Das Buch als Bildungsmittel - Seine Bedeutung im Zeitalter der neuen Medien


Diplomarbeit, 2003
98 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Schriftlichkeit der Bildung
1.1 Zum Verhältnis von Schrift, Bildung und Selbst
1.2 Medialität von Bildung

2. Schrift in literalen Kulturen
2.1 Kennzeichen und Funktionen der Schrift
2.2 Schriftlichkeit und Bewusstsein
2.2.2 Metaphern als Verbindung
2.3 Platons Kritik an der Schrift
2.4 Die Bedeutung der Literalität für das Lernen
2.5 Schreiben als Technologie
2.6. Medien und Schriftkultur
2.6.1 Computer und Literalität
2.6.2 Medienkomplementarität

3. Die Geschichte des Buches
3.1 Vorläufer des gedruckten Buches
3.2 Die Kunst des Lesens
3.2.1 Monastisches und scholastisches Lesen
3.2.2 Das Buch als Textträger
3.3 Gutenberg und der Buchdruck
3.4 Schriftkulturelle Rahmenbedingungen von Bildung
3.4.1 Die „Leserevolution“

4. Kennzeichen und Funktionen des Buches
4.1 Das Buch als Kulturgut
4.2 Die Auswirkungen des Buchdrucks
4.2.1 Einfluss auf Humanismus und Renaissance
4.2.2 Einfluss auf öffentliche Meinung und Informationsbedürfnis
4.3 Das langsame Medium Buch
4.4 Die Faszination des Buches

5. Die Zukunft des Buches
5.1 Neue Textträger
5.1.1 CD-Rom und DVD
5.1.2 Hörbuch
5.1.3 e-Book
5.1.4 e-Paper
5.1.5 Print on Demand
5.1.6 Internet
5.2 Konkurrenz von Buch und neuen Medien
5.3 Das Ende von Buch und Lesen?
5.3.1 Zur Bedrohung der Lesekultur
5.3.2 Die Informationsgesellschaft

Zusammenfassung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Einleitung

Das Buch ist ein traditionelles Medium zur Konservierung und Verbreitung von Ideen, das zum einen als überaltertes Medium kritisiert und zum anderen als verlorenes Bildungsgut betrauert wird. Der Frage, ob im Zeitalter der neuen Medien wirklich sein Abschied bevorsteht, wie es vielfach auch in der wissenschaftlichen Literatur diskutiert wird, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.

Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema kann sich jedoch nicht in einer Diskussion um Vor- und Nachteile oder der Konkurrenz zwischen den traditionellen und den neuen Medien erschöpfen, sondern muss auch die Bedeutung der Schrift als Grundlage literaler Kulturen sowie die Bedeutung des Buches und der Erfindung des Buchdrucks in unserer Gesellschaft bearbeiten.

In der Bildungsgeschichte haben die Erfindung der Schrift sowie die Entwicklung und Verbreitung des Buches, mit der die Alphabetisierung der Gesellschaft und die Verbreitung von Wissen einhergehen, einen wichtigen Platz eingenommen; ohne diese Medien wäre die Geschichte der Bildung nicht in dieser Art verlaufen. Dem Buch kommt als Bildungsmittel somit eine besondere Bedeutung zu. Durch das Aufkommen neuer Medien und dabei besonders des Internets ist das Buch einer Reihe von Veränderungen ausgesetzt, die auch gesellschaftliche und kulturelle Auswirkungen haben. In einer Zeit der stetig wachsenden Digitalisierung und Verknüpfung von schriftlichen Inhalten lohnt es sich daher, Fragen um die Zukunft des Buches und seine Bedeutung als Bildungsmittel im Zeitalter der neuen Medien zu stellen.

Kapitel 1 behandelt die Zusammengehörigkeit und Wechselbeziehungen von Schriftlichkeit und Bildung, den Einfluss der Schrift auf das Subjekt sowie die Medialität von Bildung.

Mit Unterschieden zwischen oralen und literalen Kulturen sowie dem Sinn der Schrift für das menschliche Bewusstsein und die Kultur einer Gesellschaft beschäftigt sich das 2. Kapitel; Platons Kritik an dem Medium Schrift sowie Ludwig Dunckers Beitrag über die Bedeutung der Literalität für das Lernen wird hier ebenso bearbeitet wie die Tatsache, dass auch das Schreiben bereits eine Technologie ist. Auch auf die Befürchtungen, neue Medien könnten die Schriftkultur gefährden und Literalität durch „Computer-Literalität“ ersetzen sowie auf die Frage der Medienkomplementarität — ob Medien einander ersetzen oder ergänzen — wird eingegangen.

Das 3. Kapitel widmet sich der Buchgeschichte von den Vorläufern des gedruckten Buches bis zu seiner Digitalisierung. In diesem Zusammenhang werden das Lesen im Mittelalter und die Bedeutung des Buches als Träger des Textes, die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg sowie die schriftkulturellen Rahmenbedingungen von Bildung bearbeitet.

Auf die Bedeutung des Buches als Kulturgut, die Auswirkungen des Buchdrucks und seinen Einfluss auf Humanismus und Renaissance sowie auf die öffentliche Meinung und das Informationsbedürfnis wird in Kapitel 4 hingewiesen. Weshalb das Buch bibliophile Menschen fasziniert und was das Buch als langsames Medium in einer hektischen Zeit bewirken kann wird in diesem Kapitel außerdem diskutiert.

Das letzte Kapitel beschreibt die Phase der Digitalisierung des Buches und die neu entstandenen oder sich in der Entwicklung befindlichen digitalen Textträger. Weiters werden die Vor- und Nachteile und damit die Konkurrenz von Buch und neuen Medien sowie die Frage, ob mit der Expansion digitaler Technologien ein Ende der Buch- und Lesekultur zu befürchten ist, bearbeitet. Abschließend erfolgt eine Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der neuen Medien, die unsere Gesellschaft in eine „Informationsgesellschaft“ geführt haben.

