„Streng dich an!“, „Konzentriere dich!“, „Pass besser auf!“... all diese Kommentare bekommen viele Kinder in der Grundschule zu hören. Doch stimmt es, dass diese Kinder sich nicht anstrengen, sich nicht konzentrieren oder nicht aufpassen, wenn sie Probleme beim Lesen und Schreiben lernen haben?
In der Schule werden bestimmte Anforderungen an Kinder gestellt, die jedoch nicht von allen erfüllt werden können. Die betroffenen Kinder fallen meistens durch Konzentrationsschwierigkeiten auf, können sich nur schwer Buchstaben einprägen, vertauschen beim Schreiben ähnlich aussehende Buchstaben und lassen sich – scheinbar unbegründet – im Unterricht schnell ablenken (vgl. GÜNTHER 1998, 4). Oft werden diese Symptome als ‚Wahrnehmungsauffälligkeiten’ beschrieben. Sie werden unter anderem als Ursache dafür gesehen, warum Kinder unter erschwerten Bedingungen lesen und schreiben lernen.
Im Rahmen dieser Arbeit werde ich auf das Thema der Wahrnehmungsförderung bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) in der Grundschule eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wahrnehmung
2.1 Bedeutung der Wahrnehmung
2.2 Neurophysiologische Grundlagen
2.3 Der Prozess der Wahrnehmung
2.4 Die Sensorische Integration
2.5 Die für die Wahrnehmung bedeutsamen Sinnessysteme und ihre Bedeutung für schulisches Lernen
2.5.1 Der taktile Analysator
2.5.2 Der kinästhetische Analysator
2.5.3 Der vestibuläre Analysator
2.5.4 Der visuelle Analysator
2.5.5 Der auditive Analysator
2.6 Die Entwicklung der Wahrnehmung
2.7 Der Zusammenhang von Wahrnehmung und Bewegung
2.8 Resümee
3. Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)
3.1 Begriffbestimmung
3.2 Erklärungsansätze zur Ursachenforschung der LRS
3.2.1 Medizinischer Ansatz
3.2.2 Psychologischer Ansatz
3.2.3 Soziologischer Ansatz
3.2.4 Pädagogischer Ansatz
3.2.5 Das Teilleistungskonzept
3.2.6 Stufenmodell der Schriftsprachentwicklung
3.2.7 Praxisrelevanz der Ansätze
3.3 Symptomatik und Erscheinungsbilder
3.3.1 Probleme des Lesens
3.3.2 Probleme des Rechtschreibens
3.3.3 Probleme der Motorik
3.3.4 Probleme des Verhaltens
3.4 Diagnose
3.4.1 Die Differenzierungsprobe für Sechs- bis Siebenjährige
3.4.2 Die Funktionsprobe für Lese- und Schreiblernvoraussetzungen nach SOMMER-STUMPENHORST
3.5 Resümee
4. Die Situation von Kindern mit LRS in der Grundschule
4.1 Der LRS-Erlass NRW
4.2 Der Lehrplan Sprache
4.3 Die psycho-soziale Lage
4.3.1 Die gegenwärtige Situation von Schülern mit LRS
4.3.2 Die Situation in der Familie
4.3.3 Die soziale Eingliederung in der Klasse
4.3.4 Die Einstellung des betroffenen Kindes zu sich selbst
4.3.5 Psychosomatische Beschwerden
4.4 Resümee
5. Wahrnehmungsförderung im Schulalltag bei Kindern mit LRS
5.1 Wahrnehmungsförderprogramme
5.1.1 Der Kieler Lese- und Schreibaufbau
5.1.2 Die Sinnesschulung von MONTESSORI
5.1.3 Die Förderung nach BREUER/WEUFFEN
5.1.4 Das Förderprogramm nach SOMMER-STUMPENHORST
5.2 Förderung im Sportunterricht
5.2.1 Wahrnehmungsförderung in der Psychomotorik
5.2.2 Praxisbeispiele aus der Psychomotorik
5.3 Förderung im Elternhaus
5.4 Der Einsatz von Computern in der Wahrnehmungsförderung
5.5 Grenzen der Wahrnehmungsförderung
5.6 Resümee
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Relevanz der Wahrnehmung sowie deren Förderung für den Lese- und Schreiblernprozess von Grundschulkindern mit Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Problemlagen betroffener Kinder zu schaffen, theoretische Grundlagen zu beleuchten und pädagogische Anregungen für den Schulalltag zu bieten, um Vorurteile abzubauen und effektive Hilfestellungen zu ermöglichen.
