Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Pädagogik - Schulpädagogik

Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit in der Schule

Titel: Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit in der Schule

Sammelband , 2008 , 27 Seiten , Note: 2,00

Autor:in: Marie-Luise Leise (Autor:in)

Pädagogik - Schulpädagogik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Laut einer Umfrage, so kann man unter anderem auf Spiegel-Online lesen, schneidet im Urteil der Bundesbürger die Schulpolitik schlecht ab, was man an den Ergebnissen deutlich erkennen kann: Fast die Hälfte der Bevölkerung beurteilt das deutsche Bildungssystem als ungerecht. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Hierbei nannten fünfundvierzig Prozent der befragten Bürger das deutsche Bildungssystem ungerecht. Besonders negativ beurteilten Ostdeutsche das Schulsystem: sechzig Prozent bezeichneten es als eher oder sogar völlig ungerecht. Auffällig dabei ist, dass etwas mehr als die Hälfte der Eltern von Haupt- oder Gesamtschülern das deutsche Bildungssystem mehrheitlich als nicht gerecht bewerten, die geringste Ablehnung zeigten Eltern von Gymnasiasten und Realschülern mit jeweils etwa fünfundvierzig Prozent.
Eine deutliche Mehrheit ist dafür, Kinder erst später auf unterschiedliche Bildungswege zu schicken, "Nach der sechsten Klasse" als richtigen Zeitpunkt nannte knapp die Hälfte. Immerhin gut jeder Fünfte würde Schüler sogar bis zur neunten Klasse gemeinsam unterrichten lassen, wofür auch Finnland und Canada als internationaler Vergleich stehen.
Gar drei Viertel der Bundesbürger bezweifeln, dass Jugendliche aller Schichten und aus allen Kulturkreisen nach der Schule die gleichen Berufschancen haben. Eltern schulpflichtiger Kinder sind auch hier deutlich skeptischer als der Bevölkerungsdurchschnitt: sechsundachtzig Prozent glauben nicht an Chancengleichheit für sozial Schwächere und für Migrantenkinder auf dem Arbeitsmarkt. Fast neunzig Prozent der Befragten forderten, Kinder aus sozial schwachen Familien stärker individuell zu fördern, weshalb sich gut drei Viertel der Bevölkerung für den Ausbau von Ganztagsschulen aussprechen.

Seit Deutschland erstmals 2001 durch schlechte Ergebnisse bei PISA einen Schock erlebte, ist die Zukunft des Bildungssystems umstritten - vor allem die Fragen, wie es mit den Hauptschulen weitergehen soll, ob es wirklich sinnvoll ist, die Schüler bereits nach vier Jahren auf unterschiedliche Schultypen zu schicken, wie man zum traditionellen Dreigliedrigkeit des Schulsystems weiterhin stehen soll oder ob die Gesamtschule tatsächlich eine bessere Alternative sein könnte, wie viele andere Punkte, die damit zusammenhängen, gilt es zu diskutieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitende Worte

II. Hauptteil/ Reflexionen

1. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2003 und 2006: Die vier Bildungsschwellen

2. Schule und soziale Ungleichheit: Zum Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in Deutschland und anderen OECD-Ländern

3. Theoretische Klärung:

a) Was ist Chancengleichheit?

b) Bourdieu: Ökonomisches, kulturelles, soziales Kapital

c) Ist Chancengleichheit eine Illusion?

4. PISA 2000: Familiäre Lebensverhältnisse, Bildungsbeteiligung und Kompetenzerwerb im nationalen und im internationalen Vergleich

5. Geschlechterunterschiede in Bildungsbeteiligung, Kompetenzerwerb und Schulleistung: Sind die Mädchen oder die Jungen das benachteiligte Geschlecht?

6. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund: Multiple Benachteiligungen in Bildungsbeteiligung, Kompetenzerwerb und Schulleistung

7. Übergänge im Bildungssystem: Benachteiligungen beim Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I

8. Der Beitrag von Schule und Lehrern zur Reproduktion von Bildungsungleichheit

9. Zur doppelten Benachteiligung von Hauptschülern und Schülern aus unterprivilegierten Schichten

10. Offene Experteninterviews mit Lehrkräften der verschiedenen Schulformen: Präsentation der Ergebnisse

10. Fortsetzung: Offene Experteninterviews mit Lehrkräften Diskussion: Eine Schwellen-Konzeption der Bildungsgerechtigkeit als Lösung für das Problem der Chancengleichheit?

