Der Einfluss der Popmusik auf die Gesellschaft aus Sicht der Kritischen Theorie und der Cultural Studies


Seminararbeit, 2006
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Popmusik und Gesellschaft

2. Die Kritische Theorie
2.1. Die ‚Kulturindustrie’
2.2. Adornos Theorie der Popmusik

3. Die Cultural Studies
3.1. Hauptthesen der Cultural Studies
3.2. Popmusik in den Cultural Studies

4. Vergleich der Theorien

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Popmusik und Gesellschaft

Popmusik und Gesellschaft stehen in enger Verbindung zueinander und beeinflussen sich gegenseitig. Auf der einen Seite hängt die Popmusik von der Gesellschaft und deren Entwicklung ab. Dies spricht Sigmund Spaeth bereits 1948 an:”It has become a commonplace to say that popular music is an index to the life and history of a nation. Unfortunately there are still too many people who do not really believe it. They are actually unaware of the extent to which the manners, customs and current events of every generation have been given expression in popular songs […]“ (Spaeth 1948, 3). In der Musik spiegeln sich u.a. die Einstellungen, Werte und Normen einer Gesellschaft und bestimmte Ereignisse wieder. Diese Erkenntnis ist vor allem für Soziologen von zentraler Bedeutung, weil es nur so möglich ist Rückschlüsse auf die jeweilige Gesellschaft zu ziehen. Popmusik ist dabei jedoch nicht nur in der Lage das Leben und die Geschichte einer Nation wiederzuspiegeln, sondern kann ebenso Ausdruck des Protests an den politischen Machthabern eines Landes und deren Entscheidungen sein. So entstehen z.B. zur Zeit des Vietnamkriegs viele Protestsongs, die sich meist emotional gegen die amerikanische Intervention im Vietnam aussprechen und ein Ende des Kriegs fordern.

Auf der anderen Seite beeinflusst die Popmusik aber ebenso die Gesellschaft. Auch hierzu äußert sich Sigmund Spaeth:”No matter what anyone thinks of such music, it is historically and racially important. The mere fact that millions of people sing a certain song, or listen to it with honest pleasure, gives it a significance that cannot be ignored” (Spaeth 1948, 3).

Der Einfluss der Popmusik taucht immer wieder im Zusammenhang mit dem Manipulationsvorwurf auf. Ist es möglich, dass Popmusik die Gesellschaft nachhaltig beeinflussen und damit bestimmte Reaktionen auslösen kann? Besitzt sie die Macht Menschen zu manipulieren? Diese Fragen sind gerade in Bezug auf Popmusik wichtig, weil heutzutage einige wenige Labels in der Musikbranche tätig sind. Wenn der Einfluss der Popmusik also wirklich bedeutend wäre, dann besäßen diese Labels ein Machtmonopol.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Was für einen Einfluss hat die Popmusik auf die Gesellschaft und wie groß ist dieser? Dieser Fragestellung möchte ich in der folgenden Hausarbeit nachgehen und mich dabei auf zwei Theorien stützen, die sich im Rahmen von Kulturanalysen mit dieser Thematik beschäftigt haben: die Kritische Theorie und die Cultural Studies. Zur Beantwortung der Fragestellung werde ich die beiden jeweils kurz erläutern und ihre Einschätzung der Thematik beschreiben. Abschließend werde ich dann die Ansichten der beiden Theorien einander vergleichend gegenüberstellen.

2. Die Kritische Theorie

Die Kritische Theorie, auch Frankfurter Schule genannt, ist eine normative Medientheorie aus den 40er Jahren. Sie will nicht nur ein theoretisches Konstrukt bieten, sondern die Gesellschaft auch in der Praxis verändern. Die wichtigsten Vertreter der Kritischen Theorie sind Theodor W. Adorno und Max Horkheimer. Bekannt geworden sind sie vor allem durch ihr Werk Dialektik der Aufklärung, in dem sie die wichtigsten Thesen der Kritischen Theorie erläutern.

Die Kritische Theorie beurteilt die damals neuen Medien, Radio und Fernsehen, negativ und sieht eine Gefahr für die Gesellschaft in ihnen. Die zentrale These ist die Diagnose eines generellen Erfahrungsverlusts. Darunter ist folgendes zu verstehen: Die Menschen verlieren als Folge der medialen Umrüstung ihre Fähigkeit zur erfahrenden Weltbegegung, weil sie die Welt durch die Medien erleben können und somit nicht mehr persönlich tätig werden müssen. Die Medien zwingen sie in ein reaktives Verhalten. Sie brauchen nicht mehr aktiv werden um die Welt zu erfahren, sondern bekommen sie über die Medien direkt nach Hause geliefert.

Die fehlende persönliche Erfahrung mit der Welt hat jedoch weitreichende Folgen für die Menschen. Sie sind nicht mehr länger in der Lage ihre eigene Lebenspraxis in einen überindividuellen Sinnzusammenhang einzuordnen. Das bedeutet, durch fehlende Interaktion mit anderen wissen sie nicht, ob ihr Verhalten und ihre Einstellungen angemessen sind. Sie sehen den größeren gesellschaftlichen Zusammenhang nicht mehr und fühlen sich somit auch nicht mehr als Teil einer kulturellen Gemeinschaft. Dieser gesellschaftliche Zusammenhang ist jedoch wichtig, weil er den Kontext darstellt unter dem die Menschen handeln. Jeder Mensch orientiert sein Handeln an Erfahrungen, die über die eigenen hinausgehen. Im neuen medialen Zeitalter werden diese Erfahrungen vom Fernsehen bereitgestellt. Die Menschen sehen diese Lebensmodelle zwar, sie können sie aber nicht mehr in einen Kontext einordnen, d.h. sie wissen nicht, ob die anderen Leute auch so handeln wie sie. Zudem geht die Kritische Theorie davon aus, dass die Inhalte, die im Fernsehen gezeigt werden schlecht sind. Die Menschen übernehmen also Modelle ohne sie zu hinterfragen und können nicht erkennen, dass sie schlecht sind, weil keine Interaktion mit anderen stattfindet.

Die Kritische Theorie beschäftigt sich aber nicht nur mit den Auswirkungen der Medien auf das Individuum, sondern auch mit deren Auswirkung auf Kultur. In Bezug auf diese konstatiert sie eine Entwicklung von der Hochkultur zur Massenkultur und beurteilt diese ebenfalls negativ.

Es gibt zwei Aspekte dieser Entwicklung: Der erste Aspekt ist ein normativer. Die Kritische Theorie stellt eine Bedrohung der kulturellen Identität fest. Die etablierte bürgerliche Kultur wird von der Massenkultur dominiert. Für Horkheimer ist dies eine fatale Entwicklung, denn

„Aufgabe der klassischen bürgerlichen Intellektuellen [ist] die ‚Repräsentation und Führung der Massen’“ (Horkheimer zitiert nach Steinert 2003, 27). Wenn diese Führung wegfällt sind die Massen orientierungslos.

Der zweite Aspekt betrifft die Ästhetik der Kultur. Die Kritische Theorie befürchtet einen Niedergang der Avantgarde, welcher die Möglichkeiten der künftigen Entwicklung der Gesellschaft einschränken würde.

In ihrem bedeutendsten Werk Die Dialektik der Aufklärung beschreiben Max Horkheimer und Theodor W. Adorno diese neuentstandene Massenkultur als Kulturindustrie.

2.1. Die ‚Kulturindustrie’

Die Bezeichnung Kulturindustrie soll auf den Massencharakter der Kultur aufmerksam machen. Kultur ist nicht länger exklusiv, sondern eine Ware, die auf den Konsum durch Massen zugeschnitten ist. „Die Kulturwaren der Industrie richten sich […] nach dem Prinzip ihrer Verwertung, nicht nach dem eigenen Gehalt und seiner stimmigen Gestaltung. Die gesamte Praxis der Kulturindustrie überträgt das Profitmotiv blank auf die geistigen Gebilde“ (Horkheimer/Adorno 1969, 148). Das heißt, Kultur wird nicht mehr um der Ästhetik willen produziert, sondern um Profit damit zu machen.

Weiterhin stellen Horkheimer und Adorno fest, dass die Kulturindustrie das Immergleiche produziert und es uns in neuer Zusammensetzung immer wieder zeigt. ”For them [Horkheimer und Adorno, S.B.], the modern culture industry produces safe, standardized products geared to the larger demands of the capitalist economy. […] Thus, for them, Hollywood movies, radio, mass-produced journalism, and advertising are different only at the most superficial level” (During 1999, 31).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der Popmusik auf die Gesellschaft aus Sicht der Kritischen Theorie und der Cultural Studies
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
Talking about pop music: Theorien über Medien und Kultur am Beispiel von Musik
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V114249
ISBN (eBook)
9783640152360
ISBN (Buch)
9783640154500
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Popmusik, Gesellschaft, Sicht, Kritischen, Theorie, Cultural, Studies, Talking, Theorien, Medien, Kultur, Beispiel, Musik
Arbeit zitieren
Saskia Bachner (Autor), 2006, Der Einfluss der Popmusik auf die Gesellschaft aus Sicht der Kritischen Theorie und der Cultural Studies, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114249

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