„Wer auf andre Leute wirken will, der muß erst einmal in ihrer Sprache mit ihnen
reden“
Das Zitat Tucholskys beschreibt, inwieweit die Beherrschung des jeweiligen
Sprachcodes innerhalb einer Kommunikation relevant sein kann.
Fehlt das Verständnis für die Sprache des jeweiligen Gegenübers, wird die
Kommunikation früher oder später scheitern. Sprache hat nicht nur mit dem Verstehen
des jeweiligen Sprachsystems (Deutsch, Italienisch, Chinesisch etc.) zu tun, sondern
auch mit der Anpassung des eigenen Sprachverhaltens an den Wandel der Zeit und an
die daraus resultierenden Neologismen in unserem Sprachalltag. Das angeführte Zitat
Tucholskys auf die heutige Zeit angewandt, beschreibt die Sprachbarriere, die sich
schon heute im Sprachverständnis zwischen Erwachsenen und Jugendlichen auftut.
Geil, fett und chillig sind nur wenige der jugendsprachlichen Ausdrücke, die in keiner
wissenschaftlichen Fachsprache zu finden sind, sondern mehr dem Inhalt des
jugendlichen Sprachgebrauchs zuzuordnen sind. Nachdem das Thema Jugendsprache,
ausgelöst durch die Jugendrevolten Ende der 70er Jahre, zum Gegenstand öffentlicher
Diskussionen wurde, wurde sie auch Objekt der sprachwissenschaftlichen Forschung.
Die erste Untersuchung zur Jugend unternahm der Germanist Helmut Henne. Dieser
musste 1981 bedauernd resümieren, dass Jugendsprache als Forschungsobjekt in der
linguistischen Jugendsprachforschung nicht existierte. Jugendsprache als
Forschungsgegenstand ist ein offenes und weites Feld, Kenntnisse der Sozio- und
Pragmalinguistik sind unabdingbar, die Herangehensweise an dieses Thema erweist sich
mehr als vielfältig.
Vulgär, niveaulos und ungepflogen finden sie diejenigen, die sich einer anderen
Sprache, der so genannten Standardsprache bedienen. Die vielschichtige Problematik
der ziemlich umstrittenen Jugendsprache wurde besonders in den 80er und 90er Jahren
von vielen Linguisten allseitig beschrieben...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Sprache in der Sprache- Was ist Jugendsprache?
1.2 Jugendsprache innerhalb des deutschen Sprachsystems
1.3 Sprachliche Merkmale der Jugendsprache
2. Jugendliche und die Medien
2.1 Die Orientierung der Sprache an den Medien
2.2 Jugendsprache gleich Mediensprache?
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den Einfluss der Massenmedien auf die Entwicklung und Ausprägung der Jugendsprache im deutschen Sprachsystem. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die moderne Jugendsprache als ein dynamisches Resultat medialer Vorbilder betrachtet werden kann und welche soziolinguistischen Implikationen dies für die Kommunikation Jugendlicher mit sich bringt.
- Jugendsprache als Spiegel der gesellschaftlichen und medialen Dynamik
- Die Abgrenzungsfunktion jugendlicher Sprachcodes gegenüber der Standardsprache
- Wechselwirkungen zwischen Medienkonsum und sprachlichem Repertoire
- Sprachunsicherheit als Motiv für jugendliche Sprachinnovationen
- Die Rolle der Mediensprache als Tauschwert in der heutigen Kommunikation
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Jugendsprache innerhalb des deutschen Sprachsystems
Die Jugendsprache ist nur eine von vielen Teil- sprachen des gesamten deutschen Sprachsystems. Das Sprachsystem der Deutschen Sprache ist nach Helmut Henne ein System der Varietäten, das in verschiedene Kategorien klassifiziert werden kann. Leitvarietät in diesem System ist die so genannte Standardsprache, der die Literatursprache, Fachsprachen, Dialekte, regionale Umgangssprachen und Gruppensprachen unterstehen. Zu der Kategorie der Gruppensprache zählt auch die Jugendsprache. Die Jugendsprache setzt nach Henne „die Standardsprache voraus, wandelt sie schöpferisch ab, stereotypisiert sie zugleich und pflegt spezifische Formen ihres sprachlichen Spiels.“
Mit ihren Abweichungen und standardsprachlichen Regelverstößen fällt die Jugendsprache als eine sich zweifelhaft entwickelnde Varietät auf, zumeist negativ und im Besonderen von denen mit Argwohn betrachtet, die sich ausschließlich der Standardsprache bedienen. Für die Vertreter der Standardsprache ist die Jugendsprache schon lange Symbol für den Sprachverfall innerhalb unserer Gesellschaft und gibt der mächtigen Öffentlichkeit aus Eltern, Lehrer und Professoren Anlass genug zum Kopfschütteln und Klagen. Diagnosen über die jugendliche Sprachentwicklung laufen auf Sprachverlust und tendenzielle Sprachlosigkeit der Jugend hinaus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Jugendsprache als dynamisches Forschungsobjekt ein und definiert sie im Kontext soziolinguistischer Anforderungen.
