Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus von 1933 – 1939

Über die Bedeutung von Rassismus und sozialer Ungleichheit im Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2008

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesundheitspolitik und deren Instrumente
2.1 Eugenik
2.2 Das Erbgesundheitsgesetz und die Zwangssterilisation

3. Ungleichheit in der Gesundheitspolitik
3.1 Der nationalsozialistische Rassismus
3.2 Geschlechtergleichheit in der Sterilisationspolitik?

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

„Wer körperlich und geistig nicht gesund und würdig ist, darf sein Leid nicht im Körper eines Kindes verewigen! Der Staat muss Sorge tragen, dass nur, wer gesund ist, Kinder zeugen darf. [...] Nicht die wirtschaftlichen Gesichtspunkte stehen im Vordergrund, sondern der entschlossene Wille unserer Regierung, den Volkskörper zu reinigen und die krankhaften Erbanlagen allmählich auszumerzen!"1

Am 14.Juli 1933 wurde das Erbgesundheitsgesetz verabschiedet und am 1. Januar 1934 trat es in Kraft. Dieses Gesetzt führte dazu, dass mit der, durch das Erbgesundheitsgesetz legitimierter Zwangsterilisation ca. 400000 Menschen unfruchtbar gemacht worden sind.2 Dieses Gesetzt erlaubte nicht nur die Zwangssterilisation hunderttausender Menschen, sondern mündete letztlich in die sogenannte

„Euthanasie“ – die systematische Vernichtung lebensunwerten Lebens.

Es wird also deutlich, dass sich das Thema der vorliegenden Arbeit mit der Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus beschäftigt. Aufgrund des vorgegebenen Rahmens ist es aber nicht möglich eine ausführliche Darstellung des Themas „Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus“ wiederzugeben. Aus diesem Grund behandelt die Arbeit ausschließlich die Zeit von 1933 (mit Verabschiedung des Erbgesundheitsgesetzes) bis 1939 (mit Beginn der systematischen Euthanasie). Das Thema dieser Arbeit lautet also: „Die Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus von 1933 – 1939“.

Das Thema wirft zudem die Frage auf, welche Bedeutung Rassismus und soziale Ungleichheit für die Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus haben.

Ausgehend von dieser Fragestellung, wurde die Hypothese „Die Prioritäten nationalsozialistischer Gesundheitspolitik richteten sich an der Vernichtung minderwertigem Lebens und der Erhaltung und Verbesserung arischen Er-

bgutes aus“ entwickelt, welche im weiteren Verlauf der Arbeit bestätigt, verworfen oder unter Umständen präzisiert werden soll. Um diesem Ganzen gerecht zu werden, wird Eingangs der Arbeit ein Blick auf das Erbgesundheitsgesetz geworfen. Außerdem soll ein Überblick über die Eugenik Klarheit über die Praktiken des Nationalsozialismus und ihrer Gesundheitspolitik geben. Im weiteren Verlauf soll analysiert werden, welche Instrumente und Gedanken eine Rolle spielten in der Gesundheitspolitik der Nationalsozialisten. Dies geschieht an den Beispielen des nationalsozialistischen Rassismus sowie an der Geschlechterpolitik.

2. Gesundheitspolitik und deren Instrumente

2.1 Eugenik

Schon viele Jahre vor der Machtergreifung des Nationalsozialistischen Regimes wurde auf dem Bereich der Eugenik geforscht. Der vom britischen Naturforscher Francis Galton geprägte Begriff der Eugenik hatte die „Verbesserung des Erbguts“ zum Ziel. Dabei sollte unter der Anwendung genetischer Erkenntnisse der Fortbestand günstiger Erbanlagen in einer menschlichen Population gesichert und gefördert werden. Während dabei auch von einer „positiven Eugenik“ gesprochen wird, wird bei der „negativen Eugenik“ versucht, die „Ausbreitung nachteiliger Gene einzuschränken“.3

