Ab den 40er-Jahren bildete sich in den USA eine Bewegung, die sich kritisch mit der europäischen Malereitradition auseinandersetzte. Maler wie Clyfford Still, Jackson Pollock, Barnett Newman, Mark Rothko und Frank Stella befragten deren Grundlagen und bezogen neue Positionen. Sie schufen Werke mit einer neuen Bildkonzeption und einer neuen Beziehung zum Betrachter. Die vorliegende Arbeit skizziert die Entwicklung dieser Jahre und erläutert die zentralen konzeptionellen und bildnerischen Aspekte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Bemerkung zum Referat
2. Ausgangssituation der amerikanischen Malerei
3. Abgrenzung von der europäischen Malerei
4. Clyfford Still und die neue Bildkonzeption
5. Jackson Pollock: „Action Painting“
6. Frage der Bildbegrenzung bei Still und Pollock
7. Das Verhältnis zur Malereitradition
7. Barnett Newman und die „transzendentale Erfahrung“
9. Aufhebung der Balance als Gestaltungsprinzip
10. Gestaltlosigkeit als Gestaltungsprinzip
11. Transformation, Transzendenz der Bildfläche
12. Befreiung der Farbe
13. Kunst als Ethik
14. Ausdruck der ursprünglichen Strukturen des Lebens
15. Mark Rothko: innere Befreiung
16. Identitätsproblematik
17. Differenz von Abstraktem Expressionismus und Subjektivismus
18. Minimal Art: Distanzierung vom Abstrakten Expressionismus
19. Minimal Art und Pop Art
20. Grundlegende Konzeption der Minimal Art
21. Kunstkonzeption der Minimal Art: Non-relational Art
22. Die neue Beziehung zum Betrachter
24. Besondere Position Frank Stellas
25. Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und die spezifische Bildkonzeption der amerikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts im Kontext des Abstrakten Expressionismus und der Minimal Art. Ziel ist es, die Abgrenzung zur europäischen Tradition, die veränderte Rolle des Betrachters sowie die Suche nach einer eigenständigen künstlerischen Identität im amerikanischen Kontext herauszuarbeiten.
- Die Auflösung der relationalen Bildkomposition in der modernen amerikanischen Malerei.
- Die Bedeutung von Transzendenz und Erhabenheit bei Künstlern wie Clyfford Still und Barnett Newman.
- Die methodischen Unterschiede zwischen Action Painting und der Minimal Art.
- Die Rolle der Wahrnehmung und die neue Beziehung zwischen Kunstwerk und Betrachter.
- Die kritische Reflexion des Individuums und seiner Identität im künstlerischen Prozess.
Auszug aus dem Buch
4. Clyfford Still und die neue Bildkonzeption
Betrachtet man die Gemälde Stills, so scheint eine Bildkomposition tatsächlich nicht mehr auffindbar zu sein. Züngelnd flammenförmige Bildelemente enervieren die Bildfläche, lassen dabei einen Großteil der Fläche frei und fügen sich nicht in ein Ordnungsschema ein. Und dennoch ist das Bild organisiert. K. Kuh spricht von „those seemingly spontanous, yet calculated fields of color“ (Katalog Metropolitan Museum New York, 1979). Das Gemälde wird zu einem Kraftfeld, scheint sich zu immaterialisieren: „I never wanted color to be color. I never wanted texture to be texture, or images to become shapes. I wanted them all to fuse into living spirit“. (ebenda)
Ein solches Kraftfeld kann aber nur entstehen, indem einzelne Bildelemente in die umgebende Bildfläche hineinwirken. Somit entsteht eine Spannung der Bildelemente untereinander. Dies ist keine Komposition mehr im herkömmlichen Sinne, in der die Bildelemente ausbalanciert werden. Es entsteht keine hierarchische Ordnung mehr. Jedes Bildelement ist gleich wichtig für den Gesamtausdruck. Und dennoch beziehen sich die einzelnen Elemente aufeinander. Daraus resultiert, dass diese Malerei genau genommen wiederum eine „relationale“ Malerei ist. Ein grundlegender Unterschied kann in dieser Hinsicht nicht zur europäischen Malerei aufgewiesen werden. Aber vielleicht ein anderer. So stellt die Größe des Formats eine Neuerung dar. Ein solches Format steigert die Wirkung des Bildes auf den Betrachter. Dieser wird überwältigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Bemerkung zum Referat: Einführung in das Thema der amerikanischen Kunst im Stedelijk-Museum und die Bedeutung der Exponate für die Analyse.
2. Ausgangssituation der amerikanischen Malerei: Überblick über die frühen Bestrebungen zur Unabhängigkeit vom europäischen Einfluss und die Rolle der „Modernen“.
3. Abgrenzung von der europäischen Malerei: Darstellung der Hinwendung zu einer radikalen, abstrakten Bildkonzeption in den 40er-Jahren.
4. Clyfford Still und die neue Bildkonzeption: Analyse der Auflösung herkömmlicher Komposition zugunsten dynamischer Kraftfelder.
