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Die Anapher und der Weltbezug der Sprache - Zu Robert Brandoms Semantik in "Making it Explicit"

Title: Die Anapher und der Weltbezug der Sprache - Zu Robert Brandoms Semantik in "Making it Explicit"

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Axel Schubert (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Wenn die Philosophie in das Gefilde einer Spezialwissenschaft eindringt, um von den Frücten, die dort geerntet wurden, mitzuessen, so kann es mitunter vorkommen, daß dem Philosophen die besondere Schmackhaftigkeit einer Frucht bewußt wird, die dem Spezialwisseschaftler bis dahin verborgen geblieben ist. So könnte man es beschreiben, wenn Robert Brandom den der Sprachwissenschaft durchaus geläufigen, der Philosophie aber weitgehend fremden Begriff der Anapher aufgreift, weil er das Potential entdeckt, das dieser Begriff für sein Denken darstellt. Zwar gibt es auch andere Autoren, die philosophisches Interesse an der Anapher gezeigt haben. Doch Brandom ist sicher derjenige, der diesem Begriff die größte Ehre erwiesen hat, indem er ihn zu dem grundlegendsten Bestandteil seiner semantischen Theorie gemacht hat. Wie er dies macht, soll in diesem Aufsatz erklärt werden.
Zunächst muß gezeigt werden, was diesen Begriff für ein philosophisches System interessant macht. Dazu wird eine allgemeine Einführung in Brandoms „Making it Explicit“ geboten, die sich einseitig darauf konzentriert, zu dem Begriff der Anapher hinzuführen. Danach wird dieser als sprachliches Phänomen erklärt. Ausgehend von dem elementaren Fall der intersetentialen Anapher werden zunehmend problematische Beispiele vorgeführt, die belegen sollen, daß es sich hierbei um ein äußerst komplexes und uneindeutiges Phänomen handelt. Die Frage ist, ob die Anapher zwangsläufig einen Vorgänger haben muß bzw. ob ein solcher immer auffindbar sein muß? Mit dem Betreten des intrasententialen und interpersonalen Bereichs wird es wichtig, den Gegenstandsbezug singulärer Termini und schließlich den Weltbezug der Sprache allgemein zu berücksichtigen.
Es wird Brandoms Strategie gefolgt, die schließlich zu der Gegenüberstellung von Deixis und Anapher führt. Das Besondere und Neue an dieser Gegenüberstellung ist, daß der Anapher eine Bedeutung zugewiesen wird, die die der Deixis übersteigt. Es wird sich zeigen, daß Brandom die Anapher dazu verwendet, eine holistisch verfaßte Begriffswelt zu öffnen und an die außersprachliche Welt anzubinden. Erst nach dieser Öffnung kommen deiktische Ausdrü-cke ins Spiel, die immer noch die kürzeste Verbindung zwischen Wort und Welt darstellen.
Ob es Brandom gelingt, bei der Auswertung der Anapher für seine Zwecke der Komplexität dieses Phänomens gerecht zu werden, sei hier eine weitere Frage. Wenn sich die Anapher als ein zweifelhafter Mechanismus erweist, so wird damit auch die von Brandom genutzte Be-deutung dieses Begriffs in Zweifel gezogen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterwegs zur Anapher

2.1 Semantik und Pragmatik

2.2 Das semantische Vokabular: Inferenz, Substitution, Anapher (ISA)

2.2.1 Inferenz

2.2.2 Substitution

2.2.3 Anapher

3. Die Anapher – Von der semantischen Geschlossenheit zum Weltbezug der Sprache

3.1 Exkurs: Die Anapher und die Bezeichnung von Gegenständen durch singuläre Termini

3.2 Formen und Probleme der Anapher

3.2.1 Intrasententiale Anapher

3.2.2 Anaphorische Ketten – Inter- und intrasententiale Anapher

3.2.3 Exkurs: Bach-Peters-Sätze – Anaphorische Zirkel oder anaphorischer Konvent

3.3 Anapher versus Deixis?

3.3.1 Anapher im Diskurs

3.3.2 Deixis setzt Anapher voraus

4. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Anapher innerhalb von Robert Brandoms semantischer Theorie in "Making it Explicit". Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Brandom die Anapher als zentrales Element nutzt, um eine holistische Begriffswelt zu etablieren und den Weltbezug der Sprache – im Verhältnis zur Deixis – neu zu bestimmen.

