Vom Geschäftsprozessmodell zum ausführbaren Programm - Entwurf einer ganzheitlichen Methodik


Bachelorarbeit, 2008
78 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Glossar

1. Einleitung
1.1 Problembeschreibung
1.2 Beitrag dieser Arbeit
1.3 Gliederung
1.4 Namenskonventionen

2. Grundlagen des Geschäftsprozessmanagements
2.1 Definition Prozess
2.2 Definition Geschäftsprozess
2.2.1 Begriffsabgrenzung
2.2.2 Eigenschaften von Geschäftsprozessen
2.3 Definition Modell
2.4 Definition Transformation
2.5 Definition Geschäftsprozessmanagement
2.6 Zusammenfassung

3. Service-Oriented Architecture
3.1 Definition Service-Oriented Architecture
3.2 Definition Service
3.3 Adaptive Enterprise Computing
3.4 Definition Web-Service
3.5 Funktionsweise eines Web-Service
3.6 Business Process Execution Language (BPEL)
3.6.1 Definition BPEL
3.6.2 BPEL4People
3.6.3 Aufbau eines BPEL-Prozesses
3.7 Zusammenfassung

4. Modellierung von Geschäftsprozessen
4.1 Kriterien
4.2 Microsoft Visio 2003
4.2.1 Reisekostenbeantragung EPK - Darstellung
4.2.2 Reisekostenbeantragung EPK - Besonderheiten
4.2.3 Reisekostenbeantragung Funktionsübergreifendes Flussdiagramm – Darstellung
4.2.4 Reisekostenbeantragung Funktionsübergreifendes Flussdiagramm – Besonderheiten
4.2.5 Ergebnisse
4.3 ViFlow 4.0
4.3.1 Reisekostenbeantragung Funktionsübergreifendes Flussdiagramm – Darstellung
4.3.2 Reisekostenbeantragung Funktionsübergreifendes Flussdiagramm – Besonderheiten
4.3.3 Ergebnisse
4.4 Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS)
4.4.1 Reisekostenbeantragung EPK – Besonderheiten
4.4.2 Ergebnisse
4.5 Zusammenfassung und Ausblick

5. Methodenentwicklung
5.1 Hand-Augen-Methode
5.1.1 Assembly Diagramm
5.1.2 Geschäftsobjekte
5.1.3 Schnittstellen
5.1.4 BPEL Prozess
5.1.5 Zusammenfassung und Ausblick
5.2 Automatische Transformation
5.3 Zusammenfassung und Ausblick

6. Schluss
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang A Software-Abgleich
A 1 – Modellierungsbereiche bei MS Visio 2003
A 2 – Reisekostenbeantragung EPK – MS Visio 2003
A 3 – Reisekostenbeantragung Funktionsübergreifendes Flussdiagramm – MS Visio 2003
A 4 - Reisekostenbeantragung ViFlow 4.0 – Web Darstellung
A 5 Reisekostenbeantragung EPK, ARIS

Anhang B Methodenentwicklung
B 1 Geschäftsobjekt KontaktBO
B 2 Geschäftsobjekt Antragsteller_BO
B 3 Geschäftsobjekt Daten_BO
B 4 Geschäftsobjekt ReisekostenantragBO
B 5 Geschäftsobjekt HumanTask_BO
B 6 Schnittstelle Antrag_ausfüllen_Interface
B 7 Schnittstelle mainProcessInterface
B 8 Schnittstelle Unterlagen_prüfen_Interface
B 9 Schnittstelle CheckDataInterface
B 10 Regelgruppe checkDataRulesgroup
B 11 Zusammenhang aller modellierten Komponenten im WID

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Darstellung Ereignis/Funktion, in Anlehnung an Geschäftsprozessmanagement, 2005, S.56

Abbildung 2 - Architekturmodell SOA, in Anlehnung an Javamagazin: BPEL 7.07 Abb. 5

Abbildung 3 - Service Varianten - in Anlehnung an Service-Oriented Architecture S.34 Abb. 3.1

Abbildung 4 - Service Beschreibung - in Anlehnung an Service-Oriented Architecture S.35 Abb. 3.2

Abbildung 5 - Autonomes Berichtswesen - in Anlehnung an Service-Oriented Architecture S.36 Abb. 3.3

Abbildung 6 - Adaptive Enterprise Computing - aus Javamagazin 7.07 S.23 Abb.1

Abbildung 7 - Entwicklung des Internets - aus IT-Lexikon [Internet], 2007, 19.08.

