Gewinnerinnen und Verliererinnen. Frauenbilder in Theodor Fontanes Roman Frau Jenny Treibel


Masterarbeit, 2019

117 Seiten, Note: 1.0


Gratis online lesen

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1 Theodor Fontane
1.1 Fontane und die Gesellschaft
1.1.1 Sohn der Immigranten
1.1.2 Der Revolutionär, der Konservative, der Liberale
1.1.3 Neuruppin, Swinemünde, Berlin, London
1.2 Fontane und die Literatur
1.2.1 Der dichtende Apotheker
1.2.2 Vom Journalisten zum Romancier
1.2.3 Zum Talent, Fleiß und Ironie
1.3 Fontane und Frauen
1.3.1 Die Situation der Frauen im 19. Jahrhundert
1.3.2 Frauen in Fontanes Leben

2 Poetischer Realismus
2.1 Zu der Epoche
2.2 Formen und Ästhetik des Realismus
2.2.1 Zum realistischen Roman
2.3 Theodor Fontane als Repräsentant des poetischen Realismus?
2.3.1 Frau Jenny Treibel, eine Vorläuferin der Moderne

3 Frau Jenny Treibel
3.1 Zur Entstehung und Intention
3.2 Zur Handlungslinie
3.3 Frauenfiguren
3.3.1 Einleitung
3.3.2 Jenny Treibel
3.3.3 Corinna Schmidt
3.3.4 Rosalie Schmolke
3.3.5 Die Hamburgerinnen
3.3.6 Erzieherinnen
3.3.7 Die Adeligen
3.3.8 Andere Bekannte

Schluss

Resumé

Literaturverzeichnis
Primärliteratur:
Fontanes Romane:
Fontanes theoretische und literaturkritische Schriften:
Fontanes Briefe:
Sekundärliteratur:
Elektronische Quellen:

ABSTRAKT

Diese Masterarbeit beschäftigt sich mit weiblichen Gestalten im sozialkritischen Roman Theodor Fontanes Frau Jenny Treibel, mit dem Ziel herauszufinden, inwieweit die Frauen in ihren gesellschaftlichen Rollen zufrieden sind, oder ob sie versuchen, die sozialen Normen herauszufordern, und welche Rolle dabei ihre soziale Herkunft und Bildung spielen. Wir fragen weiterhin, welche Ziele diese Frauen verfolgen und mit welchem Erfolg. Die Arbeit wird in drei Kapitel gegliedert. Das erste Kapitel entwirft Fontanes Biografie, die die Bedeutung seiner zahlreichen Freundschaften mit Frauen und sein ambivalentes Verhältnis zur weiblichen Emanzipation hervorhebt. Im zweiten Kapitel wird anhand der Fachliteraturrecherche der Poetische Realismus vorgestellt, in dem Fontane als kritischer Realist mit Elementen der Moderne einen bestimmten Platz einnimmt. Im dritten, größten Kapitel wird die Analyse und Interpretation der einzelnen weiblichen Figuren des Romans durchgeführt. Wir stellen fest, dass Heldinnen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und Bildung angepasst unter sozialer Konvention leben, gemäß der ihr Lebensziel eine günstige Ehe ist, die gleichzeitig der wichtigste Maßstab für ihren Erfolg wird. Dafür sind die beiden Protagonisten, die junge Bildungsbürgerin Corinna und die erfahrenere Vertreterin der Bourgeoisie Jenny bereit, alle Waffen einzusetzen und wahre Gefühle zu opfern. Bei keiner der Heldinnen kann man von Emanzipation sprechen, obwohl sich Corinna mit ihrem liberalen Denken und ihrer Bildung diesen Ideen nähert.

SCHLÜSSELWÖRTER

Frau, Mann, Gesellschaft, gesellschaftliche Normen, Druck der Gesellschaft, Liebe, Ehe, Verantwortung

ABSTRACT

This Master’s thesis deals with female characters of the socially critical novel Frau Jenny Treibel by Theodor Fontane, in order to find out whether the heroines are satisfied in their social roles or whether they try to challenge the social norms, and what role their social background and education play in this matter. Furthermore, we ask what life goals these women pursue and how successful they are in fulfilling them. The thesis is divided into three chapters. The first chapter sketches Fontane's biography with the emphasis on the importance of his numerous friendships with women and his ambivalent relationship to female emancipation. Based on literature research, the second chapter introduces poetic realism focusing on Fontane's specific position in it – as a critical realist with elements of modernity. The third, longest chapter, contains the analysis and interpretation of the individual female characters of the novel. We have found, that regardless their social class and education, the heroines live under social conventions, according to which their main goal is an advantageous marriage, functioning at the same time as the measure of their success. The two protagonists, the representative of the intellectual bourgeoisie Corinna, and the more experienced representative of the newly rich bourgeoisie Jenny, are willing to use all weapons and sacrifice their true feelings to reach their goals. None of the characters can be described as emancipated, although Corinna‘s liberal thinking and education are close to those ideas.

KEYWORDS

woman, man, society, societal norms, social pressure, love, marriage, responsibility

ABSTRAKT

Tato diplomová práce se zabývá ženskými postavami v sociálně kritickém románu Theodora Fontana Frau Jenny Treibel, s cílem zjistit, nakolik jsou hrdinky ve své sociální roli spokojené, či zda-li se snaží proti společenským normám bojovat, případně jakou přitom hraje roli jejich sociální vrstva a vzdělání. Také se ptáme, jaké cíle si tyto ženy stanovují a jak se jim daří jejich plnění. Práce je rozdělena do tří kapitol. V první kapitole je uveden Fontanův životopis, ve kterém je zdůrazněn význam jeho četných přátelství s ženami a jeho ambivalentní vztah k ženské emancipaci, ve druhé kapitole je na základě rešerše odborné literatury představen poetický realismus, v rámci kterého Fontane jako kritický realista s prvky moderny zaujímá specifické místo, a ve třetí, nejrozsáhlejší kapitole je provedena analýza a interpretace jednotlivých ženských postav románu. Zjišťujeme, že nehledě na sociální původ a vzdělání, hrdinky žijí konformně pod společenskou konvencí, dle které je jejich hlavním životním cílem výhodný sňatek, který se zároveň stává měřítkem jejich úspěšnosti. Pro tu jsou obě protagonistky, mladá intelektuální měšťanka Corinna a zkušenější zástupkyně buržoazie Jenny, ochotné nasadit všechny zbraně a obětovat pravé city. U žádné z postav nelze mluvit o emancipaci, ačkoliv se Corinna svým liberálním myšlením a vzděláním těmto idejím blíží.

KLÍČOVÁ SLOVA

žena, muž, společnost, společenské normy, společenský tlak, láska, manželství, zodpovědnost

Einleitung

Am 30. Dezember 2019 würde Theodor Fontane (30. Dezember 1819 - 20. September 1898) seinen 200. Geburtstag begehen. Seine Romane, vor allem die gesellschaftskritischen Eheromane, faszinieren bis heute mit ihrer präzisen und einfühlsamen Wiedergabe der Gefühle und des Denkens der dominanten Frauenfiguren. Sein bekanntester Roman Effi Briest, den ich schon als Jugendliche las, weckte bei mir Interesse für das Thema des Lebens der Frauen im 19. Jahrhundert, und ich entschied mich, noch weitere Werke darüber zu lesen. Dabei stellte ich fest: Die Heldinnen leben in einer ganz anderen gesellschaftlichen Umgebung als Frauen heute, doch ihre Träume, Sorgen und inneren Kämpfe ähneln den unseren. Frau Jenny Treibel, der diese Masterarbeit gewidmet ist, ist zwar nicht so bekannt wie Effi Briest, doch gerade hier schuf Fontane meisterhaft eine Reihe von unvergesslichen weiblichen Gestalten mit ihren unterschiedlichen Stärken und Schwächen, an deren Geschichte er humorvoll und ironisch eine Kritik der damaligen Gesellschaft leistet. Gerade für diese Heiterkeit, mit der die Handlung erzählt wird, ist mir Frau Jenny Treibel sehr lieb und ich kann mir vorstellen, mich wiederholt mit dem Buch zu beschäftigen.

Das Ziel der Arbeit, ist die folgenden Fragen zu diskutieren: Wie fühlen sich die Frauenfiguren in Frau Jenny Treibel in ihren gesellschaftlichen Rollen? Akzeptieren sie sie oder wollen sie die gesellschaftlichen Normen verändern? Spielen dabei ihre Schichtangehörigkeit oder ihre Bildung eine Rolle? Welche Ziele verfolgen sie und können sie sie erreichen?

Die Masterarbeit wird in drei Kapitel eingeteilt. Das erste Kapitel widmet sich dem Autor. Wie aus einem armen Apothekergesellen der berühmteste Schriftsteller des deutschen Realismus wurde, wird in den drei Unterkapiteln durch die Einsicht in Fontanes reiches Leben und Werk enthüllt. In Betracht gezogen werden dabei gesellschaftlich-politische und literarisch-historische Gegebenheiten seiner Zeit, die sich in seinen Dichtungen widerspiegeln. Besonderes Augenmerk wird auf die Situation der Frauen im 19. Jahrhundert gelegt, ebenso ganz konkret auf die Frauen in Fontanes Leben und ihre Wirkung auf ihn.

Im zweiten Kapitel wird Fontanes Position im deutschen Realismus untersucht. Zuerst wird die Epoche skizziert und die Ästhetik des poetischen Realismus kurz präsentiert – auch anhand von Schriften Fontanes als Literaturkritiker und Theoretiker. Es werden dabei die Unterschiede sowie Überschneidungen der Begriffe wie poetischer, bürgerlicher und kritischer Realismus erklärt. Es folgt eine Einleitung in das Genre des realistischen Romans und eine Diskussion der literarischen Form des Zeitromans und des Gesellschaftsromans. Zum Ende des Kapitels wird Fontanes spezifische Position im deutschen Realismus am Beispiel seines Romans Frau Jenny Treibel diskutiert.

Im dritten Kapitel werden (nach einer kurzen Einleitung in die Entstehung, Intention und Handlungslinie des Romans Frau Jenny Treibel) einzelne weibliche Charaktere des Buches vorgestellt. Sie werden in ihren Handlungen, Aussagen, sowie auch direkten Beschreibungen analysiert. Neben Charakteristik und Beziehung zu anderen Gestalten, wird bei verheirateten Frauen das Thema Ehe und bei Müttern das Thema Erziehung und Mutterschaft untersucht. Bei den Hauptfiguren werden detailliert ihre Ziele und Motivationen untersucht, sowie ihre Wege zu diesen Zielen und ihre Erfolge und Misserfolge diskutiert.

Zur Ausarbeitung dieser Problemstellung werden mehrere wissenschaftliche Methoden benutzt. Die ersten zwei theoretischen Kapitel stützen auf Fachliteraturrecherche, während das dritte Kapitel eine Analyse und Interpretation der Frauenfiguren des Romans darstellt. Die Arbeit wird mit einer Synthese der drei Kapitel abgeschlossen, in Form einer vergleichenden Gegenüberstellung der Frauenfiguren.

Der Forschungsstand zu Fontanes Gesellschaftsromanen ist auf einem hohen Niveau, doch es gibt nicht viele Werke, die sich ausschließlich mit dem Roman Frau Jenny Treibel beschäftigen, darum wurden bei der Recherche viele Quellen herangezogen. Die folgenden Werke sind für diese Arbeit jedoch von grundsätzlicher Wichtigkeit: Für das Kapitel über Theodor Fontane werden meisten die Informationen aus der umfangreichen Biografie von Heinz Ohff, Theodor Fontane. Leben und Werk, gewonnen; für Fontanes Beziehungen zum weiblichen Geschlecht und für den Hintergrund zum Leben der Frauen im 19. Jahrhundert ist die Schlüsselquelle Christine von Bruhls Gerade dadurch sind sie mir Lieb: Theodor Fontanes Frauen. Das Kapitel über poetischen Realismus stützt sich wesentlich auf Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, herausgegeben von Edward McInnes und Gerhard Plumpe, und auf Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte von Annemarie und Wolfgang van Rinsum. Aus der tschechischen Literatur erweist sich der übersichtliche Slovník německy píšících spisovatelů (Německo) von Viera Glosíková und Milan Tvrdík als nützlich. Die praktische Analyse baut auch auf Erkenntnissen von Rudolf Schäfer und seinem Buch Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation aus der Reihe der Oldenbourg Interpretationen auf.

1 Theodor Fontane

Theodor Fontane (30. Dezember 1819 in Neuruppin - 20. September 1898 in Berlin) war ein Mann vieler Talente. Er erwies sich unter anderem als Dichter, Journalist, Auslandkorrespondent, Reiseschriftsteller, Kriegsberichterstatter, Feuilletonist und Literatur- und Theaterkritiker; doch größte Anerkennung erreichte er erst durch sein spätes Werk: die ersten deutschen Gesellschaftsromane, in denen er großartige Frauenporträts schuf, welche man bis heute bewundert.

In den folgenden Unterkapiteln wird Fontanes facettenreiches Leben, Denken und Schaffen im Rahmen des gesellschaftlichen und literarischen Umfelds kurz vorgestellt.

1.1 Fontane und die Gesellschaft

1.1.1 Sohn der Immigranten

Geboren am 30. Dezember 1819 in Neuruppin, war Henri Theodore Fontane der erste Sohn des Apothekers Louis Henry Fontane (1796-1867) und seiner Frau Emilie Fontane, geb. Labry (1797-1869). Beide Eltern stammten von französischen protestantischen Eingewanderten, sog. Hugenotten.1

Als Theodor Fontane acht Jahre alt war, musste die Familie die Apotheke und das Haus in Neuruppin verkaufen und zog nach Swinemünde, wo der Vater eine neue Apotheke erwarb. Die Bildung bekam der kleine Theodor vor allem durch Privatunterricht in der befreundeten Familie Krause und von seinen Eltern. Dieser Zeit widmete sich Fontane später in seinem Erinnerungsbuch Meine Kinderjahre (1894), in welchem er die unkonventionellen Unterrichtsmethoden des Vaters, der ihm Anekdoten und historische Geschichten im Rahmen des Unterrichts erzählt hatte, feierte.2 Es besteht kein Zweifel, dass diese Stunden ihn als zukünftigen Dichter beeinflusst haben.

Zurück in Neuruppin besuchte Fontane nur kurz das Gymnasium, bevor er 1833 nach Berlin zu seinem Onkel umzog, um die Gewerbeschule von Karl Friedrich Klöden zu besuchen.3

In der Hauptstadt blieb Fontane auch in dem Zeitraum von 1836-1840 für seine Ausbildung zum Apothekergehilfen – seinem Vater folgend. Er begann seine Lehre in der Apotheke von Wilhelm Rose, woraufhin er drei Jahre in Burg bei Magdeburg, Leipzig, Dresden und Letschin4 wirkte, bevor er im Krankenhaus Bethanien in Berlin die Stelle als pharmazeutischer Ausbilder annahm. Doch das Studium und die Medikamente waren nicht das Einzige, womit sich der multitalentierte junge Mann beschäftigte.

1.1.2 Der Revolutionär, der Konservative, der Liberale

Theodor Fontane beteiligte sich seit seiner Jugend aktiv am öffentlichen Leben, reflektierte kritisch jede Zeit, in der er lebte; und seine Einstellungen zur Gesellschaft und Politik entwickelten sich während seines Lebens. Daher wird er in der Literaturgeschichte sowohl als ein Revolutionär, als auch preußischer Patriot geschildert. Wie Glosíková und Tvrdík bemerken, glaubte Fontane, gesellschaftliche Entwicklung gleiche dem kontinuierlichen Wachstum menschlicher Werte und so nahm er die gesellschaftlichen Konventionen als Beginn der Auflösung der Gesellschaft wahr. Seine kritische Haltung gegenüber der Gesellschaft beruhte auf dem Widerspruch zwischen dem idealistischen Bild der Gesellschaft und der Realität.5

Er war ein Kenner und Bewunderer des Militärischen. Nach seiner Ausbildung zum Apotheker im Jahr 1844 bewarb sich der junge Fontane freiwillig für das Berliner Gardegrenadierregiment und wurde „ein Soldat mit Herzen und Auge“6, wie sein Zeitgenosse, Oberstleutnant Max Jähns bemerkte. Auch Fontanes eigene Erinnerung an seinen militärischen Dienst im ersten Kapitel des Reiseberichtes Jenseits des Tweed (1860) wirkt eher fröhlich und sentimental, obwohl sie schon von Nostalgie beeinflusst hätte sein können.7 Später im Leben war Fontane zwar Zivilist, aber sein Interesse an Kriegen blieb ihm, wie noch gezeigt wird.

Trotz seiner Liebe zum Militärischen erklärte sich der junge Fontane gegen die preußische Macht und neigte den Revolutionären zu. Er sympathisierte mit der literarischen Bewegung des Vormärzes „Junges Deutschland“, knüpfte literarische Kontakte mit Karl Gutzkow (1811-1878), Heinrich Laube (1806-1884) und Heinrich Heine (1797-1856),8 und beteiligte sich aktiv an der engagierten Literatur. Von Leipzig aus, wo er um 1941 wohnte, dichtete er sozialrevolutionäre politische Verse für das Unterhaltungsblatt Eisenbahn von Robert Binder.9 Beeinflusst wurde er darin sowohl von Georg Günther (1808-1872), dem Redakteur der Sächsischen Vaterlandsblätter und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung10, als auch vom Freiheitsdichter Georg Herwegh (1817-1875), dessen aggressiv-revolutionäre Gedichte11 er zu dieser Zeit bewunderte, doch Jahre später verachtete.12 Mit allen Revolutionären traf er sich in dem radikaldemokratischen Herwegh-Klub13. Um 1848 beteiligte sich Fontane sogar an Barrikadenkämpfen in Berlin und publizierte in der freisinnigen Zeitschrift Berliner Zeitungshalle. 14

Mit der gescheiterten Revolution beendete auch der verbitterte Fontane sein antipreußisches Schaffen. Er distanzierte sich von dem Vormärz, wie man in einem Brief an Theodor Storm lesen kann: „Es kam die Herweghzeit. Ich machte den Schwindel tüchtig mit.“15

Um Brot zu verdienen, und unter einigen Selbstvorwürfen, nahm er 1850 eine Lektorenstelle am preußischen Innenministerium an, doch nach einer kurzen Zeit wurde der Posten aufgelöst und Fontane musste sich als privater Lehrer durchschlagen, bevor er – wieder gegen seine Überzeugung – eine neue journalistische Stellung in der Zentralstelle für Preßangelegenheiten aufnahm. Glücklicherweise erhielt er bald eine Genehmigung, um in England als Auslandskorrespondent der Preußischen Zeitung und bald danach der Neuen Preußischen Zeitung (auch Kreuz-Zeitung genannt), der Zeitung Die Zeit und der Vossischen Zeitung 16 zu arbeiten,17 und konnte so unabhängiger schreiben und sogar seine Familie nach London einladen.18 Während dieser Zeit unterstand Fontane der Zentralen Pressestelle in Berlin und diente quasi als Agent der Preußischen Regierung; er hatte die Berichte in der englischen und deutschen Presse zugunsten der preußischen Regierung zu manipulieren.19 Nach der Heimkehr arbeitete er noch zehn Jahre in der Redaktion der rechten konservativen Kreuz-Zeitung, seinen Kritikern erklärend: „Meine Herren, vergessen wir nicht, auch das konservativste Blatt ist immer noch mehr Blatt als konservativ.“20 Die kurzen Arbeitsstunden ermöglichten ihm, an seinen eigenen Werken zu arbeiten.21 Obwohl er sich am Anfang nicht völlig mit der politischen Richtung der Zeitung identifizierte; sie beeinflusste ihn und er verteidigte sie dann sogar.22

Zu Bismarck selbst hatte Fontane auch gemischte Gefühle,23 obwohl der preußische Ministerpräsident seine Freiheit und wahrscheinlich das Leben durch eine persönliche Intervention rettete, als Fontane 1870 als Kriegskorrespondent während des Krieges in Frankreich gefangen war. Darüber berichtete er in seinem autobiografischen Roman Kriegsgefangener (1871).24

Später im Leben bemerkte Fontane, er habe es vergeblich „rechts und links und in der Mitte versucht“25, und er wurde immer liberaler. Man kann diese Entwicklung in seinen Briefen und Romanen beobachten26 und auch daraus ableiten, dass er in der liberal-bürgerlichen Vossischen Zeitung, der ältesten Tageszeitung Berlins, in der er seit 1871 fast zwanzig Jahre als Theaterkritiker arbeitete,27 die neue naturalistische Tendenz der jungen Autoren wie Gerhart Hauptmann unterstützte.28

1.1.3 Neuruppin, Swinemünde, Berlin, London

Nicht nur im oben genannten Reisebuch zeigte Theodor Fontane seine Liebe zu Großbritannien und zu dortigen Freiheiten. Er besuchte England mehrmals, zum ersten Mal schon während seiner Militärzeit im Jahre 1844, danach wohnte und arbeitete er in London, und inspirierte sich dort sowohl politisch, als auch literarisch. Zu seinen großen Dichteridolen gehörten William Shakespeare,29 Walter Scott, Charles Dickens und William Thackerey.30 London wurde für Fontane auch ein Zufluchtsort vor der Verantwortung und Sorge um seine Frau und Kinder; ein Ort, wo er sich frei fühlen konnte.31

Allerdings kam er immer zurück nach Preußen, denn dort war er zu Hause. Aber wo genau war dieses Zuhause? Seinen Geburtsort Neuruppin fand er „prosaisch und monoton“32, die im Nebel verhüllte Hafenstadt Swinemünde, wo er die Kindheit verbrachte, war für ihn dagegen „von poetischem Reiz“33. Doch nicht seine Kindheitsstädte, nicht einmal die freie und moderne Großstadt Leipzig; für Fontane war Berlin sein Zuhause; er war ein „wahrer Berliner“.34 Das bedeutet nicht, dass er die Missstände der preußischen Hauptstadt und deren Einwohner nicht wahrnahm – im Gegenteil, man könnte sagen, er empfand eine Art Hassliebe für sie. In seinem Aufsatz Die Märker und das Berlinertum drückte er den Egoismus, Naivität und Eitelkeit der Berliner aus.35 Berlin wurde auch zu dem Ort der Handlung seiner Romane. In Frau Jenny Treibel z. B. wird die Großstadt nicht verlassen, während in Effi Briest die Handlung an drei verschiedenen Orten gespielt wird – in Berlin und in zwei kleineren Städten, inspiriert von Neuruppin und Swinemünde.

1.2 Fontane und die Literatur

1.2.1 Der dichtende Apotheker

Theodor Fontane war auch beruflich gespalten. Seine ersten Verse schrieb er schon als Zehnjähriger.36 Doch er folgte seinem Vater im vernünftigen Beruf des Apothekers nach,37 obwohl er viel lieber seine Freizeit in einem Kaffeehaus verbrachte, wo er Zeitungen und Zeitschriften las, die Novellen, Gedichte und Theaterkritiken beinhalteten.38 Auch in der Apotheke selbst nutzte er immer die Möglichkeit, nicht nur die abonnierten Mitteilungs- und Anzeigenblätter zu lesen, die dort für die Unterhaltung der Kunden zu Verfügung standen, sondern auch moderne Bücher und Literaturzeitschriften, die der Apotheker Wilhelm Rose für seinen Lesezirkel besorgte.39 Auch in Leipzig und Dresden dienten die Apotheken als Lesehallen und Fontane traf in ihnen zahlreiche Vormärz-Literaten.40

Er war auch selbst literarisch aktiv. Als zwanzigjähriger veröffentlichte der Apothekerlehrling seine Balladen und Lyrik41 und 1839 erschien seine erste Novelle Geschwisterliebe in der Berliner Tageszeitung Figaro.42 Darüber hinaus beteiligte er sich an den Tätigkeiten des literarischen Lenau-Klubs,43 des Platen-Vereins44 und seit 1844 war er stolzes Mitglied im Dichterklub „Der Tunnel über der Spree“, dessen ironischer Name eine Anspielung auf die Unterentwicklung Preußens war.45 Hier trug er 1854 seine bekannte Ballade „Archibald Douglas“ aus der Sammlung Balladen (1861) vor.46 Im „Tunnel über der Spree“ begegnete er solchen Persönlichkeiten wie Paul Heyse, Theodor Storm, Bernhard von Lepel, oder Adolf Menzel.47

Es geschah dank dieses literarischen Klubs, dank des Berliner Lesecafés und nicht zuletzt dank des mit Büchern und Zeitschriften gut versorgten Apotheken, dass Fontane in die Welt der Literatur eingeführt wurde. Für seine Liebe fürs Schreiben gab er 1849 das Apothekerdasein auf – nur zwei Jahre nach erfolgreicher Absolvierung des Staatsexamens für Apotheker der ersten Klasse.48 Noch im selben Jahr veröffentlichte der Cotta Verlag Fontanes Gedichte und den Romanzenkranz Von der schönen Rosamunde als Buch.49 Doch der Weg zu einem anerkannten Schriftsteller war noch lang.

1.2.2 Vom Journalisten zum Romancier

Nach dem Scheitern der Revolution fand er Arbeit als Journalist, zuerst bei der literarischen Dresdner Zeitung, und dann als Fremdsprachenkorrespondent für Preußen in England . 50 Seine gesammelten journalistischen Erfahrungen und Techniken benutzte Fontane auch beim Dichten: Bald erschienen Fontanes Reisebücher aus seinem geliebten England und Schottland, wie Ein Sommer in London (1854) oder Jenseits des Tweed (1860).51

Nach Fontanes Rückkehr aus Großbritannien im 1859 wurde der erste Band seines Werkes, Wanderungen durch die Mark Brandenburg (1861-2) veröffentlicht, in der Fontane die Geschichte der Hohenzollerndynastie beschreibt und poetische Bilder der Landschaft und ihrer Bewohner anbietet.52 Der Band wurde gefolgt von vier weiteren Bänden und von den Kriegsberichten der späten 1860er und der 1870er, die von Fontanes persönlicher Erfahrung als Kriegsberichterstatter profitierten.53 Den Deutsch-Dänischen Krieg beschrieb Fontane im Essay Der Schleswig-Holsteinsche Krieg im Jahre 1864 (1866 ), den Deutschen Krieg in zwei Bänden Der deutsche Krieg von 1866 (1870, 1871) und den Deutsch-Französischen Krieg in zwei Bänden Der Krieg gegen Frankreich 1870-1871 (1873, 1875).54

Fontanes erster Roman war der vierbändige historische Kriegsroman Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812-1813, der 1878 erschien.55 Auch die Novellen Grete Minde (1879), Ellernklipp (1881) und die Erzählung Schach von Wuthenow (1881) bearbeiteten historischen Stoff.56

Der Erfolg dieser Bücher war nicht so groß, wie Fontane sich vorgestellt hätte, aber er glaubte immer an sein Genie, ließ sich nicht entmutigen, und mit über fünfzig Jahren begann er an den Romanen zu arbeiten, für die er bis heute bekannt ist.57 Er wendete sich dabei von der Geschichte ab in die Gegenwart.58 Seine Gesellschafts- und Eheromane sind alle sind durch eine kritische Ansicht gegenüber der Starrheit des konventionellen Denkens verbunden, was sich in dieser Zeit vor allem an der Institution der Ehe und der Stellung der Frau in der Gesellschaft erkennen ließ, und zeigen meistens tragische Geschichten der Frauengestalten.59

L’Adultera (1882) war sein erster gesellschaftskritischer Eheroman (oft als Vorläufer von Effi Briest betrachtet)60, in dem der Autor anhand einer Geschichte des Ehebruches und Ehescheiterns nach Bedeutung und Nutzen der konventionellen Ehe fragt.61 Diesem Roman folgten Graf Petöfy (1883), Cècile (1887), Irrungen Wirrungen (1888), Stine (1990), Unwiederbringlich (1891), Frau Jenny Treibel (1892), Effi Briest (1894) und Die Poggenpuhls (1896).62 Für seine gegen die Moral der Gesellschaft verstoßenden Frauengestalten in diesen Romanen wurde Fontane selbst als ein unsittlicher Autor angesehen – Irrungen, Wirrungen, ein Roman über eine nicht standesgemäße Liebe wurde als „Hurengeschichte“63 bezeichnet; wegen Cècile, der Frau mit Vergangenheit, löste sein Verlag den Vertrag mit Fontane; und Stine, der Roman über das Leben einer fürstlichen Mätresse, wurde von allen Verlegern abgelehnt, bis sie sein Sohn in seinem Verlag veröffentlichte.64 Ironischerweise, gerade da die strenge bürgerliche Moral die ganze Gesellschaft beherrschte, waren Leser und vor allem Leserinnen von den heiklen Themen des Ehebruchs oder der „gefallenen Frau“ fasziniert65 und die sog. Ehebruchromanen wurden im 19. Jahrhundert zu einem Trend – Gustav Flauberts Madame Bovary (1856), oder Leo Tolstois Anna Karenina (1875-77) sind ein Beweis dafür.

Effi Briest bedeutete für Fontane seinen ersten wirklichen Erfolg – dank mehrerer Auflagen.66 Der bekannteste Gesellschafts- und Eheroman Fontanes erschien von Oktober 1894 bis März 1895 in der Deutschen Rundschau67 und im Oktober 1895 kam die Erstausgabe im Verlag von Friedrich Fontane heraus.68 Theodor Fontane war dabei 75 Jahre alt. Der Stoff stammte aus dem Gesellschaftsklatsch Berlins – Emma Lessing, die Ehefrau von Carl Robert Lessing, dem Miteigentümer der Vossischen Zeitung, war die erste, die den Dichter mit der Geschichte der Ehebrecherin vertraut machte.69 Das Urbild der Effi hieß Elisabeth Baronin von Ardenne (Mädchenname von Plotho) und ihre Lebens- und Liebesgeschichte war notorisch bekannt: Ihr Liebhaber, der Düsseldorfer Amtsrichter Emil Hartwich fiel im Duell am 27. November 1886 gegen ihren Mann, den Rittmeister Arman von Ardenne, worauf sich dieser von seiner Gattin scheiden ließ.70 Fontane kannte dabei den Rittmeister sogar flüchtig.71 Fontane versuchte aber nicht, die Ereignisse treu nachzuerzählen. Er änderte die Namen, Berufe und Handlungsorte, fabulierte die Motivationen und Eigenschaften der Figuren, sowie auch das Ende der Geschichte – die wirkliche „Effi“ starb nicht jung und tragisch, wie in dem Roman, sondern erst im Alter von fast 100 Jahren.72

Fontane gab seine Stelle bei der Vossischen Zeitung erst mit siebzig Jahren auf und lebte endlich als freier Schriftsteller. Zum Ende des Lebens erlebte Fontane noch Anerkennung – seine Verdienste wurden 1891 von der Deutschen Schillerstiftung durch eine Ehrengabe73 und 1894 von der Berliner Universität durch eine Ehrendoktorwürde bewertet.74

Der überarbeitete kränkelnde Dichter widmete sich auf den Rat seines Arztes hin der Niederschrift seiner Erinnerungen und so entstanden die Bücher Meine Kinderjahre (1894) und Von Zwanzig bis Dreißig (1898), neben Kriegesgefangen (1871) und Aus den Tagen der Okkupation (1871), die wichtigsten Quellen für Fontanes Biografen.75

Im Jahre 1898 versuchte er seine gesundheitlichen Probleme in den Kuren in Dresden und Karlsbad zu heilen, aber am 20. September 1898, vier Tage nach der Verlobung seiner geliebten Tochter Mete, starb Theodor Fontane in Berlin.76

Posthum wurden die Romane Stechlin (1899) und Mathilde Möhring (1907) publiziert.77 Insgesamt wurden 17 Romane und Novellen veröffentlicht.78

1.2.3 Zum Talent, Fleiß und Ironie

Theodor Fontane war ohne Zweifel ein multitalentierter Mann. Seine Vielseitigkeit wird oft seiner deutsch-französischen Abstammung zugeschrieben, in der sich die preußische ernste und fleißige Lebensweise mit der humorvollen und etwas leichtsinnigen französischen verbanden.79 Doch er war kein Genie in dem Sinne der Autoren des Sturm und Drangs, sondern ein sorgfältiger Schriftsteller, der seine Werke – literarische sowie sachliche – immer durchplante.80 Das war teilweise auch notwendig, da die erzählerische Prosa meistens zuerst in Zeitschriften erscheinen sollte, musste der Autor den Aufbau der Handlung gut entwerfen. Bevor Fontane einen Roman ans Licht der Welt brachte, hatte er oft Jahre mit mühsamer Arbeit verbracht. Er selbst bezeichnete sich in einem Brief an seine Frau als „keine große und keine reiche dichterische Natur.“81 So arbeitete er zum Beispiel fünf Jahre an Effi Briest, was er wie folgend kommentierte: „Ich habe das Buch wie mit dem Psychographen geschrieben. Nachträglich, beim Korrigieren, hat es mir viel Arbeit gemacht, beim ersten Entwurf keine.“82

Sein Werk ist durch Ironie gekennzeichnet, die bis dahin in der deutschen Literatur nicht sehr beliebt, dagegen aber maßgebend in den von Fontane so bewunderten englischen Dichtungen war. Sie ist widersprüchlich – wie Fontane selbst. Wie Heinz Hoff schreibt, man muss oft bei Fontane ein „Augenzwinkern“83 hinzudenken. Schließlich ist es Ironie selbst, dass man heute Fontane den größten Ironikern der deutschen Literatur zuordnet, trotz der Tatsache, dass er sich hören ließ, er finde Ironie, diese „hochmütige Gesprächsform von Jugend,“84 abscheulich.

