„Unser Familienunternehmen erwartet eine dramatische Höherbewertung seiner betrieblichen Vermögenswerte und damit eine wesentlich höhere Steuerbelastung“, so Heinrich Weiss, Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender des Industriekonzerns SMS Demag. „Die Bundesregierung gefährdet damit auch die geplanten Investitionen des Unternehmens.“
Ähnlich Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK): „Die steuerliche Belastung für Betriebe wird nicht nur in Einzelfällen deutlich ansteigen. Mittelfristig gefährde die geplante Neuregelung der Erbschaftsteuer bei einer Reihe von Unternehmen den Stammsitz in Deutschland.“
Kritik an einzelnen Vorschriften des Gesetzesentwurfs äußerte kürzlich auch die KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Moniert wurden u. a. die geplante Lohnsummenbindung, die Verhaftungsregelung und die vermeintlich er-höhte Steuerbelastung bei Unternehmensnachfolgen durch entferntere Ver-wandte, wie z. B. Neffen oder Nichten. Die Schelte des Staatssekretärs des Bundesfinanzministeriums Axel Nawrath in Form eines Briefwechsels an die Beratungsgesellschaft ließ nicht lange auf sich warten4.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Die aktuelle Diskussion
1.2. Ausgangslage
1.3. Bedeutung der Thematik
2. Regierungsentwurf des Gesetzes zur Reform des Erbschaft- und Bewertungsrechts
2.1. Bewertungsregeln
2.2. Verschonungsregeln
2.2.1. Lohnsummenbindung i. S. d. § 13 a Abs. 1 ErbStG-E
2.2.2. Verhaftungsregelung i. S. d. § 13a Abs. 5 ErbStG-E
2.3. Freibeträge
2.3.1. Persönliche Freibeträge, § 16 ErbStG-E
2.3.2. Versorgungsfreibetrag, § 17 ErbStG-E
2.4. Steuertarif
3. Belastungswirkungen bei der Übertragung von Unternehmensvermögen
3.1. Die Veranlagungssimulation
3.1.1. Methodik und Konzeption des Berechnungsmodells
3.1.1.1. Annahmen
3.1.1.2. Variationen
3.1.1.3. Berücksichtigung individueller betrieblicher Verhältnisse
3.1.1.4. Unternehmensbewertung nach derzeitigem Recht
3.1.1.5. Unternehmensbewertung gemäß Reformentwurf
3.1.2. Belastungsvergleich
3.1.2.1. Großes Modellunternehmen
3.1.2.2. Mittelgroßes Modellunternehmen
3.1.2.3. Kleines Modellunternehmen
3.2. Beispielsrechnung eines Vermögensübergangs
3.2.1. Ausgangswerte
3.2.2. Wert des Betriebsvermögens
3.2.3. Belastungsvergleich
3.2.3.1. Einhalten der Voraussetzungen
3.2.3.2. Steuerschädliche Verwendung
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Das primäre Ziel der Arbeit ist ein Überblick über die Konsequenzen des Gesetzes zur Reform des Erbschaftsteuer- und Bewertungsrechts (ErbStRG) auf die steuerliche Belastung bei der Übertragung von Unternehmensvermögen. Es wird untersucht, wie sich der Entwurf auf die Steuerbelastung in Abhängigkeit von Unternehmensgröße, Rechtsform und Verwandtschaftsgrad auswirkt.
- Analyse der bedeutsamsten Neuregelungen zu Bemessungsgrundlage und Steuertarif.
- Simulation von Belastungswirkungen für unterschiedliche Betriebsgrößen und Unternehmensrechtsformen.
- Untersuchung der Auswirkungen bei Einhaltung versus Verletzung der Begünstigungsvoraussetzungen (steuerschädliche Verwendung).
- Durchführung eines Steuerbelastungsvergleichs anhand einer konkreten Beispielrechnung eines Vermögensübergangs.
Auszug aus dem Buch
1.3. Bedeutung der Thematik
Zahlreiche und teilweise auch kontroverse Kritik am Entwurf und der Neugestaltung des Erbschaftsteuer- und Bewertungsrechts von Vertretern der Wirtschaft, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung und diverser Interessenverbände unterstreicht die Aktualität und die Bedeutung des Themas der Belastungswirkungen bei der Übertragung von Unternehmensvermögen.
