Das zunehmende Altern der Generationen führt dazu, dass Lebenssituationen entstehen können, die der Pflege bedürfen. Klienten, die über den Prozess der Alterung des menschlichen Körpers Bescheid wissen, können wahrscheinlich daraus resultierende Beeinträchtigungen leichter ertragen. Altern kann zum Bedarf von ganzheitlicher–professioneller Pflege führen. Menschen, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, alternde Klienten zu begleiten, zu pflegen, sollten sich für deren Lebensspuren interessieren. So kann sich gegenseitiges Verständnis zwischen Klienten und Pflegenden einstellen.
Pflegende sollten daher das Erheben von Biografien zu ihrem Aufgabengebiet zählen. Ursachen auf derzeitige Verhaltensweisen von Klienten findet man meist in einem früher durchlebten Lebensabschnitt.
Das herrschende Gesellschaftssystem ist von Leitbildern geprägt wie Geschwindigkeit, Flexibilität und Aktivität. Kann der Alternde das Tempo nicht mehr mithalten, so wird er meist stigmatisiert.
Beruf, Erfolg und Verdienst sind der Maßstab für den gesellschaftlichen Stellenwert eines Menschen. Achtung, Respekt und Macht hängen davon ab. Verlust von Erwerbstätigkeit ist bei vielen Klienten verbunden mit zunehmendem Verlust von sozialen Kontakten. Zunehmende Isolierung, Abkapselung, und das Zurückziehen in sich selbst (innere Emigration) sind die Folgen. Das Gefühl des „Nicht mehr gebraucht werdens,“ nicht ernst genommen zu werden, kann zu den schlimmsten Erfahrungen gehören, die ein menschliches Individuum macht.
Inhaltsverzeichnis
1. Abstract
2. Einleitung
2.1. Generationen, Lebensspuren und Pflege
2.1.1 Begriffe, Synonymie von Biografien
2.1.2 Meine persönliche Definition für ganzheitlich-professionelle Pflege
3. Hauptteil
3.1. Biografiearbeit und meine persönlichen Erfahrungen
3.1.1. Geschlechtsspezifische Aspekte
3.1.2. Unterschied zwischen Biografie-Erhebung und Pflegeanamnese
3.2. Begriff: Erinnerung
3.2.1. Erinnerungsarbeit:
3.2.2. Zusammenhang zwischen Körpergedächtnis, Körpererinnerung, Biografiearbeit, und Pflegemaßnahme:
3.3. Biografiearbeit und die drei Zeitdimensionen:
3.3.1. Erinnerung und die Vergangenheit, das Bleibende im menschlichen Gedächtnis „Lebensbilanz“
3.3.2. Die Begleitung in der Gegenwart „Lebensbewältigung“
3.3.3. Perspektive für die Zukunft „Lebensplanung“
4. Ziele und Bedeutung der biografischen Arbeit
4.1. Die Biografiearbeit als Maßnahme zur Reduktion von Kommunikationsschwierigkeiten und Kontaktarmut
4.1.1. Biografiearbeit als Maßnahme zum besseren gegenseitigen Verständnis zwischen Klienten und Pflegenden
4.2. Die Rekonstruktion der Lebensgeschichte
4.2.1. Zeitgeschichtliche Relevanz, Zeittafel, war früher alles besser?
4.3. Die Integration der Lebensgeschichte, Anregung der kognitiven Fähigkeiten und der Eigeninitiative
4.3.1. Anreiz zum alternativen Denken
5. Praxisbezogene Methoden der Biografiearbeit
5.1. Individuelle Biografie
5.1.1. Das Instrument der Biografiearbeit zur Durchführung einer patientenorientierten Pflegemaßnahme
5.1.2. Lösungsstrategien für auftretende Konflikte bei Biografieerhebungen
6. Anforderungen an Pflegende
6.1. Konsequenz der Biografiearbeit
6.1.1. Integration der Biografiearbeit in den Pflegeprozess, Lebensspuren entdecken und verstehen
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel zu belegen, dass eine ganzheitliche und professionelle Pflege in der Altenpflege ohne die Integration von Biografiearbeit nur schwer möglich ist. Der Autor untersucht, wie die Kenntnis über die Lebensgeschichte eines Klienten die Pflegequalität steigert, Kommunikationsbarrieren reduziert und das Wohlbefinden alternder Menschen fördert.
