Arbeitsmigration. Die Integration der ersten Arbeitsemigrantengeneration in der Bundesrepublik Deutschland


Hausarbeit, 2021

19 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Definition Integration

Phasen der Ausländerbeschäftigung der Bundesrepublik Deutschland

Nachkriegszeit (1945 bis 1959/60)

Hochkonjunktur/Wirtschaftswunder (1960 bis 1966)

Rezession (1967/68)

Portrait eines Gastarbeiters

Erneuter wirtschaftlicher Aufschwung bis hin zum Anwerbestopp (1973)

Fazit

Ausblick

Einleitung

„Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/_inhalt.html

Ende 2020 wurden ca. 11,4 Millionen Ausländer/innen im Ausländerzentralregister Deutschlands er- fasst.1 Die folgende Arbeit befasst sich mit der Ursache dieser Entwicklung und klärt die Frage, wie sich die Integration der ersten Arbeitsmigranten Generation in der Bundesrepublik Deutschland Ende der 1950er Jahre gestaltete. Dabei wird zunächst der Begriff „Integration“ definiert. Anschließend folgt eine Einführung in die Thematik, in der die drei Phasen der Ausländerbeschäftigung der Bun­desrepublik Deutschland näher betrachtet werden. In diesem Teil der Arbeit wird die Ausländerbe­schäftigung der Bundesrepublik Deutschland exemplarisch an den Immigranten aus den Staaten Ita­lien und Türkei verdeutlicht. Dies geschieht vor allem unter der Berücksichtigung der Biographie des italienischen „Gastarbeiters“ Signore Guardavascio. Im Schlussteil der Arbeit werden die Bedeutung und die Folgen der deutschen Ausländerbeschäftigung aufgezeigt und es folgt eine klare Positionie­rung des Verfassers zur Fragestellung. Zum Abschluss wird ein möglicher Ausblick präsentiert, der die Chancen der Ausländerbeschäftigung auch für die Zukunft beinhaltet.

Definition Integration

Der Begriff „Integration“ ist ein sehr umfassender Begriff, der unterschiedlich definiert werden kann. „Integration“ meint „[...] den Zustand oder Prozeß der Angleichung von Personen an ein zuvor un­terschiedliches soziales und kulturelles System [...]“.2 Die Integration ist abgeschlossen, wenn die sozial und kulturell fremde Person ihre Handlungsziele als erfüllt beurteilt, ohne dass sie darauffol­gende negative Konsequenzen erfährt. Der Prozess der Angleichung von Personen wird als Akkultu­ration bezeichnet.3 Die „Akkulturation gilt als der Vorgang der , Verschmelzung' zweier Kulturen durch Austausch kultureller Elemente bei Kontaktnahme und das (wechselseitige) Lernen kultureller Fähigkeiten.“4

Da sich die Arbeit mit der Integration der ersten Arbeitsmigranten Generation in der Bundesrepublik Deutschland befasst, macht es Sinn, die Definition des Bundesamtes für Migration zu betrachten. Dies definiert den Begriff „Integration“ folgendermaßen: „Integration ist ein langfristiger Prozess. Sein Ziel ist es, alle Menschen, die dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland leben in die Gesellschaft einzubeziehen. Zuwanderern soll eine umfassende und gleichberechtigte Teilhabe in allen gesell­schaftlichen Bereichen ermöglicht werden. Sie stehen dafür in der Pflicht, Deutsch zu lernen sowie die Verfassung und die Gesetze zu kennen, zu respektieren und zu befolgen.“5

Der Integrationsprozess ist das Resultat eines erfolgreichen gesellschaftlichen und individuellen Pro­zesses. Nur in der Gesamtheit beider Prozesse kann die Integration einer sozial und kulturell fremden Person in eine Gemeinschaft erfolgen. Dabei ist festzuhalten, dass sich der Integrationsprozess wegen seiner Komplexität meist über mehrere Generationen erstreckt.6

Phasen der Ausländerbeschäftigung der Bundesrepublik Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter,

