausschreitungen nach der Weltmeisterschaft 1966 in England, welche ohne nennenswerte Vorkommnisse stattgefunden hatte. Vor allem in London mit seinen zahlreichen Fußballvereinen und Liverpool bildeten sich nun Fangruppen, welche sich durch einheitliches Auftreten und Anfeuerung ihrer Mannschaft von den übrigen Zuschauern abgrenzten.

Die gute Infrastruktur, die niedrigen Transferpreise und nicht zuletzt die oft räumliche Nähe der vielen Vereine aus den Ballungsgebieten erlaubte es den zumeist jugendlichen Fans, den eigenen Verein auch bei Auswärtsspielen zu unterstützen. Als Folge veränderte sich das Zuschauerprofil. Durch immense Zunahme der vermehrt jugendlichen Fans unter zwanzig, die typische Altersklasse der Hooligans, wurde die Gewalt in den Stadien forciert.

Die verstärkte Identifikation mit der Heimmannschaft sorgte dafür, dass die Fans der Gastmannschaft als „Gegner“ oder „Feinde“ betrachtet wurden. Der Tradition von Ausschreitungen bei Fußballspielen folgend wurden sie sowohl verbal als auch körperlich attackiert. Die Medien nahmen sich dem Phänomen der Gewalt bei Jugendlichen nun verstärkt an. Da sie einzig und allein unter dem Aspekt der Gewaltbereitschaft betrachtet wurden, wurde die Subkultur der Hooligans auch demgemäß dargestellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Wahrnehmung des Hooliganismus in der Öffentlichkeit und definiert die Forschungsziele, nämlich die Trennung von Vorurteilen und empirisch nachweisbaren Strukturen sowie die Analyse der Ursachen.

2. Die Geschichte des Fußballs wie wir ihn kennen: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung und Institutionalisierung des Fußballs vom bürgerlichen Freizeitvergnügen zum Massenphänomen und Wirtschaftsfaktor nach.

3. Fußball und Medien: Die Darstellung beleuchtet die wechselseitige Beziehung zwischen Fußball und Fernsehen, die zur Kommerzialisierung des Sports und zu einer veränderten Inszenierung in der Öffentlichkeit beigetragen hat.

4. Ökonomische Aspekte des Fußballs: Hier wird der Aufstieg des Profifußballs zu einem expandierenden Wirtschaftszweig sowie die damit verbundenen finanziellen Risiken und Strukturen analysiert.

5. Die Zuschauer: Dieses Kapitel klassifiziert verschiedene Fan-Typologien, von konsumorientierten Besuchern bis hin zu organisierten Ultra-Gruppierungen und Hooligans, und beleuchtet deren unterschiedliche Motivationen.

6. Entstehung des Phänomen Hooliganismus: Eine detaillierte Analyse der historischen und soziologischen Hintergründe der Hooligan-Subkultur in Großbritannien und Deutschland unter Einbeziehung verschiedener wissenschaftlicher Modelle.

7. Hooligans und Rassismus: Die Untersuchung der politischen Hintergründe und der Interaktion zwischen rechten Organisationen und der Fußballfanszene sowie die kritische Reflexion des Provokationscharakters rechter Symbole.

8. Ursachen: Ein tiefgehender wissenschaftlicher Diskurs zu verschiedenen Erklärungsansätzen für Zuschauergewalt, darunter psychologische, sozialisationstheoretische und massenpsychologische Theorien.

9. Bekämpfungsstrategien und Empfehlungen gegen Gewalt durch Zuschauer: Die kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Maßnahmen zur Gewaltprävention, unterteilt in ordnungspolitische Ansätze und sozialpädagogische Fanarbeit.

10. Ausblick: Eine Einschätzung der aktuellen Situation unter Berücksichtigung moderner Sicherheitskonzepte und der bleibenden Herausforderungen durch die Dynamik von Menschenmassen im Fußballumfeld.

11. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung betont, dass es keine einfachen Lösungen für das Hooligan-Phänomen gibt und plädiert für einen differenzierten, präventiven Ansatz.

Schlüsselwörter

Hooliganismus, Fußballfans, Zuschauergewalt, Subkultur, Ultras, Fankultur, Gewaltprävention, Professionalisierungsthese, Massenpsychologie, Sozialarbeit, Stadionordnung, Fußball, Fanprojekte, Kommerzialisierung, Rechtsradikalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des Hooliganismus im Fußballsport, wobei sie dessen Entstehung, Merkmale und mögliche Lösungsansätze unter Berücksichtigung soziologischer und pädagogischer Perspektiven untersucht.

Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?

Zentrale Themen sind die Geschichte des Fußballs, die Kommerzialisierung durch die Medien, die Typisierung von Fans, die Entstehung des Hooliganismus in verschiedenen Ländern sowie Strategien der Polizei und der Sozialarbeit zur Gewaltminderung.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Hintergründe der Hooligan-Subkultur zu verstehen, Vorurteile von empirischen Fakten zu trennen und kritisch zu prüfen, welche Maßnahmen zur Eindämmung von Gewalt tatsächlich effektiv sind.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische und literaturanalytische Arbeit, die bestehende soziologische Konzepte (z.B. Subkulturtheorien, Frustrations-Aggressions-Hypothese) auf den Hooliganismus anwendet und bewertet.

Welche Inhalte bilden den Schwerpunkt des Hauptteils?

Den Kern bilden die Analyse der Entstehungsgeschichte des Hooliganismus, der Vergleich zwischen britischen und deutschen Entwicklungen sowie eine kritische Bewertung theoretischer Erklärungsansätze für die Gewalt in Stadien.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Hooliganismus, Fankultur, Gewaltprävention, Subkultur, Ultras und Zuschauergewalt beschreiben.

Wie bewertet der Autor die Rolle der Medien bei der Entstehung von Gewalt?

Der Autor hinterfragt kritisch, inwiefern eine dramaturgische Aufbauschung durch die Medien und eine reißerische Berichterstattung das Bild der Hooligans prägen oder gar gewaltverstärkend wirken, betont aber auch die Schwierigkeit eines empirischen Nachweises.

Wie beurteilt der Verfasser die Effektivität von Fanprojekten?

Der Verfasser sieht Fanprojekte als sinnvoll an, um "Neueinsteiger" zu erreichen, weist jedoch darauf hin, dass sie "wirkliche" Hooligans häufig nicht erreichen und warnt vor der Gefahr, dass Sozialarbeit zu einer bloßen Alibiveranstaltung verkommt.

Was sind die zentralen Unterschiede zwischen "Hools" und "Ultras"?

Während Hooligans die Gewalt als Erlebnis suchen und sich bewusst unauffällig kleiden, zeichnen sich Ultras durch eine hohe Identifikation mit dem Verein, aufwendige Choreographien und einen Fokus auf Support aus, wobei sich die Mehrheit der deutschen Ultras explizit von Gewalt distanziert.

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Details

Title
Hooliganismus im Fußballsport - Entstehung, Merkmale und Lösungsansätze
College
Justus-Liebig-University Giessen  (Institut für Sportwissenschaften)
Grade
2,0
Author
Tristan Lange (Author)
Publication Year
2007
Pages
179
Catalog Number
V114130
ISBN (eBook)
9783640144921
ISBN (Book)
9783640146116
Language
German
Tags
Hooliganismus Fußballsport Entstehung Merkmale Lösungsansätze
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tristan Lange (Author), 2007, Hooliganismus im Fußballsport - Entstehung, Merkmale und Lösungsansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114130
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