- Bedeutung der Biografiearbeit für den modernen Pflegeprozess
- Methoden der Biografie-Erhebung im Gruppen- und Einzelsetting
- Psychosoziale Bedürfnisse alternder Klienten und deren Erfüllung
- Zusammenhang zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der Pflege
- Anforderungen an die pflegerische Kompetenz und Beziehungsarbeit
Auszug aus dem Buch
3.2.2. Zusammenhang zwischen Körpergedächtnis, Körpererinnerung, Biografiearbeit, und Pflegemaßnahme:
Alles was ein Klient erlebt hat, ist nicht nur im Langzeitgedächtnis als Erinnerung eingelagert. Erlebnisse durchwandern unseren Körper als Gefühle und hinterlassen in ihm ihre Spuren. Der menschliche Körper speichert gute und schlimme Erfahrungen als Erinnerung ab. Pflegende haben die Möglichkeit das Körpergedächtnis des Klienten zu erfassen bzw. zu verstehen, um dies in die Durchführung der Pflegemaßnahmen zu integrieren.
Dafür ist nicht nur eine ausreichende Aufklärung und Kommunikation von Bedeutung. Wie ein Klient wahrnimmt bzw. wie das Wahrgenommene gedeutet wird, hängt von den gespeicherten Erinnerungen, also von der persönlichen Lebensgeschichte ab.
Ist das Erkennen solcher Körpererinnerungen möglich?
„Man muss versuchen, Tendenzen wahrzunehmen, am Körper ablesen. Es geht dabei um eine subtile Form von Erspüren, die nicht nur mit den Augen und dem Verstand wahrnimmt, sondern auf der intuitiven Ebene erfühlt“ (GUDJONS, PIPER und WAGNER, 1999, S.24)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abstract: Kurze Zusammenfassung der Zielsetzung, Methodik und Ergebnisse der Fachbereichsarbeit.
2. Einleitung: Beleuchtung des Alterns der Generationen und der Relevanz biografischer Daten für die professionelle Pflege.
3. Hauptteil: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Biografiearbeit, Erinnerungsprozessen und den Zeitdimensionen.
4. Ziele und Bedeutung der biografischen Arbeit: Erläuterung der psychosozialen Bedürfnisse von Klienten und dem Potenzial der Biografiearbeit zur Reduktion von Kontaktarmut.
5. Praxisbezogene Methoden der Biografiearbeit: Vorstellung konkreter Instrumente wie Biografiebögen, Lebensbücher und aktivitätsorientierte Gruppentechniken.
6. Anforderungen an Pflegende: Reflexion über die notwendige soziale und emotionale Kompetenz der Pflegenden sowie die Integration in den Pflegeprozess.
7. Resümee: Fazit des Autors zur Unverzichtbarkeit der Biografiearbeit für eine ganzheitliche Pflegequalität.
Schlüsselwörter
Biografiearbeit, Altenpflege, Ganzheitliche Pflege, Lebensgeschichte, Pflegeprozess, Erinnerungsarbeit, psychosoziale Bedürfnisse, professionelle Pflege, Körpergedächtnis, Beziehungsarbeit, Pflegequalität, Lebensbewältigung, Kommunikation, Alter, Biografie-Erhebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Fachbereichsarbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Biografiearbeit als integralem Bestandteil einer ganzheitlichen und professionellen Altenpflege.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Erhebung von Lebensgeschichten, dem Verständnis psychosozialer Bedürfnisse, der Anwendung von Biografiearbeit in der Praxis und der Reflexion des professionellen Pflegehandelns.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es zu verdeutlichen, dass eine ganzheitliche Pflege ohne das Wissen um die Lebensspuren und die Biografie der Klienten in der Praxis nicht optimal umsetzbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt seine Arbeit auf das Studium einschlägiger Fachliteratur, Beobachtungen in der Praxissituation sowie Gespräche und Befragungen von Fachleuten.
Was steht im Fokus des Hauptteils?
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte wie Körpergedächtnis und Zeitdimensionen erläutert sowie praktische Instrumente zur Biografieerhebung vorgestellt.
Welche Begriffe beschreiben den Kern der Arbeit am besten?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Begriffe wie Biografiearbeit, Lebensgeschichte, Ganzheitlichkeit, professionelle Pflege und Beziehungsarbeit.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Pflegeanamnese und Biografie-Erhebung eine Rolle?
Der Autor betont diesen Unterschied, um zu verdeutlichen, dass eine klassische Anamnese primär physische Daten (ATLs) erhebt, während die Biografiearbeit die psychische Ebene und das "Vorleben" für eine individuelle Betreuung erschließt.
Welche Rolle spielt die Einbeziehung der Biografie bei Konflikten in der Pflege?
Das Wissen um die Biografie hilft Pflegenden, abweichendes Verhalten oder soziale Schwierigkeiten des Klienten besser zu verstehen und individuelle Lösungsstrategien zu entwickeln, statt nur oberflächliche Pflege zu leisten.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Ludwig Steinwender (Autor:in), 2007, Die biografische Arbeit als Pflegemaßnahme. Lebensspuren entdecken und verstehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114134