  • Analyse der inferentiellen Semantik nach Brandom (ISA: Inferenz, Substitution, Anapher)
  • Untersuchung der Anapher als Mechanismus zur Erzeugung von Wiederholungsstrukturen
  • Gegenüberstellung von Anapher und Deixis in Bezug auf den Weltbezug
  • Diskussion der Komplexität anaphorischer Bezüge anhand von Fallbeispielen wie Bach-Peters-Sätzen
  • Kritische Würdigung der Wirksamkeit von Brandoms semantischem Vokabular

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Intrasententiale Anapher

Als das fundamentale anaphorische Phänomen identifiziert Brandom die Token-Rekurrenz. Dieses knüpft direkt an die substitutionale Äquivalenz singulärer Termini an. Die substitutionale Relation, die sich hinter der Verwendung von singulären Termini verbirgt, setzt den Begriff der Rekurrenz voraus. Der einfachste Fall ist lexikalische Kotypizität. In dem Satz

Der Eiffelturm gilt als Wahrzeichen von Paris und wird von Touristen geliebt, doch so mancher Pariser ist noch nie auf dem Eiffelturm gewesen.

ist offensichtlich das zweite Vorkommen des Tokenings „Eiffelturm“ eine Rekurrenz des ersten. Doch zum einen führt lexikalische Kotypizität im prosaischen Sprachgebrauch meist zu uneleganten Redundanzen, zum andern ist Kotypizität weder notwendig noch hinreichend dafür, daß Tokenings als Vorkommnisse desselben Terminus gelten. Der Satz

Dieser Turm ist eine Touristenatraktion, also ist dieser Turm der Eiffelturm.

kann sich auf zwei verschiedene Türme beziehen, und daß Rekurrenzstrukturen nicht kotypisch sein müssen zeigen Pronomina in mustergültiger Weise.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die sprachphilosophische Relevanz des Anapher-Begriffs bei Robert Brandom ein und skizziert das Vorhaben, dessen semantische Theorie zu durchleuchten.

2. Unterwegs zur Anapher: In diesem Kapitel werden die Grundlagen von Brandoms Semantik und Pragmatik gelegt, insbesondere durch das semantische Trio aus Inferenz, Substitution und Anapher (ISA).

3. Die Anapher – Von der semantischen Geschlossenheit zum Weltbezug der Sprache: Das Hauptkapitel expliziert die Anapher als grundlegendes Strukturmerkmal, das den Übergang von innersprachlichen Bezügen zum Weltbezug ermöglicht und kritisch mit der Deixis verglichen wird.

4. Schlussbemerkung: Das abschließende Kapitel resümiert die theoretischen Erkenntnisse und würdigt Brandoms Modell kritisch hinsichtlich seiner Stärken und Auslassungen.

Schlüsselwörter

Robert Brandom, Making it Explicit, Anapher, Deixis, Semantik, Pragmatik, Inferenz, Substitution, Token-Rekurrenz, Weltbezug, Sprachphilosophie, Singuläre Termini, Bach-Peters-Sätze, Anaphorische Kette, Sprachspiel

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Robert Brandoms semantische Theorie, wie sie in seinem Werk "Making it Explicit" dargelegt wird, mit einem spezifischen Fokus auf die Rolle des Anapher-Begriffs.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit behandelt die inferentielle Struktur der Sprache, den Zusammenhang von semantischen Gehalten und praktischem Gebrauch sowie die besondere Funktion der Anapher als Brücke zwischen Sprache und Welt.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, Brandoms Behauptung, dass die Anapher grundlegender als die Deixis ist, zu erläutern und kritisch zu prüfen, ob sein Modell der komplexen Sprachpraxis in allen Fällen gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die Brandoms Argumentationsgang rekonstruiert, durch Exkurse zur linguistischen Debatte ergänzt und methodisch kritisch hinterfragt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Einführung des ISA-Vokabulars, die detaillierte Analyse anaphorischer Relationen, die Auseinandersetzung mit "Bach-Peters-Sätzen" sowie den Vergleich von Anapher und Deixis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Inferenz, Substitution, Anapher, Deixis, Token-Rekurrenz, Weltbezug und diskursive Praxis.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen Anapher und Deixis für Brandom eine so wichtige Rolle?

Brandom versucht, den Weltbezug der Sprache nicht als direkte, statische Beziehung zu deuten, sondern als Resultat der Anapher, die eine "Öffnung" der holistischen Begriffswelt ermöglicht.

Welche Schwächen identifiziert der Autor an Brandoms Ansatz?

Der Autor bemängelt, dass Brandom idealisierte Sprachsituationen voraussetzt und die Möglichkeit des Scheiterns anaphorischer Bezüge – also Fälle, in denen Kommunikation aufgrund unklarer Rekurrenzen problematisch wird – ausblendet.

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Details

Title
Die Anapher und der Weltbezug der Sprache - Zu Robert Brandoms Semantik in "Making it Explicit"
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,0
Author
Axel Schubert (Author)
Publication Year
2001
Pages
24
Catalog Number
V114291
ISBN (eBook)
9783640152537
ISBN (Book)
9783640154678
Language
German
Tags
Anapher Weltbezug Sprache Semantik Robert Brandom Vernunft Deixis Pragmatik Brandom
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Axel Schubert (Author), 2001, Die Anapher und der Weltbezug der Sprache - Zu Robert Brandoms Semantik in "Making it Explicit", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114291
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