11. Versuche, der Benachteiligung durch die soziale Herkunft entgegen zu wirken:Gesamtschule, Niedersächsische Orientierungsstufe, Berufliche Gymnasien

III. Abschließende Betrachtungen mit internationalem Vergleich (Finnland und Canada)

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das deutsche Schulsystem hinsichtlich der Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Ziel ist es, soziale Disparitäten und Benachteiligungsmechanismen im Bildungssystem zu analysieren, den Einfluss der sozialen Herkunft zu beleuchten und mögliche Lösungsansätze für ein gerechteres Bildungssystem aufzuzeigen.

  • Soziale Ungleichheit im Bildungssystem
  • Einfluss von Kapitalsorten nach Bourdieu
  • Bildungschancen im nationalen und internationalen Vergleich (PISA, Finnland, Kanada)
  • Strukturelle Barrieren an Bildungsübergängen
  • Rolle der Lehrkräfte bei der Reproduktion von Bildungsungleichheit

Auszug aus dem Buch

Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit: Theoretische Klärung

Die heutige Diskussion über das Zusammenwirken der verschiedenen Kapitalbegriffe hat mich an einen Artikel in der „ZEIT“ erinnert, in welchem genau dieses Thema aufgegriffen wurde, wenn davon berichtet wird, wie eben kulturelles Kapital als auch soziales die Chancen zum Erwerb von ökonomischen Kapital determinieren, so im Sinne Bourdieus. In diesem Artikel wurden Beispiele wie der Name des Gymnasiums genannt, auf welchem ein Kind seinen Abschluss machen soll, und vieles andere. Besonders drastisch dargestellt aber am Beispiel der Namensgebung, also einer Handlung, die allem anderen (Schulwahl, die der Hobbies, des Studienganges etc.) vorausgeht und bewiesenermaßen –im Gegensatz zu noch zeitigerem Beeinflussen durch Musik im Mutterleib etc.- tatsächlich das ganze weitere Leben beeinflusst, und dies in einem nicht geringen Maße. Indem nämlich jede Schicht auch durch die Wahl gewisser Vornamen charakterisiert ist, lässt dies wiederum dritte Personen auf bestimmte Eigenschaften schließen, die man mit eben dieser Schicht verbindet. In einer Führungsposition würde, bei gleich gutem Zeugnis, eher ein Konstantin als eine Chantal eingestellt, deren Name mit einer „unteren“ Schicht assoziiert würde.

Ein Konstantin hätte dann wohl die „richtigen“ Hobbies gehabt, spielend nebenbei die „richtigen“ Umgangsformen gelernt, hätte die „richtige“ Schule besucht usw. Er würde bei einem Geschäftsessen spielend zwischen der letztaufgeführten Oper und dem eigentlichen Geschäftsthema hin- und her- switchen können –und dies wie selbstverständlich stilvoll gekleidet, eloquent, an der „richtigen“ Stelle lachend, die Verhaltenskodexe verinnerlicht. Etwas könnend, dass eine Chantal wohl niemals würde aufholen können, da nicht in den Kinderschuhen gelernt. Auch wenn hierbei in Schubladen gedacht wird, entspricht diese Denke der Realität, was die These Bourdieus und unsere heutige Diskussion bestätigt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2003 und 2006: Die vier Bildungsschwellen: Analyse der sozialen und wirtschaftlichen Dimension des Studierens sowie der zentralen Hürden im Bildungsweg.

2. Schule und soziale Ungleichheit: Zum Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in Deutschland und anderen OECD-Ländern: Untersuchung der Kopplung von sozialer Herkunft und Schulerfolg unter Berücksichtigung verschiedener Selektionsmechanismen.

3. Theoretische Klärung: Erläuterung grundlegender Konzepte wie Chancengleichheit und die Bedeutung von Kapitalformen nach Pierre Bourdieu.

4. PISA 2000: Familiäre Lebensverhältnisse, Bildungsbeteiligung und Kompetenzerwerb im nationalen und im internationalen Vergleich: Auswertung der PISA-Daten hinsichtlich des Zusammenhangs von familiären Ressourcen und erworbenen Kompetenzen.

5. Geschlechterunterschiede in Bildungsbeteiligung, Kompetenzerwerb und Schulleistung: Sind die Mädchen oder die Jungen das benachteiligte Geschlecht?: Reflexion über den Wandel in der Bildungsbeteiligung von Jungen und Mädchen sowie die Zuschreibung von Bildungserfolgen.

6. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund: Multiple Benachteiligungen in Bildungsbeteiligung, Kompetenzerwerb und Schulleistung: Fokus auf die Sprachkompetenz als entscheidende Hürde für den schulischen Erfolg von Kindern aus Zuwandererfamilien.

7. Übergänge im Bildungssystem: Benachteiligungen beim Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I: Diskussion der Problematik der frühen Selektion nach der vierten Klasse und ihrer sozialen Folgen.

8. Der Beitrag von Schule und Lehrern zur Reproduktion von Bildungsungleichheit: Auseinandersetzung mit der Rolle professionellen Handelns und subjektiver Urteilsprozesse bei der Schullaufbahnempfehlung.

9. Zur doppelten Benachteiligung von Hauptschülern und Schülern aus unterprivilegierten Schichten: Analyse der Konzentration sozioökonomischer Benachteiligung im Hauptschulmilieu.

10. Offene Experteninterviews mit Lehrkräften der verschiedenen Schulformen: Präsentation der Ergebnisse: Darstellung von Lehrerperspektiven auf Faktoren, die Chancengerechtigkeit beeinflussen.

10. Fortsetzung: Offene Experteninterviews mit Lehrkräften Diskussion: Eine Schwellen-Konzeption der Bildungsgerechtigkeit als Lösung für das Problem der Chancengleichheit?: Diskussion über alternative Konzepte und moralische Fragen der Bildungsgerechtigkeit.

11. Versuche, der Benachteiligung durch die soziale Herkunft entgegen zu wirken:Gesamtschule, Niedersächsische Orientierungsstufe, Berufliche Gymnasien: Bewertung verschiedener Schulformen hinsichtlich ihrer Durchlässigkeit und ihrer Eignung, soziale Benachteiligungen auszugleichen.

Schlüsselwörter

Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, Bourdieu, Kapitalformen, PISA-Studie, Selektion, Bildungsübergänge, Migrationshintergrund, Sprachkompetenz, soziale Segregation, Lehrerausbildung, Schulsystem, Ganztagsschule.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem sowie den damit verbundenen sozialen Ungleichheiten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Felder sind der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg, die Auswirkungen selektiver Schulsysteme, die Rolle von Kapitalformen nach Bourdieu sowie internationale Vergleiche (Finnland, Kanada).

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Mechanismen der Reproduktion von Bildungsungleichheit aufzudecken, die Bedeutung von Übergängen im Bildungssystem kritisch zu hinterfragen und Möglichkeiten zur Förderung von Chancengerechtigkeit zu diskutieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung, die Analyse vorliegender Studien (insb. PISA 2000) sowie die Reflexion eigener Experteninterviews mit Lehrkräften.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil umfasst eine detaillierte Auseinandersetzung mit Bildungsbarrieren, den Einfluss von Geschlecht und Migration auf Bildungsbeteiligung, den Übergang von der Grundschule sowie Ansätze zur strukturellen Reform des Bildungssystems.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Chancengleichheit, soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, Selektion, Kapitalformen und Bildungsgerechtigkeit.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Lehrkräften bei der Bildungsungerechtigkeit?

Die Arbeit reflektiert, dass Lehrer durch subjektive Entscheidungsprozesse bei Empfehlungen und die Orientierung am bildungsnahen Habitus zur Reproduktion von Ungleichheit beitragen können, aber auch durch Reflexion und Professionalisierung Gegenpositionen einnehmen können.

Warum wird Kanada als Beispiel in dieser Arbeit herangezogen?

Kanada dient als positives Beispiel für ein Bildungssystem, in dem der sozioökonomische Status weniger stark für den Bildungserfolg ausschlaggebend ist und eine stärkere Förderkultur sowie Durchmischung der Schülerschaft existiert.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit in der Schule
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Erziehungswissenschaft/ Bildungswissenschaft)
Veranstaltung
Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit in der Schule
Note
2,00
Autor
Marie-Luise Leise (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
27
Katalognummer
V114329
ISBN (eBook)
9783640158584
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chancengleichheit Chancengerechtigkeit Schule Chancengleichheit Chancengerechtigkeit Schule Pädagogische Studien Schulpolitik Bildungspolitik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marie-Luise Leise (Autor:in), 2008, Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114329
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  27  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum