Demenz und Personsein


Studienarbeit, 2008
32 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Demenz und Gesellschaft
2.1. Zur demographischen Entwicklung in Deutschland
2.2. Statistische Daten zu Demenz und deren Bedeutung für die BRD

3. Krankheitsbild „Demenz“
3.1. Arten von Demenz
3.2. Pathologie & Symptome
3.3. Krankheitsverlauf

4. Der person-zentrierte Ansatz von T. Kitwood
4.1. Die Bedeutung des Personseins
4.2. Die Psychodynamik des Ausgrenzens und das Untergraben des Personseins
4.3. Die Dialektik der Demenz
4.4. Was brauchen Menschen mit Demenz?
4.5. Positive Arbeit an der Person

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich möchte mich in dieser Studienarbeit näher mit dem Thema „Demenz“, seiner Bedeutung für die deutsche Gesellschaft und neue Wege des Umgangs mit demenziell erkrankten Menschen beschäftigen.

Hierzu werde ich zunächst auf die demographische Entwicklung in Deutschland und statistische Daten zu Demenz eingehen. Im Folgenden beschäftige ich mich näher mit dem Krankheitsbild Demenz, typischen Symptomen und dem allgemeinen Krankheitsverlauf.

Im dritten Teil setze ich mich dem Person-zentrierten Ansatz von Tom Kitwood, seinen Grundlagen und Möglichkeiten auseinander.

In schließe meine Arbeit mit einem Fazit, in dem ich knapp meine Gedanken zum Thema Demenz und dem „neuen Paradigma“ von Kitwood reflektiere.

2. Demenz und Gesellschaft

2.1. Zur demographischen Entwicklung in Deutschland

Durch die Lebensbedingungen in modernen Gesellschaften ist „das Alter“ zu einem Lebensabschnitt geworden, den heutzutage die meisten Menschen erreichen und auch immer mehr Menschen treten in die Lebensphase der Hochaltrigkeit[1] ein. In den alten Bundesländern stieg die Zahl der Menschen, die ihren 100. Geburtstag feiern konnten zwischen 1965 und 1998 von 158 auf 2501 Personen, (vgl. BmFSFJ (Hrsg.), 2002, S. 57) Dem vierten Altenbericht der Bundesregierung zufolge ist Deutschland bereits heute weltweit das Land mit dem vierthöchsten Altersdurchschnitt und das Land mit dem dritthöchsten Anteil der Bevölkerung ab 60 Jahren, obwohl es hinsichtlich der Lebenserwartung eigentlich nur Platz 21 im internationalen Vergleich einnimmt. Aufgrund der rückläufigen Bevölkerung im Familiengründungsalter und der zusätzlich anhaltend niedrigen Geburtenrate ist die Gesamtbevölkerungszahl jedoch rückläufig. Einhergehend mit dem allgemeinen Anstieg der Lebenserwartung bedeutet dies einen deutlichen Anstieg des Anteils älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung.

Gut 11 % der Bevölkerung werden laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2050 hochaltrig sein - das sind etwa 8,4 % mehr als zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Die über 60-Jährigen werden den Berechnungen zufolge dann mehr als ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, (vgl. ebd. S. 55)

Die folgende Grafik[2] soll abschließend die bisherige und die voraussichtliche Entwicklung der Altersstruktur in Deutschland von 1910 bis 2050 veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland

2.2. Statistische Daten zu Demenz und deren Bedeutung für die BRD

Angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland gewinnt das Thema „Demenz“ zunehmend an Bedeutung. Einige statistische Angaben sollen dies im Folgenden verdeutlichen.

Das Alter gilt als unbestrittener Hauptrisikofaktor für Demenz im Allgemeinen und die Alzheimerkrankheit im Besonderen, (vgl. BmFSFJ (Hrsg.), 2002, S.169) Demenz tritt überwiegend ab einem Alter von 65 Jahren auf. Einer Schätzung von Horst Bickel (1999) zufolge beträgt die mittlere Prävalenzrate bezogen auf die 65-Jährigen und Älteren in Deutschland etwa 7,2 %. (vgl. Bickel in: ebd. S. 167) Das Vorkommen präseniler Demenzen ist weitaus seltener und wird auf etwa 0,1 % bei den 30- bis 59-Jährigen und 0,4% bei den 55- bis 64-Jährigen geschätzt, (vgl. ebd. S. 167) Mit steigendem Alter nimmt die Prävalenz der Demenz deutlich zu: fast 70 % der Demenzkranken sind über 80 Jahre alt. Bei den 65- bis 69-Jährigen liegt die mittlere Prävalenzrate bei etwa 1% und verdoppelt sich im Abstand von jeweils ungefähr fünf Altersjahren. Bei den über 90-Jährigen steigt sie auf über 30 % an. Die folgende Grafik[3] zeigt die Zunahme der Prävalenz von Demenz mit dem Alter:

