Diese Hausarbeit soll einen Beitrag dazu leisten, einen genaueren Blick auf Diversity und Diversity Management zu werfen. Nach kurzen Begriffserläuterungen folgt eine Darstellung und Beschreibung über die aktuelle Situation und wie divers die Kultur- und Theaterlandschaft bisher aufgestellt ist und welche Forderungen im öffentlichen Diskurs vorzufinden sind, die zukünftig zu mehr Vielfältigkeit im Kulturbereich führen sollen. Anschließend wird verstärkt auf Diversity Management eingegangen und abschließend erklärt, warum es auch für das Theater sinnvoll ist und welche Maßnahmen aus diesem Management-Ansatz helfen könnten, die Ziele der Theater effektiv zu erreichen und ihre Potentiale stärker auszuschöpfen.
Diversity betrifft auch das Theater in hohem Maße, da in den Betrieben die Unterschiede zwischen Mitarbeiter*innen z. B. im Hinblick auf ihre Arbeitsbereiche, Arbeitsorte und Arbeitsinhalte besonders ausgeprägt sind. Obwohl eine mögliche personelle Vielfalt in den verschiedenen Funktionsbereichen und das Zusammentreffen von Künstler*innen unterschiedlicher Kulturkreise innerhalb des Ensembles, einen professionellen diversitätssensiblen Umgang erfordern, wird Diversity Management an Theaterbetrieben bisher nur wenig oder kaum praktiziert. Anders als z. B. in Großbritannien, wo sich das Konzept bereits fest verankert hat und Vielfalt bei Personal, Programm und Publikum fast schon als selbstverständlich erachtet wird. Es steht also noch viel Arbeit an, um die wachsende Vielfalt, die in Deutschland zu beobachten ist, auch in die Theater hineinzutragen und umzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserläuterung
2.1 Diversity
2.2 Diversity Management
3. Diversity an deutschen Theaterbetrieben
3.1 Aktuelle Situation
3.2 Forderungen
4. Einsatz von Diversity Management
4.1 Chancen für das Theater
4.2 Handlungsempfehlungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Notwendigkeit und Umsetzung von Diversity Management an deutschen Theatern. Sie analysiert, warum das Theater trotz seines gesellschaftlichen Anspruchs auf Teilhabe oft homogen bleibt und wie ein diversitätssensibles Management zur Transformation der Theaterbetriebe beitragen kann.
- Grundlagen des Diversity-Begriffs und des Management-Ansatzes
- Status Quo der Diversität in deutschen Theaterensembles und Spielplänen
- Kritik an strukturellem Rassismus und bestehenden Hierarchien
- Strategische Handlungsempfehlungen für Kulturbetriebe
- Chancen von Diversity als Motor für Innovation und Publikumsnähe
Auszug aus dem Buch
3.1 Aktuelle Situation
Wissenschafler*innen, Dramatiker*innen, Theaterleute und Kulturschaffende sind sich einig, dass die deutschen Theater noch nicht die Vielfalt der Gesellschaft in ihren Ensembles und Spielplänen widerspiegeln.27 Es finden sich dazu viele Beiträge und Zeitungsartikel im Netz, die defizitäre Zustände hinsichtlich eines diversen Arbeitsumfeldes in deutschen Theaterbetrieben bemängeln. Theaterregisseurin Pinar Karabulut beispielsweise fasst zusammen, dass es immer noch für weiße heterosexuelle Männer einfacher sei, ein Engagement am Theater zu bekommen, als Menschen, die ausländisch aussehen oder mit Akzent sprechen.28 Dramaturgin Elisa Liepsch und Kurator Julian Warner sind Herausgeber*innen von „Allianzen. Kritische Praxis an weißen Institutionen“, einer Aufsatzsammlung, die sich kritisch mit Vorurteilen im Theateralltag auseinandersetzt und untersucht, was sich im Theaterumfeld verändern muss. Beide gehen in ihren Behauptungen soweit, dass das Theater nur eine „weiße Kultur- und Bildungsinstitution“ sei. People of Colour (PoC) und schwarze Kulturarbeitende kämen nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen an und auf die Bühnen.
