Beispiel einer Abitur-Prüfungsaufgabe für das Fach Russisch


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Vorüberlegungen
2.1. Textauswahl und Textumfang
2.2. Adaptionen
2.3. Lexikliste
2.4. Wahl der Operatoren und Anforderungsbereiche
2.5. Kreative Arbeitsaufträge

Erwartungshorizont

Bibliographie

1. Einleitung

Zu den vielfältigen Aufgaben eines Lehrers gehört es unter anderen, Vorklausuren konstruieren zu können. Im Rahmen des Hauptseminars „Leistungsfeststellung und -bewertung“ hatte ich die Gelegenheit, eine Abituraufgabe für das Fach Russisch selbst einmal zu erstellen.

Dazu musste ich im Vorfeld und im Erarbeitungsprozess der Prüfungsaufgabe eine Reihe von Fragen klären, auf die im Folgenden näher eingegangen wird:

- Was für einen Text nehme ich? (fiktional/nicht-fiktional)
- Wie lang soll der Text sein?
- Welche Adaptionen nehme ich vor?
- Welche Lexeme sollen Bestandteil der Lexikliste sein? Welche Lexeme können einsprachig erklärt werden, welche sollten ins Deutsche übersetzt werden?
- Wie formuliere ich die Arbeitsaufträge? Welche Operatoren wähle ich?
- Bietet der Text genügend Potenz zum Überprüfen aller drei Anforderungs-bereiche? (I, II und III; dazu Näheres in der EPA, S. 15)
- Lässt der Text auch kreative Arbeitsaufträge zu?

Ich habe mich für eine Prüfungsaufgabe für das Leistungskursniveau entschieden, da hier die selbständige (bzw. kreative) Leistung stärker akzentuiert wird als im Grundkurs, in dem auch die reproduktive Leistung betont werden kann.

Im Großen und Ganzen hat mir die Konstruktion der Abituraufgabe viel Freude bereitet. Vor allem schätzte ich die kreativ-schöpferischen Momente (Suche nach einem passenden Text, Verschriftlichung der Arbeitsanweisungen, Erstellen der Lexikliste).

2. Theoretische Vorüberlegungen

2.1. Textauswahl und Textumfang

In den Rahmenrichtlinien ist unter Lernfeld 4 (Umgang mit Texten) verankert, dass der Schüler im Laufe seines Russischunterrichts mit einer großen Anzahl verschiedener Textsorten vertraut gemacht werden sollte (praktischer Lebensbezug!).

In der Sek. II kommen nach und nach längere Texte mit höherem Anteil unbekannter Lexik zum Einsatz (z.B. Zeitungsartikel, aber auch Romanauszüge, die repräsentativ sind für die klassische und moderne Literatur Russlands).

Meine Wahl fiel deshalb auf einen fiktionalen Text. Dieser stammt aus der zeitgenössischen russischen Kriminalbelletristik. Es ist ein Auszug aus dem ersten Kapitel des Romans «Стилист» (2005) von der in ganz Russland bekannten Kriminalromanautorin Александра Маринина.

Zwei Hauptgründe haben mich zur Wahl dieses Textes bewogen. Diese sind sprachlicher und inhaltlicher Natur. Zum einen pflegt die Schriftstellerin einen flüssigen, relativ einfach zu „verdauenden“ Schreibstil, der auch Ausländern leicht zugänglich ist. Zum anderen bietet der Text genügend Potenzial und Anknüpfungs-punkte für Diskussionen von Begleiterscheinungen, die wesentlicher Bestandteil des russischen Gesellschaftswandels sind, z. B. die Neureichen. Der Text ist also gleichzeitig Träger von landeskundlichen Informationen.

Was die Textlänge betrifft, so soll der Abiturtext laut EPA im Grundkurs 300 bis 700, im Leistungskurs 450 bis 900 Wörter umfassen. Der vorliegende Abiturtext weist (nach Adaption) eine Textlänge von 616 Wörtern auf. Demnach ist diese Forderung erfüllt.

2.2. Adaptionen

Lehrbuchtexte wirken – besonders im Anfängerunterricht – oft künstlich, realitätsfremd und wenig motivierend. Adaptierte Originaltexte sollten dem Russisch Lernenden deshalb aufgrund ihrer motivierenden Funktion von Anfang an begleiten.

Eine Adaption ist laut Duden Fremdwörterbuch eine „Umarbeitung eines literarischen Werkes für eine andere literarische Gattung od. für ein anderes Kommunikationsmedium“. Für unsere Zwecke ist diese Definition jedoch völlig unzureichend, denn die Textadaption für eine Abituraufgabe erfüllt eine andere Funktion: ein vorliegender Text wird – ohne Gattungsänderung – für ein neues Zielpublikum (Schüler) zugeschnitten, indem es gekürzt und u.U. vereinfacht wird. Ziel ist es zum einen, die geforderte Wortzahl zu erreichen. Dabei können ganze Textpassagen gestrichen werden, ohne die Textaussage zu verzerren. Zum anderen können sprachliche Adaptionen (Vereinfachungen) vorgenommen werden. Dabei sollte jedoch die Authentizität und der Stil des Autors erhalten bleiben.

Einen Text zu adaptieren kann eine kreative Tätigkeit sein. Welche Adaptionen ich vornehme, hängt von meinen Erwartungen und den Zielstellungen ab, also von den Aufgabenstellungen. Die Textvorlage muss dementsprechend genügend inhaltliches Potenzial zur Beantwortung der Abituraufgaben aufweisen.

2.3. Lexikliste

Die dem Abiturtext nachgestellten Texterläuterungen («Пояснения к тексту») bestehen aus 23 lexikalischen Einheiten (allesamt Autosemantika), davon 12 Substantive, 8 Adjektive/Adverbien und 3 Verben. Die Auswahl der zu semantisierenden Lexeme hing zum einen vom Lernwortschatz der Lehrwerke Диалог und Вместе ab. Gleichzeitig ließ ich mich aber auch von meiner Intuition leiten und nahm das eine oder andere Wort mit in die Liste auf, das für das Textverständnis unbedingt notwendig ist, obwohl diese bereits zum Lehrbuchwortschatz gehören (z.B. доход).

Was die eigentliche Semantisierung der Lexik betrifft, so habe ich auf zwei Verfahren zurückgegriffen: die einsprachige (russische) Erläuterung und die muttersprachliche (deutsche) Übersetzung. Einsprachig semantisiert wurden jene Lexeme, deren Definitionsvokabular auch vom Schüler erfasst werden kann. Dabei habe ich mich auf zwei Quellen berufen: das Толковый словарь русского языка von С . И . Ожегов und Н . Ю . Щедова (1997) und das Учебный толковый словарь русского языка von В . Быков (1996). Der kluge Schüler kann somit die russischsprachigen Erläuterungen bei der Versprachlichung seiner Antworten nutzen. Bei einigen Derivativa dagegen sind anstatt einer Definition nur die Ausgangswörter angegeben, z.B. застройка – cр. строить. Diese zum potenziellen Wortschatz gehörenden Lexeme sollten vom Schüler problemlos erfasst werden.

Die muttersprachliche Übersetzung wurde gewählt, wenn das Wort nicht unbedingt zum Textverständnis notwendig ist oder wo die russischsprachige Erläuterung zu komplex werde würde (z.B. пологий пандус – leicht abfallende Auffahrtsrampe).

2.4. Wahl der Operatoren und Anforderungsbereiche

Jede Abituraufgabe sollte – schwierigkeitsgestuft – zur Textproduktion anregen. Die präzise Wahl der Operatoren sind dabei von äußerster Wichtigkeit. Doch was sind Operatoren? Operatoren sind „in Wissenschaft und Technik etwas Materielles oder Ideelles, was auf etwas anderes verändernd einwirkt“ (Duden Fremdwörterbuch 1997: 571). In anderen Worten, Operatoren sind eine Art Impuls oder Denkanstoß, die den Schüler dazu veranlassen, den Abiturtext so zu verändern (mental zu verarbeiten), dass etwas Neues entsteht, also die schriftliche Versprachlichung der Antworten zu den Abituraufgaben.

Es muss darauf geachtet werden, dass die Operatoren alle drei Anforderungs-bereiche abdecken. Für die vorliegende Abituraufgabe sind verschiedene Arbeits- bzw. Handlungsanweisungen gewählt worden, die hier kurz skizziert werden sollen:

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Beispiel einer Abitur-Prüfungsaufgabe für das Fach Russisch
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für fremdsprachliche Philologien)
Veranstaltung
Leistungsermittlung und Leistungsbewertung
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V114245
ISBN (eBook)
9783640152322
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sprache: Deutsch und Russisch
Schlagworte
Beispiel, Abitur-Prüfungsaufgabe, Fach, Russisch, Leistungsermittlung, Leistungsbewertung
Arbeit zitieren
Steffen Laaß (Autor), 2007, Beispiel einer Abitur-Prüfungsaufgabe für das Fach Russisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114245

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