Flüchtlinge, Verlag C. H. Beck, München 2001, S. 198-199.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Ausländerbeschäftigung der Bundesrepublik Deutschland bis 1980. Dabei sind drei deutlich unterscjiedliche Phasen zu erkennen. Die erste Phase kann als Nach­kriegszeit bezeichnet werden und umfasste den Zeitraum von 1945 bis 1959/60. Das Merkmal dieser Phase ist, dass die Zahl der ausländischen Wohnbevölkerung und Beschäftigten im Vergleich zu den anderen Phasen relativ gering war. 1961 lag die Zahl der Ausländer in der Bundesrepublik bei gerade einmal 686.000. In der zweiten Phase stieg die Zahl der Ausländer in der Bundesrepublik relativ stark an. 1967 betrug die Zahl der Ausländer in der Bundesrepublik 1,8 Millionen. Diese Phase dauerte von 1960 bis 1966 und kann als Phase der Hochkonjunktur bzw. Wirtschaftswunder bezeichnet wer­den. Die dritte Phase von 1966 bis 1973 endet mit dem Anwerbestopp. Sie beinhaltet die Rezession von 1966/67 und wird dementsprechend im Folgenden so benannt. Trotz des Rückgangs der Wirt­schaftsleistung im Jahre 1967/68 stieg die Zahl der ausländischen Bevölkerung in den darauffolgen­den Jahren wieder stark an. 1973 lebten 3,96 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland.

Ebenfalls weist die Verteilung der Nationalitäten deutliche Trends auf. Die italienische Bevölkerung machte bis 1969 den größten Anteil der ausländischer Arbeitskräfte und Wohnbevölkerung aus. 1971 lösten die Türken die Italiener ab und waren von nun an die Größte Gruppe. 1961 betrug die Zahl der italienischen Wohnbevölkerung 196.700. Im Vergleich dazu lag die türkische Wohnbevölkerung nur bei 6.700. 1971 betrug die türkische Wohnbevölkerung 652.800 und war damit ca. 60.000 Personen größer, als die italienische (589.800). Diese Entwicklung hat bis heute Bestand. Die Ursachen werden in dem folgenden Teil der Arbeit beleuchtet.

Nachkriegszeit (1945 bis 1959/60)