Mit aufkommen von Sauberkeit und Hygiene, im 19. Und 20. Jahrhundert, wurden Infektionsquellen durch sauberes Wasser in Großstädten auf ein Minimum reduziert. Aber nicht nur durch die Hygiene wurden bessere Bedingungen geschaffen. Zu nennen sind zudem die verbesserte Wohnungssituation und Säuglingspflege. Diese Faktoren führten zu einer deutlichen Minderung der Sterberate, wodurch die Medizin eine immer stärkere Rolle in der Gesellschaft einnahm.4 Spree beispielsweise spricht dabei von einem „Todesursachenspektrum“, welches mit den Jahren immer weiter zurück ging. Er erklärt es sich dadurch, dass es zu einem Rückgang akuter Krankheiten kam, wodurch auch die Sterblichkeitsrate bei Säuglingen zurückging.5

Anhänger des „Sozialdarwinismus“6 sahen sich nun also einem neuen Problem gegenübergestellt: gesellschaftliche Probleme, die sie als vererbt, oder als erblich bedingt betrachteten. Darunter fallen Elemente wie Kriminalität, Prostitution, Landstreicherei, Arbeitsscheu und die sogenannte „geistige und moralische Minderwertigkeit“.7 Desweiteren wurden im Rahmen der Eugenik Begriffe von deutschen Humangenetikern geprägt. Diese untersuchten Gegensatzpaare (z.B. intelligent – dumm) und gaben der einen Eigenschaft die Bezeichnung „hochwertig“ und der anderen Eigenschaft die Bezeichnung „minderwertig“. Als minderwertig galten fortan: Schwarze, Zigeuner oder Asoziale.8

Ziel war nun fortan die Bekämpfung einer „Degeneration“ der menschlichen Rasse. Es musste also verhindert werden, dass die Medizin durch den Eingriff in die Gesellschaft, dafür sorge trägt, dass sich Behinderte – geistig wie körperliche -

; Schwache und Kranke fortpflanzen.9

Ärzten musste also erlaubt sein, Menschen, die für die Gesellschaft untragbar sind und ihr nur zur Last fallen, zu töten. Dadurch sollte eine allgemeine Verbesserung der Gesundheit der Deutschen erreicht werden wobei den Kranken die Ressourcen zur Verlängerung ihres Lebens entzogen werden sollten.10

[...]


1 Adolf Hitler schreibt in seinem Buch „Mein Kampf“ warum er das „ausmerzen krankhafter Erbanlagen“ für gerechtfertigt ansieht, Das Erbgesundheitsgesetz (<http://euthanasie-gedenkenjetzt.de/Erbgesundheitsgesetz.html> am 20. Juli 2008).

2 Ebd.

3 Eugenik, in: Meyers Lexikon Online 2.0 (<http://lexikon.meyers.de/meyers/Eugenik> am 21. Juli 2008).

4 Evans, Richard J., Zwangsterilisation, Krankenmord und Judenvernichtung im Nationalsozialismus: Ein Überblick, in: Henke, Klaus-Dietmar (Hrsg.): Tödliche Medizin im Nationalsozialismus. Von der Rassenhygiene zum Massenmord, Böhlau Verlag, Köln 2008, S. 31.

5 Spree, Reinhard, Soziale Ungleichheit vor Krankheit und Tod, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, S. 19.

6 Hierbei stehen die zentralen Begriffe des „struggle for life“ (deutsch: Kampf um das Dasein“) im Mittelpunkt. Der Sozialdarwinismus war einer der Hauptbestandteil der Nationalsozialistischen Rassenhygiene.

7 Vgl. Evans, Zwangsterilisation, Krankenmord und Judenvernichtung im Nationalsozialismus, S.31.

8 Vgl. Müller-Hill, Benno, Selektion. Die Wissenschaft von der biologischen Auslese des Menschen durch Menschen, in: Frei, Norbert (Hrsg.): Medizin und Gesundheitspolitik in der NS-Zeit, Oldenbourg, München 1991, S. 139.

9 Vgl. Evans, Zwangsterilisation, Krankenmord und Judenvernichtung im Nationalsozialismus, S.31.

10 Vgl. Ebd., S. 32.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus von 1933 – 1939
Untertitel
Über die Bedeutung von Rassismus und sozialer Ungleichheit im Nationalsozialismus
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Soziale Ungleichheit
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V114210
ISBN (eBook)
9783640152155
ISBN (Buch)
9783640154395
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitspolitik, Nationalsozialismus, Soziale, Ungleichheit
Arbeit zitieren
Daniel Iliev (Autor), 2008, Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus von 1933 – 1939, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114210

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