1. Schriftlichkeit der Bildung

Schriftlichkeit und Bildung gelten in unserer Kultur als grundlegend zusammengehörig. Die Herausbildung einer Schriftkultur gilt als Grundbedingung für die gesellschaftliche Entwicklung und die Etablierung komplexer sozialer Systeme. Eine fundamentale Aufgabe von Bildung ist die Einführung in die Schriftkultur, das heißt das Erlernen von Lesen und Schreiben sowie die Verbreitung schriftlichen Wissens.[1] „Bildung ist ein Kennzeichen der Schriftkulturen. Sie stellt damit die Identifizierung des Gebildeten mit der schriftlich überlieferten Sinngebung der historischen Gemeinschaft dar.“[2]

1.1 Zum Verhältnis von Schrift, Bildung und Selbst

Zur Frage nach dem Verhältnis von Schriftlichkeit und Bildung bemerkt Stephan Sting in seinem Aufsatz „Die Schriftlichkeit der Bildung“:

„Die Durchsetzung kultureller Praktiken zum Erwerb und zur Tradierung von schriftlichem Wissen ist in unserer Kultur zur vorrangigen Aufgabe von Bildungsinstitutionen geworden; deshalb kann die Konstitution von Schriftlichkeit als ein umfassender Bildungsprozeß betrachtet werden, der intentionale und nicht intentionale Effekte enthält und durch seine Beziehung zur allgemeinen Bildung eine wesentliche Dimension moderner Bildung darstellt.“[3]

Aus der bildungstheoretischen Perspektive auf Schrift und Schriftlichkeit erscheint Sting Bildung abhängig von Schrift. Die technischen Rahmenbedingungen, an die Schrift jeweils gebunden ist, gehen als Voraussetzung in die Konzeption und Gestaltung von Bildungsprozessen ein. Umgekehrt scheint Schrift auch von Bildung abhängig zu sein, „da erst die gesellschaftsweite Durchsetzung schriftkultureller Praktiken medientechnische Erneuerungen im Feld der Schriftkultur sozial akzeptabel und funktionstüchtig macht“[4]. Schrift und Bildung stehen somit in einem Wechselverhältnis zueinander.

Beide stehen jedoch auch immer im Zusammenhang mit dem Selbst, dem Subjekt, wie Sting in seiner Untersuchung über „Schrift, Bildung und Selbst“ erkennt. Die Durchsetzung der Schrift ermöglicht, dass Kultur und Gesellschaft das Subjekt nur zum Teil prägen, denn es sichert sich die Freiheit, selbst zu entscheiden, in welche Richtung seine Bildung gehen soll. Dies hat auch Konsequenzen auf die Frage, wie Bildung die Subjektwerdung des Menschen unterstützen kann:

„Die Etablierung von Schrift [hat] eine Freisetzung des Subjekts mit sich gebracht: Der einzelne wird im Rahmen von Schriftlichkeit durch die Vorgaben der Gesellschaft und der kulturellen Tradition nicht vollständig geprägt und sozialisiert, sondern er bewahrt eine kritische Distanz und eine zumindest partielle Autonomie, die seine soziale und kulturelle Integration von eigenständigen Verarbeitungs- und Vermittlungsleistungen abhängig macht. Die Freisetzung des Subjekts fordert Bildungsbemühungen heraus, die auf die Erzeugung von Verbindlichkeiten in einer Gesellschaft mehr oder weniger selbständig existierender Subjekte gerichtet sind. Mit der Ausbreitung von Schrift wird Bildung zu einem offenen Problem – zur Frage, wie der Anschluß der freigesetzten Subjekte an die kulturelle Tradition, an das gesellschaftliche Wissen und an die sozialen Regeln und Verhaltensanforderungen auf einer nicht-deterministische Weise geleistet werden kann.“[5]

Schrift ermöglicht es dem autonomen Subjekt, sich zur Welt und zu sich selbst in Beziehung zu setzen und auf unterschiedliche Weise wahrzunehmen, zu denken und zu handeln.

1.2 Medialität von Bildung

Das Wesen, der Zustand und die Funktionsweise einer Kultur bilden sich immer im Zusammenhang mit den Medien heraus, in denen sich kulturelles Geschehen vollzieht. Kultur ist daher ohne Medien undenkbar.[6] In unserer Kultur gilt Bildung seit ihren Anfängen als medial, das heißt, sie ist an ein Trägermedium gebunden. Bereits Erasmus und Luther begründeten ihre Bildungsüberlegungen damit, dass unmittelbare Erfahrung für den Erwerb sozial relevanter Kenntnisse und Fertigkeiten nicht ausreicht, weshalb schriftgestützte Unterweisungsformen sowie eine systematische gelehrte Schulbildung notwendig sind.[7]

Stephan Sting bearbeitet in seinem Aufsatz die pädagogischen Theorien Herbarts und Schleiermachers, in denen sie Prämissen für einen bildungswirksamen Umgang mit Schrift entwerfen, die heute durch die Ausbreitung der elektronischen Medien wieder zur Disposition stehen. Für die Fragestellung dieser Arbeit interessant ist die Erkenntnis, dass der hermeneutische Prozess durch das Vorhandensein von Medien um eine Dimension erweitert wird:

Als ‚Spurenlesen’, als selbstorientierende und selbststärkende Schriftpraxis, die ‚Lesbarkeiten’ hervorbringt und ‚Einschreibungen’ ermöglicht, bleibt Hermeneutik jedoch auch im Zeitalter globaler Informations- und Datenströme relevant. In der Oszillation zwischen Erkennen/Entdecken und Erfinden/Konstruieren sind dabei neben den Spuren der Sprache und des Sprechens auch die Spuren der Materialität der Kommunikation zu erfassen. Hermeneutik muß in der Pluralisierung der Medien und Kommunikationstechniken die Auseinandersetzung mit ihren medialen Rahmenbedingungen in ihre Verfahren integrieren. Das ‚Nicht-Hermeneutische’ (…), die medientechnischen Voraussetzungen und Implikationen, werden so selbst zu einer Dimension im Prozeß hermeneutischer Bildung.“[8]