Das Ausmaß der Zerstörung Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg war aus der Sicht der deut­schen Industrie relativ gering. Zwar wurden die meisten Großstädte Deutschlands bis zu 70 % zerstört, allerdings hielt sich die Zerstörung der deutschen Industrie in Grenzen. Gerade einmal 6,1 % der Werkzeugmaschinen wurden beschädigt. Durch den Krieg und den damit Verbundenen Bedarf an Rohstoffen, wurde im Sommer 1944 der Höhepunkt der Rüstungsindustrie erreicht. Zwar ging die Gesamtproduktion durch die Bombenangriffe der Alliierten zurück, allerdings lag sie zu Beginn 1945 noch fast doppelt so hoch, wie 1941. Dieser Anstieg der Gesamtproduktion ist dadurch zu erklären, dass die deutschen Industrieanlagen während des Krieges massiv ausgebaut und erweitert wurden. Die starke Ausweitung der Produktionskapazitäten konnte nur durch die Zuhilfenahme ausländischer Zivilarbeiter und Kriegsgefangenen ermöglicht werden. 1944 arbeiteten 7,7 Millionen ausländische Arbeitskräfte in Deutschland. Nach Kriegsende kehrten diese Arbeitskräfte in ihre Heimatländer zu­rück und sollten durch die heimkehrenden deutschen Soldaten ersetzt werden. Die Zahl der erwerb­stätigen deutschen Männer wurde durch den Krieg stark dezimiert. Dementsprechend konnten sie die Lücke an Arbeitskräften nicht adäquat füllen. „Volkswirtschaftlich gesehen stand also bei Kriegsende die stark ausgeweitete Produktionskapazität der deutschen Wirtschaft einem erheblich verringerten Arbeitskräfteangebot gegenüber.“7 Aufgrund des Arbeitskräftemangels und der Zerstörung der meis­ten Transportwege durch den Krieg, kam es zu einem Stillstand der Produktionsanlagen. Erst die Währungsreform 1948 sorgte für einen wirtschaftlichen Aufschwung der drei westlichen Besatzungs­zonen, die ab 1949 die Bundesrepublik Deutschland bildeten. Diese profitierten enorm von der ver­besserten deutschen Industriekapazität während des Krieges. Für die Nutzung der Industrieanlagen waren zwei Faktoren besonders wichtig. Erstens war die deutsche Wirtschaft auf ausländisches Ka­pital angewiesen, welches durch die amerikanische Auslandshilfe in Form des Marshallplanes zu Verfügung stand. Zweitens musste eine ausreichende Zahl an Arbeitskräften vorhanden sein. 8,3 Mil­lionen Vertriebene und Flüchtlinge sind bis 1950 aus dem Osten (zum Großteil aus der sowjetischen Besatzungszone) in die Bundesrepublik gekommen. Durch den Zuwachs der Bevölkerung, konnte die Bundesrepublik ihren Arbeitskräftemangel beheben. 1960 machten die Vertriebenen und Flücht­linge nahezu 25 % der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland aus. Durch die steigende Arbeitskraft konnte die Bundesrepublik ihr Bruttosozialprodukt in diesem Zeitraum verdoppeln. Grund dafür war die schnelle Integration der Vertriebenen und Flüchtlinge in den westdeutschen Ar­beitsmarkt. „Ohne das ,Wirtschaftswunder' wäre die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen, ohne deren zusätzliches Arbeitskräftepotential wäre das , Wirtschaftswunder' nicht möglich gewe- sen.“8 Die Vertriebenen und Flüchtlinge wurden allerdings ungleich in der Bundesrepublik verteilt, da einerseits die französische Besatzungszone erst ab 1948 Flüchtlinge aufnahm, andererseits diese in weniger zerstörten Städten untergebracht werden sollten. Dies hatte zur Folge, dass die „[...] ag­rarisch strukturierten Länder Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein [...]“ 60 % aller Ver­triebenen aufnahmen.9 Ohne die Disparität zwischen dem Produktionspotential und dem einheimi­schen Arbeitskräfteangebot, hätte die Integration der Ost-Flüchtlinge nicht so schnell erfolgen können. Dies lag unter anderen daran, dass es sich bei den Zuwanderern um deutsche Staatsbürger handelte. Dadurch gab es verhältnismäßig wenige Barrieren für die Integration der Zuwanderer, da sie die deut­sche Kultur und Sprache bereits beherrschten. „Der Zuzug so vieler fremder Arbeitskräfte führte bei vielen Einheimischen jedoch auch zu Abwehrreaktionen bis hin zu offener Feindseligkeit.“10 Vor al­lem die zunehmende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt stärkte das abwertende Bild der Zuwanderer. Da aus Sicht der alliierten Besatzungsbehörden eine Rückführung der Ostvertriebenen unmöglich sei, förderten diese deren Integration in die westlichen Besatzungszonen, durch eine Gleichberechtigung auf sozialer, politischer sowie wirtschaftlicher Ebene. Mit dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 kam es zu einem Rückgang der östlichen Flüchtlingsströme. Da die Bundesrepublik allerdings auf Humankapital angewiesen war, wurde die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften in Be­tracht gezogen.11

Hochkonjunktur/Wirtschaftswunder (1960 bis 1966)

