Am 14.Juli 1933 wurde das Erbgesundheitsgesetz verabschiedet und am 1. Januar 1934 trat es in Kraft. Dieses Gesetzt führte dazu, dass mit der, durch das Erbge-sundheitsgesetz legitimierter Zwangsterilisation ca. 400000 Menschen unfruch-tbar gemacht worden sind.2 Dieses Gesetzt erlaubte nicht nur die Zwangssterilisa-tion hunderttausender Menschen, sondern mündete letztlich in die sogenannte „Euthanasie“ – die systematische Vernichtung lebensunwerten Lebens. Es wird also deutlich, dass sich das Thema der vorliegenden Arbeit mit der Ge-sundheitspolitik im Nationalsozialismus beschäftigt. Aufgrund des vorgegebenen Rahmens ist es aber nicht möglich eine ausführliche Darstellung des Themas „Ge-sundheitspolitik im Nationalsozialismus“ wiederzugeben. Aus diesem Grund be-handelt die Arbeit ausschließlich die Zeit von 1933 (mit Verabschiedung des Erb-gesundheitsgesetzes) bis 1939 (mit Beginn der systematischen Euthanasie). Das Thema dieser Arbeit lautet also: „Die Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus von 1933 – 1939“. Das Thema wirft zudem die Frage auf, welche Bedeutung Rassismus und sozia-le Ungleichheit für die Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus haben. Ausgehend von dieser Fragestellung, wurde die Hypothese „Die Prioritäten nationalsozialistischer Gesundheitspolitik richteten sich an der Vernichtung minderwertigem Lebens und der Erhaltung und Verbesserung arischen Erbgutes aus“ entwickelt, welche im weiteren Verlauf der Arbeit bestätigt, verwor-fen oder unter Umständen präzisiert werden soll. Um diesem Ganzen gerecht zu werden, wird Eingangs der Arbeit ein Blick auf das Erbgesundheitsgesetz gewor-fen. Außerdem soll ein Überblick über die Eugenik Klarheit über die Praktiken des Nationalsozialismus und ihrer Gesundheitspolitik geben. Im weiteren Verlauf soll analysiert werden, welche Instrumente und Gedanken eine Rolle spielten in der Gesundheitspolitik der Nationalsozialisten. Dies geschieht an den Beispielen des nationalsozialistischen Rassismus sowie an der Geschlechterpolitik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesundheitspolitik und deren Instrumente
2.1 Eugenik
2.2 Das Erbgesundheitsgesetz und die Zwangssterilisation
3. Ungleichheit in der Gesundheitspolitik
3.1 Der nationalsozialistische Rassismus
3.2 Geschlechtergleichheit in der Sterilisationspolitik?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1939. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Bedeutung Rassismus und soziale Ungleichheit für die gesundheitspolitischen Maßnahmen des Regimes hatten und inwiefern diese zur Selektion und Vernichtung sogenannten „minderwertigen“ Lebens sowie zur Förderung eines „arischen“ Erbgutes beitrugen.
- Grundlagen der Eugenik und ihre nationalsozialistische Instrumentalisierung
- Das Erbgesundheitsgesetz von 1933 und die Praxis der Zwangssterilisation
- Der nationalsozialistische Rassismus als Basis für soziale Selektion
- Geschlechtsspezifische Unterschiede und Diskriminierung in der Sterilisationspolitik
- Die gesundheitspolitische Zielsetzung der Erschaffung eines „Herrenvolkes“
Auszug aus dem Buch
2.1 Eugenik
Schon viele Jahre vor der Machtergreifung des Nationalsozialistischen Regimes wurde auf dem Bereich der Eugenik geforscht. Der vom britischen Naturforscher Francis Galton geprägte Begriff der Eugenik hatte die „Verbesserung des Erbguts“ zum Ziel. Dabei sollte unter der Anwendung genetischer Erkenntnisse der Fortbestand günstiger Erbanlagen in einer menschlichen Population gesichert und gefördert werden. Während dabei auch von einer „positiven Eugenik“ gesprochen wird, wird bei der „negativen Eugenik“ versucht, die „Ausbreitung nachteiliger Gene einzuschränken“.
Mit aufkommen von Sauberkeit und Hygiene, im 19. Und 20. Jahrhundert, wurden Infektionsquellen durch sauberes Wasser in Großstädten auf ein Minimum reduziert. Aber nicht nur durch die Hygiene wurden bessere Bedingungen geschaffen. Zu nennen sind zudem die verbesserte Wohnungssituation und Säuglingspflege. Diese Faktoren führten zu einer deutlichen Minderung der Sterberate, wodurch die Medizin eine immer stärkere Rolle in der Gesellschaft einnahm.