1.3 Fontane und Frauen

Es sind gerade große Frauenfiguren, denen Fontane in seinen Romanen und Erzählungen das Leben schenkte, die bis heute mit seinem Namen verbunden blieben. Fontane wählte Frauen in ihrer unterdrückten Position, um eine Kritik an der zeitgenössischen Gesellschaft zu leisten.

Einerseits schuf er rebellierende Heldinnen, an deren tragischen Geschichten des sozialen Ausstiegs und darauf folgenden Scheiterns, er die gesellschaftlichen Widersprüche der Zeit, die Absurdität der veralteten Normen und die Heuchelei der bürgerlichen Moral, bloßstellt. So muss die Ehebrecherin Effi Briest an ihrer „Versündigung“ – wie klein, verzeihlich und verständlich die auch sein mag – unvermeidlich scheitern. Andererseits schuf Fontane konformere Frauenfiguren, die es gelernt haben, im Wasser der gesellschaftlichen Normen zu schwimmen und aus ihrer Position das Beste vom Leben für sich zu bekommen, ohne dafür die alten Normen herausfordern zu müssen. Mit ihren weiblichen Waffen führen Jenny Treibel und Corinna Schmidt ihren kleinen Kampf – doch auch der ist nicht ohne Opfer: auf wahre Gefühle und Liebe wird keine Rücksicht genommen.

Während die rebellierenden Heldinnen trotz ihrer Fehler sehr sympathisch ausklingen, denn sie bleiben immer ehrlich zu sich selbst, werden die konformen Heldinnen viel mehr einer Kritik ausgesetzt – mit ihrer Verstellung und Heucheleien beteiligen sie sich nämlich an dem traurigen Zustand der Gesellschaft. Doch die Kritik ist meistens durch ironische Bemerkungen geleistet und zerstört nicht die Menschlichkeit und sogar Liebenswürdigkeit der Frauen.

Beim Lesen von Fontanes Eheromanen mit ihren lebendigen Frauenfiguren wird dem Leser klar: Fontane liebte und kannte das weibliche Wesen sehr. Folgendes Zitat bekräftigt nun den Eindruck :

Wenn es einen Menschen gibt, der für Frauen schwärmt und sie beinahe doppelt liebt, wenn er ihren Schwächen und Verirrungen, dem ganzen Zauber des Evatums, bis zum infernal Angeflogenen hin, begegnet, so bin ich es [...]. 85

Doch er war kein „wilder Liebhaber“86, wie man es hätte annehmen können. Im Gegenteil: Er war durchaus ein anständiger und treuer Ehemann, der nur durch seine zwei unehelichen Kinder an kleine Sünden seiner Jugend erinnert war.87 Fontane hatte seinem Vater nach einen freundlichen, humorvollen, lässigen Charakter und erzählte und hörte gerne Geschichten, oder wie Brühl es beschreibt: „Ähnlich wie viele Frauen hatte er eine Vorliebe für Plaudereien, [...]“88. So gelang es ihm vertrauensvolle Freundschaften mit dem anderen Geschlecht – auch außerhalb seiner Verwandtschaft - anzuknüpfen und eine Einsicht in ihre Welt zu bekommen. Darüber hinaus verfügte er über einen Sinn fürs Detail, der ihn zusammen mit seiner journalistischen Erfahrung dazu ausrüstete, Frauen in ihrer Lebenssituation präzise wiederzugeben.89

Sogar für unsere Zeit ist es beeindruckend, wie glaubwürdig er das komplizierte Empfinden und Denken der Frauengestalten darstellte. Im Vergleich zu seinen Zeitgenossen war Fontanes aufgeschlossene Beziehung zu Frauen wirklich einzigartig, denn Fontane „gestand ihnen Eigenschaften wie Intelligenz, Mut und geistige Unabhängigkeit, die andere Männer nicht wahrnahmen“ 90 zu.

1.3.1 Die Situation der Frauen im 19. Jahrhundert

Das Leben der Frauen im 19. Jahrhundert war nicht einfach – die Geschlechterrollenverteilung in der Gesellschaft war noch sehr streng. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde für diese Geschlechtsideologie in Theologie, Philosophie, Medizin und anderen Bereichen, sogar ein erklärender wissenschaftlicher Termin eingeführt: "natürlicher Geschlechtscharakter der Frau“91. Demnach waren Frauen keine autonomen Menschen, sondern brauchten eine Geschlechtsvormundschaft. So waren sie offiziell zuerst von ihren Vätern oder Brüdern, dann von ihren Gatten abhängig. Aufgrund ihrer "natürlichen Geschlechtseigenschaften"92 wie Tugend oder Sittsamkeit wurde von der Frau erwartet, sich als eine gute Ehefrau, Mutter und Haushälterin zu benehmen, ihrem Mann die Geborgenheit des Zuhauses zu vermitteln, und sich in Sachen der Männer – wie etwa Politik oder Unternehmen – nicht einzumischen.93

Eine bürgerliche Frau fand kaum einen Anlass, das Haus zu verlassen, Langeweile war daher ihr tägliches Brot.94 Dies galt natürlich ausschließlich für bürgerliche Frauen; Frauen aus der sozialen Unterschicht langweilten sich nicht, denn sie mussten meistens als Dienstmägde, Köchinnen, Wäscherinnen oder in einer Fabrik arbeiten. Alleinstehende Frauen (d. h. unverheiratet und ohne Kinder) aus bürgerlichen Familien durften dagegen nur als Lehrerinnen oder Gouvernanten arbeiten – andere Tätigkeit entsprachen nicht ihrem sozialen Stand. Sollten sie verheiratet sein, durften sie wegen der sog. Zölibatsklausel nicht mehr unterrichten und sonst auch nur mit der Genehmigung ihres Mannes erwerbstätig sein.95

Oft führte sozialer Druck und Beschränkung zur körperlichen und psychischen Krankheiten der Frauen96 ; davon berichten nicht nur die Ärzte des 19. Jahrhunderts, sondern auch viele Schriftsteller – Frauengestalten mit hysterischen oder depressiven Symptomen findet man in vielen zeitgenössischen Romanen.97 Auch Fontanes Mutter litt an „starke[r] Nervosität“98, genauso wie seine Tochter.99

Die in Preußen noch unbekannte Frauenbewegung, die erst in den Neunzigern des 18. Jahrhunderts in Frankreich mit Olympe de Gouges (1748-1793) ihre erste Schwalbe zeigte100, erschien Mitte des 19. Jahrhunderts auch in England auf der Bildfläche. Hier wurde die Bewegung der sog. Suffragetten geboren. Sie kämpften um die Würde der Frauen (inkl. Prostituierten) und später vor allem um das Frauenwahlrecht. Zu den Pionierinnen gehörten Josephine Butler (1828-1906), Florence Nightingale (1820-1910), oder Lydia Becker (1827-1890).101 Fontane muss während seiner Zeit in England mit den Unruhen um die Frauenbewegung im Kontakt geraten sein, ebenso seine Frau – so schrieb Emilie an ihren Mann vom Besuch der Familie Merington, bei denen ihre Tochter Martha ein Jahr verbrachte:

Die jungen Damen sprachen Alle für ihr Stimmrecht u. Hoffen daß Zeit nahe ist daß wir gleichberechtigt sein werden mit den Herren der Schöpfung. Auch ich wurde nach meiner Meinung gefragt ; aber ich konnte nur lachend sagen: ich hätte nicht Gelegenheit gehabt, über den Gegenstand nachzudenken, I had such a good position as the wife of you, that I don’t want a other; which answer amused very much Mr. Merington. 102

Fontanes Antwort entkräftet die Mutmaßung, dass er ein Fürsprecher der englischen Suffragetten sei:

Dein guter Einfall, womit Du die Debatte über Frauen-Stimmrecht coupirtest, hat auch mich amüsiert. Man kann all diesen Dingen gegenüber sagen: „warum nicht!“ aber doch mit größrem Recht: „wozu?“ Die Frauen, die zur Zeit Ludwigs XIV. die Welt, den König und die Gesellschaft regierten, hatten auch kein Stimmrecht, haben sich aber leidlich wohl dabei befunden, jedenfalls besser als jene Unglücklichen, die sich „in Erfüllung ihrer Bürgerpflicht“ an die Wahlurne drängen. 103

Obwohl die deutsche Frauenbewegung offiziell erst in der Mitte des 19. Jahrhundert erschien, bereiteten viele mutige Vorläuferinnen den Weg lange Zeit davor. Schon im 18. Jahrhundert findet man einige emanzipierte Frauen – wie Dorothea Schlegel (1764-1839), die Tochter von Moses Mendelssohn,104 die dank ihrer Herkunft ihr ganzes Leben von Dichtern, Kritikern, Schriftstellern und Philosophen Europas umgeben war. Sie selbst war eine Literaturkritikerin und Schriftstellerin und unkonventionelle Frau – sie ließ sich von ihrem ersten Mann scheiden, um mit ihrem Geliebten Friedrich Schlegel (1772-1829) in „wilder Ehe“ zu leben. Das Paar zog nach Jena und traf sich mit anderen wichtigen Intellektuellen der Frühromantik in dem Haus von Friedrichs Bruder August Wilhelm (1767-1845) und seiner Frau Caroline (1763-1809).105 Auch Caroline Schlegel war eine gebildete Frau und Dichterin und außerdem führte sie auch ein abenteuerliches Leben – als Witwe musste sie sich zuerst alleine um ihre Tochter kümmern, wegen der Französischen Revolution ging sie als Geliebte von einem Jakobiner ins Gefängnis, mit ihrem zweiten Mann – August Wilhelm - arbeitete sie an vielen literarischen Werken und ließ sich dann von ihm scheiden, um den viel jüngeren romantischen Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775-1854) zu heiraten.106 Diese unkonventionellen, gebildeten und unabhängigen Frauen waren ein Vorbild für viele folgende Generationen.

Während der sog. Befreiungskriege (1813-1815) gegen Napoleon wurden in Deutschland zum ersten Mahl zahlreiche Frauenvereine gebildet, um Sammelaktionen zu organisieren und den verletzten Soldaten zu helfen. Viele Frauen beteiligten sich aktiv an den Unruhen um 1830 und 1832 und waren bei der Gründung der neuen politischen Vereine dabei – sie bildeten ungefähr 40 % aller Mitglieder;107 so begann die Politisierung der Frauen. Engagierte Frauen arbeiteten als Journalistinnen, Autorinnen und Lehrerinnen und setzten sich gegen die Benachteiligung ihres Geschlechts ein. Unter den ersten Frauenrechtlerinnen-Autorinnen waren Louise Dittmar (1807-1884), Fanny Lewald (1811-1889) und Louise Aston (1814-1871).108

Eine der Mitgründerinnen der politischen Frauenbewegung war die Journalistin und Schriftstellerin Louise Otto-Peters (1819-1895), die schon 1843 in den Sächsischen Vaterlandsblättern für das politische Recht der Frauen warb.109 Neben zahlreichen Zeitungsartikeln schrieb sie auch sozialkritische Romane und politische Gedichte. Ihre Überzeugung war klar: „Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates ist nicht allein ein Recht, sie ist eine Pflicht der Frauen.“110 Wie andere Frauenrechtkämpferinnen, setzte auch sie viel Hoffnung in die Revolution von 1848, doch wurde bald von anderen Kämpfern für Freiheit enttäuscht: „Wo sie das Volk meinen, da zählen die Frauen nicht mit.“111 1849 gründete sie darum die Frauen-Zeitung, doch wegen eines neuen Gesetzes, der sog. „Lex-Otto“, war es Frauen verboten als Redakteurinnen zu arbeiten.112 Sie wurde für ihre Tätigkeiten verfolgt, doch gab nicht auf – unterstützt auch von ihrem Ehemann, dem Revolutionär und Journalisten August Peters (1817-1864). Mit einer politischen Auflockerung in den Sechzigern erlebte die deutsche Frauenbewegung einen neuen Aufschwung und Luise Otto-Peters gründete 1865 den Allgemeinen Deutschen Frauenverein, die erste überregionale Organisation der Frauenbewegung, mit dem Hauptziel: Bildung und Berufsarbeit. Otto-Peters wurde bis zum Ende ihres Lebens „die Galionsfigur der bürgerlichen Frauenbewegung“113.

Spätere Vertreterinnen der Bewegung waren die Lehrerin Helene Lange (1848-1930) und ihre Gefährtin Gertrud Bäumer (1873-1954), die verschiedene Ausbildungsinstitute gründeten und sich für eine gleiche Ausbildung der Frauen und der Männer einsetzten.114

Im Gegensatz zum Frauenwahlrecht betrachtete Fontane die Frauenbildung als ein wichtiges Thema. Wie Brühl schreibt: „Schon in der Grundschule seiner Tochter Martha fiel ihm auf, wie entschieden Mädchen im preußischen Schulsystem unterfordert, je regelrecht benachteiligt wurden.“115 Auch darum schickte er seine Tochter für ein Jahr nach England, um ihr eine bessere Ausbildung zu gönnen.116 Fontane spricht das Thema in Frau Jenny Treibel an, als Corinna ihre Ausbildung zur Kunststopferin in einer Berliner Bildungsanstalt für Frauen, dem Lette-Verein, preist:

Und zum Zeichen, daß ich, trotz ewigen Schwatzens, doch eine weibliche Natur und eine richtige Deutsche bin, soll Mr. Nelson von mir hören, daß ich auch nebenher kochen, nähen und plätten kann und daß ich im Lette-Verein die Kunststopferei gelernt habe. 117

In diesem Frauenbildungsverein, 1866 vom Sozialpolitiker Wilhelm A. Lette gegründet118 und von seiner Tochter Anna Schepeler-Lette erweitert119, wurde Frauen eine Auswahl von neuen Ausbildungen und Lernberufen120 angeboten, die ihnen ermöglichten, sich später selbst zu finanzieren. Die Ideen Lettes wurden von der britischen Prinzessin Victoria von Großbritannien (1840-1901) unterstützt, die als Gemahlin Friedrichs III. (1831-1888) zur Königin von Preußen und zur Deutschen Kaiserin wurde.121 Leider war ihre Nachfolgerin, die Gattin des neuen Kaisers Wilhelm II. (1859-1941), im Gegensatz zu der gebildeten und aktiven Victoria nur ein „schmückendes Beiwerk“122 an der Seite ihres Gattens und setzte Victorias Bestrebungen nicht fort.

Eine weitere Begegnung Fontanes mit der Frauenbewegung gelang durch den Salon Dohm. Ernst Dohm (1819-1883), der Chefredakteur der Berliner Satirezeitschrift Kladderadatsch, war ein Freund Fontanes.123 Auch nach Dohms Tod verfolgte Fontane mit Empathie das Leben von Dohms Frau Hedwig, geb. Schleh (1831-191), einer Lehrerin und Autorin, die sich dem frauenpolitischen Engagement widmete124 und sich alleine um ihre vier Töchter kümmerte. Eine der Töchter, Hedwig, heiratete später den Mathematikprofessoren Alfred Pringsheim (1850-1941) und ihre Tochter Katharina wurde Frau von Thomas Mann (1875-1955); eine andere, Eva, auch eine Frauenrechtskämpferin, war Freundin von Fontanes Tochter Martha und heiratete den Bildhauer Max Klein (1847-1908), der ein Marmorstandbild Theodor Fontanes fertigte, welches bis heute im Tiergarten in Berlin steht.125

1.3.2 Frauen in Fontanes Leben

Fontane war sein ganzes Leben von interessanten Frauen umgeben – gehörten sie der Familie an, wie die Mutter, Schwestern, Tante, später auch seine Ehefrau und Tochter – oder nicht, denn wie schon erwähnt, Fontane hatte die Fähigkeit vertraute Freundschaften mit dem anderen Geschlecht anzuknüpfen. Folgende Frauen spielten eine besondere Rolle in seinem persönlichen, sowie auch künstlerischen Leben:

Mutter

Fontanes Mutter, Emilie Labry (1797-1869) war eine starke und pflichtorientierte Frau,126 die wahrscheinlich aus junger Unbesonnenheit und Liebe einen Mann heiratete, der sich bald als leidenschaftlicher Spieler erwies.127 Durch seine Leichtsinnigkeit kam die Familie mehrmals in Schulden, und das bereitete Emilie, die das gesellschaftliche und wirtschaftliche Niveau der Familie zu erhalten versuchte, oft Nervenzusammenbrüche.128

Theodor war der älteste Sohn und auch das Lieblingskind seiner Mutter.129 Da sein Vater die Familie oft im Stich ließ, musste sich Theodor um seine kleineren Geschwister kümmern und lernte so die Schwierigkeiten des Lebens einer verheirateten Frau im 19. Jahrhundert kennen – die lebensgefährlichen Geburten, die tägliche Sorge um Kinder und um Ansehen und Wohlstand der Familie, die totale Abhängigkeit von dem Ehemann und Unmöglichkeit sich selbst anders zu realisieren als als Mutter und Ehefrau.130

Doch die Mutter brachte Fontane auch bei, dass eine Frau das Schicksal in die eigenen Hände mutig nehmen kann. Sie schaffte es, sich 1854 endgültig von ihrem Mann zu trennen, und lebte dann alleine in Neuruppin.131

Schwestern

Theodor Fontane und seine Schwester Jenny (1823-1904) waren sich nah, denn sie verbrachten mit ihren zwei Brüdern zusammen die Kindheit.132 Nachdem sie einen vermögenden Apotheker heiratete und die Apotheke ihres Vaters abkaufte, wurde Fontanes Verhältnis zu seiner Schwester kritischer, weil ihn ihr „bourgeoises Gehabe“133 störte. Nichtsdestoweniger bot ihm Jennys gesellschaftlicher Aufstieg durch Heirat eine Inspiration für den Roman Frau Jenny Treibel.134

Fontanes Schwester Elisabeth (1838-1923) kam unerwartet auf die Welt, viele Jahren nach ihren Geschwistern. Der neunzehnjährige Theodor wurde ihr Paten und empfand stark für sie. Elisabeth war ein intelligentes und hilfsbereites Mädchen. Bald kümmerte sie sich um ihre alt werdenden Eltern, half Fontanes Ehefrau bei der Betreuung der Kinder135 und unterstützte ihren großen Bruder in seiner schriftstellerischen Arbeit, indem sie Material für seine Werke sammelte.136

Ehefrau

Über Fontanes Ehe wurde viel geschrieben. In den älteren Publikationen wird Emilie Rouanet-Kummer, Fontanes Ehefrau, eher negativ dargestellt – als eine ungebildete, einfache Frau, die die Gaben ihres Mannes bezweifelte.137 So fokussiert sich auch Ohff vor allem auf die gegensätzlichen Naturen der beiden Ehepartner. Emilie Rouanet sei eine konventionelle und ernsthafte Frau gewesen, die bei ihrem Gatten vor allem Sicherung der Familie gesucht habe. Eine Ehe mit dem unkonventionellen und spottlustigen Künstler habe sie darum eigentlich nie glücklich machen können. Er habe wie viele geistig begabte Männer eine eigene künstlerische Welt wie auch die Welt der Politik und der Gesellschaft vor der biedermeierlichen Idylle des Familienlebens bevorzugt.138

Christine von Brühl zeichnet dagegen ein positives Bild von Emilie. Sie zitiert Gotthard Erler, den Biografen Emilie Fontanes, der den Ehebriefwechsel gründlich untersuchte und feststellte, dass Emilie sich als „liebenswerte und liebenswürdige Persönlichkeit, als kluge und gebildete Frau, die ihren Mann geliebt und verehrt und sehr wohl an seine poetische Sendung geglaubt hat,“139 erweise.

Theodor Fontane und Emilie Rouanet kannten sich flüchtig schon seit dem Jugendalter, denn sie wohnte bei ihren Adoptiveltern in Berlin in der Nachbarschaft von Fontanes Tante und Onkel. Als er sie Jahre später traf, war er von der Verwandlung des ausgelassenen Kindes in eine schöne junge Dame bezaubert.140 Die spontane Verlobung geschah im Dezember 1848, aber bald kamen ersten Zweifel, wie man in Fontanes Briefen liest.141 Nichtsdestoweniger, nach einer langen Verlobungszeit, die nicht nur durch Fontanes Unentschiedenheit, sondern mehr durch seine unsichere finanzielle Lage verursacht war, heiratete das Paar am 16. Oktober 1850.142

Ein Jahr nach der Hochzeit feierte das Ehepaar die Geburt ihres ersten Sohns. Eine Tragödie begegnete der jungen Familie auch – drei Söhne starben bald nach der Geburt. Glücklicherweise überlebten drei weitere Kinder143 und so musste Theodor Fontane hart arbeiten, um für seine Kernfamilie zu sorgen. Aus Not nahm er verschiedene Stellen auf, die nicht ganz nach seinem Geschmack waren – wie z. B. in der Propaganda-Abteilung bei der rechtsorientierten Regierungspresse.144 Wenn er aber in seiner Arbeit unglücklich war, kündigte er auch, was zu Nervenzusammenbrüche seiner Frau führte.145 So kündigte er 1876 auch den sehr angesehenen Posten des Akademiesekretärs, worauf Emilie derart verärgert war, dass sie von Fontane für einige Zeit wegzog.146

Trotz aller Streitigkeiten hielt das Paar zusammen. So schrieb Emilie im Sommer 1878 na ihren Mann und man kann viel Liebe und Verständnis zwischen den Zeilen lesen:

Mir klopft das Herz vor Freude, bei dem Gedanken, Dich wiederzusehen. Laß es Dir gut gehen Du lieber Secretair a. D.; es war ein böser Titel. Lächerlich an sich, für Dich – unter der Würde. Nein, wir wollen nun Th. F. Leben und sterben. Hoffentlich gemeinsam und gesund noch lange das erstere. 147

Übrigens gab es zwischen den Ehegatten einen reichen Briefwechsel, da es sich bei ihnen quasi um eine Beziehung auf Distanz handelte, denn Fontane war als Journalist oft Monate weg von der Familie. Viele von diesen Briefen kann man als Liebesbriefe bezeichnen.148

Emilie unterstützte Fontane bei seinem Schreiben nicht nur moralisch, sondern auch praktisch – sie las seine unzähligen Manuskripte und schrieb sie ab,149 erledigte Geschäfte für ihn und unterhielt gute Freundschaften und Verbindungen, die ihrem Mann nützlich sein könnten.150

Ihr Leben war auf keinen Fall einfach – vom fünfjährigen Warten auf Hochzeit, über schwere Geburten und Tod der Kinder, Krankheiten, finanziellen Sorgen, zu Fontanes ausländischen Aufenthalten, das war auch mit der Hilfe von Ammen und Hausmädchen151 viel zu bewältigen. Emilie begleitete Fontane mehr als ein halbes Jahrhundert und trotz aller Probleme liebte sie ihn und zweifelte nie an ihm.152

Freundinnen

Die Zeit im Berliner Krankenhaus Bethanien, wo Fontane seit 1848 lebte und als pharmazeutischer Ausbilder für zwei Diakonissen153 arbeitete, war für ihn unvergesslich. Noch fünfzig Jahre später schwärmte er von der Erfahrung: „Mein Leben mit den zwei Diakonissinnen war ein Idyll, wie’s nicht schöner gedacht werden konnte: Friede, Freundlichkeit, Freudigkeit.“154 Die Unterrichtsstunden selbst ähnelten eher freundschaftlichen Besuchen – es gab Kaffee, Desserts und viel Plaudern und Lachen.155 Fontane war vor allem von Emmy Danckwerts (1812-1865) hochbeeindruckt: „Unter den vielen klugen und charaktervollen Damen, die ich das Glück gehabt habe in meinem Leben kennen zu lernen, steht sie in erster Reihe.“156

Diese Art respektvoller und liebenswürdiger Freundschaft – ohne jegliche unlautere Absichten – entwickelte Fontane auch mit Henriette von Merckel (1811-1889). Die adelige Dame war viel älter als er und verheiratet mit seinem Dichterkollegen aus dem Tunnel, Wilhelm von Merckel. Beide Familien befreundeten sich bald.157 Brühl nennt Henriette die „Familienseelsorgerin“158 Fontanes. Sie hatte keine Kinder, aber sie half Fontane bei Kinderbetreuung, bei Wohnungssuche, beim Umzug und bei vielen anderen Angelegenheiten, und sie stand Emilie bei, wenn Fontane in England war. Sie wurde sogar Patin von seinem Sohn Theo und sie berichtete Fontane vom Leben seiner Familie in unzähligen Briefen.159 Fontane schrieb immer sehr dankbar zurück: „[…] Nicht mal ein Wachsen meiner Dankbarkeit kann ich in Aussicht stellen, denn sie ist lange auf der Höhe dessen, was mein Herz zu leisten vermag.“160 Man kann absolutes Vertrauen und Offenheit in seinen Briefen lesen. Nach dem Tod von ihrem Mann wurde Henriette, die verwitwet und kinderlos blieb, noch mehr in das Familienleben Fontanes hineingezogen.161

Ähnlich vertrauliche Freundschaft, die auch durch unzählige Briefe unterhalten wurde, schloß Fontane mit einer anderen älteren, adeligen Dame – Mathilde von Rohr (1810-1889). Er lernte sie durch seinen Freund Lepel in ihrem literarischen Salon in Berlin kennen – sie beide teilten Liebe zum Dichten.162 Mathilde schenkte Fontane Respekt, Anerkennung und Mut, vermittelte ihm nützliche Kontakte in die gehobene Gesellschaft und versorgte ihn mit Erzählstoff.163 1869 zog sie nach Kloster in Dobbertin, wo sie als Stiftdame164 eine geräumige Wohnung mit jährlichen Hebungen bekam.165 Während seinen Besuchen dort wurde Fontane von der klösterlichen Umgebung zum Schreiben von Grete Minde, L’Adultera und C è cile inspiriert.166 Die Freunde blieben natürlich durch Briefe im Kontakt bis zu ihrem Tod im Jahre 1889, der Fontane unendlich traurig machte.167

Tochter

Die Beziehung zwischen Fontane und seiner einzigen Tochter Martha wird oft als harmonisch gefeiert – sie stand ihm nah im Charakter, war intelligent, selbstständig bis hartnäckig, dabei immer einfühlsam und gutherzig. Sie bewunderte ihren Vater und er achtete auf sie dermaßen, dass er von ihr als von einziger Person Kritik vertragen konnte.168 Ihr vertrauensvolles Vater-Tochter Verhältnis wird in Jenny Treibel durch das Verhältnis zwischen Corinna und ihrem Vater, Professor Schmidt reflektiert.169

Martha, auch Mete genannt, wurde zur Vorlage nicht nur Corinnas, sondern auch anderer Frauenfiguren in Fontanes Romanen und Erzählungen. Durch ihr Heranwachsen und ihre Erziehung wurde sich Fontane der Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Stellungen der Frauen und der Männer sehr bewusst. Mädchen waren in der Gesellschaft schon vom Schulalter benachteiligt und hatten kaum Raum für Selbstentwicklung – ihre Aufgabe in der Gesellschaft war gegeben.170 Martha wurde aber dank ihrer Eltern eine sehr gute Bildung gegeben und sie wurde Lehrerin – die einzige Karriere, die den Frauen erlaubt wurde.171

Einige von Marthas Biografen behaupten, dass die Tatsache, dass sie erst mit 38 heiratete, weder an ihrer Karriere – die sie übrigens wegen chronischen gesundheitlichen Komplikationen bald aufgeben musste172, noch lediglich an keinem Glück mit den Männern – sie verliebte sich z. B. in einen verheirateten Mann173, lag. Ihr Problem sei eher eines psychologischen Charakters gewesen. Sie war ein sehr empfindliches Wesen und eng an ihre Eltern gebunden – sodass sie sogar immer ernsthaft krank wurde, wenn sie stritten.174 Sie litt auch unter Depressionen und Angstanfällen und die Ärzte diagnostizieren ihr damals populäre Nervosität und Hysterie.175

Die Biografin Dieterle beschuldigt von Marthas Problemen die enge Beziehung zwischen dem Vater und der Tochter – sie spricht sogar von „inzestuös gefärbten“176 Beziehung. Sie argumentiert, dass gerade dieses zu festes Verhältnis zwischen ihnen, das an Abhängigkeit grenzte, Fontane zwar viel Inspiration brachte, die Tochter aber dagegen erschöpfte.177

Martha verlobte sich mit dem Architekten Karl Emil Otto Fritsch (1838-1915) am 16. September 1898 – ein Tag danach starb ihr Vater, als ob er darauf gewartet hätte, seine Tochter in sicheren Händen zu wissen.178 Die verheiratete Martha lebte ein komfortables, großbürgerliches Leben, aber ihre Krankheit wurde schlimmer. Schließlich, im Januar 1917, ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Ehemannes, nahm sie sich das Leben.179

2 Poetischer Realismus

2.1 Zu der Epoche

Die Epoche des Realismus wird meistens in die Zeit zwischen 1848, der gescheiterten Deutschen Revolution als eine Bedingung oder sogar Voraussetzung des deutschen Realismus, und 1890 verortet.180

Die Mitte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit großer Änderungen in der Gesellschaft im ganzen Europa, Deutschlands einschließlich. Die Siegeswelle der industriellen Revolution, die schon im 18. Jahrhundert in England begann, brachte in der Wissenschaft und Technik auch im folgenden Jahrhundert neue Konzepte, Entdeckungen und Erfindungen ans Licht der Welt, wie die Eisenbahn181, Telegrafie182, Rohrpost183, Fotografie184, oder die Massenproduktion von Gütern. Sie vereinfachte und beschleunigte das menschliche Leben radikal.

