Das Ziel dieser Forschungsarbeit ist es, zu bestimmen, welches narrative Potential ein textfreies Bilderbuch besitzt. Das Problem liegt darin, dass es zum momentanen Zeitpunkt nur wenige wissenschaftliche Arbeiten und empirische Forschungen zu diesem Themengebiet gibt. Es gibt kein Maß, in dem das narrative Potential gemessen werden kann. Inwieweit regt diese Gattung der Literatur Kinder zum Erzählen an, wie erschließen diese die Geschichte und wie ist der Umfang ihrer Erzählungen? Aus diesen Schwerpunkten resultiert die Forschungsfrage dieser Arbeit: Welches narrative Potential besitzen textfreie Bilderbücher bei der Arbeit mit Grundschulkindern der 3. Klasse am Beispiel von Barbara Lehman’s „The Red Book“? Um die Forschungsfrage zu beantworten, sind Interviews mit neun Schülerinnen und Schülern einer dritten Klasse durchgeführt worden. Diese mussten, mittels lautem Denken, die Geschichte aus Barbara Lehman’s „The Red Book“ erzählen. Anschließend wurden die Interviews unter verschiedenen Gesichtspunkten ausgewertet, mittels qualitativer Inhaltsanalyse, Zählung und Messung. Die Ergebnisse der Auswertungen ergaben, dass textfreie Bilderbücher über ein enormes narratives Potential verfügen, das sich jedoch subjektiv, je nach Rezipient, anders gestaltet. Nicht jeder liest ein textfreies Bilderbuch auf gleiche Art und Weise, was zu einer unüberschaubaren Menge an Interpretationen führen kann. Eine Vielzahl an Eigenschaften und Merkmalen wurden ermittelt, an denen das narrative Potential erkennbar wird. Es wird gezeigt, auf welchen Ebenen sich die Narrativität in und um ein textfreies Bilderbuch bewegt. Das zeigt, dass es empfehlenswert wäre, auf dieser Grundlage weitere Forschungen zu diesem Themengebiet und zu dieser Form der Literatur anzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bilder als Informationsträger
2.1 Was ist ein Bild?
2.2 Sehen als Informationsübertragung
2.3 Einflussfaktoren bei der Bildentschlüsselung
2.4 Bildverständnis von Kindern
3. Textfreie Bilderbücher
3.1 Besonderheiten eines textfreien Bilderbuchs
3.2 Kinder im Kontakt mit textfreien Bilderbüchern
3.3 Einsatz im Unterricht
4. Narrative Fähigkeiten von Bildreihen
4.1 Was bedeutet narrativ?
4.2 Narrativität im textfreien Bilderbuch
5. Zusammenfassung der theoretischen Recherche
6. Sinnpotentialanalyse
6.1 Zusammenfassung der Geschichte
6.2 Narrative Ebene
7. Empirische Forschung
7.1 Zielsetzung
7.2 Methodisches Vorgehen
7.2.1 Forschungsdesign
7.2.2 Erhebungsinstrument
7.2.3 Stichprobe
7.2.4 Durchführung des Versuchs
7.2.5 Vorgehensweise bei der Auswertung
7.3 Ergebnisse
7.3.1 Allgemeine Fakten zu den Ergebnissen
7.3.2 Darstellung und Interpretation der 1. Kategorie
7.3.2 Darstellung und Interpretation der 2. Kategorie
7.3.3 Darstellung und Interpretation der 3. Kategorie
7.3.4 Darstellung und Interpretation der 4. Kategorie
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, das narrative Potential textfreier Bilderbücher am Beispiel des Werks „The Red Book“ von Barbara Lehman zu bestimmen und zu analysieren. Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit Kinder der 3. Grundschulklasse durch das Medium Bild zum Erzählen angeregt werden und wie sie die Geschichte eigenständig erschließen.
