Inwieweit hatte die Besatzung Polens durch die Deutschen Auswirkungen auf die polnischen Kinder?


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1. Begründung, wieso es wichtig ist, sich diesem Thema zu widmen
1.2. Vorhaben/Aufbau

2. Historische Einordnung
2.1. Besatzungspolitik
2.2. Annektierte Gebiete
2.3.Generalgouvernement

3. Germanisierung

4. Vertreibung der Polen aus ihren Häusern und das Empfinden der Kinder
4.1. Vertreibung und Verdrängung
4.2. Deutsche Volksliste = DVL
4.3.Auswirkungen der Vertreibungen

5. Eindeutschung
5.1. Ablauf der Eindeutschung
5.2. Verhalten der Eltern
5.3.Vorgehen nach den Untersuchungen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Alles gute Blut auf der Welt, alles germanische Blut, was nicht auf deutscher Seite ist, kann einmal unser Verderben sein. Es ist deswegen jeder Germane mit bestem Blut, den wir nach Deutschland holen und zu einem deutschbewussten Germanen machen, ein Kämpfer für uns, und auf der anderen Seite ist einer weniger. Ich habe wirklich die Absicht, germanisches Blut zu holen, zu rauben und zu stehlen, wo ich kann.“1

Auf diese Weise berichtete Heinrich Himmler am 8.11.1938 vor den SS-Gruppenführern über die Ziele der NS-Politik. Hierbei wird deutlich, welche große Bedeutung die Eindeutschung und damit einhergehend die Vertreibung, Verdrängung und Vernichtung der polnischen Bevölkerung für die Nationalsozialisten hatte.So wollten sie zum einen Lebensraum für die Deutschen schaffen und somit ihre Vision von einem „Großgermanischen Reich“2 umsetzen.3 Aufgrund dieser Ansichten, wurden etliche Kinder wegen ihres Blutes oder ihrer äußeren Erscheinung aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen. Notfalls geschah dies auch mit Gewalt.

„Diese zwangsweise ,Eindeutschung‘ von Jungen und Mädchen aus Polen, stellte eine Symbiose von ,rassen‘- ,volkstum-‘ und bevölkerungspolitischen4 Inhalten dar und machte so den Weg für Heinrich Himmlers Visionen frei.“4

1.1 Begründung, wieso es wichtig ist, sich diesem Thema zu widmen

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Geschehnisse von vielen Historikern analysiert und zusammengetragen. Dabei wurde oftmals das Augenmerk auf die Situation und die Entwicklung in Deutschland gelegt. Erst in den letzten Jahren befassen sich immer mehr Historiker auch mit den Geschehnissen des Zweiten Weltkrieges in anderen Ländern, welche durch Deutschland besetzt waren. Bei diesen Forschungen wird jedoch selten der Fokus auf die Kindheit und die daraus entstandenen physischen und psychischen Verletzungen gelegt, welche die Zukunft des Landes verkörpert.

1.2. Vorhaben/Aufbau

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Erörterung der Frage, inwieweit die Besatzung Polens durch die Deutschen Auswirkungen auf die polnischen Kinder hatte. In diesem Zusammenhang spielen die Vertreibung, Verdrängung und besonders die Eindeutschung sowie die daraus resultierenden Auswirkungen und Verletzungen eine Rolle. Zunächst wird die Besatzung Polens sowie die Aufteilung Polens in das Generalgouvernement und in die annektierten Gebiete als Einführung in das Thema erläutert. Anschließend wird auf die Vertreibung und die Verdrängung eingegangen und die damit verbundene Zwangsumsiedlung. Im Folgenden wird die Eindeutschung sowie deren Auswirkungen auf die Kinder thematisiert. Den Abschluss bilden die langfristigen Auswirkungen der Besatzung Polens auf die Entwicklung der Kinder.