Der auf der Industrialisierung und Eisenbahnbau beruhende ökonomische Aufschwung wurde in Deutschland zuerst im 1870 kurz unterbrochen wegen des Krieges gegen Frankreich; nach dem Sieg und der darauffolgenden Gründung des Deutschen Reiches im Januar 1871 wurde sie wieder fortgesetzt - diese sog. Gründerzeit endete mit einem großen Börsenkrach im Jahr 1873. Danach folgten relativ wechselnde Wirtschaftstendenzen bis in die Neunziger.185

Nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 und damit auch den gescheiterten Versuchen die politische Macht zu gewinnen, wandte sich das Bürgertum von der Politik ab und fokussierte sich stattdessen auf die wirtschaftliche Sphäre.186 Es entstand eine neue Schicht der Neureichen in der Gesellschaft – das Großbürgertum. Es waren erfolgreiche Kaufleute, Fabrikbesitzer und Industriemagnaten, die dem Adel gleichkommen wollten.187 Die kapitalistische Entwicklung der Gesellschaft hatte allerdings auch negative Konsequenzen – mit dem Wachstum der Fabriken kam es zum Wachstum der Städte und einer Verschiebung der Einwohner vom Lande in die Stadt, was für Viele nicht zu einem besseren Leben führte, sondern zu Armut in Mietskasernen. So entstand ein großes Sozialgefälle zwischen zwei neu formierten Klassen – den mittellosen Arbeitern und dem wohlhabenden Großbürgertum.188

Im 19. Jahrhundert verbreitete sich auch Bildung und Schreib- und Schriftfähigkeiten.189 Arm in Arm mit der wachsenden Leserpopulation entwickelte sich die Massenproduktion von Druckerzeugnissen dank neuer technischer Innovationen im Druck.190 Es wurden Zeitschriften und Zeitungen für Alle herausgegeben, also auch für die Unterschichten, für Frauen und für Jugendliche. Die populärste bürgerliche Zeitschrift war Die Gartenlaube von Ernst Keil, die unter anderem auch Fortsetzungsromane veröffentlichte. Auch kleine Heftchen mit verschiedenen Formaten und Inhalten waren beliebt und im letzten Drittel des Jahrhunderts vor allem sog. Romanhefte. Bücher waren immer noch teuer, aber die Buchproduktion stieg trotzdem dank der neu eröffneten Leihbibliotheken.191

In der Philosophie setzten sich jetzt vor allem Richtungen durch, die schon in der ersten Hälfte des Jahrhunderts entworfen worden waren. Für die Theologie bedeuteten sie eine Herausforderung nach der anderen. Sie lösten die traditionelle Metaphysik ab und waren das Fundament für den Materialismus. Aus der Wiederbelebung der aufklärerischen Tendenzen in Frankreich stammte der Positivismus, der als Quelle der Erkenntnis das Empirische sah – und nach dem praktischen Nutzen des Wissens strebte. Der Vater des Positivismus Auguste Comte (1798-1857) gab einer neuen Disziplin seinen Namen, die sich mit der Gesellschaft beschäftigt – Soziologie.192 Diese löste sich von der Philosophie auch Psychologie193, und wurde zu einer wissenschaftlichen Disziplin mit naturwissenschaftlichen Methoden.194 Anknüpfend an Comte wurde der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach (1804-1872) zu einem Religions- und Idealismuskritiker195, doch seine Theorien wurden zu der Zeit meistens noch als radikal abgelehnt.196 Achtzehn Jahre später kam das Buch Über die Entstehung der Arten (1859) von dem englischen Naturwissenschaftler Charles Darwin (1809-1882) heraus, indem das Leben als eine natürliche Entwicklung der Materie erklärt wurde, ohne dafür einen Gott zu brauchen. Darwins Theorie bedeutete eine Revolution in der Naturwissenschaft.197 Auch die Theorien von Karl Marx (1818-1883), der sich mit der politischen Ökonomie und der Situation des Proletariats beschäftigte und in dem Buch Das Kapital (1867 1. Band) das ideelle Model des Sozialismus vorstellte, waren eindeutig materialistisch.198 Arthur Schopenhauer (1788-1860), der zwar der ersten Hälfte des Jahrhunderts angehörte,199 wurde erst in den siebziger und achtziger Jahren populär; sein Pessimismus sah die Welt als Hölle und die Menschen als Egoisten.200 Er war ein Atheist und ein Ästhetiker, wie auch sein viel jünger Kollege Friedrich Nietzsche (1844-1900), der Repräsentant des Nihilismus, der den Menschen vor einer absoluten Sinnlosigkeit sah. Er ging davon aus, Gott und alle Ideale seien tot gewesen.201

Allen modernen Entwicklungen und Ideen zum Trotz behielt Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert immer noch seine traditionellen Strukturen und Institutionen, wie die Kirche, die Familie und das Militär, als tonangebend für die Gesellschaft. Daraus ergaben sich Konflikte zwischen der Welt der konservativen Werten und der Welt der Innovation.202

2.2 Formen und Ästhetik des Realismus

Der Begriff Realismus stammte aus Frankreich aus dem Bereich der Malerei und wurde bald in der Literaturtheorie verwendet, um die Poetik und Ästhetik der literarischen Werke zu beschreiben, die sich von den früheren Richtungen wie Romantik, Klassik, und im deutschsprachigen Raum auch von der Literatur des Vormärzes, unterschieden.203 Er gilt zugleich in der Literaturgeschichte als eine Epochenbezeichnung, und im spezifischen Kontext von bürgerlichen Realismus als die letzte klar abgegrenzte Epoche vor dem gleichzeitigen Aufschwung der vielen künstlerischen Richtungen um die Wende des neunzehnten und des zwanzigsten Jahrhunderts.204

Der allgemeine Anspruch der Realisten war die Realität darzustellen, doch da sie kein politisches und kein einheitliches ästhetisches Programm vereinigte, wurde Realismus in einzelnen Ländern und bei einzelnen Autoren auch unterschiedlich verstanden. Der Begriff ist daher sehr komplex und problematisch zu definieren. Literaturwissenschaftler sprechen vom poetischen, bürgerlichen und ideellen Realismus205, von Programmrealismus und Literatur der Gründerzeit206, oder schaffen solche Attribute für den Realismus wie psychologisch, politisch, irreal, empirisch, kritisch, kämpferisch und ähnliche.207

Die einfachste Auffassung vom Realismus war die Bestrebung des Künstlers eine enge Beziehung zwischen der Realität und Kunstwerk zu erzielen, indem er Gegenstände in ihrer Umgebung möglichst akkurat wiederzugeben versuchte. Die Wahrscheinlichkeit betrachtete man dabei als das wichtigste Beurteilungskriterium.208 Nichtsdestoweniger führte diese Einstellung zu der Verwechslung des Realismus und der Nachahmung, welche als antikünstlerisch angesehen wurde, und daher distanzierten sich die Realisten davon.209

Manche Künstler fingen an, den Begriff poetischer Realismus für das Bezeichnen von ihren Werken zu bevorzugen, um sich von dem Realismus im pejorativen Sinne des Kopierens zu unterscheiden.210 Die Bezeichnung stammte von Otto Ludwig (1813-1865), deutschem Dramatiker, Prosaiker und Theoretiker, der sich mit dem Thema in seinen Essays Shakespeare Studien (1871 posth.) beschäftigte. Er verstand unter dem Begriff aber etwas anders – nämlich die typisch deutsche resignative Ausprägung des Realismus – die Dichter resignierten auf die Kritik der sozialen Umstände und bevorzugten dagegen die Kleinstadtidylle.211 Wie Glosíková und Tvrdík schreiben, versuchte der poetische Realismus nicht, die ganze Gesellschaft in ein Werk zu fassen, sondern förderte im Gegenteil den individuellen Humanismus. Dieser manifestierte sich zum Beispiel durch den Gebrauch von Dialekten – wie man es auch an Fontanes Romanen aus Berlin und Brandenburg betrachten kann.212

Der Begriff bürgerlicher Realismus stammt dagegen aus der Literatursoziologie und wurde erst später eingeführt, um den Realismus des 19. Jahrhunderts von dem sozialistischen Realismus des 20. Jahrhunderts zu differenzieren.213 Der Termin wird heutzutage oft als ein Synonym für den poetischen Realismus in der deutschsprachigen Literatur benutzt.

Nach Cowen ist der bürgerliche Realismus eine deutsche Version des Realismus, die sich vom Realismus Tolstois, Dostojewskis, Stendhals, Balzacs oder Flauberts unterscheidet.214 In Frankreich und teilweise auch in Russland und England hatte Realismus nämlich einen starken sozialen Unterton und in den realistischen Werken wurde die ganze Gesellschaft dargestellt, inklusive der niedrigsten Gesellschaftsschicht. So erfüllen die französischen Dichter die Worten von Erich Auerbach aus seinem Werk Mimesis (1946), wo er das Wesen des Realismus als „die ernste Darstellung der zeitgenössischen alltäglichen gesellschaftlichen Wirklichkeit auf dem Grunde der ständigen geschichtlichen Bewegung“215 beschreibt.

In Deutschland dagegen herrschten andere Bedingungen, denn das Proletariat war noch nicht formiert. Darum entfalten deutsche realistische Werke nur Figuren des Adels und des Bürgertums, die Arbeiter und die Dienerschaft dagegen werden nur am Rande dargestellt.216 Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde von den Zeitgenossen überhaupt als „ das bürgerliche Zeitalter217 gesehen, wo man nicht mehr nach der Poesie und Ästhetik strebt, sondern sich auf Handel, Gewerbe und andere praktischen Teile des Lebens fokussiert. Die Bürger waren die Träger des Fortschrittes und der Bildung trotz ihres politischen Verlusts in der Revolution.218 Die Tatsache, dass viele der Künstler des bürgerlichen Realismus selbst aus diesem Stand stammten, sollte jedoch nicht als maßgebend betrachtet werden, denn es gab auch realistische Autoren, die sich nicht mit der bürgerlichen Schicht identifizierten (Stifter, Freytag, Hebbel, Storm, u. a.).219

Zeitgenössische deutsche Dichter und Kritiker benutzten das Medium der literarischen Zeitschriften wie Den Grenzboten und Deutsches Museum, um eine umfangreiche und oft auch kontroverse Debatte über den Realismus zu führen und so entwickelte sich ein literarisches Programm, das auf den Werten von Plausibilität, Wirklichkeit, und bürgerlicher Ethik gegründet wurde.220

In der Ästhetik waren die deutschen Realisten einzigartig. Wie Glosíková und Tvrdík bemerken, zwar gaben die Deutschen nach der gescheiterten Revolution ihre Hoffnungen auf ein neues Aufblühen der Literatur, auf eine „neue Klassik“221, auf, ließen sich aber dagegen von der Weimarer Klassik weiter beeinflussen.222 Da die deutsche Realität unvollkommen war, bemühten sich die poetischen Realisten nicht um ihre Dokumentation, sondern eher um eine Illusion, die der Wirklichkeit ähnelte und glaubwürdig für den Leser war.223 Theodor Fontane nach, einem der wichtigsten Theoretiker des poetischen Realismus, sollten Romane „eine Welt der Fiktion auf Augenblicke als eine Welt der Wirklichkeit erscheinen lassen.“224

Ein wichtiger Begriff des poetischen Realismus war die Widerspiegelung. Fontane bezeichnete Realismus als „die Widerspiegelung allen wirklichen Lebens, aller wahren Kräfte und Interessen im Elemente der Kunst.“225 Bei diesem Prozess sollte aber immer etwas Neues entstehen, wie Hugo Aust erklärt:

Die kritische Rolle der „Widerspiegelung“ innerhalb der Realismusdebatte rührt nicht daher, das „Spiegel“ für die Wirklichkeit letzten Endes zu blind sind, sondern daß sie bereits eine wichtige Schwelle für den Übergang vom Realen zu Imaginären darstellen, oder richtiger und vollständiger: daß diese Spiegel einem „trivium“ gleichen, wo Reales, Imaginäres und Symbolisches zusammenkommen. 226

Es wurde verstanden, dass die literarische Welt zu der außerliterarischen Welt in einer „selektiv-verdichtenden Relation“227 steht; dieses Konzept nannte man die Poetik der Verklärung – die außerliterarische Welt sei unverklärt und der Dichter verkläre sie in ihrer Schönheit von allem Störenden und schafft so eine verklärte literarische Welt.228 Die Verklärung konnte dabei als Mittel der Widerspiegelung betrachtet werden. Für Fontane war der Unterschied zwischen diesen Welten winzig: „Zwischen wirklichem Leben und der Kunstwirklichkeit besteht nur der Unterschied von: Intensität, Klarheit, Übersichtlichkeit und Abrundung.“229

Um die Verklärung zu erreichen, empfahl Fontane den Humor, jedoch nicht den „boshaften und menschenfeindlichen“230 Humor von Wilhelm Busch231, sondern eher den liebenswürdigen Humor, wie Fontane ihn aus seiner beliebten englischen Literatur kannte:

Die Kunst hat die Aufgabe über diese Dinge (menschliche Schwächen) hinwegzusehen oder – wenn sie dargestellt werden sollen, was durchaus meinen eigenen Neigungen entspricht – sie humoristisch zu verklären oder sie wenigstens grotesk-interessant zu gestalten, wie das Dickens so wundervoll verstand. 232

Für das mit Humor verbundene Thema der Schönheit und des ewigen Schönheitsideals, das eine Grundlage der Ästhetik des poetischen Realismus bildete, war das Werk von Friedrich Theodor Vischer (1807-1887) Ästhetik oder Wissenschaft des Schönen (in drei Bänden, 1846-1857) von großer Bedeutung.233

Die poetischen Realisten nahmen viele Detailangaben in Anspruch, um die Szenen genau darzustellen. Sie vermieden es, die Figuren und ihre Handlung selbst zu werten, denn sie versuchten, so objektiv zu sein wie möglich; anstatt dessen boten sie verschiedene Sichtweise eines Ereignisses, um das ganze Bild des Ereignisses zu bilden.234

Auch Symbole, Vorausdeutungen und Leitmotive gehörten zu den geläufigen Mitteln deutscher Realisten, die sie benutzten um den Realitätsausschnitt dicht und effektiv beschreiben zu können und das Werk als eine geschlossene Einheit präsentieren zu können. Es wird von der sog. Poetisierung der Wirklichkeit gesprochen.235

Die modernen Themen des 19. Jahrhunderts wie die industrielle Revolution oder neue soziale Umstände wurden bei den deutschen Realisten nur am Rand behandelt. Sie widmeten sich vielmehr den traditionellen Themen und verteidigten alte Werte.236 Sie bevorzugten das Typische über dem Außergewöhnlichen und fokussierten sich in ihren Werken daher oft auf provinzielle Gesellschaften, die sie unter anderem durch Dialekte darstellten,237 und tauschten die großen Heroen gegen Durchschnittsmenschen.238

2.2.1 Zum realistischen Roman

Das charakteristische Genre des bürgerlichen Realismus war die Erzählprosa, vor allem von Romanen und Novellen repräsentiert.

Die Novelle, ein beliebtes Genre schon seit Christoph Martin Wieland (1733-1813) und Heinrich von Kleist (1777-1811), erlebte einen großen Aufschwung. Die Erzählung mittlere Länge mit einem klaren Aufbau und einer Neuheit als zentralem Stoff wurde von Theodor Storm (1817-1888), Gottfried Keller (1819-1890) und Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) zu ihrem literarischen Höhepunkt gebracht.239

Der Roman,240 der aus der englischen Literatur stammte und sich im 18. Jahrhundert als Genre etablierte,241 und der für einige Zeit noch als marginale Ausdrucksform der deutschen Literatur im Vergleich zur Lyrik und Drama auftrat,242 erreichte im 19. Jahrhundert eine dominante Position in der deutschen Literatur.243 An den frühen realistischen Romanen kann man noch den Einfluss der Muster aus der Weimarer Klassik und der Romantik spüren.244 Sie setzen sich mit der Gesellschaft, mit ihrer Geschichte oder mit subjektivem Erleben auseinander in der entsprechenden Form – die des Zeitromans, des historischen Romans (Fontanes Vor dem Sturm (1878)), oder des Bildungsromans (Kellers Der grüne Heinrich (1855)).245 Für Fontanes spätere gesellschaftskritische Romane – wie Frau Jenny Treibel (1892) – wird noch ein Begriff benutzt: der Gesellschaftsroman.

Zu der Problematik des Zeitromans und des Gesellschaftsromans

Da beide Begriffe oft synonym verwendet werden, um das Genre von Fontanes späten Romanen zu definieren, möchten wir uns kurz mit den beiden beschäftigen.

D er Zeitroman ist ein Romantypus, „in dem die panoramaartige Darstellung des Zeitgeschehens im Mittelpunkt steht.“246 Er entwickelte sich in Deutschland zu Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Familien- und Individualroman. Die Bezeichnung selbst wurde das erste Mal vom Brentano 1809 benutzt, doch erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts etabliert.247 Der Zeitroman wurde durch eine Fokussierung auf ökonomische, politische, kulturelle, geistige und soziale Aspekte der Gesellschaft geprägt. Er wurde von den Jungdeutschen benutzt, um ein Zustandsbild der Gesellschaft zu zeichnen, aber erst die Realisten schafften es, ihn gut lesbar zu machen. Zum ersten Mal gelang es Gustav Freytag in Soll und Haben (1855), indem er durch eine einheitliche Handlung alle sozialen Schichten und einzige Erscheinungen verflocht. Sein Roman wurde zu dem „Startsignal“248 des poetischen Realismus und wurde auch von Theodor Fontane anerkannt:

Über all dies hinaus begann eine große, tiefgreifende Geschmackswandlung in ganz Deutschland sich vorzubereiten, und mit dem Erscheinen von Freytags „Soll und Haben“, welcher Roman so recht eigentlich den „Griff ins volle Menschenleben“ für uns bedeutete, ward der entscheidende Schritt getan. Man wollte Gegenwart, nicht Vergangenheit; Wirklichkeit, nicht Schein; Prosa, nicht Vers. 249

Der Gesellschaftsroman ist, dem Literaturlexikon nach, ein Romantypus, der beansprucht, „[...] die ganze Gesellschaft seiner Zeit modellhaft darzustellen“250 und „[...] die ganze Welt als soziale Welt (und nicht mehr als religiös geordnete oder moralische Welt) darzustellen“251. Er ist teilweise „Verkörperung des Gesellschaftsgeistes“252. Er ähnelt also in der Definition dem Zeitroman und eine klare Abgrenzung von diesem ist schwer zu finden.

Manchmal wird zwischen dem Zeitroman und dem Gesellschaftsroman eine Relation der Hyperonymie vorausgesetzt – der Gesellschaftsroman und der historische Roman treten dabei als zwei Sondertypen des Zeitromans auf, denn sie beide versuchen, ein Bild der Gesellschaft zu zeichnen; nur handelt es sich bei dem historischen Roman um eine Gesellschaft in der Vergangenheit253, bei dem jedoch Gesellschaftsroman um die gegenwärtige254.255

Manchmal wird der Gesellschaftsroman von dem Zeitroman durch bestimmte Eigenschaften differenziert – wie die Fokussierung auf die ganze Gesellschaft statt auf eine Klasse256 – dies ist allerdings für Fontanes Romane nicht gültig.

Schließlich zeigt sich wieder der Kontrast zwischen dem deutschen und dem europäischen Realismus. Anders als bei Zeitroman, der als typisch deutsch angesehen wird, wird die Bezeichnung Gesellschaftsroman im deutschen Realismus fast ausschließlich für die Romane von Theodor Fontane benutzt,257 der auf eine europäische Tradition des Gesellschaftsromans anknüpft.258 Im Gesellschaftsroman steht nicht mehr das Individuum im Vordergrund, sondern soziale Strukturen und soziale Rollen der Gestalten. Bei französischen und englischen realistischen Autoren wie Balzac oder Thackeray verläuft eine Reduktion der Individualität der Figuren in einem großen Maß, während bei den deutschen Realisten die Figuren ihre Individualität teilweise behalten und so ähnelt der deutsche realistische Roman (Zeitroman) noch dem Bildungsroman;259 die einzige Ausnahme ist gerade Theodor Fontane. Obwohl seine Romane private Aspekte des Lebens der einzelnen Gestalten zeigen, werden dabei allgemeine Probleme aufgedeckt, die den Rahmen einer Person oder einer kleinen Gruppe überschreiten. Die Familie wird bei Fontane als „Mikrokosmos der Gesellschaft“260 gezeigt. Die Figuren geraten in Konflikte gerade durch ihre Gefangenschaft in bestimmten sozialen Rollen und so enthüllt sich ein „gesamtgesellschaftliches Problem“261.

Trotz der Kritik an der Gesellschaft wird der Gesellschaftsroman nie zu einem sozialen Roman und unterscheidet sich grundsätzlich von den Romanen des Naturalismus.262

2.3 Theodor Fontane als Repräsentant des poetischen Realismus?

Öffnet man ein zufälliges Literaturlehrbuch oder Enzyklopädie, so kommt Theodor Fontane höchstwahrscheinlich als einer der wichtigsten Repräsentanten des deutschen Realismus heraus. Doch viele Literaturhistoriker weigern sich ihn als einen eindeutigen poetischen Realisten zu kategorisieren. Theodor Fontane nimmt nämlich unter den deutschen Realisten eine Sonderstellung ein.

Auf einer Seite wird Fontane als die zentrale Figur des poetischen bzw. bürgerlichen Realismus in Deutschland angesehen. Und Realist war Fontane tatsächlich schon seit Jahre 1852, als er sich in seinem kunstkritischen Essay Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848 263 zum Realismus bekannte, und er blieb Realist sein ganzes Leben lang. Er verteidigte die realistische Ästhetik nicht nur in seiner Literaturkritik, wie man in dem Kapitel 2.2 lesen kann, und im Briefwechsel mit anderen Literaten der Zeit,264 sondern er setzte auch die Ideen in seinem erzählerischen Werk in die Praxis um.

Doch natürlich machte er bestimmte innere Entwicklungen durch. Den oben genannten Aufsatz und seine ersten realistischen Werke kann man dem früheren, d. h. programmatischen, Realismus zuordnen, während seine Eheromane zu dem späten, mehr gesellschaftskritischen Realismus gehören.265

Fontane überschritt zwar deutlich den Zeitrahmen der Epoche des Realismus mit seinen späten Romanen, publiziert in der letzten Dekade des Jahrhunderts, also in der Zeit die eher durch die Erscheinung der letzten naturalistischen und der ersten modernen Werken geprägt würde, doch ironischerweise wurden gerade diese Romane zu den bekanntesten Stücken des deutschen Realismus, sei es Frau Jenny Treibel (1892), Effi Briest (1894), Stechlin (1898), Mathilde Möhring (1895/6, publiziert 1906), oder Die Poggenpuhls (1897).266

Seine realistische Überzeugung hinderte Fontane nicht an einer Sympathie für die neuen Richtungen in der Kunst, vor allem für die Naturalisten. Als ein schon älterer und erfahrener Dichter und Theaterkritiker folgte er den neuen Entwicklungen in Kunst und schrieb positive Kritiken der Theaterstücke von Arno Holz, Johannes Schlaf und Gerhart Hauptmann.267 Allerdings im Unterschied zu den Naturalisten mochte er gern Humor und wollte das Schöne am Leben immer betonen:

Die Schönheit ist da, man muss nur ein Auge dafür haben oder es wenigsten nicht absichtlich schließen. Der echte Realismus wird auch immer schönheitsvoll sein ; denn das Schöne, Gott sei Dank, gehört dem Leben gerade so gut wie das Hässliche. 268

Auf der anderen Seite unterscheidet sich Fontanes Werk vom Werk anderer Realisten des deutschsprachigen Raumes, indem er die Idylle des Landes ablehnt und die Handlung seiner Romanen in die Großstadt platziert, und indem er in den Romanen eine Zeitkritik anbietet. Im Allgemeinen ist er gesellschaftsorientierter als andere deutsche Realisten – siehe seine Gesellschaftsromane – und damit ähnelt er mehr den europäischen nicht-deutschen Tendenzen der realistischen Romanen. Fontanes Version des poetischen Realismus wird auch kritischer Realismus genannt.269

Literaturhistoriker betrachten Fontanes Werk und seine Beziehung zum poetischen Realismus unterschiedlich. Auch der Roman Frau Jenny Treibel stellt gewisse Herausforderungen dem poetischen Realismus dar, wie im folgenden Unterkapitel kurz gezeigt wird.

2.3.1 Frau Jenny Treibel, eine Vorläuferin der Moderne

Frau Jenny Treibel wird in Hansers Sozialgeschichte als „ironische Verabschiedung des bürgerlichen Realismus“270 gesehen. Diese Bezeichnung fasst zutreffend die Meinungen vieler Literaturwissenschaftler zusammen. Grieve versteht die omnipräsente Ironie im Roman als Parodie auf zwei Ebenen – die bürgerliche Gesellschaft und den realistischen Roman:

Frau Jenny Treibel ist letztlich nicht nur eine Parodie auf das zeitgenössische Berliner Bürgertum, sondern auch eine Parodie auf das literarische Genre, das in dieser Gesellschaft die größten Erfolge erzielte, zugleich damit aber die Hohlheit ihres Kulturanspruchs deutlich macht. 271

Damit ist auch C. Roy Cowen einverstanden, und bemerkt, dass Fontane nicht Bürgertum als Klasse kritisiert, sondern als Leserschaft. Die Bürger wollten sich sentimental fühlen und glaubten, es sei poetisch, es sei Hochkunst. Beispiele von übermäßiger Sentimentalität kann man bei Jenny Treibel und ihrer Vorliebe für bestimmte Gedichte betrachten, oder auch bei Leopold, der Die Leiden des jungen Werthers liest.272 Auch der Auftritt vom ausgedienten Opernsänger Adolar Krola, der Jenny Arien aus ihren Lieblingsopern Lohengrin und Tannhäuser von dem von Bourgeoisie damals so gefeierten Komponisten Richard Wagner (1813-1883) vorträgt und ihrer Abendgesellschaft einen kulturellen Glanz verleihen soll, wobei er da vor allem romantische Kunstlieder, wie den Erlkönig von Franz Schubert (1797-1828), vorspielt. Doch „von Genuss konnte keine Rede für ihn sein, nur von Amüsement“273. Dies zeigt, dass auch Musik für die Bourgeoisie nur eine Modesache, Statusbestätigung und Anlass für Sentimentalität ist.

Vedder beschäftigt sich mit Fontanes Sprachkritik und findet darin eine typische Charakteristik für die Moderne – den Modus des Unterscheidens. Dieser zeigt sich zum Beispiel an dem Wortspiel mit Namen der Figuren Von Bomst und Majorin von Ziegenhals, der erste Name eine schlanke und der zweite Name eine korpulente Dame porträtierend. Es gibt auch viele Anspielungen auf die Mehrdeutigkeit der Wörter direkt in den Dialogen, wie: „[...] Kaufmann und Kaufmann ist ein Unterschied.“274, oder: „[...] Engel und Engel ist ein Unterschied, [...]“275. Vedder leitet den Schluss ab, Fontane interessiere sich nicht für die Unterschiede in den Gesellschaftsschichten, sondern eher für die unter den einzelnen Menschen, und er versuche, den Menschen als Unterschiedswesen darzustellen.276 Auch das häufige Vorkommen von Poesie in Frau Jenny Treibel sieht Vedder als ein Merkmal der Moderne – fast eine Mischung der Genres.277

Nach Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur sei Fontanes Sprachkritik eine Abkehr vom realistischen Verklärungsprinzip.278 Darum sieht auch er in diesem Roman das Ende des Realismus und den „Beginn moderner Literatur.“279

Weiter ist bei Frau Jenny Treibel die Form des Erzählens auffällig – es wird fast nur in Dialogen geschrieben. Cowen behauptet, der Roman bestehe in 70 % aus Gesprächen – und ähnelt daher der Prosa der Naturalisten Holz und Schlaf.280 Ein modernes Element kann man auch in der Gleichzeitigkeit der Ereignisse finden – es werden oft mehrere Geschichten erzählt, die sich simultan abspielen, womit eine breitere Zustandsschilderung erreicht wird.281

Eine interessante Ansicht über den Roman bietet Rolf Selbmann, der sich mit einigen Figuren beschäftigt, um ihre dekadenten Merkmale zu zeigen: Leopold, der eigentlich nur durch Negation beschrieben werden kann, denn er ist unentschieden, unmutig und am Ende auch unwichtig, wird als Produkt einer Gesellschaft gesehen, deren Regeln er nicht brechen kann und an denen er selbst scheitert.282 Corinna, mit ihrer falschen Emanzipation versucht zwar modern zu handeln, aber scheitert auch und bleibt am Ende doch traditionell.283

Nichtsdestoweniger wagt keiner der oben genannten Literaturwissenschaftler den Roman als Moderne zu bezeichnen. Immerhin herrschen bei Frau Jenny Treibel überwiegend Merkmale des (kritischen) Realismus. Cowen betont da vor allem die Symmetrie der Komposition, der Handlung, sowie auch der Figurenkonstellation284 und die typisch realistische Spannung zwischen Sein und Schein bei Jenny.285 Man kann Frau Jenny Treibel also ruhig als Verabschiedung des bürgerlichen Realismus oder als Vorläufer der Moderne bezeichnen, aber es ist immer noch ein realistischer Gesellschaftsroman.

3 Frau Jenny Treibel

3.1 Zur Entstehung und Intention

Der erste erhaltene Beleg zu der Entstehung des Gesellschaftsromans Frau Jenny Treibel ist Fontanes Brief an Paul Schlenther aus 26. April 1888, in dem er schreibt, er musste ein anderes Projekt (den Kurzroman Stine) wegen dieses Romans einstellen:

‚Frau Kommerzienrätin oder Wo sich Herz zum Herzen findt‘, eine humoristische Verhöhnung unsrer Bourgeoisie mit ihrer Redensartlichkeit auf jedem Gebiet, besonders auf dem der Kunst und der Liebe, während sie doch nur einen Gott und ein Interesse kennen: das goldene Kalb. 286

Das erste Manuskript beendete Fontane schon im Mai 1888, aber erst 1891 überarbeitete er es für den Druck. Er änderte bei jedem Entwurf den Titel: Die Frau Bourgeoisie oder „Wo nur Herz und Seele spricht“ wurde zu Frau Commerzienrätin oder „Wo sich Herz zum Herzen find’t“ und später zu Frau Jenny Treibel oder „Wo sich Herz zum Herzen find’t “.287 Der Roman erschien zuerst in vier Fortsetzungen in der Deutschen Rundschau in der ersten Hälfte des Jahres 1892288 und im gleichen Jahr noch als Buchausgabe im Verlag von Fontanes Sohn Friedrich.289

Schon im oben genannten Schreiben bekundete Fontane seine Absicht – mit Humor eine Kritik der Bourgeoise zu leisten. Auch in dem Brief an seinen Sohn, beschrieb er den Zweck der Geschichte als „das Hohle, Phrasenhafte, Lügnerische, Hochmütige, Hartherzige des Bourgeois-Standpunktes zu zeigen, der von Schiller spricht und Gerson290 meint.“291 Der ganze Roman ist daher als eine milde Satire auf Bürgertum zu betrachten und mit Ironie zu lesen – beginnend mit dem Untertitel „Wenn sich Herz zum Herz find’t“, der zwar scheint, den Leser für eine Liebesgeschichte vorzubereiten, in Wirklichkeit aber ironisch gemeint ist.292

Der großbürgerliche Lebensstil war Fontane gut bekannt aus seinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Er kritisierte das Verhalten der Neureichen, welche vorspielten Adelige zu sein, obwohl sie aus bedeutungslosen Verhältnissen stammten und außer Geld keine richtigen Werte besaßen – keine Kultur, Tradition, oder Bildung.293 Ihr oberflächliches Benehmen zeigte sich auch in ihren Kunst- und Literaturpräferenzen. So drückte es Fontane in einem Brief an seine Tochter aus:

Alles Große hat von Jugend auf einen Zauber für mich gehabt, ich unterwerfe mich neidlos. Aber der ‚Bourgeois ‘ ist nur die Karikatur davon; er ärgert mich in seiner Kleinstietzigkeit [sic!] und seinem unausgesetzten Verlangen, auf nichts hin bewundert zu werden. Vater Bourgeois hat sich für 1000 Taler malen lassen und verlangt, daß ich das Geschmiere für einen Velasquez halte. Mutter Bourgeoise hat sich eine Spitzenmantille gekauft und behandelt diesen Kauf als ein Ereignis. 294

Trotz seiner Kritik gibt Fontane im weiteren Brief ironisch zu, dass er selbst zu ihnen gehört: „Das Bourgeoisegefühl ist das zur Zeit maßgebende, und ich selber, der ich es gräßlich finde, bin bis zu einem Grade davon beherrscht. Die Strömung reißt einen mit fort.“295

Den Stoff für Frau Jenny Treibel verdankte Fontane seiner Schwester Jenny. Eine mit ihr befreundete Großindustriellenfamilie, mit der Fontane selbst eine Zeit in Verbindung war, wies viele Ähnlichkeiten mit den Treibels in Fontanes Roman auf, waren es ihre komplizierten Familienbeziehungen, oder ihre Prachtvilla, nur „von der Schlesischen in die Köpenicker Straße verlegt.“296 Auch den Hauptfiguren, wie schon im Kapitel 1.3.2 erwähnt wurde, standen reale Personen aus Fontanes Leben Modell. Für Corinna war dem Schriftsteller seine Tochter Martha die Inspiration, für Jenny Treibel seine Schwester Jenny, und Corinnas Vater Wilibald Schmidt trägt Züge des Autors selbst.297

3.2 Zur Handlungslinie

Der Roman hat eine einfache äußere Handlung ohne tiefere Konflikte – alles bleibt liebenswürdig und „salonfähig“298 – aber dagegen wird das Leben des Berliner Bürgertums in seinem Milieu detailliert dargestellt. Dazu dienen vor allem die reichen Dialoge sowie die Monologe der Figuren. Man befindet sich immer in einem Gespräch – wenn man sich in Geselligkeiten trifft, oder einfach auf den Treppen, oder in der Küche. Daher bezeichnet man Frau Jenny Treibel auch als Konversationsroman.299

Die Handlung spielt im Spätfrühling eines ungenannten Jahres gegen Ende des 19. Jahrhunderts300 in Berlin. Die Frau Kommerzienrätin301 Jenny Treibel, eine Dame Mitte fünfzig, fährt mit ihrer Gesellschafterin in einem Wagen zu dem altmodischen Haus in der Adlerstraße, in welchem ihr alter Freund, der Gymnasialprofessor Wilibald Schmidt, wohnt. Das Haus erinnert Jenny an ihre Jugend, denn sie wohnte als Tochter eines Altwarenhändlers in der Nachbarschaft. Als Student war Schmidt in sie verliebt, aber sie lehnte seine Gefühle ab und heiratete stattdessen den reichen Fabrikanten Treibel. Jetzt lädt Jenny Schmidts Tochter Corinna zu einem Dinner ein, an dem ein englischer Geschäftsfreund ihres Sohnes als Gast teilnehmen wird, und da Corinna gebildet ist und Englisch spricht, soll sie ihm eine angenehme Gesprächspartnerin sein.