- Narrative Fähigkeiten von textfreien Bilderbüchern
- Empirische Analyse mittels lauten Denkens bei Grundschulkindern
- Die Rolle der Leerstellen im Bild für individuelle Interpretationen
- Einflussfaktoren bei der Bildentschlüsselung durch Kinder
- Narrativität als subjektiver Prozess im Rezeptionsvorgang
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Das Bild ist die Mutter des Wortes.“ Dieses Zitat von Hugo Ball soll sagen, dass vor der Sprache und der Schrift das Bild steht. Sprache und Schrift dienen dazu, das Gesehene zu beschreiben. Bilder haben die Gabe, dass über sie Sprache entstehen kann. Man kann über ein Bild sprechen aber auch das Bild selber kann etwas wiedergeben. Dieses Prinzip machen sich die Menschen zunutze und geben über das Medium Bild Informationen weiter. Im Laufe der Menschheitsgeschichte läßt sich dieses Prinzip zurückverfolgen, denn die Bildtradition reicht weit zurück. So gibt es beispielsweise Höhlenmalereien, über die Geschichten mit Hilfe einfacher Bilder erzählt wurden. Ähnlich waren die Erzählräume in den alten Pyramiden oder die Erzählarchitektur im Mittelalter. Die Tradition, mit Bildern Geschichten zu erzählen, um Informationen zu übermitteln, setzt sich bis heute fort. Die damaligen Bildfolgen, -reihen oder -sequenzen kann man als die Vorreiter der heutigen Bilderbücher und Filme sehen. Bilder werden dabei immer um weitere Bilder ergänzt, was das tragende Prinzip vom Bilderbuch ist. Heutzutage findet man eine fast unendlich erscheinende Vielzahl an Bildern in digitaler Form. Die Möglichkeiten der Digitalisierung führt dazu, dass Bücher in digitaler Form, als sogenannte eBooks, auf dem Markt erscheinen. Mit dem einher geht, dass in den letzten Jahren zunehmend auch digitale Bilderbücher veröffentlicht werden. Nichtsdestotrotz dominiere nach wie vor das gedruckte Bilderbuch. Das textfreie Bilderbuch bedient sich lediglich des Mediums Bild. Das Bild selbst wird zum Erzähler und somit zum imaginären Text des Buches. Das Besondere ist, dass dieser imaginäre Text von jedem Leser anders gelesen werden kann, weil sich Bilder ganz verschieden deuten lassen. Diese Eigenschaft macht das textfreie Bilderbuch zu einer ganz besonderen Form der Literatur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die historische und kulturelle Bedeutung von Bildern als Vorläufer und Grundlage narrativer Medien.
2. Bilder als Informationsträger: Hier wird geklärt, was ein Bild als Informationsmedium auszeichnet und wie der Prozess des Sehens sowie der Bildentschlüsselung funktioniert.
3. Textfreie Bilderbücher: Dieses Kapitel behandelt die spezifischen Besonderheiten von wortlosen Bilderbüchern und deren Bedeutung für die kindliche Lesesozialisation.
4. Narrative Fähigkeiten von Bildreihen: Es wird definiert, was Narrativität bedeutet und wie Bildsequenzen die narrative Eigenschaft entwickeln.
5. Zusammenfassung der theoretischen Recherche: Die theoretischen Erkenntnisse werden gebündelt und die Schwierigkeit der Messbarkeit des narrativen Potentials hervorgehoben.
6. Sinnpotentialanalyse: Dieses Kapitel analysiert das Werk „The Red Book“ in Hinblick auf seine Geschichte und narrative Struktur.
7. Empirische Forschung: Die qualitative Studie mittels Interviews und lauten Denkens mit Grundschulkindern wird detailliert dargestellt und ausgewertet.
8. Fazit: Die Arbeit resümiert das enorme, jedoch subjektiv geprägte narrative Potential textfreier Bilderbücher und plädiert für weitere Forschung.
Schlüsselwörter
Textfreies Bilderbuch, Narrative Potential, Bildinterpretation, Grundschule, Lesesozialisation, Lautes Denken, Bildliteralität, Leerstellen, Bildentschlüsselung, Narrativität, Erzählverhalten, Qualitative Inhaltsanalyse, The Red Book, Barbara Lehman.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das narrative Potential, das textfreien Bilderbüchern innewohnt, am Beispiel des Werks „The Red Book“ von Barbara Lehman.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Neben der Definition und Funktion von Bildern als Informationsträger stehen die besonderen Eigenschaften textfreier Bilderbücher, narrative Fähigkeiten von Bildsequenzen sowie deren Einsatzmöglichkeiten im Grundschulunterricht im Fokus.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit Kinder der 3. Klasse durch textfreie Bilderbücher zum Erzählen angeregt werden und auf welchen Ebenen sich diese Narrativität bei der Bildbetrachtung entfaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der Interviews mit neun Drittklässlern unter Anwendung der Methode des „lauten Denkens“ umfasst.
Was wird im empirischen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Kategorien: das Füllen von Leerstellen, die Assimilation eigener Gedanken, die Identifikation von Bildern mit hohem Erzählpotential und das Verlangen nach einer Fortsetzung der Geschichte.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Narrativität, Leerstellen, subjektive Interpretation, Bildliteralität und die erzählende Funktion von Illustrationen.
Warum ist das „Ende“ der Geschichte in der Analyse so wichtig?
Da das „The Red Book“ ein offenes Ende hat, motiviert es die Schülerinnen und Schüler besonders dazu, eigene Fortsetzungen zu entwickeln, was das individuelle narrative Potential unterstreicht.
Welche Rolle spielen „Leerstellen“ in der Bildanalyse?
Leerstellen sind Momente oder Zwischenräume im Bilderbuch, die nicht explizit dargestellt sind. Diese müssen vom Leser durch eigenes Hintergrundwissen und Fantasie gefüllt werden, wodurch das Erzählen erst ermöglicht wird.
- Citar trabajo
- Sascha Kästner (Autor), 2019, Das narrative Potential textfreier Bilderbücher anhand von Barbara Lehman’s "The Red Book", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1144525