Medien sind nicht nur Verfahren zur Speicherung und Verarbeitung von Informationen und räumlichen sowie zeitlichen Übertragung von Daten, sondern sie stellen das, was sie speichern, verarbeiten und vermitteln unter Bedingungen, die sie selbst jeweils schaffen. Das impliziert auch die von dem Medienphilosophen Marshall McLuhan entwickelte Formel „The medium is the message“.[9] Seine These besagt, dass die Technik die Art und Weise bestimmt, in der der Mensch die Welt wahrnimmt und sinnlich erfährt.[10]

Die von Friedrich Schleiermacher begründete „Kunst des Verstehens“ muss daher neben den sprachlichen, historisch-sozialen und subjektiven auch die medialen Bedingungen integrieren.

Auch die Rolle des Lehrenden, dem Vermittler von Wissen, ist medientechnisch geprägt: Sie verändert sich von der Dialogform der griechischen Philosophen, einer Folge von Oralität, zum Vorlesen knapp verfügbarer handgeschriebener Werke an mittelalterlichen Universitäten.[11] Mit der Erfindung des Buchdrucks und der damit verbundenen allgemeinen Zugänglichkeit zum Wissen wird sein Wissen jenseits der Bücher interessant. Nach dem Aufkommen digitaler Medien wird dem Lehrenden oft die Rolle des Tutors oder Mediators zugeschrieben.

2. Schrift in literalen Kulturen

In unserer modernen westlichen Gesellschaft sind die Begriffe „Schriftlichkeit“ und „Kultiviertheit“ synonym; ein belesener Mensch gilt daher als kultiviert und gebildet. In der griechischen Antike war dies allerdings noch anders: Für den Begriff „literal“ hatten die alten Griechen keinen Ausdruck, und das griechische Wort „grammaticos“ kam erst im vierten Jahrhundert in Gebrauch. Ein „grammaticos“ war ein Mensch, der lesen konnte, was jedoch nicht implizierte, dass er deshalb auch gebildet war.

Im alten Rom, das seine höhere Bildung auf Kenntnissen des Griechischen gründete, wurde der Begriff des „literatus“ geprägt, des „literarisch/wissenschaftlich Gebildeten“, also eines schriftkundigen Lesers. Davon ist der „illiteratus“ das Gegenteil: ein Mensch ohne „literarische“, schriftliche Kultur.

Als Analphabet („Illiterate“) wird bei uns ein Mensch abwertend bezeichnet, der nicht lesen und schreiben kann und dem man daher auch mangelnde Intelligenz unterstellt. Die Bedeutung dieses Ausdrucks wird auch auf ganze menschliche Gesellschaften angewendet, und ihre Armut oder Rückständigkeit wird auf deren „Illiteralität“ zurückgeführt. Kulturen, die „nichtliteral“ sind, müssen jedoch nicht gleichzeitig „illiteral“, im Sinne von ungebildet, sein. Daher darf die „Illiteralität von heutigen Individuen (…) in keiner Weise verwechselt werden mit der Nichtliteralität oder Präliteralität menschlicher Gesellschaften, die unserer eigenen vorangegangen sind“[12].

„Nichtliteralisiert“ wird oft als Defizit begriffen und mit den Eigenschaften „primitiv“, „wild“ oder „nieder“ in Verbindung gebracht.[13] Gleichsetzungen dieser Art geschehen sehr häufig, und oralen Kulturen wird oft ihre kulturelle Bedeutung abgesprochen. Am Beispiel der Griechen, die zwischen etwa 1100 und 700 v. Chr. nichtliteral waren und in diesem Zeitraum die ersten Formen sozialer Organisation und künstlerischer Leistung erfanden zeigt sich, dass eine Kultur auf mündlicher Kommunikation begründet und dennoch eine Kultur sein kann.[14]

Orale Kulturen lebten in kleinen sozialen Einheiten und kommunizierten ausschließlich über Sprache, deren spezifische Wirkung darin besteht, „daß es die komplexen Denkstrukturen, die Speicherung von Erfahrungen sowie deren Austausch und Diskussion ermöglicht. Die Rezeption von Sprache verlangt eine starke Beteiligung des Rezipienten.“[15]

2.1 Kennzeichen und Funktionen der Schrift

Den Sinn der Schrift für das Denken und die Kultur einer Gesellschaft fasst Fritz Funke in seiner „Geschichte des Buches“ zusammen: Unter Schrift versteht man ein Zeichensystem, das durch graphische Techniken (z.B. Schreiben) und Mittel (z.B. Griffel) hervorgebracht wird. Die Zeichen „haben den Zweck, sprachlich erfaßte Denkakte und Ereignisse festzuhalten und dienen der Mitteilung und Überlieferung über Zeit und Raum hinweg oder als Gedächtnisstütze und Erinnerung für den Schreiber selbst“[16]. Schrift dient zur Fixierung des Sinngehaltes und Lautbestandes von Sprache, wodurch eine die mundartlichen Bindungen überwindende Schriftsprache entstehen kann. Dadurch erst ist die Entwicklung einer vom Gedächtnis und von mündlicher Überlieferung unabhängigen Literatur und Wissenschaft möglich.

Als „graphische Symbolisierung von Wahrnehmungen, Vorstellungen und Wissen“[17] begreift Stephan Sting die Schrift, die für ihn kein Medium ist. Schrift materialisiert sich jedoch in unterschiedlichen Medien wie Tafeln, Büchern oder Bildern, die mit den Augen wahrnehmbar sind: „Auf diese Weise bringt sie Projektionsflächen für Bezeichnungen, Gedanken und Vorstellungen hervor, die per Entzifferungs- und Interpretationsverfahren wiedererkannt und entschlüsselt werden können.“[18]

Sting diskutiert drei Kennzeichen von Schrift: Abstraktheit, Vermitteltheit oder Medialität und Monumentalität.

