Mit der Ratifikation der Reichsverfassung am 1.Januar und der Kaiserproklamation im Versailler Spiegelsaal am 18.Januar 1871 wurde unter Führung Preußens und Bismarcks das Deutsche Reich gegründet - der deutsche Nationalstaat war - mit einigen Abstrichen - Realität geworden. Wie aber war es dazu gekommen? Wer und was waren die Wegbereiter, die wesentlichen Ereignisse zum deutschen Einheitsstaat? Wer hatte mehr Anteil am Zustandekommen, die liberale deutsche Nationalbewegung oder Bismarcks preußische Machtpolitik? Um diese Fragen beantworten zu können, muß auf die Ereignisse der Zeit vor der Reichsgründung bis 1848 zurückgeschaut werden.
Diese Referatsausarbeitung widmet sich dabei dem letzten Jahrzehnt vor 1871, also den 1860er Jahren, in denen die sogenannten Einigungskriege stattfanden - die was für Auslöser, Funktionen und Folgen hatten? -, der Liberalismus sich in Freisinnigen und Nationalliberalismus spaltete - wieso und mit was für Konsequenzen? - und der Norddeutsche Bund als kleinerer, aber dafür festerer und fortschrittlicherer Nachfolger des Deutschen Bundes ins Leben gerufen wurde. Schließlich sollen auch die Reichsgründung selbst und ihre unmittelbaren Ursachen - Krise um die spanische Thronkandidatur, Französischer Krieg, nationale Kriegseuphorie - betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
I.) Einleitung
II.) Der Krieg gegen Dänemark 1864
III.) Die Gründung des Norddeutschen Bundes 1867
IV.) Der Deutsch-Französische Krieg & die Reichsgründung 1871
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die entscheidenden Etappen auf dem Weg zur deutschen Reichsgründung im Jahr 1871, wobei insbesondere die Rolle der Einigungskriege sowie die politische Entwicklung Preußens und des Norddeutschen Bundes im Zentrum stehen.
- Die diplomatischen und militärischen Hintergründe des Krieges gegen Dänemark 1864.
- Die Entstehung, Verfassung und politische Struktur des Norddeutschen Bundes 1867.
- Der Deutsch-Französische Krieg und sein Einfluss auf die nationale Einigung.
- Die Rolle Bismarcks und das Verhältnis zwischen preußischer Machtpolitik und der liberalen Nationalbewegung.
Auszug aus dem Buch
III.) Die Gründung des Norddeutschen Bundes 1867
Mit dem "Bruderkrieg" von 1866 hatte auch der Deutsche Bund, der 1815 durch den Wiener Kongreß geschaffen worden war, aufgehört zu existieren. Beim "Prager Frieden" am 23.August 1866 wurde aber gleichzeitig ein neuer deutscher Staatenbund ins Leben gerufen: der Norddeutsche Bund, freilich aber ohne Österreich. Dieser Norddeutsche Bund, dessen Verfassung am 17. April 1867 von den 22 beteiligten Staaten angenommen worden war, bestand aus allen deutschen Staaten nördlich des Mains. Außen vor wollten (und mußten) die deutschen Staaten südlich des Mains bleiben: Bayern, Baden und Würtemberg schlossen sich zu einer "süddeutschen Staatenunion" (Schulze;S.346) zusammen.
Auch den süddeutschen Ländern durfte sich Österreich nicht anschließen: Es war endgültig aus Deutschland ausgestoßen worden. Ansonsten war Bismarck mit dem Verlierer Österreich schonend umgegangen: Es gab keinen Einmarsch in Wien und auch keine Gebietsabtretungen, mit Ausnahme Venetiens, das die Habsburger wieder an Italien abtreten mußten. Mit den Bündnispartnern Österreichs ging Bismarck hingegen weniger nachsichtig um. Hannover, Kurhessen, Nassau, Frankfurt und nun auch Schleswig-Holstein wurden von Preußen kurzerhand annektiert, die Fürsten vertrieben. Durch diese Annexionen hatte Preußen sich nicht nur mit einem Schlag um fast 25% vergrößert, sondern war imstande gewesen, "...den Schönheitsfehler der Friedensordnung von 1815, seine Trennung in einen östlichen und einen westlichen Landesteil, zu bereinigen" (Schulze;S.346).
Zusammenfassung der Kapitel
I.) Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach den Wegbereitern der Reichsgründung und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen liberaler Nationalbewegung und preußischer Machtpolitik.
II.) Der Krieg gegen Dänemark 1864: Dieses Kapitel behandelt den Konflikt um die Elbherzogtümer, die diplomatischen Verwicklungen und den Übergang des Schleswig-Holstein-Problems von einer internationalen zu einer nationalen Angelegenheit.
III.) Die Gründung des Norddeutschen Bundes 1867: Es wird die politische Neuordnung nach 1866, die Verfassung des Norddeutschen Bundes und das preußische Führungsstreben innerhalb dieser neuen Struktur detailliert analysiert.
IV.) Der Deutsch-Französische Krieg & die Reichsgründung 1871: Das Kapitel beschreibt den Weg zum Krieg mit Frankreich, die Rolle der Emser Depesche und die autoritäre Reichsgründung als "Revolution von oben".
Schlüsselwörter
Reichsgründung, Bismarck, Norddeutscher Bund, Preußen, Einigungskriege, Liberalismus, Nationalbewegung, Dualismus, Verfassung, 1871, Deutsch-Französischer Krieg, Schleswig-Holstein, Kaiserproklamation, Deutsche Einheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den historischen Prozess, der zur Gründung des deutschen Nationalstaates im Jahr 1871 führte, und beleuchtet dabei die entscheidenden politischen und militärischen Etappen des vorangegangenen Jahrzehnts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der preußischen Hegemonie, den Einigungskriegen (1864, 1866, 1870/71) und der strukturellen Verfassung des Norddeutschen Bundes als Vorläufer des Deutschen Kaiserreichs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, inwieweit die liberale Nationalbewegung oder Bismarcks Machtpolitik ausschlaggebend für die Reichsgründung waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen und bedeutender geschichtswissenschaftlicher Literatur zur deutschen Reichsgründung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch die drei großen Etappen: den Deutsch-Dänischen Krieg, die Gründung des Norddeutschen Bundes und den Deutsch-Französischen Krieg bis zur Kaiserproklamation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Reichsgründung", "Bismarck", "Norddeutscher Bund", "Preußen" und "Einigungskriege" definiert.
Welche Rolle spielte der Norddeutsche Bund als "Vorläufer"?
Er fungierte als legitimierender Kern und strukturelles Modell, dessen Verfassung mit nur geringfügigen Änderungen 1871 auf das Deutsche Reich übertragen wurde.
Wie bewertet der Autor die Rolle der liberalen Nationalbewegung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Einheit eher "von oben" durch die Machtmittel Preußens erreicht wurde und die liberalen Forderungen nach Freiheit zugunsten der staatlichen Einigung zurückgestellt wurden.
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- Kulturwissenschaftler M.A. Adrian Flasche (Author), 1996, Wichtige Etappenziele am Vorabend der deutschen Reichsgründung: die Einheitskriege 1864, 1866 und 1870/71 und der Norddeutsche Bund., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11454