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Fiktionalität und Erzählen im "Parzival" Wolframs von Eschenbach

Title: Fiktionalität und Erzählen im "Parzival" Wolframs von Eschenbach

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 27 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dr. Martin Holz (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Dem Roman der Moderne und Postmoderne sind als ihm exklusiv
zukommende Merkmale Metafiktionalität, Autoreflexivität und
Intertextualität attestiert worden. Bereits eine kursorische Lektüre von
Wolframs Parzival genügt, um diese Phänomene auch für einen
mittelalterlichen Text - man mag ihn nun als Artusroman, als höfischen
Roman oder als höfisches Epos bezeichnen - in einem Grade
nachzuweisen, der frappiert und insofern einer Erklärung bedarf. Dabei
fallen insbesondere diverse Kommunikationsprozesse ins Auge: Der Erzähler
adressiert mehrfach das Publikum, spricht andere Autoren an,
unterhält sich mit allegorischen Figuren (vrou minne, vrou witze und vrou
âventiure), stellt poetologische Reflexionen an, die er en passant oder auch
engagiert dem Rezipienten mitteilt, und inszeniert fortwährend sowohl
diesen Kommunikationskomplex als auch sich selbst und sein Erzählen.1
Dadurch verändert er den Fiktionalitätsgehalt des Werks, irritiert den
Leser bzw. Hörer kontinuierlich, posiert, kokettiert mit seiner
vermeintlichen Inkompetenz und relativiert etliche Aussagen.2 Die
Komponente des Spiels ist evident, jedoch kommen ein taktischer und ein
epistemischer Aspekt hinzu. Das "Koordinatensystem aus Erzählmaske
und Erzählhaltung"3 dient, so meine erste These, weniger einer
Etablierung der Epik gegenüber dem Minnesang4 als vielmehr dazu, das
Publikum in einen intellektuellen Agon zu verwickeln und zugleich eine
Reflexion zu initiieren, die das Problem der Wahrheit und potentiell auch
das der Autorkonstitution zum Gegenstand hat.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Wolfram und die fiktionale Inszenierung von Kommunikationsprozessen

B. Die erzählerische Modellierung des maere

I. Die Identität des Erzähler-Ichs

II. Die Dichotomie von ordo naturalis und ordo artificialis

III. Die rezeptionsästhetische Dimension von Dramaturgie und Erzählstil

1. Der implizite Rezipient

2. Reflexion, Erkenntnis und Desillusionierung

C. Fiktion vs. Wahrheit und das Problem der Lüge

I. Instanzen der Wahrheit

1. vrou Âventiure

2. Kyot

3. Das Publikum

II. Dimensionen der Intertextualität

III. res factae, res fictae und das integumentum

D. "Den Vorhang zu und alle Fragen offen" - was ist der âventiure meine'

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Fiktionalität und Erzählstruktur in Wolframs von Eschenbach "Parzival", wobei der Fokus auf dem komplexen Zusammenspiel zwischen Erzähler, Publikum und Wahrheit liegt. Das Ziel ist es, die traditionelle, auf Kohärenz ausgerichtete Interpretation zu überwinden und den Roman stattdessen als ein meta-fiktionales Experiment zu begreifen, das den Rezipienten aktiv in den Prozess der Sinnkonstituierung verwickelt.

  • Die fiktionale Inszenierung von Kommunikationsprozessen im Parzival.
  • Die erzählerische Modellierung durch den ordo artificialis.
  • Das Spannungsfeld zwischen Fiktion, Wahrheit und dem Problem der Lüge.
  • Die Rolle des Erzählers und des imaginierten Publikums bei der Sinnstiftung.
  • Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution.

Auszug aus dem Buch

A. Wolfram und die fiktionale Inszenierung von Kommunikationsprozessen

Dem Roman der Moderne und Postmoderne sind als ihm exklusiv zukommende Merkmale Metafiktionalität, Autoreflexivität und Intertextualität attestiert worden. Bereits eine kursorische Lektüre von Wolframs Parzival genügt, um diese Phänomene auch für einen mittelalterlichen Text - man mag ihn nun als Artusroman, als höfischen Roman oder als höfisches Epos bezeichnen - in einem Grade nachzuweisen, der frappiert und insofern einer Erklärung bedarf. Dabei fallen insbesondere diverse Kommunikationsprozesse ins Auge: Der Erzähler adressiert mehrfach das Publikum, spricht andere Autoren an, unterhält sich mit allegorischen Figuren (vrou minne, vrou witze und vrou âventiure), stellt poetologische Reflexionen an, die er en passant oder auch engagiert dem Rezipienten mitteilt, und inszeniert fortwährend sowohl diesen Kommunikationskomplex als auch sich selbst und sein Erzählen.

Dadurch verändert er den Fiktionalitätsgehalt des Werks, irritiert den Leser bzw. Hörer kontinuierlich, posiert, kokettiert mit seiner vermeintlichen Inkompetenz und relativiert etliche Aussagen. Die Komponente des Spiels ist evident, jedoch kommen ein taktischer und ein epistemischer Aspekt hinzu. Das "Koordinatensystem aus Erzählmaske und Erzählhaltung" dient, so meine erste These, weniger einer Etablierung der Epik gegenüber dem Minnesang als vielmehr dazu, das Publikum in einen intellektuellen Agon zu verwickeln und zugleich eine Reflexion zu initiieren, die das Problem der Wahrheit und potentiell auch das der Autorkonstitution zum Gegenstand hat.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Wolfram und die fiktionale Inszenierung von Kommunikationsprozessen: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und argumentiert, dass der Parzival komplexe metafiktionale Elemente aufweist, die das Publikum in einen intellektuellen Dialog verwickeln.

B. Die erzählerische Modellierung des maere: Hier wird die Rolle des Erzählers untersucht, der sich jeder kohärenten Charakterisierung entzieht und stattdessen durch den Einsatz des ordo artificialis die Wahrnehmung des Lesers manipuliert.

C. Fiktion vs. Wahrheit und das Problem der Lüge: Das Kapitel analysiert verschiedene Wahrheitsinstanzen wie vrou Âventiure und Kyot, um aufzuzeigen, wie Wolfram den Fiktionalitätsstatus seines Textes ständig problematisiert.

D. "Den Vorhang zu und alle Fragen offen" - was ist der âventiure meine': Im Fazit wird betont, dass eine einseitige Interpretation des Parzival an der Komplexität des Werkes scheitert und eine methodologische Selbstreflexion bei der Auslegung unabdingbar ist.

Schlüsselwörter

Wolfram von Eschenbach, Parzival, Fiktionalität, Erzähltechnik, Metafiktionalität, Intertextualität, ordo artificialis, Rezeptionsästhetik, Wahrheit, Literaturtheorie, Erzähler-Ich, mittelalterliche Epik, Sinnkonstituierung, Integumentum, Kyot.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Wolfram von Eschenbach in seinem Werk "Parzival" das Erzählen selbst zum Gegenstand macht, anstatt nur eine Geschichte zu präsentieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Analyse der Fiktionalität, der Einsatz erzählerischer Mittel wie der ordo artificialis sowie das komplexe Verhältnis zwischen dem Erzähler und dem Publikum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das "Parzival"-Potential als hochkomplexes, meta-fiktionales Werk aufzuzeigen und dabei traditionelle, hermeneutische Ansätze kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine phänomenologisch-prozessuale Analyse sowie Ansätze der neueren Erzähltheorie und Intertextualitätsforschung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Identität des Erzählers, der Konstruktion von Wahrheit durch verschiedene Instanzen wie Kyot und die Reflexion über Fiktion versus Wahrheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Fiktionalität, Metafiktionalität, Erzählhaltung, Rezeptionssteuerung und das Spannungsfeld von Wahrheit und Lüge.

Warum spielt die Figur des Erzählers eine so große Rolle für die Argumentation?

Weil sich der Erzähler im Parzival jeder festen Identität entzieht und seine eigene Erzählweise sowie die Autorität der Quellen fortwährend selbst ironisiert oder infrage stellt.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle des sogenannten "Integumentum" im Parzival?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Integumentum-Konzept zwar bekannt gewesen sein mag, aber kein integraler, erklärender Bestandteil für die komplexe Struktur des Parzival ist.

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Details

Title
Fiktionalität und Erzählen im "Parzival" Wolframs von Eschenbach
College
University of Cologne
Grade
1,3
Author
Dr. Martin Holz (Author)
Publication Year
1999
Pages
27
Catalog Number
V114555
ISBN (eBook)
9783640153183
ISBN (Book)
9783640155040
Language
German
Tags
Fiktionalität Erzählen Parzival Wolframs Eschenbach
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Martin Holz (Author), 1999, Fiktionalität und Erzählen im "Parzival" Wolframs von Eschenbach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114555
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