Am nächsten Abend trifft sich eine große Gesellschaft in Treibels Gründerzeitvilla. Unter den Gästen sind neben dem Engländer Mr. Nelson Treibels älterer Sohn Otto mit seiner hübschen aber überheblichen Frau Helene aus Hamburg, Treibels jüngerer Sohn, der schläfrige Leopold, Corinnas gutherziger Vetter – der Lehrer Marcell Weddekopp, die ehemaligen Hofdamen Frau Majorin Ziegenhals und Fräulein Edwine von Bomst und der ehemalige Leutnant Vogelsang, eine groteske Figur, auf dessen Hilfe in den kommenden Wahlen Treibel hofft. Frau Kommerzienrätin bewältigt bravourös die Rolle der Gastgeberin und die Konversation fließt. Corinna kokettiert auffällig mit Mr. Nelson, um in Wirklichkeit Leopolds Aufmerksamkeit zu erregen, denn sie entschloss sich ihn zu heiraten, um in eine bessere Gesellschaft zu gelangen und das sorgenfreie Leben á la Jenny genießen zu können. Mit ihrer Taktik schafft sie es, dem naiven Jungen den Kopf zu verdrehen, doch ihr Vetter Marcell, der Corinna selbst liebt und auf eine Heirat mit ihr hofft, durchschaut ihre Pläne.

Am späten Abend singt die sentimentale Jenny noch ihr Lieblingslied, dessen Verse ihr Wilibald Schmidt vor vielen Jahren gewidmet hat. Marcell begleitet im Anschluss seine Cousine nach Hause und sie streiten. Danach führt er noch ein Gespräch mit Corinnas Vater über sie und ihre dickköpfige Idee, Leopold zu heiraten. Wilibald, der den Abend in Ruhe mit seinen Freunden aus dem Professorenkreis „Die sieben Waisen Griechenlands“302 verbrachte, macht sich keine Sorgen um seine Tochter, da er weiß, seine Freundin wird es nie erlauben, dass ihr Sohn eine arme Braut bekommt.

Am nächsten Morgen wird in allen Familien über die Party geredet. In diese Szene tritt Ottos Tochter Lizzi, die sich als ein perfektes Kind zeigt. Leopold reitet wie jeden Tag zum Frühstück aus. Als er feststellt, dass seine Mutter sich hinter seinem Rücken mit dem Kellner absprach, ist er verärgert und daher mutiger in seinem Plan, Corinna um ihre Hand zu bitten.

Die Familien nehmen an einem Ausflug nach Halensee303 teil. Dort trifft sich Corinna mit Leopold und sie verloben sich spontan. Corinna vertraut die Neuigkeit nur Schmolke, der Haushälterin Schmidts, an. Jenny, die noch nichts davon ahnt, schwärmt währenddessen vor Wilibald vom Glück der kleinen Verhältnisse und spricht mit Abscheu von Hildegard Munk, der reichen Schwester Helenes, die Leopold heiraten möchte. Als sie aber erfährt, dass er Corinna heiraten will, dreht sie plötzlich um, verbietet ihm, sich mit Corinna zu sehen, lädt Hildegard zu Besuch und versucht sogar Schmidt zu überzeugen, seine Tochter zur Vernunft zu bringen. Weder er noch Treibel unterstützen ihre Intrigen, trotzdem erreicht sie am Ende ihr Ziel – nach anderthalb Wochen löst Corinna die Verlobung.

Corinna kehrt zu ihrem Vetter, der zum Gymnasial-Oberlehrer befördert wurde und ihr die kleine Eskapade vergibt. Am Ende feiern sie ihre Hochzeit und unter den Gästen sind auch die Treibels, nur ohne Leopold, der inzwischen als Verlobter von Hildegard gilt. Nachdem fast alle Gäste gegangen sind, lässt Wilibald Schmidt noch einmal Jennys Lied spielen.

3.3 Frauenfiguren

3.3.1 Einleitung

Die Figuren in Frau Jenny Treibel werden oft direkt in den Gesprächen charakterisiert (meistens in Gesprächen über andere, nicht anwesende Figuren), oder in ihren Gedanken und Erinnerungen. Obwohl sich dieses Kapitel ausschließlich mit den Frauenfiguren beschäftigt, sind für die Charakterisierungen der Heldinnen auch männliche Gestalten bedeutsam – vor allem Professor Schmidt mit seinen ironischen Bemerkungen; interessant sind auch die Ansichten des Außenseiters Mr Nelson, der die Gestalten auf seine offene, und ungenierte Weise kommentiert.

Fontane gestaltet die Figuren mit Humor und Menschenkenntnissen und lässt den Leser oft mitlächeln. Zu der Komik der Gestalten tragen auch ihre Namen bei – entweder stehen sie antithetisch zu dem Aussehen oder dem Charakter der Person, wie schon im Kapitel 2.3.1 genannt wurde, und wie der Fall bei Fräulein Honig, Marcell Wedderkopp, und bei den beiden adeligen Damen ist, oder ihre einfachen Nachnamen stehen im Kontrast mit ihren vornehmen Vornamen, wie z. B. bei Corinna und Wilibald Schmidt, oder gar mit ihren vornehmen Idealen und Bildung – wie bei Rindfleisch, Schultze, Kuhn und anderen Mitgliedern des Gelehrtenzirkels der Sieben Waisen Griechenlands. Der Mädchenname Jenny Bürstenbinder weist auf ihre kleinbürgerliche Herkunft hin.

3.3.2 Jenny Treibel

Charakteristik

Frau Kommerzienrätin Jenny Treibel wird als Protagonistin schon auf der ersten Seite des Romans vorgestellt. Zuerst wird der Leser auf das Aussehen der „mit Geschmack und Sorglichkeit gekleideten und trotz ihrer hohen Fünfzig noch sehr gut aussehenden Dame“304 aufmerksam, die mit einem Bologneserhündchen und einer Gesellschafterin in einem Landauer in der Adlerstraße ankommt. Die korpulente und „ein wenig asthmatische“305 Frau zeigt auch gleich ihre starke Charaktertendenz: die Nostalgie, als sie, durch sinnliche Anreize „kleinbürgerlicher Geruchswelt“306 aufgeweckt, auf ihre Jugendjahre mit „Ach, waren das Zeiten gewesen!“307 zurückdenkt.

Sie selbst stammt nämlich auch aus kleinbürgerlichen Verhältnissen – geb. Bürstenbinder, als Kind half sie ihrem Vater in seinem kleinen Materialwarenladen in der gleichen Straße. Aber wie Schmidt kommentiert, seit immer sei sie unter „Bevorzugung von Courmachen und Schlagsahne“308 gewesen. Ihre Mutter „in ihrer Weiberklugheit“309 stattete die kleine Jenny für den sozialen Aufstieg gut aus: Schmidt erinnert sich, wie „die gute Frau Bürstenbinder [...] das Püppchen drüben im Apfelsinenladen immer so hübsch herauszuputzen wußte [...]“310, so dass sie seit ihren Kindertagen die Aufmerksamkeit von Männern bekam. Jennys Mutter sei „immer für die besseren Klassen“311 gewesen und habe seine Tochter auch so erzogen: „Lies es [Herweghs Gedichte] nur, Jenny; der König hat es auch gelesen, [...], und die besseren Klassen lesen es alle.“312 Dafür sei ihr Jenny, die reiche Kommerzienrätin, bis heute dankbar, wie sie sich hören lässt.

Bis heute liebt sie es auch, bewundert zu werden, und erinnert sich mit Gefallen an ihre alten Verehrer – sei es der Lehrling Louis, der in dem Laden arbeitete, und „bewundernd nach ihr hinüber“313 schielte, jedoch „eines zu niedrigen Standes“314 war, oder der Student Wilibald Schmidt, der ihr Gedichte widmete, welche sie in grünen Maroquin315 binden ließ.

Jenny Treibel ist „das Musterstück von einer Bourgeoise“316 – des nach Fontane repräsentativsten gesellschaftlichen Typus Preußens, der „seinen rücksichtslosen materiellen Egoismus durch angeblichen Sinn für ‚höhere Werte‘ zu verbrämen liebt“317. Als die typische Vertreterin der neureichen Klasse sei auch sie „eingebildet, aber sentimental, geldgierig, aber wehleidig.“318 und spielte eine „leicht zu durchschauende Komödie“319 mit solcher Selbstvergessenheit, dass sie dann selbst „nicht mehr zwischen Schein und Sein, zwischen [ihrer] Heuchelei und [ihren] eigentlichen Antrieben zu unterscheiden vermag.“320 Das zeigt sich ständig in ihrem Denken, Benehmen, sowie in ihrer Sprechweise, wie gleich analysiert wird.

Sie führt ein luxuriöses Leben wie eine Adelige und stellt es gerne zur Schau: Sie wohnt in einer Prachtvilla mit Dienerschaft, fährt einen modernen Wagen, benutzt den Titel der Kommerzienrätin, hat einen exotischen Papagei und trägt Brokatkleid und Brillantohrringe. Auch in ihren Manieren ist sie „a little pompous“321.

Wie schon im Kapitel 2.3.1 erörtet wurde, die Kultur hat für Jenny erstens einen „Dekorations- und Reputationswert“322. Zu ihren Gesellschaftsabenden lädt sie vor allem gesellschaftlich anerkannte Persönlichkeiten, Adelige, Militärs und Künstler. Damit versucht sie, der Welt zu zeigen, wie sehr kulturgebildet und modern die Treibels sind. Zweitens sieht sie die Kultur als Mittel, sentimental zu schwärmen,323 dazu passen ihre beliebten romantischen Lieder, Balladen und Gedichte, die ihr Tränen in die Augen treiben, perfekt. Als sie dafür in Konflikt mit Vogelsang gerät, der offensichtlich die „leeren Worten und [die] Reimsucherei“324 Herweghs Gedichte verachtet und für Prosa spricht, versucht Jenny die poetische Welt zu verteidigen. Doch die Frau Kommerzienrätin merkt nicht, wie absurd sie klingt, als sie die materiellen Werte kritisiert, um auf das Ideal der Poesie und der Musik zu schwören, und bei ihrem Freund Krola, der „als Tenor und Millionär [...] zwischen zwei Stühlen“325 sitzt, Unterstützung sucht.

Jennys Lieblingslied ist das vertonte Gedicht vom Wilibald Schmidt, das sie als Höhepunkt ihrer Abendgesellschaften zu singen pflegt:

Glück, von deinen tausend Losen

Eines nur erwähl ich mir,

Was soll Gold? Ich liebe Rosen

Und der Blumen schlichte Zier.

[...]

Geben, nehmen, nehmen, geben,

Und dein Haar umspielt der Wind,

Ach, nur das, nur das ist Leben,

Wo sich Herz zum Herzen find’t . 326

Auch immer, wenn ihr „schwer ums Herz“ 327 sei, nehme sie das Büchlein mit diesem Gedicht und „weine [sich] still aus“ 328 . Ihre Sentimentalität zeigt sie gerne in ihrer Sprache, sowie in ihren Gesten. So spricht sie mit ihrem alten Verehrer: „Ach Wilibald, […], das Glück, es ruht hier allein.“329 – und dabei legt sie die Hand aufs Herz. Auch ihre Stimme passt sie ihrer schwärmerischen Stimmung an – wie bei ihren nostalgischen Gesprächen mit Schmidt, als sie die Sätze nach Schmidt langsam und gefühlvoll wiederholt und dabei pathetisch klingt.330 Doch als er sie über ein aktuelles Thema anspricht – nämlich Hildegards mögliche Verlobung mit Leopold – verfällt sie „in den Ton ausgesprochener Wirklichkeit“331. Jenny versenkt sich oft in „süße Selbsttäuschungen“332 wenn sie melancholisch über die Vergangenheit nachdenkt, doch „die schwärmerischen Wortblasen vom Höheren zerplatzen jäh, sobald es geschäftlich wird.“333

Jenny wirbt für alles Schöne und Ideale, und sagt, sie sehe das Glück im Geistigen. Aber ihr Idealismus ist nicht ehrlich – er kollidiert nämlich mit ihrem Materialismus, der bei ihr immer die Oberhand gewinnt. Es ist paradox, dass sie die materiellen Werte selbst öffentlich verachtet und versucht, andere davon zu überzeugen, denn „[...] kleine Verhältnisse, das ist das, was allein glücklich macht“334. Ihre Heuchelei ist aber durchschaubar – Corinna kommentiert das zutreffend: „Das sagen alle die, die drüber stehen [...].“335 Schmidt hält Jenny sogar für eine „gefährliche Person“336, die „sich aufrichtig einbildet, ein gefühlvolles Herz und vor allem ein ‚Herz für das Höhere‘ zu haben“337. In Wirklichkeit habe sie „nur ein Herz für das ponderable, für alles, was ins Gewicht fällt und Zins trägt [...]“338

Ihre wahren Werte zeigen sich in der Geschichte am deutlichsten an den zwei Heiraten. Sie selbst wählt den wohlhabenden Fabrikanten über den armen, werdenden Professor, den sie sonst als einen Idealtypus betrachtet. Ihrem Sohn verbietet Jenny, Corinna zu heiraten, nicht darum, weil diese Leopold nicht ehrlich liebt, sondern weil sie keine große Mitgift bringen kann. Umgekehrt kümmert sie nicht, dass Leopold Hildegard nicht liebt – Hauptsache, sie vermehrt das Vermögen der Familie.

Sogar Bildung ist für Jenny eine Art Dekoration. Sie behauptet, Wissen und Klugheit und „das Höhere“339 seien das wichtigste in einer Frau und „alles andere wiegt keinen Pfifferling“340 – doch trotzdem bevorzugt sie die temperamentlose Hildegard vor der gebildeten und klugen Corinna. Jenny, die glaubt, ein „Herz für das Poetische“341 zu haben, habe sich selbst „an Gedichten herangebildet“342. In Wirklichkeit las sie nur ein Paar Gedichte von Herwegh und später Liebeslyrik und Balladen – in welchen sie nach Pathos und Sentimentalität suchte. Sie betont aber mit Stolz den Unterschied zwischen ihr und „all den prosaischen Menschen“343, unter denen sie aufwuchs – damit meint sie die Arbeiter und Kleinhändler, die keine Zeit für Gefühlsüberschwang ihrer Gedichten hatten. Speziell gern verbindet sie Poesie mit Musik, denn „die Musik hebt es noch in eine höhere Sphäre“344.

Um sich nicht an ihre niedrige Herkunft erinnern zu müssen, entwickelt Jenny ein Talent, „[…] alles zu vergessen, was sie vergessen will.“345 Nur ab und zu schlägt die unwillkürliche Erinnerung zurück und bringt etwas Verborgenes ans Licht – wie etwa die Tatsache, dass sie in der Mitte der vierziger Jahre für Georg Herwegh346 geschwärmt hatte – wie sie im Gespräch mit Vogelsang zugibt.

Jennys Sprache zeige – wie Schaffer bemerkt – auf ihre niedrige Herkunft. Sie sei sich in ihren Urteilen unsicher und versuche, diese Unsicherheit zu verbergen. Sie verwende dazu „ja, aber“ Sätze, wie z. B. in dem ersten Kapitel, als sie Schmidts Wohnung zugleich lobt und kritisiert: „[...] wie hübsch es doch bei euch ist, so kühl und frisch – und die schönen Hyazinthen. Mit den Apfelsinen verträgt es sich freilich nicht, aber schön, aber das tut nichts, [...]“347, oder als sie Corinnas Bemühungen kommentiert: „Und nun legst du mir in deiner Sorglichkeit auch noch das Sofakissen zurecht?! Aber verzeih, ich sitze nicht gern auf dem Sofa, [...]“348. Weiter verwende sie gerne „weil Sätze“, um ihr logisches Denken vorzuspielen. Manchmal könne man die Hohlheit von Jennys Sprache im schnellen Wechsel von Sprachebenen bemerken – z. B. wenn ihr vornehmer Stil mit langen Satzkonstruktionen mit einer beschränkten oder niedrigen Wortwahl zusammenstößt:349

Aber ein unbedeutendes Ding, das nichts kennt, als mit Ponies nach Blankenese350 fahren, und sich einbildet, mit einem Goldfaden in der Plattstichnadel eine Wirtschaft führen oder wohl gar Kinder erziehen zu können, und ganz ernsthaft glaubt, daß wir hierzulande nicht einmal ein Seezunge von einem Steinbutt unterscheiden können, und immer von Lobster spricht, wo wir Hummer sagen, und Curry-Powder und Soja wie höhere Geheimnisse behandelt – ein solcher eingebildeter Quack, lieber Wilibald, das ist nichts für meinen Leopold. 351

Der Kontrast zwischen dem Berliner umgangssprachlichen Ausdruck „Quack“ und dem komplizierten Satzbau, indem er vorkommt, wirke komisch.

Beziehungen zu anderen Gestalten

Corinna:

Jenny stilisiert sich in die Rolle einer„mütterlichen Freundin“352 Corinnas und behandelt sie quasi als ihr Protegé, was sie mit dem Kuss auf ihre Stirn zeigt.353 Die Professorentochter und Frau Kommerzienrätin verstehen sich am Anfang des Romans ziemlich gut, obwohl man zwischen ihnen einen Hauch von Neid spüren könnte – Jenny hätte gerne Corinnas Jugend und Bildung, Corinnas wiederum den Komfort von Jennys finanziell gesichertem und gesellschaftlich angesehenem Leben. Jenny wird von Corinna an die eigene Jugend erinnert und sie ruft nostalgisch:

Ach Jugend! Meine Corinna, du weißt gar nicht, welch ein Schatz die Jugend ist, und wie die reinen Gefühle, die noch kein rauher Hauch getrübt hat, doch unser Bestes sind und bleiben . 354

Ihre Worte klingen eher leer aus, wenn man sich daran erinnert, dass die junge Jenny „die reinen Gefühle“ freiwillig und ohne Zögern gegen den Komfort des wohlhabenden Lebens ausgetauscht hatte. Corinna stimmt Jenny nur teilweise zu, aber in ihrer Aussage: „[...] Ich bin durchaus für Jugend, aber für Jugend mit Wohlleben und hübschen Gesellschaften.“355 verbindet sie das Ideal der beiden Frauen. Sie verstehen sich auch im weiteren Sinn– beide sehnen sich mal nach „Ungescheitheiten“356.

Doch eine Andeutung des zukünftigen Streits zwischen ihnen findet man schon im ersten Kapitel. Im Gespräch über eine ideale Schwiegertochter schlägt Corinna ganz beiläufig die Idee vor, Leopold könne „eine Malerin, oder eine Pastors- oder eine Professorentochter“357 heiraten. Für einen kurzen Moment stutzt Jenny aus Furcht, aber da Corinna „heiter und unbefangen“358 bleibt, vergisst sie den Verdacht sofort.

Jenny lobt Corinna oft und hebt sie über eigene Söhne hervor: „Wenn ich Corinna ansehe, das sprüht alles von Lust und Leben, und wenn sie bloß so macht, so steckt sie meine beiden Jungen in die Tasche.“359 Sie wünsche sich sogar eine Tochter wie sie. Doch wenn die Chance kommt, zeigt sich, dass sie sich überhaupt nicht vorstellen kann, die arme Corinna als Schwiegertochter zu haben un nach dem „Überfall“360 – der heimlichen Verlobung – ändert sich Jennys Beziehung zu ihr radikal. Alle Freundschaften müssen zur Seite gehen, Corinna wird plötzlich als eine „gefährliche Person“361 gesehen, gegen die sich die Treibels und Munks rüsten müssen.

Jenny will zuerst auf der Hochzeit von Corinna und Marcell nicht teilnehmen, da sie die Einladung als „Taktlosigkeit und Affront“362 ansieht, doch entscheidet sie sich, „das Gerede der Menschen [...] totzumachen“363 und so wird die Hochzeit zu einem Versöhnungsfest.

Schmidt:

Der Gymnasialprofessor Wilibald Schmidt ist Jennys alte platonische Liebe und ein Ideal des Menschen364, den sie mit der Welt der Ideen verbindet, da er „immer nur in einer schönen Gedankenwelt“365 lebt. Sie fühlt sich sehr nostalgisch über ihre gemeinsame Vergangenheit und mag es, darüber ständig zu schwärmen. In ihrer melancholischen Stimmung bekennt sie sogar, sie wäre mit ihm glücklicher gewesen.366

Ihr „lieber Freund“367 ist weniger nostalgisch, denn er war es ja, der sie ehrlich heiraten wollte, aber stattdessen „liebäugelte sie mit jedem, der ins Haus kam, bis endlich Treibel erschien [...].“368 Trotzdem blieb zwischen ihnen eine Freundschaft, die sie beide sehr schätzen. Sie hält ihn für ihren vertrautesten Freund, vor dem sie ihr Herz auszuschütten kann, was sie als ihr „schönes menschliches Recht“369 betrachtet. Zu Jennys großem Gefallen behauptet er von ihrem Lieblingsgedicht, das er ihr einst widmete: „In dem Liede lebt unsre Freundschaft fort bis diesen Tag [...]“370.

Schmidt behandelt seine „teuere Freundin“371 meistens mit milder Ironie und spielt locker mit ihrer Sentimentalität. So spricht er mit Pathos über ihre gemeinsame Jugend: „[...] als wir jung waren, da lebte man noch in Phantasie und Dichtung...“372. Als er in seinem „Ach Jenny...“373 einen Ton benutzt, „drin er den ganzen Schmerz eines verfehlten Lebens zum Ausdruck zu bringen trachtete“374, ist es natürlich nicht ernst gemeint, aber er lauscht dem Klang und „beglückwünschte sich im stillen“375 – der pathetische Ton gelingt nach seiner Vorstellung. Jenny, die durch eigene Eitelkeit nicht immer die Ironie erkennt,376 oder sie nicht wahrnehmen will, freut sich darüber.

Jenny spricht generell sehr positiv von ihm und belehrt sogar Corinna, ihr Papa sei „ein Juwel“377, denn das wüsste sie am besten. Allerdings täuscht sie sich über ihre Macht über ihn – sie glaubt, sie habe „den alten Professor [...] am Bändel“378, doch wird sie von seiner Reaktion auf die heimliche Verlobung von Leopold und Corinna unangenehm überrascht. Er steht nämlich eindeutig auf der Seite der Tochter und nimmt die ganze Angelegenheit mit Spott – Corinna sei eine „Angeklagte“379, die „einen friedlich und unbewaffnet seines Weges ziehenden Bürgerssohn, namens Leopold Treibel, seiner besten Barschaft beraubt [habe]“380 Als Jenny von der Verlobung als von einem „Überfall“381 spricht, gibt das starke Wort Schmidt sogar seine Ruhe zurück – er sieht, dass er sich in Jenny nicht täuschte. Seine Freundin bleibe „trotz Lyrik und Hochgefühle, ganz ausschließlich auf Äußerlichkeiten gestellte Jenny Bürstenbinder von ehedem [...]“382. Nach dem Streit mit Corinna, die Jenny und die Treibels beleidigt und sich stolz zu Familie Schmidt bekennt, hält Jenny Wilibald vor, er habe seine Tochter verwöhnt. Schmidt setzt schelmisch ein „betrübtes Gesicht“383 auf und versucht, Jenny zu versöhnen. Glücklicherweise sieht sie nicht mehr, wie er nach ihrem Abgang Corinna stolz einen Kuss auf die Stirn gibt.

Auf der Hochzeit bittet der angetrunkener Professor Krola, Jennys Lieblingslied zu singen, um es so „zu profanieren“384. Dabei wird er selbst vom eigenen Gedicht bewegt.

Die Munks:

Jenny ist gegenüber ihrer Schwiegertochter Helene sehr kritisch, sie kann „Ottos alles besser wissende Frau“385 nicht gut leiden und hasst das „Sichbesserdünken“386 der hamburgischen Anverwandten. Darum hält sie auch zuerst nichts von einer Verbindung von Leopold und der jüngeren Schwester Helenes. Sie findet Hildegard, die „schon als Backfisch von einer geradezu ridikülen Überheblichkeit“387 gewesen sei, noch schlimmer als ihre Schwester. Jenny wird ganz leidenschaftlich, was diese Heirat angeht und wiederholt immer, sie habe „an einer solchen Schwiegertochter und einer solchen Enkelin gerade genug“388. Doch es wird von allen erwartet und angenommen, dass Hildegard und Leopold doch eines Tages heiraten.

Nach Leopolds unerwarteter Geschichte mit Corinna, ändert Jenny schlagartig ihre Ansicht über die Munks und lädt gleich die auf einmal so „liebe Hildegard“389 nach Berlin mit schöngefärbten Worten: „Seit Wochen tragen wir uns damit, unsere seit lange gehegten Wunsch erfüllt und Dich mal wieder unter unsrem Dache zu sehen.“390 Sie versteckt ihre wahren Intentionen hinter dem Vorwand von Helenes Heimweh, und nur in der Nachschrift erwähnt sie Leopold und seine Suche nach einem Reitpartner, woraus sie eine Anspielung auf Hildegards unverheirateten Status macht. Jenny überlässt nichts dem Zufall – als Zeichen des Friedenswunsches benutzt sie einen Umschlag mit dem Bild einer weißen Taube mit einem Ölzweig.391 Mehr über die Schwiegertochter-Schwiegermutter-Beziehung folgt im Unterkapitel Die Hamburgerinnen.

Die Ehe

Jennys Ehe ist ein lebender Beweis, dass ihre Worte und ihre Taten nicht übereinstimmen: Sie schwärmt von Liebe, doch heiratet sie nur um des Materiellen wegen. Von reinen Gefühlen gegenüber Treibel, dem Unternehmer und Fabrikant von Berliner Blau392 und Blutlaugensalz, kann hier nicht die Rede sein. Jenny sah ihren Mann vor Anfang an nur als das Mittel zum Zweck und misst seine Liebe nach dem Erfolg, der immer steigen soll:

Es geht nun schon in das zehnte Jahr, und er rückt nicht höher hinauf, trotz aller Anstrengungen. Und wenn es so bleibt, und es wird so bleiben, so weiß ich wirklich nicht, ob nicht das andere, das auf Kunst und Wissenschaft deutet, doch einen feineren Klang hat. 393

Sie ist von dem Misserfolg ihres Mannes enttäuscht und glaubt nicht mehr an seine politische Karriere, wie man an dem Gespräch über eine Dekoration des Raumes sehen kann:

[Treibel]: „Das ist für die Zeit, wo wir Generalkonsuls sein werden...“

[Jenny]: „ Eine Zeit, die nie kommt.“ 394

Vor Schmidt gibt sie sogar zu, sie liebe Treibel nicht wirklich: Es fehle ihr Treibel gegenüber „jene hohe Freude der Unterordnung“395, die ihr echter Liebe gleichbedeutend sei.396 Als Treibel einen Kuss fordert, als Belohnung für die Mitteilung der Nachricht über die Verlobung Corinnas, weigert sich Jenny mit den Worten: „Keine Albernheiten, Treibel.“397

Jenny habe ihrem Mann gegenüber ein „dankbares Gefühl für seine Güte“398 und da der joviale Kommerzienrat sicher kein schlechter Mensch ist, und ihre Ehefrau eher liebevoll behandelt, entwickelt sich zwischen ihnen eine Art komfortable Ehe-Freundschaft. Sie machen es sich gerne gemütlich, und essen z. B. Frühstück zusammen.

Sie reizen sich gegenseitig mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten. Treibel bringt Jenny mit seinen oft ironischen oder spöttischen Kommentaren und Scherzen oft in Verlegenheiten. Jenny wird ihm böse, dass er ihren Kummer nicht ernst nimmt, und nach Leopolds Verlobung wirft sie ihrem Mann vor: „Du [...] findest mich in einer großen Erregung, und [...] findest du’s angemessen, allerlei sonderbare Scherze zu machen.“399 Wenn er überdies seine ironischen Bemerkungen vor anderen Leuten ausspricht, wird es Jenny besonders peinlich. Als er vor seinen Freunden erklärt, dass Erinnerungen das Beste seien, und gezielt von Jenny eine Bestätigung sucht, antwortet sie ihm zwar positiv, aber in einem Ton, der klar verdeutlicht, „daß er besser täte, sie mit solchen Betrachtungen zu verschonen.“400

Es wird klar, dass Jenny in der Ehe den Ton angibt. Treibel, der neben seiner Ehefrau eher unterworfen wirkt, versucht ihr aus dem Weg zu gehen und sucht regelmäßig Aktivitäten ohne ihre Aufsicht. Bei Parties zieht er sich mit seinen männlichen Freunden in sein Arbeitszimmer zurück, um in Ruhe zu sprechen und „,männliche“ Genüsse wie Zigarren und Likör auszukosten. Doch in dem Moment, als er Musik aus dem Nebenzimmer hört, bemerkt er nur: „Meine Ruh ist hin ...“401, und geht wieder zurück zu den Damen.

Um Konflikt zu vermeiden, unterhält er sich mit Dienstleuten nur, wenn Jenny nicht dabei ist, denn sie findet solche Freundschaften „überflüssig“402. So plaudert er mit Fräulein Honig eines morgens, aber sobald er Jennys Schritte erlauscht, verabschiedet er sich rasch und geht zu seiner Frau.403

Im Allgemeinen versucht Treibel seine Ehefrau in einer guten Laune zu halten. Nur einmal kommt es im Roman zur wirklichen Auseinandersetzung, nämlich um die heimliche Verlobung. Als sich seine Frau über Corinna beschwert, gerät Treibel in Rage und kritisiert ihre Argumente als „unsinnig, [...], empörend, [...], blind, vergeßlich, überheblich“404. Er wirft ihr schonungslos ihre Heuchelei vor, und erinnert sie an ihre Herkunft. Jenny lässt ihn ausreden – da sie ihren Mann kennt, weiß sie, dass er „der Mann der Betrachtung aller Dinge von zwei Seiten her“ ist und dass er „[...] über Nacht dahin gelangen würde, die ganze Leopoldsche Verlobung auch mal von der Kehrseite her anzusehen“405, was eventuell auch passiert.