Abbildung 8 - Funktionsweise eines Web-Service, aus W3C [Internet], 2007, 19.08

Abbildung 9 - BPEL Aufbau - eigene Darstellung

Abbildung 10 - BPEL Prozess Beispiel - aus Oracle SOA Suite

Abbildung 11 - MS Visio 2003, EPK Reisekostenbeantragung, eigene Darstellung

Abbildung 12 - Funktionsübergreifendes Flussdiagramm Reisekostenbeantragung, MS Visio 2003, eigene Darstellung

Abbildung 13 - Reisekostenbeantragung funkt. Flussdiagramm, eigene Darstellung

Abbildung 14 - ARIS Haus, aus ARIS Dokumentation

Abbildung 15 - Anordnungsdiagramm, WID, eigene Darstellung

Abbildung 16 - KontaktBO, WID, eigene Darstellung

Abbildung 17 - AntragstellerBO, WID, eigene Darstellung

Abbildung 18 - mainProcessInterface, WID, eigene Darstellung

Abbildung 19 - mainProcess, WID, eigene Darstellung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Glossar

Change Management,

Change Management bezeichnet alle Aufgaben, Maßnahmen und Tätigkeiten, die eine umfassende, bereichsübergreifende und inhaltlich weit reichende Veränderung - zur Umsetzung von neuen Strategien, Strukturen, Systemen, Prozessen oder Verhaltensweisen - in einer Organisation bewirken sollen.

Datenfluss,

Der Datenfluss beschreibt den Weg von Daten zwischen Organisationseinheiten, Projektpartnern, Arbeitsplätzen, Funktionen oder Unternehmen.

E-Business,

Electronic Business ist der Oberbegriff für alle elektronischen Geschäftsaktivitäten.

Enterprise Java Beans,

(EJB) sind standardisierte Komponenten innerhalb eines J2EE-Servers (Java Enterprise Edition). Sie vereinfachen die Entwicklung komplexer mehrschichtiger verteilter Softwaresysteme mittels Java. Mit Enterprise JavaBeans können wichtige Konzepte für Unternehmensanwendungen, z. B. Transaktions-, Namens- oder Sicherheitsdienste umgesetzt werden, die für die Geschäftslogik einer Anwendung nötig sind.

Ereignis-Prozessketten,

Die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) ist ein Modell zur Darstellung von Geschäftsprozessen einer Organisation bei der Geschäftsprozessmodellierung. Sie ist wesentliches Element des ARIS-Konzepts (Architektur integrierter Informationssysteme).

Erweiterte Ereignis-Prozessketten,

eEPK ist die Abkürzung für erweiterte ereignisgesteuerte Prozesskette. Die in der ereignisgesteuerten Prozesskette (EPK) dargestellten logischen Abläufe eines Geschäftsprozesses werden anhand der eEPK um die Elemente der Organisations-, Daten und Leistungsmodellierung erweitert.

FTP

File Transfer Protocol: Protokoll zur Datenübertragung zwischen Computern im Internet.

HTML

Die Hypertext Markup Language (HTML) ist ein Dokumentenformat zur Auszeichnung von Hypertext im World Wide Web.

HTTP,

Das Hypertext Transfer Protocol (HTTP) ist ein zustandsloses Protokoll zur Übertragung von Daten. Primär wird es im Rahmen des World Wide Web zur Übertragung von Webseiten verwendet (Webbrowser greifen fast ausschließlich mit diesem Protokoll auf Web-Server zu).

Informationssystem,

Ein Informationssystem dient der rechnergestützten Erfassung, Speicherung, Verarbeitung, Pflege, Analyse, Benutzung, Verbreitung, Disposition, Übertragung und Anzeige von Informationen.

ISO 9001:2000,

Qualitätsmanagementnorm die beschreibt, welchen Anforderungen das Management eines Unternehmens genügen muss, um einem bestimmten Standard bei der Umsetzung des Qualitätsmanagements zu entsprechen.

Java Server Faces,

(JSF) vereinfachen die Entwicklung von Benutzerschnittstellen im J2EE- Umfeld.

