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Die Funktion des Kanons bei der Definition von Weltliteratur

Title: Die Funktion des Kanons bei der Definition von Weltliteratur

Seminar Paper , 2006 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Saskia Bachner (Author)

English Language and Literature Studies - Other
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Die Auseinandersetzung mit Literatur ist heutzutage unweigerlich verbunden mit dem Gedanken an einen Kanon. Wir sehen uns mit einer Flut an Literatur konfrontiert, die wir gezwungen sind zu bewältigen.1 Angesichts dessen, ist es nur natürlich, dass eine Auswahl getroffen werden muss. Denn lediglich so können wir uns zurechtfinden in der schier unermesslichen Menge literarischer Werke.
Auch im Lehrbetrieb kommt man ohne eine Selektion nicht aus. An Schulen und Universitäten muss entschieden werden, welche Literatur gelesen werden soll. Ausgewählt werden dann meist die sogenannten Klassiker.
Dennoch ist der Kanon sehr umstritten. Auf der einen Seite dient er als Orientierung und bringt uns die großen Werke der Vergangenheit nahe. Auf der anderen Seite engt er unser literarisches Wissen ein, indem er andere Werke ausschließt, die vielleicht durchaus lesenswert wären.
Diese Kontroverse wird unter dem Stichwort Kanon-Debatte zusammengefasst. Sie ist nicht nur auf Nationalliteraturen beschränkt, sondern vollzieht sich ebenfalls in Bezug auf Weltliteratur. Weltliteratur wird gemeinhin als eine Selektion der besten Literatur der Welt verstanden, die in einem Kanon zusammengefasst wird oder gleich als die Summe aller Nationalliteraturen der Welt.2 Mit der zweiten Definition lässt sich allerdings in der Praxis recht wenig anfangen, wodurch meist doch der Kanongedanke verwirklicht wird. Die Definition von Weltliteratur ist also abhängig vom Kanonkonzept.
Aber stimmt das? Brauchen wir wirklich einen Kanon, um definieren zu können, was Weltliteratur ist? Oder gibt es vielleicht noch andere Möglichkeiten einer Definition?
Im Folgenden werde ich auf diese Fragen näher eingehen. Dazu gebe ich zunächst einen Überblick über die Kanon-Debatte. Danach werde ich die Theorie des populären Kanonbefürworters Harold Bloom erläutern und sie anschließend mit der Theorie von Horst Steinmetz kontrastieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überblick über die Kanon-Debatte

3. Harold Bloom und der ästhetische Kanon

3.1 Theorie

3.2 Kanon und Weltliteratur

3.3 Kritik

3.4 Ausblick in die Zukunft

4. Horst Steinmetz und die Epoche der Weltliteratur

4.1 Theorie

4.2 Kanon und Weltliteratur

4.3 Kritik

4.4 Ausblick in die Zukunft

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle des Kanons bei der Definition von Weltliteratur und hinterfragt, ob ein selektiver Kanon für ein Verständnis von Weltliteratur zwingend erforderlich ist oder ob alternative Konzepte existieren.

  • Die theoretische Auseinandersetzung mit der "Kanon-Debatte"
  • Analyse von Harold Blooms ästhetischem Kanon-Konzept
  • Gegenüberstellung mit Horst Steinmetz' Modell der "Epoche der Weltliteratur"
  • Kritische Reflexion über die Möglichkeiten der Kanon-Überwindung
  • Die Auswirkungen von Globalisierung auf literarische Kanonisierungsprozesse

Auszug aus dem Buch

3. Harold Bloom und der ästhetische Kanon

Eine sehr populär gewordene Theorie zum Kanon stammt vom amerikanischen Literaturwissenschaftler und -kritiker Harold Bloom. Er spricht sich für einen Kanon aus, vertritt jedoch die Ansicht, der Kanon müsse verengt werden und sich auf die Great Tradition, die bedeutendsten Werke, beschränken. Eine Selektion ist für ihn schon aufgrund der Anzahl der Bücher und der uns zur Verfügung stehenden begrenzten Zeit unerlässlich. “Who reads must choose, since there is literally not enough time to read everything, even if one does nothing but read“.

Den Kanon sieht Bloom als eine Art of Memory, also eine Gedächtniskunst. Er diene dazu unser literarisches Wissen zu ordnen und zu konservieren. Außerdem stelle er einen Standard bereit, an dem alles andere gemessen werde. Sein zentrales Auswahlkriterium ist, laut Harold Bloom, die Ästhetik. Der Kanon wurde uns also von keiner Autorität aufgezwungen, sondern die Werke finden selbst durch ästhetische Stärke in den Kanon. Unter ästhetischer Stärke ist hierbei zu verstehen: “mastery of figurative language, originality, cognitive power, knowledge, exuberance of diction“. So kommt es zu einem Überlebenskampf der Werke untereinander, indem jedes darum bemüht ist Unsterblichkeit zu erlangen. Nur jenes, das es schafft die Tradition zu überwältigen und sie sich unterzuordnen, also jenes, dem es aus eigener Kraft durch ästhetische Stärke gelingt, Platz für sich im Kanon zu schaffen, wird aufgenommen. “The strength of any poem is the poems that it has managed to exclude“.