Am 20. Dezember 1955 wurde die erste Anwerbevereinbarung mit Italien unterzeichnet. Zu diesem Zeitpunkt waren 79.000 (0,4 % der gesamten Arbeitnehmer) ausländische Arbeitskräfte in der Bun­desrepublik Deutschland beschäftigt. Während der Anwerbevereinbarung mit Italien, berief man sich auf die positiven Erfahrungen der Ausländerbeschäftigung im ehemaligen deutschen Kaiserreich. 1907 waren von 17 Millionen Beschäftigten 800.000 ausländische Arbeitskräfte. Unter diesen waren vorwiegend Italiener, welche vor allem in der Bauwirtschaft, Eisen- und Stahlerzeugung, Bergbau und Landwirtschaft beschäftigt waren. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass diese auslän­dischen Arbeitskräfte nahezu vollständig in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind. Da bis zum Bau der Berliner Mauer (1961) der Arbeitskräftebedarf der Bundesrepublik durch die Ostvertriebenen ge­deckt werden konnte, lässt sich die Anwerbevereinbarung von 1955 volkswirtschaftlich als nicht not­wendig einordnen. 1955 waren 5,6 % der Bevölkerung (1,074 Millionen) arbeitslos.12 Dementspre­chend hatten die Ostvertriebenen, bzw. die eigene Bevölkerung eine höhere Priorität bei der Vermitt­lung von Arbeitsplätzen, als ausländische Arbeitskräfte. Die Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik Deutschland wies zu dieser Zeit starke regionale Unterschiede auf. „In Baden-Württemberg lag sie nur bei 2,2 %, in Nordrhein-Westfalen bei 2,9 %, in Schleswig-Holstein hingegen bei 11,1 %.“13 Problematisch war, dass die mobilisierbaren deutschen Arbeitskräfte der Bundesrepublik fast kom­plett beschäftigt waren. Ebenfalls wiesen Wirtschaftsprognosen ein andauerndes starkes Wirtschafts­wachstum auf. Auf der Grundlage dieser beiden Faktoren wurde eine überschaubare Anzahl an aus­ländischen Arbeitskräften angeworben, obwohl die Arbeitslosenquote der Bundesrepublik zu dieser Zeit noch relativ hoch war.14 So konnten durch den Zustrom von qualifizierten ausländischen Arbeits­kräften die Engpässe der Beschäftigung von Arbeitskräften in der Landwirtschaft und im Bergbau überbrückt werden. Grundsätzlich ist allerdings festzuhalten, dass die Vereinbarung von 1955 aus volkswirtschaftlicher Sicht keine dringende Notwendigkeit besaß. Die Vereinbarung diente vielmehr der Förderung der europäischen Gemeinschaft (Römische Verträge).15 Das Anwerbeabkommen zwi­schen der Bundesrepublik Deutschland und Italien beinhaltete bestimmte vertraglich festgelegte Ver­einbarungen. Dabei sollten die ausländischen Arbeitskräfte („Gastarbeiter“) in der Bundesrepublik nach dem „Rotationsprinzip“ arbeiten. Das bedeutete, dass s nach dem Ablauf ihres Arbeitsvertrages in ihre Heimatländer zurückkehren mussten. Weitere Bestandteile des Vertrages waren: die Zuwei­sung der ausländischen Arbeitskräfte nach Eignung in die Unternehmen, die sozialpolitische Gleich­stellung, die Bezahlung nach Tarif, eine bestimmte Vertragsdauer, die Zusicherung einer angemesse­nen Unterkunft, das Recht auf Lohntransfer und eine zugeneigte Betrachtung von Anträgen bezüglich des Familiennachzugs. Aus der Sicht der Bundesregierung „[...] war die Heranziehung von Auslän­dern die einfachste Form, der auf Expansion des Arbeitsmarktes ausgerichteten Wirtschaft Rechnung zu tragen.“16 „Vielmehr ging es darum, am unteren Ende des Arbeitsmarktes der deutschen Landwirt­schaft die Zugriffsmöglichkeiten auf billige ausländische Arbeitskräfte zu sichern, so daß das Lohn­gefüge in der Landwirtschaft auf relativ niedrigem Niveau stabilisiert werden konnte.