Objektorientierte Programmierung,

Objektorientierte Programmierung (OOP) ist ein Verfahren zur Strukturierung von Computerprogrammen, bei dem zusammengehörige Daten und die darauf arbeitende Programmlogik zu Einheiten zusammengefasst werden, den sogenannten Objekten.

Organisationseinheiten,

Überbegriff für Einrichtung aus Personen, Gebäuden und Geräten zur Erfüllung definierter betrieblicher Aufgaben.

Paradigma,

Ein Paradigma in der Computerindustrie ist eine fokussierte Sichtweise auf den grundlegenden Aspekt des Fachgebietes.

Quality Management,

Der Begriff Qualitätsmanagement (QM) bezeichnet einen Teilbereich des funktionalen Managements. QM soll sicherstellen, dass Qualitätsbelange in der Unternehmensführung den ihnen gebührenden Platz einnehmen. Qualität bezieht sich dabei sowohl auf die vermarkteten Produkte und Dienstleistungen als auch auf die internen Prozesse des Unternehmens und ist definiert als das Maß, in dem das betrachtete Produkt oder der betrachtete Prozess den Anforderungen genügt.

Relationale Datenbanken,

Bei dem EDV Begriff relationale Datenbank liegt die Datenbasis bzw. der Datenbestand in Form einer zwei dimensionalen tabellenartigen Struktur vor, die über Schlüssel (Primärschlüssel, Fremdschlüssel) miteinander in Relation (Verbindung) stehen. Um die Mehrfacheingaben von Daten zu verhindern und die Redundanz zu verringern, werden sogenannte Beziehungen bzw. Verknüpfungen zwischen Tabellen erzeugt. Man unterscheidet dabei 3 Arten von Beziehungen zum einen die 1:1, m:n und die 1:n Beziehung.

SAP/ R3,

SAP R/3 ist ein Unternehmens-Informationssystem (sog. ERP, Enterprise Resource Planning) und ehemals das Hauptprodukt des deutschen Softwarehauses SAP. SAP R/3 erlaubt die EDV-gestützte Abwicklung einer Vielzahl der Aufgaben, die in einem typischen Wirtschaftsunternehmen anfallen. Der modulare Aufbau entspricht der in vielen Unternehmen üblichen Organisationsstruktur.

SMTP,

SMTP steht für Simple Mail Transfer Protocol und ist ein Protokoll das den Versand von E-Mails in Computer-Netzwerken regelt.

Stammdaten,

Die betriebswirtschaftlichen Grunddaten eines Unternehmens und deren Qualität bilden die grundlegende Basis für die erfolgreiche Abwicklung von Geschäftsvorgängen.

SOAP,

SOAP (Simple Object Access Protocol) ist ein Protokoll, mit dessen Hilfe Daten zwischen Systemen ausgetauscht und Remote Procedure Calls durchgeführt werden können. SOAP stützt sich auf die Dienste anderer Standards, XML zur Repräsentation der Daten und Internet-Protokolle zur Übertragung der Nachrichten. Die gängigste Kombination ist SOAP über HTTP und TCP.

TCP/IP,

(Transmission Control Protocol/Internet Protocol) TCP/IP ist das Kommunikationsprotokoll, das die Kommunikation zwischen Computern im Internet und in einem Netzwerk ermöglicht. Der erste Teil, TCP, der für die Übermittlung der Daten zuständig ist, passt die Größe der Nachrichten an beiden Übertragungsenden an und stellt sicher, dass die richtige Nachricht zugestellt wurde. Der zweite Teil, IP, ist die Computeradresse des Benutzers im Netzwerk.

UDDI,

UDDI (Universal Description, Discovery and Integration) ist ein Begriff aus der Computertechnik und bezeichnet einen Verzeichnisdienst in einem Umfeld von dynamischen Webservices.

Web Services Platform,

Die Webservices-Plattform enthält die Werkzeuge, die Entwickler für die Erstellung und Verwaltung von Webservices benötigen. Mittels dieser diversen Tools wie Compiler, Editoren, Code-Generatoren und Konsolen, können Entwickler die WSDL- Definitionen festlegen und Anwendungs-Code generieren. Diese kommunizieren über das SOAP-Protokoll miteinander. Für die Kommunikation, Bearbeitung und Konvertierung von Nachrichten stehen Laufzeit-Module zur Verfügung.

