Le Rouge et le Noir: Die Beziehung zwischen Julien und Mathilde


Seminararbeit, 2005

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Julien und der Ergeiz
2.1. Juliens Schwierigkeiten sich zu verlieben
2.2. Juliens Minderwertigkeitsgefühl gegenüber der Aristokratie
2.3. Der Beginn von Juliens Feldzug
2.4. Die russische Politik
2.5. « Mon roman est fini »

3 Mathilde und die Flucht aus der Langeweile
3.1. Mathildes Liebe als Farce
3.2. Mathildes Liebe als Lebensinhalt

4 Exkurs: Das Heiratsverhalten der Aristokratie zu Stendhals Zeit und Rückbezüge zu Julien und Mathilde

5 De l’amour und die Arten der Liebe bei Mathilde und Julien
5.1. Das Herr Knecht Verhältnis
5.2. Mathilde und Madame de Rênal als Konkurrentinnen

6 Schluss

7 Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

Mit Le Rouge et le Noir tut Stendhal, der eigentlich Henri Beyle heißt, das Seinige dazu, um dem Realismus, genauer dem realistischen Roman, in Frankreich den Weg zu ebnen. Ein Thema, das zuvor niemals vorkam, nämlich das Leben eines bürgerlichen Helden, wird durch Stendhal etabliert. Der „kleine Mann“, dessen Dasein von Arbeit und somit vom Gelderwerb geprägt ist, gewinnt an Bedeutung. Die Wirklichkeit, die in das Leben der Menschen hineindringt und die Hindernisse, die den Plan des Protagonisten oftmals durchkreuzen, werden dargestellt. Der Roman soll zum Spiegel der Realität werden. Doch wie zeigt sich diese Prämisse in Le Rouge et le Noir ? Stendhal schreibt diesen Roman in einem Übergangsstadium von der Romantik zum Realismus, den er selbst noch nicht einmal so genannt hat. Er selbst weiß, dass er die Anforderung an den Roman, die Gesellschaft zu spiegeln, so wie sie ist, nicht immer erfüllt. Julien Sorel ist der Prototyp des Aufsteigers aus dem Proletariat, wie er typisch für die Epoche ist. Doch gleichzeitig findet man in ihm auch etwas Allgemeingültiges, etwas, das über die simple Figur hinausragt. Er ist ein Ausnahmemensch, der nicht einmal im Angesicht des Todes eine triviale Lösung sucht. Mathilde de La Mole bildet Juliens weibliches Pendant, was gerade die Beziehung der beiden zueinander so interessant macht. Auch sie dürfte es in der Zeit der Restauration streng genommen nicht geben. Die Seelengröße und Leidenschaften, die diese beiden Protagonisten auszeichnen, passen nicht in diese Zeit. Stendhal schreibt einerseits realistisch, andrerseits überhöht er Sachverhalte, um einen größeren Effekt zu erzeugen, was vor allem bei Mathilde und Julien klar wird. Doch trotz ihrer besonderen, romantischen Charaktere werden die Tiefe der menschlichen Seele, die psychologischen Komponenten, die das Handeln eines Menschen lenken, und auch dessen Umfeld, das ihn beeinflusst, bis ins Detail in der Liebesaffäre der beiden jungen Leute deutlich gemacht. Ihre Beziehung ist nicht linear, sondern von zahlreichen Faktoren bestimmt, die sie in ihren Gefühlen immer wieder hin und her werfen, was es nicht nur teilweise dem Leser, sondern auch manchmal ihnen selbst schwer macht, die Situation klar zu überblicken. Hilfreich ist es hierfür, sich mit der Motivation für die Liebesaffäre und den Lebensvorstellungen der Protagonisten, die in ihrem Charakter begründet sind, zu beschäftigen.