Warner (2019) erläutert sehr treffend zum Thema Diversity an deutschen Theatern: „Das viele ‚Reden darüber‘ zeigt, dass so wenig passiert. Es gibt unglaublich viele Panels. Aber dass sich wirklich strukturell etwas ändert, das passiert in den wenigsten Fällen, denn das würde bedeuten, dass man tatsächlich das Personal diversifiziert, also dass man sagt: ‚Wir haben jetzt hier eine Quote, die mit Menschen mit Migrationshintergrund oder mit Migrationserfahrung oder mit Rassismuserfahrung oder wie man es auch immer machen möchte, gefüllt werden soll.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Anspruch des Theaters auf kulturelle Teilhabe und stellt fest, dass die Theaterlandschaft in Deutschland bisher weitgehend homogen bleibt.
2. Begriffserläuterung: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Diversity und Diversity Management als Instrumente zur Anerkennung von Vielfalt und zum Abbau von Diskriminierung.
3. Diversity an deutschen Theaterbetrieben: Hier wird die aktuelle, oft mangelnde Diversität in Theatern aufgezeigt und werden Forderungen nach strukturellen Veränderungen im Kulturbetrieb formuliert.
4. Einsatz von Diversity Management: Das Kapitel erläutert, wie Diversity Management als strategischer Ansatz eingesetzt werden kann, um Theater attraktiver zu gestalten und Konflikte zu mindern.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Diversity ein fester Bestandteil der Theaterstruktur werden muss, um gesellschaftliche Relevanz und Zukunftsfähigkeit zu sichern.
Schlüsselwörter
Diversity, Diversity Management, Theatermanagement, Kulturorganisationen, Diversität, Inklusion, Chancengleichheit, Strukturwandel, Antidiskriminierung, Personalführung, Empowerment, Kulturelle Teilhabe, Organisationskultur, Repräsentation, Diskriminierungskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit, das Management von Vielfalt (Diversity) in deutschen Theaterbetrieben zu professionalisieren, um eine diskriminierungskritische Organisationskultur zu schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die personelle Vielfalt in Theatern, der Abbau struktureller Benachteiligungen, die Rolle von Diversität im Spielplan und die Attraktivität des Theaters als Arbeitgeber.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Diversity Management dazu beitragen kann, Theater von geschlossenen Systemen hin zu offenen, die Gesellschaft widerspiegelnden Institutionen zu transformieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Diskursanalyse, die aktuelle Studien, Fachpublikationen und Debattenbeiträge zur Diversität im Kulturbetrieb auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle Situation, Forderungen aus dem Theatersektor und bietet konkrete Handlungsempfehlungen, wie Diversity Management operativ in Theaterstrukturen implementiert werden kann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen Diversität, Inklusion, Organisationsentwicklung und diskriminierungskritische Praxis beschreiben.
Warum wird das Theater als "weiße Institution" kritisiert?
Die Kritik bezieht sich auf die Beobachtung, dass Führungspositionen und Ensembles überproportional mit weißen, heterosexuellen Männern besetzt sind, was den Zugang für People of Colour erschwert.
Welche Rolle spielen Quotenregelungen in dieser Diskussion?
Quoten werden als ein Instrument zur schnelleren Diversifizierung von Personal diskutiert, wobei die Autorin betont, dass diese durch weitere strukturelle Anreize und eine kulturelle Veränderung ergänzt werden müssen.
Was ist mit dem "Baklava-Vergleich" von Dan Thy Nguyen gemeint?
Das Zitat verdeutlicht, dass es bei Diversität nicht um die bloße Teilhabe an bestehenden, oft exklusiven Strukturen ("ein Stück vom Kuchen") geht, sondern darum, die Strukturen selbst grundlegend neu und inklusiv zu gestalten ("Baklava machen").
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2021, Managing Diversity an deutschen Theatern. Perspektiven und Handlungsbedarf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1145653