Die Entwicklung der türkischen Wirtschaft nach 1945


Hausarbeit, 2008

5 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1 Historische Entwicklungen seit der Gründung der Republik
2.2 Reformen in den 50er und 60er Jahren
2.3 Die Wende zur Marktwirtschaft
2.4 Die Wirtschaftskrise 2001

3. Das Ost-West-Gefälle

4. Literatur

1. Einleitung

Die Türkei – bekannt als das Land der Sonne, des Strandes, der reichen Kultur, des Tees, kurzum des Vergnügens.

Unabhängig von der Tatsache, dass der deutsche Tourist als Urlaubsziel gerne die Türkei wählt, ist auch bekannt, dass das Land seit der Jahrhundertwende in den Fokus der Wirtschaft gerückt ist. Viele Industrieunternehmen investieren in das Land, bringen dadurch Dynamik in die Wirtschaft, nutzen das vorhandene junge Humankapital.

In diesem Schriftzug soll die türkische Wirtschaft nach 1945 untersucht werden. Um die Entwicklung genauer verstehen zu können, ist das kurze Darlegen der Historie unabdingbar. Daher widmen wir unser Augenmerk zunächst der Zeit im Jahre 1923 und den darauf folgenden Jahren.

2.1 Historische Entwicklungen seit der Gründung der Republik

Mit der Ausrufung der türkischen Republik am 29. Oktober 1923 ging in die Geschichte des Türken eine radikale Veränderung einher: nach dem Zerfall des jahrhunderte lang währenden Systems des osmanischen Reiches wurde das Kalifat abgeschaffen und mit dieser Tatsache das Leben der Bevölkerung grundlegend umgewälzt.

Die vorherrschende wirtschaftliche Situation ergab folgende Bilanz: das hauptsächlich von der Agrarwirtschaft dominierte osmanische Reich hatte ein Bruttoinlandsprodukt von 300 US Dollar (gerechnet in den Preisen von 1990) zu verzeichnen.

70 Prozent des Nationaleinkommens machte die Landwirtschaft aus; ungefähr 80 Prozent der Bevölkerung war in diesem Sektor tätig. Lediglich 13 Prozent des Sozialprodukts machten Industrie und Handwerk aus.

Eine fehlende Infrastruktur und der Mangel an Fachpersonal und Technik kamen noch hinzu. „Ausländische Finanzhäuser dominierten das Bankwesen, und als Folge des Staatsbankrotts von 1875 hatte das Reich einen Teil seiner Finanz- und Rechtshoheit den europäischen Mächten übertragen.“ (cf. Steinbach, Udo, Auf dem Weg zu einer wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft, in Informationen zur politischen Bildung (Heft 277))

Aufgrund dieser verheerenden Situation machte es sich Mustafa Kemal zur Aufgabe den Wirtschaftssektor zu stärken, indem er den Staat als kontrollierende Instanz einsetzte. Somit wurde der „Etatismus“ eines der Grundprinzipien des Kemalismus.

2.2 Reformen in den 50er und 60er Jahren

Der strikte Fiskus wurde mit der Einführung einer liberalen Wirtschaftspolitik unter Adnan Menderes in den fünfziger Jahren gelockert: man förderte den privaten Sektor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In diese Zeitperiode fällt auch die Gründung von größeren Unternehmen und insbesondere Holdings. Durch die Mechanisierung konnte man ein jährliches Wachstum von 8 Prozent feststellen.

1956, zu Zeiten der Suezkrise und des daraus resultierenden Ölboykotts der arabischen Staaten gegen London und Paris, kam es auch in der Türkei zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten: einem Abflachen des Wachstums. Mit der extremen Inflation ging somit auch die Wirtschaftskrise einher. Im Anbetracht dieser Situation war die Türkei ratlos, da es ihr an guten Ökonomen fehlte.

Um diese Laissez-faire-Haltung zu ändern, wurden in den Sechszigern 5-Jahres-Pläne durch regierungsnahe Organisationen erstellt. Diese Steuerfunktion führte erneut zu einem starken staatlichen Sektor.

