Vergleich der Tragik der Novellen „El Licenciado Vidriera“ und „El Celoso Extremeño“ von Cervantes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
16 Seiten, Note: 2,0

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Novelas ejemplares

3 Vergleich beider Novellen
3.1 Struktur der Novellen
3.2 Das tragische Ende in El Celoso Extremeño
3.3 Das tragische Ende in El licenciado Vidriera

4 Endbetrachtung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Novelas Ejemplares besitzen bis heute eine tiefe Faszination auf ihre Leserschaft. Cervantes scharfsinnige und intelligente Beobachtungsweise des Menschen und deren Wiedergabe in den Novellen zeugen davon, dass der Quijote kein Zufallswerk ist, sondern einem wahren Poeten und Menschenkenner entsprungen ist.

Große Autoren wie u.a. Unamuno, Borges, Ruben Darío haben sich mit den Novellen und dem Quijote beschäftigt. Über die Novellen gibt es zahlreiche Schriftstücke, Abhandlungen, Dissertationen und Habilitationsschriften, die immer wieder die Vielschichtigkeit der Novellen betonen und beweisen, dass die Novellen wie ein Prisma immer neue Bilder hervorrufen können.

Insbesondere die Novellen El Celoso Extremeño und El Licenciado Vidriera werden immer wieder von den Kritikern behandelt[1], da in der einen Novelle ein allseits bekannter Plot aus neuer Sichtweise beschrieben wird und in der anderen die Intelligenz eines Menschen in seinem Wahnsinn aus Glas zu bestehen gefangen ist.

Trotz dieser vielen Literatur sollen hier nochmals beide Novellen analysiert werden, allerdings besteht die Analyse im Vergleich des tragischen Endes beider Gestalten.

Dabei folgt an erster Stelle eine Einbettung beider Novellen in den Gesamtaufbau der Novellen. An zweiter Stelle wird die Struktur beider Novellen aufgezeigt und es erfolgt ein Vergleich beider, bevor das tragische Ende der Novellen analysiert und verglichen wird. Obwohl die vorliegende Arbeit sich auf den Vergleich fokussiert, liegt der Schwerpunkt dennoch auf der Novelle El Celoso Extremeño, da die Komplexität der Novelle eine nähere Ausführung verlangt.

2 Die Novelas ejemplares

Die Novelas ejemplares[2] erscheinen im Jahr 1613, nachdem sie die Zensur im Jahre 1612 durchlaufen haben. Cervantes selbst äußert sich in seinem Vorwort folgendermaßen:

"Mi intento ha sido poner en la plaza de nuestra república una mesa de trucos, donde cada uno pueda llegar a entretenerse, sin daño de barras; digo sin daño del alma ni del cuerpo, porque los ejercicios honestos y agradables, antes aprovechan que dañan." (S. 52)

Den Inhalt der Novelas ejemplares bilden zwölf Novellen, von denen vier sich insofern von den anderen Novellen insofern unterscheiden, daß ihr Ziel nicht die "glückliche" Eheschließung am Ende ist. Diese vier sind: Novela de Rinconete y Cortadillo (an dritter Stelle), El Licenciado Vidriera (an fünfter Stelle), El Celoso Extremeño (an siebter Stelle) und die Doppelnovelle am Schluß: El Casamiento Engañoso y El Cologuio De Los Perros (an 11. und 12. Stelle). Von diesen vier werden als einzige mit einem tragischen Ende die beiden Novellen El Licenciado Vidriera und El Celoso Extremeño verstanden. Zwischen diesen beiden Novellen steht die Novelle La Fuerza De La Sangre, deren Ende wohl als "Happy-End" zu werten ist.[3] Das beiden Novellen das tragische Ende gemein ist, scheint ein Vergleich beider angebracht und soll in den nun folgenden Kapiteln analysiert werden.

3 Vergleich beider Novellen

Beiden Novellen ist gemeinsam, dass der Leser das Ende als tragisches bzw. als nicht glückliches wertet. Ebenso ist bei beiden das Ende als ein überraschendes zu sehen.

Auf das Ende und der darin enthaltenen Tragik wird im Weiteren noch konkret eingegangen. Es soll sich erst der Struktur gewidmet werden.

3.1 Struktur der Novellen

Obwohl viele Kritiker nicht derselben Meinung sein werden, so liegt für den Autor dieser Arbeit bei beiden Novellen eine Dreiteilung vor.

Bei El Licenciado Vidriera stellt der erste Teil (I) der Novelle das Leben von Tomás Rodaja vor seinem Leben mit der Krankheit dar (S. 43-52), wobei hier noch eine Zweiteilung getroffen werden kann: in a) seine Ausbildungszeit und b) das verhängnisvolle Treffen mit seiner Giftmischerin und das Ausbrechen seines Wahnsinns.

Er wird als Elfjähriger von seinen beiden zukünftigen Herren schlafend unter einem Baum vorgefunden und von Ihnen als Diener eingestellt. Als Gegenleistung darf er studieren. Die Zeit bei Ihnen kann als 1. Unterteil seiner Ausbildungszeit gefasst werden (S.43-44). Als 2. Unterteil seiner Ausbildungszeit kann seine Reise nach Italien und Flandern gewertet werden (S. 44-52).