“17 Festzuhalten ist, dass es zum Thema der Ausländerbeschäftigung keine öffentliche Debatte gab. Zwischen 1959 bis 1962 kehrte sich das Verhältnis zwischen Arbeitslosen und offenen Stellen um. Zwischen 1959 und 1965 stieg die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte um eine Million an. Dies war die Folge der steigenden Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik. In der gesamten Zeitspanne zwischen 1950 und 1960 stieg die Gesamtzahl der Erwerbstätigen in der Bundesrepublik um 4,5 Millionen an. Seit 1965 beträgt die Zahl der Erwerbstätigen der Bundesrepublik ungefähr 26,5 Millionen. Die Erweiterung des Arbeitskräftepotentials sorgte für einen „Kampf um Arbeiter“. Dies war die Folge der sinkenden Zahl der deutschen Erwerbstätigen ab 1962. Mehrere Faktoren führten zu dieser Tendenz: 1. Die geburtenschwachen Kriegsjahrgänge stiegen ins Erwerbsleben ein, 2. Die Absenkung des durch­schnittlichen Eintrittsalters in den Ruhestand, 3. Die Verlängerung der Ausbildungszeit und 4. Die Senkung der Arbeitszeit. Auf Grundlage der massiven Nachfrage an Arbeitskräften, wurde die An­werbung von ausländischen Arbeitskräften als unumstritten angesehen, um ein schrumpfendes Wirt­schaftswachstum zu vermeiden. Dies hatte zur Folge, dass weitere Anwerbeabkommen mit Nicht- EG-Ländern geschlossen wurden. Der Vorteil von ausländischen Arbeitskräften war einerseits der finanzielle Rahmen der Ausländerbeschäftigung, andererseits die berufliche und regionale Mobilität der Arbeitskräfte, wodurch regionale Engpässe an Arbeitskräften überbrückt werden konnten. „Diese Millionen Menschen auf deutschen Arbeitsplätzen trägt mit dazu bei, daß unsere Produktion weiter wächst, unsere Preise stabil und unsere Geltung auf dem Weltmarkt erhalten bleibt.“18 Die Vorteile der Ausländerbeschäftigung waren insbesondere durch deren Altersstruktur (18 - 45 Jahre) geprägt, welche sich positiv auf die Rentenversicherung auswirkte, da die ausländischen Arbeitskräfte die gleiche Sozialversicherung und Lohnsteuer zahlen mussten. Neben den nationalen Vorteilen der Aus­länderbeschäftigung waren diese ebenfalls für den Zusammenhalt in Europa förderlich. So konnte die Ausländerbeschäftigung zur Entwicklungshilfe und Völkerverständigung beitragen. Die Ausländer­beschäftigung wurde für die Bundesrepublik ein außenpolitischer „Neuanfang“. Trotz der Vorteile der Ausländerbeschäftigung war die Politik der Überzeugung, „[.] daß es sich dabei um ein zeitlich begrenztes Phänomen handele, um eine Übergangserscheinung.“19 Über die Chancen und Möglich­keiten der Ausländerbeschäftigung wurde sich zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken gemacht.20 Nach der Anwerbevereinbarung mit Italien (1955) folgten die Vereinbarungen mit Spanien und Griechen­land (1960), Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968).21 In diesen Ländern wurden von der Bundesanstalt für Arbeit Dienststellen errichtet, um die Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden zu fördern. 1966 wurde mit 1.313.500 ausländischen Arbeitskräften ein erster Spitzenwert erreicht. Die verschiedenen Nationalitäten verteilten sich un­gleichmäßig über das Bundesgebiet, sodass regionale Schwerpunkte entstanden. Der überdurch­schnittliche Anteil der türkischen Arbeitskräfte war in den Regionen: Berlin, Köln, Nordbayern und Hamburg. Der Schwerpunkt der Beschäftigung von Italienern lag in Baden-Württemberg.22 Um die Zufuhr der ausländischen Arbeitskräfte flexibler zu regulieren wurde im April 1965 das Ausländer­gesetz erlassen. Ebenfalls gewährleistete das Ausländergesetz den Angehörigen der EWG-Ländern die arbeitsrechtliche Gleichstellung mit den deutschen Arbeitnehmern. Das Ausländergesetz beinhal­tete das Konzept des vorübergehenden Aufenthalts, wodurch die ausländischen Arbeitskräfte ein Jahr an ihren Arbeitgeber gebunden wurden. Das Aufenthaltsrecht der ausländischen Arbeitskräfte wur­den nach dem Ermessen der deutschen Behörden verlängert. Die Zeit des Aufenthalts der ausländi­schen Arbeitskräften wurde von den deutschen Behörden in Rücksprache mit den Arbeitgebern auf kurzfristig oder längerfristig eingeordnet, allerdings waren sie der Überzeugung, dass dieser auf jeden Fall zeitlich begrenzt war.23