Jenny als Mutter

Jenny ist enttäuscht über ihre beiden Söhnen. Sie behauptet, sie hätten „was schläfriges“406 und sie wundere sich, wo sie „diese Milchsuppenschaft herhaben“407 – natürlich schließt sie eigene Schuld aus.

Sie übt eine starke Macht über ihre Söhne aus, sie hat die „Fäden in der Hand“408 und „muß alles bestimmen, alles anordnen“409.

Speziell mit ihrem jüngeren Sohn geht sie als mit einem Kind um. Sie behauptet sogar, er sei ein Kind410, obwohl er schon 25 Jahre alt ist. Sie spricht oft über ihren „armen“411 Leopold, als ob er ein Kranker wäre, und sie nimmt sich vor, zu einem wahren Mann zu machen - gesund und stark. Darum verbietet sie auch dem Kellner Leopold mehr als eine Tasse Kaffee pro Tag einzuschenken. Doch ihre gute Absicht hilft dem jungen Mann kaum – er wird nie selbstständiger. Leopold ist sich ihrer Manipulation bewusst und beklagt sich darüber, wie seine Mutter ihm am liebsten vorschreiben würde, „[...] ob [er] einen blauen oder grünen Schlips und einen geraden oder schrägen Scheitel tragen soll.“412

Jenny hofft auf eine gute Partie für ihn, am liebsten wäre ihr eine „Tochter eines Oberhofpredigers“413, oder „Geheimratstochter“414 – und dazu soll sie intelligent und gebildet sein. Seine heimliche Verlobung schockiert sie total, und obwohl sie „auf fiel Gutes [..] nicht gerechnet“415 habe, ist „eine Verlobung über ihren Kopf weg“416, noch „mehr als gefürchtet.“417 Als sie dabei Corinnas Namen hört, fällt sie fast um und Leopold muss sie auffangen und ins Sofa tragen – doch wie der Erzähler spöttisch bemerkt, war sie doch „nicht ohnmächtig genug, um nicht genau zu wissen, was um sie her vorging.“418 Sie hält Leopolds Idee für einen Beweis seiner Unreife und erklärt ihm, er war „bloß verlobt worden“419. Unter Drohungen von Enterbung verbietet sie ihm ganz streng den Kontakt mit Corinna: „In meinem Hause gibt es keine Verlobung und keine Corinna.“420 Leopold hält sich gehorsam an das Verbot, nur in seinen Briefen an seine Verlobte bleibt er noch rebellierend.

Ihre Ziele

Obwohl Jenny öffentlich die Ansicht vertritt, „daß Geld eine Last ist und daß das Glück ganz woanders liegt“421, regt sie sich nach ganz anderen Motivationen – nämlich genau den äußerlichen Sachen, die sie sonst als „nichtig“422 bezeichnet. Sie misst alles in ihrem Leben nach materiellem und gesellschaftlichem Erfolg, und bei der Zielsetzung legt sie auf ihre Welt der Ideale und Poesie kaum wert.

Das erste Ziel der jungen Bürstenbinder war klar: gut zu heiraten, um aus dem kleinbürgerlichen Milieu wegzukommen und ein komfortables Leben leben zu können. Damit endet aber das Streben nach einem noch besseren, noch reicheren und noch mehr angesehenen Leben nicht. Mit zwei Söhnen muss sie sich auch um ihre Verheiratung kümmern, damit Reichtum und Prestige der Familie Treibel nur wächst.

In dem Roman fokussiert sich Jenny auf ihren jüngeren Sohn. Sie kennt seine Schwächen und entscheidet sich, aus Leopold „einen Menschen überhaupt“423 zu machen, in dem sie ihn mit einer charaktervollen und temperamentvollen Frau verheiratet. Doch dabei bleibt eines noch wichtiger: Sie muss vor allem reich sein, oder wie Schmidt bemerkt: „[…] für weniger als eine halbe Million gibt sie den Leopold nicht fort, die halbe Million mag herkommen, woher sie will.“424 Am liebsten wäre Jenny „eine Freiin aus einer pommerschen oder schlesischen Verwogenheitsfamilie“425.

Sie weiß, dass Helenes Schwester Hildegard als eine potenzielle Braut immer da steht – aber sie will die Munks nicht bitten und außerdem träumt sie von einer noch besseren Partie, einer, die vielleicht nicht so eingebildet und temperamentlos wäre.

Der Weg zum Erfüllen der Ziele

Jenny folgt ihren Plänen ganz bewusst nach und benimmt sich dabei pragmatisch, bis herzlos: Sie ist bereit für ihre Ziele auch Opfer zu bringen, wie ihre Liebe zum Professor Schmidt, und solche Opfer verlangt sie auch von anderen – vor allem von ihrem Sohn Leopold. Sie arbeitet ständig an ihrer gesellschaftlichen und materiellen Position – sie pflegt Kontakte, präsentiert das Haus bei Gesellschaften, unterstützt ihren Ehemann und sucht eine Braut für ihren Sohn. Wenn sie kämpfen muss, benutzt sie ihre weiblichen Waffen – mit Schönheit und Charme als Jenny Bürstenbinder, weibliche Klugheit und Manipulation als Jenny Treibel.

Doch ihr Hochmut und zu stark ausgeprägte Selbstüberzeugung zeigt sich einmal als gefährlich – sie ist von allen am meisten schockiert, als sie von der heimlichen Verlobung erfährt, denn sie nahm die Andeutungen, die schon seit dem Gespräch mit Corinna im ersten Kapitel vorkamen, nie wahr.

Sie ist gezwungen, ihre Strategie zu ändern und sie adaptiert sich blitzschnell auf die neue Situation und handelt rasch. Sie demütigt sich und verbindet sich sogar mit ihrer Schwiegertochter, um den Plan B zu folgen: eine schnelle Verlobung von Leopold und Hildegard.

Gewinnerin oder Verliererin?

Einerseits scheint Jenny die Gewinnerin der ganzen Geschichte zu sein – und das von Anfang an, denn sie schaffte den sozialen Aufstieg und lebt ein gesichertes komfortables Leben, um das sie viele beneiden können – vor allem Corinna. Dazu gewinnt sie den Kampf um Leopold gegen Corinna und ihre beiden Söhne heiraten zwei junge, reiche und hübsche Frauen – sie könnte sich gratulieren.

Man könnte einwenden, dass sie dafür ihr Ideale opfern musste – ihre Liebe zu Schmidt und ihre Authentizität, denn ihr Leben ist ein Theaterspiel, das sie unaufhörlich spielen muss. Und sie behauptet auch, sie wäre glücklicher mit Wilibald, aber dieses ist eher unwahrscheinlich, wenn man sieht, wie sehr sie an dem Materiellen hängt – sie würde das für nichts aufgeben. Jenny lebt zwar in zwei Welten – in der ihrer Träume, Gedichte, nostalgischer Vergangenheit und in der der Realität, doch sie scheint es nicht mehr richtig unterscheiden zu können – sie identifiziert sich mit ihrer Theaterrolle so sehr, dass Sein und Schein bei ihr zu eins wird und man könnte sie fast als authentisch betrachten – ihr Schein ist ihr Sein. Sie hat die Fähigkeit, sentimental in ihrer schönen Ideenwelt zu fliegen, während sie gleichzeitig nach dem Besitz und Gold strebt und die Paradoxie daran scheint sie nicht zu plagen.

Eine kleine Niederlage erlebt sie nach der Verlobung Leopolds doch – sie verliert den stillen Kampf um Stolz gegen die Munks und muss sich vor Helene demütigen und ihre Schwester als erste einladen. Hildegard ist übrigens auch keine ideale Schwiegertochter – ihre Temperamentlosigkeit und ihren Hochmut muss Jenny als Kompromiss akzeptieren. Doch schon auf Corinnas Hochzeit entscheidet sie sich, die ganze Geschichte als eine Kleinigkeit zu nehmen, lächelt und strahlt und bildet „das Glanz- und Repräsentationsstück der Hochzeitstafel“426.

3.3.3 Corinna Schmidt

Charakteristik

Corinna, die 25-jährige einzige Tochter des Gymnasialprofessors Schmidt, ist neben Jenny Treibel die zweite Protagonistin des Romans, und die Handlung dreht sich vor allem um sie und ihre zwei Verlobungen.

Sie stammt aus einer alten bürgerlichen Familie – ihr Großvater war Rechnungsrat. Jetzt gehört die Familie zum sog. Bildungsbürgertum, was kurz gesagt bedeutet, dass sie zwar gebildet sind, und eine Familiengeschichte haben, aber eher arm sind – im Vergleich zum Besitzbürgertum.

Nach Ohff gleiche Corinna „aufs Haar einem anderen lebenden Vorbild“427: Mete. Fontanes Briefe lassen sogar darauf schließen, dass er seine Tochter und die Gestalt der Corinna als eine Person sieht, denn er verwechselt ein paarmal die zwei Namen428 – ob das mit Absicht oder aus Versehen (er war ja schon ein alter Mann, als er das Buch schrieb) geschah, kann man nur raten. Corinna sei die „Liebeserklärung Fontanes an die Berlinerinnen im allgemein und die eigene Tochter im Besonderen“429. Sie verkörpere das Verständnis der Berlinerinnen von Freiheit.

Corinna wird im ersten Kapitel in der Rede von Jenny gelobt: Sie spreche Englisch und sei gut allgemein gebildet, denn sie habe alles gelesen und sogar Hamlet gesehen.430 Das ist auch der Grund, warum sie von Jenny Treibel zu dem Osteressen eingeladen wird. Der Ehrengast, ein Engländer namens Nelson431, findet sie „quick and clever“432, und beschreibt sie später im Brief an Leopold noch mit Attributen wie „amusing“433 und „high-spirited“434. Er ist von der offenen, plauderhaften und übermütigen jungen Frau, die Scherz und Ironie nicht meidet, fasziniert; dieselben Eigenschaften werden aber in der Gesellschaft der Zeit nicht gerade als Vorzüge der deutschen Weiblichkeit angesehen, worauf Corinnas Vetter sie halb-scherzhaft hinweist.

Diese Freiheit gewann Corinna auch dank der liberalen bis vernachlässigenden Erziehung des Vaters – sie sei eher wild gewachsen, wie sie selbst sagt, aber trotzdem hält sie sich für keine emanzipierte Frau:

Ich erfreue mich, dank meiner Erziehung, eines guten Teils von Freiheit. Einige werden vielleicht sagen, von Emanzipation aber trotzdem bin ich durchaus kein emanzipiertes Frauenzimmer. Im Gegenteil, ich habe gar keine Lust, das alte Herkommen umzustoßen. 435

Sie ist eine mutige und selbstbewusste Person, die – wie selbst Jenny zugibt – auch ihre Söhne „in die Tasche steckt“436. Sie ist heiter und lebenslustig, mag Spott und Koketterie und kann sich dabei ganz „schelmisch“437 benehmen. Sie kompensiert mit ihrer Offenheit, Freiheit und ihrem „guten Verstand“438 auch die Tatsache, dass sie im Aussehen „nur eben das Durchschnittsmaß“439 ist.

Natürlich hat sie auch ihre Schwäche. Sie ist eher eingebildet – vor allem was ihre Klugheit angeht – wie ihr Cousin bemerkt, sie halte andere Leute (ihn eingeschlossen) für ungescheit440 – und genau wie Jenny, ist auch sie sehr materialistisch und träumt vom wohlhabenden Leben:

[...] Aber ein Hang nach Wohlleben, der jetzt alle Welt so beherrscht, hat mich auch in der Gewalt [...]. Ich find es ungemein reizend, wenn so die kleinen Brillanten im Ohre blitzen, etwa wie bei meiner Schwiegermutter (Jenny Treibel) in spe. 441

Auch Corinna, die „[...] vor nichts erschrickt und dabei ein Selbstbewußtsein hat, daß man drei Prinzessinnen damit ausstaffieren könnte“442, wie sich später Jenny beklagt, muss sich aber bemühen, authentisch zu bleiben: Schäfer bemerkt, dass die Koketterie mit Nelson nur halb natürlich sei443, denn sie schreit „laut auf, freilich nur, um im selben Augenblicke wieder in ein helles Lachen auszubrechen“444, was nach einem affektierten Benehmen klinge. Man kann sich also hinzudenken, dass ihre Sicherheit einfach zu der Rolle gehört, die sie spielt. Manchmal übertreibt sie es – mindestens aus der Sicht Marcells, der glaubt, „daß seine Cousine ein solches Hasten und Sich-in-Szene-Setzen nicht nötig habe“445. Schäfer behauptet, dieses Benehmen könne „auf eine geheime Wunde in ihrem Inneren“446 hindeuten.

Corinna langweilt sich „herzlich“447 in ihrer „häuslichen Einsamkeit“448. Sie hat keine Geschwister, keine Mutter zum Plaudern, nur den Vater, der für sie schon repetitiv wird. Um den Haushalt kümmert sich gänzlich Schmolke und als Mädchen kann sie nicht viel anderes unternehmen. Sie studierte, was sie konnte – sie lernte kochen, nähen und plätten und darüber hinaus lernte sie im Lette-Verein449 Kunststopferei, worin sie, wie sie Nelson stolz erzählt, zwei Medaillen gewann. Doch um eine Arbeit zu suchen, ist sie viel zu bürgerlich oder zu wenig modern. Sie stellt sich ihre Zukunft klar vor: Sie wird heiraten. Obwohl sie „eine gewisse Wirkung auf die Männer“450 ausübt, wollte sie bisher „dummerweise“451 niemand, also muss sie „für [sich] selber sorgen“452.

Beziehungen zu anderen Gestalten

Vater:

Die wichtigste Beziehung ihres Lebens ist die zu ihrem Vater. Corinna ist ihrem Vater ähnlich; sie ist wirklich ihres „Vaters Tochter“453, wie es alle, die sie kennen, auch bestätigen – Jenny, Marcell454, Schmidt455, und auch die Schmolke spricht von den Schmidts als von quasi einer Person: Sie reden beide viel und „über alles und wüßten alles besser.“456

Corinna liebt ihren Vater, denn „Papa ist gut“457, und sie gibt ihm „einen herzhaften Kuß“458 vor anderen Leuten, ohne sich zu schämen. Auch für ihn ist sie die wichtigste Person seines Lebens. Sie lieben sich, aber können sich auch kritisch ansehen. Schmidt hält seine Tochter für eine „geniale Natur“459, fügt aber dazu: „Die Genialen bleiben immer halbe Kinder, in Eitelkeit befangen.“460 Er kritisiert ihre Liebe für Äußerlichkeiten, die er als „Stich ins Moderne“461 bezeichnet.

Auch sie ist sich seiner Fehler bewusst: „[...] Papa tut sich nicht gerne Zwang an, und seine Bequemlichkeit und seine Pfeife sind ihm lieber als ein junger Engländer [...]“462. Sie findet ihn „einseitig und eigensinnig“463, weil er ihre modernen Weisen nicht mag.

Sie versucht, sich langsam von ihm zu distanzieren, denn sie ist müde von den „kleinen Verhältnissen“464, dem „dürftig[en] Kleinleben“465 des Professorenhaushalts und kennt „die großen Sätze des Alten [...] längst auswendig“466, genau wie das, „[...] was Distelkamp sagt und Rindfleisch un der kleine Friedeberg [...]“467.

Jenny:

Die Beziehung zwischen Corinna und der Frau Kommerzienrätin ist am Anfang des Buches ganz harmonisch – Corinna ist Jennys „Protegé“468, die ideale Tochter, die sie auch gern hätte, und Jenny ist für Corinna das Vorbild eines gesellschaftlichen Aufstiegs durch Geldheirat, dem sie selbst folgen möchte. Corinna kann gegen sie nichts sagen, „bloß weil sie so leicht weint oder immer einen Flimmer im Auge hat“469.

Doch ihre Beziehung wird ruiniert, als sich Corinna heimlich mit ihrem Sohn verlobt – Jenny will sie als Schwiegertochter nie akzeptieren. Die Spannung kulminiert, als Jenny nach der Verlobung zu Familie Schmidt kommt. Frau Kommerzienrätin, die in ihrer weiblichen Intelligenz Corinnas wahre Absichten entziffert, lässt sich von der ebenso schlauen Corinna nicht einreden, dass diese die Verlobung nicht selbst inszeniert habe und Leopold dazu quasi manipulierte. Sie nennt es eine „Komödie“470 und versucht Corinna höflich davon abzuraten, diese zu vollenden. Corinna steht unverschämt zu ihren Taten und argumentiert überheblich mit ihrem Recht, das zu benutzen, was die „Natur“471 ihr gegeben habe – nämlich ihren schnellen Verstand und offenen und freien Charakter. Sie gerät dabei in Rage und nennt Jennys Forderung „verwerflich“472 und „ridikül“473. Sie beendet ihre aufgeregte Rede mit einer unvorsichtigen Beleidigung der Familie Treibel und einem stolzen Ausruf: „Ich bin eine Schmidt.“474

Wie Corinna später begreift, hat Jenny sie genau an ihrer Achillesferse getroffen – ihrer Armut. Sie ist müde davon, von Treibels ständig als die arme Professorentochter angesehen zu werden, vor allem da die Schmidts vornehmere Vorfahren als die Frau Kommerzienrätin haben. Trotzdem weiß sie, dass sie in ihrer Wut eindeutig die Grenze überschritt, und nach dem Streit wird sie „äußerst unruhig und unmutig“475.

Es wird ihr langsam klar, dass sie mit einer solchen Schwiegermutter nicht leben könnte – und das hilft ihr bei ihrer Entscheidung, sich von Leopold zu trennen.

Mehr über diese spannende Beziehung kann man im Unterkapitel Jenny Treibel nachlesen.

Schmolke:

Die Haushalterin Schmidts ist wie eine Mutter für Corinna und funktioniert wie ihre Ratgeberin und die engste Vertraute. Sie ist für ihr „Corinnchen“ immer da. Corinna liebt und respektiert sie, und kommt zu ihr mit ihren Problemen, bei denen sich die gute Schmolke oft tatsächlich als große Hilfe beweist. Auf der anderen Seite findet Corinna ihre Sprüche langweilig, denn sie kennt sie fast schon auswendig.476 Detailliert wird diese außerordentliche Beziehung im Unterkapitel Rosalie Schmolke beschrieben.

Treibel:

Treibel mag Corinna und empfindet sie als einen erfrischenden Wechsel zu anderen Frauen um ihn. Er lobt „die hübsche Corinna“477 und könnte sich gut vorstellen, Schwiegervater der „[...] klugen, immer heitren, immer unterhaltlichen Person, die wenigstens sieben Felgentreus in die Tasche steckt – von nächststehenden Anverwandten ganz zu schweigen [...]“478 zu werden. Darum unterstützt er am Anfang die Beziehung von Leopold und Corinna gegen seine Ehefrau.

Schede zufolge gebe es zwischen Treibel und Corinna eine interessante Parallele in den Schicksalen. Sie beide scheitern – er politisch, sie mit ihrer Heirat, und das durch ähnliche Motive – sie beide machen den Fehler, nicht nach dem Herzen zu handeln, sondern nur um Profit zu bekommen.479

Der Verlobte vs Ehemann

Leopold:

Corinna benutzt ihre Klugheit und Charme und gewinnt die Liebe des 25-jährigen Leopold, des Sohnes von Jenny Treibel, der ihr den Weg in die höhere Gesellschaft öffnen soll. Doch der Junge kann ihr kein gleichwertiger Partner sein. Er wirkt eher unmännlich und schwach, wie physisch – er wurde beim Militär „wegen zu flacher Brust“480 abgelehnt, so auch psychisch – er ist schläfrig und mutlos, wie er selbst zugibt, ihm „fehlt es an Energie und Mut“481. Sogar seine Eltern denken, er ist „beinah eine Suse“482.

Leopold ist eine leichte Beute für Corinna, denn er kann sie einfach für vollkommen halten: „Sie hat alles, was mir fehlt, und weiß alles und kann alles.“483 Er hofft, dass die Liebe ihm Mut und Entschlossenheit gibt, um „aus diesem elenden Zustande“484, d. h. aus dem Leben unter dem Regiment der Mutter, herauszukommen. Er ist von Corinna ganz hingerissen – er bewundert sie und schreibt ihr nach der Verlobung jeden Tag Briefe mit schönen Worten. Er schreibt, er „erschrecke vor nichts“485 und denke dabei sogar über eine heimliche Hochzeit mit ihr in England nach, doch da er zugleich seine Mutter nach dem „vierten Gebot“486 respektieren müsse, besucht er seine Verlobte während dieser Zeit nicht einmal. Obwohl seine großen Versprechen ehrlich gemeint sind – was Corinna auch weiß – ist ihre Geduld mit ihm zu kurz und sie glaubt nicht mehr, dass er so viel Mut haben wird, sich seiner Mutter zu widersetzen. Seine Briefe findet Corinna monoton und leer, und, enttäuscht von der langsamen Entwicklung der Sache, liest sie sie nicht mehr richtig, sondern zerreißt sie. Es wird ihr klar, dass sie sich nur eingebildet hat, „ihn zum Helden umschaffen zu können“487.

Nach anderthalb Wochen zieht Corinna sich aus der Verlobung zurück. Dies tut sie mit einem einzigen Brief, der im Roman nicht wiedergegeben wird, und in der gleichen Zeit ist sie schon mit Marcell verlobt. Auf Leopolds Gefühle achtet sie dabei gar nicht – seine Liebe erwiderte sie sowieso nie, was sie auch später auf Marcells Frage hin zugibt: „Nein. Aber ich wollte ihn ganz ernsthaft heiraten“488 Auch interessiert sie nicht, dass Leopold von der für ihn unerwarteten Trennung nicht nur tief verletzt war, sondern auch gedemütigt und blamiert vor allen und vor allem vor seiner Mutter blieb.

Corinna sah in ihn von Anfang an nur „Rettungsanker“489, als das „aufsetzende große Marssegel“490, die sie „an ferne, glückliche Küsten“491, d. h. aus dem Alltag des Vaterhauses und in ein Leben voll Luxus und Erlebnisse, führen könnte.

Vetter Marcell:

Marcell Wedderkopp, der Oberlehrer mit einer geplanten Karriere des Archäologen, ist nicht nur Corinnas Vetter, sondern auch ihr Freund aus Kindheitstagen, der mit ihr „[...] von seinem fünften Jahr an immer zusammen gespielt [...] hat.“492 Darum fürchtet er auch, dass zwischen ihnen keine Leidenschaft entstehen kann. Er liebt sie nämlich, trotz all ihrer Fehler, die er gut kennt. Er erhält den Segen von Corinnas Vater, denn er stellt einen idealen Schwiegersohn für Wilibald dar – er ist ein Mann „von Bildung und Charakter“493 und Wilibald glaubt, er und Corinna seien „wie geschaffen für einander“494.

Sein Benehmen gegenüber Corinna ist am Anfang halb ernst und halb scherzhaft, er sucht die Grenze zwischen Ehrlichkeit und Toleranz – er will sie nicht rügen oder demütigen, aber zugleich will er sie vor der Wahrheit nicht verschonen. So wirft er ihr halb scherzhaft vor, sie habe „kein Herz“495 und „keinen Sinn für Familie, nicht einmal für [ihren] Vater“496. Er zwingt Corinna zu einem offenen Gespräch, was sie dazu bringt, aus ihrer Rolle auszutreten und sich wieder authentisch zu benehmen, wie man es z. B. an ihrem Gespräch nach dem Diner bei Treibels sehen kann.

Marcell wird als ein Ideal des Mannes vorgestellt – er hat kaum negative Eigenschaften – er ist intelligent, fleißig, ehrlich, loyal, versöhnlich und gutherzig. Er stellt den Gegenpol von Leopold dar – er ist nicht reich, aber dafür klug und gebildet, er benutzt keine schönen malerischen Wörter, aber dafür hält er sie ein, denn er ist ein Mann der Tat – symbolisch wird dies in der Form der Briefe verdeutlicht – die von Leopold sind mit Landschaftsbildchen ausgestattet und voll großer Worten, der von Marcell ist schlicht, aber genau zum Punkt.

Nachdem er von Corinnas Entscheidung, sich von Leopold zu trennen, hört, schreibt er ihr sogar als erster, um sie nicht zu beschämen. Schmidt wird von seiner Tat so begeistert, dass er es das „Höhere“497, das „wirklich Ideale“498 nennt.

Die „durchaus heitere“499 Hochzeit findet drei Wochen nach der Verlobung statt und gleich danach fährt das Brautpaar nach Griechenland, wo Marcell seine neue Stelle als Archäologe bekommt. Corinna wird sich mit ihrem Ehemann sicher nicht langweilen.

Ihre Ziele

Corinnas Ziel ist ähnlich wie bei der jungen Jenny Bürstenbinder – aus den engen Verhältnissen ihres Vaterhauses heraus zu kommen. Sie wünscht sich, ein schönes, komfortables Leben „mit Wohlleben und hübschen Gesellschaften“500 zu führen und gesellschaftlich anerkannt zu sein: „Ich bin für einen Landauer und einen Garten und die Villa herum.“501 Da sie kaum eine andere Wahl hat als Frau im 19. Jahrhundert, entscheidet sie sich für eine gute Heirat. Leopold Treibel scheint dafür eine ideale Gelegenheit zu sein.

Der Weg zum Erfüllen der Ziele

Corinna handelt ganz bewusst, zielstrebig und mutig und benutzt ihre Frauenwaffen: z. B. Kokettiert sie mit dem Engländer Nelson lebhaft und laut, um die Aufmerksamkeit von Leopold und ihrem Vetter Marcell zu bekommen.502 Als meisterhaft erweist sich ihre manipulative Fähigkeit im Gespräch mit Leopold auf dem Ausflug nach Halensee. Als sich das Paar von der übrigen Party entfernt, spielt Corinna vor Leopold eine Seherin, die ihm seine Zukunft lesen kann. Sie schildert dem begeisterten Jungen schelmisch seine Hochzeit, doch erst am Ende enthüllt sie die Braut: Hildegard. Bei ihrem Namen wird Leopold, der schon längst in Corinna verliebt ist, fast verstimmt, doch er besinnt sich rasch und erklärt Corinna seine Liebe und bedeckt ihre Hand mit Küssen.503 Die betrachtet zufrieden die Verlobung als „fait accompli“504.

Corinna verhält sich im Laufe des Romans nicht als einfühlsame Person. Ihr pragmatisches Handeln wirkt egoistisch, und gegenüber anderen Personen herzlos. Da sie sich nur mit dem Verstand entscheidet und nicht mit dem Herzen, und immer von Zweck und Ziel, statt Liebe redet, kritisiert Marcell sie mit den Worten: „Alles ist Berechnung.“505 Sie kämpft um Leopolds Zuneigung, nur weil sie ihn zur Erfüllung ihres Zieles braucht – in seine reiche Familie zu gelangen. In dem Moment, in welchem sie sich entscheidet, dieses Ziel doch nicht anzustreben, verliert Leopold für sie jede Bedeutung. Seine Liebe und Treue, die er auch dadurch zeigt, dass er sich trotz des Drucks seiner ganzen Familie und trotz Hildegards Besuch, immer an seine Verlobung mit Corinna hält, weiß Corinna gar nicht zu schätzen. Stattdessen verfolgt sie gleich ihr nächstes Ziel – ihren Vetter. Erst als sie sich sicher ist, dass Marcell sie ernsthaft heiraten möchte, löst sie die Verlobung mit Treibels Sohn mit einem kurzen Brief und seitdem scheint sie Leopolds Schicksal gar nicht mehr zu interessieren. Auch in ihrem Benehmen gegenüber Marcell ist sie nicht ganz gefühlvoll – sie ignoriert ihn und seine Ratschläge die ganze Zeit, bis sie von Leopold, seiner Mutter und von ihrem eigenen Schauspiel enttäuscht und ermüdet ist; erst dann akzeptiert sie Marcell als ihre zweite Möglichkeit. Obwohl sie weiß, dass er sie liebt, vertraut sie ihm taktlos ihre manipulativen Pläne inkl. ihrer positiven Gefühle gegenüber der Heirat mit Leopold an: „[...]Marcell, ich glaube auch nicht, dass ich sehr unglücklich geworden wäre, das liegt nicht in mir, freilich auch wohl nicht sehr glücklich. Aber wer ist glücklich? Kennst du wen? Ich nicht.“506

Natürlich hat auch die selbstbewusste und zielorientierte Bildungsbürgerin ihre Momente der Unsicherheit – die sind aber kurz, ein schlechtes Gewissen quält sie nie lange. In der Konversation mit Marcell über die Heirat mit Leopold lässt sie sich hören, dass sie „[...] ein ganz klein wenig davor erschrecke“507. Auch während der eigenen Verlobung zeigt sie keine authentischen Emotionen, und antwortet dem armen Leopold nicht auf seine ja-nein Frage, sondern geht gleich zu praktischen Sachen über. Sie spricht zwar von Liebe, aber irgendwie nur ganz trocken und distanziert, es kommt nichts Persönliches von ihr. Ein weiterer Moment der Schwäche zeigt sich zu Hause nach der Verlobung, als sie sich nicht wohl fühlt und zu Schmolke sagt: „[...] Der Kopf ist mir so benommen; ich werde am Ende krank... “508.

Gewinnerin oder Verliererin?

Man kann entweder Professor Schmidt zustimmen, der glaubt, „diese Treibelei [...] ein Irrtum, ein ‚Schritt vom Wege‘“509 gewesen sei, und Jenny sich in der Sache Leopold doch mächtiger als Corinna erwiesen habe.510 Corinnas Plan sei wegen des Widerstands der Kommerzienrätin gescheitert, gegen die ihr Sohn nicht gewagt habe zu opponieren. Dann muss man wohl auch Schmidts Überzeugung teilen: „In eine Herzogsfamilie kann man allenfalls hineinkommen, in eine Bourgeoisfamilie nicht.“511

Man kann aber auch glauben, genau wie Marcell, dass Corinna sich noch rechtzeitig besann und nicht „alle Minnen springen lassen“512 wollte. Denn Corinna beendet die Verlobung von sich selbst aus – nach dem Gespräch mit Schmolke und dem Brief von Marcell. Für ihren Meinungswechsel hat sie jedoch verschiedene Gründe: Erstens sieht sie ein, dass Leopold kein zuverlässiger Partner für sie ist (denn er benutzt zu viele leere Phrasen und unternimmt nichts) und dass sie ihn nicht ändern kann, wie sie hoffte. Zweitens lernt sie Jenny Treibel besser kennen und wird von deren Sentimentalität kombiniert ihrer Geldgier verekelt513, also will sie sie gar nicht mehr als Schwiegermutter haben. Dabei spielt auch Corinnas Stolz eine Rolle – Stolz, eine Schmidt zu sein, was ihr wichtiger wird, als reich zu sein. Letztlich, sie fühlt sich nicht gut in ihrem falschen Benehmen; sie will wieder authentisch sein und mit dem Herzen entscheiden.