2. Historische Einordnung

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges war der Überfall der Deutschen auf Polen ohne Kriegserklärung am 1. September 1939. Damit begann das Deutsche Reich einen Krieg, welchem viele Menschen zum Opfer fielen. Ziel war hierbei die Unterwerfung der Bevölkerung der angegriffenen Länder.5 Zuvor wurde von Deutschland unter Hitler und Russland unter Stalin ein zusätzliches Protokoll zu dem Nichtangriffspakt der beiden Länder verfasst, in welchem sich die beiden Staatsoberhäupter bereits am 23. August 1939 also vor dem Angriff auf Polen das Land aufteilten. Auch der Angriff auf Polen war bereits zuvor von Hitler im Frühjahr desselben Jahres vorbereitet worden.6 „Dabei ging es Hitler [.]um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten und um die Sicherstellung der Ernährung der deutschen Bevölkerung. “7 Nachdem sich im Oktober 1939 die Kampfhandlungen langsam dem Ende neigten, wurde Polen zwischen Russland und Deutschland aufgeteilt.8

2.1. Besatzungspolitik

Mit der Besatzungspolitik in Polen wollten die Deutschen erreichen, dass Polen als eigene Nation aufgelöst wird. Im Zuge dessen, sollte Polen durch eine umfangreiche Neuordnung Deutschland angegliedert werden.9 Ziel der deutschen Besatzungspolitik in Polen war es somit, in Polen Platz für die Deutschen zu schaffen, sodass sie sich dort niederlassen konnten. Die polnische Elite sollte dabei ausgelöscht und der überbleibenden Bevölkerung sollten alle Rechte genommen werden.10 Dieses Vorhaben wurde unter Himmler, dem „Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums“11 radikal umgesetzt. Zu Beginn wurde dabei der Fokus auf die annektierten Gebiete gelegt. Im späteren Verlauf wurde dies auch auf Teile des Generalgouvernements ausgedehnt.12 Es wurden im Jahr 1939 viele Teile Polens an das Deutsche Reich angegliedert, welche über die Gebiete hinausgingen, die vor dem ersten Weltkrieg zum Deutschen Reich gehörten. Gründe dafür waren zum einen, dass es in diesen Gebieten teilweise deutschsprachige Bewohner gab und zum anderen, dass es für die Deutschen wirtschaftlich attraktiv war. Dies geschah aufgrund eines Erlasses des Reichskanzlers Adolf Hitler.13 Um die Territorien in Polen zu säubern, sollten drei Verfahren Anwendung finden. Zum einen Deportation und Mord und zum anderen die Eindeutschung.14 Durch diese Bemühungen soll die Vorstellung eines „Großgermanischen Reiches“15 realisiert werden. Um dies zu gewährleisten, wurden polnische Menschen verdrängt und vertrieben, um an deren Stelle „eindeutschungsfähige“16 oder „fremdvölkische“17 anzusiedeln.18

2.2. Annektierte Gebiete

Mit dem Erlass von Adolf Hitler vom 8. Oktober 1939 wurden die sogenannten annektierten Gebiete, welche sich in westpolnischem Gebiet befanden, an das Deutsche Reich angegliedert. Es wurden ca. 92 000 Quadratkilometer (also ein Viertel) des polnischen Reiches dem deutschen Reich zugeführt.19 In diesen Gebieten standen zudem vier Fünftel der polnischen Industrien, was diese Gebiete besonders interessant für die Nazis machte.20

Ziel der Deutschen war, die annektierten Gebiete zu germanisieren, sodass in diesen Gebieten, welche zum deutschen Reich gehörten, nur Deutsche oder „Volksdeutsche“21 angesiedelt waren. Aus diesem Grund wurde die Bevölkerung dieser Gebiete verdrängt, vertrieben oder in Konzentrationslager deportiert.22

2.3. Generalgouvernement

Die übrigen Gebiete Polens wurden sodann ab 1939 das sogenannte Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete. Das Generalgouvernement umfasste „142 000 Quadratkilometer“23 und war somit weitläufiger als die annektierten Gebiete.24 Die „Distrikte Krakau, Radom, Warschau und Lublin“ gehörten zum Generalgouvernement, „1941 kam der Bezirk Galizien hinzu“.25 Es war ein Gebiet, in welchem weder Völkerrecht, noch Staatsrecht Anwendung fand. Dieses Gebiet sollte bewusst von den anderen Teilen Polens getrennt und zudem „entindustrialisiert“26 werden. Zugleich sollte dieser Bereich dazu dienen, die polnische Bevölkerung aufzunehmen, welche zuvor aus den annektierten Gebieten vertrieben und verdrängt wurde.27 In diesem Teil sollte sich nach Hitler, nur um die unabdingbaren Dinge gekümmert werden und ansonsten sollten die Polen sich selbst überlassen werden. Dem Generalgouvernement stand ein Mann vor, der sogenannte Generalgouverneur.28

3. Germanisierung

Bereits zur Zeit des Kaiserreiches wurde die Bezeichnung Germanisierung für die Kolonialpolitik benutzt.29 Der Begriff bekam unter den deutschen Besatzern eine neue Bedeutung.

