In dieser Arbeit wird die Kindesprostitution im viktorianischen London des 19. Jahrhunderts betrachtet, anhand des Falls von Eliza Armstrong. Es wird der Fokus auf die Geschichte des Opfers gelegt, weniger auf die des Täters. Als Quelle dienen Zeitungsartikel des Täters und das Skript des Gerichtsverfahrens im Old Bailey. Die Details bezüglich des Umgangs mit Prostituierten, Kindern und teilweise Kleinkindern werden in dieser Arbeit nicht beschönigt.
Im Folgenden soll nun erörtert werden, welche Auswirkungen die Veröffentlichung des Vierteilers „The Maiden Tribute of Modern Babylon“ auf die Gesetzgebung, die Kindesprostitution Londons hatte. Inwiefern all dies eine Diskreditierung erfuhr, als der Autor und Inszenator des Ganzen, William Thomas Stead drei Wochen nach Verfahrensbeginn wegen Kindesentführung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, soll ebenfalls erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Fall „Eliza Armstrong“
1. 1 Polizeiarbeit
2. Entwicklung der Zeitungen ab 1850
3. Prostitution in London im 19. Jahrhundert
3.1 Gründe für Prostitution
3.2 Beziehung zwischen Prostitution und Polizei
4. Kinderarbeit
4.1 Kindesprostitution
4.2 „The Maiden Tribute of Modern Babylon”
4.2.1 “The Violation of Virgins”
4.2.2 „A Firm of Procuresses”
4.2.3 „How the Criminals are shielded by law”
4.2.4 „[Conclusion]”
4.3 William Stead
4.4 Old Bailey Trial
4.4.1 Eliza Armstrong – das Opfer im Zeugenstand
4.4.2 Die Mutter, die ihr Kind verkaufte?
4.4.3 Das Urteil
5. Nachwirkungen
Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Pall-Mall-Gazette-Serie „The Maiden Tribute of Modern Babylon“ bei der öffentlichen Thematisierung von Kindesprostitution im London des späten 19. Jahrhunderts und analysiert den Einfluss dieser Berichterstattung auf die Verabschiedung des Criminal Law Amendment Act von 1885 sowie die geschlechtsspezifischen Dynamiken der viktorianischen Gesellschaft.
- Die mediale Aufarbeitung und Instrumentalisierung des Falls Eliza Armstrong.
- Die sozioökonomischen Hintergründe von Prostitution und Kinderarbeit in der viktorianischen Metropole.
- Die Rolle des investigativen Journalismus von William Thomas Stead.
- Die rechtliche Situation und staatliche Reglementierung im Hinblick auf das Schutzalter.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 “The Violation of Virgins”
In dem ersten Teil seines investigativen Vierteilers führte Stead den Leser ein in die viktorianische Unterwelt, mit besonderem Fokus auf die Prostitution und ihre Triebwerke im Hintergrund. Er sprach mit Bordellbesitzern, Polizisten und einem Abgeordneten des House of Lords über die Problematik der Kindesprostitution in London und legte dabei besonderen Wert auf die (Un)Freiwilligkeit der Mädchen. Im Vorfeld zu seinen Berichten verweigerte er sich jedoch der Nennung jeglicher Namen von Beteiligten oder Befragten und bat ebenfalls um Zurückhaltung der Polizei, da „Sexual immorality, however evil it may be in itself or in its consequences, must be dealt with not by the policeman but by the teacher.“
Er schilderte, wie er zu diesen Fakten gelangte, ohne Namen zu nennen, und gab sehr genau wieder, wie die Gespräche mit den Bordellbesitzern und Polizisten verliefen und bewertete diese auch sofort. Diese Bewertung und subjektive Haltung begründete er mit der Aussage „I am an investigator; I am not an informer.“ Stead galt aufgrund dieser Haltung, welche er vehement vertrat, als eine der ersten richtigen Investigativjournalisten, denn er begab sich für seine Recherchen in das „London Inferno“ und versuchte so viele Fakten wie möglich durch die Realität des Lebens der Menschen, die er begleitete, zu verifizieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Kindesprostitution im London des Jahres 1885 und Vorstellung des Falls Eliza Armstrong sowie der investigativen Rolle von William Thomas Stead.
1. Der Fall „Eliza Armstrong“: Darstellung des Verkaufs des Mädchens Eliza Armstrong durch ihre Mutter an eine Zuhälterin im Jahr 1885 und die erste Polizeiarbeit.
2. Entwicklung der Zeitungen ab 1850: Theoretische Einordnung der Bedeutung viktorianischer Zeitungen und ihres Wandels hin zum investigativen Journalismus.
3. Prostitution in London im 19. Jahrhundert: Analyse der sozioökonomischen Gründe für Prostitution und der komplexen Beziehung zwischen Frauen, Prostitution und Polizei.
4. Kinderarbeit: Untersuchung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kindern in der Industrialisierung sowie der spezifischen Problematik der Kindesprostitution.
5. Nachwirkungen: Bewertung der politischen Folgen des Falls, insbesondere der Verabschiedung des Criminal Law Amendment Act von 1885 und der Diskreditierung Steads.
Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der medienwirksamen Enthüllungen und der bis heute anhaltenden Relevanz des Schutzes von Kindern vor Ausbeutung.
Schlüsselwörter
Kindesprostitution, London, 19. Jahrhundert, William Thomas Stead, Pall Mall Gazette, Eliza Armstrong, Maiden Tribute, Criminal Law Amendment Act, Prostitution, Kinderarbeit, Vikorianisches Zeitalter, Journalismus, Menschenhandel, Soziale Missstände.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Berichterstattung über Kindesprostitution im London des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Zeitungsreihe „The Maiden Tribute of Modern Babylon“ von William Thomas Stead.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die sozioökonomischen Ursachen von Prostitution, die Rolle der Medien als politisches Druckmittel und die rechtliche Situation von Frauen und Kindern zur viktorianischen Zeit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, welche Rolle die Pall Mall Gazette bei der öffentlichen Wahrnehmung des Falls Eliza Armstrong spielte und welchen tatsächlichen Einfluss diese Berichterstattung auf die damalige Gesetzgebung hatte.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse historischer Quellentexte, insbesondere die Zeitungsartikel von William Stead, Protokolle des Old Bailey Gerichtsverfahrens sowie den Gesetzestext des Criminal Law Amendment Act von 1885.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung der Zeitungslandschaft und der Prostitution, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Zeitungsartikel, der Rolle von William Stead und einer Auswertung des Gerichtsverfahrens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Kindesprostitution, Investigative Journalismus, Vikorianische Unterwelt, Menschenhandel, Gesetzgebung und soziale Ungleichheit.
Inwiefern beeinflusste die Verurteilung Steads das Ergebnis seiner Kampagne?
Obwohl Steads Arbeit zur Anhebung des Schutzalters beitrug, führte seine Verurteilung wegen Kindesentführung zu einer Diskreditierung seiner Person und seiner journalistischen Methoden, was die langfristige öffentliche Akzeptanz seiner Arbeit schwächte.
Welche Rolle spielte der Fall Eliza Armstrong in der Argumentation des Autors?
Eliza Armstrong diente als Fallbeispiel, an dem Stead die Systematik der Verschleppung und die Unzulänglichkeit der bestehenden Gesetze belegen wollte, was letztlich den Skandal auslöste, der zur Verurteilung des Journalisten führte.
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- Rebecca Angel Tomlinson (Autor:in), 2021, Kindesprostitution in den Medien Londons des späten 19. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1142577