Prävalenz von mittelschweren und schweren Demenzen in Deutschland (%)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Prävalenzraten leichter Demenzen sind deutschen Untersuchungen zufolge mit denen der schwereren Formen vergleichbar. Jedoch lassen sich leichte Demenzformen nur sehr schwer von gutartigen kognitiven Alterseinbußen unterscheiden. Hier mangelt es noch an klaren Kriterien zu Abgrenzung, (vgl. ebd. S. 167) Nach Untersuchungen von Sandholzer et al. werden bis zu 86 % der leichten und 58 % der mittelschweren Demenzen von Hausärzten daher nicht erkannt, (vgl. ebd. S. 166)

3. Krankheitsbild „Demenz“

Im 4. Altenbericht der Bundesregierung wird Demenz definiert als „fortschreitender Verlust an Gedächtnisleistungen und kognitiven Funktionen, der meist nach mehrjährigem Verlauf in geistigen Verfall mit Verlust der Sprachfähigkeit übergeht und schließlich zur völligen Pflegebedürftigkeit und zum Tode führt“ (BmFSFJ (Hrsg.), 2002, S. 164)

Demenz als Oberbegriff umfasst eine Reihe von Krankheitsbildern mit unterschiedlichen Ursachen und verschiedenem Verlauf, die im Folgenden knapp dargestellt werden sollen.

3.1. Arten von Demenz

Die verschiedenen Demenzen lassen sich grob in zwei Hauptgruppen einteilen:

1. Primäre Demenzen, hervorgerufen durch direkte Hirnschädigungen
2. Sekundäre Demenzen, als Folgedemenzen aufgrund anderer Erkrankungen.

Zu den Primären Demenzen gehören die Alzheimer-Krankheit als häufigste Form und die vaskuläre Demenz, wobei oftmals auch Mischformen auftreten.

Zu dieser Gruppe gehören ebenfalls Demenzen, die infolge anderer Krankheiten auftreten, wie der Pick-Krankheit, der Creutzfeld-Jakob-Krankheit, Chorea Huntington und der Parkinsonkrankheit. Primäre Demenzen gelten als irreversibel.

Sekundäre Demenzen können durch verschiedene Krankheiten hervorgerufen werden, darunter Epilepsie, Intoxikation, Kohlenmonoxydvergiftung, Vitamin- B-12-Mangel und Multiple Sklerose. Bei einer erfolgreichen Behandlung der Grunderkrankung ist eine Rückbildung der demenziellen Beschwerden möglich. Die sekundären Demenzen werden daher auch als reversibel, also rückbildungsfähig, bezeichnet, (vgl. Falk, 2004, S. 37ff) Hierzu eine Überblicksgrafik[4]:

Abb.: Formen und Häufigkeiten bei Demenzen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ich werde mich im Folgenden auf die Demenz vom Typ Alzheimer-Krankheit konzentrieren, da diese Demenzform mit Abstand am häufigsten vorkommt und aufgrund ihres überwiegenden Auftretens im höheren Lebensalter angesichts der demographischen Lage in Deutschland besonders an Bedeutung gewinnt.

3.2. Pathologie und Symptome

Die Pathologie der Alzheimer-Demenz weist Kitwood zufolge eine große Heterogenität auf. Jedoch zeichnen sich drei wesentliche Merkmale ab:

1. ein allgemeiner Verlust an Neuronen und damit auch an synaptischen Verbindungen;
2. eine globale Atrophie des Gehirns, in Form von Schrumpfen des äußeren Volumens und Vergrößerung der inneren, ehemals liqourgefüllten Ventrikel;
3. Anzeichen der Degeneration von Zellstrukturen und Bildung von senilen, neuritischen Plaques und Alzheimer-Fibrillen.

Die nachfolgende Abbildung[5] zeigt einen Querschnitt durch das Gehirn in Frontal ansi cht. Links ist ein gesundes Gehirn zu sehen, rechts ein Gehirn mit A Izh ei m e r- К ran k h ei t.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Der vierte Alten bericht definiert den Altersabschnitt von 80 bis 85 Jahren als Beginn der Hochaltrigkeit (vgl. BmFSFJ (Hrsg.), 2002, S. 54)

[2] Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2006, S. 16

[3] Werte aus: BmFSFJ (Hrsg.), 2002, S. 167

[4] Grafik aus: Falk, 2004, S. 39

[5] Quelle: http://wwvw.alzheimer-forschung.de/web/alzheimerkrankheit/illus_gehimmit.htm (18.04.08)

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Demenz und Personsein
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Soziologie)
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
32
Katalognummer
V114408
ISBN (eBook)
9783640158744
ISBN (Buch)
9783640159789
Dateigröße
9603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demenz, Personsein, Tom Kitwood, Person-zentrierter Ansatz, Alzheimer
Arbeit zitieren
Jana-C. Diener (Autor), 2008, Demenz und Personsein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114408

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