Anhänger des „Sozialdarwinismus“ sahen sich nun also einem neuen Problem gegenübergestellt: gesellschaftliche Probleme, die sie als vererbt, oder als erblich bedingt betrachteten. Darunter fallen Elemente wie Kriminalität, Prostitution, Landstreicherei, Arbeitsscheu und die sogenannte „geistige und moralische Minderwertigkeit“. Desweiteren wurden im Rahmen der Eugenik Begriffe von deutschen Humangenetikern geprägt. Diese untersuchten Gegensatzpaare (z.B. intelligent – dumm) und gaben der einen Eigenschaft die Bezeichnung „hochwertig“ und der anderen Eigenschaft die Bezeichnung „minderwertig“. Als minderwertig galten fortan: Schwarze, Zigeuner oder Asoziale.
Ziel war nun fortan die Bekämpfung einer „Degeneration“ der menschlichen Rasse. Es musste also verhindert werden, dass die Medizin durch den Eingriff in die Gesellschaft, dafür sorge trägt, dass sich Behinderte – geistig wie körperliche -; Schwache und Kranke fortpflanzen. Ärzten musste also erlaubt sein, Menschen, die für die Gesellschaft untragbar sind und ihr nur zur Last fallen, zu töten. Dadurch sollte eine allgemeine Verbesserung der Gesundheit der Deutschen erreicht werden wobei den Kranken die Ressourcen zur Verlängerung ihres Lebens entzogen werden sollten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den zeitlichen Rahmen der Arbeit dar, benennt das Thema sowie die Forschungsfrage und führt in die zentrale Hypothese zur nationalsozialistischen Gesundheitspolitik ein.
2. Gesundheitspolitik und deren Instrumente: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Eugenik und analysiert die Implementierung des Erbgesundheitsgesetzes sowie die Durchführung der Zwangssterilisationen.
3. Ungleichheit in der Gesundheitspolitik: Der Abschnitt untersucht den nationalsozialistischen Rassismus und die geschlechtsspezifischen Unterschiede innerhalb der Selektionspolitik des Regimes.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die aufgestellte Hypothese, dass die Gesundheitspolitik primär der Vernichtung „minderwertigen“ Lebens diente.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Gesundheitspolitik, Eugenik, Erbgesundheitsgesetz, Zwangssterilisation, Rassenhygiene, soziale Ungleichheit, Sozialdarwinismus, Selektion, Minderwertigkeit, Herrenvolk, Geschlechterpolitik, Erbanlagen, NS-Regime, Rassismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus in den Jahren 1933 bis 1939 und analysiert die ideologischen sowie praktischen Hintergründe dieser Politik.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die eugenische Ideologie, das Erbgesundheitsgesetz, die Zwangssterilisationspraxis sowie die Auswirkungen von Rassismus und sozialer Ungleichheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, den Zusammenhang zwischen nationalsozialistischer Ideologie, Selektionsmaßnahmen und dem gesundheitspolitischen Streben nach einem „Herrenvolk“ aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die wesentliche historische Quellen und fachwissenschaftliche Publikationen zur Rassenhygiene und Gesundheitspolitik der NS-Zeit auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der eugenischen Instrumente des Regimes sowie eine kritische Untersuchung der nationalsozialistischen Rassen- und Geschlechterpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen neben der Gesundheitspolitik vor allem Begriffe wie Eugenik, Zwangssterilisation, Rassismus, Selektion und Erbgesundheit.
Welche Rolle spielte die Geschlechterpolitik bei der Sterilisation?
Die Geschlechterpolitik war von einer doppelten Diskriminierung geprägt: Frauen wurden oft stärker kontrolliert, da sie als „fortpflanzungsgefährlich“ eingestuft wurden und ihre Sterilisation mit höheren gesundheitlichen Risiken verbunden war.
Was besagt die Hypothese der Arbeit über die Prioritäten des Regimes?
Die Hypothese besagt, dass die Gesundheitspolitik primär darauf ausgerichtet war, „minderwertiges“ Leben zu vernichten und gleichzeitig das „arische“ Erbgut zu schützen und zu verbessern.
Wie wurde soziale Ungleichheit im Rahmen der Gesundheitspolitik legitimiert?
Indem man soziale Probleme, wie Kriminalität oder Armut, als genetisch bedingte „Minderwertigkeit“ umdeutete, versuchte das Regime, die biologische Auslese und die Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen wissenschaftlich zu rechtfertigen.
- Quote paper
- Daniel Iliev (Author), 2008, Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus von 1933 – 1939, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114210