Die Abstraktheit betrifft die abstrakten Zeichen der Schrift, in die Wahrnehmungen, Kenntnisse und Erlebnisse übertragen sowie ver- und entschlüsselt werden. Gleichzeitig erfüllt Schrift eine Ordnungsfunktion, mit deren Hilfe eine Strukturierung der schriftlich fixierten Erkenntnisse und Wahrnehmungen möglich ist. Diese schriftlich konzipierten Ordnungen liefern Fiktionen und Konstruktionen von Wirklichkeit: Schrift steht somit für die Abstraktion der Wirklichkeit.[19]

Das zweite Kennzeichen von Schrift ist ihre Vermitteltheit oder Medialität. Schriftliche Zeichen werden durch verschiedene Medienformen übertragen, weshalb Schrift der Vermittlung von Botschaften dient und dadurch eine kommunikative Funktion übernimmt. Um Kommunikation aus der räumlichen und zeitlichen Abhängigkeit zu befreien, wurden im Laufe der Geschichte unterschiedliche Schrift- und Kommunikationstechniken entwickelt. Die oben im Zusammenhang mit Friedrich Schleiermachers Hermeneutik diskutierte These, das Medium werde selbst zur Botschaft, findet sich auch bei Sting wieder: „Das Medium organisiert die Wahrnehmung und geht in die vermittelten Informationen mit ein.“[20]

Die Monumentalität als Kennzeichen von Schrift bezieht sich auf ihre Fähigkeit, Wahrnehmungen und kulturelles Wissen dauerhaft zu fixieren. Schrift materialisiert und konserviert gleichzeitig Vergangenheit und kulturelle Tradition, wodurch sie die Funktion eines externalisierten Gedächtnisses übernimmt. Weiters entlastet die Möglichkeit zur Verschriftlichung das Gedächtnis und macht es frei für auf Neues gerichtetes Denken.[21]

2.2 Schriftlichkeit und Bewusstsein

Im Zusammenhang mit literalen Kulturen stellt sich die Frage nach der Strukturierung der menschlichen Wahrnehmung und des Denkens, des Bewusstseins und der Wirklichkeit durch Sprache sowie die Bedeutung der Schreibgeräte und Aufzeichnungssysteme für das Denken. Horst Wenzel ist der Ansicht, dass Medien wie Schrift, Druck oder elektronische Datenverarbeitung nicht nur Wissen transportieren, sondern auch das Denken selbst bedingen und verändern.[22]

Mit der Erfindung der Schrift gewinnt der visuelle Sinn im Vergleich zum voralphabetischen Zeitalter an Bedeutung, denn Informationen werden jetzt auch visuell aufgenommen. Gleichzeitig fordert das Alphabet besondere kognitive Leistungen.[23]

In seinem Aufsatz „Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes““ definiert Walter Ong literalisierte Menschen als „Wesen, deren Denkprozesse den einfachen Naturprozessen nicht urwüchsig, sondern in einer von der Technologie des Schreibens geprägten Weise entspringen“[24]. Das Schreiben hat das menschliche Bewusstsein verändert: Das literalisierte Bewusstsein könnte ohne Schrift nicht so denken, wie es denkt, sowohl wenn es sich mit dem Schreiben beschäftigt als auch wenn es seine Gedanken in oraler Weise ausdrückt. Auch Derrick de Kerckhove ist der Ansicht, dass „unsere Schrift (…) uns von den Einengungen und dem Kontext der oralen Sprache befreit und dabei zugleich deren Artikulationsfähigkeit, ihre große Flexibilität und ihre Stärke bei der geistigen Durcharbeitung erhalten (hat)“[25].

Als charakteristisch für das schriftliche Welt- und Selbstverständnis haben sich einige Merkmale herausgestellt, die Stephan Sting in seinem Werk über die pädagogische Geschichte der Schriftlichkeit zusammenfasst:

„Schrift verändert das Verhältnis des Menschen zu seiner Tradition, zu seinem Wissen, zu seinem Denken und Wahrnehmen.

Sie vollzieht eine Linearisierung, Homogenisierung und Sequentierung geistiger Prozesse, was eine visuell orientierte Rationalität nach dem Modell der Buchstabenfolge und der Kombinatorik isolierter Elemente ausbilden läßt (…).

Sie veranlasst den Übergang von einer am Mythos orientierten zu einer an Wahrheit und Logik orientierten Gesellschaft.

Sie führt zu einer neuen Sensibilität für historische Veränderungen, für eine Geschichtlichkeit, die Gesellschaften mit mündlicher Tradition unbekannt ist (…).

(…) Sie etabliert eine kritische Distanz zwischen dem einzelnen Subjekt und dem sozialen und kulturellen Kontext, die per subjektive Fiktionen, Interpretationen und den Vergleich der schriftlichen Wahrheitskonstruktionen überbrückt werden muß. Dabei ermöglicht sie die Konstruktion einer fiktiven Identität, eines für sich bestehenden, zusammenhängenden Selbst, das sich durch die Vielfalt des Geschriebenen hindurch erhält.“[26]

Sting bemerkt jedoch, dass bei den oben beschriebenen Merkmalen das Subjekt und sein sozialer Kontext zu wenig Beachtung finden.

Der Übergang von der Oralität zur Literalität hat Veränderungen in individueller und kognitiver Hinsicht bewirkt. In oralen Kulturen erfolgt kulturelle Überlieferung mündlich, wobei Erinnerungen je nach Bedürfnis unmerklich subjektiv eingefärbt und verändert werden. Die Vergangenheit wird somit zum Mythos und von der tatsächlichen Geschichte nicht getrennt, sondern sie verschmilzt mit ihr. Durch Schrift gewinnt Erinnerung an Objektivität, ermöglicht eine Distanzierung zum Geschehenen und entlastet und stützt das Gedächtnis. In der literalen Kultur wird die Geschichte vom Mythos getrennt und Wahrheit kann mit Hilfe schriftlicher Aufzeichnungen überprüft werden, wodurch das individuelle und kollektive Gedächtnis objektiver und präziser wird.[27]

Schrift fördert außerdem das lineare Denken: „Die der Schrift inhärente lineare Anordnung der alphabetischen Zeichen, die die zeitliche Abfolge des gesprochenen Worts nachbildet, fördert eine Neuorganisation und Umformung des Denkens. Analog zur typographischen Struktur der Sätze wird das Denken unter dem Einfluß der Schrift selbst zur Linearität hin erzogen.“[28] Der strukturierte Text kann Gedankengänge sowie das Distanzieren, Prüfen und die Kritik fördern und unterstützen. Das Verhältnis zur Wahrheit gewinnt an Intersubjektivität, Objektivität und Rationalität und unterscheidet sich dadurch vom Wahrheitsgehalt mythischen Denkens in den oralen Kulturen.

Schrift ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung von formalem logischem Denken. Gleichzeitig ist diese Form des Denkens dem Schreiben selbst immanent, denn der schriftliche Ausdruck bedingt die Verständlichkeit. Eine mündliche Rede ist irreversibel, ein schriftlich fixierter Text, der das Gedächtnis stützt, kann hingegen entworfen und verändert werden.[29]

Eine weitere Folge der Literalität ist die Präzisierung und Vereinheitlichung von Sprache; auch das Vorstellungsvermögen wird durch die Materialisierung der Sprache in Schrift gestärkt. Anders als bei der oralen Verständigung, die durch Mimik und Gestik unterstützt wird, ist Eindeutigkeit im geschriebenen Text besonders wichtig. Für die Interpretation und Deutung eines Textes ist eine Klärung der Begriffe notwendig, wodurch der Sinn für Abstraktionsprozesse geschärft wird, „so daß der Verstand nicht nur in seiner Fähigkeit zur logischen Vereindeutigung, sondern auch zur hermeneutischen Überlagerung von Bedeutungszusammenhängen herausgefordert wird“.[30] Schrift unterstützt außerdem Formen der Gliederung des Bewusstseins, die auf Wahrnehmung und Erkenntnis der Wirklichkeit Einfluss haben. Wissen, Erfahrungen und eigene Denkleistungen können schriftlich festgehalten und systematisch bearbeitet werden.

Schrift ermöglicht es aber auch, das Denken aus situationsgebundenen Zusammenhängen zu befreien, wie es bei der Literatur der Fall ist. Fiktion und Phantasie können sich entfalten, eine andere Sicht auf Tradition und Wahrheit kann eingenommen werden und „das Spiel mit Entwürfen, mit Erklärungsmodellen und der Bildung von Theorien“[31] wird ermöglicht. Hier wird besonders deutlich, dass Lesen hermeneutisch vor sich geht; zwischen dem Text und dem Ergebnis seiner Rezeption entstehen Differenzen, denn seine Bedeutung ist von eigenen Denkleistungen abhängig. Auch die Fähigkeit zur Auslegung von Texten ist somit eine Folge der Linearität des Denkens.

Text vermag, indem er sich zwischen Subjekt und Welt stellt, eine eigene Wirklichkeit zu konstituieren, „die in mehrfacher Weise durch Geschichtlichkeit, Standpunktbezogenheit und Perspektive gebrochen ist. Er präformiert die Erkenntnis, indem er eine Lesart der Welt aufzeigt und die Erkenntnis damit als einen symbolisch gesteuerten Vorgang bestimmt.“[32] Um die Welt zu verstehen muss ähnlich vorgegangen werden wie beim Lesen: Erfahrungen werden buchstabiert und Eindrücke strukturiert. Die Verknüpfung von Erfahrungen erfolgt wie das Schreiben eines in Kapiteln eingeteilten Textes, wobei jedes Kapitel auf das vorherige aufbaut und alle durch Verweise verbindet. Schriftlichkeit konstituiert somit Erfahrung: „Dieses Fortschreiben der Erfahrung als eines Prozesses, der in linearen Strukturen verfaßt ist wird erst vor dem Hintergrund der Schriftkultur vorstellbar, da sie die Denkmuster ausbildet, um Ereignisse und Erlebnisse als Folgen aufeinander zu beziehen und damit als Erfahrung deuten zu können.“[33]

Im Gegensatz zur mündlichen Überlieferung, die nur Bestand hat wenn sie lückenlos weitergegeben wird, kann der schriftliche Text archiviert werden und bleibt der Nachwelt erhalten. Die Schrift ist ein Kommunikationsmedium, das der Sprache eine materielle Form verleiht, wodurch sie „über räumliche Entfernungen übermittelt und durch die Zeit hindurch bewahrt werden [kann]; was Menschen sagen und denken, kann vor der Vergänglichkeit mündlicher Kommunikation gerettet werden. Dank der Schrift kann der Bereich menschlichen Verkehrs – zeitlich wie räumlich – erheblich erweitert werden“[34].

Welche verschiedenen Denkweisen Oralität und Literalität hervorbringen, fasst Heinz Schlaffer in seiner Abhandlung über den „Übergang von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit in der Antike“ zusammen: Demnach ist Mündlichkeit additiv und nicht wie die Schriftlichkeit subordinativ, redundant und nicht ökonomisch, konservativ und nicht innovativ, anthropomorph und nicht distanzierend, situationsbezogen und nicht kategorial, personal und nicht sachlich, narrativ und nicht kausal, mythisch und nicht historisch.[35]

Schreiben ermöglicht einen autonomen Diskurs, der sich von seinem Autor unabhängig gemacht hat und daher nicht wie die orale Rede befragt oder angefochten werden kann. Das Buch bzw. der Text entfernt eine Äußerung von der Quelle. In diesem Zusammenhang stellt sich die hermeneutische Frage, wo sich der Autor im Text befindet und welche Interpretation des Textes seiner Wahrheit am ehesten entspricht. Gleichzeitig vermitteln Texte allein durch ihr Bestehen, dass sie Wahres beinhalten:

„Man kann einen Text nicht unmittelbar zur Verantwortung ziehen. Nach totaler und vernichtender Kritik bleibt er doch stets der alte. Dies ist ein Grund dafür, daß der Ausdruck ‚es steht geschrieben’ gewöhnlich wie der Ausdruck ‚es ist wahr’ verstanden wird. Es ist auch ein Grund dafür, daß Bücher verbrannt worden sind. Wenn ein Text etwas behauptet, das der Meinung der ganzen Welt zuwiderläuft, dann tut er das solange er als Text existiert. Texte sind per se widerspenstig.“[36]

In literalen Gesellschaften hat sich außerdem das Bewusstsein entwickelt, dass alles Bedeutungsvolle niedergeschrieben werden muss, da es dadurch mehr Gewicht als nur mündlich Hervorgebrachtes bekommt.[37] Dazu bemerkt Jochen Hörisch in seiner Geschichte der Medien:

„Verba volant, scripta manent. Gesprochene Worte verfliegen, Schriften bleiben. So selbstbewußt hatte sich die erste große Medieninnovation, die Erfindung der Schrift, in Zeiten, in denen sie selbst schon klassisch geworden war, beschrieben. Was schwarz auf weiß geschrieben steht, bleibt, anders als das verfliegende Wort, eine längere Weile bestehen.“[38]

Auch Horst Wenzel erkennt in der Einführung des Buchdrucks nicht nur Auswirkungen auf Wahrnehmung und Erkenntnis, sondern auch die Macht des gedruckten Wortes:

„Für die frühneuzeitliche Gesellschaft hat die Durchsetzung des Buchdrucks, die typographische Erfassung und Verbreitung des überlieferten Wissens weitreichende Konsequenzen. Der Buchdruck verantwortet eine Umwälzung von Wahrnehmung und Erkenntnis und eine neue Verteilung sozialer Chancen, die an Schriftkenntnis gebunden sind und den Anschluß an das neue standardisierte Informationsverarbeitungs- und verteilungsnetz von gedruckter Literatur erfordern. (…) Mit der schnellen und effizienten Verbreitung durch den Druck wird das geschriebene Wort zum ‚wahren’ Wort. Wissen selbst scheint nur noch in gedruckter Schriftsprache von allgemeiner Gültigkeit (…).“[39]

Wenn Text unabhängig vom Autor betrachtet wird, kann man Schrift jedoch auch als Modell von Ideen und der Seele sehen:

„Die Verschriftlichung als Technologie des Vergessen-Könnens vermochte es, ihre Benutzer von memorativen und identifikatorischen Zwängen zu entlasten. Dadurch jedoch, daß Schrift immer wieder lautbar werden kann und folglich eine Maschine zur Erzeugung von Klang ist (…), muß sie dialektisch gedacht werden. Das aufschreibbare und in jeweilige Rede aktualisierbare Wissen wird unabhängig von Übermittlern, von Zeit und Raum, wodurch die Schrift zum Modell der ‚Ideen’ und damit der Metaphysik selbst avancieren konnte. Zugleich liefert das Schreiben auch das Modell dessen, was philosophiert, nämlich der Seele, die in der Metapher einer Wachstafel gedacht werden konnte, an der Schreib- und Leseoperationen durchgeführt werden.“[40]

2.2.2 Metaphern als Verbindung

Ein interessanter Aspekt im Zusammenhang mit oralen und literalen Kulturen ist das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, das wir heute in unserer Sprache anhand von Metaphern noch erkennen können. Diese sprachlichen Bilder bedienen sich Ausdrücken für den menschlichen Körper, die unter anderem im Bereich des Buchwesens sowie im Zusammenhang mit Denken, Wissen, Gedächtnis und Lesen gebräuchlich sind.

Orale Kulturen kennen kein Wissen und kein Gedächtnis außerhalb des menschlichen Körpers. Mit der Einführung von Schrift steht eine weitere Kommunikationsmöglichkeit zur Wahl, wobei an vielen Metaphern unserer heutigen Sprache zu erkennen ist, wie sich die Schriftlichkeit an die Oralität angepasst hat: „Diese Metaphorik weist darauf zurück, daß die Schrift als Repräsentation der Rede lange nicht abstrakt gedacht wurde. (…) Diese Bindung an das Körperschema hat sich in den toten Metaphern des Buchwesens bis heute erhalten.“[41]

Ein Buch ist ein „Korpus“ mit „Kapiteln“ (aus dem Lateinischen „caput“, Haupt), einer „Kopf- und Fußzeile“ sowie einem „Buchrücken“. Setzer in Druckereien verwenden „Bastardschriften“, ärgern sich über „Schusterjungen“ oder „Hurenkinder“ und freuen sich über eine „Jungfrau“. Hörisch bezeichnet diese Ausdrücke als

„Anthropomorphe Euphemismen, die vergessen machen wollen, daß das spezifisch neuzeitliche Massenmedienprodukt Buch Interaktion und Kommunikation im großen Maßstab entkoppelt und auch dadurch für eine neue Sachlichkeit sorgt.“[42]

Im Zusammenhang mit Denken, Wissen und Gedächtnis ist eine Speisemetaphorik überliefert: Das Gedächtnis ist der „Magen der Seele“, die Worte werden „gekostet“, „gekaut“, „einverleibt“ und „verschlungen“. Ohne geistige Nahrung „verhungert“ man und bekommt „Wissensdurst“ oder „Bildungshunger“. „Bücher, die man nicht begreift, hat man nicht ‚verdaut’; und was man nur wiedergibt, ohne es zu verstehen, ist nur ‚wiedergekäut’; wobei vieles, was man liest, einem nicht ‚schmeckt’ (…).“[43] Der Computer besitzt ein „Menü“, in das Daten „eingespeist“ werden, Rechner werden „gefüttert“ und „werfen“ Ergebnisse „aus“. Manchmal gehen wir mit Gedanken „schwanger“ und bringen eine „Kopfgeburt“ hervor.