Die diversen herstellerspezifischen Webservices-Plattformen unterstützen in der Regel nur eine begrenzte Auswahl an Programmiersprachen und Plattformen, was zur Folge hat, dass viele Unternehmen mehrere WSP-Plattformen benutzen.

Wertschöpfungskette,

Mit Wertschöpfungskette (auch logistische Kette, Supply Chain, Lieferkette, Versorgungskette oder Leistungswirtschaft) wird in der Systematik des Betriebsprozesses der Weg eines Produktes oder einer Dienstleistung bis zum Verbraucher mitsamt der in jeder Stufe erfolgten Wertsteigerung (Mehrwert) bezeichnet. Der Wert eines Produktes oder einer Dienstleistung besteht nicht nur aus dem eigentlichen Produkt oder der Dienstleistung, sondern im Einzelfall aus sehr vielen verschiedenen Komponenten, die in den „Wertschöpfungsstufen“ entstehen; mehrere Wertschöpfungsstufen stellen somit die Wertschöpfungskette dar.

Whitepaper,

Ein formales Entscheidungsdokument, welches Lösungen für ein Problem aufzeigt.

Workflow-Management-Systeme,

Workflow Management Systeme unterstützen die Abwicklung und Organisation von Geschäftsvorgängen. Zu diesem Zweck werden die Informationen der Arbeitsvorgänge strukturiert und koordiniert. Abgeschlossene Vorgänge werden von einer Zuständigkeit an die nächste weitergeleitet, wodurch sie schneller und kostenoptimiert ausgeführt werden können.

WSDL,

Die Web Services Description Language (WSDL) definiert einen plattform-, programmiersprachen- und protokollunabhängigen XML-Standard zur Beschreibung von Netzwerkdiensten (Webservices) zum Austausch von Nachrichten.

XML,

Steht für EXtensible Markup Language und ist eine Sprache zur Beschreibung von Dokumenten. XML ist eine sog. META-Sprache, d.h. mit Hilfe von XML kann nach bestimmten Regeln eine eigene Auszeichnungssprache geschaffen werden.

Kapitel 1

1. Einleitung

1.1 Problembeschreibung

Aktuell ist Service-orientierte Architektur ein Schlagwort für Innovation und Gewinnsteigerung innerhalb der Computerindustrie. Durch eine Veränderung der IT- Architektur und die Nutzung von Web Services, wird eine schnellere Anpassung an Softwareveränderungen angepriesen.[1] Die großen Softwarehersteller wie IBM, SAP oder ORACLE bieten aktuell umfassende Integrationsplattformen an. Diese Plattformen gehen von unterschiedlichen Schichtentrennungen innerhalb einer Applikation aus.

Durch diese Schichtentrennung ist auch eine Trennung des fachlichen Geschäftsprozesses von der technischen Darstellung durchgeführt worden.[2] Um diese Trennung zu überbrücken ist es notwendig, eine Methode zu haben, um von der fachlichen zur technischen Darstellung zu gelangen.

1.2 Beitrag dieser Arbeit

Das Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, ein methodisches Vorgehen zu entwickeln, um vom Geschäftsprozessmodell zu einem ausführbaren Programm zu gelangen. Dabei wird diese Arbeit in zwei Teilaspekte untergliedert. Zum Einen wird die Geschäftsprozessmodellierung hinsichtlich Definition und Umsetzung untersucht. Zum Anderen wird die Vision der Service-Orientierten Architektur erläutert und mit technischen Realisierungen angereichert. Beide Aspekte werden abschließend zusammengeführt und zu einer Methode verarbeitet.

1.3 Gliederung

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel auf.

Das erste Kapitel (das aktuelle) befasst sich mit der Einführung der Aufgaben- und Problemstellung. Diese bilden die Grundlage und Ausrichtung für die nachfolgenden Kapitel.

In Kapitel 2 werden grundlegende Definitionen für das Geschäftsprozessmanagement gelegt. Des Weiteren wird eine Abgrenzung des Begriffs Geschäftsprozess vorgenommen. Dieses Kapitel bildet die Grundlage für Kapitel 4 und die Modellierung von Geschäftsprozessen.

In Kapitel 3 wird die Vision der Service-Orientierten Architektur und die Möglichkeiten diese zu erreichen, untersucht. Ferner wird aufgezeigt, weshalb BPEL sich für die Realisierung eines technischen Prozesses eignet.