Im Vergleich zu anderen Frauen des Romans ist Corinna ziemlich emanzipiert, obwohl sie sich keine Frauenrechtkämpferin nennen will, denn, wie sie selbst sagt, sie habe gar keine Lust, das alte Herkommen umzustoßen.514 Diese „forsche Person“515 nimmt das Leben in ihre Hände und verführt den ausgesuchten Mann, sodass er sie dann um ihre Hand bittet, damit es von außen ganz traditionell aussehen würde. Bei diesen Manipulationen beruft sie sich auf das „alte Eva-Recht“516. Sie sieht es als ihr „gutes Recht“517, das zu benutzen, was die „Natur“518 ihr gegeben hatte: „Soll ich mei Pfund vergraben? Soll ich das bißchen Licht, das mir geworden, unter den Scheffel stellen?“519 Auf jeden Fall erweist sie sich als eine flexible Frau, die das Beste aus jeder Situation machen kann. Obwohl sie mit Leopold „ernsthaft dabei“520 war, ist sie in wenigen Wochen „gänzlich umgewandelt“521. Weil ihr „Plan B“ – also Heirat mit Marcell – klappt, nennen sie ihr Vater und Schmolke „ein Glückskind“522 – und das ist sie auch, denn ihr Vetter, der junge, gebildete und intelligente Mann mit einer vielversprechenden Karriere, hätte sicher eine andere heiraten können. Als Corinna mit Marcell wegen ihrer Pläne mit Leopold streitet, warnt sie Schmolke davor: „Das tut nicht gut, Corinna, so sein Glück von sich zu stoßen. Glaube mir, das Glück wird ärgerlich, wenn man es wegjagt, und kommt nicht wieder.“523 Doch er erweist sich als ein unglaublich geduldiger Mann mit einem großen Herzen, der auf Corinna trotz ihrer prinzipiellen Gleichgültigkeit und trotz ihrer skandalösen Verlobung wartet und bereit ist, ihr alles zu vergeben.

Corinna ist sich sicher bewusst, was sie mit Leopold verliert – das Luxusleben mit all den Zerstreuungen der Reichen, wie die Reitstunden, die „Pleasure-Yachts“524, oder Ausflüge nach Korsika und Sizilien, an denen sie sicher teilnehmen würde, um vor dem langweiligen Ehemann und der feindseligen Schwiegermutter wegzulaufen.525

Was sie aber dafür mit Marcell erwirbt, ist die ehrliche Liebe eines klugen und guten Partners, den sie auch selbst mag, und dadurch, wie auch Schmidt glaubt, habe sie sich selbst gefunden. Sie scheint auch damit teilweise versöhnt zu sein, keinen Reichtum zu gewinnen, wie sie Marcell erzählt:

„Ich habe von früh an den Sinn für Äußerlichkeiten gehabt und hab ihn vielleicht noch, aber seine Befriedigung kann doch zu teuer erkauft werden, das hab ich jetzt einsehen gelernt.“ 526

Doch ob sie wirklich glücklich wird, das kann man nur raten – am Ende des Romans wird nicht genug Raum gegeben für Corinnas Gefühle gegenüber Marcell. Sie macht jedoch den Eindruck, dass sie ihren Freund von Anfang an als den Mann sieht, der für sie sowieso bestimmt und von allen empfohlen ist und mit dem sie nicht unglücklich sein kann. Sie respektiert und bewundert ihn, doch sie ist wahrscheinlich auch nicht extrem begeistert über die Zukunft mit ihm – sie ist weder in ihn verliebt, noch kann sie ihre Luxusträume mit ihm erfüllen. Doch da vor ihnen jetzt ein Abenteuer in Griechenland steht, kümmert sie dieser Gedanke kaum.

3.3.4 Rosalie Schmolke

Charakteristik

Rosalie Schmolke, die Haushalterin Schmidts, ist eine „ramassierte527 Frau von ausgangs Vierzig“528 mit einem „vom Herdfeuer geröteten Gesicht“529.

Ihr Reich ist die Küche – dort hat sie alles im Griff und tritt da ganz stark auf, wie der lächelnde Erzähler es mit „[...] jenem absichtlichen und ganz unnötigen Lärmen, durch den alte Dienerinnen ihre dominierende Hausstellung auszudrücken lieben [...]“530 beschreibt. Als praktische Hausfrau betrachtet sie von der Küche aus auch die ganze Welt und vergleicht die Probleme im Leben mit Essen. So drückt sie ihre Hoffnung über Corinnas Fähigkeit aus, den schwachen Leopold zu ändern: „Corinnchen wird ihn schon aufpäppeln“531. In der Küche finden auch zwei entscheidende Gespräche mit Corinna statt.

Schmolkes wichtigste Qualität ist die Treue, was sie durch ihre Loyalität zu ihrem gestorbenen Ehemann, sowie zu Schmidts beweist. Sie kümmert sich liebevoll um Professor und seine Tochter – z. B. bereitet sie den Tee für ihr „Corinnchen“532, und spricht und lacht gerne mit ihnen. Sie wird dafür von ihnen respektiert und fast als Teil der Familie betrachtet. Sie scheut sich auch nicht, sich in die Sachen der Herrschaften einzumischen – doch behauptet sie immer, sie sei „bloß eine Dienerin“533, was Professor Schmidt für eine „falsche Bescheidenheit“534 hält.

Sie repräsentiert die untere Schicht und spricht teilweise im Berliner Dialekt: Sie benutzt Wörter wie „Kopp“ statt „Kopf“, verkürzt „ist“ zu „is“, „und“ zu „un“, „nicht“ zu „nich“ und ähnliche:

Na, Corinna, denn is es Zeit, un denn mußt Du nu Schicht damit machen. Du kannst doch nich die ganze Welt auf den Kopp stellen un Dein un andrer Leute Glück, worunter auch Dein Vater un Deine alte Schmolke is, verschütten un verderben wollen, blos um der alten Commerzienrätin mit ihrem Puffscheitel und ihren Brillantbommeln einen Tort anzuthun.535

Mit der Verwendung des Dialekts ordnet sich Fontane zu den „provinziellen“ deutschen poetischen Realisten – siehe Poetischen Realismus im Kapitel 2.

Schmolke ist wenig gebildet – Fremdwörter wie „Archäologe“ sind ihr unbekannt, und sie verbirgt ihre Unwissenheit vor dem Professor, aber sie wirkt wie eine weise Frau, die aus der Vergangenheit lernt – im Gegensatz zu Jenny vergisst sie nichts, sondern erinnert sich gern an vergangene Dinge, besonders an ihren Ehemann. Sie zitiert gerne auch Sprüche aus der Bibel: die hübschen Frauen, mit denen ihr Ehemann arbeitete, sah sie „wie de[n] Versucher in der Wüste“536. Ihr Horizont bleibt jedoch auf ihr kleinbürgerliches Leben und die Küche beschränkt – was vor allem Corinna stört.

Als Witwe und Dienerin lebt sie nicht zuallererst ihr eigenes Leben, sondern gibt sich für Corinna und Prof. Schmidt hin – sie denkt an andere öfter als an sich selbst. Nur einmal überrascht sie Corinna, indem sie sich an ihrem freien Sonntag, als die Schmidts unterwegs sind, herausputzt.537

Beziehungen zu anderen Gestalten

Trotz ihrer mangelhaften Bildung, hat Schmolke eine ausgeprägte Menschenkenntnis. Sie kann Leute durchschauen – Jennys Absichten und falsche Sentimentalität538, sowie auch Schmidts Ironie539 und Kummer mit seiner Gesundheit, den er vor der Welt versteckt.540 Wie sie zu Corinna sagt: „Ja Corinna, du denkst, ich seh es nicht. Aber ich sehe alles und seh noch viel mehr...“541

Dabei bleibt sie aber herzlich und gefühlvoll, und ihre Urteile sind voller Menschlichkeit und Verständnis. Sie versucht, das Beste in den Menschen zu sehen – in Treibel sieht sie seine Spaßigkeit, in Otto und Leopold ihre Güte, und „Marcell ist, was man einen Schatz nennt oder auch ein Juwel, Marcell ist ganz so, wie Schmolke war.“542 Nur die Jenny ist ihr natürlich unsympathisch – diese „geldstolze“543 Frau, die „den Apfelsinenladen vergessen hat“544 und „den alten Professor anschmachtet und ihn auch ‚Wilibald‘ nennt, als ob sie noch auf’n Hausboden Versteck miteinander spielten […]“545. Aber sie will nicht schlecht über sie sprechen und beruft sich dabei auf ihren Mann, der immer respektvoll war.546 Zwar freut sie sich persönlich ein bisschen, dass sich Corinna der Kommerzienrätin entgegensetzen will: „Der gönn ich’s.“547, aber später schämt sie sich für dieses unchristliche Gefühl, wenn sie sich der Trauerrede ihres Pastors erinnert, der sagte: „Der Mensch soll sein Leben nicht auf den Haß stellen.“548

Corinna:

Corinna ist Schmolkes Liebling und Schmolke ist wie eine Mutter für Corinna – sie funktioniert als ihre Ratgeberin, engste Vertraute. Sie versucht sie auch ein bisschen zu erziehen – als sich Corinna über ihre Kopfschmerzen beklagt, weist sie Schmolke zurecht: „Ach, dummes Zeug, Corinna. Das ist auch eine, von deinen Nücken.“549, und belehrt sie, dass man sich nicht zu oft beschweren soll. Corinna, die ohne ihre Mutter unter einer lässigen Erziehung ihres Vater aufwächst, ist Schmolke für ihre erzieherischen Bemühungen dankbar:

[...] liebe Schmolke, [...] wenn Sie nicht gewesen wären, wer hätte mir denn überhaupt was gesagt? Keiner. Ich bin ja wie wild aufgewachsen, und es ist eigentlich zu verwundern, daß ich nicht noch schlimmer geworden bin, als ich bin. Papa ist ein guter Professor, aber kein guter Erzieher. 550

Schmolke hat einen Weg, mit Corinna vorsichtig umzugehen und sie auf schwierige Themen anzusprechen – sie benutzt dafür die ungezwungene Umgebung der Küche, wenn sie beide mit Küchenarbeiten beschäftigt sind. Im ersten langen Gespräch verrät ihr Corinna das Geheimnis von ihrem Plan für Leopold. Schmolke ist überrascht, aber steht Corinna bei: „Das ist Recht, Corinna, halt ihn fest.“551, obwohl sie sich selbst für Corinna eher Marcell als Ehemann vorgestellt hätte. Im nächsten Küchengespräch vertraut ihr Corinna sogar als erste die heimliche Verlobung und ihre Unsicherheit darüber an. Es kommt dabei zu zweideutigen Dialogen, wie:

[Schmolke] : „Corinna, wen zerreibst du denn eigentlich?“

[Corinna]: [ Semmel mit einer großen Vehemenz reibend] „Die ganze Welt.“

[Schmolke]: „Das ist viel...un dich mit“

[Corinna]: „Mich zuerst.“ 552

Wenn Schmolke Corinnas ernsthafte Zweifel über die Verlobung mit Leopold hört, sagt sie zu ihr: Es ist „die höchste Zeit, daß was geschieht, [...]. Denn wenn du ihn nicht liebst und ihr nicht haßt, denn weiß ich nich [sic], was die Geschichte überhaupt noch soll.“553, worauf die verzweifelte Corinna antwortet: „Ich auch nicht.“554 Schmolke rät ihr weiter, sie soll „einen klugen Mann haben, einen, der eigentlich klüger ist als [sie]“555 – und denkt dabei sicher an Marcell. Nach dem langen Gespräch schafft sie es, Corinna zur Vernunft zu bringen, und einen Schlussstrich unter Leopold zu ziehen. Corinna umarmt die gute Schmolke, welche in ihren Augen ein Flimmern sieht, das ihr zeigt, „daß der Sturm gebrochen sei“556.

Schmolke ist am Ende sehr froh, dass Corinna nicht Leopold heiratet, sondern Marcell, denn auch sie glaubt, er sei für sie ein passenderer Partner.557

Schmidt:

Für Wilibald Schmidt ist Schmolke sehr wichtig, und das nicht nur als Dienerin, sondern als Person – wie er selbst sagt, sie bedeutete ihm mehr als ein Minister.558 Zwischen ihnen gibt es ein vertrauensvolles Verhältnis, das nicht vom Geld beeinflusst scheint. „Für meine gute Schmolke bürge ich“559, lässt sich Schmidt vor seinen Professorenfreunden hören.

Sie mag den Professor auch und bleibt ihm loyal, obwohl ihr auch seine Fehler bewusst sind – er sei „ein merkwürdiger Mann und voller Schrullen“560. Schmolke zeigt sich viel einfühlsamer zu Corinna als Schmidt – als sich die Tochter nach der heimlichen Verlobung zu Hause ganz still benimmt, merkt es der „liebenswürdig[e] Egoist“561 – im Unterschied zu Schmolke – nicht.

Die Ehe

Schmolke ist ihrem verstorbenen Ehemann, dem Polizisten, der in der Abteilung „für den Anstand und die gute Sitte“562 – also mit „gefallenen Frauen“ – arbeitete, sehr treu. Er sei, wie Schmolke glaubt, ein moralisch denkender Mann gewesen. Seine Ansichten leben praktisch durch seine Ehefrau weiter – denn wie Corinna bemerkt, Schmolke hat ihre „Vorstellungen von dem, was sie sich und ihrem Verstorbenen schuldig ist“563. Sie erinnert sich oft an ihn, hält ihn für den Maßstab des Guten und versucht, ein guter und anständiger Mensch zu sein, wie er es auch war. Ihre ständigen Berufe auf ihn würden im Roman fast zu Redewendungen, bemerkt Schäfer.564

3.3.5 Die Hamburgerinnen

Die Freie Stadt Hamburg hatte eine geografisch sowie kulturell engere Beziehung zu England – dem als modern und fortschrittlich angesehenen Land – auch von Fontane selbst565. So folgten die Hamburger der neuesten Mode und benähmen sich vornehmer als Berliner. Die Damen strebten das Ideal an, „für eine Engländerin gehalten zu werden“. Anschaulich wird in diesem Roman vor allem die viktorianische Erziehung gemacht, die durch eine ungewöhnliche Strenge und durch Gehorsam geprägt ist. Wie Treibel ironisch bemerkt, seien die Hamburgerinnen “so zweifelsohne“566, und „[...] bezeugen in allem, was sie tun, die Richtigkeit der Lehre vom Einfluß der guten Kinderstube.“567

In der Geschichte treten vor allem Helene Treibel, geb. Munk, und Hildegard Munk, ihre Schwester auf. Ihre Mutter, Frau Konsul Thora Munk, ist allerdings immer im Hintergrund präsent – die Töchter beraten sich mit ihr und schreiben ihr Briefe über wichtige Ereignisse.

Die Munks stammen von der väterlichen Seite aus Dänemark und tragen in der Familie sogar einen Grafentitel; von der mütterlichen Seite sind sie eine reiche Syndikatsfamilie.568 Mit ihrem Titel und ihrer Hamburger Patriziertradition halten sich die Munks für vornehmer als die Treibels. In ihrem Hochmut repräsentieren sie den Standesdünkel, der Jenny Treibel, als Neureiche, wehtut.

Das Ziel der Hamburgerinnen im Verlauf des Romans ist es vor allem, Hildegard einen reichen Ehemann zu besorgen – und sie setzen ihre Hoffnungen auf Leopold Treibel. Doch sie sind zu hochmütig dafür, um sich für ihn offiziell interessieren zu können und warten auf Treibels Initiative – eine Einladung für Hildegard, um das Bewerben anfangen zu können.

Helene Treibel

Helene, die Gattin von Otto Treibel, ist eine Frau, der alle Männer den Hof machen569, denn sie ist hübsch, charmant und „zum Anbeißen“570 – wie es Schmidt ausdrückt. Sie benimmt sich immer vornehm und benutzt gerne englische Ausdrücke, wie „so low, so vulgar“571.

Doch zugleich ist sie auch eine bornierte, engstirnige, zurückhaltende bis kalt wirkende Frau. Treibel bemerk: „[…] alles, was Helene hat, hat höchstens die Temperatur der Uhlenhorst572.“573 Helene entwickelt leidenschaftliche Gefühle nur, wenn es um ihre Schwester geht. Dazu ist sie mit Ordnung und Sauberkeit besessen – wie Treibel sagt: „Sie hat nichts als einen unerschütterlichen Glauben an Tugend und Windsorsoap574.“575. So unterwirft sie das Leben ihrer Familie starren Regeln. Anschaulich wird das vor allem an der Erziehung von ihrer kleinen Tochter Lizzi.

Beziehung zu anderen Gestalten:

Jenny:

Die Beziehung zwischen der Schwiegertochter und Schwiegermutter ist eher kühl. Jenny kann Munks Standesdünkel und Helenes Persönlichkeit nicht ertragen. Sie findet sie temperamentlos576 wie ihre „matten und beinah vergißmeinnichtblauen“577 Augen.

Helene dagegen ist gereizt gegenüber Jenny Treibel, weil die nicht ihre Schwester einlädt, und mag nicht, dass Jenny so viele Umschweife um die potenzielle Verbindung von Leopold und Hildegard macht. In dem geheimen Kampf des Stolzes zwischen Jenny und Helene, wartet jede Seite darauf, bis die Andere sich als Bedürftigere herausstellt und endlich den ersten Schritt zu dieser Vereinigung unternimmt. Doch Helene glaubt ehrlich, ihre Familie sei überlegen: „[...] Kaufmann und Kaufmann ist ein Unterschied.“578 Ein Kleingeschäft – der Materialladen von Jennys Vater – ist nicht mit einem Großgeschäft – dem Syndikat von Helenes Mutter – zu vergleichen.

Ironischerweise ist es die heimliche Verlobung Corinnas und Leopold, die Helene mit Jenny versöhnt und vereinigt. Als sie die Nachricht hört, ,,stürmt Helene noch im Morgenkleide zu Jenny und umarmte sie stürmisch.“579 Darauf fühlt Jenny „[...] das Eis hinschmelzen, das acht Jahre lang ihr Schwiegermutterherz umgürtet hatte.“580 Angesichts der gemeinsamen Gefahr – der Professorentochter, die in ihre Familie einheiraten will – vereinen sie ihre Kräfte, um das Unglück zu verhindern.

Corinna:

Zwischen Helene und Corinna herrscht von Anfang an Eifersucht. Helene findet Corinnas lebhaften und schlagfertigen Konversationsstil „unweiblich“581 und „unhamburgisch“582 ; „[...], was nach ihrer Meinung so ziemlich zusammenfällt...“583 Im Zusammenhang von der heimlichen Verlobung mit Leopold, spricht sie dann über Corinna sogar als über „eine schreckliche Person“584, und empfindet Hass gegen sie.

Die Ehe

Helene ist seit 8 Jahren mit Otto verheiratet und sie gibt eindeutig den Ton in der Ehe an. Otto, der ähnlich schläfrig wie sein Bruder ist, resigniert und meidet jeden Streit – er schweigt lieber, als in Diskussion zu geraten – also übernimmt er eine ähnliche Taktik wie sein Vater. So reagiert er z. B. nach einem langen Monolog Helenes über die Überordnung Munks über Treibels:

[Helene]: „Hast du noch überhaupt vor, Otto, auf das, was ich sagte, mir zu antworten?“

[Otto]: „Am liebsten nein, liebe Helene. Wozu auch? Du kannst doch nicht von mir verlangen, daß ich in dieser Sache deiner Meinung bin, und wenn ich es nicht bin und das ausspreche, so reize ich dich nur noch mehr.“ 585

Helene ist eher kühl zu ihrem Ehemann, was man an ihren Konversationen merken kann. Doch von außen gesehen muss ihre Ehe glücklich (wenn nicht perfekt) aussehen – sie halten die Hände und gehen dicht aneinander. Den korrekten Eindruck beweisen die darauffolgenden aufrichtigen Beglückwünschungen an Herrn Treibel seitens seiner Freunde Krola und Schmidt.

Treibel, der ahnt, was sich hinter der Fassade des Familienglücks abspielt, bemerkt ironisch: mit Hamburgerinnen sei jeder „natürlich“586 glücklich und erzählt seinen Freunden, dass in einer Ehe ohne Leidenschaft „furchtbar ‚gebildet‘ gestritten“587 werde. Dann erklärt er spöttisch, warum das Paar wohl so liebevoll miteinander umgeht: „Mir ein sichrer Beweis, daß sie sich vormittags gezankt haben. Otto, der arme Kerl, muß nun Reugeld zahlen.“588 Er vergleicht seine erzwungene Zärtlichkeit mit dem Bußgang nach Canossa589: „Er biegt den Kopf in einem fort nach rechts, und Helene rührt sich nicht und kommt aus der graden Hamburger Linie nicht heraus...“590

Helene als Mutter

Helenes kleine Tochter gilt überall als „Musterkind“591, was ihre Mutter sehr stolz macht. Diese Engelhaftigkeit des in Weiß gekleideten und perfekt sauberen Kindes, das immer wie eine Puppe aussieht und sich auch so benimmt, wirkt aber zu perfekt und steril, fast gespenstisch. Jenny findet, Lizzi könnte fast als „symbolische Figur auf den Wäscheschrank ihrer Mutter gestellt werden“592 und Treibel erfüllt ein Grauen, wenn er sieht, wie die Haare des „Waschengel[s]“593 schon „vor lauter Pflege [...] ins Kakerlakige fallen“594.

Das Mädchen wird nach der Hamburger Tradition streng erzogen. Diese Mustererziehung fängt schon von Geburt an – als Helene sich entschied, nicht zu stillen, „weil es unschön sei“595. Lizzis Tage sind streng nach der Mutter regiert und voll von Unterricht – sie hat fast kaum Freizeit, um einfach zu spielen oder draußen herum zu laufen. Ihre puppenhaften Kleidungsstücke sind nach Tagen des Monats nummeriert, und wie Treibel witzig kommentiert, kann er jedes Mal das Datum vom Strumpf lesen.596 Helene zwingt ihre Tochter auch, mit halb offenem Mund herumzulaufen, um einen Herzmund zu kriegen.597

Jenny und Treibel missbilligen Helenes Erziehungsmethoden. Treibel vergleicht sogar das Leben von Lizzi mit dem Bologneser Hund Czickas: „immer an einer Strippe, die die Mutter in Händen hält, und wenn 'mal ein Perlhuhn kommt und das Lizzichen fort will, dann gibt es auch einen Klaps, aber einen ganz, ganz kleinen, [...]“598 und Jenny beschuldigt Ottos und Helenes Temperamentlosigkeit, dass Lizzi „die größte Puppe“599 geworden ist.

Hildegard Munk

Hildegard ist in dem Roman aus zwei gegenseitigen Perspektiven gezeigt – Helene, die ihre Schwester liebt, und Jenny, die sie für einen „eingebildete[n] Quack600601 hält, ihren Namen bissig kommentiert: „Hildegard heißt man in einem Schlosse mit Ahnenbildern oder wo eine weiße Frau spukt.“602, und im Allgemeinen sich über sie negativ ausdrückt – siehe Jenny Treibel.

Die Munks würden sie gerne in eine Beziehung mit Treibels zweitem Sohn führen, obwohl Helene immer betont, Leopold wäre derjenige, der an der Verbindung etwas gewinnen könnte, denn ihre Schwester ist „eine Schönheit“603, hat „Chic einer Lady“604, während er „unter Durchschnitt“605 bleibt.

Jenny Treibel, die Hildegard so verachtete, ändert nach der heimlichen Verlobung von Corinna und Leopold plötzlich ihre Stellung und lädt sie gleich ein und hofft stark auf eine Hochzeit.

Hildegard zeigt hier ehrliches Interesse an Leopold, denn obwohl sie genau weiß, wie die Treibels von ihr denken – dank dem lebhaftem Briefverkehr mit ihrer Schwester606 – kommt sie am nächsten Tag zu Besuch und benimmt sich ganz unbefangen, findet alles „himmlisch“607 und äußert sich generell sehr positiv gegenüber Berlin und Jennys Villa – augenscheinlich bemüht sie sich, auf Anraten ihrer Mutter, um „Unterdrückung alles Hamburgischen und Achtung vor Berliner Empfindlichkeiten“608. Nicht einmal Leopold, der sie ursprünglich ignorieren wollte, kann ihr gegenüber negativ sein. Als dann Treibel die Neuigkeit der Verlobung von Corinna und Marcell bringt, gibt ihm Hildegard zwei „so stürmisch[e]“609 Küsse, dass klar wird: der Tag bringt zwei Verlobungen.610

Leopold und Hildegard kommen zwar nicht zu Corinnas Hochzeit, aber sie gelten als verlobt, und es wird angenommen, ihre eigene Hochzeit stehe bevor.

3.3.6 Erzieherinnen

Fräulein Honig

Die Erzieherin und Gesellschaftsfräulein Honig kümmert sich im Hause Treibels vor allem um das Bologneser Hündchen und den Papagei. Gelegentlich bietet sie Jenny Begleitung bei ihren Reisen – wie im ersten Kapitel bei dem Besuch von Schmidts, doch diese spricht kaum mit ihr – die Erzieherin bleibt in ihren Augen nur eine Angestellte.

Honig, „deren herbe Züge sich wie ein Protest gegen ihren Namen ausnahmen“611, ist etwa dreißig Jahre alt612 und trotz ihrer Bildung613 ist sie immer noch ledig und in Gefahr eine alte Jungfer zu werden – eine Perspektive, die sie sicher nicht reizt.

Ihre Haupteigenschaften sind Verbitterung – wahrscheinlich wegen des Pechs mit Männern und wegen der mangelnden Aussicht, ihre gesellschaftliche Stellung verbessern zu können, und damit verbundener Neid – sie ist neidisch auf die Selbstbewusstheit und Liebenswürdigkeit Corinnas, die Schönheit und den Reichtum Helenes, denn sie besitzt keine von diesen Qualitäten. Während ihrer Karriere hat sie gelernt, konform zu handeln – wie sie selbst sagt, sie sei es „gewöhnt, mit der Majorität zu gehen.“614

Mit ihrem ewig „sauersüße[n] Gesicht“615 ist sie auch keine heitere Gesprächspartnerin – nur Treibel sucht ihre Gegenwart relativ oft, doch eher aus Not, weil er niemanden zur Konversation hat. Sie sehnt sich so nach einer männlichen Aufmerksamkeit, dass sie die Freundlichkeit von Herrn Treibel missdeutet, und glaubt, er würde mit ihr flirten, was sie eher freut.616 Er bleibt aber immer aufrichtig, obwohl er ihr ziemlich persönliche Angelegenheiten anvertraut, und nach ihrer Meinung fragt. Honigs Urteile sind eher höflich neutral, dem Sprechpartner anpassend oder gar ausweichend. Ein klares Beispiel ist das Thema der Erziehung von Lizzi – statt ihre aufrichtige Meinung auszudrücken, antwortet Honig vorsichtig mit einem Lob an das Mädchen: „Lizzichen ist ein Engel.“617, um den Großvater zu erfreuen, und den Konflikt zu vermeiden.

Trotz ihres Neides auf Corinna, nimmt sie die Einladung zu ihrer Hochzeit an, und zeigt damit ihre gute Bildung und Konformität.

Fräulein Wustel

Fräulein Wustel ist Lizzis Erzieherin und steht unter ständiger Kritik von der anstrengenden Helene, welche Wustels „erbärmliche“618 englische Aussprache kritisiert, sowie auch einen Mangel an Achtsamkeit, wenn sie das Kind „Dinge durchgehen“619 lässt, die Helene für „shocking“620 hält.

Der alte Treibel, der mit Helenes Erziehungsmethoden nicht einverstanden ist, dagegen sieht in Fräulein Wustel eine „verständige Person“621 und hofft, dass sie sich gegen die „Hamburgereien“622, d. h. Helenes autoritäre Erziehung, auflehnt.

Auch sie wird zu Corinnas und Marcells Hochzeitsfest eingeladen, sagt aber mit einem Brief ab623 – wahrscheinlich gezwungen von Helene – denn in ihrem Schreiben ist eine Träne.

3.3.7 Die Adeligen

Frau Majorin von Ziegenhals, Fräulein Edwine von Bomst

Von den zwei alten Damen vom Hofe wird nicht viel berichtet – ihre wichtigste Aufgabe ist Treibels Party einen adeligen Glanz zu verleihen624 und ihre bemerkenswerte Charakteristik ist die Ironie ihrer Namen: Die korpulente Frau, mit „eine[m] Meter Brustweite“625 ist Majorin von Ziegenhals, während die „ nicht korpulente“626 Fräulein Edwine von Bomst ist.

Majorin von Ziegenhals, nach Jenny „ätherisch“627, nach Nelson „a little ridiculous“628, nach Treibel ein „drall und prall, capitales Weib“629, spricht mit diesem in Heiterkeiten und versucht ihn freundlich davon abzuraten, sich in der Politik mit dem konservativen Vogelsang repräsentieren zu lassen und empfiehlt ihm, eher die „Bürgerkrone“630 anzustreben. Erst später bereut es Treibel, sich an ihre Ratschläge nicht gehalten zu haben.

3.3.8 Andere Bekannte

Die Felgentreus

Elfriede und Bianca Felgentreu sind die Töchter von einer mit Treibels befreundeten bürgerlichen Familie. Jenny hält „die ganze Felgentreuerei für erheblich unterm Stand“631, denn Felgentreu war Lageraufseher in einem Geschäft gewesen, und seine Frau die „Wirtschaftsmamsell des Principals“632.

Die beiden Töchter befinden sich in einer ähnlichen Lage wie alle anderen jungen Frauen des Romans – sie benötigen einen möglichst reichen und respektablen Ehemann. Sie zeigen ihre gesellschaftlichen Vorzüge bei Jennys Abendgesellschaft, wo sie zusammen ein Duett aus Figaros Hochzeit vorsingen, und so die Aufmerksamkeit Adolar Krolas gewinnen, des alten Opernsängers und Millionärs, der sie am Klavier begleitet.633

Als die Felgentreus dann eine Landpartie nach Halensee organisieren, laden sie nicht nur die Treibels und die Schmidts, sondern das ganze Quartett von Krola. Die beiden Schwestern flirten auf dem Ausflug mit dem Jodler Metzner und mit zwei jungen Referendaren von der Potsdamer Regierung – den Mitgliedern des Quartetts. Auf Corinnas Hochzeit, wo Elfriede und Bianca als Brautjungfern auftreten, schaffen sie es, sich mit den beiden Referendaren zu verloben634 und so werden ihre Ziele erreicht.

Die Kälber

Von den beiden Töchtern von Hannibal Kuh, dem Mitglied des Professorenzirkels um Wilibald Schmidt, wird nicht viel berichtet – sogar ihre Namen bleiben dem Leser unbekannt, sie werden einfach „die Kälber“635 genannt. Ihre Geschichte läuft parallel zu der von Elfriede und Bianca. Sie haben die gleichen Aspirationen – sie versuchen, sich einen Bräutigam unter dem Quartett von Krola zu angeln, und auf Corinnas Hochzeit treten sie neben den Felgentreus auch als Brautjungfern auf – genau wie Schmolke es vorgesehen habe.636 Nur ihre Bemühungen um Metzner, dem Jodler und Kaufmannssohn, enden erfolglos und so erwartet sie eine noch unsichere Zukunft.

Schluss

Die Frauenfiguren in Fontanes Gesellschaftsroman Frau Jenny Treibel sind zwar keine Heldinnen und keine Antagonistinnen und ihre Probleme scheinen eher banal, doch haben sie immer ihren einzigartigen, in der jeweils eigenen Widersprüchlichkeit anziehenden Charakter. Wie Ohff es beschreibt, sie „alle haben jenen Riss, [...], [der] sie so modern erscheinen lässt.“637 Bei der Titelfigur, die von Fontanes Schwester Jenny inspiriert wurde, ist das ihr Zwiespalt zwischen ihren nostalgischen Träumen von Poesie und ihrem Sinn für das Materielle; bei der zweiten Protagonistin, Corinna Schmidt, deren Gestaltung an Fontanes geliebten Tochter Martha angelehnt ist, ist es zwischen ihrer Identität als Bildungsbürgerin und ihrem Traum vom Aufstieg in die Bourgeoisie.