5. Jackson Pollock: „Action Painting“: Untersuchung des Malvorgangs als wesentliches Element bei Pollock.
6. Frage der Bildbegrenzung bei Still und Pollock: Betrachtung der Spannung der Bildfläche und des Bezugs zur Imagination.
7. Das Verhältnis zur Malereitradition: Diskussion der Haltung zur Tradition bei Still und Pollock.
7. Barnett Newman und die „transzendentale Erfahrung“: Erörterung des Bruchs mit der europäischen Tradition durch Newman.
9. Aufhebung der Balance als Gestaltungsprinzip: Beschreibung der Abkehr von Symmetrie und Ausgewogenheit bei Newman.
10. Gestaltlosigkeit als Gestaltungsprinzip: Untersuchung der Wirkung großformatiger Bilder auf die Wahrnehmung des Betrachters.
11. Transformation, Transzendenz der Bildfläche: Beschreibung des optischen Illusionismus durch die „zips“ bei Newman.
12. Befreiung der Farbe: Diskussion der Farbe als reiner Ausdruck jenseits der Form.
13. Kunst als Ethik: Reflexion über die moralische Dimension und die Wirkung auf den Betrachter.
14. Ausdruck der ursprünglichen Strukturen des Lebens: Vergleich des Erhabenen bei Still und Newman.
15. Mark Rothko: innere Befreiung: Analyse von Rothkos Ansatz zur spirituellen Wirkung seiner Werke.
16. Identitätsproblematik: Betrachtung der Suche nach Identität im amerikanischen Kontext.
17. Differenz von Abstraktem Expressionismus und Subjektivismus: Klarstellung, dass es nicht um subjektiven Ausdruck, sondern um existenzielle Strukturen geht.
18. Minimal Art: Distanzierung vom Abstrakten Expressionismus: Einführung in die Abkehr von Pathos und Expression.
19. Minimal Art und Pop Art: Diskussion des Einflusses der Anonymität und der Aufhebung von Hierarchien.
20. Grundlegende Konzeption der Minimal Art: Erläuterung der Fokusverschiebung auf die reine Wahrnehmung.
21. Kunstkonzeption der Minimal Art: Non-relational Art: Untersuchung des Konzepts der Autonomie der Bildelemente.
22. Die neue Beziehung zum Betrachter: Beschreibung der Unmittelbarkeit zwischen Werk und Betrachter.
24. Besondere Position Frank Stellas: Einordnung von Stellas Reflexion über Buchstäblichkeit.
25. Schlusswort: Resümee des Durchgangs durch die moderne Kunstphase.
Schlüsselwörter
Amerikanische Malerei, Abstrakter Expressionismus, Minimal Art, Clyfford Still, Jackson Pollock, Barnett Newman, Mark Rothko, Frank Stella, Bildkonzeption, Transzendenz, Wahrnehmung, Relation, Bildfläche, Identität, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die stilistische und konzeptionelle Entwicklung der amerikanischen Kunst des 20. Jahrhunderts, insbesondere den Übergang vom Abstrakten Expressionismus zur Minimal Art.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von der europäischen Malereitradition, die Neuinterpretation der Bildfläche, das Verhältnis von Kunst und Betrachter sowie die Frage nach dem „Sublimen“.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die interne Logik der neuen amerikanischen Bildkonzeptionen zu analysieren und aufzuzeigen, wie sich diese von traditionellen relationalen Kompositionsmodellen distanzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen, Künstleraussagen sowie einschlägiger kunsttheoretischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse einzelner Künstler (Still, Pollock, Newman, Rothko, Stella) und Strömungen (Minimal Art), wobei jeweils spezifische Gestaltungsmittel untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Abstraktion, Bildkonzeption, Transzendenz, non-relational, Wahrnehmung, Betrachterbeziehung und die Identitätsproblematik des Individuums.
Warum spielt Clyfford Still eine so wichtige Rolle für die Untersuchung?
Still gilt als radikaler Vertreter der Abkehr von der europäischen Tradition; sein Werk dient als Ausgangspunkt, um die Auflösung der Komposition zu veranschaulichen.
Wie unterscheidet sich die Minimal Art von Barnett Newmans Ansatz?
Während Newman eine „transzendentale Erfahrung“ anstrebt, lehnt die Minimal Art solche geistigen Überfrachtungen ab und fokussiert sich rein auf die faktische Wahrnehmung des Objekts.
Was versteht man in der Arbeit unter einer "Non-relational Art"?
Es ist ein Konzept, bei dem die Teile eines Werkes ihre Autonomie bewahren und gleichwertig sind, statt sich einer hierarchischen Komposition unterzuordnen.
Welche besondere Rolle nimmt Frank Stella ein?
Stella wird als Sonderfall betrachtet, da er die faktische, minimalistische Herangehensweise mit einer eigenen Reflexion über die „Buchstäblichkeit“ des Kunstwerks verbindet.
- Citation du texte
- Bernhard Paha (Auteur), 1992, Die amerikanische Kunst im Stedelijk-Museum in Amsterdam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1144043