2.3 Die Wende zur Marktwirtschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anfang der Neunziger, mit der Amtsperiode der 45. Regierung unter Turgut Özal machte die türkische Republik einen entscheidenden Schritt in Richtung der freien Marktwirtschaft: der Wirtschaftsfachmann Özal machte den ersten bedeutenden Schritt vom Etatismus in den Neoliberalismus; er förderte stark den privaten Sektor und startete Projekte zum Ausbau der Infrastruktur. Besonders erwähnenswert sind seine Staudammprojekte, mit denen er erreichen wollte, dass Wasser und Energie für Industrie und Landwirtschaft in alle Teile des Landes zu günstigen Preisen fließen.

Trotz Widerstände gegenüber Privatisierungen hat Özal mit seinen Reformen grundlegende Bausteine zum Ausbau der türkischen Marktwirtschaft gelegt.

2.4 Die Wirtschaftskrise 2001

Die negative Entwicklung der Inflationsrate in der zweiten Hälfte der 90er Jahre und die wachsende Zahl der Arbeitslosen (s. Abb.) waren kein gutes Omen für die weitere Entwicklung der Wirtschaft; entsprechend war eine relativ volatile Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten zu beobachten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Entscheidend war der Zusammenbruch des türkischen Bankensystems im Frühjahr 2001: die Türkei stürzte in eine schwerwiegende Wirtschaftskrise. Die tief greifende Finanzkrise führte zur schärfsten Rezession seit 1945 (Bruttosozialprodukt-Rückgang um 9,5 Prozent); das Bruttoinlandsprodukt sank auf 2.123 US Dollar. (cf. www.auswaertiges- amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Tuerkei/Wirtschaft.html; Stand: November 2007)

Die Türkei stand kurz vor einem Staatsbankrott. Mit einem schweren Beistandskredit vom Internationalen Währungsfonds (IWF) erholte sich die türkische Wirtschaft im Laufe der Zeit. Die Auflagen verlangten, was auch die Europäische Union von ihrem Beitrittskandidaten fordert: mehr Liberalität in Bezug auf die Marktwirtschaft, weniger

Einfluss des Fiskus auf die Wirtschaft und eine Zulassung und Unterstützung eines des Wettbewerbs.

Die vom IWF erzwungenen Reformen haben für eine Beendigung der langjährigen Volatilität gesorgt eine reale positive Entwicklung in der Wirtschaft hervor gebracht. Und die Ergebnisse sehen wie folgt aus: seit 2002 ist ein Wirtschaftswachstum von bis zu 8 Prozent ersichtlich, „die Verschuldung des Staates ist seit 2001 von 94 Prozent am BIP auf 70 Prozent zurück gegangen, die Neuverschuldung des Staates von 21 Prozent am BIP auf 7 Prozent und die Inflation ist mit zuletzt weniger als 10 Prozent so niedrig wie seit dreißig Jahren nicht.“ (cf. www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274; Stand: 2004)

2004 sagte der BGA-Präsident Anton Börner: „Die Türkei ist heute eine Marktwirtschaft.“ (cf. www.faz.net./s/RubC94011...; Stand: 28 September 2004)

Sobald sich die Türkei von der schweren Krise aus dem Jahre 2001 erholt hat, wurde in den Außenhandel investiert. Insbesondere ist seit 2005 ein deutlicher Anstieg zu beobachten.

Die Wirtschaftspolitik der letzten Jahre hat viel Positives hervor gebracht: der BIP beträgt inzwischen 300 Mrd. Euro; das Wirtschaftswachstum liegt mit Raten oberhalb von 4 Prozent; die Inflationsrate ist entsprechend dem europäischen Durchschnitt unter der 10 Prozent-Grenze; die Geldentwertung sank deutlich; der Verfall der türkischen Lira ist – trotz gelegentlicher Rückschläge – gestoppt.

Betrachtet man die Wertschöpfung des Landes so erkennt man, dass der tertiäre Sektor mit 60 Prozent den überwiegenden Teil ausmacht. Aus diesem Dienstleistungssektor geht sehr stark die Tourismusbranche hervor: Side, Antalya, Istanbul – diese Städte sind äußerst bekannt.

Schließlich hat die Türkei dem Marmararaum 40 Prozent der Wertschöpfung zu verdanken. Die Industrien sind regional unterschiedlich vertreten und wichtig: zum einen der Großraum Ankara und das dynamische Zentrum Istanbul, das Handelszentrum Izmir mit dem größten Containerhafen, Antalya als Touristenhochburg und der Schwarzmeerraum.

Die Türkei verfügt über diverse Anbaumöglichkeiten: Tee, Baumwolle, Oliven u.ä. Wichtig ist die Textilindustrie, dessen Produkte in europäische Länder wie z.B. Deutschland exportiert werden.

3. Das Ost-West-Gefälle

Die positiven Entwicklungen seit der Jahrhundertwende haben sich allerdings noch nicht mit derselben Dynamik auf die südöstlichen Gebiete der Türkei ausgewirkt. Zwar zeigte der Reformweg der jetzigen Regierung ein relativ deutliches Profit für den Osten, aber die Kluft zwischen den Regionen ist weiterhin noch vorhanden.

Die dort ansässige Bevölkerung lebt vorwiegend von der Agrarwirtschaft. Die Weltbank gibt an, dass 40 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig sind und einen Beitrag von 12 Prozent zum BSP leisten.

Die Infrastruktur des Südostens bedarf größerer Veränderungen. Die schon in den 80er Jahren begonnenen und insbesondere in der Özal-Ära stark unterstützten Staudammprojekte, weitere Kraftwerke, Elektrifizierung, Bewässerungsanlagen und ähnliche Arbeiten dauern an.

Als eine Deutsche mit türkischen Wurzeln möchte ich positiv denken und behaupte,] dass die Beitrittsbestrebungen in die EU der Türkei schon bald den letzten und entscheidenden Aufschwung geben und diese in die „Liga der industriellen Starken“ aufsteigen wird.

Hildesheim, 07.04.2008

4. Literatur

- Die wirtschaftliche Situation, aus: Politik und Zeitgeschichte B 13-14/2001, 2001
- Auf dem Weg zu einer wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft, Udo Steinbach, www.bpb.de/publikationen/7LQ8A3.html
- Türkei: Wirtschaftliche Stabilisierung und kontinuierliche Reformbemühungen, Peter Schrick-Hildebrand, 2007
- IHK – Länderschwerpunkt Türkei, bfai, Köln; AHK Istanbul; DEG, Köln, 2007
- Türkei – Beitritt bringt prächtige Perspektive, Wirtschaft, aus: www.faz.net, 28.
September 2004
- Türkei-Wirtschaft, November 2007, www.auswaertiges- amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Tuerkei/Wirtschaft.html
- Die zwei Gesichter der türkischen Wirtschaft, Wirtschaft, aus: www.faz.net, 04.
Oktober 2004
- www.tuik.gov.tr
- Die Türkei im Soge der schweren Wirtschaftskrise, Neue Zürcher Zeitung, Ressort Ausland, 16. März 2001, Nr.63, Seite 9
- Finanzmarktbericht am 9. November 2007, Info (at) Turconomics.com
- Titelbild:http://www.yased.org.tr/webportal/Turkish/yoic/Turkiyedeyatirimortami/ PublishingImages/turkiye.gif

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der türkischen Wirtschaft nach 1945
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
5
Katalognummer
V114177
ISBN (eBook)
9783640156535
ISBN (Buch)
9783656489368
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Wirtschaft
Arbeit zitieren
Yasemin Ciftci (Autor), 2008, Die Entwicklung der türkischen Wirtschaft nach 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114177

Kommentare

  • hakan okay am 20.3.2011

    Merhaba Yasemin Hanım,
    "Die Entwicklung der türkischen Wirtschaft nach 1945" isimli ödeviniz hakkında bir kaç sorum olacaktı, acaba benimle irtibat kurmanız mümkün müdür?
    Saygılarımla,
    Hakan OKAY
    hakanokay@superonline.com .

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