Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass sich die traditionelle Differenz zwischen den Geschlechtern bei der Wahlentscheidung im Zeitverlauf grundsätzlich gewandelt hat. Neben der zunehmenden Wahl von progressiveren Parteien aus dem linken Lager durch Frauen wird insbesondere der Effekt von weiblichen Kandidaten auf die Wahlentscheidung diskutiert. Bisher wurden diese internationalen Befunde kaum auf den deutschen Kontext angewandt. Die vorliegende Untersuchung legt den Schwerpunkt der empirischen Analyse auf die Landtagswahlen von 2016, um zu zeigen, inwieweit das Geschlecht einen kausalen Effekt auf die Wahlentscheidung ausübt. Allerdings zeigen die Ergebnisse basierenden auf zwei Modellierungsstrategien keine Bestätigung für frühere Forschungsergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie und Forschungsstand
3. Methodik und Operationalisierung
4. Empirische Ergebnisse
5. Fazit
6. Appendix
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Geschlechts auf das individuelle Wahlverhalten bei den Landtagswahlen von 2016 in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Dabei wird insbesondere geprüft, ob ein "modern gender gap" vorliegt, bei dem Frauen bevorzugt progressivere Parteien wählen, sowie ob ein "same-gender-voting"-Effekt existiert, der eine höhere Wahlwahrscheinlichkeit von Parteien mit weiblichen Spitzenkandidatinnen durch Wählerinnen postuliert.
- Analyse des Einflusses des Geschlechts auf die Wahlentscheidung
- Überprüfung der Hypothese zum "modern gender gap"
- Untersuchung des "same-gender-voting"-Ansatzes
- Berücksichtigung sozioökonomischer Kontrollvariablen
- Vergleich der Landtagswahlergebnisse von 2016
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Bis in die 1980er Jahre wiesen Frauen im Unterschied zu Männern konservativere Einstellungen auf und wählten häufiger Parteien aus dem konservativen Spektrum (Campbell et al. 1960; Inglehart und Norris 2000). Die Erklärung für diesen traditionellen „gender gap“ lag laut Inglehart und Norris (2000: 443) in strukturellen Unterschieden hinsichtlich Religiosität, der Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie der engen Bindung zwischen christdemokratischen Parteien und der Kirche in mehreren Ländern. Allerdings kann ab den 1980er Jahren ein Wandel hinsichtlich des Wahlverhaltens, etwa in der USA hin zur Demokratischen Partei (Wirls 1986; Box-Steffensmeier et al. 2004) oder linken Parteien in den meisten europäischen Ländern (Giger 2009) sowie in weiteren etablierten Demokratien, beobachtet werden (Inglehart und Norris 2000).
Der Einfluss des Geschlechts auf die Wahlentscheidung wird insbesondere in der US amerikanisch geprägten Forschung eine wichtige Rolle zugesprochen, wie auch Setzler und Yanus (2018: 526) in ihrer Analyse der Wählerschafts Trumps zeigen. In der deutschen Forschung wiederum nehmen die von Lipset und Rokkan (1967) identifizierten Konfliktlinien eine zentrale Rolle ein. Allerdings kann auch in Deutschland seit den späten 60er Jahren beobachtet werden, dass Frauen häufig für Parteien des linken Spektrums und weniger für Parteien und Kandidaten aus dem konservativen Lager stimmten (Neu 2004: 6-11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den theoretischen Hintergrund des "gender gap" vor und leitet die Forschungsfrage hinsichtlich der Landtagswahlen von 2016 ab.
2. Theorie und Forschungsstand: Dieses Kapitel erörtert die theoretische Basis zum Einfluss des Geschlechts auf das Wahlverhalten und führt die Konzepte des "modern gender gap" sowie des "same-gender-voting" ein.
3. Methodik und Operationalisierung: Hier wird das methodische Vorgehen unter Nutzung der GLES-Wahlkampfstudien 2016 erläutert und die Variablen für die statistischen Analysen definiert.
4. Empirische Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der multinominalen logistischen Regressionen zur Wahlentscheidung und der logistischen Regressionen für die Wahl von Parteien mit weiblichen Spitzenkandidaten.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass in den untersuchten Landtagswahlen kein eindeutiger "modern gender gap" vorlag, während ideologische Faktoren eine zentrale Rolle spielten.
6. Appendix: Der Anhang enthält zusätzliche Tabellen und Darstellungen, die die im Hauptteil präsentierten Regressionsmodelle und Visualisierungen ergänzen.
Schlüsselwörter
Wahlverhalten, Geschlecht, Landtagswahlen, Modern gender gap, Same-gender-voting, Wahlentscheidung, Politische Selbsteinschätzung, Repräsentation, Parteienwahl, GLES, Statistische Analyse, Parteipräferenz, Wahlkampf, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob das Geschlecht einen kausalen Einfluss auf das Wahlverhalten bei den Landtagswahlen von 2016 in vier ausgewählten Bundesländern hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung fokussiert sich auf das geschlechtsspezifische Wahlverhalten, theoretisch gerahmt durch das Konzept des "modern gender gap" und den "same-gender-voting"-Ansatz.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es zu prüfen, ob Frauen eher progressivere Parteien wählen oder bei Vorhandensein einer weiblichen Spitzenkandidatin diese Partei bevorzugen, und inwieweit diese Effekte unter Berücksichtigung von Kontrollvariablen Bestand haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden quantitativ-empirische Methoden angewandt, primär multinominale logistische Regressionen und logistische Regressionsmodelle auf Basis der GLES-Wahlkampfstudien von 2016.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung, die methodische Operationalisierung, die Darstellung und Interpretation der empirischen Ergebnisse sowie eine abschließende Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wahlverhalten, Geschlecht, Landtagswahlen, Modern gender gap, Same-gender-voting und Repräsentation.
Warum konnte für Baden-Württemberg keine vollständige Analyse der Zweitstimmen durchgeführt werden?
Da in Baden-Württemberg in den Wahlkreisen nur der Kandidat gewählt wird und somit Landeslisten entfallen, ist die explizite Frage nach der Zweitstimme nicht im Datensatz enthalten.
Bestätigen die Ergebnisse die "modern-gender-gap"-Hypothese?
Nein, die Ergebnisse zeigen für die untersuchten Landtagswahlen keinen eindeutigen Effekt des Geschlechts auf die Wahl progressiverer Parteien unter Kontrolle weiterer Variablen.
Welchen Einfluss hat die politische Selbsteinschätzung auf die Ergebnisse?
Die politische Selbsteinschätzung erweist sich als zentraler Erklärungsfaktor, der das Wahlverhalten stärker beeinflusst als das Geschlecht der Wählerinnen und Wähler.
- Arbeit zitieren
- Max Krampert (Autor:in), 2019, Welchen Effekt hat das Geschlecht auf das individuelle Wahlverhalten in den Landtagswahlen von 2016?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141540