Das Katalanische - eine Minderheitensprache?


Seminararbeit, 2008
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Minderheitensprache - Eine Definition

3. Übertragung der Kriterien einer Minderheitensprache auf das Katalanische
3.1 Territoriale Kriterien - Sprachgebiet
3.2 Quantitative Kriterien - Sprecheranzahl
3.3 Politisch-rechtliche Kriterien - Amtssprache
3.4 Sprachliche Kriterien - Kodifizierung
3.5 Literarische Tradition
3.6 Das Katalanische - eine gefährdete Sprache?

4. Gesamtbewertung

5. Anhang

6. Bibliographie
6.1 Monographien
6.2 Sammelbände
6.3 Artikel in Sammelbänden
6.4 Online-Literatur
6.4.1 HTML-Dateien
6.4.2 PDF-Dateien

1. Einleitung

Gerade im immer weiter zusammenwachsenden Europa und insbesondere im Hinblick auf die dortige Sprachenvielfalt stellt der Gebrauch der individuell bevorzugten Sprache ein wichtiges Recht des Menschen dar.

Sprache spiegelt die Identität eines jeden von uns wider. Sie ermöglicht es, andere und uns selbst zu identifizieren, zu kommunizieren und uns auf die Welt um uns herum zu beziehen.

Viele der 720 Millionen Einwohner Europas befinden sich tagtäglich in zwei- oder sogar dreisprachigen Situationen. In Europa werden rund 90 Sprachen gesprochen, davon sind 37 anerkannte Nationalsprachen und 53 Sprachen gehören zu den sogenannten staatenlosen Sprachen, den Regional- oder Minderheitensprachen (vgl. Kelz/ Simek/ Zimmer 2001: 11).

Spanien ist in sprachlicher Hinsicht ein heterogener Staat. Neben der National- und Amtssprache Kastilisch existieren vier weitere Sprachen, die gemäß der spanischen Verfassung in ihrem jeweiligen Sprachgebiet als kooffiziell anerkannt sind: das Katalanische, das Baskische, das Galicische und seit 2006 auch das Aranesische. Etwa ein Viertel der Bevölkerung Spaniens spricht eine dieser Sprachen.

Von der Europäischen Union werden diese offiziell als Minderheitensprachen klassifiziert und durch die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen unter besonderen Schutz gestellt. Der Erhalt dieser Sprachen ist von höchster Wichtigkeit, da sie ein wertvolles kulturelles Erbe darstellen.

Das lang unterdrückte Katalanisch hat seit dem Ende des Franco Regimes immer mehr an Bedeutung gewonnen. Der Anteil der Katalanischsprecher in der Bevölkerung wurde durch die gezielt betriebene Sprachpolitik Kataloniens deutlich erhöht. Trotz seines offiziellen Status als Minderheitensprache belegte das Katalanische laut Informanten der UNESCO im Jahr 1994 den zehnten Platz der meistübersetzten Sprachen der Welt (vgl. Extebarria 2002: 134). Einer aktuellen Umfrage zufolge nimmt es momentan den 88. Platz unter den einhundert meistgesprochenen Sprachen der Welt ein (vgl. Generalitat de Catalunya 2007: „El catalán ocupa el puesto 88 en el ranking de las lenguas más habladas en el mundo“) und die Anzahl der Menschen, die Katalanisch sprechen, steigt weiter an. Außerdem stellt der Sprachpolitik-Bericht der Regierung Kataloniens aus dem Jahr 2001 das Anliegen, dem Katalanischen den Status einer offiziellen Amtssprache der Europäischen Union zukommen zu lassen, in den Mittelpunkt. Die katalanische Regierung vertritt den Standpunkt, dass Katalanisch keine Minderheitensprache sei und sich deutlich von anderen Minderheitensprachen wie z.B. dem Okzitanischen, dem Baskischen oder dem Walisischen, unterscheide (vgl. Philologische Fakultät Universität Düsseldorf 2003: „Katalanisch“).

In der vorliegenden schriftlichen Ausarbeitung möchte ich mich mit dieser kontrovers diskutierten Frage, ob es sich beim Katalanischen um eine Minderheitensprache handelt, die unter Schutz gestellt werden muss, auseinandersetzen. Dies soll im Folgenden anhand der zentralen Aspekte der Definition des Begriffs untersucht und das Resultat anschließend in Form einer Gesamtbewertung dargestellt werden.

2. Minderheitensprache - Eine Definition

Bevölkerungsgruppen, die sich durch eine eigene Sprache, Kultur und Geschichte, also durch eine eigene Identität von der Mehrheit der Bevölkerung in der sie leben, unterscheiden, werden als Minderheit angesehen (vgl. Waldmann 1975: 54ff). Haben diese Minderheitengruppen eine eigene Sprache, so bezeichnet man diese als ‚Minderheitensprache’.

„Innerhalb dieser weitgefassten Definition gibt es heute [...] zwei hauptsächliche Typen sprachlicher Minderheiten“ (Stephens 1979: 5). Zum einen Gemeinschaften, deren Sprache nicht die offizielle Sprache eines Staates ist. Hierbei handelt es sich eigentlich um eigenständige Nationen, die keiner ethnisch führenden Gruppe eines Staates angehören, wie beispielsweise die Basken in Spanien. Und zum anderen Gemeinschaften, die zwar, in den Staaten in denen sie leben, Minderheiten darstellen, deren Sprache allerdings in einem anderen Staat die Amtssprache ist. Als Beispiel hierfür wäre das Dänische in Schleswig-Holstein in Norddeutschland zu nennen (vgl. 5f).

Für den Begriff Minderheitensprache werden demnach auch oft andere Termini wie beispielsweise ‚lesser used language’, ‚staatenlose’ oder ‚ethnische’ Sprache verwendet. Ihr Pandon, die Mehrheitssprachen, werden auch als ‚dominante’, ‚National’- oder ‚Staatssprachen’ aufgeführt.

Die Ausbreitung der Schriftkultur, ausgehend von Gutenberg, führte zu grenzenlosem Austausch von Ideen und Waren, für den die sprachliche Vielfalt nur hinderlich war. Aufgrund dessen bildeten die führenden Vertreter der europäischen Staaten ihre jeweilige Standardsprache heraus (vgl. Kelz/ Simek/Zimmer 2001: 15). Durch die Bemühungen der Politik, einen homogenen Staat zu schaffen, kam es zur Entstehung und gleichzeitigen Unterdrückung der sogenannten Minderheitensprachen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Katalanische - eine Minderheitensprache?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V114170
ISBN (eBook)
9783640156474
ISBN (Buch)
9783640156504
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Katalanische, Minderheitensprache
Arbeit zitieren
Jochen Haag (Autor), 2008, Das Katalanische - eine Minderheitensprache?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114170

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