2 Julien und der Ergeiz

Der Proletariersohn Julien Sorel ist ein glühender Verehrer Napoleons und bedauert, nicht eine Generation früher geboren zu sein, um die Soldatenlaufbahn einschlagen zu können und durch eigene Leistung nach oben zu kommen, wie Bonaparte es vorgemacht hat. Da ihm, der zur Zeit der Restauration in Frankreich lebt, dieser Weg verschlossen bleibt, sieht er in der konservativen Gesellschaft, mit der er sich nicht identifizieren kann, nur den Weg der Heuchelei, um seine Ziele zu erreichen. Anfangs wählt er das Priesteramt für sich aus, bekommt dann aber die Möglichkeit, Hauslehrer und schließlich Sekretär zu werden. Mathilde de La Mole ist die zweite Frau, die ihn in seiner Karriere unterstützt, und mit der er aufgrund ihrer sozialen Stellung eine Liebesbeziehung eingeht. Gleichzeitig will Julien der Oberschicht beweisen, dass er genauso gut, wenn nicht sogar besser ist, als sie es sind, was er über die hochmütige und beliebte Mathilde bewerkstelligen will. Denn ihm ist jeder verhasst, von dem er sich verachtet oder geringschätzig behandelt fühlt. Liebe ist bei ihm bis kurz vor seinem Tod immer eine Mischung aus Kalkül und Leidenschaft, angetrieben von seinem Stolz und seinem Ehrgeiz.

2.1 Juliens Anstrengungen sich zu verlieben

Julien, der der blonden Mathilde, deren Haarfarbe bereits charakteristisch für eine adelige Herkunft ist, das erste Mal am Tage seiner Ankunft im Hôtel de La Mole beim Abendessen begegnet, ist eingenommen von all den neuen Eindrücken und schenkt ihr nur am Rande Aufmerksamkeit. Er bemerkt zwar ihre schönen Augen, ist jedoch noch weit davon entfernt, ihr mehr Beachtung zu schenken. Weder fühlt er sich von ihr angezogen, noch sieht sie in ihm mehr als einen einfachen Dorfjungen. Auch bei der zweiten, flüchtigen Begegnung in der Bibliothek wird noch einmal betont, dass Mathilde, deren Erscheinung als „dur, hautain et presque masculin“[1] beschrieben wird, Julien keineswegs gefalle. Als Mathilde Julien am nächsten Tag bei ihrem Eintreten in die Bibliothek in seinen Gedanken stört, heißt es von ihr: „[…] elle venait de sentir vivement qu’elle n’était rien pour ce jeune homme“[2].

Mathildes eigenartiger Blick, den sie Julien darauf am Esstisch schenkt, lässt diesen die Situation ziemlich präzise erkennen:

„Je n’ai pas été aimable pour elle ce matin, je n’ai pas cédé à la fantaisie qu’elle avait de causer. J’en augmente de prix à ses yeux. Sans doute le diable n’y perd rien. Plus tard, sa hauteur dédaigneuse saura bien se venger.“[3]

Es wird also deutlich, dass Mathilde keine Frau ist, die Julien sofort von sich überzeugen kann, vor allem auch da er sich von ihr durch ihren Hochmut abgewertet fühlt. Erst als er sich überlegt, ob sie nicht in ihn verliebt sein könnte, auch wenn er davon noch nicht überzeugt ist, kommt ihm der Gedanke, dass dies ein Spiel sein könnte. Juliens Stolz wird geschmeichelt, wenn ein so hohes Fräulein ihm lange Blicke zuwirft, was seinen Ehrgeiz weckt, weitere Bestätigungen zu bekommen. So macht er es sich zur Pflicht, Mathilde zu unterwerfen, indem sie sich in ihn verliebt.

Er selbst versucht gleichzeitig, sich von seinem Verliebtsein in Mathilde zu überzeugen, ja sich direkt dazu zu zwingen, indem er sich ihre körperlichen Vorzüge immer wieder vor Augen hält und ihrem Charakter mehr Tiefe zuschreibt als er wirklich besitzt. Gleichzeitig ist er von einer Verschwörung der jungen Adeligen gegen ihn überzeugt, die ihn in eine Falle locken könnten, sollte er sich Mathilde nähern. Als er deshalb eine Geschäftsreise antreten will, um dem Hause de La Mole für einige Tage zu entgehen, ist Mathilde stark betrübt und bittet ihn zu bleiben. In einem Brief erklärt sie ihm ihre Liebe und fordert ihn auf, nachts über eine Leiter in ihr Zimmer zu kommen. Julien zweifelt lange, ob er dem nachkommen soll, entschließt sich dann aber doch dazu, da er vor sich selbst und vor Mathilde nicht als Feigling gelten will. Er hat das Gefühl, mutig alles zu wagen, alles auf eine Karte zu setzten. Wie ein Feldherr plant er sein Vorgehen, wobei Leidenschaft, Ehrgeiz und Stolz ihn bald glauben machen, verliebt zu sein.

