In Platons „Politeia“ behauptet Sokrates´ Gesprächspartner Glaukon, dass der Gerechte, der nicht gerecht scheinen, sondern sein will, anderen ungerecht erscheint und sogar gekreuzigt würde. Der Ungerechte hingegen will demnach gerecht scheinen aber ungerecht sein. Seine Ungerechtigkeiten verschleiert er und kann die Vorzüge des Lebens, in einem gerechtem Rufe stehend, genießen.
Diese Annahme mag zunächst widersprüchlich sein, denn die meisten von uns haben schon von klein auf gelernt, was gut und was böse ist. Ziemlich schnell lernten wir auch den Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit kennen und im Einklang mit unserer moralischen Erziehung war es uns schließlich möglich die Gerechtigkeit dem Guten und die Ungerechtigkeit dem Bösen und Schlechten zuzuordnen. Warum also sollte der Gerechte letztlich gestraft werden, wohingegen dem Ungerechten ein besseres Los bestimmt ist? Aus der Konsequenz dieser Annahme entspringt folgende Vermutung: der Ungerechte ist glücklicher (eudaimoner) als der Gerechte.
Sokrates jedoch will diese Vermutung widerlegen. Aber wenn er oder auch Glaukon von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit sprechen, so dürfen wir nicht mit naiver Leseart herangehen und beide Begriffe vorbehaltlos mit unserem heutigem Verständnis gleichsetzten. Nein, wir müssen unser wachsames Auge für Sokrates´ Begriffsbestimmung erst schärfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die praktische Philosophie
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, die sokratische Argumentation aus Platons „Politeia“ zu untersuchen, die die Behauptung widerlegt, der ungerechte Mensch sei glücklicher (eudaimoner) als der gerechte Mensch.
- Analyse der sokratischen Gerechtigkeitsdefinition
- Die Analogie zwischen der Gerechtigkeit im Staat und der Gerechtigkeit im Menschen
- Die Bedeutung der inneren Harmonie der Seelenteile
- Das Spannungsfeld zwischen innerem Glück und äußeren Lebensumständen
- Kritische Reflexion des sokratischen Glücksbegriffs
Auszug aus dem Buch
Einführung in die praktische Philosophie
In Platons „Politeia“ behauptet Sokrates´ Gesprächspartner Glaukon, dass der Gerechte, der nicht gerecht scheinen, sondern sein will, anderen ungerecht erscheint und sogar gekreuzigt würde. Der Ungerechte hingegen will demnach gerecht scheinen aber ungerecht sein. Seine Ungerechtigkeiten verschleiert er und kann die Vorzüge des Lebens, in einem gerechtem Rufe stehend, genießen.
Diese Annahme mag zunächst widersprüchlich sein, denn die meisten von uns haben schon von klein auf gelernt, was gut und was böse ist. Ziemlich schnell lernten wir auch den Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit kennen und im Einklang mit unserer moralischen Erziehung war es uns schließlich möglich die Gerechtigkeit dem Guten und die Ungerechtigkeit dem Bösen und Schlechten zuzuordnen. Warum also sollte der Gerechte letztlich gestraft werden, wohingegen dem Ungerechten ein besseres Los bestimmt ist? Aus der Konsequenz dieser Annahme entspringt folgende Vermutung: der Ungerechte ist glücklicher (eudaimoner) als der Gerechte.
Sokrates jedoch will diese Vermutung widerlegen. Aber wenn er oder auch Glaukon von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit sprechen, so dürfen wir nicht mit naiver Leseart herangehen und beide Begriffe vorbehaltlos mit unserem heutigem Verständnis gleichsetzten. Nein, wir müssen unser wachsames Auge für Sokrates´ Begriffsbestimmung erst schärfen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung in die praktische Philosophie: Dieses Kapitel erläutert die Ausgangsthese Glaukons, die den Ungerechten als glücklicher darstellt, und stellt Sokrates' Methode sowie seine Analogie zwischen der Gerechtigkeit im Staat und in der menschlichen Seele vor.
Schlüsselwörter
Platon, Politeia, Sokrates, Glaukon, Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit, Eudaimonie, Glück, Seelenteile, Harmonie, Innere Gerechtigkeit, Tugend, Analogie, Ethik, Praktische Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Debatte aus Platons Werk „Politeia“ über die Frage, ob ein gerechtes Leben tatsächlich glücklicher ist als ein ungerechtes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Gerechtigkeit, die Struktur der menschlichen Seele sowie die Verknüpfung von innerer Harmonie und individuellem Glück.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Argumentationsweg von Sokrates nachzuvollziehen, mit dem er Glaukons These widerlegt, dass der Ungerechte mehr vom Leben profitiere.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Textanalyse, um Platons philosophische Argumentation und die zugrundeliegende Analogie zwischen Staat und Seele zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analogie zwischen den drei Ständen des Staates und den drei Teilen der menschlichen Seele sowie der daraus resultierenden Bedeutung von Harmonie für das Glücksempfinden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gerechtigkeit, Eudaimonie (Glückseligkeit), Seelenharmonie, Tugend, Platon und die sokratische Methode.
Wie definiert Sokrates die Gerechtigkeit im Menschen?
Sokrates definiert einen gerechten Menschen über die innere Ordnung seiner drei Seelenteile, wobei jeder Teil seine spezifische Aufgabe erfüllt und nicht in die Aufgaben der anderen eingreift.
Wie begegnet der Text dem Einwand des äußeren Leids?
Der Text reflektiert kritisch, dass Sokrates' Glücksbegriff primär auf dem inneren Seelenzustand basiert und äußere Schicksalsschläge oder Armut als zweitrangig für das Glück des Gerechten bewertet.
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- Mendina Morgenthal (Author), 2008, Platon Politeia: Ist der Ungerechte glücklicher als der Gerechte?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114522