Aufbauend auf Kapitel 2 und 3 wird in Kapitel 4 ein exemplarischer Geschäftsprozess mit unterschiedlichen Standardsoftwareprodukten modelliert, und hinsichtlich dreier Kriterien auf eine Eignung untersucht.

Kapitel 5 stellt die methodische Vorgehensweise einer manuellen Überführung vor und skizziert automatische Verfahren. Des Weiteren werden Probleme und Lösungsansätze erläutert.

Im abschließenden siebten Kapitel wird eine Zusammenfassung über die Vorgehensweise dieser Arbeit dargestellt und ein Ausblick über mögliche weitere Forschungsfelder gegeben.

1.4 Namenskonventionen

In der vorliegenden Bachelorarbeit werden einige Notations- und Layoutkonventionen genutzt, um das Lesen zu erleichtern und die Übersichtlichkeit zu erhöhen.

Direkte Zitate und Auffälligkeiten werden mit „“ oder kursiver Schrift dargestellt. Quellcode wird mit der Schriftart Courier New notiert und als Listing dargestellt. Codeelemente erscheinen in Tags <>. Begriffe die nicht im direkten Zusammenhang mit der Thematik stehen, aber das Verständnis des Lesers erhöhen könnten werden fett markiert und befinden sich im Glossar. Abkürzungen werden im Abkürzungsverzeichnis dargestellt.

Kapitel 2

2. Grundlagen des Geschäftsprozessmanagements

Um sich mit dem Gebiet des Geschäftsprozessmanagements vertraut zu machen, bedarf es einer grundlegenden Begriffsklärung und Abgrenzung. In diesem Kapitel werden die Begriffe Prozess, Geschäftsprozess und Modell sowie Transformation definiert. Des Weiteren werden die Eigenschaften von Geschäftsprozessen und deren Strukturierung erläutert.

2.1 Definition Prozess

Nach Quality versteht man unter einem Prozess in Wechselbeziehungen stehende Mittel und Tätigkeiten, die Eingaben in Ergebnisse umgestalten.[3]

„Ein Prozess ist eine Kette von zusammenhängenden Aktivitäten, die gemeinsam einen Kundennutzen schaffen.“[4]

Beide Definitionen drücken im Wesentlichen eine Gemeinsamkeit aus:

Ein Prozess beschreibt den klar definierten Ablauf von wertschöpfenden Maßnahmen zur Erstellung eines Produktes oder einer Dienstleistung und wird fortan als Geschäftsprozess benannt und verwandt.

2.2 Definition Geschäftsprozess

2.2.1 Begriffsabgrenzung

Nach Allweyer lässt sich der Begriff Geschäftsprozess in sechs unterschiedliche Bereiche aufteilen, um unterschiedliche Meinungen und Ansichtspunkte darzustellen.[5]

1. Betriebswirtschaftlich orientierte Verwendung:

Der Verfasser beschreibt hier die Beachtung von allen unternehmerischen, wirtschaftlich klar definierbaren Abläufen in einem Unternehmen.

2. Automatisierungsbezogene Verwendung:

Allweyer behauptet, dass der Begriff Geschäftsprozess hier im Wesentlichen für die Ablaufbeschreibung innerhalb von WFMS verwendet wird und nur noch als Teilaspekt dient.

3. Schnittstellenbezogene Verwendung:

Der Autor verweist auf die Nutzung des Begriffs in Electronic Business (E- Business) Projekten zum Festlegen des Datenflusses zwischen den beteiligten Partnern.

4. Auf die Nutzung eines Anwendungssystems bezogene Verwendung:

Der Verfasser vergleicht die Nutzung des Begriffs Use-Case mit dem Begriff Geschäftsprozess und stellt heraus, dass durch eine falsche Übersetzung nicht mehr die Interaktion zwischen Nutzer und Anwendung (Anwendungsfall) gemeint ist, sondern ein Geschäftsprozess, und dies ebenfalls zu Irritationen führen kann.

5. Auf die Software-Entwicklung bezogene Verwendung:

Allweyer beschreibt hier die Notwendigkeit einer Trennung der Verwendung des Begriffs Geschäftsprozess im betriebswirtschaftlichen Sinn und innerhalb der Software-Entwicklung, um ein besseres Verständnis der beteiligten Personen zu schaffen.