Die Frauengestalten können nicht wirklich als emanzipiert angesehen werden – nicht einmal Corinna Schmidt, die gebildete Professorentochter, die im Vergleich zu der Repräsentantin der älteren Generation, der Kommerzienrätin Jenny Treibel, die Früchte des Kampfes der deutschen Frauenbewegung schon genießt, als sie sich zur Kunststopferin weiterbildet. Die junge Bildungsbürgerin interessiert sich zwar für alles Moderne, bezaubert sogar einen englischen Gast mit ihrer ungenierten Offenheit und Übermütigkeit, und mit ihrer Entscheidung, ihre Verlobung in ihre eigenen Hände zu nehmen, könnte sie als eine selbstbestimmte Frau betrachtet werden, doch sie selbst hat keine Ambition, die Gesellschaft zu ändern. Im Unterschied zu Louise Otto-Peters und anderen Frauenrechtskämpferinnen benutzt Corinna ihre natürliche Begabungen lediglich, um ihr eigenes egoistisches Ziel zu verfolgen: reich zu heiraten. Ähnlich geht auch Jenny vor, die ihren Weg aus dem Kleinbürgertum in die Bourgeoisie auch durch Geldheirat findet, wo sie dann ihre Herkunft verdrängt und sich ein prätentiöses Leben nach dem Muster des Adels einrichtet. Ihr nächstes Ziel ist es, für ihren Sohn Leopold eine wohlhabende und vornehme Partie zu finden – und trotz ihrer ernsthaften Bewunderung für Corinna weiß sie ganz genau, dass sie keine arme Professorentochter akzeptieren will.

Beide Hauptgestalten sind starke, ehrgeizige und eher selbstsüchtige Frauen, die es gelernt haben, im Wasser der gesellschaftlichen Normen zu schwimmen und ihre direkte Umgebung geschickt zu manipulieren, um sich durchzusetzen. Neben den zwei Berlinerinnen gehört zu diesem Typ auch Jennys unbeliebte Schwiegertochter Helene aus der Patrizierfamilie Munk aus Hamburg, die ständig zwar mit einem Grafentitel in der Verwandtschaft protzt, trotzdem aber nach einer Verbindung von ihrer Schwester und dem Sohn der neureichen Familie Treibel strebt. In Fontanes bekanntestem Roman Effi Briest wird dieser Typus durch Effis einflussreiche Mutter Luise Briest vertreten. Die Dominanz dieser Frauen zeigt sich vor allem in ihren Ehen: Herr Treibel, sowie auch sein Sohn Otto versuchen, ihre Gattinnen ständig bei guter Laune zu halten und jeden Konflikt mit ihnen zu vermeiden. Corinnas Verlobter Leopold lässt sich von ihr verführen und herzlos ausnutzen, und sogar der Gelehrte Marcell, der von Corinna taktlos und berechnend behandelt wird, zeigt sich ihr gegenüber mehr als nachsichtig. Im Unterschied zu den Frauen sind nämlich die Männer an der Beziehung nicht aus Zweck, sondern aus Liebe interessiert. Ob auch Helenes Schwester in diese Gruppe gehört, bleibt unklar – sie wird zwar als hochmütig beschrieben, doch zugleich wirkt sie noch wie ein Kind, das immer nur auf seine Mutter und Schwester hört. Jenny und Helene erweisen sich auch als sehr dominante Mütter, die das Leben ihrer Kinder regeln wollen – Helenes strenger viktorianischer Erziehungsstil wird dabei in Kontrast zu Schmidts liberaler und Schmolkes liebevoller Erziehung von Corinna gestellt.

Obwohl beide Hauptgestalten ähnliche materialistische Lebensziele mit ähnlicher Taktik der Manipulation und Verstellung verfolgen, gibt es zwischen ihnen einen wichtigen Unterschied: Während Jenny eine meisterhafte Schauspielerin wird, die zwischen ihrer Heuchelei und ihren eigentlichen Antrieben nicht mehr unterscheiden kann, und die die Diskrepanz zwischen ihren Träumen von Poesie und ihrem Streben nach Materiellen höchstens in eine nostalgische Stimmung wirft, kann Corinna dagegen langfristig ihr Herz nicht täuschen und fühlt sich in ihrer berechnend geplanten Verlobung mit Leopold nicht wohl – doch nicht wirklich wegen eines schlechten Gewissens gegenüber Leopold, sondern eher durch die Realisierung, dass ihre Schwiegermutter eine zu starke Kämpferin ist. Die junge Bildungsbürgerin scheitert an Mangel an Ausdauer gegen die erfahrene und verhärtete Großbürgerin. Ihre Niederlage muss aber nicht negativ gesehen werden – sie gewinnt ihre Authentizität zurück, ihren Stolz und eine Hochzeit mit einem liebenden und gleichwertigen Partner. Ob sie aber langfristig glücklich sein und ihre Träume von Luxus vergessen kann, bleibt ungewiss. Jenny gewinnt zwar den Kampf um die Macht über ihren Sohn, muss sich aber mit einem Kompromiss begnügen, und sich vor den Munks demütigen. Eindeutige Gewinnerin bleibt also Helene, der die ganze Geschichte nicht nur die Verlobung von ihrer Schwester einbringt, sondern auch die Versöhnung mit ihrer Schwiegermutter.

Im Kontrast zu vorher genannten Heldinnen stehen die trotz ihrer Bildung und Intelligenz „erfolglosen“ Frauen – Erzieherinnen Honig und Wustel. Dass sie sich dafür entschieden haben, eine Karriere zu verfolgen, lässt darauf schließen, dass sie zwar aus einer bürgerlichen, aber wahrscheinlich armen Familie stammen. Langfristig berufstätig zu sein entspricht zwar nicht der bürgerlichen Vorstellung von der gesellschaftlichen Rolle der Frauen, doch nur ein passender Ehemann könnte sie aus ihrer Situation herausholen. Ihre Chancen dafür werden mit jedem Lebensjahr geringer, was bei Honig zu Bitterkeit führt, doch in ihrer Konformität unternimmt sie nichts dagegen.

Einen ganz anderen Typus vertritt die Witwe Rosalie Schmolke. Oberflächlich ähnelt sie in Aussehen und resolutem Auftreten Jenny, doch im Kontrast zur Frau Kommerzienrätin verfügt Schmidts Haushälterin über ein gutes Herz und ein gutes Gedächtnis. Im Gegensatz zu den meisten Frauenfiguren ist Rosalie Schmolke mit ihrem einfachen Leben zufrieden, hat keine speziellen Ansprüche auf ihr Glück und verfolgt kein egoistisches Ziel: Sie will, dass andere (vor allem Corinna) glücklich sind und bemüht sich, ein guter Mensch und Christ zu sein, um ihrem verstorbenen Mann Ehre zu machen. Wie Roswitha aus Effi Briest stellt auch sie im Roman die ungebildete Unterschicht dar, die mit ihrer Selbstlosigkeit, Lebensweisheit und Moral über den Gebildeten und den Reichen steht.

Was die obengenannten Frauen mit weiblichen Gestalten in anderen realistischen Eheromanen verbindet, ist die Konvention, die das Leben der Frauen im 19. Jahrhundert stark regelt, und die auch ihre Lebensziele prägt: Ob aus Unterschicht, Bürgertum, Bourgeoisie, oder vom Adel stammend, die Frauen werden für ihre Rolle als Ehefrau und Mutter erzogen, und eine vorteilhafte Heirat wird als die einzige Chance zum Erfolg angesehen. Wie sie sich mit den gesellschaftlichen Normen auseinandersetzen, ist allerdings von Heldin zu Heldin unterschiedlich. Während sich die Gestalten in Frau Jenny Treibel der gegebenen Ordnung gar nicht entgegenstellen, stellt sich Effi Briest durch eine außereheliche Affäre der veralteten preußischen Moral entgegen.

Der Roman Frau Jenny Treibel unterscheidet sich in seiner Heiterkeit von den tragischen und von den Zeitgenossen als moralisch unangebracht betrachteten Ehebruchromanen. Fontane zeigt hier seine Liebe zur Schönheit und seine Tendenz, das Hässliche durch den Humor zu verklären. Die Kritik an der Bourgeoisie wird hier durch Witz und Ironie geführt, die alle Figuren trotz ihrer Schwächen sympathisch erscheinen lässt. Die Fähigkeit, die Heldinnen so menschlich und empathisch darzustellen, liegt wohl an Fontanes ausgeprägter Menschenkenntnis und seiner Liebe zu Frauen, einschließlich ihrer Schwächen, die er in einem Brief erklärt:

Der natürliche Mensch will leben, will weder fromm noch keusch noch sittlich sein, lauter Kunstprodukte von einem gewissen, aber immer zweifelhaft bleibenden Wert, weil es an Echtheit und Natürlichkeit fehlt. Dies Natürliche hat es mir seit langem angetan, ich lege nur darauf Gewicht, fühle mich nur dadurch angezogen, und dies ist wohl der Grund, warum meine Frauengestalten alle einen Knacks weghaben. Gerade dadurch sind sie mir lieb, ich verliebe mich in sie, nicht um ihrer Tugenden, sondern um ihrer Menschlichkeiten, d. h. um ihrer Schwächen und Sünden willen. 638

Mit seinen zeitkritischen Eheromanen reiht sich Fontane vor allem neben weltbekannte französische und russische Realisten ein, wie Gustave Flaubert und Leo Tolstoi, obwohl er mit seiner Regionalität auch zu poetischen Realisten wie Wilhelm Raabe und Theodor Storm zählt. Dazu muss gesagt werden, dass seine späten Romane eine gewisse Herausforderung gegenüber dem poetischen Realismus darstellen – in Frau Jenny Treibel sind das vor allem seine Sprachkritik, die Gesprächsform des Romans und die Dekadenz einiger Nebenfiguren, die dem Werk einen Hauch Moderne verleihen.

Frau Jenny Treibel verliert auch 200 Jahre nach der Geburt des Autors nicht an der Lesbarkeit seiner meisterhaften, heiteren und sozialkritischen Beobachtungen, die trotz ihres Abzielens auf die Berliner Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts in mancher Hinsicht überzeitlich gültig bleiben. Zwar sind heutige westliche Frauen nicht mehr nur auf das Einkommen ihres Mannes angewiesen, doch bleiben in der Gesellschaft immer noch bestimmte Konventionen, durch die Mädchen schon von Kindheit an beeinflußt werden – gut zu heiraten ist eine unter ihnen. Auch Laster wie Heuchelei und Manipulation sind nicht ausgestorben und einige Frauen entscheiden sich wie Jenny für das Materielle anstatt für wahre Gefühle. Nichtsdestotrotz haben sie (im Unterschied zu den Frauenfiguren in Frau Jenny Treibel) immer die freie Wahl, ihre Träume von prächtigen Villen und modernen Wägen auch ganz unabhängig von einem Ehemann zu verwirklichen.

Resumé

Tato diplomová práce se zabývá ženskými hrdinkami v sociálně kritickém románu Theodora Fontana Frau Jenny Treibel. V první kapitole je uveden Fontanův životopis, ve kterém je zdůrazněn význam jeho četných přátelství s ženami a jeho ambivalentní vztah k ženské emancipaci, ve druhé kapitole je na základě rešerše odborné literatury představen poetický realismus, v rámci kterého Fontane jako kritický realista s prvky moderny zaujímá specifické místo, a ve třetí, nejrozsáhlejší kapitole je provedena analýza a interpretace jednotlivých ženských postav románu. Hlavním cílem práce je zjistit, zda-li jsou hrdinky ve své sociální roli spokojené, nebo zda-li se snaží proti společenským normám bojovat, případně jakou přitom hraje roli jejich sociální vrstva a vzdělání. Také se ptáme, jaké cíle si tyto ženy stanovují a jak se jim daří jejich plnění.

Theodor Fontane svým dílem, jehož protagonistky stvořil dle své sestry Jenny a své milované dcery Marthy, prokazuje svou znalost žen, kterým dokáže takřka nahlédnout do duše, a které s láskou a humorem vybavuje výraznými charakterovými vlastnostmi – nostalgická Jenny Treibelová se permanentně vznáší mezi svým vlastním světem idejí a poezie a mezi snahou naplnit rodinnou kasu a posunout se na společenském žebříčku ještě výše, svévolná Corinna Schmidtová je rozpolcená mezi svým snem o luxusním životě à la Jenny a vlastní hrdostí a přirozeností.

V románu jsou nastíněny společenské konvence, které do velké míry řídí životy žen v 19. století, a které je ovlivňují při výběru životních cílů – dívky všech vrstev a vzdělání jsou odmalička vychovávány k tomu, aby se staly manželkami a matkami. Výhodný sňatek je viděn jako jejich jediná možnost úspěchu. Žádná z hrdinek tohoto románu se přitom neukazuje jako emancipovaná, ačkoliv se profesorská dcera Corinna svým liberálním myšlením a vzděláním těmto idejím přibližuje.

Převážně formou rozhovorů a vnitřních monologů rozvíjí Fontane jednoduchý příběh boje třech silných a cílevědomých žen, intelektuální měšťanky Corinny, zástupkyně buržoazie Jenny a její snachy Helene z váženého hamburského patricijského rodu, o moc nad posledním svobodným mužem bohaté rodiny Treibelových – Leopoldem. Tyto dominantní ženy se nebojí použít manipulaci, přetvářku a ženské zbraně, aby dosáhly svého cíle. Corinna nakonec zjišťuje, že boj proti zkušené a zatvrzelé Jenny by byl příliš draze vykoupený, a svůj původní cíl opouští, spokojujíc se s jiným manželem ze své společenské vrstvy. Vzdává se tak luxusu a bohatství, ale získává nejen rovnocenného a milujícího muže, ale také svou autentičnost zpět – již se nemusí přetvařovat. Paní komerční radová, která sice boj o svého syna vyhrává, se musí ponížit a přijmout Heleninu sestru za snachu. Helene, která jménem rodiny usilovala o zasnoubení sestry s Leopoldem, ale zároveň byla příliš hrdá na to, aby učinila první krok, tak nakonec odchází jako vítězka.

V kontrastu s výše zmíněnými hrdinkami stojí vychovatelky Honigová a Wustelová, neúspěšné ženy, kterým se přes vzdělání a měšťanský původ nepovedlo včas zajistit si manžela, a tudíž jim hrozí celoživotní zaměstnání či chudoba – ponižující osud pro měšťanskou ženu 19. století.

Jedinou zcela odlišně motivovanou osobnost představuje dobrosrdečná vdova Schmolková, věrná hospodyně u Schmidtů, která podobně jako Roswitha z románu Effi Briest usiluje především o dobro ostatních.

Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

Fontanes Romane:

Fontane, Theodor: Effi Briest. 2. Aufl. Berlin: Verlag Neues Leben, 1982.

Fontane, Theodor: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. 2. Aufl. Vollst. Ausg. nach d. Wortlaut d. Erstdr. (Berlin 1892). München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982.

Fontanes theoretische und literaturkritische Schriften:

Fontane, Theodor: Literarische Essays und Studien. Erster Teil. Hrsg. v. Kurt Schreiner. München 1963. Zweiter Teil. Hrsg. v. Rainer Bachmann und Edgar Gross. München 1972., S. 13 und 211, zitiert nach: Balzer, Bernd: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006.

Fontanes Briefe:

Die Fontanes und die Merckels. Ein Familienbriefwechsel. 1850-1870, Berlin und Weimar, 1987., S. 94, zitiert nach: Von Brühl, Christine von: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018.

Drude, Otto, Nürnberger, Helmuth (Hrsg.): Theodor Fontane: Werke, Schriften und Briefe. Abt. IV: Briefe. Bd. 4. München: Hanser Verlag, 1982.

Erler, Gotthard (Hrsg.): Fontanes Briefe in zwei Bänden. Bd. 2. Berlin und Weimar, 1980., S. 352, zitiert nach: Brühl, Christine von: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018.

Erler, Gotthard (Hrsg.): Emilie und Theodor Fontane. Der Ehebriefwechsel in drei Bänden, Berlin 1998., S. 11, zitiert nach: Brühl, Christine von: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018.

Fontane, Theodor: Briefe an seine Familie. Bd. 2. Berlin: Fontane & Co, 1906., S 65 , zitiert nach: B ürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von Rolf Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. Edward McInnes und Gerhard Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996.

Keitel, Walter (Hrsg.): Fontane, Theodor: Sämtliche Werke. Bd. 4. München: Hanser, 1963., 718 f., zitiert nach: Schäfer, Rudolf: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988.

Sekundärliteratur:

Auerbach, Erich: Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur. Bern 1946, S. 437, zitiert nach: Jansen, J. u.a.: März-Revolution, Reichsgründung und die Anfänge des Imperialismus. Einführung in die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts. Bd. 2. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1984.

Aust, Hugo : Literatur des Realismus. 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Stuttgart: J.B. Metzler, 2000.

Balzer, Bernd: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006.

Brühl, Christine von: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018.

B ürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von Rolf Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. Edward McInnes und Gerhard Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996.

Cowen, C. Roy: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985.

Craig, A. Gordon: Über Fontane. München: 1997, S. 246, zitiert nach: Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018.

D’Aprile, Iwan-Michelangelo: Fontane. Ein Jahrhundert in Bewegung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 2018.

Dieterle, Regina: Vater und Tochter. Erkundung einer erotisierten Beziehung in Leben und Werk Theodor Fontanes. Frankfurt am Main: 1996., S. 14 und 135, zitiert nach: Brühl, Christine von: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018.

Epochen der deutschen Literatur. Gesamtausgabe. Hrsg. v. Joachim Bark, Dietrich Steinbach u. Hildegard Wittenberg. Stuttgart: Klett, 1989.

Geist, Alexander: Effi Briest - Theodor Fontane: Inhalt, Hintergrund, Interpretation. München: Mentor-Verlag, 1997.

Gelfert, Hans-Dieter: Wie interpretiert man einen Roman? Stuttgart: Philipp Reclam jun., 1993.

Glosíková, Viera, Tvrdík, Milan a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018.

Grawe, Christian: Theodor Fontane: Effi Briest. Grundlagen und Gedanken zum Verständnis erzählender Literatur. 6. Auflage. Hrsg. Roloff, Hans-Gert. Frankfurt am Main: Verlag Moritz Diesterweg, 1996.

Grieve, Heide: „Frau Jenny Treibel und Frau Wilhelmine Buchholz. Fontanes Roman und die Populärliteratur.“ In: Formen realistischer Erzählkunst. Nottingham, 1979., S. 542, zitiert nach: Cowen, C. Roy: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985.

Jansen, Josef u.a.: März-Revolution, Reichsgründung und die Anfänge des Imperialismus. Einführung in die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts. Bd. 2. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1984.

Keitel, Walter, Nürnberger, Helmuth: Theodor Fontane. Von Zwanzig bis Dreißig. Frankfurt am Main, 1998., S. 354 und 357, zitiert nach: Brühl, Christine von: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018.

Kessemeier, Gesa: Herrmann Gerson. Das erste Berliner Modekaufhaus. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag, 2016.

Kleinpaß, Susanne: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012.

Mende, Dirk.: „Regula-de-tri, ein Nachwort.“ In: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't, verfasst von Fontane, Theodor., S. 190-217. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982.

Metzler Lexikon. Literatur. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Hrsg. v. Dieter Burdorf, Christoph Fasbender u. Burkhard Moenninghoff. Stuttgart, Weimar: Verlag J.B. Metzler, 2007.

Nürnberger, Helmuth: Theodor Fontane. Reinbek, 1997., S. 135. In: Kleinpaß, Susanne: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012.

Nusser, Peter.: Vom Barock bis zur Gegenwart. Deutsche Literatur. Eine Sozial- und Kulturgeschichte. Bd. 2. Darmstadt: WBG, 2012.

Ohff, Heinz.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995.

Rinsum, Annemarie van, Rinsum, Wolfgang van: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994.

Sachwörterbuch der Literatur. 8., verbesserte und erweiterte Auflage. Hrsg. v. Gero von Wilpert. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 2001.

Schäfer, Rudolf: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988.

Schede, Hans-Georg: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014.

Selbmann, Rolf: „Die Décadence unterwandert die Gründerzeit.“ Epochengeschichtliche Überlegungen zu einigen Figuren aus Theodor Fontanes Romanen. In: Die Decadence ist da. Theodor Fontane und die Literatur der Jahrhundertwende, Hrsg. v. Gabriel Radecke, Würzburg: Königshausen und Neumann, 2002.

Shafarschik, Walter: Erläuterung und Dokumente zu Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2002.

Vedder, Ulrike: „In den Ton ausgesprochenster Wirklichkeit verfallend.“ Poesie und Prosa in Fontanes „Frau Jenny Treibel“. In: Herausforderungen des Realismus. Theodor Fontanes Gesellschaftsromane, Hrsg. v. Peter Uwe Hohendahl, Ulrike Vedder, Freiburg: Rombach, 2018.

Wagner, Walter: Erläuterung und Dokumente zu Theodor Fontane: Effi Briest. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2008.

Wörterbuch der Literaturwissenschaft. 1. Auflage. Hrsg. v. Claus Träger. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1986.

Elektronische Quellen:

„Berliner Blau.“ In: Chemie.de. https://www.chemie.de/lexikon/Berliner_Blau.html [Zugriff am 30.06.2019]

Blume, Dorlis: „Chronik 1879.“ In: Lebendiges virtuelles Museum Online. Berlin: Deutsches Historisches Museum, 04.09.2014. https://www.dhm.de/lemo/jahreschronik/chronik-1879.html [Zugriff am 17.03.2019]

Brockhaus Enzyklopädie Online. Brockhaus: NE GmbH. https://brockhaus.de [Zugriff am 17.03.2019]

Ebersbach, Volker: „Schelling, Caroline. “ In: Neue Deutsche Biographie. Bd. 22., 2005, S. 655-656. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118607049.html#ndbcontent [Zugriff am 20.06.2019]

Götze, Oliver: „Mit Luft versendet. Rohrpost in Berlin.“ In: Museumsportal Berlin. https://www.museumsportal-berlin.de/de/magazin/blickfange/mit-luft-versendet/ [Zugriff am 17.03.2019]

Nagel, Franka: „Hysterische Frauen im 19. Jahrhundert - Wahnsinn war weiblich.“ In Süddeutsche Zeitung. 28.12.2011. https://www.sueddeutsche.de/kultur/hysterische-frauen-im-jahrhundert-wahnsinn-war-weiblich-1.1230420 [Zugriff am 17.04.2019]

Rückert, Ulrike: „Vor 200 Jahren geboren. Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters.“ In: Deutschlandfunk, 26.03.2019. https://www.deutschlandfunk.de/vor-200-jahren-geboren-frauenrechtlerin-louise-otto-peters.871.de.html?dram:article_id=444518 [Zugriff am 20.06.2019]

Stern, Carola: „Schlegel, Dorothea von.“ In: Neue Deutsche Biographie. Bd. 23., 2007, S. 42-43. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118607979.html#ndbcontent [Zugriff am 20.06.2019]

Vahsen, Mechtilde: „Wie alles begann – Frauen um 1800.“ In: Bundeszentrale für politische Bildung, 08.09.2008. https://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauenbewegung/35252/wie-alles-begann-frauen-um-1800 [Zugriff am 20.06.2019]

[...]


1 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 25

2 Vgl. ebd., S. 26 f.

3 Vgl. ebd., S. 28

4 Anm. In Letchin hatte sein Vater eine Apotheke. Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 203

5 Vgl. ebd., S. 204

6 Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 10

7 Vgl. ebd., S. 11; Der Author spricht über folgendes Werk: Fontane, T.: Jenseits des Tweed. Berlin: Rütten und Loening, 1974.

8 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 9

9 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 81 f.

10 Anm.: Die Frankfurter Nationalsammlung war von Mai 1848 bis Mai 1849 ein gewähltes Parlament im Deutschen Bund, das vorläufige Parlament des entstehenden Deutschen Reiches. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie Online: „Frankfurter Nationalversammlung.“ Brockhaus: NE GmbH. https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/frankfurter-nationalversammlung [Zugriff am 27.05.2019]

11 Anm.: Damals populär waren vor allem Herweghs politische Gedichte eines Lebendigen (1841, 1843). Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 333

12 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 83

13 Vgl. D’Aprile, I.: Fontane. Ein Jahrhundert in Bewegung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 2018., S. 89

14 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 438

15 Fontane, T.: Brief an Theodor Storm, 14.2.1854, zitiert nach: Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 10

16 Anm. Die Vossische Zeitung stammt aus der 1617 begründeten Wochenzeitung des Postmeisters C. Frischmann. Der Name bekam die Zeitung nach dem zwischenzeitlichen Inhaber in den Jahren 1751 bis 1795 Christian Friedrich Voß. 1801 wurde sie in den Besitz der Familie Lessing übernommen. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie Online: „Vossische Zeitung.“ Brockhaus: NE GmbH. https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/vossische-zeitung [Zugriff am 27.05.2019]

17 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 32 f.

18 Vgl. ebd., S. 36

19 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 24

20 Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 208

21 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 36

22 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 208

23 Vgl. ebd., S. 249

24 Vgl. ebd., S. 250 f.

25 Fontane, T., zitiert nach: Nürnberger, H.: Theodor Fontane. Reinbek, 1997., S. 135. In: Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 38

26 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 314

27 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 41

28 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 314 f.

29 Vgl. ebd., S. 63

30 Vgl. ebd., S. 275 f.

31 Vgl. ebd., S. 162

32 Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 26

33 Ebd., S. 26

34 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 19 f.

35 Vgl. ebd., S. 406

36 Vgl. Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 125

37 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 55

38 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 28

39 Vgl. D’Aprile, I.: Fontane. Ein Jahrhundert in Bewegung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 2018., S. 73

40 Vgl. ebd., S. 74

41 Vgl. Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 125

42 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 437

43 Vgl. ebd., S. 67 f.

44 Vgl. ebd., S. 71

45 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 102

46 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 204

47 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 28

48 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 439

49 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 32

50 Vgl. Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 125

51 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 203

52 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 36

53 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 439-443

54 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 204

55 Vgl. ebd., S. 205

56 Vgl. Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 73

57 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 218 f.

58 Anm. Dem Genre des Gesellschaftsromans widmet sich weiter das Kapitel 2.2.1

59 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 205

60 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 322

61 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 205

62 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 444-447

63 Mende, D.: „Regula-de-tri, ein Nachwort.“ In: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't, verfasst von Fontane, T., S. 190-217. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982., S. 194

64 Vgl. ebd., S. 194

65 Vgl. Grawe, C .: Theodor Fontane: Effi Briest. Grundlagen und Gedanken zum Verständnis erzählender Literatur., Hrsg. Roloff, H.. Frankfurt am Main: Verlag Moritz Diesterweg, 1996., S. 33

66 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 44

67 Anm. Eine der renommiersten kulturellen Zeitschriften der Wilhelmischen Zeit. Vgl. Mende, D.: „Regula-de-tri, ein Nachwort.“ In: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't, verfasst von Fontane, T., S. 190-217. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982., S. 194

68 Vgl. Grawe, C.: Theodor Fontane: Effi Briest. Grundlagen und Gedanken zum Verständnis erzählender Literatur., Hrsg. Roloff, H. Frankfurt am Main: Verlag Moritz Diesterweg, 1996., S. 26

69 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 392

70 Wagner, W.: Erläuterung und Dokumente zu Theodor Fontane: Effi Briest. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2008., S. 83

71 Vgl. Grawe, C.: Theodor Fontane: Effi Briest. Grundlagen und Gedanken zum Verständnis erzählender Literatur., Hrsg. Roloff, H. Frankfurt am Main: Verlag Moritz Diesterweg, 1996., S. 28

72 Vgl. ebd., S. 28

73 Anm. Heute Humboldt-Universität

74 Vgl. Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 44

75 Vgl. ebd., S. 22 f.

76 Vgl. ebd., S. 45-48

77 Vgl. ebd., S. 47

78 Vgl. ebd., S. 44

79 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 22

80 Vgl. ebd., S. 275 f.

81 Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 125

82 Fontane, T.: Brief an Paul Schlenther, 11.11.1895. In: Drude, O., Nürnberger, H. (Hrsg.): Theodor Fontane: Werke, Schriften und Briefe. Abt. IV: Briefe. Bd. 4. München: Hanser Verlag, 1982., S. 502

83 Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 277 f.

84 Ebd., S. 71 f.

85 Fontane, T.: Brief an Paul und Paula Schlenther vom 6. Dezember 1894. In: Erler, G. (Hrsg.): Fontanes Briefe in zwei Bänden. Bd. 2. Berlin und Weimar, 1980., S. 352 zitiert nach: Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 10

86 Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 11

87 Vgl. ebd., S. 11

88 Ebd., S. 12

89 Vgl. ebd., S. 14

90 Craig, A. G.: Über Fontane. München: 1997, S. 246, zitiert nach: Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 15

91 Vahsen, M.: „Wie alles begann – Frauen um 1800.“ In: Bundeszentrale für politische Bildung, 08.09.2008 https://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauenbewegung/35252/wie-alles-begann-frauen-um-1800 [Zugriff am 20.06.2019]

92 Ebd.

93 Vgl. Nusser, P.: Deutsche Literatur. Eine Sozial- und Kulturgeschichte. Vom Barock bis zur Gegenwart. Bd. 2. Darmstadt: WBG, 2012., S. 332 f.

94 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 3

95 Vgl. ebd., S. 33 f.

96 Vgl. Nusser, P.: Vom Barock bis zur Gegenwart. Deutsche Literatur. Eine Sozial- und Kulturgeschichte. Bd. 2. Darmstadt: WBG, 2012., S. 332 f.

97 Anm. Diesem Thema widmet sich Nagel, F.: „Hysterische Frauen im 19. Jahrhundert - Wahnsinn war weiblich.“ In Süddeutsche Zeitung. 28.12.2011. https://www.sueddeutsche.de/kultur/hysterische-frauen-im-jahrhundert-wahnsinn-war-weiblich-1.1230420 [Zugriff am 17.04.2019]

98 Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 63

99 Vgl. ebd., S. 205

100 Vgl. ebd., S. 21

101 Vgl. ebd., S. 25 f.

102 Fontane, Emilie: Brief an Theodor Fontane vom 27. April 1870. In: Erler, G. (Hrsg.): Emilie und Theodor Fontane. Der Ehebriefwechsel in drei Bänden, Berlin 1998., S. 454, zitiert nach: Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 27

103 Fontane, T.: Brief an Emilie Fontane vom 6. Mai 1870. In: Erler, G. (Hrsg.): Emilie und Theodor Fontane. Der Ehebriefwechsel in drei Bänden, Berlin 1998., S. 463 f., zitiert nach: Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 27

104 Anm. Moses Mendelssohn (1729-1786) war ein deutscher jüdischer Philosopher und Aufklärer. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie Online: „Moses Mendelssohn.“ Brockhaus: NE GmbH. https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/mendelssohn-moses [Zugriff am 19.06.2019]

105 Stern, C.: „Schlegel, Dorothea von.“ In: Neue Deutsche Biographie. Bd. 23., 2007, S. 42-43. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118607979.html#ndbcontent [Zugriff am 20.06.2019]

106 Ebersbach, V.: „Schelling, Caroline.“ In: Neue Deutsche Biographie. Bd. 22., 2005, S. 655-656. https://www.deutsche-biographie.de/pnd118607049.html#ndbcontent [Zugriff am 20.06.2019]

107 Vgl. Vahsen, M.: „Wie alles begann – Frauen um 1800.“ In: Bundeszentrale für politische Bildung, 08.09.2008 https://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauenbewegung/35252/wie-alles-begann-frauen-um-1800 [Zugriff am 20.06.2019]

108 Vgl. ebd.

109 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 29 f.

110 Rückert, U.: „Vor 200 Jahren geboren. Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters.“ In: Deutschlandfunk, 26.03.2019. https://www.deutschlandfunk.de/vor-200-jahren-geboren-frauenrechtlerin-louise-otto-peters.871.de.html?dram:article_id=444518 [Zugriff am 20.06.2019]

111 Ebd.

112 Vgl. ebd.

113 Rückert, U.: „Vor 200 Jahren geboren. Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters.“ In: Deutschlandfunk, 26.03.2019. https://www.deutschlandfunk.de/vor-200-jahren-geboren-frauenrechtlerin-louise-otto-peters.871.de.html?dram:article_id=444518 [Zugriff am 20.06.2019]

114 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 29

115 Ebd., S. 31

116 Vgl. ebd., S. 31

117 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982., S. 36

118 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 32

119 Vgl. ebd., S. 35

120 Anm. Elektroassistentinnen, Telegraphistinnen, Setzerinnen, Buchbinderinnen, Modezeichnerinnen, seit den Achzigern auch Fotografinnen u. a. Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 35 f.