Für das Lesen kennen wir viele Metaphern, die den Lesevorgang mit unseren Körperfunktionen verknüpfen:

„(…) so sprechen wir Leser davon, daß wir in das Buch hineinschnuppern, eine Kostprobe nehmen, sie auf der Zunge zergehen lassen, dann das Buch auf einen Sitz verschlingen, worauf wir die Geschichte, die uns nun schwer im Magen liegt, verdauen oder wiederkäuen, wenn nicht gar auskotzen, weil sie ungenießbar ist …“[44]

Unser Körper und unser Geist werden in der Tradition oraler Kulturen somit heute noch durch Metaphern verbunden, was zeigt, dass „die Metaphern der Sprache (…) das Fundament unserer Weltbilder (sind)“[45].

2.3 Platons Kritik an der Schrift

Platon lieferte eine erste Kritik des Mediums Schrift und damit eine erste Theorie über die Folgen der Schriftkultur. Im „Phaidros-Dialog“ und im „Siebten Brief“ bringt Platon Einwände gegen das Schreiben, die heute in ähnlicher Weise auch gegen Computer vorgebracht werden. Jochen Hörisch fasst die Argumente Platons zu folgender These zusammen:

„Platon bringt seine Medienkritik auf eine kurze, nicht sehr originelle und doch unüberhörbare erfolgreiche Formel: Medien entfremden. Sie entfernen, wie Sokrates resümiert, von den eigentlich seienden Ideen; die toten Schriftzeichen suggerieren fälschlich, sie hätten noch Bezug zu der Bewegung des lebendigen Geistes.“[46]

Sokrates empfindet im „Phaidros“ Schreiben als „unmenschlich, weil es so tut, als könne man außerhalb des Denkens etablieren, was in Wahrheit nur innerhalb des Denkprozesses stattfinden kann“[47]. Wie der Computer ist Schreiben somit nur ein hergestelltes Etwas.

Ein weiterer Einwand Sokrates’ gegen das Schreiben ist, dass es das Denken schwächt, weil es sich auf eine äußere Stütze „vermittels fremder Zeichen“[48] verlässt: Die Schrift zerstört das Gedächtnis und man wird „vergesslich, indem man sich auf Äußerliches anstatt auf innere Kräfte“[49] stützt. Die Kritik, dass Computer das Vergessen-Können beschleunigen, das Denken schwächen, indem sie ihm die Arbeit abnehmen, geht mit dieser Argumentation einher. Nach Ansicht Sokrates’ sollte der wahre Gelehrte auf Bücher, die für ihn Gedächtnisstütze und Wissensspeicher waren, verzichten.[50]

[...]


[1] Sting, Stephan: Die Schriftlichkeit der Bildung. Medienimplikationen im Bildungsdenken von Herbart und Schleiermacher. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 1/98, S. 45f

[2] Jouhy, Ernest: Vielfalt der Kulturen – Einheit der Bildung. In: Tenorth, Heinz-Elmar (Hg.): Allgemeine Bildung: Analysen zu ihrer Wirklichkeit, Versuche über ihre Zukunft. Weinheim u.a. 1986, S. 268

[3] Sting, Stephan: Die Schriftlichkeit der Bildung. Medienimplikationen im Bildungsdenken von Herbart und Schleiermacher. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 1/98, S. 47f

[4] Sting, Stephan: Die Schriftlichkeit der Bildung. In: Medienimplikationen im Bildungsdenken von Herbart und Schleiermacher. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 1/98, S. 48

[5] Sting, Stephan: Schrift, Bildung und Selbst. Eine pädagogische Geschichte der Schriftlichkeit. Weinheim 1998, S. 9f

[6] Engell, Lorenz und Joseph Vogl: Vorwort. In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 8

[7] Sting, Stephan: Die Schriftlichkeit der Bildung. Medienimplikationen im Bildungsdenken von Herbart und Schleiermacher. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 1/98, S. 46

[8] Sting, Stephan: Die Schriftlichkeit der Bildung. Medienimplikationen im Bildungsdenken von Herbart und Schleiermacher. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 1/98, S. 57

[9] McLuhan, Marshall: Die magischen Kanäle. „Understanding Media“. Düsseldorf u.a. 1992, S. 18ff

[10] Engell, Lorenz und Joseph Vogl: Vorwort. In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 10

[11] Harrasser, Karin: Medienhistorische Lehrerbilder. In: Thonhauser, Josef und Kirstin Eckstein (Hg.): Einblicke in Prozesse der Forschung und Entwicklung im Bildungsbereich, Innsbruck u.a. 2002, S. 67

[12] Havelock, Eric A.: Gesprochener Laut und geschriebenes Zeichen (1982). In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 81f

[13] Ong, Walter: Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes (1982). In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 100

[14] Havelock, Eric A.: Gesprochener Laut und geschriebenes Zeichen (1982). In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 82f

[15] Groth, Günther: Erziehung und Orientierung in der modernen Medienwelt – Kulturanthropologische und bildungsphilosophische Anmerkungen. In: Pädagogische Rundschau 50, 1996, S. 487

[16] Funke, Fritz: Ein Überblick über die Geschichte des Buches. München, 6. Aufl. 1999, S. 13

[17] Sting, Stephan: Schrift, Bildung und Selbst. Eine pädagogische Geschichte der Schriftlichkeit. Weinheim 1998, S. 17

