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Zur Genealogie des Rechts - Drei Paradoxien zum Verhältnis von Recht, Gewalt und Gerechtigkeit

Title: Zur Genealogie des Rechts - Drei Paradoxien zum Verhältnis von Recht, Gewalt und Gerechtigkeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 32 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Axel Schubert (Author)

Cultural Studies - Basics and Definitions
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Das Motto dieser Arbeit kann auf eine einfache Formel gebracht werden: drei Autoren – drei Paradoxien. Ausgehend von Kants Definition des Rechtsbegriffs werden drei Autoren behandelt, die gemeinsam eine kanonische Rezeptionsgeschichte schreiben: Jacques Derrida liest Walter Benjamin, Giorgio Agamben liest Jacques Derrida. Genau genommen rekurrieren aber Derrida und Agamben zuforderst auf Benjamin. Dessen Aufsatz Zur Kritik der Gewalt (1921) ist die Grundlage für Überlegungen zu dem Verhältnis von Recht, Gewalt und Gerechtigkeit. Derrida widmet diesem Aufsatz mit Gesetzeskraft. Der „mystische Grund der Autorität“ (1990) zwei ausführliche Vorträge, in denen er ihn einer dekonstruktivistischen Lektüre unterzieht. Für Agambens Homo sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben (1995) hat er katalytische Wirkung. Er droht zwar, in der Fülle der referierten Textquellen unterzugehen. Es ist aber nicht zu übersehen, dass Agamben vor allem diesem, aber auch anderen Texten Benjamins viel verdankt.
In dieser Arbeit werden drei Paradoxien formuliert: die Paradoxie der Gewalt (Benjamin), die Paradoxie des Ursprungs (Derrida) und die Paradoxie der Souveränität (Agamben). Während Agamben seine Paradoxie explizit benennt und zum Titel der systematischen Vorüberlegungen seines Buches Homo sacer macht, formulieren Benjamin und Derrida lediglich, was ich jeweils als Paradoxie bezeichne. Die Lektüre der drei Autoren und der drei Kerntexte wird weitgehend unabhängig und in autonomen Blöcken stattfinden. Erst in der Schlussbetrachtung wird es zu übergreifenden Interpretationen kommen. Zunächst wird Benjamins Kritik der Gewalt insbesondere in Bezug auf die Unterscheidungen von rechtsetzender und rechterhaltender Gewalt dargelegt und interpretiert. Daran schließt sich Derridas Gesetzeskraft an. Es wird in groben Zügen in die Terminologie der Dekonstruktion eingeführt, um die Lektüre vor diesem Hintergrund verständlich zu machen. Schließlich wird Agambens Schlüsselfigur des homo sacer im Zusammenhang mit der Carl Schmitt entlehnten Souveränitätstheorie vorgestellt. Es werden vor allem Agambens strukturtheoretische Überlegungen dazu und die Auflösung dieser beiden Konzeptionen in der der „Lebens-Form“ referiert. Am Schluss der Arbeit stehen schließlich einige vergleichende Überlegungen zu dem Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit bei den drei Autoren und zu der Position, in der sie jeweils zu ihrem theoretischen Gegenstand stehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Recht?

3. Walter Benjamin: Die Paradoxie der Gewalt

3.1 Gewalt als Mittel und Bedrohung des Rechts

3.2 Rechtsetzende und rechtserhaltende Gewalt

3.3 Göttliche Gewalt

4. Jacques Derrida: Das Paradox des Ursprungs

4.1 Différance und Dekonstruktion

4.2 Die Dekonstruktion ist die Gerechtigkeit

4.3 Recht und Gerechtigkeit

5. Giorgio Agamben: Das Paradox der Souveränität

5.1 Der Ausnahmezustand

5.2 Ausnahme und Regel

5.3 Ausnahmezustand und „Lebens-Form“

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Recht, Gewalt und Gerechtigkeit anhand von drei zentralen Paradoxien, die von Walter Benjamin, Jacques Derrida und Giorgio Agamben formuliert wurden. Dabei wird analysiert, wie diese Autoren das Spannungsfeld zwischen rechtsetzender Gewalt, staatlicher Souveränität und dem Streben nach Gerechtigkeit dekonstruieren und neu bewerten.

  • Die Paradoxie der Gewalt bei Walter Benjamin
  • Das Paradox des Ursprungs in der Dekonstruktion von Jacques Derrida
  • Die Paradoxie der Souveränität und der Ausnahmezustand bei Giorgio Agamben
  • Kritische Analyse von Recht und Gerechtigkeit
  • Die Rolle der „Lebens-Form“ als theoretischer Ausweg

Auszug aus dem Buch

3.3 Göttliche Gewalt

Wenn zwischen berechtigten Mitteln und gerechten Zwecken ein Widerspruch entsteht und Gewalt sich stattdessen unmittelbar manifestieren kann, dann steht die Zweck/Mittel-Relation im Zeichen des Schicksals. Die „Schicksalsgewalt der Geschichte im Reich reiner zweckentbundener Vermittlung“ kann bewirken, dass eigentlich gewaltsame Mittel – etwa die Niederlegung der Arbeit im „proletarischen Generalstreik“ – das Prädikat „gewaltsam“ wieder verlieren. Dies aber nur deswegen, weil sie ihre Gewaltlosigkeit als „reine Mittel“ wiederum einer Gewalt verdanken: der „schicksalsmäßigen Gewalt“ der Geschichte, zu der sie aber in keiner vorentschiedenen Relation stehen. Das Schicksal waltet schließlich außerhalb jeder Zweck/Mittel-Relation. Das „reine Mittel“ verdankt seine Reinheit der Tatsache, dass die Gewalt des Schicksals es aus jedem Bezug auf (Rechts-) Zwecke befreit. Solchermaßen rein vermittelt es nichts mehr. Die ihm entsprechende Gewalt wirkt unmittelbar.