121 Vgl. ebd., S. 38

122 Ebd., S. 39

123 Vgl. ebd., S. 40 f.

124 Vgl. ebd., S. 43 f.

125 Vgl. ebd., S. 44 f.

126 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 30

127 Vgl. ebd., S. 29

128 Vgl. ebd., 25-31

129 Vgl. ebd., S. 27

130 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 61

131 Vgl. ebd., S. 66

132 Vgl. ebd., S. 60

133 Ebd., S. 72

134 Vgl. ebd., S. 74

135 Vgl. ebd., S. 76 f.

136 Vgl. ebd., S. 78

137 Vgl. ebd., S. 82

138 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 214

139 Erler, G. (Hrsg.): Emilie und Theodor Fontane. Der Ehebriefwechsel in drei Bänden, Berlin 1998., S. 11, zitiert nach: Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 82

140 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 89 f.

141 Vgl. ebd., S. 114-117

142 Vgl. ebd., S. 145

143 Vgl. ebd., S. 162

144 Vgl. ebd., S. 150

145 Vgl. ebd., S. 217 f.

146 Vgl. ebd., S. 263 f.

147 Emilie Fontane zitiert nach: Nürnberger, H.: Theodor Fontane. Reinbek, 1997., S. 135. In: Kleinpaß, S.: Theodor Fontane. Literatur Kompakt. Bd. 2. Marburg: Tectum Verlag, 2012., S. 42

148 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 100 f.

149 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 319

150 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 106

151 Vgl. ebd., S. 118

152 Vgl. ebd., S. 125

153 Anm. Frauen evangelischer Konfession, die freiwillig in schwesterlicher Gemeinschaft und Ehelosigkeit lebten, den Dürftigen dienten und den Richtlinien des Mutterhauses folgten. Vgl. ebd., S. 130

154 Keitel, W., Nürnberger, H.: Theodor Fontane. Von Zwanzig bis Dreißig. Frankfurt am Main, 1998., S. 357, zitiert nach: Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 136

155 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 135 f.

156 Keitel, W., Nürnberger, H.: Theodor Fontane. Von Zwanzig bis Dreißig. Frankfurt am Main, 1998., S. 354, zitiert nach: Brühl, C.v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 138

157 Vgl. Brühl, C.v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 141 f.

158 Ebd., S. 141

159 Vgl. ebd., S. 147-149

160 Fontane, T.: Brief an Henriette von Merckel vom 26. November 1856. In: Die Fontanes und die Merckels. Ein Familienbriefwechsel. 1850-1870, Berlin und Weimar, 1987., S. 94, zitiert nach: Von Brühl, C.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 150

161 Vgl. Brühl, C.v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 155 f.

162 Vgl. ebd., S. 168

163 Vgl. ebd., S. 170

164 Anm. Adelige protestantische jungfräuliche Frauen, die sich entschieden, bzw. für sie ihre Eltern entschieden, das Leben dem Gott statt Ehemann zu widmen und so sich eine Wohnung und lebenlanges Gehalt im Kloster zu versichern. Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 167

165 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 173

166 Vgl. ebd., S. 179-181

167 Vgl. ebd., S. 186 f.

168 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 215

169 Vgl. ebd., S. 215

170 Vgl. Brühl, C.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 190

171 Vgl. ebd., S. 197

172 Vgl. ebd., S. 204

173 Vgl. ebd., S. 199 f.

174 Vgl. ebd., S. 198, 201

175 Vgl. ebd., S. 205

176 Dieterle, R.: Vater und Tochter. Erkundung einer erotisierten Beziehung in Leben und Werk Theodor Fontanes. Frankfurt am Main: 1996., S. 14, zitiert nach: Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 209

177 Vgl. Dieterle, R.: Vater und Tochter. Erkundung einer erotisierten Beziehung in Leben und Werk Theodor Fontanes. Frankfurt am Main: 1996., S. 135. In: Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 211

178 Vgl. Brühl, C. v.: Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen. Berlin: Aufbau Verlag, 2018., S. 219

179 Vgl. ebd., S. 220 f.

180 Vgl. Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 7

181 Anm. Erste Eisenbahn Deutschlands war die Ludwigsbahn (1835) von Nürnberg nach Fürth. Als erste Fernbahn folgte die 115 Kilometer lange Strecke zwischen Leipzig und Dresden (1837). Vgl. Brockhaus Enzyklopädie Online: „Eisenbahn.“ Brockhaus: NE GmbH. https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/eisenbahn [Zugriff am 17.03.2019]

182 Anm. Der Erfinder des elektrischen Telegrafen (1809) war ein Deutscher: Samuel Thomas von Soemmerring. Die ersten Morse-Apparate wurden 1848 an der Schiffsmeldelinie von Hamburg nach Cuxhaven installiert. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie Online: „Telegrafie.“ Brockhaus: NE GmbH. https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/telegrafie [Zugriff am 17.03.2019]

183 Anm. Die Rohrpost wurde nach Berlin am 1. Dezember 1876 eingeführt. Vgl. Götze, O.: „Mit Luft versendet. Rohrpost in Berlin.“ In: Museumsportal Berlin. https://www.museumsportal-berlin.de/de/magazin/blickfange/mit-luft-versendet/ [Zugriff am 17.03.2019]

184 Anm. 1826 nahm Joseph Nicéphore Niépce das erste beständige Bild auf. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie Online: „Fotografie.“ Brockhaus: NE GmbH. https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/fotografie-20 [Zugriff am 17.03.2019]

185 Vgl. Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 23

186 Vgl. ebd., S. 15

187 Vgl. ebd., S. 23

188 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 17-25

189 Anm. Noch um die Jahrhundertmitte besuchten nur rund 50-60 % der Kinder die Volksschule, um 1870 waren es schon 85-88 %. Vgl. Nusser, P.: Vom Barock bis zur Gegenwart. Deutsche Literatur. Eine Sozial- und Kulturgeschichte. Bd. 2. Darmstadt: WBG, 2012., S. 344

190 Anm. 1872 wurde die Setzmachine erfunden und auch die Rotationsmachine in Deutschland eingeführt, mit denen sich die Produktion der Texte beschleunigte und billiger gemacht wurde. Vgl. ebd., S. 344

191 Vgl. Nusser, P.: Vom Barock bis zur Gegenwart. Deutsche Literatur. Eine Sozial- und Kulturgeschichte. Bd. 2. Darmstadt: WBG, 2012., S. 345-347

192 Vgl. Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 27

193 Anm. Als Begründer gilt dabei Wilhelm Wundt, der 1879 das erste Institut für experimentelle Psychologie gegründet. Vgl. Blume, D.: „Chronik 1879.“ In : Lebendiges virtuelles Museum Online. Berlin: Deutsches Historisches Museum, 4.09.2014. https://www.dhm.de/lemo/jahreschronik/chronik-1879.html [Zugriff am 17.03.2019]

194 Vgl. Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 27

195 Anm. In seiner Religionskritik Das Wesen des Christentum (1841) beschreibt Feuerbach Religion als eine Ilusion und Gott als Schaffen des Menschen. Vgl. Rinsum, A. v. / Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 28

196 Vgl. ebd., S. 28

197 Vgl. ebd., S. 29

198 Vgl. ebd., S. 29 f.

199 Sein Werk Die Welt als Wille und Vorstellung wurde schon 1819 herausgegeben. Vgl. Rinsum, A. v. / Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 30

200 Vgl. ebd., S. 30-32

201 Vgl. ebd., S. 32 f.

202 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 24-25

203 Vgl. Jansen, J. u.a.: März-Revolution, Reichsgründung und die Anfänge des Imperialismus. Einführung in die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts. Bd. 2. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1984., S. 20

204 Vgl. Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 7

205 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 10

206 Vgl. Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 10

207 Aust, H. : Literatur des Realismus. 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Stuttgart: J. B. Metzler, 2000., S. 26

208 Vgl. Jansen, J. u.a.: März-Revolution, Reichsgründung und die Anfänge des Imperialismus. Einführung in die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts. Bd. 2. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1984., S. 20 f.

209 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 49-49

210 Vgl. ebd., S. 49-49

211 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 493

212 Vgl. ebd., S. 36

213 Vgl. Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 492 f.

214 Vgl. Cowen, C. R.: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985., S. 14

215 Auerbach, E.: Mimesis. Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen Literatur. Bern 1946, S. 437, zitiert nach: Jansen, J. u.a.: März-Revolution, Reichsgründung und die Anfänge des Imperialismus. Einführung in die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts. Bd. 2. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1984., S. 22

216 Vgl. ebd., S. 22

217 Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 12

218 Vgl. ebd., S. 19

219 Vgl. Aust, H. : Literatur des Realismus. 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Stuttgart: J. B. Metzler, 2000., S. 25

220 Vgl. Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 71

221 Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 35

222 Vgl. ebd., S. 35

223 Vgl. Jansen, J. u.a.: März-Revolution, Reichsgründung und die Anfänge des Imperialismus. Einführung in die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts. Bd. 2. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1984., S. 21-22

224 Fontane, T.: Gustav Freytag – Die Ahnen, zitiert nach: Jansen, J. u.a.: März-Revolution, Reichsgründung und die Anfänge des Imperialismus. Einführung in die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts. Bd. 2. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1984., S. 22

225 Fontane, T.: Literarische Essays und Studien. Erster Teil. Hrsg. v. K. Schreiner. München 1963. Zweiter Teil. Hrsg. v. R. Bachmann und E. Gross. München 1972., S. 13, zitiert nach: Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 43

226 Aust, H. : Literatur des Realismus. 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage, Stuttgart: J. B. Metzler, 2000., S. 34, zitiert nach: Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 44

227 Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 52

228 Vgl. Ebd., S. 52 f.

229 Fontane, T.: Aus dem Nachlaß, S. 269, zitiert nach: Jansen, J. u.a.: März-Revolution, Reichsgründung und die Anfänge des Imperialismus. Einführung in die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts. Bd. 2. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1984., S. 230

230 Vgl. Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 46

231 Anm. Wilhelm Busch (1832-1908) war ein Deutscher humoristischer Dichter und Zeichner, charakteristisch durch seinen schwarzen Humor und seinen bösen Blick auf die Gesellschaft, Autor von Max und Moritz. Vgl. Nusser, P.: Vom Barock bis zur Gegenwart. Deutsche Literatur. Eine Sozial- und Kulturgeschichte. Bd. 2. Darmstadt: WBG, 2012., S. 424 f.

232 Fontane, T.: Literarische Essays und Studien. Erster Teil. Hrsg. v. K. Schreiner. München 1963. Zweiter Teil. Hrsg. v. R. Bachmann und E. Gross. München 1972., S. 211, zitiert nach: Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 45

233 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 35

234 Vgl. Geist, A.: Effi Briest - Theodor Fontane: Inhalt, Hintergrund, Interpretation. München: Mentor-Verlag, 1997., S. 20

235 Vgl. ebd., S. 20

236 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 26

237 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 36

238 Vgl. Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 47

239 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 36

240 Anm. „Novel“ ist ein Begriff, der zwar als „Roman“ übersetzt wird, den man aber in deutschsprachigen Ländern eher auf den „bürgerlichen Roman“ einschrenkt. Die Deutschen pflegen z. B. auch die späthellenistische Liebes- und Abenteuerromane als Romane zu bezeichnen; in England werden diese „romance“ genannt. Beide „romance“ und „novel“ haben die gleiche Erzähltechnik, aber sie sind anders kulturell und gesellschaftlich bedingt. Vgl. Gelfert, H.: Wie interpretiert man einen Roman? Stuttgart: Philipp Reclam jun., 1993., S. 7

241 Anm. In England gehörten zu den ersten „novels“ der abenteuerliche Roman von Daniel Defoe Robinson Crusoe (1719) und die empfindsame Briefromane von Samuel Richardson Pamela (1740) und Clarissa (1748). Dem letztgenannten Genre folgte Johann Wolfgang von Goethe mit seinem Werk Die Leiden des jungen Werther (1774).

242 Anm. Erzählerische Prosa war marginal vor allem in den Epochen der Aufklärung, Sturm und Drang und Romantik.

243 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 529

244 Vgl. Glosíková, V., Tvrdík, M. a kol.: Slovník německy píšících spisovatelů (Německo). Praha: Libri, 2018., S. 35

245 Vgl. Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 51 f.

246 Metzler Lexikon. Literatur. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Hrsg. v. D. Burdorf, C. Fasbender u. a.. Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler, 2007., S. 839

247 Ebd., S. 839

248 Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 49

249 Fontane, T.: Scherenberg-Buch, 1884., zitiert nach: Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 49

250 Metzler Lexikon. Literatur. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Hrsg. v. D. Burdorf, C. Fasbender u. a.. Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler, 2007., S. 286

251 Ebd., S. 286

252 Sachwörterbuch der Literatur. 8., verbesserte und erweiterte Auflage. Hrsg. v. Gero von Wilpert. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 2001., S. 310

253 Anm. Die Zeit vor dem Leben des Autors, außerhalb seiner persönlichen Lebenserfahrung.

254 Anm. Die Zeit innerhalb der persönlichen Lebenserfahrung des Autors.

255 Wörterbuch der Literaturwissenschaft. 1. Auflage. Hrsg. v. C. Träger. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1986., S. 191

256 Metzler Lexikon. Literatur. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Hrsg. v. D. Burdorf, C. Fasbender u. a.. Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler, 2007., S. 180

257 Anm. Einige Literaturhistoriker akzeptieren jedoch den Terminus Gesellschaftsroman erst bei dem Roman Buddenbrocks (1901) von Thomas Mann. Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 643

258 Metzler Lexikon. Literatur. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. Hrsg. v. D. Burdorf, C. Fasbender u. a.. Stuttgart, Weimar: Verlag J. B. Metzler, 2007., S. 840

259 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 643

260 Epochen der deutschen Literatur. Gesamtausgabe. Hrsg. v. J. Bark, D. Steinbach u. H. Wittenberg. Stuttgart: Klett, 1989., S. 312

261 Nusser, P.: Vom Barock bis zur Gegenwart. Deutsche Literatur. Eine Sozial- und Kulturgeschichte. Bd. 2. Darmstadt: WBG, 2012., S. 427

262 Vgl. ebd., S. 427

263 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 686

264 Vgl. Balzer, B.: Einführung in die Literatur des Bürgerlichen Realismus. Darmstadt: WGB, 2006., S. 72

265 Epochen der deutschen Literatur. Gesamtausgabe. Hrsg. v. J. Bark, D. Steinbach u. H. Wittenberg. Stuttgart: Klett, 1989., S. 318 f.

266 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 17

267 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 314 f.

268 Fontane, T.: Briefe an seine Familie. Bd. 2. Berlin: Fontane & Co, 1906., S 65, zitiert nach: Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 687

269 Vgl. Cowen, C. R.: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985., S. 332 f.

270 Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 672

271 Grieve, H.: „Frau Jenny Treibel und Frau Wilhelmine Buchholz. Fontanes Roman und die Populärliteratur.“ In: Formen realistischer Erzählkunst. Nottingham, 1979., S. 542, zitiert nach: Cowen, C. R.: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985., S. 335

272 Vgl. Cowen, C. R.: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985., S. 342-343

273 Fontane, T. : Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982., S. 47

274 Ebd., S. 91

275 Ebd., S. 109

276 Vgl. Vedder, U.: „In den Ton ausgesprochenster Wirklichkeit verfallend.“ Poesie und Prosa in Fontanes „Frau Jenny Treibel“. In: Herausforderungen des Realismus. Theodor Fontanes Gesellschaftsromane, Hrsg. v. P.U. Hohendahl, U. Vedder, Freiburg: Rombach, 2018., S. 198

277 Vgl. ebd., S. 200

278 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 672

279 Ebd., S. 686

280 Vgl. Cowen, C. R.: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985., S. 334

281 Vgl. Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 135 f.

282 Vgl. Selbmann, R.: „Die Décadence unterwandert die Gründerzeit.“ Epochengeschichtliche Überlegungen zu einigen Figuren aus Theodor Fontanes Romanen. In: Die Decadence ist da. Theodor Fontane und die Literatur der Jahrhundertwende, Hrsg. v. G. Radecke, Würzburg: Königshausen und Neumann, 2002., S. 35-40

283 Ebd., S. 40

284 Vgl. Cowen, C. R.: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985., S. 336 f.

285 Vgl. ebd., S. 342

286 Fontane, T.: Brief an Paul Schlenther, 26. April 1888, zitiert nach: Cowen, C. R.: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985., S. 335

287 Vgl. Mende, D..: „Regula-de-tri, ein Nachwort.“ In: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't, verfasst von Fontane, T., S. 190-217. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982., S. 193 f.

288 Vgl. Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 7

289 Anm. Auf dem Deckel der Bücher wurde das Erscheinungsjahr 1893 gedruckt. Vgl. ebd., S. 7

290 Anm. Herrmann Gerson (1813–1861) war ein jüdischer Kaufmann und Gründer des ersten Berliner Kaufhauses. Im Kaufhaus „Gerson“ verkaufte man vor allem Konfektionskleidung und der Besuch des Kaufhauses war für die Zeitgenossen ein Erlebnis. Vgl. Kessemeier, G.: Herrmann Gerson. Das erste Berliner Modekaufhaus. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag, 2016, S. 14–19.

291 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 383

292 Vgl. ebd., S. 379

293 Vgl. Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 8-10

294 Fontane, T.: Brief an Mete, 18. April 1884., in Fontane, T.: Sämtliche Werke. Hrsg. v. W. Keitel. Bd. 4. München: Hanser, 1963., 718 f., zitiert nach: Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 9

295 Fontane, T.: Brief an Mete, 25. August 1891., in Fontane, T.: Sämtliche Werke. Hrsg. v. W. Keitel. Bd. 4. München: Hanser, 1963., 718 f., zitiert nach: Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 9

296 Shafarschik, W .: Erläuterung und Dokumente zu Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2002., S. 63

297 Vgl. Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 7

298 Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 135

299 Vgl. Bürgerlicher Realismus und Gründerzeit 1848 – 1890. Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart / begr. von R. Grimminger. Bd. 6. Hrsg. v. E. McInnes und G. Plumpe. München, Wien: Carl Hanser Verlag, 1996., S. 680

300 Anm. Anhand einiger Stellen erschließt R. Schäfer das Jahr 1888. Vgl. Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 15

301 Anm. Im Deutschen Kaiserreich war Kommerzienrat ein Ehrentitel für Finanzleute und Unternehmer. Vgl. Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 44

302 Anm. Anspielung auf die sog. Sieben Weisen Griechenlands aus dem 7. und 6. Jh. v. Chr. Vgl. Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 47

303 Anm. See und Stadtteil im Westen Berlins. Vgl. Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 50

304 Fontane, T. Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 7

305 Ebd., S. 7

306 Mende, D.: „Regula-de-tri, ein Nachwort.“ In: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't, verfasst von Fontane, T., S. 190-217. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982., S. 200

307 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 8

308 Ebd., S. 15

309 Ebd., S. 16

310 Ebd., S. 15

311 Ebd., S. 29

312 Ebd., S. 29

313 Ebd., S. 8

314 Ebd., S. 8

315 Anm. Feingegerbtes Hammel- oder Ziegenleder; benannt nach Maroko. Vgl. Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 225

316 Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 134

317 Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 24

318 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 380

319 Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 24

320 Ebd., S. 24

321 Anm. Englisch für „ein wenig pompös“. Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 40

322 Rinsum, A. v., Rinsum, W. v.: Realismus und Naturalismus. Deutsche Literaturgeschichte. Bd. 7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 1994., S. 134

323 Vgl. ebd., S. 134

324 Fontane, T. : Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 29

325 Ebd., S. 30

326 Ebd., S. 48

327 Ebd., S. 10

328 Ebd., S. 10

329 Ebd., S. 124

330 Vgl. ebd., S. 120

331 Ebd., S. 122

332 Ebd., S. 141

333 Mende, D.: „Regula-de-tri, ein Nachwort.“ In: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't, verfasst von Fontane, T., S. 190-217. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982., S. 202

334 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 13

335 Ebd., S. 13

336 Ebd., S. 80

337 Ebd., S. 80

338 Ebd., S. 80

339 Ebd., S. 124

340 Ebd., S. 124

341 Ebd., S. 11

342 Ebd., S. 11

343 Ebd., S. 12

344 Ebd., S. 30

345 Ebd., S. 80

346 Anm. Mehr über George Herwegh und Fontanes Beziehung zu ihm im Kapitel 1.1.2

347 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 9

348 Ebd., S. 9

349 Vgl. Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 45 f.

350 Anm. Hamburger Villenvorort. Vgl. Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 51

351 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 124

352 Ebd., S. 9

353 Vgl. ebd., S. 15

354 Ebd., S. 10

355 Ebd., S. 11

356 Vgl. ebd., S. 16

357 Vgl. ebd., S. 14

358 Vgl. ebd., S. 14

359 Ebd., S. 141

360 Ebd., S. 156

361 Ebd., S. 154

362 Ebd., S. 185

363 Ebd., S. 185

364 Vgl. ebd., S. 121

365 Ebd., S. 14

366 Vgl. ebd., S. 121

367 Ebd., S. 15

368 Ebd., S. 80

369 Ebd., S. 121

370 Ebd., S. 80

371 Ebd., S. 122

372 Ebd., S. 14

373 Ebd., S. 121

374 Ebd., S. 121

375 Ebd., S. 121

376 Vgl. ebd., S. 121

377 Ebd., S. 12

378 Ebd., S. 154

379 Ebd., S. 158

380 Ebd., S. 158

381 Ebd., S. 156

382 Ebd., S. 157

383 Ebd., S. 161

384 Ebd., S. 189

385 Ebd., S. 123

386 Ebd., S. 127

387 Ebd., S. 123

388 Ebd., S. 86

389 Ebd., S. 151

390 Ebd., S. 151

391 Vgl. ebd., S. 153

392 Anm. Ältester künstlicher tiefblauer Farbstoff. Die reale Unternehmerfamilie Kunheim, Fontanes Vorbild für Treibels, waren Besitzer von chemischen Fabriken zur Produktion von Berliner Blau. Vgl. „Berliner Blau.“ In: Chemie.de. https://www.chemie.de/lexikon/Berliner_Blau.html [Zugriff am 30.06.2019]

393 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 141

394 Ebd., S. 25

395 Ebd., S. 121

396 Vgl. ebd., S. 121

397 Ebd., S. 183

398 Ebd., S. 121

399 Ebd., S. 147

400 Ebd., S. 116

401 Ebd., S. 44

402 Ebd., S. 82

403 Vgl. ebd., S. 82

404 Ebd., S. 148

405 Ebd., S. 150

406 Ebd., S. 86

407 Ebd., S. 86

408 Ebd., S. 98

409 Ebd., S. 98

410 Vgl. ebd., S. 123

411 Ebd., S. 86

412 Ebd., S. 98

413 Ebd., S. 124

414 Ebd., S. 124

415 Ebd., S. 142

416 Ebd., S. 142

417 Ebd., S. 142

418 Ebd., S. 143

419 Ebd., S. 144

420 Ebd., S. 144

421 Ebd., S. 12

422 Ebd., S. 30

423 Ebd., S. 86

424 Ebd., S. 80

425 Ebd., S. 87

426 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 185

427 Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 381

428 Vgl. ebd., S. 381

429 Ebd., S. 381

430 Vgl. Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 11

431 Anm. Der Name ist eine Anspielung auf den englischen Admiral Horatio Viscount Nelson (1758-1805), den Sieger der Seeschlacht von Trafalgar (1805). Vgl. Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 44

432 Anm. Englisch für „schnell und gescheit“. Vgl. Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 35

433 Anm. Englisch für „unterhaltsam“. Vgl. ebd., S. 125

434 Anm. Englisch für „feurig“. Vgl. ebd., S. 125

435 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 53

436 Ebd., S. 141

437 Ebd., S. 126

438 Ebd., S. 159

439 Ebd., S. 159

440 Vgl. ebd., S. 51

441 Ebd., S. 55

442 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 154

443 Vgl. Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 70

444 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 46

445 Ebd., S. 37

446 Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 70

447 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 112

448 Ebd., S. 112

449 Anm. Mehr über Lette-Verein und Ausbildung der Frauen im 19. Jht im Kapitel 1.3.1

450 Ebd., S. 159

451 Ebd., S. 138

452 Vgl. ebd., S. 138

453 Ebd., S. 11

454 Vgl. ebd., S. 54

455 Vgl. ebd., S. 78

456 Ebd., S. 137

457 Ebd., S. 12

458 Ebd., S. 71

459 Ebd., S. 75

460 Ebd., S. 75

461 Ebd., S. 14

462 Ebd., S. 12

463 Ebd., S. 12

464 Ebd., S. 78

465 Ebd., S. 78

466 Ebd., S. 112

467 Ebd., S. 16

468 Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 31

469 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 139

470 Ebd., S. 159

471 Ebd., S. 159

472 Ebd., S. 160

473 Ebd., S. 160

474 Ebd., S. 160

475 Ebd., S. 166

476 Vgl. ebd., S. 112

477 Ebd., S. 148

478 Ebd., S. 148

479 Vgl. Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 27

480 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 93

481 Ebd., S. 99

482 Ebd., S. 86

483 Ebd., S. 99

484 Ebd., S. 99

485 Ebd., S. 167

486 Anm. Nach dem vierten Gebot, auch Elterngebot genannt, einem der zehn Gebote der christlichen Kirche, soll man seine Eltern ehren.

487 Ebd., S. 168

488 Ebd., S. 182

489 Ebd., S. 56

490 Ebd., S. 56

491 Ebd., S. 56

492 Ebd., S. 76

493 Ebd., S. 76

494 Ebd., S. 75

495 Ebd., S. 50

496 Ebd., S. 50

497 Ebd., S. 180

498 Ebd., S. 180

499 Ebd., S. 185

500 Ebd., S. 11

501 Ebd., S. 11

502 Vgl. ebd., S. 33

503 Vgl. ebd., S. 128

504 Anm. Französisch für „vollendete Tatsache“. Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 128

505 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 77

506 Ebd., S. 182

507 Ebd., S. 55

508 Ebd., S. 131

509 Ebd., S. 180

510 Vgl. ebd., S. 176

511 Ebd., S. 177

512 Ebd., S. 176

513 Vgl. ebd., S. 182 f.

514 Vgl. ebd., S. 53

515 Ebd., S. 137

516 Ebd., S. 53

517 Ebd., S. 159

518 Ebd., S. 159

519 Ebd., S. 160

520 Ebd., S. 176

521 Ebd., S. 176

522 Ebd., S. 180

523 Ebd., S. 101

524 Ebd., S. 182

525 Vgl. ebd., S. 182 f.

526 Ebd., S. 182

527 Anm. Synonym für „untersetzte“. Vgl. Schede, H.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Lektüreschlüssel. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2014., S. 44

528 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 8

529 Ebd., S. 8

530 Ebd., S. 173

531 Ebd., S. 171

532 Ebd., S. 132 f.

533 Ebd., S. 133

534 Ebd., S. 133

535 Ebd., S. 171

536 Ebd., S. 135

537 Ebd., S. 130

538 Vgl. ebd., S. 138 f.

539 Vgl. ebd., S. 68

540 Vgl. ebd., S. 131

541 Ebd., S. 131

542 Ebd., S. 101

543 Ebd., S. 172

544 Ebd., S. 172

545 Ebd., S. 172

546 Vgl. ebd., S. 138 f.

547 Ebd., S. 140

548 Ebd., S. 172

549 Ebd., S. 131

550 Ebd., S. 137

551 Ebd., S. 140

552 Ebd., S. 171

553 Ebd., S. 172

554 Ebd., S. 172

555 Ebd., S. 171

556 Ebd., S. 172

557 Vgl. ebd., S. 174

558 Vgl. ebd., S. 15

559 Ebd., S. 66

560 Ebd., S. 169

561 Ebd., S. 173

562 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 134

563 Ebd., S. 71

564 Vgl. Schäfer, R.: Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel. Interpretation. Oldenbourg Interpretationen. Bd. 12. München: Oldenbourg Verlag, 1988., S. 38

565 Anm. Mehr über Fontane und seine Liebe zu England im Kapitel 1.1.3

566 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 85

567 Ebd., S. 85

568 Vgl. ebd., S. 90

569 Vgl. ebd., S. 33

570 Ebd., S. 123

571 Anm. Englisch für „so niedrig, so gewöhnlich“. Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 90

572 Anm. Ein Stadtteil Hamburgs.

573 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 119

574 Anm. Seifenmarke.

575 Ebd., S. 119

576 Vgl. ebd., S. 86

577 Ebd., S. 87

578 Ebd., S. 91

579 Ebd., S. 153

580 Ebd., S. 154

581 Ebd., S. 84

582 Ebd., S. 84

583 Ebd., S. 84

584 Ebd., S. 154

585 Ebd., S. 91

586 Vgl. ebd., S. 85

587 Ebd., S. 119

588 Ebd., S. 118

589 Anm. Bitt- und Bußgang König Heinrichs IV. (1050-1106) zur Burg Canossa, vor der er 1077 drei Tage barfuß im Büßergewand wartete, um den Papst Gregor VII. zu erweichen. Heute im übertragenen Sinne für einen als erniedrigend empfundener Bittgang verwendet. Vgl. Brockhaus Enzyklopädie Online: „Canossa.“ Brockhaus: NE GmbH. https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/canossa [Zugriff am 22.06.2019]

590 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 120

591 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 88

592 Ebd., S. 88

593 Ebd., S. 109

594 Ebd., S. 110

595 Ebd., S. 88

596 Vgl. ebd., S. 89

597 Vgl. ebd., S. 89 f.

598 Ebd., S. 110

599 Ebd., S. 86

600 Anm. Berlinerisch für „eine eingebildete dumme Frau“. Vgl. Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 252

601 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 124

602 Ebd., S. 84

603 Ebd., S. 93

604 Ebd., S. 93

605 Ebd., S. 93

606 Vgl. ebd., S. 153

607 Ebd., S. 164

608 Ebd., S. 164

609 Ebd., S. 184

610 Vgl. ebd., S. 184

611 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 33

612 Vgl. ebd., S. 7

613 Vgl. ebd., S. 82

614 Ebd., S. 35

615 Ebd., S. 140

616 Vgl. ebd., S. 108

617 Ebd., S. 108

618 Ebd., S. 90

619 Ebd., S. 111

620 Ebd., S. 111

621 Ebd., S. 110

622 Ebd., S. 110

623 Vgl. ebd., S. 185

624 Vgl. Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982., S. 30

625 Ebd., S. 24

626 Ebd., S. 24

627 Ebd., S. 41

628 Anm. Englisch für „ein wenig lächerlich“. Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 40

629 Ebd., S. 41

630 Ebd., S. 31

631 Fontane, T.: Frau Jenny Treibel oder wo sich Herz zum Herzen find't. München: Wilhelm Goldmann Verlag, 1982, S. 142

632 Ebd., S. 142

633 Vgl. ebd., S. 47 f.

634 Vgl. ebd., S. 185

635 Ebd., S. 185

636 Vgl. ebd., S. 172

637 Vgl. Ohff, H.: Theodor Fontane: Leben und Werk. München: Piper, 1995., S. 397

638 Fontane, T.: Brief an Colmar Grünhagen, 10.10.1895, zitiert nach: Cowen, C. R.: Der Poetische Realismus. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler Verlag, 1985., S. 359

117 von 117 Seiten

Details

Titel
Gewinnerinnen und Verliererinnen. Frauenbilder in Theodor Fontanes Roman Frau Jenny Treibel
Hochschule
Univerzita Karlova v Praze  (Germanistik)
Note
1.0
Autor
Jahr
2019
Seiten
117
Katalognummer
V1143476
ISBN (eBook)
9783346520494
ISBN (Buch)
9783346520500
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fontane, Gesellschaft, Frau, Frauenrolle, Realismus, Liebe, Ehe, Verantwortung, Berlin, Emanzipation, Bourgeoisie, soziale Normen, sozialkritischer Roman, Druck der Gesellschaft
Arbeit zitieren
Iva Jansova (Autor:in), 2019, Gewinnerinnen und Verliererinnen. Frauenbilder in Theodor Fontanes Roman Frau Jenny Treibel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1143476

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Gewinnerinnen und Verliererinnen. Frauenbilder in Theodor Fontanes Roman Frau Jenny Treibel



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden