Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den moralischen Prinzipien in Jeremy Benthams Werk "An Introduction to the Principles of Morals and Legislation" (IPML) und untersucht, wie diese für die moralische Berücksichtigung von Tieren eingesetzt werden können. Dazu werden zunächst die in diesem Zusammenhang relevanten Aspekte aus IPML vorgestellt. Anschließend werden diese für eine utilitaristische Bewertung des Verzehrs von Schweinefleisch in Deutschland herangezogen.
Im Bereich der Tierethik gibt es verschiedene Ansätze, die auf unterschiedliche Art und Weise nach einem moralisch gerechten Umgang mit Tieren suchen. Einer dieser Ansätze beruht auf utilitaristischer Basis und lässt sich auf den klassischen, hedonistischen Utilitarismus nach Jeremy Bentham (1748-1832) zurückführen. Bentham, der Jurist und Philosoph war, strebte danach, die gesellschaftlichen Institutionen des damaligen Englands auf ethischer Grundlage zu reformieren. Seine diesbezüglichen Ideen veröffentlichte er 1789 in seinem Buch "An Introduction to the Principles of Morals and Legislation", das zu einem Meilenstein der praktischen Philosophie wurde und viele spätere PhilosophInnen beeinflusste.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Benthams Principle of Utility
3. Eine Utilitaristische Bewertung des Verzehrs von Schweinefleisch
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis von Jeremy Benthams utilitaristischen Prinzipien, inwiefern der Verzehr von Schweinefleisch aus konventioneller Tierhaltung moralisch vertretbar ist. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Abwägung von menschlichem Genuss gegenüber dem Leid, das Tieren und Beschäftigten in der Fleischindustrie durch die derzeitigen Produktionsbedingungen zugefügt wird.
- Grundlagen des klassischen, hedonistischen Utilitarismus nach Jeremy Bentham
- Anwendung des Prinzips der Nützlichkeit auf die industrielle Tierhaltung
- Analyse des industriellen Schlachtprozesses und der damit verbundenen Leidensfähigkeit
- Kritische Beleuchtung der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie
- Bewertung von Fleischalternativen als Handlungsoption zur Schadensminimierung
Auszug aus dem Buch
3. Eine Utilitaristische Bewertung des Verzehrs von Schweinefleisch
Wie in Kapitel zwei dargestellt, basiert Benthams Principle of Utility auf der Annahme, dass Freude und Leid die ursprünglichen Motivatoren des menschlichen Handelns sind. Diese Annahme lässt sich auch mehr als 240 Jahre nach dem Verfassen von IPML noch vertreten, denn Erkenntnisse der modernen Neurowissenschaft stützen diese Annahme auf empirischer Ebene. „Sie [Pleasure and Pain] bilden, wie die psychologische Emotionsforschung heute belegen kann, den Kern unseres Bewusstseins und unserer Gefühlswelt. Dies gilt kulturübergreifend für alle Menschen und von Geburt an.“13 Relevant für die vorliegende Hausarbeit ist hier, dass sich dieses Prinzip auch auf nicht-menschliche Lebewesen anwenden lässt. Denn wie aus einer Fußnote in IPML hervorgeht14, war sich Bentham vollkommen bewusst, dass auch Tiere, sofern ihnen Leidensfähigkeit bzw. das Empfindungsvermögen von Freuden zugestanden werden können, in diesem Prinzip berücksichtigt werden müssen:
„It may come one day to be recognized, that the number of the legs, the villosity of the skin, or the termination of the os sacrum, are reasons equally insufficient for abandoning a sensitive being to the same fate [to be abandoned without redress to the caprice of a tormentor]. […] the question is not, Can they reason? nor, Can they talk? but, Can they suffer?“ – Bentham, Chapter XVII, Footnote a in Section IV.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der industriellen Nutztierhaltung ein und stellt die Relevanz einer utilitaristischen Betrachtung des Fleischkonsums im Kontext tierethischer Fragestellungen dar.
2. Benthams Principle of Utility: Dieses Kapitel erläutert die moralphilosophischen Grundlagen von Jeremy Benthams Nützlichkeitsprinzip und dessen Fokus auf die Maximierung von Freude bei gleichzeitiger Minimierung von Leid für alle betroffenen Individuen.
3. Eine Utilitaristische Bewertung des Verzehrs von Schweinefleisch: Der Hauptteil wendet das Nützlichkeitsprinzip konkret auf die Bedingungen der konventionellen Schweinehaltung, der industriellen Schlachtung und der Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie an.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Konsum von Fleisch aus konventioneller Herstellung nach utilitaristischen Maßstäben negativ zu bewerten ist und fordert eine Abkehr hin zu leidfreieren Alternativen.
Schlüsselwörter
Utilitarismus, Jeremy Bentham, Tierethik, Schweinefleisch, Principle of Utility, konventionelle Tierhaltung, industrielle Schlachtung, Freude-Leid-Bilanz, Fleischverzehr, Tierwohl, Arbeitsbedingungen, Fleischindustrie, Ersatzprodukte, moralische Bewertung, Leidensfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der moralischen Bewertung des Fleischkonsums – speziell von Schweinefleisch aus konventioneller Tierhaltung – anhand der utilitaristischen Ethik von Jeremy Bentham.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen Benthams Theorie des Nützlichkeitsprinzips, die ethischen Implikationen industrieller Tierhaltung, die Bedingungen in Schlachtbetrieben sowie die soziale Komponente der Arbeitsverhältnisse in dieser Industrie.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch die Anwendung des Benthams Prinzip der Nützlichkeit zu beurteilen, ob der Genuss von Fleisch das damit verbundene Leid von Tieren und Menschen rechtfertigen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der utilitaristischen Analyse, indem sie Handlungsoptionen anhand der Kriterien für Freude und Leid bei allen betroffenen Individuen quantitativ und qualitativ bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Praxis der Schweinehaltung und die industriellen Schlachtprozesse sowie die daraus resultierenden Leiden, stellt diesen die Freuden des Fleischverzehrs gegenüber und diskutiert pflanzliche Alternativen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Utilitarismus, Tierethik, Leidensfähigkeit und Freude-Leid-Bilanz geprägt.
Warum spielt das Schreddern von Küken eine Rolle für die Einleitung?
Es dient als aktueller gesellschaftlicher Aufhänger, um die grundlegende ethische Frage zu verdeutlichen, wie wir mit Tieren umgehen und wo die moralischen Grenzen in der industriellen Landwirtschaft liegen.
Welche Bedeutung kommt den Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie zu?
Die Arbeit zeigt auf, dass nicht nur Tiere unter der industriellen Produktion leiden, sondern durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse in Schlachthöfen auch menschliches Leid entsteht, das in eine vollständige utilitaristische Bilanz einfließen muss.
Ist das Töten von Tieren laut Bentham immer falsch?
Nein, Bentham selbst sah das Töten von Tieren nicht pauschal als moralisch falsch an, jedoch argumentiert die Arbeit, dass die konsequente Anwendung seines Prinzips heute eine stärkere Berücksichtigung tierischer Interessen erfordert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Moralische Prinzipien nach Jeremy Bentham im Hinblick auf den Umgang mit Tieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141909