6. Falsche bzw. ungenaue Verwendung:

Nach dem Autor wird der Begriff Geschäftsprozess/Prozess falsch angewandt, so hebt er als Negativ-Beispiel Unternehmensfunktionen wie den Marketing- Prozess oder den Qualitätsmanagement-Prozess hervor. Seiner Aussage nach handelt es sich dabei nicht um Prozesse, da keine klar definierten Abläufe sondern zusammengefasste Tätigkeiten gemeint sind.

Die Abgrenzung der Begrifflichkeit Geschäftsprozess nach dem genannten Muster ist dahingehend sinnvoll, dass eine Sensibilität für andere Gesprächspartner im Rahmen des Geschäftsprozessmanagements aufgebaut wird.

Bevor der Fokus auf die Begriffsklärung des Geschäftsprozessmanagements gerichtet wird, ist es wichtig, sich mit den Eigenschaften und der Strukturierung von Geschäftsprozessen auseinanderzusetzen, um sich ein klares Bild über den Umfang machen zu können.

2.2.2 Eigenschaften von Geschäftsprozessen

Nach Riggert weisen Geschäftsprozesse einige wesentliche Merkmale auf. So existieren in einem Prozess Objekte, Aktivitäten und Ressourcen.[6]

Objekte sind die zentralen Elemente eines Prozesses und ändern ihren Zustand durch verschiedene Aktivitäten, die auf sie angewandt werden.

Aktivitäten stellen Arbeitseinheiten innerhalb eines Prozesses dar. Sie können dieselben Schritte mit unterschiedlichen Objekten in anderen Prozessen darstellen.

Ressourcen sind aktive (Personal) oder passive (Material) Ausführende der Aktivitäten.

Allweyer beschreibt die Eigenschaften von Geschäftsprozessen mit den Begriffen Funktionen, Organisationseinheiten und Ereignisse.[7] Funktionen und Organisationseinheiten decken sich mit der Aussage von Riggert bezüglich Aktivitäten und Ressourcen. Allweyer legt das Hauptaugenmerk auf die Ereignisse bei der Darstellung eines Prozesses. Riggert sieht eher die Objekte als die wesentlichen Bestandteile.

In Abbildung 1 ist ein Meta-Prozess dargestellt, der mit einem Ereignis beginnt, danach die entsprechende Funktion aufruft und diese in einer tieferen nicht dargestellten Ebene wieder mit einem Ereignis endet. Darauf folgt wieder ein Aufstieg in die hier dargestellte Unternehmensebene, und ein neues Ereignis tritt ein. Eine detaillierte Beschreibung zur Modellierung von Geschäftsprozessen erfolgt in einem späteren Kapitel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Darstellung Ereignis/Funktion, in Anlehnung an Geschäftsprozessmanagement, 2005, S.56

Beide Autoren vertreten unterschiedliche Standpunkte, die zusammenfassend aber einen Kernpunkt bilden:

So lassen sich ohne Ereignisse keine sinnvollen Prozesse darstellen, und Objekte sind letztendlich die Informations- und Wertschöpfungsträger eines Prozesses.

Neben den Eigenschaften von Prozessen, spielt unter anderem die Strukturierung eine große Rolle im Geschäftsprozessmanagement.[8]

Der Strukturierungsgrad eines Prozesses zeigt auf, wie detailliert sich die Prozesse im Ablauf darstellen. Ein hoher Strukturierungsgrad bedeutet, dass ein Prozess sehr detailliert dargestellt werden kann, zum Beispiel eine Banküberweisung. Bei einer Banküberweisung sind die Schritte für jeden neuen Vorgang nahezu identisch.

Sicherheitsmechanismen, wie die Unterschriftskontrolle ab einer gewissen Summe, lassen sich gut im Voraus festlegen und darstellen.

Ein niedriger Strukturierungsgrad sagt aus, dass ein Prozess schlecht im Voraus dargestellt werden kann, und dass die Vielzahl unterschiedlicher Abläufe für einen Vorgang eine hohe Strukturierung erschwert. Erst durch eine Abstraktion vorgekommener Abläufe lassen sich eine Struktur definieren und ein Modell anfertigen.