1.1 Sprache in der Sprache- Was ist Jugendsprache?: Dieser Abschnitt beleuchtet die Definition von Jugendsprache als Teilphänomen innerhalb des menschlichen Sprachsystems und als Ausdruck von Normverweigerung.
1.2 Jugendsprache innerhalb des deutschen Sprachsystems: Hier wird die Jugendsprache als Varietät im System der deutschen Sprache verortet und ihr Spannungsverhältnis zur Standardsprache beschrieben.
1.3 Sprachliche Merkmale der Jugendsprache: Dieser Teil analysiert die typischen lexikalischen und morphologischen Eigenheiten, wie Hyperbolisierung und die Funktion als Instrument bei Sprachunsicherheit.
2. Jugendliche und die Medien: Dieses Kapitel untersucht die allgegenwärtige Präsenz der Medien und deren Rolle als treibende Kraft beim Sprachwandel.
2.1 Die Orientierung der Sprache an den Medien: Es wird analysiert, wie Jugendliche Mediensprache als Vorbild nutzen und ihre eigene sprachliche Schöpferkraft hinter diese Adaption zurücktritt.
2.2 Jugendsprache gleich Mediensprache?: Dieser Abschnitt hinterfragt die Abhängigkeit der Jugendsprache von Medienangeboten und die Rolle der Medien als Vermittler zwischen Jugend- und Erwachsenenwelt.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Schwierigkeiten der Erfassung von Jugendsprache zusammen und fordert eine empirisch fundiertere, in situ orientierte Forschung.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Mediensprache, Sprachwandel, Standardsprache, Soziolinguistik, Sprachsystem, Kommunikation, Sprachvarietäten, Neologismen, Jugendkultur, Sprachunsicherheit, Massenmedien, Peer-Group, Sprachcode, Sprachforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Einordnung der Jugendsprache und untersucht, inwieweit diese durch den Einfluss von Medien und gesellschaftlichen Faktoren geformt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Positionierung der Jugendsprache innerhalb des deutschen Sprachsystems, die Auswirkungen medialer Vorbilder und die Funktion der Sprache als Instrument der Abgrenzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die dynamischen Aspekte der Jugendsprache zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, ob sie primär ein Ergebnis medialer Einflüsse darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziolinguistischer Ansätze und nutzt Fachliteratur führender Sprachwissenschaftler, um die sprachlichen Merkmale und medialen Zusammenhänge zu beschreiben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Jugendsprache, ihre Abgrenzung zur Standardsprache sowie die massenmedialen Einflüsse auf den sprachlichen Wortschatz von Jugendlichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Jugendsprache, Sprachwandel, Medieneinfluss, Standardsprache, Soziolinguistik und Jugendkultur.
Warum betrachten Erwachsene die Jugendsprache oft kritisch?
Viele Sprecher der Standardsprache empfinden die Abweichungen und Regelverstöße der Jugendsprache als Zeichen für einen allgemeinen Sprachverfall und mangelnde Sprachkompetenz.
Inwieweit spielt Unsicherheit bei Jugendlichen eine Rolle?
Die Arbeit zeigt, dass Jugendliche oft durch den Gebrauch spezieller Sprachcodes oder Hyperbolisierungen eine eigene Unsicherheit – besonders in institutionellen Kontexten – kompensieren.
Verändern Medien die Rolle der Sprache?
Ja, die Arbeit argumentiert, dass Sprache im Medienzeitalter zunehmend Züge eines Tauschwertes annimmt und weniger als reiner Gebrauchswert der Kommunikation fungiert.
Was fordert die Autorin für zukünftige Forschungen?
Es wird eine stärkere empirische Ausrichtung gefordert, insbesondere durch Datenermittlungen direkt im Lebensumfeld (in situ) der Jugendlichen, um authentischere Ergebnisse zu erzielen.
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- Bachelor of Arts Isabel Gotovac (Author), 2004, Jugendsprache – ein Resultat der Medien?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114339