E-Procurement als Element einer E-Government-Strategie. Konzeption und Entwicklungsperspektiven


Diplomarbeit, 2001
43 Seiten, Note: 1,75

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. Problemstellung und Gang der Untersuchung

2. Begriffliche Abgrenzungen

3. E-Procurement als aktuelles Element von Verwaltungsreform

4. Public Electronic Procurement – Eine Bestandsaufnahme
4.1. Beispiel und Vorreiter USA
4.2. Aktueller Stand der Beschaffung in Deutschland
4.3. Projekte zu E-Procurement
4.3.1. Öffentlicher Eink@uf Online im Bundesbeschaffungsamt
4.3.2. Projekte der Bundesländer
4.3.3. Aktuelle Implementierungen in kommunalen Bereichen
4.3.4. Vorläufiges Fazit
4.4. Empirische Studien zur Anwendung von Public Electronic Procurement
4.4.1. Studie 1: Public Electronic Procurement (PEP) – Empirische Ergebnisse zum Beschaffungswesen der öffentlichen Hand im Internet (Universität Witten-Herdecke)
4.4.2. Studie 2: Internettechnologien in der Beschaffung der öffentlichen Hand (KPMG Consulting)
4.4.3. Vorläufiges Fazit

5. Aktuelle Problemfelder
5.1. Rechtliche Rahmenbedingungen
5.1.1. EU-Richtlinien zur öffentlichen Beschaffung
5.1.2. Regelungsbedarf auf nationaler Ebene
5.2. Digitale Signatur – technisch, rechtliche Schwierigkeiten
5.3. Digitale Spaltung
5.4. Standardisierungsproblem
5.5. Ergänzende Hemmnisse

6. Perspektiven und Potentiale von Public Electronic Procurement
6.1. Zur Notwendigkeit von Public Electronic Procurement
6.2. Strategieentwicklung von E-Procurement im öffentlichen Bereich

7. Zusammenfassende Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abb. 1: Eine Aufwand-Nutzen Betrachtung

Abb. 2: Organisatorische Lösungen des Electronic Procurement

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung und Gang der Untersuchung

Die Dynamik des Internets hat in knapp einem Jahrzehnt gravierende Veränderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen hervorgerufen. So gab es im Jahr 1993 nur 130 Web Seiten in Deutschland, drei Jahre darauf waren es bereits 100.000 und heute gibt es mehrere Millionen Webauftritte von Firmen, Privatpersonen und Institutionen.[1]

Diese Entwicklung erfasste mit etwas Verspätung auch die öffentliche Verwaltung in Deutschland, so sind Begriffe wie Virtuelles Rathaus, Electronic Government und Digitale Verwaltung in den Verwaltungen der Bundesministerien, Landesregierungen und Kommunen längst keine leeren Phrasen mehr, sondern werden in konkreten Projekten umgesetzt bzw. geplant.[2] Die Bundesregierung selbst hat sich mit dem Leitprojekt Bund Online 2005 ein hohes Ziel gesetzt und möchte bis zum Jahr 2005 alle internetfähigen Dienstleistungen online bereitstellen.[3] Electronic Government eröffnet immense Potentiale für die öffentliche Verwaltung im Zeitalter der Informations- und Kommunikationstechnologien. Ein Teil dieser bisher nicht ausgeschöpften Möglichkeiten wird im Bereich der Beschaffung der öffentlichen Hand mit Hilfe digital basierter Lösungen, des Electronic Procurement liegen.[4]

Diese Arbeit untersucht den Ansatz von E-Procurement oder auch Electronic Public Procurement im Kern einer E-Government-Strategie. Es werden im folgenden die Begriffe definitorisch abgegrenzt, um einen theoretischen Bezugsrahmen zu schaffen. E-Procurement wird daraufhin in die aktuelle Verwaltungsmodernisierung integriert, hierbei soll vor allem herausgearbeitet werden, ob die Erneuerung mit dem Ziel einer effizienten und schlankeren Verwaltung eine E-Procurement-Lösung ermöglicht. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Ausarbeitung der aktuellen Situation von Public Electronic Procurement. Hier wird die elektronische Beschaffung der öffentlichen Hand in Deutschland mit den USA, die als Paradebeispiel gelten, unterzogen. Die einzelnen Projekte von Bund, Ländern und Gemeinden werden anhand von spezifischen Vorhaben und Umsetzungen in den einzelnen Verwaltungsebenen aufgearbeitet, um einen möglichst genauen Überblick zu schaffen. Dieser gegenwärtige Überblick soll daraufhin mit Hilfe zweier Studien (Universität Witten Herdecke und KPMG Consulting) durch erste empirische Daten verglichen werden. Diese Bestandsaufnahme ist notwendig, da dieses Forschungsgebiet im Gegensatz zu Electronic Government bisher wenig oder kaum wissenschaftliche Beachtung gefunden hat. Die beginnenden Projekte und ersten Studien erfordern eine symbiotische Darstellung, da eine Eingrenzung der aktuellen Problemfelder sonst nur peripher zu einer kritischen Würdigung des Electronic Public Procurement führen würden. Die Schwierigkeiten auf dem Weg zur E-Procurement-Implementierung werden in diesem Teil der Arbeit näher betrachtet. Die EU-Richtlinien zur Beschaffung, wie auch der nationale Gesetzesstand in Hinblick auf E-Procurement werden behandelt. Probleme bezüglich der digitalen Signatur auf technischer und rechtlicher Ebene, müssen genauso geklärt werden, wie die Gefahr der digitalen Spaltung der Gesellschaft, die auch in den Bereichen der Verwaltung verstärkt spürbar wird. Die Schar der Anbieter von E-Government- Lösungen und der unzureichenden Einigkeit eines gemeinsamen Standards sollen weiterhin demonstrieren, vor welchen logistischen Problemen, die öffentliche Hand steht. Die Zusammenfassung der zusätzlichen Hürden wird zeigen welche dringende Priorität eine umfassende und enge Zusammenarbeit der beteiligten Verwaltungsebenen untereinander sowie der Wirtschaft und der Anbieter von E-Procurement bei der Beseitigung aller Teilaspekte der besprochenen Problemfelder zuteil wird. Im vorletzten Kapitel soll aus den gewonnenen Erkenntnissen der bisherigen Arbeit die Relevanz von Public Electronic Procurement zu einer Strategieentwicklung führen, die erforderlich ist, um die erkannten Potentiale sinnvoll auf die geforderten Ansprüche und Möglichkeiten der IuK-Techniken abzustimmen. Die Untersuchung wird abschließend zusammengefasst und zusätzlich durch einen Ausblick abgeschlossen.

2. Begriffliche Abgrenzungen

Wie schon erwähnt ist das Thema E-Procurement ein neues Forschungsgebiet, dass auch hinsichtlich einer Typologie erst wenig schlüssige definitorische Vorgaben bietet. Das Thema dieser Arbeit im Kontext einer E-Government-Strategie, soll deshalb in das System der digitalen Verwaltung folgerichtig eingeordnet werden. Eine zweckmäßige Definition, die beide Bestandteile beinhaltet, E-Government mit seinen Sphären einerseits und E-Procurement in diesem System anderseits, soll deshalb wie folgt festgelegt werden:

Demzufolge kann unter E-Government die Virtualisierung des Staates verstanden werden, die sich in folgende Teilbereiche untergliedert:

„(1) als ein elektronisches „one-stop non-stop“ -Angebot von digitalisierten, integrierten, personalisierten und jederzeit verfügbaren Services/Prozessen (G2C = government to citizen) sowie als elektronische Demokratie (eDemocracy) durch ein citizen empowerment zur stärkeren Einbindung der Bürger (C2G = citizen to government) (hier als gesteigertes Mitspracherecht am Demokratieprozess zu verstehen – Einfügung J.L.)

(2) als Optimierung der Wertschöpfungskette mit den Zulieferorganisationen durch eProcurement (Fettdruck eingefügt J.L.) (G2B = government to business) sowie als Integration in das policy making durch ein „joined up government“(B2G = business to government) (hier als gesteigerte Kooperation zwischen Verwaltung und Wirtschaft zu verstehen – Einfügung J.L.)

(3) als digitale Unterstützung intraorganisationaler (amtsübergreifender), vertikaler (Bund, Länder, Kommunen), horizontaler und internationaler Vernetzung zur Kooperation zwischen öffentlichen Institutionen und intermediären Einrichtungen (G2G = government to government) und

(4) als gesellschaftliches Knowledge Management, dessen Wissensbasis sich aus allen Bereichen speist (CBG2G = citizen, business, government to government).“[5]

Es bleibt festzuhalten, dass die Virtualisierung nur einen unterstützenden Anteil zu bereits bestehenden Verfahren der Ämter haben wird und keineswegs von einer völligen Neugestaltung auszugehen ist. Im anschließenden Abschnitt wird E-Procurement in die gegenwärtigen Reformprozesse der öffentlichen Verwaltung eingearbeitet.

3. E-Procurement als aktuelles Element von Verwaltungsreform

Die seit mehr als zehn Jahren anhaltenden Modernisierungsbemühungen der deutschen Ämter, die vor allem aufgrund der permanenten Finanzkrise die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien bisher vernachlässigte,[6] hat in der jüngsten Zeit nicht zuletzt wegen des steigenden Drucks durch internationale Vorreiter wie Kanada, Singapur und den USA das Rennen rund um die Anwendung von IuK-Technologien aufgenommen.[7]

Diese Entwicklung im politisch-administrativen System Deutschlands ist durch eine Modernisierungs- und Leistungslücke gekennzeichnet.[8] Mit Hilfe von E-Procurement kann diese Lücke zum Teil minimiert werden. Die elektronische Beschaffung und Vergabe öffentlicher Aufträge wird einen Beitrag zur Kostensenkung und Effektivitätssteigerung leisten, da herkömmliche Verfahren durch den Einsatz von IuK-Techniken erneuert, beschleunigt und wettbewerbsfähiger werden.

Um diesen Aspekt zu verdeutlichen muss E-Procurement in die bestehenden Reformebenen eingebunden werden. Das veränderte Funktions- und Rollenverständnis von Staat und Verwaltung als erste Ebene, zielt darauf ab, die Privatisierung von bislang öffentlich geführten Ressorts auszugliedern und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit dem privatwirtschaftlichen Sektor zu erhöhen. Dies wird an der wachsenden Priorität von Public Private Partnership’s (PPP) erkennbar. E-Procurement kann unter verstärkter Nutzung des Public Private Partnerships schneller umgesetzt werden, das Know How von IT -Firmen für die Bereitstellung und Betreuung der Hard- und Software Lösungen wird deshalb dringend notwendig. Die öffentliche Hand baut somit Aufgaben ab, fördert durch innovative Kooperation in Form von PPPs die eigene Wirtschaftlichkeit und schafft gleichzeitig eine höhere Bürgerzufriedenheit, die folglich extern auf neuen Arbeitsplätzen und intern auf Finanzeinsparungen der Ämter basiert. Die Bereitstellung von Wettbewerbsbedingungen im öffentlichen Sektor als externe Strukturreformebene wird unter Beihilfe von E-Procurement das Spektrum der Handlungsalternativen zwischen den beteiligten Kooperationspartnern zusätzlich fördern. Auf der dritten Reformebene der sogenannten Binnenmodernisierung, die sich durch Neugestaltung von Strukturen, Verfahren und Verhalten von Personal in den Verwaltungen charakterisiert, wird E-Procurement zu ganz entscheidenden Verbesserungen beitragen. Beispielsweise werden Beschaffungswege zeitlich verkürzt, das Ausfüllen langer Formale für die Beamten und Angestellten entfällt und die Automatisierung auf der Basis von Public Electronic Procurement, hier vor allem die Versorgung mit Verbrauchsartikeln (C-Artikeln), senkt Prozesskosten.[9]

Das erläuterte Leistungsvermögen von E-Procurement im Modernisierungsprozess ist auf zwei Grundfunktionen der IuK-Technik zurückzuführen: die systemsteuernde und systembildende Funktion. Dabei wirkt die systemsteuernde Funktion vor allem auf der Reformebene der Binnenmodernisierung, wie gezeigt, auf der Basis vom bisher unausgeschöpften Rationalisierungspotential der öffentlichen Hand, in Form von gesteigerter Effektivität, Effizienz und Kostenwirtschaftlichkeit. Die systembildende Funktion nimmt eine entscheidende Rolle im Reformprozess ein, da technisch, organisatorisch, zeitlich, räumlich wie auch wirtschaftlich neue Handlungsprinzipien entstehen. Daraus resultierend ergeben sich neue Verfahren, und alte Strukturen werden zum Teil auflöst. Beide Funktionen können nicht klar voneinander abgegrenzt werden und formen die Verwaltungsvorgänge in den Reformebenen interdependent.[10]

Die Reformbemühungen der deutschen Verwaltung werden unter den skizzierten Reformansätzen mit Hilfe der IuK-Technologien, insbesondere mit dem Konzept von E-Procurement, die geforderten Veränderungen ermöglichen. Dabei werden die erläuterten Einsatzmöglichkeiten des E-Procurement im Kontext der Grundfunktionen permanent weiterentwickelt und neu konzipiert. Die aufgezeigten Einsatzbereiche von Electronic Public Procurement geben einen ersten Eindruck, lassen jedoch nur die Spitze des möglichen Potentials erkennen. Inwieweit E-Procurement in Verwaltungen bereits Anwendung findet, wird im nachstehenden Abschnitt genauer untersucht.

4. Public Electronic Procurement – Eine Bestandsaufnahme

Die Prüfung der momentanen Situation von E-Procurement untergliedert sich in zwei primäre Unterpunkte: Erstens, den aktuellen Stand der Beschaffung in den USA und im Vergleich dazu die Umsetzung in Deutschland, mit den ersten Projekten von Bund, Ländern und Kommunen. Zweitens, die Auswertung ausgewählter Studien zur elektronischen Beschaffung und Vergabe durch die Universität Witten Herdecke und die KPMG Consulting.

4.1. Beispiel und Vorreiter USA

Die USA nehmen im internationalen Vergleich ihrer E-Government-Strategie momentan den dritten Platz ein. Die Behörden der USA lösten ähnliche Probleme, wie sie der deutschen Verwaltung bei ihrer Umsetzung ihrer E-Procurement-Lösung noch bevorstehen. Allerdings zeichnen sich ihre Anwendungen heute durch stärkere Führungsstärke und administrative Einigkeit, deutlichere Ergebnisorientierung und konkretere Zuständigkeiten aus.[11] Ein E-Procurement-System im gesamten öffentlichen Bereich der USA gilt als viel versprechende Möglichkeit den gesamten Beschaffungsvorgang zusammenzufassen und simultan hierzu eine bessere Transparenz, Kostenreduktion und Beschleunigung in den öffentlichen Verwaltungen zu erzielen.[12]

Um einen Überblick zu momentanen Situation zu schaffen, folgen Anwendungsaktivitäten aus allen Bereichen der öffentlich Hand der USA.

Aktuelle Beispiele für bereits bestehende E-Procurement-Systeme sind:

Auf nationaler Ebene: Der Federal Supply Services (FSS) in Kooperation mit der General Service Administration (GSA) die alle nationalen Verwaltungsbereiche auf Basis von elektronischer Beschaffung auf einer Internetplattform versorgt. So kann die Beschaffung von Büromaterial, Services, Technik bis hin zu Büroflächen über ein durch Passwort gesichertes Login abgewickelt werden.[13] Im Jahr 2000 verzeichnete die GSA einen Gesamtumsatz von 10.3 Mrd. US$, davon etwa 15% mit der Smartcard[14] (Anmerkung: Smartcard – Eine Weiterentwicklung der Purchasing Card der öffentlichen Beschaffung mit digitalem Zertifikat des Nutzers).[15]

Auf ministerialer Ebene: Das Verteidigungsministerium Department of Defense (DoD) schloss 1997 einen Vertrag mit der AMS Industrial Consulting & System Group, um die Software und Integration einer E-Procurement Anwendung weiter auszubauen. Das System stellt den Datenaustausch mit den Anbietern, die elektronische Vergabe mit Hilfe elektronischer Formulare bis hin zur Abwicklung von vergebenen Verträgen her. Zum heutigen Zeitpunkt nutzen etwa 20.000 Angestellte des DoD unter Anwendung der Smartcard diesen Service, bis 2003 sollen es sogar 43.000 Anwender sein.[16] Das Verteidigungsministerium beschaffte im Jahr 2000 Waren und Dienstleistungen im Wert von 23.6 Mrd. US$, davon circa 21% mit der Smartcard.[17]

Auf bundesstaatlicher Ebene: Der Bundesstaat Michigan hat im Jahr 2000 in enger Zusammenarbeit mit den Partnern accenture Consulting und Epylon (Technologie) die E-Procurement-Lösung MiBuy eingeführt. Heute nutzen etwa 50 Abteilungen, (z.B. Department of State, State Police und das Department of Management and Budget) aus vier bundesstaatlichen Ämtern dieses System. Der Nutzer loggt sich hierzu auf der MiBuy Seite ein, wählt einen speziellen Produktkatalog oder Artikelstamm und füllt so seinen digitalen Warenkorb. Der hohe Grad an Integration und Service zeigt sich in den etwa 1.400 Anbietern mit circa 11.000 Produkten.[18]

Auf kommunaler Ebene: Das sicherlich global Best-Practice-Beispiel für eine E-Government-Strategie auf kommunaler Ebene bietet die Hightech- Region Fairfax im Bundesstaat Virginia. Drei technische Plattformen wie Informationskioske mit Touchscreens, telefonisches Auskunftssystem mit Interactive Voice Response und die Webseite mit elektronischen Transaktionen verbessern die Wettbewerbsfähigkeit der Region auch auf der Basis von E-Procurement zwischen den lokalen Anbietern und der Kommune.[19]

1998 wurde mit einem Pilotprojekt der GSA im US-Bundesstaat Pennsylvania, erstmals der Einsatz sogenannter inverser Auktionen im Internet geprüft. Das Projekt zeigte, dass für die Beschaffung von Standardgütern (Streusalz, Heizkohle und Aluminium) Einsparungen von ca. 9% möglich sind.[20] Bei inversen Auktionen erhält derjenige den Zuschlag, der den Einstandspreis am weitesten unterbietet.[21] Der Erfolg der GSA in Pennsylvania ermutigte das DoD, ein eigenes Projekt durchzuführen. Es wurden im Gegensatz zur ersten inversen Auktion spezialisierte Güter (Bauteile für Schleudersitze) in der Pilotauktion des DoD beschafft. Hier wurden etwa 31% Ersparnis zur herkömmlichen Beschaffung erzielt.[22]

Die Regierung der USA hat ein klares Ziel bis 2005 - Eine Plattform, auf der potentielle Anbieter, ob kleine mittelständische Unternehmen oder Konzerne, ihre Produkte dem öffentlichen Sektor zugänglich machen können. Die US-Regierung hat erkannt, dass IuK-Technologien wie E-Procurement kritische Erfolgsfaktoren sind, die wirtschaftliches Wachstum, Kostensenkung und Innovation fördern.[23] Bevor der Vergleich der Projekte zu E-Procurement in Deutschland dargestellt wird, soll zunächst die Struktur der Beschaffung in den öffentlichen Verwaltungen Deutschlands kurz zusammengefasst werden.

4.2. Aktueller Stand der Beschaffung in Deutschland

Die möglichen Vorteile des E-Procurement wurden bereits in die Reformbestrebungen eingeordnet und sind aus den Anwendungen in den USA weiter hervorgegangen. Das öffentliche Auftragswesen in Deutschland ist mit mehr als 30.000 Auftragsgebern pro Jahr die etwa 200 Mrd. Euro Umsatz (circa 7% des Bruttoinlandsprodukt) erwirtschaften, ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.[24] Im folgenden soll der Ist-Zustand der Beschaffung auf ihre momentane Zusammensetzung geprüft werden. Dies erscheint notwendig, da Einsparungspotentiale durch E-Procurement nur so sinnvoll in den einzelnen Bedarfsgruppen z.B., wie bereits erwähnt, in Form von Prozesskostensenkung nutzbar werden.

Grundsätzlich wird die Beschaffung in drei Segmente geteilt. Die A-Artikel, das heißt die großen Materialgruppen wie Bauvorhaben, die meist einen hohen Aufwand an Prozess- und Beratungs-Know-how beanspruchen. Die B-Artikel wie Büromöbel und Computer, die ähnlich wie die A-Artikel einen relativ geringen Anteil an Bestellvorgängen haben, jedoch mit einem hohen Beschaffungswert einhergehen. Schließlich die C-Artikel, sprich Verbrauchsmaterial wie Kleinteile und Büromaterial, die den Löwenanteil der Beschaffung bei geringem Beschaffungswert ausmachen.[25]

[...]


[1] vgl. bmb+f und BMWi (Hrsg.), Aktionsprogramm der Bundesregierung: Innovation und Arbeitsplätze in der Informationsgesellschaft des 21.Jahrhunderts, Bonn u.a 1999, S.14

[2] vgl. Jansen, A., Stephan, Public Electronic Procurement (PEP) – Empirische Ergebnisse zum Beschaffungswesen der Öffentlichen Hand im Internet, in: Sonderheft Nr.1, Witten-Herdecke 2001, S.1

[3] vgl. http://www.ftd.de/tm/in/FTD476H29DC.html?nv=rs, 10.10.2001, Auszug aus der Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder anlässlich des D21-Kongress, Berlin 2000

[4] vgl. www.materna.de, 12.10.2001, MATERNA Information und Communications (Hrsg.), e-Procurement Elektronische Vergabe und Beschaffung für öffentliche Auftraggeber, Dortmund 2001, S.1

[5] Jansen, A., Stephan, Public Electronic Procurement (PEP), a.a.O, S.3

[6] vgl. Budäus, Dietrich, Die Rolle der Informations- und Kommunikationstechnologien im Modernisierungsprozess öffentlicher Verwaltungen, in: Scheer, August-Wilhelm (Hrsg.), Electronic Business und Knowledge Management – Neue Dimensionen für den Unternehmenserfolg, Heidelberg 1999, S.144

[7] vgl. accenture (Hrsg.), Anspruch und Wirklichkeit: eGovernment in Deutschland, Berlin 2001, S.4

[8] vgl. Budäus, Dietrich, Die Rolle der Informations- und Kommunikationstechnologien im Modernisierungsprozess öffentlicher Verwaltungen, a.a.O, S.146

[9] vgl. zu den Reformebenen, Ebenda, S.147f.

[10] vgl. zu den Grundfunktionen, Ebenda S.148ff.

[11] vgl. accenture (Hrsg.), Anspruch und Wirklichkeit: eGovernment in Deutschland, a.a.O, S.4

[12] vgl.. http://www.accenture,com/xd/xd.asp?it=enWeb&xd=/industries/government/gov _exprocure2.xm1&xt=print.xslt, 10.10.2001

[13] vgl. www.fss.gsa.gov, 08.10 2001

[14] vgl. www.fpds.gsa.gov, 08.10.2001

[15] vgl. Robinson, Eva, Procurement Cards: How to Get Started, How to Make Them Work, Power Point Presentation 2001.

[16] vgl. Thurston, Gary, Renard Paul, Department of Defense – Standard Procurement System 2001, Powerpoint Presentation.

[17] vgl. www.fpds.gsa.gov, 08.10.2001

[18] vgl. http://www.accenture,com/xd/xd.asp?it=enWeb&xd=/industries/government/gov _exprocure2.xm1&xt=print.xslt, 10.10.2001

[19] vgl. www.co.fairfax.va.us, 07.10.2001

[20] vgl. BMWi (Hrsg.), Chancen und Risiken inverser Auktionen im Internet für Aufträge der öffentlichen Hand, in: Dokumentation Nr. 496, Berlin 2001, S.56

[21] vgl. Ebenda, S.9

[22] vgl. Ebenda, S.58f.

[23] vgl. http://pec.gov, 11.10.2001, Fiscal Year 2001-2005, Procurement Executives Council Strategic Plan, S.7

[24] vgl. bmb+f und BMWi (Hrsg.), Aktionsprogramm der Bundesregierung, a.a.O, S.79

[25] vgl. Aust, Eberhard, et al., ePurchasing - Im B2B eCommerce ist der Kunde wieder König, 1. Aufl., München 2000, S.59f.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
E-Procurement als Element einer E-Government-Strategie. Konzeption und Entwicklungsperspektiven
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,75
Autor
Jahr
2001
Seiten
43
Katalognummer
V114552
ISBN (eBook)
9783668076921
ISBN (Buch)
9783668076938
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E-Procurement, Element, E-Government, Strategie
Arbeit zitieren
Jan Lüdert (Autor), 2001, E-Procurement als Element einer E-Government-Strategie. Konzeption und Entwicklungsperspektiven, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114552

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