Diese Arbeit konzentriert sich auf die Theorie des Lebenslaufs und der Biografie unter Berücksichtigung der besonderen Rolle der Sozialen Arbeit in der Bearbeitung von Biografien. Primär werden in diesem Zusammenhang die Biografiezität und die Biografiearbeit/-forschung betrachtet. Die folgende Ausarbeitung stellt zudem Chancen und Risiken von Übergänge im Lebenslauf und der Biografie eines Individuum dar und beschreibt die Bedeutung von Übergangsregimes für die Entscheidungen der Individuen und die Bewältigung von Übergängen.
Wie lassen sich Biografie und Lebenslauf voneinander abgrenzen? Wie gestalten sich Übergänge in Lebenslauf und Biografie und welche Probleme können auftreten? In welche Übergangsregimes sind verschiedene Individuen verstrickt und wie werden ihre Entscheidungen durch die unterschiedlichen Strukturen beeinflusst? Diese Forschungsfragen sollen im Verlauf dieser Arbeit beantwortet werden.
Unter der Fragestellung, welche Bedeutung die Biografie und der Lebenslauf für das Individuum haben, wird zunächst auf die zentralen Punkte der Biografie eingegangen eingegangen. Zusätzlich wird die Stellung der sozialen Arbeit in der Biografie eines Individuums beleuchtet. Anschließend wird näher auf den Begriff des Lebenslaufs eingegangen und wie sich dieser vom Begriff der Biografie unterscheidet. In Kapitel 3 werden weitergehend die Chancen und Risiken von Übergängen im Lebenslauf eines Subjekts diskutiert. In einem letzten Schritt werden die Übergangregimes dargestellt, Die Arbeit schließt in Kapitel 4 mit einer Diskussion der gewonnenen Erkenntnisse und einem Ausblick auf weitere Fragestellungen ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie der Biografie
2.1 Einführung in die Begrifflichkeit
2.2 Biografie als Soziales Konstrukt in der biografischen Arbeit
2.3 Biografieforschung als Teildisziplin in der Erziehungswissenschaft
2.4 Professionelle Biografiearbeit und -forschung in der Sozialen Arbeit
3. Theorie des Lebenslauf
4. Übergänge in Biografie und Lebenslauf
5. Lebenslaufregimes
6. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Wechselspiel zwischen dem institutionalisierten Lebenslauf und der subjektiven Biografie, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Rolle der Sozialen Arbeit bei der Begleitung von Übergangsprozessen liegt. Zentral ist die Frage, wie Individuen in der modernen Gesellschaft ihre Lebensverläufe unter dem Einfluss gesellschaftlicher Strukturen konstruieren, bewältigen und reflektieren.
- Theoretische Grundlagen von Biografie und Lebenslauf
- Individualisierung und Entstandardisierung von Lebensläufen
- Herausforderungen und Bewältigungsstrategien bei Übergängen
- Die Rolle der Sozialen Arbeit und professioneller Biografiearbeit
- Internationale Typologien von Übergangsregimes
Auszug aus dem Buch
2.4 Professionelle Biografiearbeit und -forschung in der Sozialen Arbeit
Biografie erlangt in der Sozialen Arbeit eine zentrale Bedeutung für das eigene professionelle Handeln. SozialpädagogenInnen sind in ihrem Berufsfeld stets mit „biografischen Äußerungen“ ihrer Klienten konfrontiert, weshalb „sich in der Sozialen Arbeit Settings herausgebildet [haben], in denen explizit auf die Biografie Bezug genommen und Biografie gestaltet wird“ (Jakob 2011, S. 198). Dies liegt darin begründet, dass die AdressatenInnen Rückgriffe biografischer Erzählungen zur Orientierung in Entscheidungssituationen heranziehen und individuelle Problemlagen auf zurückliegende Erfahrungen und Erlebnissen stützen. Soziale Arbeit trägt laut Jakob zur aktiven Gestaltung von Biografie bei: „Sozialpädagog(inn)en sind dabei nicht nur ‚neutrale’ Beobachter biografischer Prozesse, sondern sind an der Konstruktion von Biografien beteiligt. Professionelle Interventionen wie die Entscheidung für eine erzieherische Maßnahme, institutionelle Vorgaben, an denen sich die Adressaten(innen) orientieren müssen, und Deutungsmuster die von ihnen übernommen werden, greifen massiv in die Biografieverläufe ein.“ (ebd.).