Genauso wenig bezieht sich die Gewalt in alltäglichen Ausbrüchen des Zorns auf einen bestimmten Zweck. „Sie ist nicht Mittel, sondern Manifestation.“ Die Mythologie hält, wie Benjamin an der Niobesage zeigt, weitere Beispiele für diese rein manifeste Gewalt bereit, weswegen er sie „mythische Gewalt“ nennt. Allerdings hat sie einen Makel. Sie ist trotz ihres manifesten Charakters rechtsetzende Gewalt. Liegt ihr auch mehr am singulären Exempel, am unüberhörbaren Machtwort als an der Verfolgung von Rechtszwecken, so will es das Schicksal doch, dass auch dabei Recht eingesetzt wird. Um also nicht wieder in das Paradox von Rechtsetzung und Rechtserhaltung zurückzufallen, trifft Benjamin eine letzte Unterscheidung: die von mythischer und göttlicher Gewalt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung der Arbeit und führt in die drei zentralen Paradoxien sowie die gewählten Autoren Benjamin, Derrida und Agamben ein.

2. Was ist Recht?: Dieses Kapitel legt die philosophische Basis durch eine Definition des Rechtsbegriffs nach Kant und beleuchtet die historische Trennung von Recht und Moral.

3. Walter Benjamin: Die Paradoxie der Gewalt: Benjamin wird als Ausgangspunkt gewählt, wobei sein Konzept der Unterscheidung zwischen rechtsetzender und rechtserhaltender Gewalt analysiert wird.

4. Jacques Derrida: Das Paradox des Ursprungs: Das Kapitel untersucht Derridas dekonstruktive Lesart Benjamins und die Identifizierung der Dekonstruktion mit der Gerechtigkeit.

5. Giorgio Agamben: Das Paradox der Souveränität: Hier wird Agambens Theorie des Ausnahmezustands und der Figur des homo sacer im Kontext der Souveränität diskutiert.

6. Schlussbetrachtung: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und reflektiert die unterschiedlichen theoretischen Herangehensweisen der drei Autoren an das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit.

Schlüsselwörter

Recht, Gewalt, Gerechtigkeit, Paradoxie, Souveränität, Ausnahmezustand, Dekonstruktion, Walter Benjamin, Jacques Derrida, Giorgio Agamben, homo sacer, Lebens-Form, Rechtsetzung, Rechtserhaltung, Metaphysik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das komplexe und paradoxe Verhältnis zwischen Recht, Gewalt und Gerechtigkeit in der philosophischen Tradition.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit behandelt die Legitimierung von Gewalt, das Wesen der staatlichen Souveränität sowie die Aporien der Gerechtigkeit innerhalb juristischer Systeme.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, durch die Lektüre von Benjamin, Derrida und Agamben die grundlegenden Paradoxien aufzuzeigen, die bei der Begründung und Anwendung von Recht entstehen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt die Methode der kritischen Textanalyse und der Dekonstruktion, um die Argumentationsstrukturen der behandelten Philosophen offenzulegen.

Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Blöcke, die jeweils die Paradoxien der Gewalt (Benjamin), des Ursprungs (Derrida) und der Souveränität (Agamben) detailliert untersuchen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlüsselbegriffe sind Paradoxie, Souveränität, Ausnahmezustand, Rechtsetzung, Rechtserhaltung und Dekonstruktion.

Wie unterscheidet Benjamin zwischen rechtsetzender und rechtserhaltender Gewalt?

Benjamin verdeutlicht, dass jede Rechtsordnung Gewalt benötigt, um sich zu etablieren (setzend) und um ihren Bestand gegen interne wie externe Bedrohungen zu sichern (erhaltend).

Was bedeutet der Begriff „homo sacer“ bei Agamben?

Der homo sacer bezeichnet eine Figur aus dem römischen Recht, die aus der politischen Gemeinschaft ausgeschlossen ist, aber gerade durch diesen Ausschluss der Gewalt des Souveräns schutzlos ausgeliefert bleibt.

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Details

Title
Zur Genealogie des Rechts - Drei Paradoxien zum Verhältnis von Recht, Gewalt und Gerechtigkeit
College
Humboldt-University of Berlin
Grade
1,3
Author
Axel Schubert (Author)
Publication Year
2003
Pages
32
Catalog Number
V114292
ISBN (eBook)
9783640158423
ISBN (Book)
9783640159536
Language
German
Tags
Genealogie Recht Gewalt Gerechtigkeit Paradoxie Giorgio Agamben Jacques Derrida Walter Benjamin Agamben Derrida Benjamin Homo sacer Souveränität Ursprung Paradox Dekonstruktion Regel Ausnahme Ausnahmezustand
Product Safety
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Quote paper
Axel Schubert (Author), 2003, Zur Genealogie des Rechts - Drei Paradoxien zum Verhältnis von Recht, Gewalt und Gerechtigkeit , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114292
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