2.2 Juliens Minderwertigkeitsgefühl gegenüber der Aristokratie

Weshalb es Julien so wichtig ist, Mathilde zu unterwerfen, wird klar, wenn man sein Verhältnis gegenüber der Aristokratie genauer betrachtet.

Auf dem Ball des duc de Retz fällt Julien auf, wie sehr Mathilde von den anderen Gästen, vor allem von den Männern, bewundert wird, was zum Anlass für ihn wird, sich mit ihr zu beschäftigen. Er legt sich dies selbst als Pflicht auf, was seinen Ergeiz, seine Ziele zu erreichen, weiter anstachelt. Denn Julien, der wohl merkt, dass er in Verhalten, Sprache und Etikette dem Adel trotz aller Bemühungen nachsteht, sieht sich gerade in der Eroberung Mathildes über den Marquis de Croisenois, mit dem Mathilde vermählt werden soll, triumphieren. Denn in seinem Neid auf die Adeligen, für die Croisenois geradezu beispielhaft ist, die seiner Meinung nach vom Schicksal begünstigt sind, möchte er das haben, was sie haben wollen. Er eifert ihnen nach, versucht sogar, sie zu übertreffen, um so seine niedere Herkunft vergessen zu machen. Warum dies für ihn so wichtig ist, erklärt sich auch daraus, dass er in der eigenen Familie, die aus dem Vater und zwei älteren Brüdern besteht, nie wirklich dazu gehört hat. Der Vater verachtet ihn für seine intellektuellen Fähigkeiten und körperliche Schwäche. Die Brüder sind das genaue Gegenteil von ihm: ungebildet, stark, einfach. Nie hat er Liebe im Elternhaus erfahren und so auch nie etwas Positives in seinem einfachen Leben gefunden. Dadurch, dass er sich nun Croisenois als Vorbild und Konkurrenten auswählt, versucht er, ein besserer Dandy als dieser zu sein, was ihm auch immer besser gelingt, vor allem als Korasoff, ein russischer Adeliger, den er auf einer Reise kennen gelernt hat, ihm dabei Hilfestellung leistet. Julien wandelt sich im Laufe des Romans immer mehr vom einfachen Provinzler hin zu einem perfekten Dandy, was gleichzeitig eine immer größere Entfernung von seinen Ursprüngen und somit von seinem verhassten Vater bedeutet.

Er möchte Mathilde erobern, um sich mit dieser heldenhaften Tat, was es schließlich für ihn ist, sowohl über die unter ihm als auch über die Adeligen zu erheben, die keinen Grund mehr haben sollen, ihn als Plebejer zu verachten. Dies ist der zweite große Schritt, um nach oben zu kommen. Den Ersten hat Julien bereits im ersten Teil des Romans getan, als er sich über die Großbürger erhob, indem er seinem Brotgeber Monsieur de Rênal, der diese repräsentiert, die Frau verführt hat. Jetzt geht er noch weiter. Sein ganzes Unterfangen kommt für ihn einer Schlacht gleich. In diesem Zusammenhang fallen daher immer wieder Ausdrücke aus dem militärischen Bereich.

[...]


[1] Stendhal: Le Rouge et le Noir. Chronique de 1830. Préface, commentaires et notes de Michel Crouzet. Paris 1997. S. 248.

[2] Ebd., S. 301.

[3] Ebd., S. 304.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Le Rouge et le Noir: Die Beziehung zwischen Julien und Mathilde
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
Der französische Realismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V114157
ISBN (eBook)
9783640155798
ISBN (Buch)
9783640155910
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rouge, Noir, Beziehung, Julien, Mathilde, Realismus
Arbeit zitieren
Julia Przybilla (Autor), 2005, Le Rouge et le Noir: Die Beziehung zwischen Julien und Mathilde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114157

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