Soziale Arbeit nimmt also Eingriffe in die Biografieverläufe durch professionelle Interventionen vor. Dies tut sie u.a. durch, den von Hahn geprägten Begriff, von sogenannten „Biographiegeneratoren“ (vgl. stellvertretend Hahn 1988; Hahn 2000). Er versteht darunter bestimmte Medien oder Institutionen (Institutionsgeneratoren), die die Individuen dazu bringen und nötigen, Bilder, Gedanken und Eindrücke hervorzuholen und zu erzeugen, um über die eigene Biografie nachzudenken (vgl. ebd. 2000, S. 100f.). Professionelles Handeln berücksichtigt die Klärung, in welchen konkreten Gestaltungssituationen (Biographiegeneratoren) sich Soziale Arbeit mit Biografie und Lebenslauf konfrontiert sieht. Sie nimmt beispielsweise Einfluss auf den Verlauf der Klienten in der Fallanalyse, in Diagnostischen Prozessen, Hilfeplanverfahren in der erzieherischen Hilfe, Beratungskontexten, Therapienahen Handlungsbereichen, Professionellen Interventionen, usw. Viele sozialpädagogische Entscheidungen werden somit als Deutungsmuster von AdressatenInnen übernommen, wodurch massiv in die Biografie des Klienten eingegriffen wird (vgl. Jakob 2011, S. 198).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz von Biografie und Lebenslauf ein und definiert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der Gestaltung von Übergängen und der Rolle der Sozialen Arbeit.
2. Theorie der Biografie: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Biografie als soziales Konstrukt und beleuchtet die Bedeutung von Biografiearbeit als Prozess der Identitätsfindung und Wissensgenerierung.
3. Theorie des Lebenslauf: Hier wird der Lebenslauf als institutionalisiertes und normativ beeinflusstes Konzept vom Begriff der Biografie abgegrenzt und seine Funktionen für Gesellschaft und Individuum analysiert.
4. Übergänge in Biografie und Lebenslauf: Dieses Kapitel thematisiert die Komplexität von Teilübergängen (wie Schule, Beruf, Geschlecht) und die zunehmende Entstandardisierung der Lebensläufe durch sogenannte Yoyo-Übergänge.
5. Lebenslaufregimes: Die Arbeit stellt vier internationale Typologien von Übergangsregimes vor, die aufzeigen, wie wohlfahrtsstaatliche Strukturen die Möglichkeiten und Risiken für Jugendliche beeinflussen.
6. Schlussbetrachtung und Ausblick: Das Fazit fasst die Bedeutung von Biografie und Lebenslauf für die Soziale Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung zukünftiger lebensweltorientierter Studien.
Schlüsselwörter
Biografie, Lebenslauf, Soziale Arbeit, Biografiearbeit, Übergänge, Übergangsregimes, Biografizität, Identität, Normallebenslauf, Entstandardisierung, Yoyo-Übergänge, Lebenslaufstrukturen, Fallanalyse, Sozialisation, Bildungsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen und praktischen Verflechtungen von Biografie und Lebenslauf, insbesondere unter der Perspektive, wie Soziale Arbeit auf diese Prozesse Einfluss nimmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Lebensgeschichten, die Institutionalisierung von Lebensläufen, die Dynamik von Übergängen im Lebensverlauf sowie internationale Übergangsregimes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Dialektik zwischen institutionalisierten Lebenslaufvorgaben und individuellen biografischen Konstruktionen zu verstehen und zu zeigen, wie Fachkräfte in der Sozialen Arbeit diese Übergänge professionell begleiten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis bestehender Literatur (wie Walther/Stauber, Meulemann, Jakob) Konzepte der Biografieforschung und Übergangsforschung zusammenführt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Biografie und Lebenslauf, die Analyse komplexer Teilübergänge (z.B. Übergang von Schule in Beruf) und die Einordnung in internationale Übergangsregimes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Biografiearbeit, Yoyo-Übergänge, Entstandardisierung, Übergangsregimes und die professionelle Interventionsrolle der Sozialen Arbeit.
Was versteht man unter "Biographiegeneratoren" im Kontext der Sozialen Arbeit?
Dies sind Medien oder Institutionen, die Individuen dazu anregen oder nötigen, ihre eigene Biografie zu reflektieren und diese aktiv zu gestalten, was professionelles Handeln maßgeblich beeinflusst.
Warum wird der "Normallebenslauf" in der modernen Gesellschaft kritisch betrachtet?
Aufgrund von Pluralisierung, Flexibilisierung und der Entstandardisierung lässt sich der Lebenslauf heute nicht mehr in starre, nacheinander ablaufende Phasen (Kindheit, Erwerbsleben, Rente) unterteilen, was die Theorie des Normallebenslaufs zunehmend obsolet macht.
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- Meryem Akcay (Autor:in), 2017, Theorie des Lebenslaufs und der Biografie. Theorien der Sozialpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141860