[18] Sting, Stephan: Schrift, Bildung und Selbst. Eine pädagogische Geschichte der Schriftlichkeit. Weinheim 1998, S. 17

[19] Sting, Stephan: Schrift, Bildung und Selbst. Eine pädagogische Geschichte der Schriftlichkeit. Weinheim 1998, S. 18

[20] Sting, Stephan: Schrift, Bildung und Selbst. Eine pädagogische Geschichte der Schriftlichkeit. Weinheim 1998, S. 19

[21] Sting, Stephan: Schrift, Bildung und Selbst. Eine pädagogische Geschichte der Schriftlichkeit. Weinheim 1998, S. 19f

[22] Wenzel, Horst: Ohren und Augen – Schrift und Bild. Zur medialen Transformation körperlicher Wahrnehmung im Mittelalter. In: Faßler Manfred und Wulf R. Halbach (Hg.). Geschichte der Medien. München 1998, S. 109

[23] Groth, Günther: Erziehung und Orientierung in der modernen Medienwelt – Kulturanthropologische und bildungsphilosophische Anmerkungen. In: Pädagogische Rundschau 50, 1996, S. 487

[24] Ong, Walter: Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes (1982). In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 95

[25] Kerckhove, Derrick de: Vom Alphabet zum Computer (1990). In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 118

[26] Sting, Stephan: Schrift, Bildung und Selbst. Eine pädagogische Geschichte der Schriftlichkeit. Weinheim 1998, S. 13

[27] Duncker, Ludwig: Eine Schulreform gegen die Schrift? Zur Bedeutung der Literalität für das Lernen. In: Neue Sammlung, 32. Jg. 1992, S. 537f

[28] Duncker, Ludwig: Eine Schulreform gegen die Schrift? Zur Bedeutung der Literalität für das Lernen. In: Neue Sammlung, 32. Jg. 1992, S. 539

[29] Goody, Jack, Ian Watt und Kathleen Gough: Entstehung und Folgen der Schriftkultur. Frankfurt am Main, 2. Aufl. 1991, S. 19f

[30] Duncker, Ludwig: Eine Schulreform gegen die Schrift? Zur Bedeutung der Literalität für das Lernen. In: Neue Sammlung, 32. Jg. 1992, S. 540

[31] Duncker, Ludwig: Eine Schulreform gegen die Schrift? Zur Bedeutung der Literalität für das Lernen. In: Neue Sammlung, 32. Jg. 1992, S. 541

[32] Duncker, Ludwig: Eine Schulreform gegen die Schrift? Zur Bedeutung der Literalität für das Lernen. In: Neue Sammlung, 32. Jg. 1992, S. 542

[33] Duncker, Ludwig: Eine Schulreform gegen die Schrift? Zur Bedeutung der Literalität für das Lernen. In: Neue Sammlung, 32. Jg. 1992, S. 542

[34] Goody, Jack, Ian Watt und Kathleen Gough: Entstehung und Folgen der Schriftkultur. Frankfurt am Main, 2. Aufl. 1991, S. 20ff

[35] Goody, Jack, Ian Watt und Kathleen Gough: Entstehung und Folgen der Schriftkultur. Frankfurt am Main, 2. Aufl. 1991, S. 16

[36] Ong, Walter: Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes (1982). In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 95

[37] Goody, Jack, Ian Watt und Kathleen Gough: Entstehung und Folgen der Schriftkultur. Frankfurt am Main, 2. Aufl. 1991, S. 14

[38] Hörisch, Jochen: Der Sinn und die Sinne. Eine Geschichte der Medien. Frankfurt am Main 2001, S. 9

[39] Wenzel, Horst: Ohren und Augen – Schrift und Bild. Zur medialen Transformation körperlicher Wahrnehmung im Mittelalter. In: Faßler Manfred und Wulf R. Halbach (Hg.). Geschichte der Medien. München 1998, S. 129

[40] Pias, Claus: ABC … In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 77

[41] Wenzel, Horst: Ohren und Augen – Schrift und Bild. Zur medialen Transformation körperlicher Wahrnehmung im Mittelalter. In: Faßler Manfred und Wulf R. Halbach (Hg.). Geschichte der Medien. München 1998, S. 112

[42] Hörisch, Jochen: Der Sinn und die Sinne. Eine Geschichte der Medien. Frankfurt am Main 2001, S. 144

[43] Schwanitz, Dietrich: Bildung. Alles, was man wissen muß. München 2002, S. 540f

[44] Manguel, Alberto: Eine Geschichte des Lesens. Reinbek bei Hamburg 1999, S. 201

[45] Schwanitz, Dietrich: Bildung. Alles, was man wissen muß. München 2002, S. 543

[46] Hörisch, Jochen: Der Sinn und die Sinne. Eine Geschichte der Medien. Frankfurt am Main 2001, S. 108

[47] Ong, Walter: Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes (1982). In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 96

[48] Goody, Jack, Ian Watt und Kathleen Gough: Entstehung und Folgen der Schriftkultur. Frankfurt am Main, 2. Aufl. 1991, S. 10

[49] Ong, Walter: Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes (1982). In: Engell, Lorenz u.a. (Hg.). Kursbuch Medienkultur. Die massgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart 1999, S. 96

[50] Manguel, Alberto: Eine Geschichte des Lesens. Reinbek bei Hamburg 1999, S. 76

Ende der Leseprobe aus 98 Seiten

Details

Titel
Das Buch als Bildungsmittel - Seine Bedeutung im Zeitalter der neuen Medien
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
98
Katalognummer
V114262
ISBN (eBook)
9783640145140
ISBN (Buch)
9783640146260
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buch, Bildungsmittel, Seine, Bedeutung, Zeitalter, Medien
Arbeit zitieren
Mag. phil. Maria Schlager (Autor), 2003, Das Buch als Bildungsmittel - Seine Bedeutung im Zeitalter der neuen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114262

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