2.3 Definition Modell

Diese Abstraktion ist das Wesentliche bei der Modellierung eines Prozesses. Nach Line stellt ein Modell ein abstraktes Bild eines Systems dar. Diese

Systemdarstellung wird vereinfacht, oft auf das Wesentliche reduziert, gebildet. Line unterscheidet zum einen nach qualitativen und quantitativen Modellen, zum anderen nach Beschreibungs-, Erklärungs- und Entscheidungsmodellen.[9]

Galileo stützt diese Sichtweise und gibt ergänzend an, dass die Ziele einer Modelldarstellung ebenso wichtig sind, wie die Beachtung der Benutzer und Betrachter des Modells.[10]

Zusammenfassend ist ein Modell eine vereinfachte Darstellung der Realität mit unterschiedlichen Betrachtungswinkeln und Zielen.

2.4 Definition Transformation

Im Allgemeinen ist eine Transformation die Veränderung der Gestalt bzw. Form in eine andere ohne Verlust der Substanz.[11] Im Speziellen gibt es viele unterschiedliche Ausprägungen, unter anderem aus den Bereichen der Mathematik, Sozial-, Geistes- und Sprachwissenschaft, die den Grundbegriff der Transformation mit ihren spezifischen Anforderungen ergänzen.[12]

Im Rahmen der Informationstechnologie und dieser Ausarbeitung wird von Code- Transformation gesprochen, welche die Umwandlung von Quellcode in eine andere Programmiersprache oder einen anderen Dialekt meint.[13]

Zusammenfassend stellt eine Modelltransformation eine Abbildung eines Modells, unter Berücksichtigung der Ziele und Betroffenen, auf ein anderes Modell dar, wobei der Quellcode in eine andere Programmiersprache oder einen Dialekt umgewandelt wird.

2.5 Definition Geschäftsprozessmanagement

Die Aufgabe des Geschäftsprozessmanagements ist das Gestalten von Prozessen, um die Effizienz zu steigern, die Flexibilität zu gewährleisten und die Durchlaufzeit zu verringern. Um diese drei Eckpunkte zu gewährleisten, ist eine Mischung zwischen Change Management und Quality Management erforderlich. Die Einsatzbereiche sind breitgefächert und liegen zum Einen bei der Einführung von rechnergestützten Systemen, um Prozesse zu beschleunigen, und zum Anderen im betriebswirtschaftlichen Sektor, etwa bei Unternehmenszusammenschlüssen, um Prozesse zu optimieren und abzustimmen.[14]

Allweyer macht die Ergänzung, dass das Wissen, welches aus den Prozessen gewonnen werden kann, essentiell ist.[15] Seiner Auffassung nach erzeugen Geschäftsprozesse Daten und Informationen.

[...]


[1] Javamagazin: BPEL 7.07, S. 22

[2] Computerwoche Sonderdruck Nr.10, 2006, S. 1

[3] Quality [Internet], 2007, 30.05.

[4] Prozessmanagement leicht gemacht, 2005, S.12

[5] Geschäftsprozessmanagement, 2005, S.51

[6] Riggert [Internet], 2007, 30.05., S.12

[7] Geschäftsprozessmanagement, 2005, S.55

[8] Geschäftsprozessmanagement, 2005, S.65

[9] Line [Internet], 2007, 16.06.

[10] Galileo [Internet], 2007, 16.06.

[11] Library [Internet], 2007, 11.06.

[12] Lexikon [Internet], 2007, 11.06.

[13] Bullhost [Internet], 2007, 11.06.

[14] Prozessmanagement leicht gemacht, 2005, S.15 - 20

[15] Geschäftsprozessmanagement, 2005, S.166

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Vom Geschäftsprozessmodell zum ausführbaren Programm - Entwurf einer ganzheitlichen Methodik
Hochschule
Hochschule Harz Hochschule für angewandte Wissenschaften  (Fachbereich Automatisierung und Informatik; Studiengang Wirtschaftsinformatik)
Note
2,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
78
Katalognummer
V114580
ISBN (eBook)
9783640150298
ISBN (Buch)
9783640150632
Dateigröße
1558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschäftsprozessmodell, Programm, Entwurf, Methodik
Arbeit zitieren
Matthias Geske (Autor), 2008, Vom Geschäftsprozessmodell zum ausführbaren Programm - Entwurf einer ganzheitlichen Methodik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114580

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