Teil b) (S. 52-54) beginnt, als er nach seinen Reisen in seine Heimat nach Salamanca zurückkehrt und dort als Lizenziat der Rechte promoviert. Seine Ausbildungszeit findet ihren Abschluss und er ist endlich zum Mann gereift. Zu diesem Zeitpunkt, trifft auch eine Dame in der Stadt ein, von der es heißt, dass sie in Flandern und Italien gewesen sei. Als Tomás sie besucht, verfällt sie in Liebe zu ihm. Da er ihren Wünschen nicht entspricht, greift sie zu einem letzten Mittel: einer vergifteten Quitte, die die Liebe in Tomás erwecken soll. Tomás überlebt, allerdings ist er ab diesem Zeitpunkt dem Wahnsinn verfallen und glaubt, er sei aus Glas.

Der Hauptteil (II) (S. 55-72) beginnt eigentlich in dem Moment, wo Rodaja seinen Namen in Vidriera ändert und er anfängt auf die Spötteleien der Kinder mit ebenso spöttischen Bemerkungen zu antworten. Ab diesem Zeitpunkt (S. 55) beginnt ein neues Leben für ihn, indem er auf die Fragen der Bevölkerung mit Aphorismen, zynischen Bemerkungen, pointierten Zitaten etc. antwortet. Die Gesellschaft reagiert mit Belustigung und Neugier auf ihn, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen und verfolgt ihn, um ihm weitere Fragen zu stellen. Aber sie lässt ihn auch nicht verhungern und versorgt ihn mit allem Lebensnotwendigem. Vidriera wird von einem Adligen, der von seinen Antworten begeistert ist, an den Hof von Valladolid geholt (S. 57). Er lebt zwei Jahre in seinem Wahnsinn, bis schließlich ein Geistlicher ihn heilt und ihm seinen Verstand zurückgibt.

Hier beginnt der dritte und letzte Teil (III) der Novelle (S. 73). Nach seiner Heilung kommt es wieder zu einer Namensänderung und er nennt sich fortan Rueda. Sein Versuch sein Leben normal weiter zu leben, scheitert an der Gesellschaft, die seine Weisheiten nur im Wahnsinn akzeptierte. Er beschließt sein Leben schließlich als Soldat an der Seite seines Freundes Don Diego de Valdivia.

In der Novelle El celoso extremeño lässt sich folgende Dreiteilung festhalten: In einem ersten Teil (I) geht es um das Vorleben von Felipe Carrizales (S. 99-106). Dieser Teil lässt sich ebenso zweiteilen in: a) sein Leben bis zum 68. Lebensjahr (S. 99-101) und b) seine Rückkehr nach Spanien und die Heirat mit Leonora (S.101-106). Bei a) lassen sich ebenso zwei Unterabschnitte festhalten, nämlich 1. sein lasterhaft und verschwenderisch geführtes Leben, bis zu dem Zeitpunkt, wo er ohne Geld dasteht und beschließt nach Lateinamerika aufzubrechen und 2. der auf die Fahrt nach Amerika folgende Wechsel seines Lebensstils und der damit einhergehende Reichtum.

Der zweite Unterteil b) beginnt mit der Rückkehr Carrizales nach Spanien. Von Sorgen geplagt, was er mit seinem neuen Reichtum anfangen soll, überlegt er zu heiraten, wendet sich von dem Gedanken aber ab, weil er weiß, dass er seiner Eifersucht nicht Herr werden kann. Doch dann sieht er Leonora und beschließt, sie zu seiner Frau zu machen. Schon bevor er endgültig mit ihr verheiratet ist, konstruiert er ein Haus, das eher einer Festung gleicht und das seine Frau von der gesamten Außenwelt trennt. Er kauft ihr Sklavinnen zur Unterhaltung und lebt dort ein Jahr lang als einziges männliches Wesen in Frieden mit ihr, absolut abgeschirmt von der Außenwelt.

[...]


[1] Vgl. Güntert, Georges: Cervantes. Novelar el mundo desintegrado, Barcelona, 1993, S. 156: “De entre las novelas ejemplares, El Celoso Extremeño es, sin duda, una de las más estudiadas”.

[2] Cervantes Saavedra, Miguel de: Novelas ejemplares, I&II, Edición by Harry Sieber, Madrid, 23.a Edición, 2005. Alle weiteren Zitate aus den Novelas ejemplares beziehen sich auf diese Quelle.

[3] Aus heutiger Sicht erscheint die Heirat mit dem eigenen Vergewaltiger zu skurill, um als Happy-End gewertet zu werten.

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Details

Titel
Vergleich der Tragik der Novellen „El Licenciado Vidriera“ und „El Celoso Extremeño“ von Cervantes
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Romanisches Seminar der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn)
Veranstaltung
Hauptseminar: Die Novelas ejemplares von Cervantes
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V114218
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Tragik, Novellen, Licenciado, Vidriera“, Celoso, Extremeño“, Cervantes, Hauptseminar, Novelas
Arbeit zitieren
Helena Hemberger (Autor), 2006, Vergleich der Tragik der Novellen „El Licenciado Vidriera“ und „El Celoso Extremeño“ von Cervantes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114218

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