Pädagogisches Experiment und Unterrichtspraxis


Skript, 1998

20 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Kapitel: Pädagogisches Experiment und Unterrichtspraxis

1. Nennen und skizzieren Sie ein frühes Beispiel zur experimentellen sonderpädagogischen Forschung.

Der Göttinger Psychologe Heinrich Dücker (1898-1986) untersuchte, warum fortlaufende Tätigkeiten, wie Fließbandarbeit oder das Lösen einfacher Rechenaufgaben, trotz höherer Leistung weniger anstrengen, wenn ein Arbeitstakt oder Arbeitstempo vorgegeben wird. Seine These besagt, daß ein Arbeitender seine Aufgabe schneller und leichter löse, wenn er ein Arbeitstempo vorgegeben bekomme ("zwangsläufige Arbeitsweise" = ZA), als wenn er sich selber überlassen würde ("freie Arbeitsweise" = FA).

a) Was sollte gefördert werden, bzw. was wurde gefördert?

Mit Hilfe der zwangsläufigen Arbeit sollte die Arbeitsleistung der willensschwachen Hilfsschüler bei einfachen Tätigkeiten auf annähernd normale Leistung gefördert werden.

b) Wie war das Experiment aufgebaut?

Seine Probanden, im Alter von 9 bis 13 Jahren, sollten an bis zu 40 Tagen, an einem fortlaufenden Papierband jeweils 15min lang durch zwei übereinanderliegende Punkte Kreise ziehen.

c) Was bewirkt ZA gegenüber FA?

Durch die Vorgabe des Arbeitstempos ist eine geringere eigenständige Willensaktivierung nötig, so daß die psychische Anspannung verringert wird und der Arbeitende freier und effizienter arbeiten kann.

d) Wie wirkt sich ZA auf FA aus?

Die ZA wirkt sich positiv auf die FA aus, da durch die zwangsläufig vermittelten Erfolgserlebnisse das notwendige Selbstvertrauen für die Willensbildung und das planvolle und selbständige Handeln vermittelt wird. Durch diese erlangten Fähigkeiten steigert sich die Leistung in der "freien Arbeitsweise".

2. Was ist eine wissenschaftliche Theorie und welches Verhältnis haben Forschung, Theorie und Praxis zueinander?

Die wissenschaftliche Theorie ist die geordnete Form von Phänomenen, Erkenntnissen und formulierten Regelhaftigkeiten. Sie ist die logische, in abstrakte Begriffe gefaßte, Rekonstruktion des Erfahrbaren.

Forschung, Theorie und Praxis stehen zwar in einem Spannungsverhältnis, sind aber nicht voneinander zu trennen. Die Forschung ist dabei der Übergang von der Praxis zur Theorie. Sie versucht das im Alltag erlebte in Experimenten nachzuvollziehen und die Ursachen zu erkennen und zu begründen.

3. Was ist eine empirische Objekttheorie?

Die empirische Objekttheorie ist eine wissenschaftliche Aussage, die durch Experimente und bewiesene Erkenntnisse fundiert wird. In vielen Fällen werden durch die Objekttheorie Beziehungen von Sachverhalten oder Gegenständen beschrieben. Dabei muß jedoch stets der jeweilige Geltungsbereich in der Formulierung zu erkennen sein.

4. Was ist eine induktive Verallgemeinerung?

Bei einer induktiven Verallgemeinerung wird von Einzelfällen auf die Gesamtheit geschlossen, z.B. wenn man die Gesamtheit nicht vollständig überprüfen kann.

Beispiel: Beim induktiven Denken wird eine Regelhaftigkeit erkannt, z.B. vier beobachtete Schwäne sind weiß, bei einer induktiven Verallgemeinerung würde man daraus schließen, daß alle Schwäne weiß sind.

5. Was ist grundlagenorientierte und was ist technologische Forschung? (Stichwort: Die 6 Stufen von Hilgard)

Grundlagenorientierte Forschung: beinhaltet vorallem die Frage nach den lernpsychologischen Grundvorraussetzungen der Kinder (Welche Voraussetzungen haben die Kinder? Wie lernen sie?) Somit werden die Grundlagen ermittelt, um z.B. daraus Experimente zu entwickeln und Theorien zu formulieren.

Stufen nach Hildgard:

- Stufe 1 (ohne direkte pädagogische Relevanz):

z.B. Tierversuche zum Labyrinthlernen, Lernen von Folgebewegungen

- Stufe 2 (pädagogisch relevante Gegenstände oder Themen):

verbales Lernen, Begriffsbildung usw.

- Stufe 3 (für die Schule relevante Gegenstände oder Themen):

Mathematik, Lesen usw.

Technologische Forschung: ist die Forschung zur Entwicklung bestimmter Verfahren zur Erlernung von Wissen und Fertigkeiten.

Stufen nach Hildgard:

- Stufe 4 (Laborversuche und Erprobung in Klassen mit instruierten Lehrkräften):

z.B. Sprachlabor im Frühstadium

- Stufe 5 (Unterrichtsversuche in "normalen Klassen"):

Überprüfung der Ergebnisse von Stufe 4 unter üblichen Bedingungen

- Stufe 6 (Befürwortung und Übernahme von Bewährtem):

Vorbereitung von Hand- und Lehrbüchern, Eingang in die Lehrerausbildung

6. Was ist Apitude - Treatment - Interaction Forschung (ATI-Forschung)? Bringen Sie ein Beispiel!
Die ATI-Forschung ist die Erforschung von Wechselwirkungen zwischen Behandlungsmethode und Schülermerkmalen. So kann eine bestimmte Lernmethode bei guten Schülern keinen Erfolg aufweisen, wobei hingegen bei schwachen Schülern sehr gute Erfolge erzielt werden.

Beispiel: Die Studie von N. Bennett, 1979, zu "Unterrichtsstil und Schülerleistung"

I. Kapitel: Problematische pädagogische Denkgewohnheiten und experimentelles Arbeiten in der Sonderpädagogik

7. Worin unterscheiden sich pädagogische Alltagstheorien von wissenschaftlichen Theorien?

Den pädagogischen Alltagstheorien liegen oftmals zuwenig empirische Forschungsergebnisse zugrunde, so daß Praxiserfahrungen einzelner und pädagogisches Alltagswissen in vielen Fällen hingenommen werden und nicht kritisch hinterfragt werden.

Die wissenschaftlichen Theorien (im Bereich von Erziehung und Unterricht) sind dagegen bei Angabe der Forschungsmethode nachprüfbar. Sie gelten als unabhängig vom Forscher, haben jedoch den Charakter des Vorläufigen.

8. Was wissen Sie über die "Hemmungstheorie" und was über die "Schonraumtheorie?"

Die Hemmungstheorie besagt, daß gute und schlechte Schüler deshalb voneinander getrennt werden müßten, da weniger gute Schüler die besseren an ihrem Lernfortschritt hindern bzw. hemmen. Durch die Separierung sollen leistungshomogene Gruppen gebildet werden und somit eine Bildungselite herangezogen werden. Jedoch steht im Gegensatz zu dieser Theorie das Wissen, daß sorgfältig angelegte Längsschnittanalysen zur Begabungs- und Leistungsentwicklung keine langfristigen Erfolgsprognosen erlauben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Pädagogisches Experiment und Unterrichtspraxis
Hochschule
Universität zu Köln  (Heilpädagogisches Institut)
Veranstaltung
Methodologie (Lernbehindertenpädagogik)
Note
gut
Autor
Jahr
1998
Seiten
20
Katalognummer
V1142
ISBN (eBook)
9783638107150
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fragen- und Antwortenkatalog.
Schlagworte
Pädagogisches, Experiment, Unterrichtspraxis, Methodologie
Arbeit zitieren
Marcus Knops (Autor), 1998, Pädagogisches Experiment und Unterrichtspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1142

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