- Grundlagen der Wahrnehmung und deren neurophysiologische Basis
- Ursachenforschung und Erklärungsansätze zur Lese-Rechtschreibschwäche
- Analyse der psychosozialen Situation von Kindern mit LRS
- Diagnostische Möglichkeiten zur Identifizierung von Wahrnehmungsproblemen
- Methoden und Ansätze der Wahrnehmungsförderung (Sport, Elternhaus, Computer)
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Wahrnehmung
Die Wahrnehmung ist für uns ein selbstverständlicher Teil des alltäglichen Lebens. Sie ist stets an die Interaktion mit der Umwelt gebunden und bestimmt unser tägliches Handeln. Die einfließenden Sinnesreize müssen verarbeitet und differenziert werden, d. h., dass wichtige von unwichtigen Informationen getrennt werden.
Das Sinnessystem hat die Aufgabe, aus einer Fülle von Reizen die Information auszuwählen, die für die momentane Situation von Bedeutung ist. Um dieser hohen Anforderung gerecht zu werden, muss das Kind stets die Möglichkeit bekommen, sich aktiv mit seiner Umwelt auseinander zu setzen, um das Wahrnehmungssystem zu schulen und zu fördern. Durch eine gute Wahrnehmung werden Kinder sicherer in ihren Bewegungen und in den Anforderungen, die an sie gestellt werden. Dies bezieht sich auf alle Bereiche des Lernens und in der Welt seins (vgl. ZIMMER 1995a, 65).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz der Wahrnehmungsförderung bei LRS dar und definiert das Ziel der Arbeit, pädagogische Hilfestellungen im Grundschulalltag zu liefern.
2. Wahrnehmung: Dieses Kapitel erörtert die neurophysiologischen Grundlagen, den Prozess der Wahrnehmung, die sensorische Integration sowie die verschiedenen Sinnessysteme und deren enge Verbindung zu Bewegung und Lernen.
3. Lese-Rechtschreibschwäche (LRS): Es werden verschiedene Erklärungsmodelle (medizinisch, psychologisch, pädagogisch) zur LRS diskutiert, die Symptomatik detailliert beschrieben und gängige Diagnoseverfahren vorgestellt.
4. Die Situation von Kindern mit LRS in der Grundschule: Der Fokus liegt hier auf dem LRS-Erlass NRW, dem Lehrplan Sprache sowie der kritischen psycho-sozialen Lage der betroffenen Kinder in der Schule und Familie.
5. Wahrnehmungsförderung im Schulalltag bei Kindern mit LRS: Dieses Kapitel stellt verschiedene Förderprogramme, die Bedeutung von Psychomotorik im Sportunterricht, die Einbeziehung des Elternhauses sowie den gezielten Einsatz von Computern als ergänzendes Medium vor.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Kinder mit LRS durch ein ganzheitliches, auf Wahrnehmungsförderung ausgerichtetes pädagogisches Handeln individuell zu unterstützen.
Schlüsselwörter
Wahrnehmung, Lese-Rechtschreibschwäche, LRS, Grundschule, Sensorische Integration, Wahrnehmungsförderung, Psychomotorik, Schriftspracherwerb, Lese- und Schreiblernprozess, Diagnose, Sprachwahrnehmung, Teilleistungskonzept, Inklusion, pädagogische Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Zusammenhänge zwischen Wahrnehmungsleistungen und dem Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen bei Kindern in der Grundschule, insbesondere bei Vorliegen einer Lese-Rechtschreibschwäche (LRS).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die neurophysiologischen Grundlagen der Wahrnehmung, die Ursachen und Symptome von LRS sowie praktische Ansätze zur Wahrnehmungsförderung im Schulalltag, im Sportunterricht und im Elternhaus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Relevanz der Wahrnehmung für das Lesen- und Schreibenlernen aufzuzeigen, ein tieferes Verständnis für die Situation betroffener Kinder zu entwickeln und Lehrern praktische Anregungen zur Förderung zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine schriftliche Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literatur- und Theorieanalyse basiert, welche bestehende Förderkonzepte und Diagnoseverfahren kritisch vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Wahrnehmung, die differenzierte Betrachtung des LRS-Begriffs und dessen Diagnose, die Analyse der psychosozialen Situation sowie die Darstellung konkreter Förderprogramme und Unterrichtsbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wahrnehmung, Lese-Rechtschreibschwäche, Grundschule, Sensomotorik, Förderung, Psychomotorik und Schriftspracherwerb.
Welche Rolle spielt die Bewegung bei der Wahrnehmungsförderung laut der Autorin?
Die Autorin betont, dass Lernen ohne Bewegung nicht möglich ist; daher muss die Wahrnehmung stets in engem Zusammenhang mit körperlichem Handeln und aktiver Auseinandersetzung mit der Umwelt gesehen werden.
Warum wird der Computer in der Wahrnehmungsförderung als sinnvoll erachtet?
Der Computer bietet ein hohes Motivationspotenzial, ermöglicht ein individuelles Arbeitstempo und erlaubt ein Lernen über mehrere Wahrnehmungskanäle, sollte jedoch stets als ergänzendes Medium unter Anleitung eines Lehrers eingesetzt werden.
- Citar trabajo
- Astrid van Reine (Autor), 2002, Wahrnehmungsförderung bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche in der Grundschule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11451