Ich möchte mich in dieser Studienarbeit näher mit dem Thema „Demenz“,
seiner Bedeutung für die deutsche Gesellschaft und neue Wege des Umgangs
mit demenziell erkrankten Menschen beschäftigen.
Hierzu werde ich zunächst auf die demographische Entwicklung in Deutschland
und statistische Daten zu Demenz eingehen. Im Folgenden beschäftige ich
mich näher mit dem Krankheitsbild Demenz, typischen Symptomen und dem
allgemeinen Krankheitsverlauf.
Im dritten Teil setze ich mich dem Person-zentrierten Ansatz von Tom Kitwood,
seinen Grundlagen und Möglichkeiten auseinander.
In schließe meine Arbeit mit einem Fazit, in dem ich knapp meine Gedanken
zum Thema Demenz und dem „neuen Paradigma“ von Kitwood reflektiere. Durch die Lebensbedingungen in modernen Gesellschaften ist „das Alter“ zu
einem Lebensabschnitt geworden, den heutzutage die meisten Menschen
erreichen und auch immer mehr Menschen treten in die Lebensphase der
Hochaltrigkeit1 ein. In den alten Bundesländern stieg die Zahl der Menschen,
die ihren 100. Geburtstag feiern konnten zwischen 1965 und 1998 von 158 auf
2501 Personen. (vgl. BmFSFJ (Hrsg.), 2002, S. 57)...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Demenz und Gesellschaft
2.1. Zur demographischen Entwicklung in Deutschland
2.2. Statistische Daten zu Demenz und deren Bedeutung für die BRD
3. Krankheitsbild „Demenz“
3.1. Arten von Demenz
3.2. Pathologie & Symptome
3.3. Krankheitsverlauf
4. Der person-zentrierte Ansatz von T. Kitwood
4.1. Die Bedeutung des Personseins
4.2. Die Psychodynamik des Ausgrenzens und das Untergraben des Personseins
4.3. Die Dialektik der Demenz
4.4. Was brauchen Menschen mit Demenz?
4.5. Positive Arbeit an der Person
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Studienarbeit untersucht das Krankheitsbild Demenz sowie dessen gesellschaftliche Bedeutung und stellt den person-zentrierten Ansatz von Tom Kitwood als wertschätzendes Gegenmodell zur rein pathologischen Sichtweise vor.
- Demographische Entwicklung und Altersstruktur in Deutschland
- Klinische Einteilung, Symptomatik und Verlauf der Demenz
- Kritik an der Depersonalisierung demenziell erkrankter Menschen
- Die Psychodynamik ausgrenzender Interaktionsformen
- Kernbedürfnisse demenziell erkrankter Personen
- Methoden positiver Interaktion zur Erhaltung des Personseins
Auszug aus dem Buch
4.2. Die Psychodynamik des Ausgrenzens und das Untergraben des Personseins
Kitwood sieht in vielen Kulturen eine Tendenz, Menschen mit schweren Behinderungen, körperlicher oder seelischer Art, zu depersonalisieren. Die Ursachen hierfür liegen ihm zufolge in verschiedenen Faktoren. Zunächst entsprächen diese den Merkmalen der Kultur als Ganzes, in der Personsein weitgehend missachtet wird und Machtlose in der Gefahr stehen, besonders abgewertet zu werden. Ältere Menschen werden dabei in vielen Kulturen, so auch der unsrigen, besonders diskriminiert, indem sie als „unfähig“, „hässlich“ und als „Last“ kategorisiert und sowohl auf persönlicher als auch auf struktureller Ebene herabgewürdigt werden. Dieser allgemeinen Diskriminierung älterer Menschen sind nun Kitwood zufolge demenziell erkrankte Menschen in ihrer schärfsten Form ausgesetzt. (vgl. Kitwood, 2005, S. 32ff)
Neben dieser gesamtgesellschaftlichen Tendenz beschreibt Kitwood eine weitere Dynamik, die dazu führt, dass Menschen mit Demenz aus der Welt der Personen ausgeschlossen und oftmals von einer „malignen, bösartigen Sozialpsychologie“, einer besonderen Art der Unmenschlichkeit, umgeben werden. Diese Dynamik führt auf Abwehrreaktionen gegen verschiedene Ängste zurück, die teilweise auf unbewusster Ebene bestünden. Besonders zwei Arten von Ängsten scheinen hier ins Gewicht zu fallen: zum Einen die „natürliche“ Angst davor, gebrechlich und in hohem Maße abhängig zu werden, auch in Verbindung mit einem über lange Zeit hinziehenden Sterbeprozess und dem Tod an sich; zum Anderen die Angst vor geistiger Instabilität, dem „Wahnsinnigwerden“ und der damit verbundenen Aushöhlung des Selbst. Der Kontakt mit älteren, schwachen und verletzlichen Menschen kann mit Kitwood unser grundlegendes Sicherheitsempfinden bedrohen. Er schreibt: „Demenz bei einem anderen Menschen hat die Macht, Ängste beider Art auszulösen, einerseits in Verbindung mit Abhängigkeit und Gebrechlichkeit und andererseits im Hinblick auf ein Wahnsinnigwerden.“ (Kitwood, 2005, S.34)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt eine Einführung in die Problematik der Demenz und definiert das Ziel, den person-zentrierten Ansatz als neuen Umgangsweg zu beleuchten.
2. Demenz und Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert den demographischen Wandel in Deutschland und liefert statistische Prävalenzdaten, die die wachsende Bedeutung des Themas untermauern.
3. Krankheitsbild „Demenz“: Es werden die verschiedenen Arten, die medizinische Pathologie sowie der typische dreiphasige Krankheitsverlauf dargestellt.
4. Der person-zentrierte Ansatz von T. Kitwood: Das Kernkapitel erläutert das Konzept des Personseins, die psychologischen Ursachen für Diskriminierung und stellt Strategien zur positiven Interaktion vor.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Humanisierung der Pflege und die Notwendigkeit, demenziell erkrankte Menschen als Personen mit Würde wahrzunehmen.
Schlüsselwörter
Demenz, Alzheimer, Personsein, Tom Kitwood, demographischer Wandel, Pflegekultur, maligne Sozialpsychologie, Prävalenz, Krankheitsverlauf, positive Interaktion, Identität, Inklusion, Bedürfnisorientierung, Pflegeethik, Altersdiskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation demenziell erkrankter Menschen und wie diese in unserer Gesellschaft wahrgenommen und behandelt werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der demographischen Ausgangslage, dem medizinischen Krankheitsbild sowie der kritischen Analyse des Pflegestatus durch den person-zentrierten Ansatz von Tom Kitwood.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis für das „Personsein“ trotz Demenz zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, wie Betroffene durch wertschätzende Pflege in ihrer Würde bewahrt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die insbesondere auf dem Standardwerk von Tom Kitwood sowie aktuellen sozialwissenschaftlichen und medizinischen Berichten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Bestandsaufnahme, eine medizinische Einordnung der Demenzformen und eine tiefgehende Analyse der psychologischen Interaktionsmuster zwischen Pflegenden und Erkrankten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Demenz, Personsein, maligne Sozialpsychologie und positive Arbeit an der Person bilden den theoretischen Kern der Analyse.
Was versteht man unter dem „malignen Sozialpsychologie“ nach Kitwood?
Dies beschreibt 17 Verhaltensweisen, durch die demenziell erkrankte Menschen systematisch abgewertet, entmündigt oder depersonalisiert werden.
Warum betont der Autor die Bedeutung der Lebensgeschichte bei Demenz?
Die Kenntnis der Lebensgeschichte ist essenziell, um den Menschen hinter der Krankheit zu sehen und auf seine individuellen Bedürfnisse nach Trost, Bindung und Identität eingehen zu können.
Welche Rolle spielt die „positive Arbeit an der Person“?
Sie fungiert als heilende Gegenstrategie zur pathologischen Sichtweise, indem sie die psychischen Bedürfnisse des Erkrankten in den Mittelpunkt stellt.
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- Jana-C. Diener (Author), 2008, Demenz und Personsein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114408