Ästhetik wird vom Schriftsteller auf eine ganz bestimmte Art und Weise erreicht. Bloom fasst diesen Weg in seiner Theorie des poetischen Einflusses zusammen. “Any strong literary work creatively misreads and therefore misinterprets a precursor text or texts“. Hochwertige Literatur basiert somit auf einer Fehlinterpretation eines früheren Werkes. Es kommt im Wesentlichen darauf an, den eigenen Text ästhetisch anspruchsvoller zu gestalten als den Vorgängertext, um diesen zu verdrängen und selbst einen Platz im Kanon zu erhalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit der Kanonbildung aufgrund der literarischen Überfülle und führt in die Fragestellung der Abhängigkeit des Weltliteratur-Begriffs vom Kanonkonzept ein.

2. Überblick über die Kanon-Debatte: Dieses Kapitel skizziert die historische und aktuelle Kontroverse um die Sinnhaftigkeit eines Kanons, der zwischen elitären Ansprüchen und Forderungen nach Öffnung schwankt.

3. Harold Bloom und der ästhetische Kanon: Das Kapitel erläutert Blooms Theorie, in der ästhetische Stärke als zentrales Selektionskriterium für den Kanon dient und Literatur als ständiger Kampf um literarische Nachfolge definiert wird.

4. Horst Steinmetz und die Epoche der Weltliteratur: Das Kapitel kontrastiert Blooms Modell mit Steinmetz' Idee, Weltliteratur als historisch bedingte Epoche zu verstehen, um das starre Kanon-Dilemma zu umgehen.

5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das Kanonkonzept trotz theoretischer Alternativen in der Praxis der persönlichen Lektüreselektion unvermeidbar bleibt.

Schlüsselwörter

Kanon, Weltliteratur, Harold Bloom, Horst Steinmetz, Ästhetik, Kanon-Debatte, Great Tradition, Literaturkritik, Globalisierung, Kanonkritik, Poetischer Einfluss, Nationalliteratur, Selektion, Literaturgeschichte, School of Resentment

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Funktion und Notwendigkeit eines literarischen Kanons bei der Definition von Weltliteratur.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Kanon-Debatte, das ästhetische Kanon-Modell von Harold Bloom und der epochengeschichtliche Ansatz von Horst Steinmetz.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll geklärt werden, ob Weltliteratur zwingend einen Kanon benötigt oder ob sie als Epoche ohne selektive Vorgaben definiert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, in der zwei gegensätzliche theoretische Positionen (Bloom vs. Steinmetz) einander gegenübergestellt und kritisch hinterfragt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Argumentationen von Bloom und Steinmetz, betrachtet deren jeweilige Definitionen von Kanon und Weltliteratur sowie die von ihnen provozierte Kritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Kanon, Weltliteratur, Ästhetik, Kanon-Debatte, Poetischer Einfluss und die Vorstellung einer Weltliteratur-Epoche.

Warum hält Harold Bloom einen Kanon für unumgänglich?

Bloom sieht den Kanon als notwendige "Gedächtniskunst" an, die unser literarisches Wissen ordnet und uns bei der unvermeidbaren Auswahl aus der unermesslichen Literaturflut orientiert.

Wie reagiert Steinmetz auf die Gefahr der Kanonisierung?

Steinmetz schlägt vor, Weltliteratur nicht als Sammlung ausgewählter Meisterwerke (Kanon), sondern als historisches Phänomen einer internationalen Kooperation von Schriftstellern zu begreifen.

Wie bewerten beide Autoren die Rolle der Globalisierung?

Während Steinmetz die Epoche der Weltliteratur durch eine Ära der "Literatur der Globalisierung" abgelöst sieht, warnt Bloom vor dem Verlust ästhetischer Werte durch die Nivellierung kultureller Unterschiede.

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Details

Title
Die Funktion des Kanons bei der Definition von Weltliteratur
College
University of Mannheim
Course
Zwischen Third-World Literature und Globaler Literatur: Neuere Konzepte von Weltliteratur
Grade
1,3
Author
Saskia Bachner (Author)
Publication Year
2006
Pages
17
Catalog Number
V114250
ISBN (eBook)
9783640152377
ISBN (Book)
9783640154517
Language
German
Tags
Funktion Kanons Definition Weltliteratur Zwischen Third-World Literature Globaler Literatur Neuere Konzepte Weltliteratur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Saskia Bachner (Author), 2006, Die Funktion des Kanons bei der Definition von Weltliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114250
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