[...]


1 Vgl. Destatis - Statistisches Bundesamt: Migration und Integration, URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesell- schaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/inhalt.html (letzter Zugriff: 30.03.2021).

2 Esser, Hartmut/Gaugler, Eduard/Neumann, Karl-Heinz: Arbeitsmigration und Integration. Sozialwissenschaftliche Grundlagen, Peter Hanstein Verlag GmbH, Königstein 1979, S. 5.

3 Vgl. ebd, S. 4.

4 Ebd, S. 5.

5 Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Integration, URL: https://www.bamf.de/DE/Service/ServiceCen- ter/Glossar/_functions/glossar.html?nn=282918&cms_lv3=294894&cms_lv2=282958 (letzter Zugriff: 30.03.2021).

6 Vgl. Heckmann, Friedrich: Die Integrationsdebatte in Deutschland. In: Meier-Braun, Karl-Heinz/Weber, Reinhold: Migration und Integration in Deutschland. Begriffe-Fakten-Kontroversen, Kohlhammer Verlag, Bonn 2013, S. 228.

7 Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Verlag C. H. Beck, München 2001, S. 193.

8 Ebd, S. 195.

9 Ebd, S. 195-196.

10 Ebd, S. 197.

11 Vgl. Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Verlag C. H. Beck, München 2001, S. 192-201.

12 Vgl. Schlaffke, Winfried/Voss, Rüdiger: Vom Gastarbeiter zum Mitarbeiter. Ursachen Folgen und Konsequenzen der Ausländerbeschäftigung in Deutschland, Informedia verlags-gmbh, Köln 1982, S. 24.

13 Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Verlag C. H. Beck, München 2001, S. 202.

14 Vgl. ebd, S. 202-203.

15 Vgl. Schlaffke, Winfried/Voss, Rüdiger: Vom Gastarbeiter zum Mitarbeiter. Ursachen Folgen und Konsequenzen der Ausländerbeschäftigung in Deutschland, Informedia verlags-gmbh, Köln 1982, S. 24.

16 Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Verlag C. H. Beck, München 2001, S. 204.

17 Ebd, S. 205.

18 Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Verlag C. H. Beck, München 2001, S. 210.

19 Ebd, S. 211.

20 Vgl. ebd, S. 204-211.

21 Vgl. Hunn, Karin: „Nächstes Jahr kehren wir zurück...“. Die Geschichte der türkischen Gastarbeiter in der Bundesrepublik, Wallstein Verlag, Göttingen 2005, S. 29.

22 Vgl. Schlaffke, Winfried/Voss, Rüdiger: Vom Gastarbeiter zum Mitarbeiter. Ursachen Folgen und Konsequenzen der Ausländerbeschäftigung in Deutschland, Informedia verlags-gmbh, Köln 1982, S. 25-26.

23 Vgl. Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Verlag C. H. Beck, München 2001, S. 211-212.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Arbeitsmigration. Die Integration der ersten Arbeitsemigrantengeneration in der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Veranstaltung
Deutschland in der Weltwirtschaft nach 1945
Note
1,7
Jahr
2021
Seiten
19
Katalognummer
V1141503
ISBN (eBook)
9783346517555
ISBN (Buch)
9783346517562
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitsmigration, Deutschland, Ausländerbeschäftigung, Nachkriegszeit, Rezession, Wirtschaftswunder, Anwerbestopp
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Arbeitsmigration. Die Integration der ersten Arbeitsemigrantengeneration in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141503

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