„Himmler erklärte 1942: ,Unsere Aufgabe ist es, den Osten nicht im alten Sinne zu germanisieren, das heißt den dort wohnenden Menschen deutsche Sprache beizubringen, sondern dafür zu sorgen, dass im Osten nur Menschen wirklich deutschen, germanischen Blutes wohnen.‘“30

Es sollte somit eine klare Trennung von Deutschen und Fremdvölkischen geben und in diesem Zuge deutsche Siedlungen entstehen. Eine sogenannte „Germanisation am Boden“31 sollte stattfinden, „d.h. die Beseitigung fremder Nationen.“32 Denn Hitler war der Ansicht, dass die deutschen ein Recht auf die Gebiete im Osten hatten, und sah dort den Lebensraum für die Deutschen. Unter Hitler wurde die Germanisierung stark mit den Begriffen Lebensraum und Drang nach Osten“ verbunden.33 Mittel für die Umsetzung der Germanisierung waren: Eindeutschung, Verdrängung und Vertreibung. Es wurde versucht die übrige polnische Bevölkerung zu unterdrücken. Ihnen wurde ein geringerer Lohn gezahlt, ihnen wurde Verboten das Kino zu besuchen, sie durften keine Stiefel besitzen und ihnen wurden geringere Mengen an Lebensmitteln zugeteilt. Dazu kam die Arbeitspflicht aller Polen ab 12 Jahren.34

4. Vertreibung der Polen aus ihren Häusern und deren Auswirkungen auf die Kinder

4.1. Vertreibung und Verdrängung

Durch den Einmarsch der deutschen Truppen und die darauffolgende Besetzung Polens, wurde die Beziehung zwischen Deutschland und Polen zerstört. Die Volksdeutschen, welche nach Polen umgesiedelt wurden, wurden dadurch ein Werkzeug von Himmlers Polenpolitik. Es sollte Platz für die Deutschen geschaffen werden, aufgrund dessen wurden die Bewohner der jeweiligen Regionen in Deutsche und nicht Deutsche eingeteilt. Dadurch begann der „Umsiedlungsapparat“35 des „Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums“36 mit der Verdrängung und Vertreibung derjenigen, welche als nicht Deutsche klassifiziert wurden. Im Zuge dessen, wurde meist ihr Eigentum und Besitz zwangsenteignet.37 Zu Beginn waren nur die annektierten Gebiete von diesen Maßnahmen betroffen. Jedoch wurden diese im Laufe der Zeit auf das Generalgouvernement ausgedehnt.38

4.2. Deutsche Volksliste = DVL

„Die DVL zielt darauf ab, Deutsche von Polen auf der Grundlage nationalsozialistischer Vorstellungen von ,Blut‘ und ,Rasse‘ zu trennen.“39 Es fand anhand dieser Kriterien eine Aussortierung statt.40 Sie stützt sich auf die Anordnung von Himmler vom 22. September 1940, dem „[...] Erlass über die Überprüfung und Aussonderung der Bevölkerung in den eingegliederten Ostgebieten [...]“41, in welchem er die polnische Rasse „[...] in vier Gruppen [.]“42 einteilte und jeder dieser Gruppen eine Abteilung in der DVL zuordnete.43 Diese wiederum wurden „[.] in ein vierstufiges System der Staatsangehörigkeit unterteilt [.].“44 Die DVL wurde im Jahr 1941 durch die „[.] Verordnung der deutschen Volksliste und die deutsche Staatsangehörigkeit in den eingegliederten Ostgebieten zu einer Rechtsgrundlage fixiert“45, sodass sie in allen annektierten Gebieten zum Einsatz kam. Ziel dieses Apparates war es, die nach Blut geltenden Deutschen zu erfassen. Dabei spielte es keine Rolle, welcher Nation sie angehörten. Jeder Bürger, welcher sich den radikalen Machenschaften der Deutschen versuchte zu entziehen und sein Eigentum sichern wollte, versuchte in die DVL aufgenommen zu werden. Jedoch traten dadurch weitere Einschränkungen auf, denn jeder, der in der DVL aufgenommen wurde, machte sich dadurch für das Regime angreifbar, denn jedem, der auf der DVL eingetragen war, konnte jederzeit der Status als Volksdeutscher wieder durch das Regime entzogen werden.46 „Es hieß: ,Auch ein gleichgültiger oder gar schlechter Deutscher bleibt Deutscher.‘“47 Es sollte jeder durchleuchtet und eingestuft werden, sodass wirklich jeder Einzelne, der nach seinem Blut als Deutsch eingestuft werden kann, auf der DVL als Volksdeutscher erfasst wurde. Dadurch wurde die Erinnerung des oben genannten Ziels, dass Wachsen der Deutschen und das Schrumpfen der Polen, gewährleistet.

