Die wachsende Bedeutung Chinas aus dem Blickwinkel afrikanischer und lateinamerikanischer Entwicklungsländer


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2007
11 Seiten, Note: "-"

Leseprobe

Gliederung

1. Chinas Stellung in der Weltpolitik: Problemstellung und Schlussfolgerung

2. Chinas politische Ordnung und außenpolitische Orientierung
2. 1 Hegemonialstellung der USA und die Forderung nach einer multipolaren Weltordnung
2. 2 Staatlicher Souveränitätsanspruch als Grundlage der chinesischen Außenpolitik
2. 3 Trennung von Staatsform und Wirtschaft als Vorraussetzung für die chinesisch-afrikanischen und chinesisch-lateinamerikanischen Beziehungen

3. Strategien chinesischer Außenpolitik in den Beziehungen zu Afrika

4. Strategien chinesischer Außenpolitik in den Beziehungen zu USA

5. Konsequenzen für Afrika

1. Chinas Stellung in der Weltpolitik: Problemstellung und Schlussfolgerung

China hat in den letzen Jahrzehnten seit seiner Gründung im Jahre 1949 einen starken politischen und wirtschaftlichen Wandlungsprozess durchlaufen, der die Beziehungen zu den Nachbarstaaten und insbesondere Chinas Rolle in der internationalen Weltordnung nachhaltig geprägt hat. Dies spiegelt sich vor allem in den sprunghaft angestiegenen Handelsvolumen zu anderen Ländern, insbesondere Afrika und Lateinamerika wieder. Ausgehend von der Untersuchung der Ziele und Strategien, die China in diesen Ländern verfolgt, wird der Frage nachgegangen, welche politischen Konsequenzen das chinesische Engagement in dieser Region für die USA, Afrika und die Entwicklungsländer hat. Das Abstract kommt dabei zu folgendem Ergebnis: Chinas Aufstieg in der Weltpolitik ist vor allem auf das große, stetig wachsende Wirtschaftswachstum des Landes zurückzuführen. Chinas Wirtschaftspolitik ist dabei angewiesen auf Rohstoffimporte für seinen hohen Energiebedarf. Diese Wirtschaftspolitik ist jedoch eingebettet in eine Außenpolitik, deren primäres Ziel vor allem die Klärung der Taiwan Frage sowie die Nichteinmischung in die chinesische Menschenrechtspolitik ist.

2. Chinas politische Ordnung und außenpolitische Orientierung

In den 70ziger Jahren leitete die KPCh (Kommunistische Partei China) die Reformbeschlüsse ein, die zu einer Transformation der Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft führten. Diese wirtschaftlichen Modernisierung, ausgelöst durch die Politik der „vier Modernisierungen“, hatten vor allem zum Ziel, die Rolle Chinas in der Region und in der Welt zu stärken[1].

Diese Transformation führte zu steigenden Wohlstand und zu Chinas Beitritt zu internationalen Wirtschaftsorganisationen: „Ein besonderes Merkmal der neuen chinesischen Wirtschaft ist ihre internationale Verflechtung, die sich vor allem in der Entwicklung des Außenhandels und der ausländischen Investitionen widerspiegelt…Damit ist die chinesische Volksrepublik schon heute in absoluten Zahlen die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, mit einem wirtschaftlichen Gewicht, das weit über die asiatisch-pazifische Region hinausreicht.“ (Ferdowsi et al., 2004: 274). Chinas politische Struktur heute ist geprägt durch eine Marktwirtschaft mit freier Preisbildung, koordiniert wird das System jedoch durch die kommunistische Partei, die weiterhin alle zentralen Aufgaben übernimmt. Die kommunistische Partei prägt daher nach wie vor das politische Leben in China. Nach dem Vorbild des demokratischen Zentralismus besteht sie aus einem Parteitag, einem Zentralkomitee, dem Politbüro sowie einem ständigen Ausschuss des Politbüros. Wichtigen Einfluss im politischen Leben haben auch die Kreis- und Gemeindekader, denn sie verfügen über Handlungsautonomie gegenüber dem Zentralstaat und sind u. a. die zentralen Akteure bei der Agrarpolitik und spielen dabei bei der Loyalität der Bauern und der sozialen Stabilität des Landes eine erhebliche Rolle: „Maßgebliche außenpolitische Akteure der Volksrepublik sind nicht allein die zentralen Instanzen der Partei- und Staatsführung, sondern auch Chinas Provinzen und seine Staatsunternehmen sowie lokale Kader und private Händler, die nur noch teilweise von Peking kontrolliert und gesteuert werden können.“ (Hilpert et al., 2005: 6). In seiner Innen- und Außenpolitik befolgt China das Prinzip der staatlichen Souveränität, d. h. die freie Bestimmung des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Status. Dieses Prinzip bestimmt die Strategien der Außenpolitik und gestaltet das Verhältnis zu anderen Staaten.

