Pierre Bourdieu. Eine Einführung in Person und Werk


Seminararbeit, 2000
12 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Biographische Zeittafel

II. Pierre Bourdieu – Kurz-Biographie, Werk und Theorie
2.1. EXKURS: Primat der Forschungspraxis
2.2. EXKURS: Selbstreflexivität der Soziologie
2.3. EXKURS: Bourdieus Ziele

III. Literaturliste

I. Biographische Zeittafel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Pierre Bourdieu: Kurz-Biographie, Werk und Theorie

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu hat in drei Jahrzehnten währender Forschungstätigkeit ein umfassendes Werk mit über 30 Büchern sowie über zweihundert Aufsätzen und Vorträgen vorgelegt, das besonders durch seine thematische Vielfalt auffällt:

Studien zur politischen und zur Sprachsoziologie, zur Ethnologie, Bildungssoziologie, über Heidegger, über Max Weber, über die Photographie, über Kunst und Kulturpolitik, etliche Aufsätze über Religions-, Rechts- und Kunstsoziologie, zur Soziologie der Bürokratie, der Geschlechter- und Generationsverhältnisse, des Sports, der Mode usw.

Ein weiteres herausragendes Merkmal ist sein bis in die jüngste Gegenwart reichendes politisches Engagement für sozial benachteiligte Gesellschaftsgruppen.

Bourdieu wurde am 1. August 1930 in Denguin (Béarn) geboren. 1954 habilitierte er in Philosophie, nachdem er ein Philosophie-Studium an der Faculté des Lettres und der École Normale Supérieure in Paris absolviert hatte. Von 1955-57 arbeitete er dann als Philosophielehrer am Lycée (Gymnasium) de Moulins.

Erstmals von sich reden gemacht hatte Bourdieu Ende der 50er Jahre durch seine soziologischen Arbeiten zur algerischen Gesellschaft unter dem Einfluß der französischen Kolonialisierung. So entstanden in Algerien erste ethnologische Studien: Untersucht wurden Verwandtschaftsverhältnisse, Zeiterfahrung, Rituale des Gabentauschs, das Gefühl für soziale Ehre und die symbolischen Machtverhältnisse in der algerischen Gesellschaft. Währenddessen war er von 1958-60 Assistent an der Faculté des Lettres in Algier (Algerien). Unter dem Eindruck des Algerienkrieges (1954 - 62) hatte sich Bourdieu von der Philosophie abgekehrt und der Soziologie zugewendet. Er begründete diesen Schritt mit einer massiven Kritik am Intellektualismus, der naiv, utopistisch und realitätsfern sei. Von der Soziologie hingegen versprach er sich wesentlich mehr Bezug zur Wirklichkeit.

Anfang der 60er Jahre dehnte Bourdieu diese "algerische" Analyse von Verwandtschafts- und Heiratsstrukturen auf die französische Gesellschaft aus.

Die Forschungsergebnisse fanden dann ihren Niederschlag in seinen ethnologischen Arbeiten von 1972 "Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft" (= Berberstamm im Norden Algeriens) und dem 1980 erschienenen Werk "Sozialer Sinn".

Ebenfalls Anfang der 60er Jahre erforschte Bourdieu das französische Bildungssystem und dessen Rolle bei der Reproduktion gesellschaftlicher Klassenverhältnisse. Gleichzeitig erschienen seine ersten soziologischen Studien zu Kunst und Kunstrezeption (über die Soziologie der Photographie, über die europäischen Museen und ihr Publikum sowie über die gotische Architektur).

In der Zeit von 1960-62 ging Bourdieu einer Lehrtätigkeit an der Sorbonne, der renommiertesten französischen Universität, nach und begann mit seiner Forschungtätigkeit am Centre de Sociologie Européenne der École Pratique des Hautes Etudes (EPHE).

1962-64 war er Konferenzleiter an der Faculté des Lettres in Lille, ab 1964 ist er dann Studiendirektor an der EPHE. 1967 gründete der ehemalige Philosoph und jetzige Soziologe das Centre de Sociologie de l'Éducation et la Culture an der EPHE – 1968 wurde er dann auch Studiendirektor des Centre de Sociologie Européenne an der EPHE.

1968 veröffentlichte Bourdieu das Buch "Soziologie als Beruf", in dem er zu Methodenfragen Stellung nahm und wissenschaftstheoretischen Grundlagenerwerb für soziologische Erkenntnis durch forschungspraktische Erfahrungen forderte.

2.1. EXKURS: Primat der Forschungspraxis

Obwohl Bourdieu selbst eine bestimmte, kontinuierliche methodische Theorie in seinen Werken verneint, mit der er bei seinen Forschungen vorgeht, läßt sich doch ein gewisser systematischer Ansatz in seiner Forschungstätigkeit erkennen. Bourdieus Ansatz ist konstruktivistisch, d.h. er konstruiert sich sein sprachliches wissenschaftliches Instrumentarium aus den Erfahrungen, die er durch seine Forschungen in der Praxis, der Lebenswelt, macht. Sein Ensemble theoretischer und methodischer "(Erkenntnis-)Werkzeuge" wendet er primär forschungsorientiert auf die zu analysierenden soziologischen Gegenstände an. Für Bourdieu gilt der Primat der Forschungsorientierung, was bedeutet, daß seine theoretischen Konzepte in erster Linie als Mittel zum Zweck für die empirische Untersuchung sozialer Wirklichkeit dienen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Pierre Bourdieu. Eine Einführung in Person und Werk
Hochschule
Universität Lüneburg  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Kultursoziologie
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
12
Katalognummer
V11455
ISBN (eBook)
9783638176132
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pierre, Bourdieu, Eine, Einführung, Person, Werk, Kultursoziologie
Arbeit zitieren
Kulturwissenschaftler M.A. Adrian Flasche (Autor), 2000, Pierre Bourdieu. Eine Einführung in Person und Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11455

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