[...]


1 Hopfer, Ines: Geraubte Identitäten. Die gewaltsame „Eindeutschung“ von polnischen Kindern in der NS-Zeit, Wien, Köln, Weimar 2010, S.11.

2 Ebd.

3 Vgl. ebd.

4 Ebd.

5 Vgl. Bingen, Dieter / Lengemann, Simon (Hrsg.): Deutsche Besatzungspolitik in Polnen1939-1945, Eine Leerstelle deutscher Erinnerungen? Bonn 2019, S.7.

6 Vgl. Hebing, Iris: „Polens verlorene Kinder. Die Suche und Repatriierung verschleppter polnischer Kinder nach 1945“, Frankfurt (Oder) 2015, S.19.

7 Ebd.

8 Vgl. Bingen/ Lengemann, 2019, S.24.

9 Vgl. Harvey, Elizabeth: Der Osten braucht dich! Frauen und nationalsozialistische Germanisierungspolitik, aus dem Englischen von Paula Brandish, deutsche aktual. Ausg., Hamburg 2009, S.94.

10 Vgl. ebd., S.98

11 Ebd.

12 Ebd., S.94.

13 Vgl. Loew, Peter Oliver: Wir unsichtbaren, Geschichten der Polen in Deutschland, München 2014, S.164f.

14 Vgl. Ebd., S.166.

15 Hopfer, 2010, S.24.

16 Ebd.

17 Ebd.

18 Ebd.

19 Vgl. Steinert, Johannes-Dieter: Holocaust und Zwangsarbeit, Erinnerungen jüdischer Kinder 1938-1945, 1. Aufl., Essen 2018, S.40.

20 Vgl. Hrsg. von einem Kollegium unter Leitung von Wolfgang Schuhmann und Ludwig Nestler: „Nacht über Europa“, Die faschistische Okkupationspolitik in Polen (1939-1945), Köln 1989, S.23.

21 Steinert, Holocaust und Zwangsarbeit, 2018, S.40.

22 Vgl. ebd., S.40f.

23 Vgl. ebd., S.40.

24 Vgl. ebd.

25 Ebd.

26 Hrsg. Schuhmann/Nestler, 1989, S.23.

27 Vgl. ebd.

28 Vgl. ebd., S.24.

29 Hopfer, 2010, S.23.

30 Harvey, 2009, S.97.

31 Madajczyk, Czeslaw: Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939-1945, Berlin 1987, S.389.

32 Ebd.

33 Hopfer, 2010, S.24.

34 Vgl. Steinert, Johannes-Dieter: Deportation und Zwangsarbeit. Polnische und sowjetische Kinder im nationalsozialistischen Deutschland und im besetzten Osteuropa, 1. Aufl., Essen 2013.

35 Harvey, 2009, S.94.

36 Ebd.

37 Vgl. ebd., S.94ff.

38 Vgl. ebd., S.99.

39 Ebd., S.104.

40 Vgl. Hopfer, 2010, S.24.

41 Ebd., S.24.

42 Ebd.

43 Vgl. ebd.

44 Ebd.

45 Ebd.

46 Vgl. Harvey, 2009, S.103f.

47 Ebd., S.104.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Inwieweit hatte die Besatzung Polens durch die Deutschen Auswirkungen auf die polnischen Kinder?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Familien unter dem Hakenkreuz – Leben, Alltag und Geschlecht im besetzten Polen II.
Note
2,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V1144680
ISBN (eBook)
9783346522887
ISBN (Buch)
9783346522894
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Besatzung, Polen, zweiter Weltkrieg, Besatzungspolitik, polnische Kinder, Kinder in Polen, Besatzung Polens durch die Deutschen, Hitler, 1939, 1945, Verdrängung, Vertreibung, Eindeutschung
Arbeit zitieren
Sabrina Taschner (Autor:in), 2020, Inwieweit hatte die Besatzung Polens durch die Deutschen Auswirkungen auf die polnischen Kinder?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1144680

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