2. 1 Hegemonialstellung der USA und die Forderung nach einer multipolaren Weltordnung

Mit und in der Außenpolitik ist China vor allem darum bestrebt, ein derartiges internationales Mächtegleichgewicht zu erzielen, dass es keinen Staat gelingt, eine unipolare Weltmacht zu erhalten. Chinas Forderung nach einer multipolaren Weltordnung ist jedoch kein Produkt dieser neuen Konstellation, sondern bestand bereits bei ihrer Gründung im Jahr 1949, lediglich die Ziele dieser Anti-Hegemonialpolitik haben sich gewandelt. Bis zu Beginn des 20 Jahrhunderts war das internationale System geprägt durch die hegemoniale Vormachtstellung der europäischen Staaten. Erst durch den Aufstieg der USA zur Weltmacht und dem anschließenden Ende des Ost-West-Konflikts gelangte die USA zur weltpolitischen Spitzenmacht. Galt es für China primär in den 70ziger Jahren, die Vormachtstellung der Sowjetunion zu schwächen, wendetet sich dieser Kurs 1979, als die USA keine Anstrengungen unternahmen, China bei der Taiwan Frage zu unterstützen. Hinzu kam die Erkenntnis, dass eine unabhängige Mittelposition Chinas zwischen den beiden Weltmächten USA und der Sowjetunion die Rolle Chinas verstärken würde[2]. Die beiden wichtigsten Veränderungen in der Weltpolitik seit Beginn der 80ziger Jahren ist das Aufstreben von China als Akteur der Weltpolitik und der gleichzeitige Niedergang der Sowjetunion. „Mit dem Ende des kalten Krieges prophezeite- und befürchtete- die Volksrepublik die Herausbildung einer weltweiten amerikanischen Hegemonie, die Chinas außenpolitischen Handlungsspielräume einengen und seinen weltweiten behindern würde. Der unipolaren Welt setzte Peking sein Konzept der Multipolarität entgegen. Es zielt auf Herstellung eines internationalen Gleichgewichts und einer neuen und gerechten Ordnung“ (Tull, Denis, 2005: 9).

[...]


[1] Bei der Politik der vier Modernisierungen handelte es sich jedoch nicht um ein einheitliches Reformpapier. 1982 bezeichnete die chinesische Verfassung das Land als „sozialistischen Staat unter der demokratischen Diktatur des Volks“. 1993 taucht in den Verfassungsgrundsätzen erstmals der Begriff soziale Marktwirtschaft auf (vgl. Schubert et al., 2005: 85 ff.)

[2] Die Entspannungspolitik im Ost-West Konflikt setzt zwar bereits Ende der 60ziger Jahre ein, wurde jedoch immer wieder von Krisen durchbrochen (vgl. Woyke et al., 2006: 400 ff.).

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Details

Titel
Die wachsende Bedeutung Chinas aus dem Blickwinkel afrikanischer und lateinamerikanischer Entwicklungsländer
Note
"-"
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V114319
ISBN (eBook)
9783640158546
ISBN (Buch)
9783640159642
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Chinas, Blickwinkel, Entwicklungsländer
Arbeit zitieren
Birgit Schröer (Autor), 2007, Die wachsende Bedeutung Chinas aus dem Blickwinkel afrikanischer und lateinamerikanischer Entwicklungsländer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114319

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