Primäres Ziel und Schwerpunkt der vorliegenden Ausarbeitung ist ein Überblick über die Konsequenzen des ErbStRG auf die Erbschaftsteuerbelastung bei der Übertragung von Unternehmensvermögen. Vorgestellt werden zunächst die bedeutsamsten Regelungen des Gesetzentwurfs im Hinblick auf die BMG und den Tarif der ErbSt. Des Weiteren erfolgt eine Analyse der Belastungswirkungen, welche hinsichtlich der Höhe des übertragenen Unternehmensvermögens, der Rechtsform des übertragenen Unternehmens sowie des Verwandtschaftsgrades des Begünstigten zum Erblasser unterscheidet. Praxisrelevant sind vor allem die Auswirkungen der im Entwurf eingebrachten Begünstigungen bzw. das Vorliegen steuerschädlicher Verwendungen auf die Steuerbelastung. Darüber hinaus erfolgt ein Steuerbelastungsvergleich im Rahmen einer Beispielrechnung eines Vermögensüberganges.
Abschließend werden die wesentlichen Ergebnisse zu einem Fazit verdichtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle öffentliche und fachliche Diskussion um die Erbschaftsteuerreform ein und erläutert die Ausgangslage sowie die Bedeutung der Thematik.
2. Regierungsentwurf des Gesetzes zur Reform des Erbschaft- und Bewertungsrechts: Dieses Kapitel stellt die wesentlichen geplanten Neuregelungen zu Bewertungsregeln, Verschonungsabschlägen, Freibeträgen und Steuertarifen dar.
3. Belastungswirkungen bei der Übertragung von Unternehmensvermögen: Das Kernstück der Arbeit liefert eine detaillierte Simulationsrechnung für verschiedene Modellunternehmen und überprüft diese Ergebnisse an einem konkreten Berechnungsbeispiel.
4. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Auswirkungen der Reform sowie die weitere Entwicklung im Gesetzgebungsverfahren.
Schlüsselwörter
Erbschaftsteuerreform, Unternehmensnachfolge, ErbStG-E, Betriebsvermögen, Bewertungsregeln, Verschonungsabschlag, Lohnsummenbindung, Verhaftungsregelung, Steuerbelastung, Veranlagungssimulation, Modellunternehmen, Steuerklasse, Freibeträge, Unternehmensbewertung, Steuerschädliche Verwendung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die steuerlichen Belastungswirkungen, die durch den Entwurf des Gesetzes zur Reform des Erbschaftsteuer- und Bewertungsrechts bei der Übertragung von Unternehmensvermögen entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Bewertungsänderungen für Unternehmensvermögen, die Voraussetzungen für Verschonungsabschläge sowie die Auswirkungen der Reform auf den Steuertarif und die Steuerklassen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein fundierter Überblick über die Konsequenzen des Reformvorhabens auf die Erbschaftsteuerlast bei der Übertragung von Betrieben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autor verwendet eine EDV-gestützte Veranlagungssimulation, um die absolute und relative Erbschaftsteuerbelastung für verschiedene Modellunternehmen zu ermitteln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Vorstellung der Neuregelungen und eine empirische Belastungsanalyse anhand von Simulationsrechnungen und einem Praxisbeispiel.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Besonders prägend sind die Begriffe Erbschaftsteuerreform, Unternehmensnachfolge, Verschonungsabschlag und Belastungsvergleich.
Welche Auswirkung hat die Verletzung der Behaltensfristen?
Eine steuerschädliche Verwendung führt zum vollständigen Wegfall der Verschonungsabschläge und zu einer erheblichen steuerlichen Mehrbelastung.
Wie unterscheidet sich die Bewertung nach dem neuen Entwurf?
Der neue Entwurf setzt auf einen realitätsgerechteren Verkehrswert, der sich aus einer Kombination von Substanz- und Ertragswert ermittelt, was häufig zu höheren Unternehmenswerten führt.
- Quote paper
- Diplom-Finanzwirt (FH) Sebastian Stiller (Author), 2008, Belastungswirkungen der Erbschaftsteuerreform im Rahmen der Übertragung von Unternehmensvermögen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114241